Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnuffen bis schnupfen (Bd. 15, Sp. 1386 bis 1387)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnuffen, verb. (vgl. das vorhergehende wort), nur mundartlich erhalten: schnuffen, heftig atmen Spiesz 224. alles ausschnuffen, beschnuffen, beschnuffeln wollen. Kramer deutschitalien. diction. (1702) 2, 634b. schnüffen: kychende oder schnüffende. Terentius (1499) 156b; zu schnuffen wird weiterhin schnuffern gebildet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnuffler, schnüffler, m., zu schnuffeln, schnüffeln gebildet, s. dieses; nd. et is een rechten snüffeler, ein rechter spürhund Richey 275; een oll snüffler, ein alter kerl, der noch den mädchen nachgehet Dähnert 439b; snüffler, späher Woeste 247b, vgl. Schütze 4, 147. Danneil 200b. Schambach 200b; schnuffler, ein neugieriger Frommanns zeitschr. 3, 103 (fränk.-henneb.). besonders auch als schimpfwort Frischbier 2, 308a. von einem hunde:

marsch, wächter! was riechst du am packen?
warte des eigenen amts, du schnüffeler!
Voss 2, 178 (idyllen 11, 54).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnüffze, f. schnauze:

wann das blut durch seine (des pferdes) schnüffze keimt.
D. v. Czepko handschriftlich.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnullen, verb. saugen (vgl. DWB nullen, DWB nollen th. 7, sp. 879. 980), zunächst von kindern, daher schnuller, das saugläppchen; dann auch in allgemeinerer anwendung; eine person abschnullen, abküssen, zerküssen Schm. 2, 576, vgl. Schmid 475. Sartorius 112. Klein prov.-wb. 2, 137. Pfister erg. 1, 23; mit lust essen Hertel sprachschatz 219. schnullen, harnen (von kindern) Albrecht 20, in gleicher bedeutung auch nullen. in der Pfalz für tabak rauchen Klein prov.-wb. 2, 137 (vom saugen an der pfeife, die hie und da schnuller heiszt). schnullen, schmutzige redensarten führen Kehrein 1, 364 (schnudeln?).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnuller, m. saugläppchen Schmeller 2, 576. Schmid 409. Sartorius 112. Klein prov.-wb. 2, 138: (der artigste junge,) der jemals kindsbrey gegessen und an einem schnuller gesuckelt hätte. Wieland 15, 157; schnuller, tabakspfeife Hartmann-Abele volksschausp. 597 (s. DWB schnullen). schnuller bezeichnet im hessischen penis Vilmar 364, vgl. DWB schnullen, harnen. Pfister erg. 2, 34 bezeugt für schnuller die bedeutung kaulquappe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnumpel, f. weibliches geschlechtsglied Hertel sprachsch. 219. in Meiningen schnüms, schnöms, f. Spiesz 224.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnunkeln, verb. ein besonderes liebkosen der kinder. Pfister 265.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnupf, schnupfe, s. DWB schnupfen, m.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnupfdrucke, f. tabaksdose (schweiz.) Stalder 2, 345; vergl. DWB drucke theil 2, sp. 1441. auch für eine leidenschaftliche schnupferin Seiler 282a.

[Bd. 15, Sp. 1387]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnupfeln, verb. wie schnuffeln, schnüffeln: (ich) lieff als ein scornion hier und dar schnupffeln, etwas anzutreffen. Olearius pers. baumg. 8, 13 (93a); schnupfle nicht zur rechten noch zur lincken hand herumb, dasz du einige gebrechen suchest. 7, 30 (85b); durch die nase reden: schnupfelt alsdann und tratert wie ein traderpfeif durch die nasen. Kirchhof wendunm. (1602) 2, 192. schnipfeln: und sintemalen er sehr schnipfelt und durch die nasen redet. ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnupfen, m. krankhafter nasenflusz, verstopfung der nase (s. DWB schnupfen, verb.), verwandt mit schnauben, schnaufen. das wort ist vielgestaltig in älterer sprache, einige der entwickelten formen haben sich mundartlich erhalten; auch das geschlecht schwankt. schnupfen, m. geht zurück auf mhd. snupfe, m., der schnupfe: häupt - schwer, (der schnupffe) ist eine abtrieffung der flüsse. Comenius sprachenth. übers. von Docemius (1657) 300. daneben findet sich das fem. die schnupfe, die schnupfen: die snupfen, catarrus Diefenb. 106b, die snüpfen ebenda; so merke ich nun, dasz bei den Griechen in der schwärheit des hauptes dieser namen behalten wirt und die nasenphnusel oder schnupfe von jnen catastagmus genennt wirt. Celsus von Khüffner (1531) 45a;

