Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnippig bis schnippsel (Bd. 15, Sp. 1339 bis 1342)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnippig, adj. naseweis, vorlaut, in hessischen mundarten Kehrein 1, 361 (auch schneppig). Schmidt 203; vgl. schnippisch. nach Weigand 2, 620. Kluge5 333b aus holl. snebbig, auch snibbig, snippig übernommen; dafür spricht besonders, dasz es nur in den rheinischen mundarten erscheint und den älteren nhd. wörterbüchern fehlt. doch hat jedenfalls anlehnung an schnippen, schnippisch stattgefunden, wenn nicht ursprünglicher zusammenhang anzunehmen ist. holländ. snebbig ist von sneb, schnabel abzuleiten:

mir ist oft hämisch, so dämisch und dumm,
so hurrig und schnurrig und weisz nicht warum,
so hippig und schnippig und weisz nicht wornach,
das ändert und wendert mit jeglichem tag.
Fr. Müller 1, 314.

dafür in älterer sprache auch schnüppig, vergl. aufschnüppig, theil 1, 729:

zum vierdten, so sie sind holdselig,
dem mann lieblich, freundlich, gefellig,
nicht stoltz, frech, mutwillig, üppich,
böckisch, heunisch, leunisch, schnüppig.
H. Sachs 1, 48d.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippisch, adj.
1) naseweis, kurz angebunden, spitzig im reden: schnippicht, schnipperlich, et schnippisch, adj. et adv. propr. quidem esset strepens, crepans, sed pro contumelioso, inverecundo, indomito, effrenato, effronte et petulanti sumitur. der kerl ist sehr schnippisch, perfrictae frontis homo est, audacissimus, temerarius, et procax est. schnippische worte, verba proterva Stieler 1894. Kramer 2, 632c hat in demselben sinne aufschnippisch, schnippisch und schnippfisch. Adelung und Campe stellen schnippisch unter schnäppisch und leiten dieses ab von schnappen, plaudern, vorlaut im reden sein; vgl. schnäppisch, garrulus Frisch 2, 211b (dagegen aufschnippisch, qui cito irascitur; fastigium suum subito ostendit et indignatur; als adv.: cum protervia, procaci modo 211c). diese etymologie auch noch bei Weigand 2, 620. ähnlich erklärt es Wachter 1453 aus schnebbe, nasus (vgl. schnippig), obwol er schnippisch, cavillatorius, angibt. ungezwungener erklärt sich jedenfalls die herrschende bedeutung bei der zunächst liegenden ableitung von schnippen 1, vgl. schnippchen. mundartlich besonders norddeutsch, nd. als snippsch Danneil 200a. Mi 83a; auch snepsch Strodtmann 378a; snipp, snippsch, sneppsch Dähnert 438b, ostfries. und westfäl. snippsk Stürenburg 229a (schnipp, schnippsk), brem. snappsk und snippsk brem. wb. 4, 881. Richey 273 und Schütze 4, 141 erklären es als snibbisch, zu snibbe, schnabel, geben aber beide ausdrücklich die aussprache snippsch an. in hd. form schnippsch Frischbier 2, 305b. Schemionek 36. Bernd 273. dagegen in hd. idiotiken selten angeführt, so österr. Hügel 143a und thüring. Reinwald 1, 146. Hertel 41 und sprachsch. 218, doch hier auch in anderer bedeutung.neben schnippisch finden sich in der neuern litteratur noch folgende schreibungen:
a) zusammengezogenes schnippsch (vgl. nd. snippsch, s. o.): Marthe (macht ihr ein gesichte) fein schnippsch! Weisze kom. op. 3, 179 (d. jagd 3, 7); die junge frau, die freilich etwas schnippsch ist, konnte das gichern nicht lassen. Soph. reise 3, 386; 'sie, liebe madame Domine', sagte die schnippsche frau Malgré, 'werden den trumpf wol annehmen müssen!' 6, 535;

denn Nettchen sah ein wenig schnipsch dazu,
dasz man ihr so erlaubnisz kaufen wollte.
Göckingk 2, 222 (schlittenf. 4, 13).


