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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewirren bis gewischt (Bd. 6, Sp. 6137 bis 6139)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewirren, verb., wird von Scherz-Oberlin 1, 548 für turbare, verwirren angesetzt; das gleiche bei Brinkmeier 1, 917a. wie jedoch die oben (sp. 5677 ff.) beigebrachten belege für gewerren zeigen, sind am stammvocal dieses compositums auch in der nhd. periode keine ausgleichsbestrebungen hervorgetreten. gewerren als infinitiv, gewerre als conjunctiv präs. und ähnliche formen stehen dem gewirret im indic. präs. des singular gegenüber. zu den auf sp. 5683 angeführten wendungen ist noch nachzutragen: ich hab jn gen Spartham gfrt, dz er daselbs lob und eer erhol und es gewirt und mangelt jm nichts. Schaidenreiszer Odyssee 57b.
 
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gewirrsal, gewirrsel, n., contaminierte bildung zu gewirr und wirrsal, ist einmal bei Tieck belegt: auf

[Bd. 6, Sp. 6138]


dem klaren bach, der vom gebirge nieder rinnt, begegnete ich vor zwei nächten einer ganzen flotte von abgefallenen lindenblüthen, in denen wohl hundert geister herunter schifften, sie sangen hübsche lieder, und schwatzten und erzählten viel, es war aber nichts gründliches in diesem gewirrsel, denn sie waren von der groszen hochzeit ganz voll, zu welcher sie segelten. die vogelscheuche 2, 7.
 
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gewirrt, particip. adj. zu wirren (s. d.), in der schwachen form, die sich an diesem verbum nhd. entwickelt hat.
1)

eine schöpfung des hasses, durch hasz, durch ihn nur die hölle,
voll betäubenden wuthgeheuls, voll flüche der rachsucht,
rings durch einander gewirrt, ein unermeszliches chaos.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa (12) II, 2 s. 162;

ebenso Voss Odyssee 5, 329 (dicht in einander gewirrt sie umher fliehen); Sonnenberg Donatoa (5) I, 2 s. 413 (das entfallne gestrick ... um die füsze gewirrt); K. Frenzel Watteau 1, 278 (schlingpflanzen und bäume wild in einander gewirrt); ich hatte nemlich dabei nichts anders zum zwecke, als in diesen hochschwindelnden und durch einander gewirrten passagen den zustand recht anschaulich zu machen. meine geschicht eh' ich gebohren wurde (1795) cap. 3; sasz der baron in einem krausen und durcheinandergewirrten busche von hagedornen, eschen und birken, der auf einem kleinen hügel wuchs. Immermann (Münchhausen 6, 4) 2, 126 Maync; die nächste andre ... es war ein wahrer scheideknäuel, eine durch einander gewirrte strähne abschiedsgarn von armen, haubenschleifen, blauen mänteln. Otto Ludwig (Heiterethei) 2, 94; der herausgeber sucht die so oft in einander gewirrte autorschaft Goethe's und Heinrich Meyer's in mehreren fällen genauer festzustellen. Zarncke (zum Goethejahrbuch 10) Goetheschriften s. 12.
2)

und es hängt mit dem flatternden segel das tauwerk
alles gewirrt und zerschellt.
Voss übers. des Theokrit (idylle 22, 14) 190 (πάντα εἰκῆ ἀποκλασθέντα);

vgl. auch krausgewirrt. übersetzung des Aristophanes 1, 105;

das ganze, so hoch in den wolken, so tief in dem abgrund,
und auf des meers wildwogender wüste, zu chaos gewirrte
universum.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa (8) II, 1 s. 151;

alles entstand aus erde, wasser und luft. woher diese denn? aus der sonderung einer unförmlich gewirreten masse von rohen urstoffen. Voss mythol. briefe (3) 12, 14.
 
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gewirrvoll, adj.: es scheint uns der erwähnung werth zu sein, dasz Dohna sogar in dieser gewirrvollen zeit sich einige tage für Tempelfort frei zu machen wuszte. W. Gronau Chr. W. v. Dohna s. 250.
 
