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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verfangenschaft bis verfassen (Bd. 25, Sp. 308 bis 312)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verfangenschaft, f. beschränkung, behinderung. substantivbildung zur bedeutung 3 des zeitworts; sinnlich, verengung: item in hfen oder andern engen flutten oder verfangenschafft des meers mügen .. die schiff .. so nahe immer müglich .. Fronsperger kriegsb. 1, 163a; übertragen, von beschränkter freiheit, gebundenheit, verpflichtung, abhängigkeit: so ferr nun aber vil ritterschaft und adel .. bei solcher verfangenschafft oder anzahl pferdten zugegen weren. Fronsperger kriegsbuch 2, 20b; kunstausdruck im rechte: verfangenschaft, beschränkung einer sache behufs sicherstellung, besonders der erbschaft insofern sie den kindern zufällt, deren nutznieszung aber noch die eltern haben. Adelung versuch 4, 1415; quando mulier ad secundas nuptias transit, tunc bona a marito relicta sunt affectata liberis primi matrimonii, ipsa tantum affert secundo marito bona mobilia et usumfructum in immobilibus. Frisch 1, 248a; über die sache s. Walter d. rechtsgesch. 553 (§ 481). eine etwas andere bedeutung bei Stieler 398: aes alienum seu debitum et ob id ortum impedimentum alienationis bonorum.
 
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verfangenschaftsrecht, n. berechtigung, recht, welches sich auf die verfangenschaft gründet, jus ex bonis affectis competens Stieler 1552. Schottel 382.
 
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verfangkraut, n. name des wohlverleihs, des bergwohlverleihs, arnica montana. Campe 5, 289.
 
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verfänglich, adj. fructuosus, utilis, fallax, mhd. vervanclich, vervenclich.
1) im anschlusz an nr. 5 des zeitworts, beschaffen, dasz es verfängt, wirksam; selten von personen: es ist auch zu wissen, dasz ein probst zu St. Alban hat auch über sölichen dinghof zu sezen einen vogt, einen dem er denn trüwet der ihm und dem goteshus auch dem dinghof und gemeinen hubern verfengklich und nuz sye. weisth. 1, 658 (Obermichelbach, von 1457); von dingen: das dritt ist ryn wasser und ist das aller verfanglichest. Keisersberg sünden des mundes 21a; wie viel vervenglich ding (commodas res) hab ich gebracht. Terentius deutsch (1499) 166a; dadurch Frantz (von Sickingen) benotiget, das leger raumen und sich zu Sant Maximin in das closter ... legern mueszen, da er den abermals in die statte geschossen, aber nichts verfangklichs uszgericht. ernest. ges.-archiv von 1522; die strenge mittel sol man alsdann brauchen, wenn der glimpff nicht verfänglich ist. Lehmann 1, 309;

[Bd. 25, Sp. 309]


welcher (anfang) auch sehr wol beförderlich und verfänglich von statten gienge. Simplic. (1701) 1, 1, 9, 35; adverb: damit iederman nach gleicher vermoglicher masz darinn (im anschlage) wurdt angesetzt und nit mit ubermas beladen, damit der dester verfengklicher volg haben wurd. Janssen reichscorr. 2, 492; deszhalben wir .. etliche ordnung .. durch welche .. die betrüber desz friedens desto verfänglicher gestrafft werden möchten ... auffgericht haben. notar.-ordnung 1512; heute ist diese bedeutung des wortes vergessen. in den wörterbüchern führt Stieler 398 wol als der letzte verfänglich in der bedeutung fructuosus, utilis, commodus auf; schon 1724 kennt es Steinbach nicht mehr in solcher bedeutung. hieraus entwickelt und heute noch gebräuchlich die bedeutung verführerisch: sie (die mädchen) hatten sich mit grellen farben geschmückt und standen verfänglich da. Gutzkow ritter v. g. 3, 70;

wäre das abscheuliche zugleich
auch das verfängliche, so würde bald
die welt zum Tartarus.
Platen 198;

sprache, freundlich und verfänglich. 159.


