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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnirrschnarr bis schnittbülte (Bd. 15, Sp. 1344 bis 1351)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnirrschnarr, m.?:

wenn einsam eine nachtigall
ihr wunderlied euch sänge ...
und dann begännen überall
von staren eine menge
und ahmten nach die nachtigall
und ihre haingesänge
und brächten ihren süszen schall
mit schnirrschnarr ins gedränge.
Bürger 315 Sauer.


 
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schnirrung, f., s. schnirren 1.
 
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schnirz, m.: exsiccare, exhaurire poculum, sine respiratione, ohne verschnauffen auszsauffen, mit eim schnirtz. Apherdiani tyrocinium (1580) 88. vgl. preusz. schnirksen, schnirzen, wasser durch die zähne schnellen Frischbier 2, 306; ostfries. snirrtjen zischend spritzen u. s. w., auch für schnirren Stürenburg 229b. ten Doornkaat Koolman 3, 246b. — snirz fehler wider den anstand, furz, durchfall Dähnert 439a.
 
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schnitt, m. handlung und resultat des schneidens. nominalbildung zu schneiden, vgl. daselbst. Weigand 2, 621. ahd. snit, concisio, laceratio Graff 6, 843, mhd. snit Lexer handwb. 2, 1037, auszerhalb des hd. nur altn. snið, n. das schneiden, abgeschnittenes stück Fritzner2 3, 459a und dän. snit, n. schnitt, einschnitt, kerbe. auch im deutschen begegnet neben dem masc. zuweilen das neutrum, s. u. der plural ist ziemlich selten. neuere mundarten bieten wenig abweichende formen. neben dem gewöhnlichen schnitt bair.-österreich. schnid Schmeller 2, 585. Castelli 248. Hügel 143a, im äuszersten süden snit Zingerle 52a. cimbr. wb. 234a, thüring. schnît Hertel sprachsch. 218. Regel 266, ebenso hennebergisch Spiesz 223, nd. snitt Dähnert 439a. Danneil 200a, westf. snied Woeste 246a.
1) handlung des schneidens, das einmalige schneiden: schnitt oder hauw in einen baum (der), plaga, sectio Maaler 359d; schnitt, der, plur. schnitte, sectio, sectura Stieler 1901; der schnitt des holtzes, caesura ligni; durch den schnitt theilen, sectione dividere Steinbach 2, 476; insbesondere
a) schnitt mit dem schwerte, messer u. ähnl.:

(sie) legten jhm für broth, fleisch und fisch,
truncken jhm zu, ausz gülden schalen,
wie es zugeht in fürstenmahlen.
ohn das nach dem schnit, bisz, und trunck,
des fewers flam darausz entsprungk.
Rollenhagen froschm. L 6b;

streich, wunde: schnitt, ins fleisch eines lebendigen, vulnus, quod fit acie ferri, scissio; einem einen schnitt geben, ferro acuto vulnerare Frisch 2, 215c; ictus, in pugna quae fit gladio Scherz-Oberlin 1425;

von Tagesburc Reinfrit
der sneit dâ manegen niwen snit
in der heiden gewande.
Stricker Karl 5936 (bildlich zu 5, a);

drî helde ritterlîche ...
die snîdent hiute leiden snit. 9271;

Wolfram von Eschenbach der ist ir pukelære.
der schirmet wol vür swertes snit. Lohengr. 228;

die zunge, dein schädliches glied, ...
thut manchen gefährlichen schnitt,
schlägt alles zu schanden und wund.
P. Gerhardt s. 5, 11 Gödeke;

die wehrte sich denn um ihr leben .. und bekam zwey schnitt (mit dem schermesser) in die hand, und einen .. in die gurgel. Wagner kindermörd. s. 76 neudruck. so ferner jemanden auf den schnitt heraus fordern, 'eine bei den matrosen übliche art des zweikampfes, wo sie sich mit krummen matrosenmessern schneiden, welches auch ein schnittchen machen heiszt' Adelung. mhd. oft bildlich, z. b.:

ô wê, grimmiger snit,
waʒ dû manigen hâst versniten,
der wol mit êrlîchen siten
des himels krône solde haben
und ist leider nû begraben
in der helle grunde.
swîc, dû valsche wunde u. s. w. pass. 442, 44 Köpke.