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gewirsen, verstärktes wirsen (s. d.). unter den ableitungen von wirs (vgl. auch gawirsirôn. Graff I, 1047 ff.) reicht dieses compositum am weitesten in die nhd. periode herein, hier mit gerundetem vocal. in den mhd. verwendungen ist das verbum mit einem persönlichen object verbunden:

daʒ in der heiden ellenthaft
gewirsen kunde mit dem slage.
K. v. Würzburg Partonopier 5767 Bartsch.

ganz ähnlich Sylvester 5107; hierher gehört wol auch W. v. Rheinau Marienleben 76, 21 (daʒ si ... gewirsete die sunne). die beiden frühnhd. belege zeigen reflexiven gebrauch: und so er úber vil wucher genesen waʒ, so gewúrset er sich denn aber, und machete núwe wundan. Heinr. Seuse (leben cap. 15) 40 Bihlmeyer; und won si von allter wenig gesach ald gehort, so stiess si sich etwenn, das si sich fast gewursset, und verirret dik, das si nit wist wo si was. Elsbet Stagel leben der schwestern zu Tösz (33) Vetter s. 92, 23.
 
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gewirtelt, particip. adj., anscheinend unmittelbar vom substantiv wirtel (vgl. Frisch 2, 452) abgeleitet: gewirtelt, verticillatus. Kirsch 2, 151b, genau so Matthiae 2, 181b (vgl. gewirtet).
 
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gewirten, verb., verstärktes wirten, vgl. Lexer 3, 943, mit transitivem gebrauch wie das grundverbum und wie das später vordringende bewirten (s. d.):

sich lieʒen niht bevillen
sîne schaffære,
swie tiwer es wære,
daʒ darzuo töhte,
da man mit gewirten möhte
von Ôsterrîch des fursten geste.
Ottokar österr. reimchron. 75674 Seemüller.

vgl. auch gewirten, bewirten. Unger-Khull 291a.

[Bd. 6, Sp. 6139]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewirtet, particip. adj., unmittelbar vom substantiv wirte, wirten abgeleitet, vgl. auch DWB gewirtelt: verticillatus, gewirtet, wie ein wirten gestaltet. Frisius dict. (1556) 1367b.
 
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gewirz, gewirzchen, s. gewirr.
 
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gewisch, gewische, n., verbalsubst. zu wischen, schon im 16. jahrh. belegt: dann ich hab mich etlich mal mit des frawenzimmers nasenfutern und mundschleiern von sammat, taffat ... gewischt, und es mächtig gut befunden: dann die gelinde davon gab mir von unden auff ein unseglichen kitzeligen lust, viel besser als das gemein gewisch von sonst gelümp, da eim die fasen, zwischen den kerben bleiben. Fischart Gargantua (16) 210 neudr.; vgl.: das gewische. Campe 2, 365b; g(e)wisch, fortwährendes wischen. Martin u. Lienhart 2, 873b.
 
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gewischt, particip. adj. zu wischen (s. d.), mit einigen festen verbindungen: gewischter himmel, apertum coelum. Maaler 180c; tersus, gesäubert, gewischt. König 1170b; gewischt, adj. tersus, purgatus, detersus, purificatus, mundatus. Stieler 2563;

vil haben sich des nicht geschembt,
dasz sie ein ermel von eim hembdt
ziehen herfür, und wischen sich,
des soltu auch gebrauchen dich.
dann trinck mit wolgewischtem mundt,
ein gten zugk, der ist dir gsundt.
Scheidt Dedekinds Grobianus (v. 3109) Milchsack s. 93;

gewischte schuhe, calci defricati, et commundati. Stieler 2563. bedeutungsverengerung erleidet das particip in der oft gebuchten beziehung auf die malerei: gewischt, estompé, wird in der malerei von einer zeichnung gesagt, die man mit geschabtem röthel machet, welcher in den schatten mit kleinen zusammengerollten stückchen papiere oder leder aufgetragen wird, ohne dasz man darinnen einen strich bemerket. Jablonski (1767) 1, 535b (fehlt 1721); das gleiche Jacobsson 2, 85a; gewischt, adj. et adv. [t. de peint], estompé, dessiné avec des couleurs en poudre que l'on applique avec de petits rouleaux de papier gris ou de chamois, dont le bout sert comme de pinceau. Schwan 1, 747a.

 

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