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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnitze bis schnitzelwerk (Bd. 15, Sp. 1360 bis 1362)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnitze, f., s. schnitz (2, c) für schnitte: und ich will legen ein schnitzen brots, das gesterkt werd euer herz. bibel von 1483 12b (buccellam panis, Luther: ein bissen brots. 1 Mos. 18, 5).
 
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schnitzeisen, n. eisen zum schnitzen, mhd. snitzîsen; scarpello, scarpellino, ferro da intagliare ò scolpire ò scarpellare Kramer dict. 2, 633a, scalprum Frisch 2, 216b; bei den winzern messer oder hippe zum beschneiden des weins Kehrein 1, 363: putatorium .. snytz-ysen, -eyszen, schneitzeisen, schnitzeyszen, schnitzelysen, snuyt-yser Dief. gl. 474c; bei den papiermachern ein kleines messer der ausschüsserinnen, um flecke vom papier abzukratzen, kratzeisen Jacobsson 7, 265a. bei böttchern (vergl. schnitzer 2): der riese legte sein schnitzeisen weg. Freytag soll u. haben22 2, 396.
 
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schnitzel, m. und n., nassauisch als fem. Kehrein 1, 363, weiterbildung zu schnitz (vgl. daselbst), kleines abgeschnittenes stück, abfall beim schneiden: beschnitzel, schnitzel, segmen, resegmen Henisch 308, 27; die ältesten datierten belege nach

[Bd. 15, Sp. 1361]


Weigand 2, 621 sind mittelrhein. snitzel im vocab. ex quo von 1469 und clevisch snytzel im Teuthonista von 1475; vgl. auch 1 am ende. insbesondere
1) dünne scheiben von gedörrtem obst, s. DWB schnitz 2, c; so hessisch Kehrein 1, 363, auch nd. (westfäl.) im plur. snitseln hutzeln Woeste 246b: aus jedem gaubloch hängen perlenschnüre von getrockneten schnitzeln und hutzeln. Bettina briefw. 1, 21;

und fehlt's an allem, so bin ich
mit rahm und datteln zufrieden.
laszt mir nur reichen, was da ist,
und seien's schnitzel und schnieden.
Rückert (1882) 11, 311 (12. mak.).

hierher vielleicht auch putamen schniczel (cibus) Dief. nov. gl. 310b (Weigand 2, 621 nimmt hier die gewöhnliche bedeutung von putamen 'hülse' an).
2) in Österreich (das) schnizl, stück fleisch ohne knochen Castelli 249, ein flach von einem kalbsschlägel abgehauenes und gebratenes stück fleisch Hügel 143a, jetzt allgemein als Wiener schnitzel bekannt.
3) allgemein, abfall (vgl. papierschnitzel und schnitzeljagd), in freierer verwendung:

ja, eure reden, die so blinkend sind,
in denen ihr der menschheit schnitzel kräuselt,
sind unerquicklich wie der nebelwind,
der herbstlich durch die dürren blätter säuselt!
Göthe 12, 37.


4) mundartliches:
a) preuszisch im pl., zerquetschte reste von runkelrüben, als viehfutter Frischbier 2, 306b (anderswo presse genannt).
b) nassauisch auch für das ohr Kehrein 1, 363.
 
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schnitzelbank, f., s. schnitzbank: drum begehrte er weiter nichts mit auf das schlosz zu nehmen, als ein gutes feuerzeug, eine schnitzelbank und eine drehbank. Bechstein märchen 142.
 
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schnitzelchen, n.: da hast du schon wieder ein schnittselchen papier von mir, keinen ordentlichen brief. Biester in den br. von und an Bürger 2, 273; wo sie sich jedes von seiner mutter nachgelassenen schnitzelchens und spahnes bemächtigen wollte. Gutzkow ritter vom geist 3, 6.
 
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schnitzelei, f.
1) handlung des schnitzelns: durch schnitzelei kann da je ein bratspiesz zur marmornen bildsäule Apolls werden? Herder 5, 184 Suphan.
2) das durch schnitzeln hervorgebrachte, kleine schnitzarbeit: die steinalte, zitternde frau, die, dem groszen schranke gegenüber, hinterm ofen sasz, mag dort schon ein vierteljahrhundert lang gesessen haben, und ihr denken und fühlen ist gewisz innig verwachsen mit allen ecken dieses ofens und allen schnitzeleien dieses schrankes. H. Heine 3, 32 Elster; freier: unsrer jetzigen sprache wird es wie der ehmaligen scholastischen ergehen ... oder sie wird der gothischen schnitzeley ähnlich werden. Möser patr. phantas. 3, 259.
3) in folgender stelle ist die bedeutung nicht klar (schnitzarbeiten? zeugstückchen zu weiblichen handarbeiten?): ich wünsche, dasz du der gräfin Stolberg schreibst, bei gelegenheit, so du ihr kleine schnitzeleien schickst. Brentano 8, 300.
 
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schnitzeljagd, f. jagd, die den spuren ausgestreuter papierschnitzel folgt: prinz und prinzessin Ludwig (von Hessen) ... betheiligten sich gestern vormittag an einer von den hiesigen dragoner-officieren veranstalteten schnitzeljagd. Darmstädter zeitung vom 11. april 1870.
 
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schnitzelmesser, n., s. schneidemesser und schnitzmesser. auch niederd. dat snitselmäst der küper, s. niederd. korrespondenzbl. 11, 39.
 
