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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnuderlumpe bis schnüffelnase (Bd. 15, Sp. 1384 bis 1386)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnuderlumpe, m. derb für taschentuch, wie rotzlappen Seiler 261a; vgl. DWB schnudeltuch.
 
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schnudern, verb. rotz flieszen lassen, den schnupfen haben: rheumaticare strauchen vel schnudern Dief. gl. 497b; schnuderen, mutire Schottel 1406; schnodern, schnudern, schnuden, schnudeln, mocciare Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 633c; ich schnudere, mucum edo Steinbach 2, 482; snödarn, mocciare cimbr. wb. 234a; nd. snuedern, rotz aus der nase lassen Woeste 247a, den rotz in der nase hochziehen, durch schnauben ausstoszen, durch die verstopfte nase atmen: so sie den atum hart haben und schnudrent durch die nasen. quelle bei Schmeller 2, 573; vgl. Schöpf 641. Lexer 224. Seiler 261b. Frommanns zeitschr. 2, 551, 16. Anton 4, 7. Bernd 273. Schröer 204a. Kramer Bistritzer dial. 120; den schnupfen haben: die junge hüner bekamen dicke köpfe, sehr schnuderten wie ein ziep (schlesisch). zeitschr. für d. philologie 20, 488 (zu ziep vergl. Schm. 2, 1144). durch die verstopfte nase reden Frommanns zeitschr. 5, 462 (Iglau), vergl. Schröer a. a. o.; nach Stalder 2, 341 wird schnudern, schnüdern gebraucht im sinne von 'ungebührlich weinen, dasz die thränen sich mit dem rotz vermischen, besonders von kindern'; überschnudern, überschnüdern, verschnudern, mit rotz besudeln, geschnüder, ungebührliches weinen der kinder. ebenda; auf schnuder, f. rüssel weist schnudern, mit dem rüssel, schnabel suchen Schm. 2, 573; in besonderem sinne:

des nîdes gesinde siht man slichen
bî der strâʒen, ûf den stîgen,
snudern, smollen unde swîgen. renner 14117.

hier ist also wol ein laut zurückgehaltener verachtung (schnauben) gemeint.

[Bd. 15, Sp. 1385]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnudernase, f. rotznase, auch von einem menschen: schnudernasz (die) schnuderig, mucosus Maaler 360a;

ein yetlich schnudernasz zücht ein bart. kloster 8, 807.

schnudernase, junger laffe, naseweises mädchen Seiler 261a.
 
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schnudler, m. eigentlich rotzbube, beschmutzer, dann wie sudler einer der unsauber, unordentlich arbeitet, weiter auch allgemein als schimpfwort: du unnützer schnudler, du bist noch zu jung, unnd gering umb den schnabel. Ayrer proc. jur. 2, 3 (s. 491 der ausgabe von 1600);

(in die abtei Willigmut soll nicht hinein)
kein predigläufer,widertäuffer,
kein bepantoffelt schnudler, kuttelnsudler.
Fischart Garg. 279b;

in zusammensetzung: schnarchsudler (vgl. DWB schnarchen 6, sp. 1181), papirsudler und andere hudler. groszm. (kloster 8, 594). hierzu schnudlerin: wenn man verlässige krankenwärterinnen hätte, dürfte man sich nicht mehr auf gerathewohl yeder fremden schnutlerinn anvertrauen, die nur auf gewinn, nicht aber auf ihre pflichten sieht. quelle von 1825 bei Schm. 2, 573; im fränk.-hennebergischen bezeichnet schnudler schnauze, maul Frommanns zeitschr. 2, 464. vgl. DWB schnude, f., schnuder, f.
 
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schnudrian, m. ein mensch, der 'sowohl die nase unreinlich hält, als auch, der durch die nase undeutlich spricht' Bernd 273; s. schnudern. das wort ist wie schlendrian gebildet.
 
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schnuff, m. (vergl. DWB schnuffeln, DWB schnüffeln, DWB schnuffen, schnüffen), die nase; dann auch die witterung in einer sache (vgl. nd. versnuff krigen, witterung, wind von einem dinge bekommen brem. wb. 4, 908), die art und weise, um einen zu hintergehen, anzuführen Schmidt 205. Kehrein 1, 364; niederd. snüff, schnauze, nase; die vorderspitze an schuhen oder pantoffeln (hier als fem. bezeichnet) Richey 275; vgl. Schütze 4, 147. Danneil 200a. ten Doornkaat Koolman 3, 249a. Müller-Weitz Aachener mundart 219.
 
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schnüffel, m. einer der überall herumsucht, sich in alles mischt, alles wissen will Albrecht 205b; schnüffel, naseweiser bursche Hertel sprachsch. 219, grober kerl ebenda, vgl. Frischbier 2, 308a; bei Woeste 247b im sinne von nase, vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 250a. schnufel, f. nase und maul des hundes, rindes, pferdes u. s. w., verächtlich des menschen Schm. 2, 573, vgl. Frischbier a. a. o. s. schnüffeln.
 
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schnüffelei, f., zu schnüffeln gebildet, das herumsuchen, herumstänkern.
 
