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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewipfelt bis gewirken (Bd. 6, Sp. 6108 bis 6116)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewipfelt, participiales adjectiv, in der zusammensetzung hochgewipfelt bei Voss viel beobachtet:

dann umstanden sie jen' und fleheten laut zu den göttern,
zartes gesprosz abpflückend der hochgewipfelten eiche. Odyssee 12, 357 (δρυὸς ὑψικόμοιο);

ebenso 9, 186; 19, 297; desgl. 13, 196 (hochgewipfelte bäume) und Ovid 1, 207 (hochgewipfelter maulbeer, ardua manus); dazu vgl. gwipp'lt, mit einem wipfel versehen, aufgehäuft. Lexer kärnt. wb. 258.
 
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gewipp, n., oberdeutsche nebenform zu gewebe (s. d.; vgl. althochd. giweppi sp. 5378): dieses hat erfahren Antonius Tortamanus von Montemuro ... der gienge aus, gewipp oder leinen tuch in Jerandina einzuhandlen. Fr. Caccia lebensthat des heil. Antonii 176; vgl. auch Unger-Khull 290b. vgl. das geläufigere gewüpp, gewüppe.
 
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gewippe, n., verbalsubstantiv zu wippen (s. d.): das gewippe Campe 2, 365b; gewippe, das schnelle auf und niederbewegen eines körpers, das schaukeln auf den knien. Schambach wb. d. niederd. mda. 63; gewippe, gewipp ... gehüpfe. ten Doornkaat Koolman wb. d. ostfries. sprache 1, 625a;

und eine pfauenfeder statt der hippe,
schlank, lang und schwank wie eine gerte, hält
er überm kopf mit winkendem gewippe.
Detl. v. Liliencron (Poggfred) 12, 153.

die sachbedeutung, die in der Kölner mundart entgegentritt (gewipp, hängekorb unterm lastwagen. Hoenig 65b) ist im zusammenhang mit der participialform (s. gewippt) zu erklären.
 
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gewippt , participiales adjectiv zu wippen.
1) in sinnlicher bedeutung: geprellt (gewippt) Comenius orbis pictus 259; gewipt, estrapadé Schwan (1783) 1, 746b; gewipp, hingeworfen, geschleudert. Hoenig wb. d. Kölner mda. 65b; der sal is jerammelte vull, dafür auch jerappelte, jestoppte ... jedrickte, jewippte, auch jestorrende, jewickte. Jecht wb. d. Mansfelder mda. 41; der topp iss jeschwipperte, vull zum überlaufen, auch jewipperte, jeschwapperte. 41b.
2) übertragen s. unter gewift sp. 5799.
 
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gewirbel, n. , ursprünglich wol masc. und als verstärkte form zu wirbel (s. d.) gehörig: als wann sie aus dem abgrund des verderbens und tiefem gewürbl der verzweiflung ... herfür gestossen würdten. F. Sigl gesch. d. Münchener geiszeln (1632) 175 Stöger. zu dem substantiv wirbel stimmt auch die vorliebe, mit der gewirbel die verworrenheit der bewegungen auf das akustische gebiet überträgt: wie es heute stürmt, lärmt, schneit, als ob der himmel in lauter schnee, in brüllendem gewirbel auf erden herunter brausen wollte. Bräker der arme mann im Tockenburg 248 Bülow; vgl. wirvil, turbo Graff 4, 1238; vortex, wirbel im wasser Lexer 3, 925; die wind varnt in ainer werbeln weise. ebenda.
frühzeitig ist jedoch für die erklärung der zusammenhang mit wirbeln (s. d.) maszgebend geworden, dem entsprechend gewirbel als neutrum und als verbalsubstantiv in die neuere schriftsprache übertrat: gewirbel ... das wirbeln, besonders ein anhaltendes, wiederholtes wirbeln ... etwas das sich wirbelt, eine wirbelnde menge. Campe 2, 365b.
1) das substantiv kennzeichnet die bewegung; die bildwirkung wird hervorgehoben:
a)

wo aus sprudelnden quellen der strom mit tiefem gewirbel,
Acheron, trächtig von gold, hinstürzt durch schaudrichte gegend.
Voss Hesiod 333 (Orfeus 1130);

[Bd. 6, Sp. 6109]



um und um
gewirbel, sandbank, riff!
Immermann (die Bojaren 3, 5) 15, 225;

unter düstern orkanengewirbeln und flammenden wettern
strömt', in wildem gewül, des abgrunds heer zu den thoren.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 151;

mächtige drängten sich vor durchs gedräng, und dumpf um die pforten
rollt' es sich jetzt in dunklem gewirbel, das dunkle gewirbel
flutet' heran, und ebb'te zurück. 145;

und wie der wind den haufen der trockenen spreu mit gewirbel
oftmal erregt', und umher sie zerstreuete.
Voss Odyssee 5, 368 (1793 gegen im wirbel 1781);

du lagst im gewirbel des staubes,
grosz auf groszem bezirk, der wagenkunde vergessend. 24, 39 (ausgabe von 1793 gegen in der wolke des staubes 1781);

schwang er die geiszel erklatschenden schwungs und es fuhr im galopp fort,
schnell wie der pfeil, durch gewirbel des staubs das rasselnde wäglein.
Baggesen Parthenais 1, 428;

vgl. sandgewirbel Schack nächte des orients 2; der general sah, fast träumerisch stumm, auf das weisze gewirbel. W. Alexis Isegrimm (2, 2) 2, 29; vgl. schneegewirbel ebenda 2, 26; immer dicker und immer dichter kamen die flöcklein herab ... ging schon ein ordentliches gewirbel los zwischen himmel und erde. H. Sohnrey im grünen klee6 45.
b)

unten um springenden weinborn läufts im gewirbel heran itzt,
stürzt es sich, wälzet sich bunt durcheinander von weibern und kindern.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 1, 2, 468; ähnl. 310;

sauszten die stürm' in die nachtumschleierten fahnen der flügel,
jagten und warfen in wilde gewirbel die flammen der streithelm'
und vermengten die donnerwolken des himmels mit ihnen. 114;

vgl. auch flammengewirbel 2, 2, 78 u. a.;

also badeten sie, stillhaltend herab in die wanne
alle die niedlichen füsze gepaart, weil jede den strohhut
abwarf, hebend den kamm, den gebogenen, welcher, den flechten
eingezahnt, aufhielt der ambrosischen locken gewirbel.
Baggesen Parthenais 5, 104;

