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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewirsen bis gewisper (Bd. 6, Sp. 6138 bis 6140)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewirsen, verstärktes wirsen (s. d.). unter den ableitungen von wirs (vgl. auch gawirsirôn. Graff I, 1047 ff.) reicht dieses compositum am weitesten in die nhd. periode herein, hier mit gerundetem vocal. in den mhd. verwendungen ist das verbum mit einem persönlichen object verbunden:

daʒ in der heiden ellenthaft
gewirsen kunde mit dem slage.
K. v. Würzburg Partonopier 5767 Bartsch.

ganz ähnlich Sylvester 5107; hierher gehört wol auch W. v. Rheinau Marienleben 76, 21 (daʒ si ... gewirsete die sunne). die beiden frühnhd. belege zeigen reflexiven gebrauch: und so er úber vil wucher genesen waʒ, so gewúrset er sich denn aber, und machete núwe wundan. Heinr. Seuse (leben cap. 15) 40 Bihlmeyer; und won si von allter wenig gesach ald gehort, so stiess si sich etwenn, das si sich fast gewursset, und verirret dik, das si nit wist wo si was. Elsbet Stagel leben der schwestern zu Tösz (33) Vetter s. 92, 23.
 
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gewirtelt, particip. adj., anscheinend unmittelbar vom substantiv wirtel (vgl. Frisch 2, 452) abgeleitet: gewirtelt, verticillatus. Kirsch 2, 151b, genau so Matthiae 2, 181b (vgl. gewirtet).
 
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gewirten, verb., verstärktes wirten, vgl. Lexer 3, 943, mit transitivem gebrauch wie das grundverbum und wie das später vordringende bewirten (s. d.):

sich lieʒen niht bevillen
sîne schaffære,
swie tiwer es wære,
daʒ darzuo töhte,
da man mit gewirten möhte
von Ôsterrîch des fursten geste.
Ottokar österr. reimchron. 75674 Seemüller.

vgl. auch gewirten, bewirten. Unger-Khull 291a.

[Bd. 6, Sp. 6139]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewirtet, particip. adj., unmittelbar vom substantiv wirte, wirten abgeleitet, vgl. auch DWB gewirtelt: verticillatus, gewirtet, wie ein wirten gestaltet. Frisius dict. (1556) 1367b.
 
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gewirz, gewirzchen, s. gewirr.
 
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gewisch, gewische, n., verbalsubst. zu wischen, schon im 16. jahrh. belegt: dann ich hab mich etlich mal mit des frawenzimmers nasenfutern und mundschleiern von sammat, taffat ... gewischt, und es mächtig gut befunden: dann die gelinde davon gab mir von unden auff ein unseglichen kitzeligen lust, viel besser als das gemein gewisch von sonst gelümp, da eim die fasen, zwischen den kerben bleiben. Fischart Gargantua (16) 210 neudr.; vgl.: das gewische. Campe 2, 365b; g(e)wisch, fortwährendes wischen. Martin u. Lienhart 2, 873b.
 
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gewischt, particip. adj. zu wischen (s. d.), mit einigen festen verbindungen: gewischter himmel, apertum coelum. Maaler 180c; tersus, gesäubert, gewischt. König 1170b; gewischt, adj. tersus, purgatus, detersus, purificatus, mundatus. Stieler 2563;

vil haben sich des nicht geschembt,
dasz sie ein ermel von eim hembdt
ziehen herfür, und wischen sich,
des soltu auch gebrauchen dich.
dann trinck mit wolgewischtem mundt,
ein gten zugk, der ist dir gsundt.
Scheidt Dedekinds Grobianus (v. 3109) Milchsack s. 93;

gewischte schuhe, calci defricati, et commundati. Stieler 2563. bedeutungsverengerung erleidet das particip in der oft gebuchten beziehung auf die malerei: gewischt, estompé, wird in der malerei von einer zeichnung gesagt, die man mit geschabtem röthel machet, welcher in den schatten mit kleinen zusammengerollten stückchen papiere oder leder aufgetragen wird, ohne dasz man darinnen einen strich bemerket. Jablonski (1767) 1, 535b (fehlt 1721); das gleiche Jacobsson 2, 85a; gewischt, adj. et adv. [t. de peint], estompé, dessiné avec des couleurs en poudre que l'on applique avec de petits rouleaux de papier gris ou de chamois, dont le bout sert comme de pinceau. Schwan 1, 747a.
 
