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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnucke bis schnudel (Bd. 15, Sp. 1381 bis 1382)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnucke, f., niederd. snucke, das in den norddeutschen heidegegenden (im lüneburgschen, bremischen und holsteinschen) gezüchtete und geweidete schaf (vergl. heidschnucke theil 4, 2, sp. 812). schnucke, f. genus ovium Schottel 1406, vgl. Klein prov.-wb. 2, 137 (Harz). Richey 275. brem. wb. 4, 900. Schütze 4, 148. Danneil 200b. ten Doornkaat Koolman 3, 250a:

meilenlang einöde, nur heid' und aschiger flugsand;
kaum ein gezirp, kaum fern dürftiger schnucken geblöck.
Voss 6, 311.

neben snucke ist im nd. snicke im gebrauche, s. brem. wb. 4, 900; eine andere nebenform ist schnacke oder schnake, s. DWB schnack 4, g oben sp. 1155; heideschnacken oder schnucken Jacobsson 6, 63b, heideschnaken Frisch 1, 434c. die herkunft der bezeichnung ist unklar; ten Doornkaat Koolman a. a. o. denkt an nd. snicken, snucken, schluckende laute von sich geben.
 
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schnuckeln, verb. lecken, saugen, naschen; eine abschnuckeln, zerküssen Schm. 2, 567, vgl. Schmidt 204. Kehrein 1, 363. Pfister 265; daher schnuckler, schnucklerin, leckermaul Schmidt a. a. o. Woeste 247a; vgl. noch schnuckel, f. näscherin Kehrein a. a. o. küchenschnuckel, einer der in der küche herumnascht Schm. a. a. o., schnuckeleins-, schnuckelesware, zuckerzeug, schnuckes, schnuckeschen, leckermäulchen und andere in den mundarten vorkommende bildungen; s. DWB schnucken, schnücken 2.
 
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schnucken, schnücken, verb. mundartliches, nur selten in der schriftsprache vorkommendes wort.
1) ructare, eructare, singultire (vgl. DWB schlucken, DWB schluchzen, auch schnupfen): singultare, snucken, snicken (niederd.) Dief. 536c, vergl. Schiller - Lübben 4, 280b; sowol das krampfhafte aufstoszen aus dem magen (schlucken) wie das heftige mit dem weinen verbundene oder ihm folgende geräuschvolle atmen (schluchzen) wird mit schnucken bezeichnet: schnukken, in fletu suspirare Schottel 1406. Stieler 1897; nd. he weenet, dat he snukket; snukkup, der schlucken Richey 275; vgl. brem. wb. 4, 900. Schütze 4, 148. Dähnert 440a. Danneil 200b. Schambach 200b; schnikken, schnükken Stürenburg 229a. ten Doornkaat Koolman 3, 244b; vgl. Hupel 210. Frischbier 2, 308a. nd. korrespondenzbl. 13, 86. Liesenberg 199. Frommanns zeitschrift 6, 481 (Lippe); schnuckzen, schluchzen Jecht 98b. dieses auf das nd. und die angrenzenden gebiete beschränkte wort zeigt enge berührung mit nd. snikken, singultire, vergl. engl. snickup, singultus und snacken, respirare, captare animam, anhelitum recipere, singultire (Kilian), s. oben schnacken 3, sp. 1157 und Schm. 2, 566 unter schnackeln. in der schriftsprache begegnet es nur selten: wenn er (der magen) überfüllet ist, so schnucket und rützelt er. Comenius sprachenthür übers. von Docemius (1657) § 292; weineten die meisten, dasz sie schnucketen. Olearius reisebeschr. 230b; der einzige laut, den man hörte, war von dem gutherzigen bauer, der, den kopf an die wand gelehnt, innerlich schnuckte. Nicolai Sebaldus Nothanker 1, 60; er hatte den grundsatz, dasz man einem geschlagenen, weinenden kinde zeit lassen müsse, um auszuschnucken. Engel schriften 12, 22.
2) in md. gegenden wird schnucken oder in umgelauteter form schnücken im sinne von saugen, lecken, naschen gebraucht; schnücken, an der brust saugen Reinwald 2, 114; an der brust, am finger saugen, wie kleine kinder thun Spiesz 223; schnucken, naschen Pfister 264, vgl. Hertel sprachsch. 219:

[Bd. 15, Sp. 1382]


sie selbst (die chorherren) kaum in die kirchen kücken,
wie die hund in die küchen schnücken.
Waldis päbstl. reich L 3b.

s. DWB schnuckern, DWB schnückern.
 
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schnuckern, schnückern, verb. naschen, naschend herumstöbern; nd. dör snukkern, herum snukkern, alle winkel genau durchsuchen, durchstänkern brem. wörterb. nachtr. 321; bi den junfern snükkern, aufs 'löffeln' ausgehen Dähnert 440a; snückern, schnobern, schnäppern, gern naschen; snückerig, naschhaft Schambach 201a; vergl. DWB schnucken, DWB schnücken 2; snuckern, schluchzen Woeste 247a; snikkern, snükkern, snukkern, singultire ten Doornkaat Koolman 3, 244b. s. DWB schnucken 1 und vgl. DWB schnökern.
 
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schnuckisch, adj. naschhaft, leckermäulig, wählerisch (norddeutsch); s. DWB schnucken, DWB schnücken 2, schnuckern, schnückern.
 
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schnuckup, m. schlucken, singultus; niederd. snukkupp, s. DWB schnucken 1.
 
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schnuckung, f. suspirium cum lacrymis, vel post fletum suspiria Stieler 1897; s. DWB schnucken 1.
 
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schnuddel-, schnudder-, s.schnudel-, schnuder-.
 
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schnude, m. schnupfen Hertel sprachsch. 219; s. DWB schnaude sp. 1205.
 
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schnude, f., daneben schnudern, f. nase und maul der thiere, verächtlich auch vom menschen Schm. 2, 573; schnude, f. nase Reinwald 2, 114. Frommanns zeitschrift 2, 464.
 
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schnudel, schnüdel, m.
1) schnudel, der rotz, als hessisch und fränkisch bei Campe verzeichnet; das wort ist aber weiter verbreitet, die formen schwanken; s. über den etymologischen zusammenhang oben unter schnauden sp. 1205. mhd. snudel Lexer mhd. handwörterb. 2, 1043. schnoder, schnuder, schnudel Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 634a. schnūdel Vilmar 365 (daneben häufiger schnuttel, schnuddel); schnudel, schnuddel, schnurl, schnull Kehrein 364, schnuddel Schmidt 205, schnudel Albrecht 205b (hier auch von andern unsauberkeiten, besonders wenn sie beim essen vorkommen), schnudel Schöpf 641: nachdem er sin gifft und schnudel meistlich ausgegossen hette und sein mtlein an uns geklet. Nigrinus beschlag P 4a; welcher teuffel hat dich darumb gebeten oder dir geboten dein schnudel auszzustrawen. ebenda. umgelautet: ir hieng ein groszer schnüdel usz der nasen. Eulenspiegel 75 (s. 117 neudr.); gleich darauf: und sah den schnudel wol.
2) personifiziert schnüdel, rotziger, schmieriger mensch, auch in freierer anwendung:

und die schnüdel und güdel
und die schnufar und jufar. teufels netz 13380;

vgl. mhd. wb. 2, 452b. Lexer mhd. handwb. 2, 1039. Germ. 5, 302.
3) schnudel, f. nase Reinwald 2, 114. Frommanns zeitschr. 2, 464.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für