[Bd. 15, Sp. 1345]


ähnlich jetzt noch: das war ihm ein schnitt (gewöhnlicher stich) ins hertz, hoc cor ejus vulnerabat Frisch 2, 215b.
b) so in fleischerausdrücken, vgl.: das goldne kalb, um das sie tanzten, wurde mit verschiedenen heraldischen schnitten, wovon ich keine nahmhaft machen will als den wellenschnitt, den klee- den haupt- den zahn- den stufen- und den querschnitt, gerecht zerschnitzt. J. Paul Siebenk. 1, 101.
c) von chirurgischen operationen: schnitt des arztes, incisio, sectio chirurgi Stieler 1901; schnitt, öffnung durch schneiden einem helfen, caesura aperire. den stein aus der blase durch den schnitt nehmen, adhibere sectionem; incidere calculosum. den bruch durch den schnitt heilen, herniosum sanare sectione Frisch 2, 215c;

âne salbe sunder snit
heilte er lîb unde lit
niwan mit worten eine
der selbe arzt reine. pass. 85, 60 Hahn;

daz man noch seid di pheile snaid
auz im mit manigem scharffen snit.
Suchenwirt 9, 79;

dieses lächeln, sagte er sich bitter, sind die künste eines muskels, der gerade so und nicht anders gebildet ist; durchschneidet ihn mit einem kleinen leichten schnitt und alles ist vorbei für immer! Keller 5, 307. bildlich: aber ich will lieber einen frischen schnitt durch das geschwür als dasz es unter sich eitere. Leisewitz Julius von Tarent 1, 2; ich will, wenn sie glauben, dasz es die verfaszerin nicht verdrieszen werde, ehe ich ihnen die stücke zurücksende, einige heilsame schnitte, die aber kein blut geben sollen, darinn machen. Schiller briefe 3, 326. von der beschneidung:

der juden touf hât sundersite:
den begênt si mit eime snite.
Wolfram Willeh. 307, 24.

verschneidung, castrierung: er sein amt in der that verrichtet und den schnitt recht gethan. exilium melancholiae (1655) 49; ich fürcht', ich werd' an dem schnitt sterben müssen. Lenz 1, 64 (hofmeister 5, 3).
d) schnitt, das beschneiden der reben in den weinbergen, vgl. Jacobsson 4, 28b f. öconom. lex.2 2631 ff.; schnitt an bäumen: wann den schnitt gethan hast, soltu die rinde mit eynem schroter von helffenbeyn gemacht, auff beyden seiten hüpschlich lösen und auffheben. Sebiz 332.
e) schnitt mit der säge in der sägemühle, sägeschnitt Eggers kriegslex. 2, 1140: dar umb soll im der stat paumeister geben ie von einem schnit, den der seger schneidt .. dreu haller. Tucher baumeisterb. 120, 34 Lexer; auch soll der seger zu ieder rechnung einem paumeister geschriben geben .. wie vill schnit er iedem geschniten hab. 121, 1; item adi 18 ottobris hab mir mein drei forhen schlaiszschrott czu prettern schneiden lasz, send 21 schnitt czu 4 D, davon dem seger beczalt 2  24 D. haushaltb. 137 Loose.
f) schnitt eines holzstocks u. ähnl.; in der baukunst schnitt, behauung, eines steines, trait Eggers kriegslex. 2, 1140; schnitt aus freier hand, die arbeit, die ohne cirkel und lineal ausgeführt wird Jacobsson 4, 29a. von edelsteinen: hingegen bin ich völlig der meinung, dasz, wenn Eupolis den Cyrenäern nachsagte, dasz der geringste von ihnen einen siegelring trage, der zehn minen koste, dieser vorwurf der verschwendung mehr auf die zu theuren steine gieng, .. als auf den zu groszen lohn, den sie dem künstler für den schnitt entrichteten. Lessing 8, 63.
g) in der gaunersprache schnitt machen, mit der schere oder dem messer eine uhrkette abschneiden oder die kleidung über den taschen aufschneiden Avé - Lallemant 4, 602. auch sonst einen schnitt machen, übertragen, etwas wegschneiden, ausstreichen: deine phisiognomick geht immer richtig durch meine hände, ich kann nichts dafür thun als hie und da ausstreichen. bey Raphael hab ich einen groszen schnitt gemacht, und mir selbst von einem tag zum andern versprochen den risz wieder auszufüllen, es ging aber nicht. Göthe br. 3, 136 Weim. ausg.
h) schnitt, das schneiden von tuch u. s. w. für den verkauf, vgl. DWB schnittware. Jacobsson 4, 28b: is sal ouch nymant, der nicht czu kamern stet, snyden keynerleye schongewant, wer daʒ breche, der sal gebin von iczlichim snite 1 mark und das tuch [sal] czu verlorn syn. Korn Bresl. urkunden 1, 200 (nr. 226, 19, vom jahre 1360).
i) in freierer verwendung: fragen, deren auflösung gar nicht einmahl möglich ist, oder, welche sich wenigstens nicht anders als durch einen kühnen schnitt auflösen lassen. Wieland 6, 288 (gold. spieg. 1, 10). — auf einen schnitt, auf einmal: angesehen