2) beschaffen, dasz es fängt, gefangen macht, d. h. behinderung, gefahr bringt; geartet, dasz man sich darin verwickeln kann, verlegenheit bereitend, captiosus, fallax Stieler 398:

wir treuen kammeraden
stehn als für einen mann.die schieszen, jene laden.
wir wechseln emsig ümm, wir schrein einander zu,
dasz keiner etwan nicht, was ihm verfänglich, thu.
Fleming 111;

der philister springt zur thür heraus:
der stern steht über meinem haus!
o weh! das ist mir zu verfänglich!
Göthe 41, 192;

schau! mir scheint es dort bedenklich,
unser posten steht verfänglich. 41, 278;

solch ein terrain wünscht sich der kriegsgedanke:
nicht steil die hügel, doch nicht allzugänglich,
den unsern vortheilhaft, dem feind verfänglich. 41, 265;

zwar pflegt er nicht zu singen und zu beten:
doch wendet er, sobald der pfad verfänglich,
den ernsten blick, wo nebel ihn umtrieben,
ins eigne herz und in das herz der lieben. 41, 167;

verfängliche briefe, literae captatoriae; verfängliche worte, verba praejudicantia, periculosa Stieler 398; und meine frage? rief ich mit ungeduld ... ist sehr verfänglich, fiel er mir in die rede. Thümmel 3, 169; es würde von groszem nutzen sein .. einige casuistische fragen aufzuwerfen und die versammelten kinder ihren verstand versuchen zu lassen, wie ein jeder von ihnen die ihm vorgelegte verfängliche aufgabe aufzulösen meinte. Kant 5, 327; bis ein herr eine conversation mit mir anknüpfte, die ein wenig verfänglich zu werden drohte. Heyse kinder d. w. 1, 275; adverb: (der) von der sach verfänglich reden mag, an der stat da es fug hat oder geordnet ze tun ist. Keisersberg seelenpar. 59b (so dasz miszverständnis und verwirrung entsteht); substantivisch: die geschickten .. haben reden lassen, sie sein gevertigt zu horen, ob ettwas verfencklichs beslossen wurd, das an ire herren zu bringen. daruber gepuret in nit weiter zu handlen. Janssen reichscorr. 2, 492 (von 1487); die dilemmata haben daher vieles verfängliche an sich, ob sie gleich richtig schlieszen. Kant 1, 466; über dieser respectvollen behandlung ihrer jungen person schien sie alles verfängliche zu vergessen. Heyse parad. 1, 8.
 
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verfänglichkeit, f., conditio captiosa, captio Frisch 1, 248, lage, gegenstand, welcher verlegenheit bereitet:

'sei einmal ehrlich nur:
wo findest du in deutscher literatur
die gröszte verfänglichkeit?'
wir sind von vielen seiten grosz,
doch hie und da gibt sich blosz
bedauerlichste unzulänglichkeit.
Göthe 4, 314.


 
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verfangrecht, n. 'dasjenige recht, nach welchem die güter des verstorbenen ehegatten den kindern zufallen, doch so, dasz der überlebende gatte die nutzung davon hat.' Campe 5, 289. Adelung versuch 4, 1414.
 
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verfärben, verb. colorem mutare, decolarare, zusammensetzung zu färben theil 3, 1325, ver gibt die bedeutung des veränderns, s. oben 55, nr. 10; meist, doch nicht ausschlieszlich, wird es nur für das bleichwerden der körperfarbe gebraucht.
1) intransitiv, eine andere farbe annehmen; waidmannssprache: das wildbret verfärbt, das wild verliert (im mai) das bleiche winterhaar und bekommt das dunkle sommerhaar. Heppe 112; die wangen verfärben; ich glaubte es auch zur genüge an Klärchens verfärbten wangen wahrzunehmen, dasz .. Thümmel 4, 17;

doch wer ist der um gotteswillen?
fragt sie erschrocken mit verfärbten wangen.
Lenau Faust 91.

