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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewissensfurcht bis gewissensheirath (Bd. 6, Sp. 6320 bis 6321)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewissensfurcht, f. s. gewissensangst.
 
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gewissensgeisel, f.: viele jahre hernach, als Jacob ... den weg aller welt gegangen war, wurde die gewissens-geissel, bei ihnen aufs neue rege; dann, sie fürchteten sich, und sprachen: Joseph möchte uns gram sein, und vergelten alle bosheit, die wir an ihm gethan haben Butschky rosenthal 1096; vgl. DWB ja, DWB es hat manchem die geissel. seines gewissens ... mitgespielet 1097.
 
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gewissensgemahlin, f., vgl. gewissensehe: madame de Maintenon mit ihrer gewöhnlichen gravité, welche einen königlichen epouse de conscience oder gewissensgemahlin, wie man concubinen von condition nach heutigem stylo nennet, sehr wohl anstunde des träumenden Pasquini staats-phantasien (1907).
 
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gewissensgericht, n. , mit verschiedenartigen beziehungen beobachtet:
1) ganz allgemein gehalten sind verwendungen, wie das stichwort gewissensgericht im register zu Rollenhagens froschmeuseler (1627) für die stelle:

so setzt mens der vernunfft sein liecht,
darnach sie die abmessung richt.
lehret was gott und tugend sei ...
wie auch untugend tausentfacht
gestraffet wird durch gottes macht Ff. 3b;

in der gleichen richtung bewegen sich die verdeutschungen des lateinsichen vorbildes: so lehret jedoch der weltberühmte rechtsgelehrte Bartholus, dasz dieses gesatz in dem gewissens-gericht, oder in foro conscientiae nicht statt oder platz habe Abele künstl. unordn. (3, 40) 3 (1671), 274; gewissensgericht, forum conscientiae, sive chori Stieler 1557; gewissensgericht, das aus trieb des gewissens, der billigkeit wegen niedergesetzt und gehalten wird Campe 2, 367a.
2) auf bestimmte fremdländische (russische, englische) behörden weisen einige andere belege; gewissensgericht, das, ist in jeder statthalterschaft der richterstuhl wo streitigkeiten gütlich verglichen, auch verbrechen der unmündigen, wahnwitzigen u. d. g., abgeurtheilt werden (Aug. Wilh. Hupel) idiot. d. deutschen sprache in Lief- u. Estland 78; dazu vgl. schon: das gewissensgericht, oder das

[Bd. 6, Sp. 6321]


gericht der billigkeit, ist eine behörde, welche man in andern reichen nicht findet staatsverf. d. russischen reichs 1 (1791) 478; nur das canzleigericht (court of chancery) welches ein gewissens- oder billigkeitsgericht ist, nahm es zuerst über sich, den beklagten zu einer genaueren befolgung der im vertrage versprochenen sache anzuhalten (the court of chancery, as a court of conscience ...) Garve übers. v. Adam Smith's nationalreichthum (5, 1, 2) 4, 54; gewissensgericht, court of conscience Hilpert 2, 1, 465c.
3) das nomen agentis hierzu, das früh belegt ist, geht nicht über die allgemeineren verwendungen hinaus: hat er endlich einen kloster-geistlichen gefunden der in sein begehren gewilliget ... dieser gewissens-richter ware dem wucher sehr angenehm Abr. a S. Clara grammatica religiosa oder geistl. tugend schul. (1699) 511; ohne dieses werden sie in kurzer zeit schädlicher als nützlich, bilden herrscher, sklaven, heuchler, sekten, sektirer, kleingeister, gewissensrichter, scharfrichter, altfromme ... Lavater (über privatversamml. zur erbauung) ausgew. schr. 1, 266 Orelli.
 
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gewissensgewicht, s. gewissenslast.
 
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gewissensglaube, m.: ich sterbe aber mit dem gegewissens-glauben, bis an meinen tod keinen der mir gleichgesinnten verlassen zu haben A. v. Humboldt an Varnhagen (1846)5 188.
 
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gewissensgrund, m., nur im plural beobachtet, zunächst an die bedeutungsgemeinschaft mit gewissensfrage geknüpft, später selbständiger: einige gewissensgründe und fragen, die man ihm selbst und andern vorlegen könne (buchtitel) s. oben sp. 6314; so viele persönliche aufforderungen, durch die wichtigsten staats- und gewissensgründe unterstützt, und verstärkt durch die dringendsten einladungen aus Deutschland, muszten auf das gemüth eines fürsten (Gustav Adolfs) eindruck machen Schiller (30 jähr. krieg. 2. buch) 8, 146.
 
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gewissenshahn, m., gelegenheitsbildung: du denckest, wenn der tück bewiesen ist, es werd kein hahn darnach krähen, womit wiltu aber den gewissens-hahn beschwichtigen, der in dir krähet? Heinr. Müller geistl. erquickstunden (199) 387.
 
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gewissenshammer, m.: gewiszenshammer, stimulus conscientiae Stieler 759 Matthiae 2, 182a; Kirsch 2, 152a.
 
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gewissensheilung, f.: gewiszensheilung, sedatio, placatio conscientiae, vulgo tranquillatio mentis Stieler 818; Matthiae 2, 182a; Kirsch 2, 152a; vgl. gewissenskrank.
 
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gewissensheirath, s. gewissensehe.

 

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