würst anderst nit die schnüpfen hon.
Liliencron hist. volksl. 3, s. 348a;

gekürzt schnupf: schnupff, rheuma Dasyp.; schnupf, schnuppen, m. gravedo, rheuma, fluxus Schottel 1406; schnupf, gravedo, catarrhus Steinbach 2, 482; die schnupf, catarrus Dief. 106b, schnupff, f. pituita 439a. über ein schnupf anderer bedeutung s. unten unter 3. in nd. und md. gegenden, doch auch sonst, tritt pp auf an stelle des hochd. pf: snuppe, catarrus Dief. 106b, screatus 520c: schnupf, schnuppen, m. Schottel 1406; schnupfen, schnuppen Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 634c; schnuppa, der schnupfen Sartorius 112; snuppe, m. Schambach 201a; die form der schnuppen ist in lässiger umgangssprache, besonders der md. gebiete allgemein gebräuchlich und begegnet auch oft in der schriftsprache, wofür unten belege gegeben werden. daneben finden sich feminine formen: die snuppen, catarrus Dief. 106b, die schnup, reuma 497b, vergl. Frommann zeitschr. 4, 184 (schlesisch); der immer die schnuppe hat, gravedinosus; die schnuppe vertreiben, gravedini subvenire Frisch 2, 217a; ewer reuchopffer gefelt mir nicht, ich hab die schnuppen. Luther glosse zu Amos 5, 21 (7, 533 Bindseil);

darumb msz er die schnuppen han.
Schade sat. u. pasqu. 3, 100, 30;

Kramer 2, 634c verzeichnet der schnupps. formen mit o in der wurzelsilbe: schnopf, reuma Diefenb. 497b; catharrus, schnopff, ich hab den schnopffen, der schnopffen. Alberus; das der schnopfe je nit vorhanden sei, dann wer den schnopfen, rheuma genant, het, sol nit kaltes oder feuchtes ufs heubt brauchen. Dryander practicierbuch (1537) 28;

ich werd vom schnopffen wol geplagt. fabeln 36, 106;

wann der schendtlich schnopff
nicht so verwüst hett meinen kopff. 111.

mit unverschobenem wurzelauslaut: snoppe, snop Schiller-Lübben 4, 278a; der snoppe, catarrus Dief. 106b, snopp ebenda, snoppe, polipus 445a, reuma 497b, schnopp, rotz Hupel 211; sy haben den gaistlichen schnoppen oder pfipffich, sind gantz unenpfintlich. Keisersberg schiff d. pen. 74d; hat er doch den schnoppen nicht und kont wol riechen. Alberus widder Jörg Witzeln G 6a; schnoppe, f.: die snoppen, die da fleuszt niderwerts. quelle bei Lexer mhd. handwörterb. 2, 1046. die form schnaupfe ist belegt in Mones zeitschr. 7, 393 (15. jh.). schnaupe: ich hab die naszschnauppen, und kan nichts schmecken. Höniger narrensch. 145b (ich hab den schnupfen den catar. Keisersberg narrensch. 86c).
1) anwendung von schnupfen, m. in gewöhnlicher bedeutung: den schnupfen haben, verschnupft seyn, den schnupfen bekommen. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 634c; dem schnupfen abhelffen, der zum schnupfen geneigt ist. Steinbach 2, 482; sich einen schnupfen holen u. ähnl. für die schnupfen der pferdt. Albrecht roszarznei (1542) 34; den flusz des haupts und den schnuppen zu vertreiben: nimm u. s. w. Tabernaemontanus kräuterb. 627 C; wofür bey solcher jahreszeit 40—50 meilen wegreisen, um einen schnuppen zu holen. Merck briefs. 2, 117; ein unreiffer schnuppen. 133; der herzog hat einen entsezlichen schnuppen. Göthe briefe 5, 68 Weim. ausg.; meine leutchen da beklagen sich zum erbarmen, wie ihnen das gras die füsze netzt und sie den schnuppen kriegen. werke 33, 267; er hatte nicht den verstand verloren, sondern