über sein schlaues gesicht flog ein schatten und eine innere unruhe wurde aus dem lebhaften gewirbel sichtbar, womit er seine freude über das wiedersehen auszudrücken suchte. G. Freytag (soll u. haben) 5, 321.
2) die herausarbeitung akustischer wirkungen:

siehe, da rieselte still ein wässerchen ohne gewirbel.
Voss Ovid (Ceres 247);

ha, und itzt schleuderten all' orkan herauf von dem nordpol,
fürchterlich brüllt' es in grausem gewirbel daher, und die wogen
brausten mit wut an die himmel.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 2, 1, 145;

vgl. in heulendem sturmgewirbel 2, 1, 100;

und, wie brausende meergewirbel von drachengeheul voll,
rollten die kriegeswagen daher durchs wüste der graunschlacht. 2, 1, 119;

heulte wie orkangewirbel gedichte 75 Gruber.
das gewirbel der lerche. Campe u. a. (vgl. lerchenwirbel theil 6, sp. 762); den vogel (die lerche) fanden ihre augen nicht ... aber ... sie freute sich des sanften gewirbels. A. v. Enderes aus dem leben (fels zum meer 1883 s. 113a);

der mond blinkt heller, goldner und goldner malt
sich jede wolke, die melodisch
in das gewirbel der harfe murmelt.
Hölty (der bund) 56 Halm;

das göttliche, riefs im gewirbel der stimmen,
ist der erde geworden zum spiel.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 1, 1, 66;

und sowie ich den faden des gesetzes im tönegewirbel verliere, stellt sich das auge ein, und ich denke nichts als: was haben denn die kerle, dasz sie so reiben, zwicken, kratzen ... Fr. Th. Vischer auch einer 410; dabei weinte sie, setzte sich aber im folgenden augenblick an den flügel, um sich in ein gewirbel der gellendsten arien zu verlieren. W. Raabe hungerpastor 2, cap. 10;

red' ist der wohlklang, rede das silbenmasz;
allein des reimes schmetternder trommelschlag,
was der? was sagt uns sein gewirbel,
lärmend und lärmend mit gleichgetöne?
Klopstock (an J. H. Voss) 5, 368 Boxberger;

[Bd. 6, Sp. 6110]


o welch spektakel und kreuz-lamento wird in unsere zugehangenen zellen einkehren! mit trompeten und paukengewirbel. o jammer und elend! als ich in dienst trat, durfte ich keine flöte mehr blasen. Tieck (der gelehrte) 22, 29; und dann schmetterten die trompeten in der trommeln gewirbel. K. L. v. Woltmann gesch. des westfäl. friedens 2, 130; das gewirbel der trommel. Campe u. a.; ebenso Hilpert 2, 1, 465a; ebendort auch: das gewirbel der wagenräder, the whirling of the coach.
 
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gewirbelt , participiales adjectiv zu wirbeln (s. d.) mit älteren und jüngeren bedeutungsrichtungen:
1) die ältesten belege lassen eine bedeutung des verbums zur geltung kommen, die an gewirbel nicht zu beobachten ist, wol aber an wirbel; sie zielen auf die äuszere form, die ein gegenstand durch die bewegung (des drehens) erhält: turbinatio, gewirblite gestalt wie einer biren unden zgespitzt. Cholinus-Frisius 874b; ebenso Dasypodius Mm 8b (gewürblete gestalt); Frisius 1338b; Maaler 179a; König 1206a; Dentzler 832a; etwas gewirblets Cholinus-Frisius 874b; Frisius 1338b; dazu vgl.: spitzig z gewirblet, das dem spitz nach gadt, turbinatus. Maaler 179c; gewirbelt, turbinatus bei Kirsch, Matthiae, Steinbach, Hederich; gewirbelt, tournoïé Rondeau 2, Uu 3e; ebenso Schwan (1783) 1, 746b; dieser schneck wirt ziemlich grosz, ist gewirbelt mitten wie ein nabel ... (der andere) ist etwas lenglechter mit viel krümmen gewirbelt. Forer fischbuch (1598) 140b; dazu vgl. aus jüngster zeit: und der in zwei gewirbelten spitzen auslaufende schwarze schnurrbart wirkte nicht nur gefärbt, was er natürlich war, sondern zugleich auch wie angeklebt. Fontane frau Jenny Treibel cap. 2.
2) die jüngeren belege bringen solche bedeutungen zur geltung, die das verbum mit gewirbel theilt:
a)

hinstolperts von fliehenden, reiszt wie im sturmwind
über sie weg das gewirbelte rad (der wagen).
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 1, 2, 475;

wär' ich verdammt, umsonst dir nachzuringen,
gewirbelt von des wankelmuthes strom.
A. W. Schlegel (entsagung u. treue) 1, 21 Böcking;

sie geben mir das leben wieder — nein, nicht mein altes, armseliges, von zweifeln hin und her gewirbeltes — ein neues, selbstgewisses, herrliches — und ich fühle, sie haben recht! Paul Heyse buch der freundschaft: David u. Jonathan;

von der leidenschaften wuth,
wie von der windsbraut gewirbelt,
verkannt' ich oft den freund, der neben mir stand,
und die rechte mir bot.
C. D. Schubart denkmal in Wingolfs halle;

nun flogen die gelben blätter windgewirbelt um ihre füsze. W. Jensen pfeifer v. Dusenbach;

die quellen ... stürzten mit einmal sich turmhoch,
und in dem fall zerstiebend zu schaum, und vom westlichen strale
angefunkelt, wie goldener regen, von lüften gewirbelt,
über städte hinweg.
Fr. v. Sonnenberg Donatoa 1, 1, 228;

schnell ward düster die luft, und gewirbelter regen mit donner
prasselte ...
Voss idyllen: die heumad 18;

hoch über die sausenden wipfel
sprengt die wütende jagd im gewölk' und durchfeget den nordsturm,
dasz von giebel und baum mich gewirbelte flocken umstöbern. das ständchen 22;

schafft dann trockenes holz von aspalathos, oder von stechdorn,
brombeern, oder im winde gewirbeltes reisig der waldbirn. übers. des Theokrit (idylle 24, 88);


b)

mit freudig melodisch gewirbeltem lied
begrüszen erwachende lerchen die sonne.
Schiller (morgenfantasie, später 'der flüchtling') 1, 304;


 
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gewirbig, adj., alemannische form von gewerbig, vgl. sp. 5599. zu den dort gebuchten belegen sind noch nachzutragen:

guot milt und gevellig gar,
frœlich und gewirbig sunder var
waʒ dirre guot man allewege.
mit vil reines hertzen pfläge.
Walther v. Rheinau Marienleben 41, 52 Keller s. 38b;

si tet als dú gewirbigú binlú, dú daʒ sss hong uss den menigvaltigen blmen in tragent. Heinr. Seuse (leben cap. 33) 96 Bihlmeyer; aber so ich es reht an sihe, so spúr ich mit frden din grossen wizze in der sach, daʒ du

[Bd. 6, Sp. 6111]


als gewirbig bist mit fragen. 99. dazu vgl. auch gewîrwech, gelenkig wb. d. Luxemburger mda. 145a.
 
