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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnitzel bis schnitzendörren (Bd. 15, Sp. 1360 bis 1365)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnitzel, m. und n., nassauisch als fem. Kehrein 1, 363, weiterbildung zu schnitz (vgl. daselbst), kleines abgeschnittenes stück, abfall beim schneiden: beschnitzel, schnitzel, segmen, resegmen Henisch 308, 27; die ältesten datierten belege nach

[Bd. 15, Sp. 1361]


Weigand 2, 621 sind mittelrhein. snitzel im vocab. ex quo von 1469 und clevisch snytzel im Teuthonista von 1475; vgl. auch 1 am ende. insbesondere
1) dünne scheiben von gedörrtem obst, s. DWB schnitz 2, c; so hessisch Kehrein 1, 363, auch nd. (westfäl.) im plur. snitseln hutzeln Woeste 246b: aus jedem gaubloch hängen perlenschnüre von getrockneten schnitzeln und hutzeln. Bettina briefw. 1, 21;

und fehlt's an allem, so bin ich
mit rahm und datteln zufrieden.
laszt mir nur reichen, was da ist,
und seien's schnitzel und schnieden.
Rückert (1882) 11, 311 (12. mak.).

hierher vielleicht auch putamen schniczel (cibus) Dief. nov. gl. 310b (Weigand 2, 621 nimmt hier die gewöhnliche bedeutung von putamen 'hülse' an).
2) in Österreich (das) schnizl, stück fleisch ohne knochen Castelli 249, ein flach von einem kalbsschlägel abgehauenes und gebratenes stück fleisch Hügel 143a, jetzt allgemein als Wiener schnitzel bekannt.
3) allgemein, abfall (vgl. papierschnitzel und schnitzeljagd), in freierer verwendung:

ja, eure reden, die so blinkend sind,
in denen ihr der menschheit schnitzel kräuselt,
sind unerquicklich wie der nebelwind,
der herbstlich durch die dürren blätter säuselt!
Göthe 12, 37.


4) mundartliches:
a) preuszisch im pl., zerquetschte reste von runkelrüben, als viehfutter Frischbier 2, 306b (anderswo presse genannt).
b) nassauisch auch für das ohr Kehrein 1, 363.
 
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schnitzelbank, f., s. schnitzbank: drum begehrte er weiter nichts mit auf das schlosz zu nehmen, als ein gutes feuerzeug, eine schnitzelbank und eine drehbank. Bechstein märchen 142.
 
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schnitzelchen, n.: da hast du schon wieder ein schnittselchen papier von mir, keinen ordentlichen brief. Biester in den br. von und an Bürger 2, 273; wo sie sich jedes von seiner mutter nachgelassenen schnitzelchens und spahnes bemächtigen wollte. Gutzkow ritter vom geist 3, 6.
 
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schnitzelei, f.
1) handlung des schnitzelns: durch schnitzelei kann da je ein bratspiesz zur marmornen bildsäule Apolls werden? Herder 5, 184 Suphan.
2) das durch schnitzeln hervorgebrachte, kleine schnitzarbeit: die steinalte, zitternde frau, die, dem groszen schranke gegenüber, hinterm ofen sasz, mag dort schon ein vierteljahrhundert lang gesessen haben, und ihr denken und fühlen ist gewisz innig verwachsen mit allen ecken dieses ofens und allen schnitzeleien dieses schrankes. H. Heine 3, 32 Elster; freier: unsrer jetzigen sprache wird es wie der ehmaligen scholastischen ergehen ... oder sie wird der gothischen schnitzeley ähnlich werden. Möser patr. phantas. 3, 259.
3) in folgender stelle ist die bedeutung nicht klar (schnitzarbeiten? zeugstückchen zu weiblichen handarbeiten?): ich wünsche, dasz du der gräfin Stolberg schreibst, bei gelegenheit, so du ihr kleine schnitzeleien schickst. Brentano 8, 300.
 
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schnitzeljagd, f. jagd, die den spuren ausgestreuter papierschnitzel folgt: prinz und prinzessin Ludwig (von Hessen) ... betheiligten sich gestern vormittag an einer von den hiesigen dragoner-officieren veranstalteten schnitzeljagd. Darmstädter zeitung vom 11. april 1870.
 
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schnitzelmesser, n., s. schneidemesser und schnitzmesser. auch niederd. dat snitselmäst der küper, s. niederd. korrespondenzbl. 11, 39.
 