[Bd. 15, Sp. 1388]


nur die stimme, und durch nichts als einen schnupfen. J. Paul Hesp. 1, 186; er hat diesen schnuppen vom nachtaufsitzen bekommen. Tieck 12, 234; dasz einer merkt, wenn ein schnupfen bei ihm im anzug ist, will nicht viel bedeuten. Immermann 1, 9 Boxberger; es musz mir ein schnupfen in die glieder gefahren sein. Ludwig 2, 75;

die damen schienen ganz von wissenslust entzücket,
sie guckten nächte lang, und hohlten sich den schnuppen.
Wieland 5, 266 (d. verkl. Amor 5, 50);

denn schwärmerey steckt wie der schnupfen an. 9, 23 (Musarion 1);

der krankenluft nie in sich sog, ...
und schnuppen mied, wie unser eins die pest.
Gotter 1, 315;

weil moos, vom regen durchgebeizt,
zur nachtzeit leicht den schnuppen reizt. 458;

ergriff den beredten gott der häszliche schnupfen
also grimmig, dasz er verstummte.
Herder 27, 237 Suphan;

ein schnuppen den ein groser klagt,
wird in der welt herumgesagt.
Schiller 3, 170;

gerne würd' ich dich umarmen,
hätt' ich leider nicht den schnuppen.
Platen 198b;

doch wickl' er ihn sorgfältig ein,
der knabe kriegt den schnupfen sonst. 286a.


2) besondere wendungen und redensarten; wer den schnupfen hat, kann nicht riechen: ich hab gantz hart den schnuppen und kan ietzt nit riechen. Kirchhof wendunm. 3, 93 Österley;

schmeck ich doch weder mund noch suppen,
weil ich jtzunder hab den schnupffen.
Rollenhagen froschm. X 1b;

mit starrem angesicht
verehrst du puppen,
und riecht der priester nicht,
so hat gott den schnuppen.
Göthe 3, 196.

in freierer anwendung: ewer reuchopffer gefelt mir nicht, ich hab die schnuppen. Luther zu Amos 5, 21 (7, 533 Bindseil); wil er mich dringen, mein sermon zuerbieten auff erkenntnis bepstlicher heiligkeit etc. sag ich, ich darff keiner nieszenwurtz, hab auch nicht so grosze schnuppen, das ich das nicht rieche. schriften 1, 52a; ich wil auch nicht wissen, sondern wil auff dismal den schnuppen haben, und den bachanten nicht riechen. 5, 303a; oft musz man bei geschäften und leuten thun als hett man den schnuppen oder ein hülzin nas. Lehmann 90; vielleicht hat er den braten gerochen; — denn selten dasz er mit schnuppen behaftet ist. der j. Göthe 2, 45;

der leut findt man jetzunder vill,
die listig sind, und schweigen still,
und nehmen sich des schnopffens an (d. h. thun, als verstehen sie nicht, worum es sich handelt).
Alberus fabeln 36, 117;

den schnupfen haben, nichts merken, dann geradezu im sinne von dumm, beschränkt sein: teufel, das ist ein kluger raht und weiser anschlag, ... sie haben warlich den schnuppen nicht. Luther 5, 222a; das sein menigclichen gewaret und der Falkenstainer billich, waver er nit sonst den schnuppen gehapt, gemerkt sollt haben. Zimm. chron.2 2, 461, 19;

hoff kein schmach werd mir von dir gethon,
würst anders nit die schnüpfen han (wenn du nicht beschränkt bist, wenn du das ding recht verstehst).
Liliencron histor. volksl. 3, 348a (dort anders erklärt);

sie haben fürwar nit den schnuppen.
Gengenbach 307, 545;

darumb msz er die schnuppen han.
darumb ist er ein seltsamer kun.
Schade sat. u. pasqu. 3, 100, 30.

er hat den schnupfen (mit hindeutung auf die stirn), ist dumm Albrecht 205b, vgl. Wander sprichw.-lex. 4, 308.
3) schweiz. schnupf, schnopf bezeichnet den schnupftabak Stalder 2, 345. Tobler 395b (vgl. DWB schnupfen, tabak schnupfen). zu schnupfen, schluchzen stellt sich snuph, singultus Dief. 536c; schnupf, schluchzer, einzelner laut des schluchzens Stalder a. a. o.; dann bezeichnet schnupf etwas plötzlich eintretendes und sofort vorüber gehendes: auf den schnupf, sogleich Stalder a. a. o.; ebenso nd. snupp: mit dem snupp, im hui Strodtmann 218; im snup, im snupps, plötzlich Schütze 4, 148. 149, vgl. Woeste 247a. ten Doornkaat Koolman 3, 250a; aber auch: et is noch en goden snupp, eine ziemliche ecke Strodtmann 218.
4) auffallend ist der bedeutungswandel von schnupfen in der redensart: er hat den schnuppen gerochen, die list gemerkt Schmidt 205; den schnuppen merken Kehrein 1 (nachtr.), 49. Vilmar 364.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für