[Bd. 15, Sp. 1346]


dasz er der stör, mörthunnen und hausen etlich legion auff einen schnitt nam. Garg. s. 61 neudruck; ähnlich:

in eurem kopf liegt wissenschaft und irrthum
geknetet innig wie ein teig zusammen;
mit jedem schnitte gebt ihr mir von beidem.
H. v. Kleist der zerbr. krug 7.


2) sehr verbreitet, namentlich in der ältern schriftsprache und im oberd. ist schnitt vom schneiden oder mähen des kornes, ernte, zunächst vom schneiden mit der sichel, vgl. Adelung.
a) messio .. der schnit Dief. gl. 359a, snyt nov. gl. 252a, messis .. snyt, snet .. schnit gl. 359a; messis ern, der schnit Aventin werke 1, 572, 37; der schnitt, die ernd, messis Maaler 359d; schnitt quoque est messis, aliàs getraideschnitt, et erndeschnitt, sectio frugum Stieler 1901; schnitt, für ärnde des getraides. Frisch 2, 215c; vgl. öconom. lex.2 2631 ('die erste arbeit in der ernte'). in neuern oberd. mundarten, s. Birlinger 401a. Schm. 2, 585. Hügel 143a. Schöpf 640. Zingerle 52a. cimbr. wb. 234a. vgl. ernteschnitt theil 3, 931: erndschnitt Garg. s. 61 neudruck. sehr oft mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 443. Lexer handwb. 2, 1037:

sûmunge schât dem snit und schât der sæte.
Walther v. d. Vogelweide 85, 24;

vor dem snite sô setzet man die phlanzen.
Neidhart v. Reuental 12, 39;

zû jungist, sô daʒ korn nicht mê
âne schadin mochte stân ...
sich hûbin ûʒ wîb unde man
algemeine in den snit.
Nic. v. Jeroschin 14419.

in diesem sinne ist snit im mhd. zuweilen auch neutrum, so sicher in folgenden stellen: swenne dc snit kumet, so sprichich: rütent zem êrsten ûʒ den knüllen und den ratten (unkraut). Grieshaber pred. 2, 38; swenne dc snit kom, dc ist der iungest tach. 42; daʒ snit unt daʒ wînlesen sint beidiu vr (vergangen) unt ist uns ir beider nicht worten. Leyser pred. 20, 34; wen die lewt in das snit varent. Grimm weisth. 3, 703;

der acker lît ungarn,
dâ bî ist ûf uns daʒ snit. Seifr. Helbling 1, 828;

nhd. belege: die söldner, gein Wyndsheim in den schnyt gesenndt. quelle vom jahre 1493 in d. städtechron. 11, 575, anm. 6; (im bilde:) heben uff üwere ougen, und sehen die gegenen, das sye yetzundan wissz seind zm schnitt. Keisersberg post. 2, 72b; und ir sollent eüch bereiten und rüsten, dz ir ouch gangen in die ern und in den schnitt. 73a; siben tag isz die ungeseuerten brot, als ich dir hab geboten in der zeit des schnids der newen frücht. bibel von 1483 49b (2 Mos. 34, 23); bringt die garben, die eher, die ersten frücht ewers schnitts zu dem priester. 63a (3 Mos. 23, 10); der schnitt ist vil, aber wenig arbeiter. 501 (Luc. 10, 2); da were die erndte, da sol man erndter in die erndte haben, bittend den hausvater desz schnits, das er schnitter in sein erndte schicke. Luther 3, 419a; die inwohner und kämerler aber sollen auch in der notwendigen arbait, sonderlichen mad und schnit .. sich nit aus den gericht an frembden orten zu arbaiten begeben. tirol. weisth. 4, 279, 25; vom schnitt und einernden. Hohberg 2, 50; wiewol der schnitt im alten monden am besten, kan man doch dessen nicht allzeit erwarten. 51a; vgl.: bey dem korn- und waitzen-schnitt ist zu beobachten, dasz man, nachdem der wind das korn gebogen, ihme nach, und nicht entgegen schneidet. 51b;

dann wer do drischet vor dem schnit
und ee wil pachen, dann er knit u. s. w. fastn. sp. 130, 26;

bsorg auch, ich werd bezalet nit,
bisz etwann hinausz nach dem schnit.
H. Sachs 5, 366d;

ey, so wais ich kain pesser ding,
den man den dieb hang iczund nit,
sunder verziech pis nach dem schnit,
so das draid kumb vom veld hinein. fastn. sp. 5, 100 neudruck;

bildlich:

was thu dann ich? was trägt mein acker ein,
den ihr beseet mit wolthat, gunst und gaben?
was werdet ihr für schnitt und erndte haben?
sonst wächst mir nichts als verse nur allein.
Tscherning ged. frühl. 127.