[Bd. 25, Sp. 310]



2) transitiv, anders färben:

die gräfin verfärbte bescheiden die wangen.
Zachariä 1, 250 (Phaeton).

in der zeit des überganges zum nhd. kommt das transitiv mitunter in der bedeutung verändern, in einen dem frühern unähnlichen zustand versetzen, jedoch mit übler nebenbedeutung vor: weri aber, das got wende, das die vorgenanten geistlichen herren, oder dekein ir nahkomenden, hinnanhin iemer den vorgenanten kilchunsaz oder die vorgenantun kilchun versastin, verköftin, virwihseltin, hinluhin, hingebin oder in dekeinen weg vervarwetin, oder verwandeletin .. so .. Mone zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 13, 85 (vom j. 1328); diese bedeutung, auch noch später belegt (s. ebenda 342), ist im wirklichen nhd. nicht mehr nachzuweisen.
3) am gebräuchlichsten ist das schon mhd. nachweisbare sich verfärben, in älterer zeit überhaupt eine andere farbe annehmen, so vom rot werden: mhd.

des mûste sich ververwen der grûne anger plûtes rôt. Ecke in
Caspar v. d. Rhön heldenb. 289;

nhd. er verfärbte sich, als er ihn sahe, conturbabatur ejus aspectu Stieler 434; er verfärbet sich, es ist schon gut, erubuit, salva res est. ebenda; in neuerer zeit meist nur vom erbleichen: sich verfärben, sich entfärben, wenn man rot ist, bleich werden, pallescere Frisch 1, 249a; dasz ich stutzig ward und mich vielleicht verfärbte. Rabener (1752) 3, 281; da kams dann, wenn mir so was gesagt wurde, dasz ich als eine die sich unschuldig wuszte, mich darüber verfärbte. Wieland 36, 150; himmel! rief der rath und verfärbte sich. Tieck 17, 98; darin erschien Dankmarn der alte Zeck wunderlich, dasz er bei der mittheilung .. sich verfärbte und stutzte. Gutzkow ritter v. g. 2, 6; das wäre! sprang Dankmar auf und seine züge verfärbten sich. 1, 85; noch hatten wir die kleine strecke auf dem ruhigen hafenwasser nicht ganz zurückgelegt, so verfärbte sie sich vollends. Heyse werke 7, 105.
4) verfärben, falsch färben, im färben verderben.
 
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verfärbung, f. decoloratio, mutatio coloris, immutatio vultus, rubor Stieler 434: die verfärbung der wasser in so vielen gegenden .. ist meinem erachten nach der vermischung der durch die erdschichten ... gedrungenen mit schwefel und eisentheilchen in gährung gerathenen dämpfe zuzuschreiben. Kant 9, 40.
 
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verfasern, verb. in fasern ziehen, zerstreuen Heinsius 4, 2, 1285.
 
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verfassen, verb. suscipere, concipere; mhd. vervaʒʒen, mnd. vorvaten. im ganzen hat verfassen die bedeutung des einfachen fassen, jedoch verschärft ver oft dieselbe, verfassen gleich umfassen. wie so oft, hat die zusammensetzung vorwiegend die abstracten bedeutungen entwickelt, während fassen hauptsächlich die sinnlichen aufweist.
1) sinnlich mit sächlichem object, umfassen, comprehendere:

frisch ops und wasser pracht er mir
in büchenrinden wol verfaszt.
Schwarzenberg 150b;

einen stein verfassen, umschlieszend befestigen: einen edelstein in gold verfassen; particip: ein in gold verfaster unden roth weisz und schwarz geschmelzter gantzer schmuck. weimar. staats-archiv 1690; Brückmann .. setzt hinzu, dasz die (berylle), welche das wenigste grün bei sich haben, oft so schön und feurig sind, dasz wenn sie recht rein und gut geschliffen worden, man sie verfaszt für diamante halten sollte. Lessing 11, 243; in bildlicher verwendung:

fürstin, eure himmelsgaben,
die ihr habt, wie euch sie haben,
sind verfaszt und spielen weit
durch das gold der frömigkeit.
Logau 2, 7, 20 (229 Eitner).


