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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnippschere bis schnirkelnadel (Bd. 15, Sp. 1341 bis 1343)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnippschere, f., sive scherlein, forpicula Stieler 2046.
 
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schnippschnapp ,
1) schallwort, vgl. mhd. snippensnap Lexer handwb. 2, 1037. Grimm gramm. 3, 304 und schnipp 1:

do msz man richten usz all sachen
und schnyp, schnap mit dem holzschh machen.
Brant narrensch. 44, 10.

vergl. das schwäbische rätsel für den pantoffel: 's guot über d' stiega und duet schnipp schnapp. Birlinger 400b f.
2) als subst., bastardschlosz Karmarsch-Heeren3 7, 716.
3) scherzhafte bezeichnung des schneiders (zu schnippen 3): und weil es bald tischzeit war, bestellte er den schnipschnap nach der mahlzeit wieder zu sich. Weise erzn. 126 neudruck.
4) schweizerisch schnippischnappi für schnabel im kinderliede, s. Seiler 260.
 
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schnippschnappschnurr ,
1) ein kartenspiel, das besonders im anfange dieses jahrhunderts üblich war und von Vilmar 363 folgendermaszen beschrieben wird: 'der reiz des spieles bestand für die kleinen grösztentheils darin, dasz bei jedem ausspielen, welches möglichst rasch von statten gehen muszte, das betreffende jener vier wörter gerufen wurde: wer die sieben hatte, spielte aus und rief schnipp, wer die achte derselben farbe hatte, folgte mit schnapp, wer die neune hatte, darauf mit schnurr, und wer die zehne hatte, rief apostolorum (abgekürzt auch bostelorum, bastelorum) und zog den stich an sich; ebenso hatte der, welcher den buben besasz, denselben mit schnipp auszuspielen, die dame derselben farbe folgte mit schnapp u. s. w. es gehörten mithin wenigstens vier spieler zu diesem spiele; wer die meisten zehn und as hatte, folglich die meisten stiche machte, war sieger. zuweilen aber wurde auch die sache umgekehrt: sieger war der, welcher seine karten zuerst los wurde' (so auch nach Weigand und Kleemann), vgl. ferner besonders Weigand 2, 620 und Frischbier 2, 305 f. die kurze form schnipp schnapp schnurr ist angegeben bei Hertel sprachschatz 218, ferner als schnipp schnapp schnorum bei Müller-Weitz 218; ebenso nd. als snipp snapp snurr Danneil 200a. Mi 83a:

und beim schnipschnapschnur bist du der ewige hahnrei.
Voss 120 Sauer (d. hagestolz 77).

[Bd. 15, Sp. 1342]


gewöhnlich die längere viergliedrige, wobei die ersten glieder fest stehen, für schnurr zuweilen schnorr Kleemann 19c. Schm. 2, 578 oder schnorem Spiesz 223 erscheint, namentlich aber der letzte theil mannigfachen entstellungen ausgesetzt ist, so zu bastelorum Spiesz 223, bastelor Schm. 2, 578, baselorum Frischbier 2, 305a, basilurr 548b, basiloniur, auch burr; bei Kleemann 19c als pasterlôrum, fisilôrum, rex basilôrum, ex pussilôrum; ganz abweichend ist schnipp schnapp schnurr schnäppäpper Sartorius 112. ganz vereinzelt finden sich 6 glieder, so in einem spiele 'pochert', das nach einer mittheilung von Ludw. Erk in Dreieichenhain (bei Frankf. a. M.) noch 1820 üblich war, in der form:

schnipp-schnapp-schnorum,
ram-bas-culorum.


2) selten in anderer bedeutung: a) thüringisch als begleitformel beim nägelschneiden Hertel a. a. o. b) ostfries. schnippschnapp-schnooren Stürenburg 354a bez. snip-snap-snaren ten Doornkaat Koolman 3, 245b, kleine leckereien.
 
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schnippsel, n. kleines, zerschnittenes stückchen, schnitzel Albrecht 205a. Hertel sprachsch. 218 (als masc.). Göpfert 38. Frischbier 2, 305a. hessisch für schmierkäse, s. DWB schnipp 6, a.
 
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schnippsen, verb. , weiterbildung zu schnippen in gleicher bedeutung.
1) mit den fingern ein schnippchen schlagen Albrecht 205a: noch hatte Menelaus nicht ausgeredt, als Trimalcion, der prächtigste mann, mit den fingern schnippste. Heinse Enkolp 1, 79; er .. vergasz sich und schnipsete mit den linken noch arrestfreien fingern zu stark gegen den tisch. J. Paul uns. loge 3, 52; weil ich in meiner hand die anstrengung der seinigen zu neuem schnipsen verspürte. ebenda.
2) etwas mit den fingern fortschnellen Campe. Bernd 273. Hertel sprachsch. 218.
3) kleine stückchen rasch abschneiden. ebenda.
4) bair.-österr. stehlen Schmeller 2, 579. Hügel 143a. vergl. schnipfen 3, a.
5) vom zwitschern der vögel, vgl. DWB schnippen 6, b, wol lautmalend: singvöglein schnipsten und zwitscherten in den zweigen. gartenlaube 1862, s. 205.
 