b) die zeit der getreideernte:

daʒ was in dem snite.
Diemer deutsche ged. 138, 2;

er starb in einem snite. 156, 4;

es sig im augsten oder im schnit. des teufels netz 7873 Barack;

man samnet des krautes (nieswurz) wurzel in dem snit und truckent si. Megenberg 400, 14; sie (die ameise) bereitet ir speis im summer und samlet im schnit. H. Sachs dialoge 45, 32; so der schnit verget, verkaufen wir die lon. 46, 15.

[Bd. 15, Sp. 1347]


der schnitt umfaszt die monde juli und august: s. Jacobs tag (der 25. juli) in dem snit. in urkunden (z. b. von 1310), s. Stephans tag in dem snit (der 3. august). urk. von 1367. 1380 u. a., s. Weinhold monatsnamen s. 54. Lexer handwb. a. a. o. Frisch 2, 215a: geven op sente Jacobsdag im schnit. urk. von 1418 bei Wallraf 76.
c) vom bilde der ernte ausgehend häufig in übertragener verwendung, gewinn, vortheil. schnitt, lucrum, im gleichnüsz des nutzens von der ärnde. Frisch 2, 215c; besonders in der redensart einen schnitt thun, machen: du hast dabey einen guten schnitt gethan, in eo non exiguum habes lucrum Steinbach 2, 476; einen guten schnitt thun Frisch 2, 216a; einen schnitt von eines andern gewinn thun wollen, falcem mittere in alienam messem. ebenda. den schnitt oder sich auf den schnitt verstehen Adelung. vgl. Borchart sprichw. redensarten2 1056. so auch in neueren mundarten, s. Castelli 248. Hügel 143a. Schöpf 640. Albrecht 205a. Spiesz 223. Dähnert 439a. Danneil 200a. Woeste 246a: der unhöffliche todt hat nicht einen geringen schnitt geführt. Abr. a S. Clara bei Schöpf a. a. o.; schon oft, wenn ich einen guten schnitt zu machen gedachte, fand es sich, dasz mir ein guter schulsack, etwas philosophie, alte literatur, ja sogar etwas medicin fehle. W. Hauff werke (1837) 4, 31 (mem. d. sat. 6); so will ich auch schon zu meinem schnitt kommen, mag mir die million nun entgehen oder nicht! Hebbel2 2, 75; er mochte dadurch, indem er an zahlungsstatt zuweilen eine malerei zu übernehmen oder zu pfänden genötigt war, zu einem kleinen galleriebesitzer geworden sein, der schon mehr als einen guten schnitt gemacht hatte, wenn er ... die arbeiten bedrängter kunstjünger erworben, die nachher zu ruf gekommen. Keller 3, 54;

wann ob der hant nit wer jr schnytt.
Brant narrensch. 79, 15, s. d. anm.

(etwa: wenn sie beim ernten nicht über hand abschnitten?). auch sonst für vortheil, nutzen:

mit welchen (thalern) ich in keiner mas,
den armen bawren diente was,
sondern gebrauchts zu meinem schnit,
und affte nur die andern mit.
Ringwaldt tr. Eckart J 6b.


d) sich in fremden schnitt dingen, sich in fremde sachen stecken, einem andern ins handwerk pfuschen, einem andern das ihm zukommende wegnehmen:

derhalben soll ein iderman
auff sein pfund sich bestellen lan,
und nicht mit vielem unterschleiffn
eim andern in das seine greiffn.
denn wer sich dingt in frembden schnit,
den nechsten bey sich untertrit, ...
der wird in solchem unbedacht
von guten leuten sehr veracht.
Ringwaldt lautere warheit 191.