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gewirblich, adj., nebenform zu gewerblich, vgl. sp. 5601 ff.: bis sie kamen in die gewirblich statt Antorff. Jörg Wickram (knabenspiegel cap. 9) 2, 31 Bolte.
 
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gewirdigen, s. gewürdigen.
 
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gewirk, gewirke, n. , schriftsprachliche form für das ältere gewürk, gewürke, gewürche (vgl. DWB gewerk sp. 5634; zu der bildung mit dem t-suffix vgl. gewürcht, gewürchte) und neuerdings ganz als verbalsubstantiv zu wirken, würken (s. d.) empfunden und gebraucht. in diesem anschlusz an das verbum wirken und unter dem einflusz des nahe verwandten werk, mit dem unser subst. immer wieder in verbindung gesetzt wird, ist auch die entrundung des vocals gefördert. sie ist mitteldeutsch zuerst belegt, so bei Rothe und später im Malagis, und ist bei Luther durchgeführt, bei Wickram und Schaidenreisser neben ü bezeugt; andererseits bevorzugen spätere mittel- und norddeutsche denkmäler wie Gryphius, Edelmann, Rist wieder ü (das letzte bei Grüwel 1761). die wörterbücher nehmen seit Henisch von unserer bildung notiz (die vocabularien beschränken sich auf die form mit dem t-suffix) und zeigen übereinstimmend entrundeten vocal (nur bei Praschius ü neben i). die apokope setzt natürlich oberdeutsch ein (zu gewirk im Malagis vgl. sp. 5634), bei Fischart (gewirck), Schaidenreisser (neben gewirke), dringt aber in den wörterbüchern rasch durch, nur das teutsch-engl. wb. und Frisch buchen auch die form gewirke, die in mittel- und norddeutschen quellen bis auf Lessing (auch bei Voss noch gewirk') vorwiegt. die aspirata des gutturals, die an der nebenform gewürcht ihre stütze findet, ist fast nur nach gerundetem vocal belegt: gewürch bayr. landordnung v. 1553 bei Schmeller; gewürche und gewirche Hohberg; gewürche Becher, beide für das zellenwerk im bienenstock; ebenso Campe 2, 365b.
im neuhochdeutschen gebrauch hat die sachbedeutung die älteren allgemeineren beziehungen (z. b. auf das bauwerk) ganz abgestreift, sie beschränkt sich auf die beiden bedeutungsrichtungen: die parallele mit gewebe einerseits und das zellenwerk im bienenstock andererseits. hieraus erwächst ein regerer pluralgebrauch als die angaben der wörterbücher erwarten lassen: mit schwarzen gewürcken Rauwolf 51; ähnlich 239; 219; 37; seine kostbaren gewirke C. F. Meyer; bienengewirk' (sind dort) Voss.
in der parallele mit gewebe wird an gewirk die function eines nomen actionis entwickelt, doch entsprechen die litterarischen belege nicht ganz dem gewicht, das die wörterbücher dieser bedeutungsfärbung beimessen. dagegen ist der allgemeinste begriff, den das verbum wirken zur geltung bringt, mit dieser function schon in der ältesten prosa vertreten. in entsprechend späteren belegen ist diese bedeutung nicht immer sicher gegen übertragungen aus dem begriffe eines flechtwerkes abzugrenzen.
1) der allgemeine begriff: gewirk als nomen actionis zu wirken: das würcken und dʒ werden das ist ein. so der zimmerman nit würcket, so würckt auch das hausz nit, da die bartt oder axt lt, da lt auch das gewerden. got und ich wir seind ein in disem gewürcke, er würcket, und ich gewürde. Tauler predigten (1521: auf aller hl. abend) 305b; der vater ist daʒ anegenge, der sun daʒ mittel, der heilige geist daʒ zil des götelichen fluʒʒes, wan daʒ oberste guot mac niht an stete gestân alsô, eʒ enteile sich und erbiete sich ze nieʒende unde ze würkende daʒ beste. und wan enkein crêatûre begrîfenlich bevâhic ist genzlîche des nutzes unde des gewürkes, daʒ diu oberste maht unde güete unde wîsheit ist unde bringen mac. David v. Augsburg Pfeiffer, z. f. d. a. 9, 50; vgl. auch die belege auf sp. 5634:

so wird die welt ein punct genennt
gen himmelischen fürmament.
auch wont der mensch mit seim gewirck
den klainsten thail inn solchem zirck.
Schwarzenberg trostspruch um abgestorbene freunde (2. bearb.) s. 55 Scheel; (teutsch Cicero 159a: gewürck);

denn die sternen sind selber stumm, und haben keine erkäntnüsz noch fühlung, allein ihr sämbtlich gewircke machet im wasser ein quellen durcheinander. J. Böhme (3 principien göttl. wesens 4, 28) (1682) 35; ich sahe, dasz er

[Bd. 6, Sp. 6112]