b) schnäppisch Adelung. Campe, s. o.: das wäre eine artige commission, sagte das schnäppische mädgen. Möser patr. phant. 1, 1. ferner schneppisch, s. das.
c) die spätere ausgabe (von 1820) liest an dieser stelle (1, 3) schnüppisch, vgl. dazu aufschnüpfisch, th. 1, 729 und schnüppig.
d) die formen auf ig s. unter schnippig.
e) schnippicht und schnipperlich bei Stieler s. o.
2) in der neuern sprache wird schnippisch mit vorliebe von mädchen gesagt: o mein herr, ich bitte sie, machen sie mir die kleine närrin nicht noch einbildischer! sie ist ohnediesz naseweis und schnippisch genug. Wieland 19, 162 (Abder. 1, 13); o die will ich dir überlassen, sagte jene schnippisch; und der stich war desto wespenartiger u. s. w. 346 (3, 8); Fernando. ist sie jung? postmeisterin. sehr jung; und schnippisch. Göthe 10, 140; Röse. lieber herr richter! richter. sonst seyd ihr so schnippisch. jetzt könnt ihr bitten. 14, 299; fräulein Luise ..

[Bd. 15, Sp. 1340]


liesz Karln, der sie zum spaziergange einlud, auf eine sehr schnippische weise abfahren. 15, 104; von meinen wädchen wissen sie ja wohl nicht viel, versetzte sie schnippisch. 19, 168; sie .. fiel, als ich ihr schön that, in ein heiter schnippisches wesen, das ihr wohl das natürlichste seyn mochte. 23, 141; allein sie nimmt sich zusammen .. und setzt sich vor, wenn er nicht freundlich ist, schnippisch dagegen zu seyn. 38, 203; o, die ist lange aus den diensten der gräfin, sagte das mädchen mit gerümpftem näschen und betrachtete ihn von oben bis unten mit einer schnippischen miene. Eichendorff2 2, 127; 'aber', sagte ich ganz verblüfft, 'war denn der maler nicht hier?' — 'ja freilich', entgegnete sie schnippisch, 'sein mantel wenigstens'. 3, 80 (taugenichts 8); Melanie wurde vor zorn sogar boshaft, gab schnippische abfertigungen. Gutzkow ritter v. geist 2, 224;

sie ist so sitt- und tugendreich,
und etwas schnippisch doch zugleich.
Göthe 12, 133;

wie schnippisch doch die königin nicht ist,
als hätte sie diesz lied erfunden, uns gelehrt!
Fr. Müller 2, 371;

du kommst auch mit, schnipp'scher grasaff'!
Immermann 12, 79 Hempel (Tulif. II, 6);

ei seht nur, wie sie schnippisch thut!
Ludwig 3, 561 (Hans Frei 1, 1);

so als zuruf: nun fein schnippisch, jungfer tochter! weiszt du auch, dasz du deinen bräutgam vor dir hast? Weisze beitr. z. d. theater 1, 274 (poet. nach d. mode 1, 5; vgl. oben 1, a); fein artig beym abschiednehmen, und nicht gleich schnippisch, fräulein Langnäschen. Fr. Müller 3, 15 (Golo u. Genov. 1, 2). — seltener auf männer bezogen: und so würde ich ganz gern dem nachbar zugestehen, dasz er auf diesen widerspruch geantwortet habe, wenn er weniger schnippisch und verächtlich geantwortet hätte. Lessing 10, 101; ich ward wild und schnippisch. d. arme mann im Toggenb. 74; da stand ein junges, schnippisches, dreizehnjähriges fuhrmännlein in blauem hemde. J. Paul flegelj. 3, 66; ja, du meinst, das ist vernunft, dasz du schnippisch kannst thun und machen, dasz leut, die auch nicht mehr denken als du, .. lachen. Ludwig 2, 292. auf dinge übertragen: drauszen lieszen sie ein kurzes schnippisches gelächter erschallen. Keller 7, 37.
3) vereinzelt begegnen abweichende bedeutungen.
a) schnitzicht, et schnitzericht, it. schnippisch, adj. et adv. idem est quod schneidicht, incisus, et incisim. schnippisch autem in specie est protervus, petulanter Stieler 1903.
b) thür. auch 'wählerisch, lecker' Reinwald 1, 146. Hertel 41 und sprachsch. 218.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippischheit, f. protervia, intemperantia, et procacitas linguae Stieler 1894.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippkügelchen, n. kügelchen zum spielen, vgl. knippkügelchen (theil 5, 1437) und schnellkügelchen: es kommt so heraus, als ob ich um schnippkeulichen spielte, und sollte mir über dem falschspielen ein grosz gewissen machen. Chr. Weise überfl. ged. 2, 123.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipplein, n. , demin. zu schnipp bez. schnippe.
1) als nebenform zu schnippchen, demin. est schnipplein, et schnippchen, das, et idem valet quod schnippe Stieler 1894.
2) kleines stück, vgl. DWB schnipf 1 und schnippel, zur bezeichnung von etwas ganz geringem:

sie achtet auch dein grausam schwert
nicht nur ein einig schniplein werth. engl. komöd. 2, N 8b.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipps , nebenform zu schnipp in gleicher bedeutung.
1) als interj.
a) eine schnelle knipsende bewegung und das entsprechende geräusch nachahmend Campe. Frischbier 2, 305a; im ablaut zu schnapps, schnupps, die ein etwas gröberes geräusch ausdrücken, s. brem. wb. 4, 880, zuweilen auch mit schnapps verbunden, s. c: ein messer her; ich schneide das band schnips entzwei. Soph. reise 1, 349.
b) oft nur zur bezeichnung des schnellen, plötzlichen, vgl. 2, b:

(da) liesz jn das unbestendig glück
uhrplötzlich sehen seine tück,
sein feind drungen mit macht auff ihn,
schnips war sein freud und rhu dahin.
Fuchs mückenkr. s. 42.


c) spöttisch abweisend, gleichsam die geberde des schnippchenschlagens ausdrückend:

er meint ich sol bleiben im stall,
ja schnips, schnaps, ich thus nit so ball (bald).
H. Sachs 5, 358b.


2) substantiviert als masc.
a) die schnippende bewegung der finger, das schnippchen Campe:

[Bd. 15, Sp. 1341]


und wenn er erst zu loche sasz,
so schlug mein graf von Rips, —
denn hier that ihm kein teufel was. —
gar höhnisch seinen schnips.
Bürger 24b (der raubgraf).

besonders der nasenstüber Albrecht 205a: ein solcher cujon wie der ist weiter nichts werth, als dasz ich ihn in schubsack stecke, und wenn er herausgucket, einen schnips vor die nasen gebe. Darbennime 55; — kurzer schnitt mit der schere Frischbier 2, 305b.
b) häufig zur bezeichnung eines kurzen moments, im schnipps, im augenblick, im nu, vgl. 1, b und schnipf 2: redet er mit seinen gesellen darvon, und diese gesellen mit andern mönchen, die mönch mit den leyen, der gestalt, dasz in einem schnips die statt voll ware. Bebel facet. (1589) 109b; also wird einer nicht in einem schnips gelehrt, sondern wenn er anhält (sic homo fit doctus, non vi, sed saepè studendo). Corvinus fons latin. 1, 632b;

dan f di letzt zm strtz nider-gefelt
wird man s' im schnips als wisengras abmeën.
Melissus ps. P 4b.


3) abgeschnittenes stück: zur bezeichnung eines kleinen restes, vgl. schnipschen Frischbier 2, 305b; überhaupt etwas sehr unbedeutendes, eine kleinigkeit, zur verstärkung der negation: keinen schnips davon kriegen. Spiesz 223; ich geb nit schnips drumb. Franck sprichw. 2, 20a (als erklärung von 'medium ostendere unguem'): aber wer war er auf dem rathhausze? er gab auf seine collegen nicht einen schnipps! Heinse Enkolp 1, 116;

dein vatter, mutter gnt dir nichts,
drmb gib auch umb sie nicht ein schnips.
Cl. Stephani geistl. action (1568) C 7a.


4) in thüring.-obersächs. mundarten ein springinsfeld Hertel sprachsch. 218; ein unausgewachsener naseweiser junge Kleemann 20a; ein kleiner mensch Albrecht 205a.
5) straszburgisch für schnaps, das getränk:

von drei, vier kännle schnips,
fra quetschelwasser, henn so schlukker glych e hyps.
Arnold pfingstmontag 120.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippschen, n. , demin. zu schnipps.
1) nasenstüber Frischbier 2, 205b:

den lorbeer für das hahr, und schnippsgen für die nase. Soph. reise 1, 238.