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schnitzeln, verb. in kleine stückchen oder späne zerschneiden, fein und anhaltend schnitzen, oder durch solches schnitzen herstellen. iterativ- bez. deminutivbildung zu schnitzen, vgl. daselbst. mhd. in den zusammensetzungen ver- und zersnitzeln, s. Lexer handwb. 2, 1039. das i in schnitzeln wechselt bei Dasypodius mit ü: schnützlen sculpere; das geschnitzlet oder gegraben ist, sculptilis (dazu schnitzen, abschnützel), vgl. noch Weigand 2, 621.
1) fein schneiden: schnitzeln, secare Wachter 1454, schnitzeln, vulg. deminut. frustulatim abscindere, dasz die meisten späne vergeblich abfallen, nichts rechtes schnitzen. Frisch 2, 216b; dazu beschnitzeln, s. theil 1, 1589: die bäume beschnitzeln, arborum putationem instituere Steinbach 2, 481; ein holz ist besser zu schnitzeln dann das ander. Paracelsus opus chir. (1565) 19; zugleich schnitzelte er tabak in seinen ledernen beutel. Meyer Mareili (Basel 1892) 42.

[Bd. 15, Sp. 1362]



2) gewöhnlich etwas durch anhaltendes schnitzen herstellen, zurechtschnitzen, bilder schnitzeln u. a.: ich schnitzele, sculpturio, frustulatim abscindo Steinbach 2, 481; auch vom hauen in stein u. ähnl., vgl. DWB schnitzen: ein bildschnitzer (bildhawer) schnitzelt und gräbet ein bild aus, und setzet es auf den untersatz (stutz, seulen, fusz). Comenius sprachenth. 771; ein einfaltiger baur kame in ein kirchen, und alsz er das bild Christi darinn geschnitzlet fande .. bettet er ein vatter unser. Wickram rollwagenb. 48, 7 Kurz; habt jr nie die nusz umbher tragen gesehen, die schlecht geschinen, aber thewr verkaufft worden, dieweil ein zihender passion darein geschnitzelt gewesen. Garg. 21b; sie haben .. für eyn gulden kalb viel bilder geschnitzelet. bienenk. 15a; wir solten aber ja durchaus nicht aus dem hause gehen, sondern fein fleiszig korb-höltzer schnitzeln. Felsenb. 2, 470; zu gutem glück hatte er eine geschickte hand zu allen mechanischen künsten: er drechselte, schnitzelte allerliebst ... er schnitzelte also meerschaumene tabaksköpfe, drehte tabaksstopfer aus helfenbein. Chr. F. Weisze d. kinderfreund 12, 121; im bilde: o versündige dich nicht an mir, und mache dir kein geschnitzeltes bild dasselbige anzubeten. Bettina briefe 2, 113.
3) vielfach in übertragenem sinne.
a) einen heiligen aus einem schnitzeln, ihn dazu heranbilden u. ähnl.: ein frommer ordensbruder .. fand an dem unwissenden Benedix einen so rohen, wüsten klotz, dasz es ihm unmöglich schien, in so kurzer zeit, als ihm zu dem bekehrungsgeschäfte übrig blieb, einen heiligen daraus zu schnitzeln. Musäus volksm. 1, 24 Hempel; wenn gott aus der eine heil'ge schnitzeln wollte, die ginge wohl ganz in die späne! Arnim 2, 209;

ich musz es bekennen,
gott hobelt mich sehr;
er schneid't mich, er haut mich,
doch fällt mir's nicht schwer.
willst wissen, warum?
ich halte dafür,
gott wollt ja gern schnitzeln
ein' engel aus mir. wunderh. 1, 452 Boxberger.


b) hervorbringen, schaffen, von gott, der natur: dann die form ist geschnitzelt im mutterleib durch gott selbst. Paracelsus (1589) 1, 97; dasz der mensch nit darff sorgen, umb die form .. sondern er seet .. unnd alle ding, so den menschen belüstigen, so jhm ernehren sein leib .. versorget gott, und laszt dem menschen die herrschafft, dasz er .. die natur sorgen lasz umb das, dz es das werd, dz der mensch begert. auff solchs begeren schickts jhm die natur, machts jm, schnitzlets jm, ziert es mit farben. (1616) 2, 252 C; ähnlich: denn er hette kein werckzeug mehr, damit man pflegt die kinder zu schnitzlen, es were jhm alles auszgeschnitten. Frey gartenges. 85a.
c) auf geistiges gewendet: die lateinische litteratur erstickte den geist und schnitzelte den geschmack an spekulationen und unsinn. Herder 1, 365 Suphan. an etwas schnitzeln: auch an dem zarten ausdrucke der sanften empfindungen wird so sehr geschnitzelt, dasz der bogen endlich brechen musz. Chr. H. Schmid im teutschen Merkur 1773 2, 163.
 
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schnitzelpresse, f. presse zur entwässerung der rübenschnitzel Karmarsch-Heeren3 7, 51.
 
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schnitzelwerk, n., s. schnitzwerk Kramer dict. 2, 633b; übertragen, kleinigkeit, etwas belangloses: und meinen es sey geng, so sy sich allein vor den unkeüschen wercken hütten, sy meinen das ander sey allein schnetzelwerck, sey nit sünd, man dörf es nit beichten. Keisersberg seelenpar. 226b.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für