die Herrnhuter, als menschen liebte, und wo er kunte, ihnen dienste that: aber mit dem grafen und seinem gewürcke, wolte er nichts zu schaffen haben. Edelmann selbstbiographie (1750) 165; ähnlich 151 (bei alle dem unnützen gewürcke); 300 (secten-gewürcke ... das todte, einförmige und abmattende gewürcke der mancherlei secten).
2) gewirk, gewebe: Noema erdachte darnach mancherleie gestricke unde gewircke von wollen unde von baste unde von andern dingen. Rothe Dür. chron. bei Sch. bl. 166a (Germania 18, 377). vgl. gewirk neben gewebe bei Schaidenreisser Odyssee 81a (s. b, η); vgl.: wenn sich aber an einem kleid eine aussätzige stelle zeigt — sei es nun an einem wollenen oder linnenen kleid —, oder an einem linnenen oder wollenen gewebe oder gewirke oder an leder ... und es ist die betroffene stelle an dem kleid oder dem leder oder dem gewebe oder dem gewirke ... grünlich oder rötlich, so liegt ein fall von aussatz vor. 3 Mos. 13, 48 Kautzsch (am werfft oder am eintracht. Luther; in dem wepff und in dem wefel. Eggesteyn; Koburger; in den vedemen off in dem weuelsse. Quentel; in deme gharne effte in deme weuegharne. Arndes; am zettel oder am eintrag. Züricher bibel; Dietenberger; am wäpfen [am rande: zettel] und am eintrag. Eck; in stamine atque subtegmine); will mir nicht allein ein schönes gärtlein schaffen, um mich in demselben, an dem zierlichem gespinste, gewircke, und teppichwercke der natur, zu erquicken; sondern auch ein mittelmässiges lust-haus dazu setzen. Er. Francisci lust. schaubühne (2, 1) 2, 350.
a) das nomen actionis:
α) zu den buchungen vgl.: der weber wirckstatt, item die kunst desz gewircks, textrina. Henisch 1602; pluribus licijs texere primum Alexandria instituit, das gewürck mit vielen kammen, blätern, und schemeln, hat die stadt Alexandria in Egypten erfunden. Praschius 94; das von gewirck ist, opus textile. Henisch 1602; ebenso Praschius 94; vgl. auch gewirk, textura (neben tela, pannus bei Henisch, Stieler, Hederich); vgl. Frisch (gewirk, gewirke, textura); das gewircke oder gewirck, das weben, the weaving. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewirk, tricotage de bas; tissure de tapisserie. Rondeau 2, Uu 3e; gewirk ... l'action de tisser, le tissage, tissu, la tissure. Schwan 1, 746b; act of working or weaving. Hilpert 2, 1 s. 465b. Adelung, unter dessen einflusz die letzten beiden belege stehn, geht von dem verbalsubstantiv aus, und führt von da zur sachbedeutung über.
β) in litterarischen belegen ist das nomen actionis nur selten sicher gestellt: ebenmässig geht die hocherfreute mutter, zu ihrer tochter, welche, unter der aufwartung ihrer juncfrauen und gespielschafft, bei einem gewirck, sich in ihrer kammer antreffen liesz. Er. Francisci indisch-chines. lustgarten 1 (1668), 92a;

Peleus sohn nur verbarg sich im kreis lykomedischer jungfraun.
wollgewirk erlernt' er für wehr.
Voss übers. des Bion (idylle 7, 16) (1808) 336 (εἴρια δ' ἀνθ' ὅπλων ἐδιδάσκετο 2, 16).

häufiger ist es in verbindung mit attributen belegt, die auch die möglichkeit einer sachbedeutung offen lassen (vgl. b):

und über ihn warf er den mantel,
grosz und dichtes gewirks. (χλαῖναν ... πυκινὴν καὶ μεγάλην.)
Voss Odyssee 14, 521 (so seit 1793; 1781: mit dem groszen wollichten mantel);

zeug von dichtem, lockerem gewirke, stuff of close or compact, of loose texture. Hilpert 2, 1 s. 465a; ihre jungfrauen und sie sind alle ein einziger brand von gold, lauter bündel von perlen, sie sind lauter diamanten, lauter rubinen, lauter brokat von mehr als zehnfachem gewirke. Tieck übers. des don Quixote (7, 3) 25, 71.
b) die sachbedeutung: gewirktes, das gewirkte, ein gewirk, textura, textum, tela. Stieler 2559. schon die buchung bei Henisch (neben textura auch tela, pannus, vestis) kennzeichnet die dreifache richtung, in die sich die sachbedeutung hier gabelt: das ergebnisz der thätigkeit schlechthin; der gewandstoff, der daraus entstanden ist, und endlich der gebrauchsgegenstand, zu dem dieser stoff verarbeitet wurde.
α) auch das ergebnis der thätigkeit als solches wird in verschiedenartigen formen erfaszt.

[Bd. 6, Sp. 6113]



1)) den weitesten begriff erschlieszt das substantiv in einigen belegen, in denen das subject der verbalthätigkeit das einzige bestimmungsmerkmal bildet: ir spinneweb lang nicht zu kleidern, und jr gewircke taug nicht zur decke, denn jr werck ist mühe und in jren henden ist freuel. Jes. 59, 6 Luther (noch werdent bedeckt mit irer werken Eggesteyn, Koburger u. a.; klaidern Eck, machwerken Kautzsch; neque operientur operibus suis); vgl.: si brüten basiliscen eier, und wircken spinnewepp: aber das gewirck und gewerck taugt nichts zur decke. Fischart (s. sp. 5636); dergleichen habest du im auch etliches gewircks deiner arbeit z einem gegenwurff und widergeltung seiner gaben zhanden gestellt. Jörg Wickram (von guten u. bösen nachbarn cap. 29) 2, 193 Bolte.
2)) auf die herstellungsart weisen einige attribute (zahlreicher bei β): ein sonderlich gewirck, das allweg nach zweien gleichen fäden einen kleineren faden hat, sextarius. Henisch 1602; ein weit gewirck von grober gesponst, tela levidensis, crassi fili. ebenda; genau so 1567; ebenso Praschius 95. in der litteratur überwiegen schmückende beiworte, unter denen nur fein, zart im gegensatz zu grob auf die technik im engeren sinne weist: vgl. köstlich gewirk Wickram 2, 289;

disz schon gewirck was nit zu stroffen (var. gwirck),
dann sie auch dran gewircket hot
inn mancher gstalt des möres gott,
Neptunum, wie er sich verkert.
Wickram (Albrechts Ovid 6, cap. 2, v. 236) 7, 256 (ohne lat. entsprechung 6, 115 f.);

haben zgehrt, wie si (vernempt fraw Circes) siessigklich gesungen und gewürckt hat, dann si für all und andere gttin, die aller schnisten und kostbarlichen gewürckt machen kan (am rande: fraw Circes gewürck). Schaidenreisser Odyssee (10. buch) 42b (οἷα θεάων λεπτά τε καὶ χαρίεντα καὶ ἀγλαὰ ἔργα πέλονται 10, 223);

sie (Kirke) sang mit melodischer stimme,
webend ein groszes gewand, ein unsterbliches, so wie mit anmuth
göttinnen feines gewirk und wundervolles bereiten.
Voss in der ausgabe von 1802; 1781: fein und lieblich und glänzend, wie aller göttinnen arbeit; in der von 1793: zart und fein sich glänzende werke bereiten);

