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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewissensbund bis gewissensentschuldigung (Bd. 6, Sp. 6311 bis 6313)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewissensbund, m, vgl.:

baue deinen seelen grund
nicht auf zweiffelhaffte schrauben,
lasse den gewissens bund,
so geschlossen in der tauff,
gott nicht wieder sagen auff.
Benj. Prätorius (sei getreu bisz an d. ende) Fischer u. Tümpel 4, 53a.


 
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gewissensbürde, s. gewissenslast.
 
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gewissenschaft, gewissentschaft, f. während wizzentschaft (mhd. wb. 3, 791a) wizzenschaft (Lexer 3, 963) den einen begriff der aus der mitwissenschaft erwachsenen zustimmung belegen lassen, kommt in unserer form eine andere richtung der oben bei gewissen IV besprochenen rechtsbedeutung zu geltung: die aus der kenntnis von einer handlung sich ergebende stellungnahme im beweisverfahren. einigemal ist auch der rechtsbegriff der gewissheit in unserer form verkörpert, der in einem andern beispiel durch die form gewissschaft (s. d.) vertreten wird.
1) si zîn sich des an Friderichs eigene gewissenschafft Zeitz. copialb. (hdschr, 15. jhd.) s. 86b; desgl. 135a; 198a; daʒ si nimanden gehelffin mogin mit irer gewissenschaft Sächs. weichbildrecht mit glosse 200, 2 Daniels u. Gruben; und warte ouch gar eben, daʒ er schribe nach der schepphen gewissintschaft, so daʒ er is mit den schepphen volkomen moge, ob is em not wurde 246; und was brief mit urtail oder von gewissenschaft (var. gewissenheit) zue get, da schol man im (dem richter) von iegleichem ain pfunt perner geben zu erung. das er si versigelt weisth. v. Vilanders (ende des 15. jhd.) österr. weisth. 5, 254.
2) certitudo, sicherheit, gewissenschafft Dasypodius F 3a; vgl.: es sie dann, das er im sölich gewisschaft darumb tue, das er des sicher sie das rote buch von Rottweil (49) 127 Greiner; dazu vgl.: du schalt weten dath de ghewitschap scholen van rechte alle varmunder don sachsenspiegel mit glosse (1488) lib. 3, art. 11, s. gewissschaft.
 
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gewissenschlüssel, n.: es heissen nit hertzen schlüssel oder gewissen schlussel, sondern himel schlussel. Christus sprach nit zu Petro: »ich wil dir geben die schlussel der hertzen oder gewissen« ... sondern also sagt er: »ich wil dir geben die schlussel des himel reichs« Luther (v. d. beicht. ... 1521) 8, 161 Weimar.
 
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gewissensdirektor, s. gewissensrat.
 
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gewissensdrang, m. , nur in fester präpositionalverbindung bezeugt.
1)

wie einst den könig Salomo,
die narrenpossen auch gereuten,
daher er aus gewissensdrang
die männer seiner weiber zwang,
ihm eine kirche zu bereiten,
um da durch predigt und gesang
so lieb' als wein, die eitelkeiten!
ohn roth zu werden, zu bestreiten.
Goekingk (ep. an frau Holzmann) ged. 1 (1780), 71;

[Bd. 6, Sp. 6312]


dazu vgl.: Sophiens gefährliche entdeckung aus gewissensdrang Klinger (Sahir 4, 2 überschrift) 10, 156.
2) in der gleichen präpositionalverbindung ist auch das bedeutungsverwandte gewissenstrieb zuerst belegt: da die alte dienstmagd ... aus eigenem gewissenstriebe, der obrigkeit angezeigt hatte wie ... Schnabel insel Felsenburg 1, 311 Ulrich; ebenso F. G. Lüdtke über toleranz (1774) s. 380; desgl. Campe 2, 367b; hier sind aber auch noch andere formen der präpositionalverbindung beobachtet: die zu einem heilsamen gewissenstriebe nöthigen überlegungen Zedler 10, 1391; durch schamhaftigkeit, ehrliebe, gewissenstrieb H. H. Clodius bildung d. ndd. bauern 44; anders gewissensempfindung (s. d.) und gewissensregung (s. d.).
 
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gewissensdruck, m.: die zwangsvorrichtungen des gewissensdruckes C. Boruttau gedanken über gewissensfreiheit (1867) 17; gewissensdruck und unsicherheit des geistes B. Weber 234; vgl. auch gewissens-pressur-zwang.
 