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schnitzeln, verb. in kleine stückchen oder späne zerschneiden, fein und anhaltend schnitzen, oder durch solches schnitzen herstellen. iterativ- bez. deminutivbildung zu schnitzen, vgl. daselbst. mhd. in den zusammensetzungen ver- und zersnitzeln, s. Lexer handwb. 2, 1039. das i in schnitzeln wechselt bei Dasypodius mit ü: schnützlen sculpere; das geschnitzlet oder gegraben ist, sculptilis (dazu schnitzen, abschnützel), vgl. noch Weigand 2, 621.
1) fein schneiden: schnitzeln, secare Wachter 1454, schnitzeln, vulg. deminut. frustulatim abscindere, dasz die meisten späne vergeblich abfallen, nichts rechtes schnitzen. Frisch 2, 216b; dazu beschnitzeln, s. theil 1, 1589: die bäume beschnitzeln, arborum putationem instituere Steinbach 2, 481; ein holz ist besser zu schnitzeln dann das ander. Paracelsus opus chir. (1565) 19; zugleich schnitzelte er tabak in seinen ledernen beutel. Meyer Mareili (Basel 1892) 42.

[Bd. 15, Sp. 1362]



2) gewöhnlich etwas durch anhaltendes schnitzen herstellen, zurechtschnitzen, bilder schnitzeln u. a.: ich schnitzele, sculpturio, frustulatim abscindo Steinbach 2, 481; auch vom hauen in stein u. ähnl., vgl. DWB schnitzen: ein bildschnitzer (bildhawer) schnitzelt und gräbet ein bild aus, und setzet es auf den untersatz (stutz, seulen, fusz). Comenius sprachenth. 771; ein einfaltiger baur kame in ein kirchen, und alsz er das bild Christi darinn geschnitzlet fande .. bettet er ein vatter unser. Wickram rollwagenb. 48, 7 Kurz; habt jr nie die nusz umbher tragen gesehen, die schlecht geschinen, aber thewr verkaufft worden, dieweil ein zihender passion darein geschnitzelt gewesen. Garg. 21b; sie haben .. für eyn gulden kalb viel bilder geschnitzelet. bienenk. 15a; wir solten aber ja durchaus nicht aus dem hause gehen, sondern fein fleiszig korb-höltzer schnitzeln. Felsenb. 2, 470; zu gutem glück hatte er eine geschickte hand zu allen mechanischen künsten: er drechselte, schnitzelte allerliebst ... er schnitzelte also meerschaumene tabaksköpfe, drehte tabaksstopfer aus helfenbein. Chr. F. Weisze d. kinderfreund 12, 121; im bilde: o versündige dich nicht an mir, und mache dir kein geschnitzeltes bild dasselbige anzubeten. Bettina briefe 2, 113.
3) vielfach in übertragenem sinne.
a) einen heiligen aus einem schnitzeln, ihn dazu heranbilden u. ähnl.: ein frommer ordensbruder .. fand an dem unwissenden Benedix einen so rohen, wüsten klotz, dasz es ihm unmöglich schien, in so kurzer zeit, als ihm zu dem bekehrungsgeschäfte übrig blieb, einen heiligen daraus zu schnitzeln. Musäus volksm. 1, 24 Hempel; wenn gott aus der eine heil'ge schnitzeln wollte, die ginge wohl ganz in die späne! Arnim 2, 209;

ich musz es bekennen,
gott hobelt mich sehr;
er schneid't mich, er haut mich,
doch fällt mir's nicht schwer.
willst wissen, warum?
ich halte dafür,
gott wollt ja gern schnitzeln
ein' engel aus mir. wunderh. 1, 452 Boxberger.


b) hervorbringen, schaffen, von gott, der natur: dann die form ist geschnitzelt im mutterleib durch gott selbst. Paracelsus (1589) 1, 97; dasz der mensch nit darff sorgen, umb die form .. sondern er seet .. unnd alle ding, so den menschen belüstigen, so jhm ernehren sein leib .. versorget gott, und laszt dem menschen die herrschafft, dasz er .. die natur sorgen lasz umb das, dz es das werd, dz der mensch begert. auff solchs begeren schickts jhm die natur, machts jm, schnitzlets jm, ziert es mit farben. (1616) 2, 252 C; ähnlich: denn er hette kein werckzeug mehr, damit man pflegt die kinder zu schnitzlen, es were jhm alles auszgeschnitten. Frey gartenges. 85a.
c) auf geistiges gewendet: die lateinische litteratur erstickte den geist und schnitzelte den geschmack an spekulationen und unsinn. Herder 1, 365 Suphan. an etwas schnitzeln: auch an dem zarten ausdrucke der sanften empfindungen wird so sehr geschnitzelt, dasz der bogen endlich brechen musz. Chr. H. Schmid im teutschen Merkur 1773 2, 163.
 