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schnüffelhans, -jochen, m., wie schnüffel, m. und schnüffler, s. nd. korrespondenzbl. 9, 88a; vgl. die bildungen mit Michel, Trine u. ähnl.
 
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schnuffeln, schnüffeln, verb. wiederholt den geruch in die nase ziehen und dadurch wittern und spüren, in übertragener anwendung vom menschen, spüren, suchen, untersuchen, durchstöbern, in spöttischen sinne oder auch mit stärkerer miszbilligung der kleinlichen neugierde oder der bösen absicht (verwandt mit schnauben, in nächster beziehung stehend zu niederd. snuff, snüff nase und snuffen, verb.). das wort ist aus dem nd. in die schriftsprache gedrungen, die unumgelautete form des wortes begegnet häufig bei Göthe, ist aber in neuerer zeit nicht mehr schriftgemäsz. schnuffeln wird in einzelnen gegenden der bedeutung nach von schnüffeln geschieden und bezeichnet z. b. in Hessen, aber auch sonst ein 'anderen unangenehmes schnieben in der nase, ein aufziehen des rotzes' (Pfister 264), während schnüffeln den schriftgemäszen sinn hat; nld. snoffelen, snuffelen, nictere, subolere, naribus spirare, odorare, indagare canum more, sagire Kilian; nd. snüffeln, durch die nase schnauben, den rotz in die höhe ziehen; von thieren, wittern, beriechen; übertragen auf menschen wie in der schriftsprache Danneil 200b. Schambach 200b. Woeste 247b; he snüffelt alle böker dör Richey 275. Schütze 4, 147. Dähnert 439b, ebenso md., vgl. Spiesz 224 und oberd. Frommanns zeitschr. 4, 251, 32 (Vorarlberg), vgl. 3, 303; daneben schnüfla, atmen, schnaufen, zu schnūfa gebildet. ebenda und 3, 213, 4, s. Schm. 2, 573. die lexicographen verzeichnen schnüffeln, wie es scheint, für die hochd. schriftsprache erst im 18. jahrh., vgl. Weigand4 2, 623; bei Frisch 2, 217a ohne umlaut schnuffeln, be-, herumschnuffeln. bei Adelung schnuffeln und schnüffeln, das wort werde aber nur in 'niederen sprecharten' gehört: etwas beschnüffeln, es auf solche art beriechen, wie die hunde, alles durchschnuffeln, es auf eine unanständige art durchsuchen; lauter blumen des groszen haufens. Campe bezeichnet schnuffeln, schnüffeln als ein niedriges, aber deshalb noch nicht verwerfliches wort und führt die bekannte Fauststelle an (s. unten). beschnuffeln begegnet schon im 16. jahrh.: die

[Bd. 15, Sp. 1386]


gifftspinne, .. wann sie des menschen haut, nur mit dem maul beschnuffelt. Frölich Stobäus 352. von thieren: der hund schnüffelt auf der fährte, am erlegten wilde, durchschnüffelt das gebüsch. ebenso in eigentlicher bedeutung:

Lurian. nun was schnüffelst du, Pux?
Pux. mir strömt ein geruch in die nüstern.
Voss 2, 259 (idyll. 15, 76);

komm herunter, näschen, herunter; wenn du kannst, schnüffl' ein bischen. Fr. Müller 1, 169; in freierem gebrauche: sah er, dasz ich eine oder die andere nur mit der hand berührte: gleich dazwischen geschnüffelt, ey, ey, ey, was gibts denn da. 2, 56; an meinen bildern müszt ihr nicht schnuffeln, die farben sind ungesund. Göthe 56, 145; die vielen kinder, die da herum faullenzen ... die schnüffeln und betteln überall. Arnim kronenw. 1, 399;

die frau hat gar einen feinen geruch,
schnuffelt immer im gebetbuch.
Göthe 12, 145;

wie mancher miszwillige schnuffelt und wittert
um das von der muse verliehne gedicht. 56, 105;

ein demagogenriechernashornangesicht
... ein immerwährend schnüffelndes.
Platen 273;

mein freund, du schnüffelst mir zu viel herum
und spionirst, merk' ich, nach allen seiten.
Grillparzer 7, 47.

nd. snüffeln bedeutet auch tabak schnupfen, vgl. Danneil 200b. Schambach 200b, ferner näseln, s. ten Doornkaat Koolman 3, 250a; selten so in der schriftsprache, vgl. Weigand4 2, 623; er schnüffelt so, dasz man ihn nicht verstehen kann. Campe; (sie drückte die brille) auf die gequetschte nase, dasz sie im sprechen einen schrecklich schnüffelnden ton bekam. die deputirten! näselte sie. Gutzkow ritter v. geist 5, 465. in der bedeutung von unsauber essen bei Hertel sprachsch. 219.
 
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schnüffelnase, f.: unter den feuchtnasen riechen diejenigen am ausgezeichnetsten, deren geruchswerkzeuge noch besonders beweglich oder zu echten schnüffelnasen umgewandelt sind. Brehm illustr. thierl. 1, 25.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für