vergleiche auch jemand in den schnitt kommen. Bode Trist. Shandy 4, 38.
3) was durch schneiden entsteht.
a) schnittstelle, wo etwas ab- oder eingeschnitten ist: nach zweyen jaren ungefähr, wann sie (die citronenzweige) beklebt sein, soltu sie ... im erdrich absägen, den schnit wol spitzigen oder ebenen ... darnach weiters den schnitt und das einstecken oder keidel (pfropfreis) mit aronwurtzel ... bereiben. Sebiz feldb. 280; wann den baum ... mit eynem messer ... abgeschnitten hast, soltu ... den schnitte darumm abwischen. 327. ein reis in den schnitt oculieren, d. h. in die stelle, wo ein ast oder junger baum abgeschnitten ist Adelung.
b) besonders bei einem buche der beschnittene rand: schnitt eines buchs, circumcisura libri Stieler 1901. Steinbach 2, 476; schnitt des buchbinders an einem buch, secturae frons. mit verguldetem schnitt, aurata sectura, margine auratus codex Frisch 2, 215c, vgl. Jacobsson 4, 28a: operment, damit die buchbinder die bücher auff dem schnitt gelb machen. Mathesius Sar. 101a; weisz eingebunden, rothen schnitt, nicht? Lessing 1, 271; auch fiel sein (des buches) corduanband mit goldenem schnitte Clärchen am meisten in die augen. Thümmel reise 4, 84;

und wie ein journalist mit fremdem wissen spielt.
läst schranck und cabinet mit tausend titeln zieren,
sinnt mehr auf band und schnitt, als auf die seligkeit.
Günther 518;

der motten zahlreich heer zernagt, mit frechem zahn,
den bestvergüldten schnitt, den schönsten saffian.
Hagedorn 3, 107;

die zentnerschweren bücher in folio,
die dichter, die mit goldnen schnitten,
goldenen blumen und titeln prangen.
Hölty 88 Halm;

[Bd. 15, Sp. 1348]



und begaffet den band und den bemalten schnitt,
und sein gläsernes bücherschrank. 110.


c) einschnitt, kerbe: talliatura, i. e. scissura ein schnitt, eine kerbe. Corvinus fons lat. 736b; schnitt im kerbholz: darzu soll ein paumeister bestellen, das die zimmergesellen an der stat arbeit ein kerben haben, doran sie die schnit schneiden so oft sie schleiffen lassen; desgleichen soll der schleiffer auch ein kerben haben dergleichen, doran man solich schnit schneidt. Tucher baumeisterb. 112, 30 ff.; bei metallarbeit: auf den schnitt versilbern und vergülden, est, ferrum incisum, sive crenatum inaurare, et argentare Stieler 1901. im bergbau ein enger einschnitt, der rechtwinklig zur ebene des flötzes steht und durch dessen ganze mächtigkeit geht, auch schlitz, kerbe. Veith 421. ferner für schlechten, regelmäszige klüfte, die in kurzen absätzen das flötz durchsetzen. 419. — schlitz im zeuge: auch must es (an seiner hose) pfausecht, bauschecht sein zwischen den schnitten. Garg. s. 173 neudruck; schnitt, einschnitt, des mundes, bei einer statue: eben das masz ist von der spitze der nase bis zu dem schnitt des mundes, und von da bis an die spitze des kinns. Winckelmann 4, 177. einschnitt an einer schreibfeder: schnitt, an der schreibfeder, pennae sive calami praecisio, incisio atramenti tenendi causa, canalis atramenti ad crenam. Frisch 2, 215c.
d) schnittspuren, eingeritzte linien: schnitt in etwas hartes, da man nur die spur des schneidenden eisens hat, als die schnitte des messers auf einem zinnernen teller, vestigia aciei cultri. schnitt in ein glas, als des demants, gemmae incisura in vitri superficie Frisch 2, 215c, vgl. Jacobsson 7, 264a. daher auch: schnitt, als linien in der hand, incisurae in manibus. ebenda.
e) bei kupferstechern sind schnitte die mit der nadel oder dem grabstichel geritzten züge Adelung. Jacobsson 4, 29a; doch auch die art, die nadel zu führen: er hat einen guten, saubern, kecken schnitt, ebenso vom bildhauer mit bezug auf das behauen des marmors. 28b.
f) narbe: einen schnitt im gesichte, auf der hand haben. Adelung.
4) abgeschnittenes stück: schnitt, für stück, s. schnitz, segmen, segmentum, quicquid resecatur Frisch 2, 215c; so besonders ein schnitt (schnitz) brod, schincken, pföben, citron, käsz etc. una fetta di pane u. s. w., lange brodschnitte, ò schnitze; zu schnitten schneiden. Kramer diction. 2, 625c; schnid, buccella Alberus; ein schnitt brotes, panis quadra, tabula, aut tabella. schnitte in die suppe, panis incisus Stieler 1901. vgl. pfaffenschnitt, das beste stück eines bratens, theil 7, 1592. gebackene englische schnitte, eine art backwerk Jacobsson 7, 264a, vgl. schnittchen 3, a. hierher gehört auch der in der heutigen studentensprache (seit einigen decennien) verbreitete ausdruck ein schnitt bier, ein nicht ganz gefülltes glas, wenn man sich nämlich 1/4 liter in einem oder liter enthaltenden gefäsze geben läszt; weiterhin überhaupt für liter (vgl. DWB schoppen, tulpe), halbes seidel Hügel 143a. Hertel sprachsch. 218. in der Schweiz auch abschnitt, theil, district einer landschaft oder eines ortes. Bühler Davos 1, 156 ff.
5) durch schneiden entstandene form; die art, etwas zu schneiden.
a) besonders bei kleidern:

ir banyre vil von spehem snite. Ludwigs kreuzf. 1361;

dâ sach man mancher hande snite. livl. reimchron. 4203;

wie sümlich tragent gelencket
ir gewant nach dem nüwen schnit,
etlicher nach dem alten sit.
Laszberg lieders. 1, 578, 45;

sô vindet der eine niuwen funt von einem fremeden snite eines gewandes. Berth. v. Regensburg 1, 470, 30; von neuigkeyt und sonndern schnytten inn cleydungen, geschmucke und schuhen. Nürnberger polizeiordn. 108 Baader; alle schnitte von kleidern und hauben, wie sie vor funfzig jahren gebräuchlich gewesen sind, behält sie standhaft bey. Gellert 3, 149; ich gestehe, sie (die stiefel) sind nach dem schönsten schnitte von der welt. Siegfr. von Lindenberg4 1, 147; schon hatte Wilhelm bemerkt, dasz in schnitt und farbe der kleider eine mannigfaltigkeit obwaltete. Göthe 22, 4 (wanderj. 2, 1); wir sahen eine procession von etwa zehn- bis zwölfjährigen knaben herankommen .. in kleidern, gleicher farbe, gleichen schnitts. 29, 305; durch die ankunft eines schönen, schlanken mannes, der einen feinen grünen frack trug nach dem neuesten schnitte. Keller 1, 18;

[Bd. 15, Sp. 1349]


Luise. ein morgenhäubchen wollt' ich meiner freundin nähen, ..
gouvernante. sie machen sie mir doch nach meinem alten schnitt.
Körner 4, 69 Hempel (gouvern. 2).

vgl. auch hofschnitt th. 4, 2, 1698. so sagt man auch ein schneider hat einen guten schnitt (vgl. dazu 3, e); sprichwörtlich: es ist gut, den schnitt an fremdem tuche zu lernen, durch eines andern schaden klug zu werden Adelung; auch das papierne muster, wonach zeug zugeschnitten wird, heiszt bei schneiderinnen und putzmacherinnen der schnitt Adelung.
b) von andern gegenständen: der schnitt oder belauf eines schiffes, die äuszere gestalt des schiffbodens, besonders die verengung desselben vorn und hinten Bobrik 608a. Jacobsson 7, 262b f. so auch (?):

umbe und umbe in einem snite
wol hundert venster wâren. avent. crone 15748.

schnitt einer münze, die äuszere dicke Jacobsson 4, 28b. schnitt im buchdruck, die bestimmte grösze der buchstaben. 7, 263b. bei steinmetzen der winkel, wonach die seiten der bogensteine behauen werden. 7, 264a. von einer fuszspur:

aus dem schnitt der fährtenränder
weisz der weidmann scharf genau,
wer gewandelt durch die au:
spieszer oder sechzehnender.
Lenau 1, 371 Koch.


c) auch übertragen, form, umrisz überhaupt; so besonders schnitt des gesichts, der nase u. ähnl.: aber ein gewisser schnitt des gesichts, der nicht europäisch war, verbunden mit einer kleidung, die .. kühn und glücklich gewählt war, gaben ihm eine miene von sonderbarkeit. Schiller 4, 338; diejenigen litteratoren, .. die ihr persönlich durch den schnitt ihres gesichtes oder die farbe ihrer augen gefielen, konnten eine ehrenhafte erwähnung .. in ihrem buche 'De l'Allemagne' erwarten. H. Heine 6, 24 Elster; erst als ihre weiche brust auf seinem fühllosen harnisch lag, erkannte er sie an dem schnitt ihres ernsten mundes. Keller 6, 341; übrigens war die gesichtsbildung edel, wenn auch an den schnitt altägyptischer frauengesichter erinnernd. 7, 249; Jupiter, Apollo und Juno haben den schnitt derselben (der augen) grosz und rundlich gewölbet. Winckelmann 4, 201; auch: aber ein übertriebenes wesen, sonderlich in der zeichnung der schienbeine, und der strenge und harte schnitt der muskeln der wade zeigt sich an. 3, 219.
d) häufig bildlich, vgl.: die beobachtung einer nützlichen klugheit, die ihnen vorschreibt, ihren handlungen die farbe, den schnitt und die auszierung zu geben, wodurch sie denjenigen, mit welchen sie zu thun haben, am gefälligsten werden. Wieland 1, 186 (Agathon 3, 5); weil's einmal so ist, dasz die liebe natur den stoff selber wirkt, und das system nichts als der schnitt des stoff's bleibt, so gibt es doch wohl keinen rock, der für alle taillen gerecht ist. Göthe 33, 61. besonders von litterarischen producten:

meister Gotfrit
von Strâʒburc, der sô mangen snit
spêhen unde rîchen
schône unde meisterlîchen
nâch durnechtiges meisters siten
ûʒ blüendem sinne hât gesniten,
und hât sô rîcher rede cleit
disem sinne an geleit.
Heinr. v. Freiberg Trist. 20;

einförmigkeit in schnitt und wesen,
in farben, bildern und idee'n
bey liedern, oden, epopee'n.
Gotter 1, 453;

es sind nicht räthsel aus dem kinderfreund ..
nein, es sind räthsel von dem neusten schnitt.
Schiller Turandot 2, 3;

gebt acht! ein lied vom neusten schnitt!
Göthe 12, 105;

wenn man die gedichte der mad. Karschin auch nur als gemälde der einbildungskraft betrachtet: so haben sie wegen ihrer vielen originalen züge mehr verdienst um die erweckung deutscher genies, als viele oden nach regelmäszigem schnitt. Herder 1, 351 Suphan. besonders in den verbindungen vom alten, neusten schnitt, nach dem gewöhnlichen schnitt, wo es meist ganz abgeblaszt für 'art und weise, geschmack' steht: ich .. machte der jüngern dame im geist und in der wahrheit, der ältern hingegen blosz nach dem gewöhnlichen schnitte, meine verbeugung. Thümmel reise 7, 386; nun hatte Kayser die arien ausführlich nach altem schnitt behandelt. Göthe 29, 149;

ein jeder wollt's am ersten sehn,
diesz land vom neuen schnitte.
Rlumauer Aeneis 1, 111.

so auch:

da geht alles nach kriegessitt',
hat alles 'nen groszen schnitt.
Schiller Wallensteins lager 6.

[Bd. 15, Sp. 1350]



6) schneidendes werkzeug, schneide, so westfäl. Woeste 246a. bei den glasern die scharfe spitze eines diamanten, womit das glas geschnitten wird Jacobsson 4, 28b. so schon mhd. von der schneide einer waffe:

swaʒ snîdendes an sînem snite
wirt gelüppet dâ mite,
wie wênic man dekeine stunt,
wirt von dem selben wâfen wunt,
der muoʒ tôt sîn und ungenesen. troj. krieg 45393;

(horn) diu wâren giftic an dem snit. quelle bei
Lexer handwb. 2, 1037.


7) wie man schneiden, aufschneiden von einem stark übertreibenden, lügenhaften prahlen sagt, so auch schnitt, vgl. aufschnitt theil 1, 729, lüge, prahlerei: schnitt, etiam est non solum mendaciunculum, et gloriatio, sed et impudens et immane mendacium. grosze schnitte tuhn, grandes mendaciorum nebulas excitare Stieler 1901; schnitt eines prahlenden, jactatio, mendacium Frisch 2, 215c; so hören wir wohl, dasz der herr selbst gestehet, dasz dieses ein schnit sey. Simpl. schr. 4, 250, 2 Kurz; einen aufschneider und ruhmräthigen wirstu also erkennen: .. frage ihn bey anderer occasion, in welchem jahr er dieses oder jenes angefangen .. alsdenn wird sich bald finden, worin er einen schnitt begangen. der eröffnete Louvre (Berlin 1700) 17; hierauf, und ohne dasz er nöthig hatte, sich von dem gewaltigen schnitte erst wieder zu erholen, gieng er dem exschuster tapfer zu leibe. Siegfried von Lindenberg4 1, 136;

so aber giebt Horatz mir immer diese lehre,
dasz zu dem dichten mehr, als so ein schnitt gehöre.
Günther 417.