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schnitzelpresse, f. presse zur entwässerung der rübenschnitzel Karmarsch-Heeren3 7, 51.
 
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schnitzelwerk, n., s. schnitzwerk Kramer dict. 2, 633b; übertragen, kleinigkeit, etwas belangloses: und meinen es sey geng, so sy sich allein vor den unkeüschen wercken hütten, sy meinen das ander sey allein schnetzelwerck, sey nit sünd, man dörf es nit beichten. Keisersberg seelenpar. 226b.
 
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schnitzen, verb. in kleine stücke schneiden, wiederholt oder anhaltend schneiden, durch anhaltendes schneiden herstellen. intensivbildung zu schneiden, vgl. daselbst. ahd. snitzen (nur in den ableitungen snizzare, snizzer plastes, und snezzunga) Graff 6, 844 f., mhd. s. Lexer handwb. 2, 1039; auszerhalb des deutschen auch im dän. als snitte in gleicher bedeutung, schwed. snitta nur mundartlich Rietz 642a. die bildung ist nicht mit Weigand 2, 621 als verkürzung von snîdezzen zu fassen,eine solche ist in ahd. zeit nicht wol denkbarsondern als urgerm. *snittan (assimiliert aus snit-nan, s. Noreen urgerm. lautl. s. 155), welches mit stutzen zu stoszen, schnupfen zu schnieben, nicken zu neigen, zocken und zucken zu ziehen u. a. analog ist. neben schnitzen begegnet auch schnetzen (mit a-umlaut, schon ahd., s. oben), siehe dieses. in neuern nd. mundarten snitjen brem. wb. 4, 892. ten Doornkaat Koolman 3, 246b, snidjen Schambach 200a, vielleicht aus der schriftsprache übernommen.
1) anhaltend schneiden. schnitzen, schnitzeln, tagliucciare, tagliuzzare, frappare Kramer dict. 2, 633a; ein höltzlein schnitzen, ligillum circumcidere Stieler 1902.

[Bd. 15, Sp. 1363]



a) in stücke schneiden:

die rôeʒ fleisch dâ eʒʒent so eʒ erswitzet
von arbeitlicher nôte, dâ lac ir spîse wunder dâ gesnitzet. d. jüng. Titurel 4097;

so noch mundartlich in der Schweiz, obst in kleine schnittchen oder dünne scheiben zerschneiden (s. schnitz 2, c) Seiler 260b. Spiesz 223, einen apfel in 4 theile zerschneiden Stalder 2, 343: 'ich will keine äpfel mehr schnitzen!' antwortete Schneck unwirsch. Keller 6, 354; brot: die frau schnitzte brot in eine grosze schüssel. Meyer Mareili (Basel 1892) 41.
b) bäume, reben schnitzen, beschneiden:

der dolch ist gut, im fall man etwa bäume ritzt,
die zäune gleiche macht, und junge reben schnitzt.
A. Gryphius 1, 619;

ein landmann giebt sich müh, er sät, er pfropfft, er schnitzt
und pfählt und biegt und zieht die zart- und jungen stämme.
Günther 657.


c) holz schnitzen zu bildwerken, wofür gewöhnlich mit umkehrung der beziehung bilder aus holz schnitzen (s. 3): was aber davon uberbleibt, das sonst nichts nütze ist, als das krum und estig holtz ist, nimpt und schnitzet (der zimmermann) .. und machts eines menschen oder verachten thiers bilde gleich. weish. Sal. 13, 13; aber des fluchs werd ist, das (holz), so mit henden geschnitzt wird, so wol als der, der es schnitzet, dieser darumb, das ers machet, jenes darumb, das es gott genennet wird. 14, 8. vgl. auch:

könnt' ich holz, wie menschen schnitzen,
lauter nymphen wollt' ich schnitzen.
Gleim bei
Muncker Anakreontiker 1, 213.


2) gewöhnlich, etwas durch anhaltendes schneiden herstellen oder gestalten: sculpere .. sniczen Dief. gloss. 521c; kunst zu schnitzen, toreutice Dasypodius; schnitzen, sculpere, decouper Schottel 1406; schnitzen, et schnitzelen, scalpere, sculpere, cavare, caelare, incidere, secare Stieler 1902.
a) geräthschaften schnitzen: mhd. reusen snitzen (zum fischfange) Heinr. v. Neustadt Apollon. 6757 (s. das glossar); ich schnitzte unterdessen nach seiner anleitung eine anzahl hölzerner nägel. Keller 2, 79;