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schnippung, f., das schnippen, et die schnippe, crepitus digitorum, talitrum, it. scissio, sive sectio in partes minutas, aliàs schnippelung. Stieler 1894.
 
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schnipsen, schnipzen, verb. schluchzen, eine intensivbildung zu schnupfen (oder eigentlich zu dem abgelauteten schnipfen) mit dem suffix -zen aus goth. -atjan; vgl. Weigand 2, 620 f. ahd. snophizen, belegt snoffizan singultu, snephezungo dasselbe Graff 6, 851; besonders im 15.—16. jahrh. belegt: singultare, -ire, snupftzen, schnuppen, schnupffen, schnipfczen Dief. gloss. 536c; schnipfftzen, singultire, gemere. voc. Melber. bei Schm. 2, 578; so bei dem Wetterauer Alberus (1540): singultio ich schnipsz. singultus das schnipssen. Nn 2a; ich schnips dict. kk 3a; schniptz KK 2b; ein .. mann der schlg ein mal sein hauszfraw .. da gieng sie hin in die kammer, und weynet unnd schniptzt. nit lang darnach gieng der man in die kammer und sprach: was sitzstu da zuweynen und zuschniptzen, wie die kinder? ehebüchl. (1565) 15a; so noch jetzt wetterauisch schnippsen, schnippsern Kehrein 1, 362. ferner schnipsen, singultire Apherdian 17 bei Frisch 2, 217a; bairisch schnopfezen, schnupfezen Schm. 2, 579: so ainem die speis oder trank aufreucht im hals, so wirt ains gröppitzen und schnopffitzen (aufstoszen, rülpsen). s. ebenda; auch schnöpsen: das er vor weinen und schnöpsen dem pfaffen nichts weiter hab künden bevelchen oder sagen. Zimm. chr.2 3, 506, 21 Barack.
 
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schnirkel, m.
1) ältere, jetzt veraltete nebenform zu schnörkel (s. daselbst), spira, ductus spiralis, similis cornibus arietinis Wachter 1453; die übergeworfene schnirkel, volutae Stieler 1693; bei Adelung und Campe noch als landschaftlich neben schnörkel; ebenso dän. snirkel, vgl. auch schnerkel 1: es hat daselbst der duca Caravita in einem garten neben dem königlichen schlosse die ungereimtesten schnirkel jener kupferstecher besonders von steinen aufgeführet. Winckelmann 1, 425; theils sind es schnirkel wie die schlingen der weinreben. 5, 46;

dein (ist) der meisel, durch den aus rohem blocke der säule
zierlich schlanke gestalt mit krausem schnirkel emporsteigt.
Kosegarten rhapsod. 2, 122.

oft in freierem sinne, tand: um mir einen dolch zu kaufen, einen tressenhut, ein paar zierliche kniebänder, und andre schnirkel, womit die damalige hofjugend zu prunken pflegte. 171; sonderbarkeiten: der Franzose ist in allen künsten nur da ausgezeichnet, wo er sich unbekümmert seiner natur überläszt;

[Bd. 15, Sp. 1343]


wie ihm einmal das wort kunst in den kopf steigt, macht er die wunderlichsten schnirkel. Grillparzer4 16, 64; abenteuer, possen (?): der herr von Rosenberg .. verfügte sich wieder zur compagnie, welcher er die schnirckel erzehlete, die er auf dieser begleitung mit dem alten cavalier gehabt. Darbennime 592.
2) preuszisch auch ein unzuverlässiger mensch, der in gewundener linie geht und handelt Frischbier 2, 306a. — schwäb. ein langer, hagerer mensch Campe, mit verweis auf Schmid, der indes in seinem schwäb. wörterb. 474 nur schnickel in dieser bedeutung anführt.
 
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schnirkelbeet, n. (vgl. schnirkeln):

kein garten hat mich je vergnügt,
wo jedes spröszchen, das kaum aufgeschossen,
auch schon in festen windeln liegt,
und blumen nur auf schnirkelbeeten sprossen.
Blumauer ged. 2, 8.


 
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schnirkeln, verb. schnörkel bilden, vgl. DWB schnirkel 1 und schnörkeln:

muckt lieber, steif und nett,
durch schnirkelndes bosket.
Voss 5, 233.


 
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schnirkelnadel, f. 1) eine art schnirkelschnecke, helix decollata Nemnich. 2) die tute, tutenschnecke, conus Campe.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für