(die weiten bloderhosen der türkischen weiber) seind mehrthails ausz zartem gewürck, gar schn von mehrerlai farben zgericht, und aussen an den seiten hinab, mit borten beleget. Rauwolf reisbeschr. (1583) 50 u. a.; grobe gewirke Rauwolf 239; als von ästen aufgerichtete mohr- und arabische hüttlein mit grobem gewürck bedeckt. türckischer vagant (17) (1683) 140; vgl. auch die belege a, β. zu andern attributen vgl.: dasz die weber das belont gewürch treulich und on abtrag arbaiten sollen. landordn. v. 1553 f. 129 Schmeller 22, 987; ausreissen als stiche in altem gewirk, non tenere. Frisch 2, 108b.
3)) die unterordnung des substantivs unter ein zweites dient der einengung des begriffes, wobei gewirk nicht das gewebe schlechthin, sondern das einzelne muster in demselben kennzeichnet:

Arachne fieng zu weben an
ein werck, das was kunstreich und schon.
dann es stund an ir gwürckes bild
Europa auff dem ochsen wildt.
Wickram Albrechts Ovid (6, cap. 2, v. 203) 7, 255 (Maeonis elusam designat imagine tauri Europam 6, 103 f.).

in derselben richtung verengt sich aber auch das substantiv ohne weitere bestimmung:

dort auch laufen hindurch die geschmeidigen faden des goldes;
und im gewirk erhebt sich ein alterthümlicher inhalt.
Voss Ovid (Arachne 65) 1 (1798), 315 (et vetus in tela deducitur argumentum 6, 69).

dazu vgl.: modelbuch, aller art nehewercks und strickens ... venedigische stern und gewirck. uff der laden, und nach der zal. die welisch, weisz arbeit. glattstich, creutzstich, stichwerck. Frankfurt, Chr. Egenolf, 1527;

betracht des wäbers stuhl, der schöne zeuge wäbt;
sie an das blum-gewürck, dasz gleichsam leibt und lebt
in manchem solchen zeug!
Rompler (erfindung der buchdruckerei) erstes gebüsch der reimgedichte 52;

denn sie (die vertirten bücher) wären gleich den umgewandten teppichen, in welchen zwar das gewirck erscheinet, aber mit geringem glantz und verstellten bildern

[Bd. 6, Sp. 6114]


Taubmaniana (1703) 134; verdammter erzähler! ...; die zuschauer zittern: und du malst uns das gewirke der tapeten, den ganzen gestirnten himmel von seide. Lessing (anmerk. über Euripides) 153, 428. auch für den bloszen knäuel tritt gewirk ein in: was hängt da hinten, fragte der prinz, an der wand, das ganz wie eine wurst aussieht? ... so könnte man fast in die versuchung geführt werden, anzunehmen, dasz es das letzte gewirk, oder der rest von der fädensammlung sei, den er, im mittelpunkt des gebäudes angelangt, nicht mehr gebrauchte, und welches ihm Ariadne, die königstochter gegeben hatte, um nicht zu verirren. Tieck die vogelscheuche 2, 6, vgl. Gries sp. 6115.
4)) unter den verbis, denen sich gewirk als object hier unterordnet, ist das verbum wirken selbst aus älterer zeit belegt: stund er vor der junckfrawen Angliana, welche an einer rammen köstlich gewirck, desz sie dann ein meisterin was, wircket. Wickram (goldtfaden cap. 9) 2, 289 Bolte; dagegen gewirk bereiten Voss. dazu vgl.: gewirk vollenden Schaidenreisser Odyssee 81a; ein gewirck wider auff thun Henisch 1602; ebenso Praschius 95 (telam retexere); gewirk beginnen Voss Odyssee 19, 142.
β) gewirk für den gewandstoff, der durch wirken entstanden ist: gewirk ... ein gewirkter zeug. Adelung 2, 667; Campe 2, 365b; un tissu. Frisch nouveau dict. des passagers 2, 280; gewirks, n. gewirktes, gewebtes zeug. Hönig wb. der Kölner mundart 65b.
1)) substantivverbindungen kennzeichnen den rohstoff, aus dem das zeug hergestellt wurde: seidengewirk, textum sericum. Stieler 2559; ward doch der schaden, den sie am seiden gewürk von Damasco gebracht, saiffen ... erlitten, nit klein. Rauwolf reisbeschr. 146; alsz da seind schöne tapetzereien, kostliche seidingewürck, darein blmen unnd rosen von mancherlai farben künstlich gewircket, ... 3, 7; wöllin gewirk, laneum. Stieler 2559; wie auch jre hemmeter, die mehrthails von zartem bomwollin gewürck zugericht, und wir (!) jre klaider an helsen so weit auszgeschnitten sind. Rauwolf reisbeschr. 49; kamen wir ... z etlichen vil zelten, welche mit groben gewürcken von gaisz und eselhaaren bedeckt ... waren. 239.
2)) auf die herstellungsart weisen adjectivverbindungen: dreischifftig gewirck oder gewand, das ist, das mit dreien schemelen gewircket wirdt, zwilch, federrit, ein jeder grat, oder carisey inn wollenem gewand, tela aut vestis trilix. Henisch 1602; tela, vel vestis bilix, ein zweischifftig tuch, oder gewirck ... tela, aut vestis trilix. ein dreischifftig gewirck. Praschius 95; pannus seu vestis levidensis, crassi fili, ein weit grob gewand, oder gewirck. Praschius 88; das türckisch gewirck, arbeit, vestis Alexandrina. Henisch 1602; ein gewirck von vielerlei farben, vestis polymita. ebenda; ebenso Praschius 95.
γ) unter den gebrauchsgegenständen, die aus gewirktem zeuge verfertigt sind, werden teppiche, decken, schleier und kleidungsstücke aller art genannt. unter diesen ist namentlich der mantel der Penelope von den übersetzern verschiedenster zeiten als gewirk eingeführt. aber auch die tarnkappe Siegfrieds wird von R. Wagner mit unserm substantiv gekennzeichnet: sie (die Perser) haben aber under andern wahren fúrnemlich schne teppich von mehrerlai farben, zarte bomwolline gewürck, mit wellicher arbait sie sehr kunstreich seind. Rauwolf reisbeschr. 219 (gewirck reisbuch d. hl. lands 1, 577);

der Parthen arbeit hat die schlechte wand geziert,
die erd ist mit gewürck der mohren ausstaffirt.
Gryphius (Leo Arminius 3, 4) trauersp. 92 Palm;

komm doch, Praxinoa, komm; den künstlichen teppich betracht'
erst!
fein! und wie anmutsvoll! ein gewirk der unsterblichen scheint dirs!
Voss übers. des Theokrit (idylle 15, 79) s. 141 (θεῶν περονάματα);

der persische teppichhändler ... hatte einen flug nach Ferrara gethan, um dem prachtliebenden hofe seine kostbaren gewirke zu verkaufen. C. F. Meyer Angela Borgia 41; item mee 4 sidelpolsterlen rott in rot hieig gebürk mit federen angefullt, dafur 2 fl. Tucher haushaltbuch 105; 13 eln alts gebürck ... darausz czu machen 2 panck und 2 sidelpolsterlen. 74; fur tebig, polster, gewurk 32 fl. 106; vgl. oben sp. 5634;