man that ihm unrecht und gewalt,
sie (die weisheit) lehrt ihn stäbe schnitzen.
Günther 29;

ich kann pokäle schnitzen,
wo auf dem rand' umher ein haufen satyrs sitzen.
Gleim 3, 42;

auf dem sessel,
den vor dem winterkamin sein alter künstlicher hausknecht
heimlich geschnizt.
Voss 1, 8 (Luise 1, 6);

dieser becher von holz, von Amors händen geschnitzet;
siehe, sich selber darauf hat sich geschnitzet der schelm.
Rückert ged. (1841) 262;

o herr, lasz den bogen recht mich schnitzen. werke (1882) 11, 331 (14. mak., anm. 7);

und vor ihm spielt am rain
sein knabe, der den ersten speer sich schnitzte.
Geibel 3, 102;

im bilde:

gut! der verleumdungs-stamm
sieht recht vortrefflich aus. die miszgunst sol ihn nützen
und wider alle welt die schärffsten pfeile schnitzen.
Günther 497.


b) aus holz schnitzen: etwas aus einer eiche schnitzen, aliquid e quercu exsculpere Steinbach 2, 481; dann nahm er die abfälle des holzes und schnitzte fünf pfeile daraus. Rückert (1882) 11, 331; die andern schnitzen allerlei kleines haus- und küchengerät aus einem schönen gelben holz. Mörike 3, 324;

ein löffel schnitzt der fromme mann
von einem span. wunderhorn 2, 540 Boxberger;

Donna Tulpe geht im baumhof
zur kastanie, liest die frucht auf,
schnitzet aus der braunen hülle
armesschienen, beinesschienen
und den kürasz, den gewalt'gen.
Immermann 12, 26 Hempel (Tulif. 5).


c) zuweilen intransitiv gewendet, an etwas schnitzen: er prüfte den schaft, an dem er eben schnitzte, nach seiner länge und gräde. Keller 6, 31. bildlich:

geht menschen, schnitzt nur selbst an euren götzen-bildern.
Haller 66.


d) ohne object, allgemein von der thätigkeit des drechslers oder holzarbeiters:

ze sînem werke er (Joseph) dô greif ..
wan er kunde snitzen.
Konr. v. Fuszesbrunnen 2549;

sumelîche sagen er wêre ein smit,
sumelîche, er kunde snitzen. pass. 48, 62 Hahn.


3) so besonders vom schnitzen von bildern aus holz oder elfenbein: ein bild schnitzen, scolpire una statua di legno; götzen

[Bd. 15, Sp. 1364]


schnitzen, scolpire, fare, fabricare idoli di legno Kramer dict. 2, 633a; erhabene figuren in holz ausschneiden oder hölzerne statuen bilden Jacobsson 4, 30a:

dâ heten si ûf gesezzet
zwei bilde wol gesnizzet.
Diemer deutsche ged. 57, 24;

ir corpus ir gelider
so hübsch und waidenlich gestalt
daʒ klüger bild nie ward gemalt
noch von maisters hant gesnitzt.
Laszberg lieders. 1, 382, 255;

und daʒ bilde sach man hân
gesnitzit ein kindil ûf der schôʒ.
Nic. v. Jeroschin 17321;

und lies cherubim schnitzen an die wende. 2 chron. 3, 7; die tischer und zimmerleute, die tag und nacht erbeiten, und schnitzen bildwerck. Sirach 38, 28; oder welcher ain geschnitzt Barbaram, mit etlichen fürgeschribenen worten grüsen, der werde unverletzt wider ausz dem krieg kommen. Franck moriae encomion 34a; es hatte einer in seinem hause einen götzen, oder geschnitztes bild. Olearius Lokmanns fab. 16; die geschnitzten heiligen haben in der welt mehr ausgerichtet, als die lebendigen. Lichtenberg 2, 185; anstatt dasz diese verschönerten künste jenen jungen herrn weiter zu nichs dienen, als puppen zu schnitzen. Möser phantas. 3, 133; (er) ergriff seinen schönsten dornstock, auf dessen obersten ende statt des knopfes ein pavian geschnitzt war. Siegfr. v. Lindenberg4 1, 71; alles gemalte, geschnitzte und gemeiszelte. Keller 6, 366; mit angabe des stoffes, in oder aus holz schnitzen:

wie seine pfeile flogen,
geschnitzt aus leichtem buchs.
Uz (1768) 2, 179;

von der barbarey in holz geschnitzte bilder
des pferdefüszigen monarchs vom schwefelpful.
Gotter 1, 421;