2) kleines restchen, ein schnippschen licht Frischbier a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippschere, f., sive scherlein, forpicula Stieler 2046.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippschnapp ,
1) schallwort, vgl. mhd. snippensnap Lexer handwb. 2, 1037. Grimm gramm. 3, 304 und schnipp 1:

do msz man richten usz all sachen
und schnyp, schnap mit dem holzschh machen.
Brant narrensch. 44, 10.

vergl. das schwäbische rätsel für den pantoffel: 's guot über d' stiega und duet schnipp schnapp. Birlinger 400b f.
2) als subst., bastardschlosz Karmarsch-Heeren3 7, 716.
3) scherzhafte bezeichnung des schneiders (zu schnippen 3): und weil es bald tischzeit war, bestellte er den schnipschnap nach der mahlzeit wieder zu sich. Weise erzn. 126 neudruck.
4) schweizerisch schnippischnappi für schnabel im kinderliede, s. Seiler 260.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippschnappschnurr ,
1) ein kartenspiel, das besonders im anfange dieses jahrhunderts üblich war und von Vilmar 363 folgendermaszen beschrieben wird: 'der reiz des spieles bestand für die kleinen grösztentheils darin, dasz bei jedem ausspielen, welches möglichst rasch von statten gehen muszte, das betreffende jener vier wörter gerufen wurde: wer die sieben hatte, spielte aus und rief schnipp, wer die achte derselben farbe hatte, folgte mit schnapp, wer die neune hatte, darauf mit schnurr, und wer die zehne hatte, rief apostolorum (abgekürzt auch bostelorum, bastelorum) und zog den stich an sich; ebenso hatte der, welcher den buben besasz, denselben mit schnipp auszuspielen, die dame derselben farbe folgte mit schnapp u. s. w. es gehörten mithin wenigstens vier spieler zu diesem spiele; wer die meisten zehn und as hatte, folglich die meisten stiche machte, war sieger. zuweilen aber wurde auch die sache umgekehrt: sieger war der, welcher seine karten zuerst los wurde' (so auch nach Weigand und Kleemann), vgl. ferner besonders Weigand 2, 620 und Frischbier 2, 305 f. die kurze form schnipp schnapp schnurr ist angegeben bei Hertel sprachschatz 218, ferner als schnipp schnapp schnorum bei Müller-Weitz 218; ebenso nd. als snipp snapp snurr Danneil 200a. Mi 83a:

und beim schnipschnapschnur bist du der ewige hahnrei.
Voss 120 Sauer (d. hagestolz 77).

[Bd. 15, Sp. 1342]


gewöhnlich die längere viergliedrige, wobei die ersten glieder fest stehen, für schnurr zuweilen schnorr Kleemann 19c. Schm. 2, 578 oder schnorem Spiesz 223 erscheint, namentlich aber der letzte theil mannigfachen entstellungen ausgesetzt ist, so zu bastelorum Spiesz 223, bastelor Schm. 2, 578, baselorum Frischbier 2, 305a, basilurr 548b, basiloniur, auch burr; bei Kleemann 19c als pasterlôrum, fisilôrum, rex basilôrum, ex pussilôrum; ganz abweichend ist schnipp schnapp schnurr schnäppäpper Sartorius 112. ganz vereinzelt finden sich 6 glieder, so in einem spiele 'pochert', das nach einer mittheilung von Ludw. Erk in Dreieichenhain (bei Frankf. a. M.) noch 1820 üblich war, in der form:

schnipp-schnapp-schnorum,
ram-bas-culorum.


2) selten in anderer bedeutung: a) thüringisch als begleitformel beim nägelschneiden Hertel a. a. o. b) ostfries. schnippschnapp-schnooren Stürenburg 354a bez. snip-snap-snaren ten Doornkaat Koolman 3, 245b, kleine leckereien.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnippsel, n. kleines, zerschnittenes stückchen, schnitzel Albrecht 205a. Hertel sprachsch. 218 (als masc.). Göpfert 38. Frischbier 2, 305a. hessisch für schmierkäse, s. DWB schnipp 6, a.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für