2) verfassen mit persönlichem object, einen fesseln: wie möcht er ausz dieser clammer (er ist an den füszen und umb den leib gefesselt) wie jr jn verfaszt habent, entgeen. Aimon bog. T h; bildlich: im pöbbel, welches gar ein wankelmuthig thier ist, wo es nicht verfasset ist, und gewisz wird, wo es stehen soll. Luther br. 2, 380;

es weichet eher nicht des landes schwere last,
bis dasz zwei himmlische der liebe band verfaszt.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 175;

das, woran man gefesselt ist, im dativ oder mit präposition beigefügt:

nennt man laster von der last; warlich keine gröszre last
trägt die erd, als einen knecht, der den lastern ist verfast.
Logau 2, 221, 63 (418 Eitner);

ich folge diesem zaum, an den ich bin verfasset.
Hoffmannswaldau heldenbr. 47;

[Bd. 25, Sp. 311]


in der allgemeinen bedeutung 'verhaften': Christoph Braun (hatte) vor wenig tagen von Köln mir zugeschrieben, und ermahnet .. mich von Emmerich nicht zu begeben und gleichfalls an den rath geschrieben, mich zu verfassen. Schweinichen 1, 276 (vgl.hatten sie befehl bekommen, mich .. der schulden halber einzuziehen. 1, 277);

ach ja, sie war bei dem verbrechen funden,
und wartet ihr ein wenig noch alhier,
so könt ihr sie verfast in tempel sehen führen.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 115.