(er) schnitzte auch sein eigen standbild
treu in holz als angebind' ihm.
Scheffel trompeter 44;

aus elfenbein:

es war einmal in Griechenland
ein meister, weit und breit bekannt, ..
der schnitzte sich aus elfenbein
ein wunderschönes mädchen. Göttinger musenalm. von 1771, 187.

seltner vom ausschneiden in papier: die verzweivelten teufels lügenmeuler, meinen nicht anders, denn die heilige schrifft sey jr eigen, wie ein papir, daraus sie mennlin, vöglin, heuslin, katzenstülin, schnitzen möchten. Luther 8, 134b. vom holzschnitt: der künstler, so die abbildung hierneben geschnitzt hat. Hebel 2, 168.
4) so vielfach in bildlichen und sprichwörtlichen redeweisen.
a) sprichwörtliches, an 3 anschlieszend: man kan nicht aus jedem holz etwas schönes schnitzen, non ex quovis ligno fit Mercurius Frisch 2, 216b; man kan nicht aus allem groben holze ein subtiel und hübsches bild schnitzen. Mathesius Syrach 1, 145a. — darfts wohl noch schimpfen, ihr, — erst schnitzt ihr euch euren herrgott, dann kreuzigt ihr ihn! Wagner kindermörderin 9, 14 neudruck.
b) mit bezug auf menschen, menschen woraus schnitzen, aus jemand einen engel u. a. schnitzen (vgl. schnitzeln 3, a), jemand ist aus gutem, hartem holze geschnitzt u. a. m.: warausz wöllen wir aber solche des Vives auszbündige ehfraw schnitzen unnd schnetzelen. Garg. 70a; Richardson .., der sich eine welt in der studierstube schuf, und menschen aus dem berg Athos schnizte. Sturz 1, 13;

dasz ausz einem bauren jetzt
Mars bald einen herren schnitzt.
Logau 1, 73, 95;

es zeigt sich nun, er ist aus keinem bessern holz
geschnitzt als andre leichte knaben.
Wieland 21, 223.

ähnlich: in sanct Peters kirchen musz sich der neuwgeschnitzte pabst ... auff einem darzu bereitem löcherigen stl setzen. Kirchhof wendunm. 1, 451 Österley (1, 2, 7). die eigentliche bedeutung liegt zu grunde:

doch bin ich wie ich bin,
und nimm mich nur hin!
willst du bess're besitzen,
so lasz sie dir schnitzen.
Göthe 1, 36.

schaffen, hervorbringen: des musz walten, der die magd hat gespalten, und die bäume hat gespitzet, und die knaben hat geschnitzet. Svarmus spurca loquens s. 9. — von der menschlichen seele: zletzt ist des menschen gemt also formiert unnd geschnitzet, das er vil mer mit dem ansehenn unnd gleissen, dann mit dem ding würt gefangen. Franck moriae encomion 36b.

[Bd. 15, Sp. 1365]



c) andere übertragungen; im ausgeführten bilde:

o wer weisz was sonst für joch
uns der unfall unversehens sonsten wo kan schnitzen noch?
Logau 2, 47;

der weise vor sich lacht der unruh und der possen,
womit sieh ein phantast das creutz zur heyrath schnitzt.
Günther 536.

ferner:

ein genius kann, wie ihr wiszt,
.. träume lieblich anzuschaun,
aus bunten morgenwolken schnitzen.
Wieland 9, 235;

mit unsinnlichem object:

ein jeder schnitzt sich nach belieben
jetzt selber die religion. wunderh. 2, 458 Boxberger;

der Fritz nahm das schnitzmesser wieder zur hand; aber er legte beide nur auf seine kniee; dafür schnitzte er im kopf an einem entschlusse. Ludwig 2, 130. mit dem begriff des kleinen, zierlichen, schnörkelhaften: Eymanns geschnitzter pfarrgarten war im grunde blos eine fortgesetzte wohnstube. J. Paul Hesp. 1, 103 (vergl. weiter oben: die holländischen gartenschnörkel mit ihrer häuslichen winzigkeit).
5) besonderheiten: einem eins schnitzen, einen streich spielen. Nürnbergs dichterkreis s. 136. — in Würzburg auch für aufschneiden, lügen Sartorius 112. — in Davos schnitza, directe steuer erheben, besteuern (schon in einem decret v. 1657). Bühler 1, 150 f.; vgl. DWB schnitz 4, b.
 
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schnitzendörren, n., s. schnitz 2, c: lachen musz ich manchmal, was es für ein wunderlicher mischmasch in meiner sphäre ist, — von meiner mahlerei zum schnitzendörren, von büchern zum schwartenmagen-machen und so mehr. Albertine Grün bei Merck 2, 250.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für