[Bd. 6, Sp. 6115]


und wirst du, holde schäferin,
den zauber des gewirks erproben,
dann denke still in deinem sinn:
die liebe hat ihn drein gewoben.
Geibel (Juniuslieder: an Clara, mit einer schlummerdecke) 23, 116;

ihre (der türkischen weiber) angesicht seind verdecket mit schwartzen gewürcken, denen etliche gar zart von seiden, etliche andere aber von roszharen. Rauwolf reisebeschreibung 51; calyptra, ein subtil schwartz gewirck von seiden, oder wolle, das die kloster-frauen (virgines velatae) und jungfrauen zu Venedig fürs angesicht hängen. J. Praschius 92;

sprach's und langte die strümpf' und die festlichen schuhe von atlas,
wandte sich weg und streifte der baumwoll' helles gewirk ab,
hüllete flugs in die seide die zartgeründeten füszchen.
Joh. Heinr. Voss Luise 3, 1;

vgl.hemden von baumwollengewirk. Rauwolf (s. β);

und die hülle der Thisbe
hebt er, und trägt sie zum schatten des abgeredeten baumes.
als er mit thränen genetzt das bekannte gewirk, und geküsset ...
Voss Ovid (des Minyastöchter 84) 1 (1798), 209 (utque dedit notae lacrimas, dedit oscula vesti 4, 117);

so mögt jr warten bisz ich mein fürgenommen gewürcke vollende, will ich alsz dann ainen ausz euch erkiesen. si seind durch mein getichte wort uberredt, haben sich des geweps z erwarten, bewilligt, aber was ich ain tag gewürcht, das alles hab ich bei der nacht auffgelöst. Schaidenreisser Odyssee (19) 81a (einen mantel zuerst, gebot mir ein waltender dämon, angelegt in der kammer, ein groszes gewirk zu beginnen ... wartet ... bis ich den mantel fertig gewirkt. Voss [μέγαν ἵστον ... εἰς ὅ κε φᾶρος ἐκτελέσω] 19, 142); sie erfand ein gewirk, ihre freier zu betrügen, she devised a web, her wooers to deceive. Hilpert 2, 1, s. 465a;

(Hagen:) und nichts entnahm'st du ihm?
(Siegfried auf das stählerne netzgewirk deutend, das er im gürtel
hängen hat:)
diesz gewirk, unkund seiner kraft.
(Hagen:) den tarnhelm kenn' ich,
der Niblungen künstliches werk.
R. Wagner (götterdämmerung 1) 63, 193.


c) übertragungen sind hier jetzt weit seltener beobachtet als bei gewebe. zum nomen actionis vgl. unter 1); zur sachbedeutung führt das gewebe der parzen herüber:

der schicksalsgöttinnen dunkles gewirk.
Voss übers. des Horaz 1 (1806), 97 (sororum fila trium atra);

auszerdem vgl.:

und ist dies gedicht faden von seiner spule —
oder gewirk von fremdem webestuhle?
Rückert (6. makame) 11 (1869), 267;

fern sei von mir
der lüge kunstgewirk!
Immermann (gericht von St. Petersburg 4, 6) 15, 338 Hempel;

da sagt Vafrin: nun gieb dem wunsch erhörung,
und sprich, wie man dem feldherrn netze spannt.
und das gewirk der schändlichen verschwörung
entwickelt sie ihm jetzt mit sichrer hand.
Gries Tassos befreites Jerusalem (19, 86) 210, 272 (tela);

(der gantze knaul desz mords wurd von jhr auffgewunden. Dietr. v. d. Werder s. 232), s. auch oben sp. 6114. dazu vgl.: gespinst und gewirk und teppichwerk der natur. Erasmus Francisci s. sp. 6112.
3) in der beziehung auf thierische arbeit ist gewirk nur selten für das gewebe der spinne oder seidenraupe beobachtet. um so häufiger tritt es für das zellenwerk im bienenstock ein, wo es noch bei Voss viel verwendet wird.
a) man musz ... über dem kunstreichem gestrick und gewirck dieser lufft-wirckerinn (der spinne), erstaunen. Er. Francisci lust. schaubühne (2, 1) 2, 272; spinnengewirk, aranearum tela. Stieler 2559; in gestalt des innern gewirkes der seidenwürmer. J. Grüwel Brandenb. bienenkunst 287; dazu vgl. die übertragung:

ach, unser leben ist recht ein gewürk der spinnen,
wenn wir bemühet sind was grosses zu gewinnen,
... alsden so komt der todt.
Rist neuer teutscher Parnass (1652) 732.


b) wachs ... heisset das beim feuer zerlassene und geläuterte roos (gewircke, wüftig, wafel oder honig-waben, nachdem vorhero das honig davon geseimet worden). Zinke ökon. lex. 3060; vgl.: geren, gewürke, wachstafel.