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gewissensehe, f., eine der jüngsten verdeutschungen für die in den verbindungen 'matrimonium conscientiae', 'matr.-clandestinum', 'mariage, de conscience' vorliegenden begriffe. als ältere ersatzworte vgl. DWB des hailigen tridentinischen concilij satzungen, von den haimlichen oder winckelheiraten Dillingen 1565; solche geheime ee und heirathen ebenda A 3a; haimlichen ehen und heirathen A 3a; gewissensheirath Schwan 1, 748a; Hilpert 2, 1, 465c.
unsere bildung begegnet bei Joh. Nic. Hertius (näml. Sam. Gottlieb Hoffmann) de matrimonio instaurato et conscientiae. von der wiedererneuerten, und gewissensehe diss. v. Wittenberg (1702, recusa 1740); später ist sie von Campe in sein verdeutschungswörterbuch aufgenommen und hat sich sowohl in der juristischen litteratur, als vor allem in der allgemeineren sprache durchgesetzt, teilweise mit änderung des begriffes insofern die den grundbegriff überwuchernde vorstellung des heimlichen neuerdings wieder mehr zu gunsten der ursprünglichen bedeutung, der verpflichtung auf das gewissen (s. gewissenspflicht), zurückgedrängt wird, vor allem bei P. Heyse, der dem compositum am meisten spielraum giebt: mariage de conscience ... gewissensehe das ist eine solche, bei der die gesetzliche form nicht beobachtet wird Campe verdeutschungswb. (2) 457a; dazu vgl. die gewissensehe ... auch die gewissensheirat, mariage de conscience wb. 2, 367a; mit dieser (der morganatischen) ehe darf man die sogenannte gewissensehe nicht verwechseln. man versteht darunter 'eine gesellschaft zweier personen verschiedenen geschlechts, welche für ein ausschlieszendes eheliches beisammensein auf lebenszeit, ohne beobachtung kirchlicher ehefeierlichkeiten, blos durch gegenseitige erklärung des eheconsenses errichtet wird' Weiske rechtslex. 3, 567; ehe, heimliche kann sein 1. eine formlose ehe (matrimonium clandestinum), auch winkelehe oder gewissensehe (matrimonium conscientiae) genannt Wetzer u. Welte 4, 165: ich sagte ihm, wir würden eine gewissensehe schlieszen. er müsse mir vor gott und seinem gewissen geloben, mir treue zu halten bis an den tod, das gleiche würde ich ihm geloben P. Heyse (gesch. aus Italien, Fedja) II, 11 s. 156; erst von ihm hab ich das wort 'gewissensehe' gehört; meine ganze religion tritt dawider, dann war ein stolz in mir, der lehnte sich auf gegen das heimliche. wenn zwei es wert sind, sich anzugehören, und ihr gewissen zum zeugen nehmen dürfen, sollen sie es vor den menschen verbergen, wie eine sünde? (im grafenschlosz) II, 7, 162.
 
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gewissensempfindung, f., wenn sie ... den allgemeinen menschlichen gewissensempfindungen, dem naturgesetz zuwider sind F. G. Lüdtke über toleranz und gewissensfreiheit (1774) s. 135; wenn man den grundbegrif der ganzen ästhetik, die schönheit, in ein ich weisz nicht was? des geschmacks verwandelt: und die grundlage der moral in ein gefühl, oder gewissensempfindung, oder gar in einen angebohrnen gehorsamstrieb sezzet ... Herder (fragm. über d. n. d. lit. 3) 1, 415; der vergleich der gewissensempfindung mit der wahrnehmung einer unser gehör treffenden stimme C. Boruttau gedanken über gewissens freiheit 3.
 
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gewissensentscheidung, f., vgl.: die schriften, welche zur darstellung dieser vermeintlichen wissenschaft

[Bd. 6, Sp. 6313]


dienten, waren die sogenannten summen von gewissensfällen (summae casuum conscientiae), zusammenstellungen von fällen besonders schwieriger gewissensentscheidung auf dem gebiete des sittlich erlaubten und unerlaubten, aber auch mit vielem kirchenrechtlichen inhalt Herzog's realencyklopädie f. protest. theol. 103, 118.
 
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gewissensentschuldigung, f., gewissens - entschuldigung, man pflegt offt zu sagen, dasz einen das gewissen entschulde ... diese entschuldigung (besteht) darinnen, dasz das folgende gewissen mit dem vorhergehenden übereinstimmet ... J. G. Walch philos. lex. 12, 1317; vgl. gewissensschuld.

 

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