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gewispel, gewischpel, n. , verbalsubstantiv zu dem älteren, jetzt durch wispern (s. gewisper) verdrängten wispeln. vgl. ahd. wispalôn. Graff IV. 1239; mhd. wispelen mhd. wb. 3, 771; nhd. wispeln Stieler 2566; Steinbach 2, 1006; Frisch 2, 453.
1) nur die ältesten belege zeigen das substantiv ohne begleiter; der begriff des geräusches ist hier nach der seite des subjects noch nicht fest begrenzt, aber dynamisch abgestuft: wie das die gestürme alle vergiengen in den der herre nit kam. und darnach in ainem stil schweigen und rasten in ainem gewischpel kam got der herre. Tauler sermones (1508) 156a; wann disz also verricht, thet sich aus dem wasser herfür ein kleine subtile stimm, gleich einem gewispel und gab antwort auf die frage. Nigrinus von zauberern (1592) 50.
2) in den jüngeren belegen ist das substantiv entweder mit einem bedeutungsverwandten verbunden oder von einem attribut begleitet; nach der seite des subjectes ist es auf den menschen beschränkt und neben der dynamischen abstufung tritt die vorstellung eines unbestimmten verworrenen geräusches hervor, die vereinzelt sogar mit der dynamischen abstufung in widerspruch steht (s. u. DWB laut gewispel).
a) und war das auf dem Lindwurmhof kein schlechtes gezischel und gewispel, als ... der Michel angefahren kam mit seiner grünen schönen. P. Rosegger (weltgift) III, 9 s. 348; tes es' ə kəwes' pəls ùn ə kəwas' pəls! das ist ein gewispel und ein gewespel! aus der Zornthaler mundart, s. jahrb. f. gesch. ... Elsass-Lothringen 7, 189; vgl. Martin u. Lienhart 2, 875b.
b)

ein kurtz gewisbel folgt, als er gesaget das.
Dietr. v. d. Werder Tassos erlös. Jerus. (1, 29) (1626) 4b

(ein murmeln folgt. Gries; geflüster Schindel);

ein laut gewisbell drauff umbher bei jhnen gieng,
der hauptman hiesz es gut mit einem augenwinck. (6, 24) 65

(gemurmel Gries); das geflüster sank zu unhörbarem gewispel. A. Mützelburg zwei heitere gesch. 93, s. Sanders erg.-wb. 645a; verliebtes gewispel. Stuttg. n. tagebl. 35, 36, s. ebenda 644c.

[Bd. 6, Sp. 6140]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewispelig, mundartl. adjectivbildung zu wispeln in der bedeutung, die unter abstreifung der geräuschwirkung nur die bewegung im vorstellungsinhalt festhält, vgl. auch DWB gewispelt: wisplig, gewisplig, voll unruhe. Stalder 2, 455.
 
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gewispelt, particip. adj. zu wispeln in derselben bedeutung, die eben an gewispelig hervorgehoben wurde: es kombt ein baur mit einem verwirrten, gewispleten bart. Schmeller 22, 1042.
 
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gewisper, n. , verbalsubst. zu dem jüngeren, im 18. jahrh. in die schriftsprache eindringenden wispern. im gegensatz zu gewispel (s. d.) ist es nicht mit attributen beobachtet, mehrmals dagegen mit synonymen verbunden, noch häufiger isoliert belegt; als ältestes zeugnis ist wol das compositum schandgewisper aus Lichtenberg anzusprechen, vgl. 8, 2142.
1) das gewisper. Campe 2, 365b; Leontin schien heimlich und leise befehle zu erteilen. ... jetzt hörte sie nur noch hin und her gewisper unter den dunklen bäumen. Eichendorff (viel lärm um nichts) 43, 192; aber, wenn man (auf der börse) ein paar leute die köpfe zusammenstecken sieht, die piano und pianissimo sprechen .., da kann man darauf rechnen, ... dasz es, wenn das gewisper zu ende ist, zu einem resultate kam. J. G. Kohl Petersburg 2, 12; und als sie die beiden nebeneinander sahen, da ging zum erstenmal zu Fruttnellen wieder das gewisper von einer alten geschichte. Ernst Zahn herrgottsfäden (28)5 301.
2)

ein düstre prozession
toter ursulinerinnen;
... tragen kerzen in der hand,
die unheimlich blutrot schimmern;
seltsam widerhalt im kreuzgang
ein gewisper und ein wimmern.
Heine (romanzero 1: himmelsbräute) 1, 358 Elster;

und wenn ich denk', was das die letzte zeit her für ein gezischel gewesen ist und für ein gewisper, da ist mir oft völlig heisz' worden im kopf ... also h'raus mit der farb'! Herman Schmid (der habermeister 6) 17, 181; am anderen tage gab es ein geflüster und gewisper beinahe durch die ganze stadt. K. Frenzel die verlobung (Westermanns monatshefte 48, 72b).

 

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