[Bd. 6, Sp. 6116]


Grüwel 396; s. auch 399; gewürchte, gewirk, gebäu, roosz, waben, (bienenzucht) die sämmtlichen scheiben oder das werk in einem bienenstock. Jacobsson technol. wb. 2, 86b; dazu vgl. Adelung 2, 667; Campe 2, 665b; on appelle aussi das gewirk l'ouvrage des abeilles. Schwan 1, 746b; das gewirk der bienen, the working of the bees, honey-comb. Hilpert II, 1 s. 465a; gewirk, das werk im stocke. Nemnich 193; ob auch hier ein nomen actionis sich entwickelt hat, ist fraglich. doch kann das folgende so aufgefaszt werden: so bringen die bienen ihren könig allerhand nothdurfft zum gewürche an honig, wachsbändern und beutlein. J. J. Becher kluger hausvater 156. in allen andern belegen ist die sachbedeutung gesichert. der umfang dieser bedeutung ist jedoch verschieden gefaszt, bald wird das ganze des werkes (die wabe mit samt dem honig), bald im engeren sinn die wachsscheibe gekennzeichnet.
α) die weiteste bedeutung zeigt folgender vereinzelter beleg: dasz die ambra schwerlich ein gewirck der bienen seie; weil sie anfangs stincket: welches von keiner bienenarbeit, zu vermuten. Er. Francisci lust. schaubühne (3, 2) 3, 1146; in engerer richtung auf das zellenwerk, aber das ganze umfassend, zielen die folgenden belege:

gleich an mute den ungewafneten dronen,
die der ämsigen bienen gewirk aufzehren in trägheit,
nur mitesser (ὅτε μελισσάων κάματον τρύχουσιν ἀεργοὶ
ἔσθοντες).
Voss Hesiods hauslehren 305 s. 30;

und ihr (der biene) gewirk ist göttlich in wahrheit, und äuszerst nüzlich den menschen. (zu Georg. 4, 219) ländl. ged. 4, 805; damit der regen und schnee nicht auf ihre flug- oder ziehlöcher falle, hinein fliesse, und ihr gewirke rauh und schimmlich mache. J. Grüwel Brandenburg. bienenkunst 34; die maden würden ... den bienen ihr gewirke verderben. 162; so sind sie (die motten) stracks in gebäue oder gewirke, so ist es dann um die bienen leichtlich geschehen. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 370a;

schafe sind dort, dort geisze mit zwillingen, dort voll honigs
bienengewirk', und es trägt höher die eiche das haupt.
Voss übers. des Theokrit (idylle 8, 45) 88 (ἔνθα μέλισσαι σμάνεα πληροῦσιν);

vgl. bienengewirk theil 1, sp. 1818; vgl. zellengewirk Voss erklärung zu Georg. 4, 214.
β) der engere begriff der wachsscheibe: weil, durch ihr (der bienen) gewirck, das honig, vielerlei dinges, mag conserviret werden. Er. Francisci lust. schaubühne (3, 2) 3, 1153; das gemülbe fällt täglich herab in das hönig und gewircke. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 387a; scheinet den gantzen tag ... die sonne drauf, so erhitzen die bienenstöcke, das gewircke wird flüssig. 2, 369a;

mitten steht ein teller mit würzigem scheibenhonig,
der aus weiszem gewirk' hervorquillt.
Voss (idyllen: Philem. u. Baucis 120) 2, 109 Hempel.


γ) zu den verbis, mit denen sich gewirk in dieser bedeutung vorzugsweise verbindet, vgl: wie jhnen das gewürche (im text gewürchte und gewürcht) zu verkehren sei. Colerus hauszbuch, register (unter bienen); mit solchen (drat) kan man nachmals das gewürche in beeden stöcken ohne schaden voneinander schneiden und theilen. Hohberg adel. land- u. feldleben 2, 371b; wann man das gewircke unten ein paar finger hoch wegschneidet. 2, 439a; hierzu musz man die bienen beräuchern, dasz sie halb beschweimlen, und dann das gantze gewürcke ausbrechen. J. J. Becher kluger hausvater 157; dass jhnen im führen das gewircke (im text: gewürchte) nicht abfalle. Colerus hauszbuch, register; dem verbalsubstantiv bau des gewirks (erklärung zu Georg. 4) entsprechen bei Voss mehrere, nicht immer anschauliche verba:

drin auch stehn mischkrüg' und zweigehenkelte urnen,
alle von stein, wo die bienen gewirk anlegen für honig. Odyssee 13, 106 Hempel (in der ausgabe von 1781: honig bereiten; 1793: honiggewirk sich bereiten);

sie beginnen das gewirk, indem sie die thränen sowohl der anderen blumen, als von den bäumen die der weide und der ulme, und der übrigen klebrichsten, eintragen. erklärung zu Georg. 4.
 
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gewirken, verb. , verstärktes wirken, s. d., in der frühnhd. periode noch mehrmals beobachtet, vor allem bei den mystikern. dort wird neben dem bevorzugten relativen gebrauch auch ein absoluter gebrauch gepflegt, während die

[Bd. 6, Sp. 6117]


ältere sprache die formen mit präfix beim absoluten gebrauch meidet, da dieser im allgemeinen hier imperfective actionsart bedingt. wo die jüngeren denkmäler das präfix trotzdem eindringen lassen, gilt dies meist dem von hilfsverben (mag, kann) abhängigen infinitiv, der ja seinerseits die verstärkten formen begünstigt. zu den bei wirken beobachteten schwankungen des stammvocals in den präsensformen vgl. das oberdeutsche ü (u) bei Wolkenstein und in der Hätzlerin und die md. zeugnisse für i. charakteristisch stehen sich hier meister Eckhart und Seuse gegenüber, wenn auch die handschriftliche überlieferung Eckharts ebenso wie bei David v. Augsburg und Heinr. v. Nördlingen variiert.
1) der relative gebrauch:
a) die verbindung mit persönl. object, die im Heliand und bei Isidor beobachtet ist, läszt sich einmal auch aus meister Eckhart belegen, ebenfalls mit beziehung auf das verhältnis gottes zu den menschen: alle crêatûre, die got ie geworhte. (liber positionum 137) myst. 2, 673. die verbindung mit prädicativem adjectiv, wie sie der Heliand zeigt (ina hêlan gewirkean. 2108 u. a.), wird nicht mehr wiederholt.
b) unter den sächlichen objecten treten die concreten immer mehr zurück. der fülle von älteren belegen (himil enti erda gaworahtôs. Wessobrunner gebet u. a.), die sich namentlich auf den häuserbau beziehen (vgl. schon Ulfilas Marc. 9, 5 jah gawaurkjam hlijans þrins), ist nur ein einziges beispiel aus Eckhart entgegenzusetzen: daz ein czimmermann ein schon hus nicht gewerken in kan uz wormechtin holcze. pred. bei Jostes 110 (gewirkin zeitschr. f. d. alt. 15, 380). die bei wirken und gewirkt (s. d.) so viel beobachtete beziehung auf gewandstoffe (vgl. DWB unze man geworhte die Sîfrides wât. Nibelungen 66, 3 Lachmann) ist nur aus einer späteren buchung zu erschlieszen: contexere, gewirken. handschr. voc. lat. germ. (15. jahrh. md.) bei Diefenbach. die beziehung auf metalle und edelsteine (fürspan gewürken. meister Otte Eraklius 1823 Massmann) scheint nicht mehr aufgefrischt worden zu sein.
dagegen dringen abstracta vor, die in der älteren sprache weniger entwickelt waren, vgl.: elliu dinc gewürken. Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1695; wunder gewirkjan. Heliand 2166 u. a.; Heinr. v. Neustadt Apollonius 6713; zeichun. Wessobrunner glaube, denkmäler 13, 293; bilde. Gottfrid Tristan 6695; giwirkean is willeon. Heliand 1172 u. a. naturgemäsz sind es andere substantiva, die nun bevorzugt werden, und die häufigkeit ihrer verwendung steht im gegensatz zu der spärlichkeit der concreta: und sol ainen solichen erbern man einnemen, der sein handwerck vor alter und krankhait nicht mer gewürken müg. stiftungsbrief der St. Antons-pfründe, s. Meyer stadtbuch von Augsburg (1276) 275 (genau so in einer Augsb. urk. des 15. jahrh., s. d. städtechron. 5, 197); der vater geworhte nie kein werc, daʒ minre wêre dan er selber ... wâ daʒ geworhte werk als edel sî als der wercmeister. meister Eckhart (liber positionum 137) s. myst. 2, 673; ebenso Nic. v. Landau 123 Zuchhold (vgl. got. hwa taujaima, ei waurkjaima waurstwa guþs? Joh. 6, 28); das höchste werk, daʒ got ie gewarcht, daʒ geschah in barmherzicheit. pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 8; dass wir also gewirkent guote werg ... pred. (Straszb. handschr.), s. zeitschr. f. d. alt. 7, 156; ähnlich pred. bei Jostes s. 110; ir zarten rosen des geblmeten geistlichen lebens ... tnt úwer hertzen ... uf gegen dem sssen meientowe der himelschen sunnen ... gebent ime stund und stat, daʒ er sin werk in úch gewúrken muge, daʒ úwer hertze werde ein appotecke der gotheit. Heinr. Seuse (grosses briefbuch: 8. brief) 431 Bihlmeyer;