3) abstract, mit persönlichem object, von geistigem festhalten mit anschlusz an die vorige bedeutung behindern, beschränken: man sol kein menschen mit geboten oder gesetzen verfassen, noch mit brauch noch mit worten reitzen zum evangelio. Luther 2, 99b; (gott gab Mosi gebot, etliche geistliche) etlich aber weltliche, umb der willen, die die geistlichen gebot nicht hielten, das denselben doch auch ein mas gesteckt würde, das sie verfasset würden, nicht gar nach jrem mutwillen zu thun. 2, 167b.
4) mit sächlichem object, im anschlusz an bedeutung 1 geistig erfassen: er soll auch vast darinn lesen und studieren, dann zehen mal uberlesen und darauff gemercket mit fleisz, verfaszt dannoch kaum die vernunft. H. Braunschweig chirurgia (1539) 1; aber wie die artznei und die krancken zusammen standen, das solt jhr artzt gar wol verfassen. Paracelsus 1, 22c.
5) zusammen, in sich fassen, begreifen, das wodurch etwas begriffen wird, durch präposition beigefügt. mit persönlichem objecte: in der predigt von der tauff im evangelio sind verfasset mancherlei menschen. Luther 4, 49; so ist niemand ausgenomen, sondern es sind alle creaturen darunter verfasset. 3, 169b; die andern all hat gott doch etwa lassen menschen sein und under den fluch verfasset, omnis homo mendax. Frank weltbuch vorr.; mit sächlichem objecte: also, sollen die bücher des ehrwirdigen vaters dr. M. Luther mit nutz gelesen werden, ist hoch von nöten, beide denen, so zu unser zeit leben und nach uns komen werden, das sie auff die historien und lere darinnen verfaszt, wohl achtung geben. Luther 1, 1a; darumb sollen abermals die zehen gebote vleiszig geprediget werden, darin denn alle gute werck verfasset sind. 7, 4b; alles .. was das gesetz verfast und begreifft. Melanchthon 2 Cor. 8; es seind der buchstaben ain oder zwen und zwaintzig darinn alles lesen verfasset ist. Ickelsamer gramm. a 6 (8 Kohler); und ist die grösze des himmels darumb über alle grösze, weil kein anderer cörper ein weitere grösze hat oder haben kan und er alle andere der weltcörper in sich begrieffen und verfasset hat. Opitz 1, 24; dasz in dem gantzen Homero nur ein versz gelesen werde, darinnen wesentliche stücke einer vollkommenen rede verfasset und begriffen sind. Schuppius 410; in diesem disticho steckt die histori artig verfasset. 663; schrieb dieses tractätlein und verfassete es in 2 theile. 462; begehren darauf, du wollest diejenige fundamenta, welche unser amt Dornburg wie das amt Capellendorff berührten fischens halber hat, in einen unterthänigen bericht verfassen. weim. staats-archiv 1705; und nauch dem sein kaiserlich majestat söllichen anstöszen widerstand z tn ietzo in bung stee und in zsagen lauszen hab ainen anschlag in geschrifft z verfassen und über z antwurtten .. Janssen reichscorr. 2, 323; item nach ... entlichem beschlusz der sachen sollen der richter, schöffen und urtheiler .. am aller gleichesten und gemeszigsten urtheil in schrifft fassen lassen, und so die urtheil also verfasset, soll darauff ... Carolina art. 92; was nach des gerichts ordnung .. in schrifften zu urtheil verfasset ist. 93; gott hat durch Mosen sein lehr in schrifft lassen verfassen. Reiszner Jerus. 2, 12a; der kern in ein enges sprüchlin verfaszt. Agricola sprichw. vorr. 2a; in ein copei verfassen oder stellen, verbis concipere aliquid; in sechsz bücher bringen und verfassen, ad sex libros redigere. Maaler 418a; dieweil aber mein fürhaben niemahl gewesen, die psalmen allein in newe teutsche reimen zu verfassen und nach den gebräuchlichen weisen uberzusetzen. Weckherlin vorr. zu d. geistl. ged.; sie sollen mit rechter einhelligkeit die rechte, waare, heilige und christliche religion, der heiligen schrifft, der uhralten tradition und der probirten heiligen vätter meinung gemäsz schrifftlich verfassen. Simpl. 1, 264, 27; ein werk in drei bücher verfassen, opus ad tres libros redigere. Stieler 437; dasz alles, was jene hochbegabte nation in worte verfaszt, um es mündlich oder schriftlich

[Bd. 25, Sp. 312]


zu überliefern, aus unmittelbarem anschauen hervorgegangen sei. Göthe 39, 3;

man weisz, dasz Pilpai, Trismegist
und Plato selbst sich oft herabgelassen,
was von der geisterwelt zu sagen räthlich ist
in eine art von mährchen zu verfassen.
Wieland 9, 279.


6) aus der bedeutung 'zusammenfassen' entwickelt sich die allgemeinere 'herrichten, herstellen', stets mit der nebenbedeutung, dasz daraus ein wohlgeordnetes ganzes entsteht, vergl. das lat. componere. in dieser bedeutung ist das wort heute besonders üblich, mhd. mnd. nicht nachgewiesen, auch in den nhd. wörterbüchern erst bei Frisch 1, 250c (über den unterschied von abfassen s. theil 1, 38); es sei gewis, dasz die kaiserliche majestat alles ir geschutz hab ganzlich mit allen dingen dermaszen verfaszen und verfertigen lassen, das ... ganz kein mangel sei. Rommel Phil. d. groszm. urk. 126 (von 1546);

so sich nun Deutschland, was der krieg verterbt hat und verlast,
dasz friede dieses wiederbringt, verbessert und verfast.
Logau 2, 136, 89 (344 Eitner);

so ist mein hertz nu stets forcht frei,
wen schon ein heer der tyrannei
ein läger solt um mich verfassen.
Weckherlin 119 (ps. 27, 5);

gib dasz ich ja den müsziggang
samt aller trägheit hasse,
dagegen, herr, mein lebenlang
mein arbeit so verfasse,
dasz ich zur noht
mein täglich brodt
mit ehren mög erwerben.
Rist neue himl. lieder 3, 267;