ähnlich in neuern mundarten, eine lüge Klein 2, 135 (in Hohenlohe); thür., ein lustiger streich Regel 266. Hertel sprachsch. 218.
8) andrerseits steht schnitt auch im sinne von 'irrthum', vgl. (sich) schneiden II, 2, sp. 1265:

ein theil der spricht, er (Amor) soll wohl hören.
o das ist wol ein groszer schnitt.
ich ruff', ich seufftz', ich fleh', ich bitt',
umsonst ists, dasz wir ihn so ehren.
wer spricht, dasz Amor hören kan,
und gläubts, der sehe mich nur an.
Fleming ged. 514.


9) weitere besonderheiten.
a) naht? (etwa zu 3, a): der bleib mit seinen kriegerhosen, wie er über einen zaun springen wolt, behencken, einer ausz dem gegentheil .. sticht diesen hinden für, dasz die schnitt an hosen brachen, er überab fiel. Kirchhof wendunm. 1, 122 Österley (1, 95).
b) am schnitt sein, bevorstehen, zu erwarten sein (zu 2, a, also eigentlich zur ernte reif sein?): so die stund der empfängnusz am schnitt stünd. Paracelsus (1589) 1, 276.
c) schnitt, denique abusive ponitur pro libidine, hinc: auf den schnitt gehen, ambire virgines, rei amatoriae operam dare Stieler 1901.
d) schnitt, bey einigen handwerken, artificiosa sectio operis eorum qui magistri in opificio fieri volunt, der schnitt zum meisterstück Frisch 2, 216a. so bei schustern schnitt beweisen, sein meisterstück machen Jacobsson 7, 264a.
e) preuszisch auch für rausch Frischbier 2, 306b.
10) technische verwendungen, soweit noch nicht behandelt.
a) bei den tuchscherern heiszt das scheren der tücher auf der linken seite, nachdem sie auf der rechten geschoren sind, den tüchern schnitt geben Jacobsson 4, 29a.
b) bei den tuchfärbern das innere oder dichteste im gewebe des tuches. 28a.
c) der runde rand des gefachten hutfaches. 28b.
d) im bergbau s. 3, c. ferner die kleineren bauabtheilungen innerhalb einer etage, die nach einander zum abbau kommen Veith 425.
e) in der jägersprache für frasz, äsung, beim schwarzwild. Behlen 5, 541. Kehrein weidmannssprache 263.
 
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schnittarzt, m. 'chirurg, der stein und bruch operiert' Schm. 2, 586: item maister Jörg, ein schnitarzt, ein alter pürger, het zwen kopff wein von Oberminster geholt. d. städtechron. 15, 44, 3; von vertreibung der wundsucht, hitz, frost .. so den wunden zustehend: auch den schnitartzen an stein und bruch. Paracelsus chir. schriften (1618) 35 C. vgl. schnitt 1, c.
 
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schnittbank, f. bank zum schneiden von holz, vergl. schneidebank und schnitzbank. Campe. Jacobsson 4, 29a.
 
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schnittbaum, m. baumstamm, der mit der säge in stücke von bestimmter breite und dicke zerschnitten wird, um zu holzarbeiten verwendet zu werden, vgl. schnitt-nutzhölzer. Behlen 5, 541 ff.: es war ein wunderschöner frühmorgen, da schickt

[Bd. 15, Sp. 1351]


mich der förster hinauf am Hochkopf, ich sollte ein dutzend starke schnittbäume ausweisen. didaskalia 11. märz 1873.
 
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schnittbohne, f. die gewöhnliche bohne, phaseolus vulgaris Pritzel-Jessen. Nemnich, die zum essen zerschnitten wird Campe; besonders in Norddeutschland; ebenso dän. snittebønne.
 
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schnittbrenner, m. eine art gasbrenner, wobei das gas ausströmt durch einen schnitt, der in verticaler richtung den kopf des brenners theilt Karmarsch-Heeren3 5, 474.
 
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schnittbrot, n., mhd. snitbrôt, brot für die schnitter Lexer handwb. 2, 1038; — geschnittenes brot bei tische (?):

Agneta, hör, der herr will heud
aber mal haben viel frembt leud.
da wolt ich gern, du sehst drauff,
wen man dasz schnidprot hebet auff,
do liegen den offt vor den gesten
allerley speis nur nach dem pesten.
dasz wörfft man jn den auff den trog.
Ayrer 3171, 9 Keller;

lasz sie (die bettler) an liechten galgen lauffen
und last den bunden dasz schnidprot. 3172, 20.


 
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schnittbülte, f. bültengras, buttengras, carex stricta. Pritzel-Jessen.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für