so mag die lieb ir weise
gaistlich in im gewürken süess,
sein augen perg, das antlitz plaichen lass.
Oswald v. Wolkenstein 89, 47 Schatz;

daʒ obirste gut, daʒ der mensche gewirken mag ... Nic. v. Landau pred. bei Zuchhold s. 85 (vgl.gawaurkjan goþs. Ulfilas Röm. 7, 18); alles das gut, das der haillig geist ie gewürcket in allen rainen hertzen ... Heinr. v. Nördlingen an Margaretha Ebner (1346) Strauch s. 253 (vgl. dagegen sundea gewirkean. Heliand 3226 u. a.; dauþu gawaurkjan. Ulfilas Röm. 7, 13); daʒ minst, daʒ gnad ist, daʒ ist edler und hoher dan alleʒ daʒ creaturen gewurchen mugen. pred. der Nürnberger Eckhartschr. bei Jostes s. 21;

[Bd. 6, Sp. 6118]


als man dan durch mirket
alles daʒ her gewirket;
so enist iʒ niht wen lugene
mit zouberlicher trugene
von des tuvels craft her geschen.
Heinr. v. Hesler apokalypse 18764 Helm;

die wachter merckten eben,
was lieb gewürcken kan
in ainem sölichen leben.
Hätzlerin 1, 11, 83 Haltaus s. 11;

ganz ähnlich schon Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 11615;

Aretha die Romer vorhte,
daʒ selbe an im geworhte,
daʒ er ufbrach mit aller schar. das buch der Maccabäer 12156 Helm.

(entsprechende fügung schon im Heliand 2527.)
2) der absolute gebrauch:
a) neben präpositionalbestimmungen kann das verbum am ehesten des objects entbehren; doch liegen für die verstärkten formen auch hier erst vom ausgang des 13. jahrh. ab belege vor, meist aus der sprache der mystiker.
α)

der lip, ob man die warheit giht,
mag an die sele gewirken niht.
Heinr. v. Neustadt visio Philib erti 224 Singer

ie daʒ dink kleinlicher ist, ie eʒ kreftiger ist. do von mag eʒ gewurken in die dink, die grober sint und die under in sint. pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 70.
β) hab taugen wandel, daʒ ich taugenlich in dir gewurken mug. pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 55; daʒ er alleine in uns gewirken moge. Nic. v. Landau bei Zuchhold s. 65b; ähnlich Eckhart, s. zschr. f. d. alt. 15, 414; unde wo er irluthet, beschirmet oder wirket an einre stat, die wile enmag er in einre andirn stat nit gesin noch gewirken. Nic. v. Landau predigt bei Zuchhold 81 (bei meister Eckhart: gewerkin); der (ein meister) ordende waʒʒer uber wein alʒo, daʒ deʒ weines craft mak darinne gewurchen. Jostes s. 10; alse das obrist element ninder sô wol gewürken mac dan in dem grunde der erde, dâ würket eʒ golt unde silber und edelgestein. meister Eckhart (pred. 46), s. myst. 2, 156; ein iegelich ding wirket in wesene. kein ding mag gewirken uber sin wesen, daʒ fur enmag nit gewirken dan in sime wesene unde inme holtze. Nic. v. Landau bei Zuchhold s. 86 (bei Eckhart: gewerkin ebenda; würken bei Jostes s. 26).
γ)

ze Narne ein wîp het ein hant,
diu was erstarret unde geswant,
daʒ in aht jâren sie
dâmit enmohte gewurchen nie.
Lamprecht v. Regensburg Franciscus 4637 Weinhold.


b) ohne ziel- und ortsbestimmungen ist die unterdrückung des objectes nur selten belegt: sein gotliche hant krefticlichen gewirket: sein gotlichen hant hat sant Jeronimus erhohet. Joh. v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus 105, 94 Benedikt (dextera domini fecit virtutem); wan ich mʒ wirken di werc des der mih gesant hât, alse lange iʒ tag ist: wan die nacht kummit, wenne nîmant gewirken mac. Joh. 9, 4 Beheim (Bechstein s. 202; ebenso cod. Tepl.; wircken Mentel u. a., ebenso Luther, Emser, Dietenberger, Eck; werken Quentel, Arndes, Züricher bibel; schaffen Weizsäcker; waurkjan Ulfilas, ἐργάζεσθαι. die stelle übernommen [gewircken] von Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner 265 Strauch). Otfrid zeigt an der gleichen stelle das verbum relativ gebraucht: thaʒ megi er wiht gewirken. 3, 20, 19.

 

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