ganz besonders ist in neuerer zeit die fügung ein buch, eine schrift, ein werk verfassen geläufig: verfassen ist so viel als abfassen eine schrifft, concipere, mandare literis Frisch 1, 250c; Daniel (hatte) einen traum und gesicht auff seinem bette und er schreib denselbigen traum und verfasset jn also. Daniel 7, 1;

ich zweifle nicht, dasz ein gesetz ausdrücklich
auf mich gemacht, verfaszt, mich zu verderben,
sich gegen mich wird brauchen lassen.
Schiller hist.-krit. ausg. 12, 434 (M. Stuart 1, 7);

sogleich musz der befehl
zur hinrichtung verfaszt und mit dem siegel
versehen werden — wenn er ausgefertigt,
wird er der königin zur unterschrift
gebracht. 12, 513 (M. Stuart 4, 2);

der begriff 'ordnen' tritt in den vordergrund: tischreden .. Luthers .. aus etlicher gottseliger theologen collectaneis .. mit fleisz zusammengetragen und nach den hauptstücken unserer christlichen lehre und glaubens verfasset. titel d. Luth. tischreden; das part. prät. verfaszt wird auch gern von menschen gesagt, wohlvorbereitet, wohlgerüstet: denn man ist in den sachen unsers theils, gott lob, verfasset; zudem dasz der vortheil auf dieser seiten nämlich dasz wir die wahrheit mit uns haben. Melanchthon 4, 25 Bretschneider; mit etwas verfaszt: mit kleinem gt und schlächtem vermügen verfaszt oder begabet, nit vast häblich oder reich, parvis opibus ac facultatibus praeditus. Maaler 418a; wanns nuhr die natur anfellt, so ists gleich als ein wild fewr in einem holtz, darumb soll der artzet wissen mit der artznei dermaszen auch verfast zu sein, dann nicht wasser lescht das fewr ab. Paracelsus (1616) 1, 387b; sich verfaszt machen, halten: item der kriegsherr soll sich insonderheit verfaszt machen mit frommen, getreuen leuten. Fronsperger kriegsb. 1, 57a; mittlerweile hatten wir alle morgen die gemessene ordre erhalten, scharf zu laden .. dann schwitzten wir jungen freilich an allen fingern, wenn wir bei einem gebüsch oder gehölz vorbeimarschirten und uns verfaszt halten muszten. armer mann i. Tockenb. 141.
7) verfassen, falsch, unrichtig fassen: der diamant ist verfaszt, ist nicht in richtiger weise gefaszt.
8) reflexiv, sich verfassen, in rüstung setzen:

schau auff meine feinde hin,
die sich mit gewalt verfassen,
denen ich im wege bin,
und die auff den todt mich hassen.
Opitz ps. 49;

hierauff begünte man sich schleunigst zu verfassen,
die Spanier hinausz, die Staten (Holländer) einzulassen.
Rist poet. lustgarte J 5d.


9) selten, sich vergreifen, falsch zufassen: offenbar hat der kaiser für die französischen worte seiner übersetzung den lateinischen satz (bei Cäsar) suchend sich verfaszt und einen unrichtigen satz herausgehoben. philologus zeitschr. f. d. class. alt. (1867) 26, 698.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verfassen, n. substantivischer infinitiv, einrichtung (s. nr. 6 des vorigen):

[Bd. 25, Sp. 313]


die nächste nacht that sie kein auge zu,
denn selten ist beim glück auch ruh,
bei so zärtlichem verfassen
musz jede frau das schlafen lassen.
Burmann fabeln (1773) 111.

in alter zeit auch in übertragener bedeutung vertrag: in dem gutlichen verfassen durch uns zwischen ihn und den von Northausen gescheen. Lesser chron. d. stadt Nordhausen 495 (urk. vom j. 1480).

 

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