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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnsuchen bis gewinnungskosten (Bd. 6, Sp. 6093 bis 6102)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnsuchen, n., substantivierung der verbindung gewinn suchen (vgl. sp. 5910): hätte ich ... mich zu bloszem gewinnsuchen verstehen mögen, ich hätte früher ... ich wollte noch jetzt dinge anonym in die welt schicken, über welche die leute ... sich den kopf über den autor zerbrechen sollen. Göthe s. gespräche 5, 305.
 
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gewinnsucher, m., nomen agentis zum vorhergehenden, vgl. DWB gewinnstsucher: quaestuarius, gewin sucher. vocab. variloqu. Diefenbach 479a; questor, gewinsucher. voc. incip. teut. ebenda; gewinsucher, idem quod gewinsichtig. Henisch 1600. vgl. Kilian 147a. vgl. auch gewinnsucher bei Pansner deutsches schimpfwörterbuch s. 23a.
 
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gewinnsucht, f. , später beobachtet als das adjectiv gewinnsüchtig, und enger als dieses an die verbindung gewinn suchen (s. sp. 5910) angelehnt: dasz er also auf der hohen schul Siquenza seine zeit mit solcher gewinnsucht, (in dem er den gewinn mit karten unnd würfeln gesucht) zubrachte. Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrr. gesch. 97. die üble nebenbedeutung, die das substantiv fast durchweg zum ausdruck bringt, ist nicht ausschlieszlich aus dem zweiten compositionstheil (vgl. DWB habsucht, ehrsucht) zu erklären; wie die belege für gewinn suchen zeigen, liegt auch in diesen etwas tadelndes. die litterarischen belege reichen nicht über die mitte des 17. jahrh. zurück, die buchungen setzen mit 1668 ein: lucricupido, gewinnsucht König 674b; ebenso Dentzler, Steinbach, Matthiae, Hederich; ähnlich Aler 1, 937b (fügt hinzu: scabies et contagia lucri); gewinnsucht, amor di guadagno, la passion, qu'on a pour le profit. Rädlein 1, 384a; gewinnsucht, greediness of money, lucre, gain or profit, a hunger und thirst after it. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewinnsucht ... avarice Hilpert 2, 1, 464c; gewinnsucht, amour du gain; du profit; interêt. Rondeau 2, Uu 3e; l'amour —, avidité du gain, du profit; envie de gagner, attachement au gain, it. intérêt. Schwan 1, 746b; gewinnsucht s. eigennutz und geldgeitz. Chomel 4, 1061; gewinnsucht, die sucht d. i. unmässige ungeordnete begierde, nach gewinn. Adelung 2, 666; ebenso Campe 2, 365a; vgl. auch: gewinnbegierde ... der höchste grad derselben ist die gewinnsucht. Campe 2, 364a. wenn die schwankungen in der energie der begriffsbestimmung bei den buchungen auf der verschiedenartigen deutung des zweiten compositionstheils beruhen, so ergiebt sich andererseits aus dem litterarischen gebrauche, dasz die üble nebenbedeutung im laufe der zeit immer stärker herausgearbeitet wurde. das substantiv ist gern mit bestimmungen verbunden, die meistens dieser nebenbedeutung dienen.
1) das substantiv in verbindung mit näheren bestimmungen:
a) durch die gewinnsucht und begierde wiederumb in posses voriger reichthumen zu gelangen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 239; die pförtnerin war von der gewinnsucht, und begierde angereitzt, ihre wohlthäterin ... nach äusersten vermögen zu dienen. der im irrgarten der liebe herum taumelnde cavalier 127; so bald anstatt der freiheit der zwang in den wirthschaftlichen verhältnissen eingeführet und der kampf der emsigkeit, der gewinnsucht und der sparsamkeit durch

[Bd. 6, Sp. 6094]


menschliche und willkührliche gesetze geleitet werden will. (Isaac Iselin) versuch über die gesellige ordnung 71; die standhafte treue der alten welt; als diener aus ergebenheit schwizten, nicht aus gewinnsucht. Wieland Shakespeare (wie es euch gefällt 2, 3 for duty not for meed; nicht um lohn Schlegel) 2, 50.
und ob zwar auch ihrer vil ... solche bedinung des gemeinen nutzens, aus ehr- und gewinnsucht angetreten. Butschky Pathmos 381; fern von ihren stürmischen begierden, von den sorgevollen bemühungen des ehrgeitzes und der gewinsucht, fühlt der weise freund der wissenschaften den werth des lebens. C. C. L. Hirschfeld der winter 292; dasz weder der eitele ruhm, noch die gewinnsucht diejenigen, welche mit pappiere umgehen, ... solche pappierene wahren denen herren buchhändlern an ihre officin zu hefften veranlasse. Frid. Frisius künstler und handwercker ceremonialpolitica 5 (vorrede);

gewinnsucht und eitelkeit
sind die werbofficiere der schlechtigkeit.
ist das handgeld aufgezählt,
nimmt gewissen das fersengeld.
Grillparzer 35, 210;

dasz die französischen fabrikanten, welche an der industrieausstellung theil genommen, an gewinnsucht und eitelkeit mit einander gewetteifert haben werden, das lässt sich wohl denken. Börne schilderungen aus Paris nr. 26; wann solches ... aus einer frommen einfalt herrühret, so ist es kein vorsetzliches beginnen, aber aus leichtfertigkeit und verbottner gewinnsucht, da ist es ein grosse gottlosigkeit. Abele künstl. unordnung 2, 319; ich weiss, was ich der gnade eurer durchlaucht schuldig bin, und ich glaube nicht zu den feilen menschen zu gehören, die aus leichtsinn oder gewinnsucht die heiligsten bande auflösen. Schiller briefe 7, 150; kriegeswuth und rechnende kleinliche gewinnsucht haben hierzu einander die hände geboten. H. Meyer schriften zur kunst 119 (litteraturdenkm.); verzweiflung, gewinnsucht machte ihn zum spieler. Iffland (der spieler 1, 2) 3, 8;

ihn, der den durst der ungezähmten lüste
und der gewinnsucht rechtvergessend stillet.
Chr. v. Stolberg Oedipus in Theben, s. werke d. brüder St. 13, 155.


b) der kornhändler selbst läuft, durch übertriebene gewinnsucht, am meisten gefahr. Garve übers. d. Adam Smith (4, 5) 3, 161 (excess of avarice); sondern sich auff die wörtliche einstellung ihres unersättlichen geitzes, der ihr gesetz ist, in den fuszpfad einer plagenden gewinnsucht tretten. Simplician. Jan Perus (1, 4) (1672) 1, 47; und wie hat eine stolze, trotzige gewinnsucht euch fast allenthalben auf einen so andern weg gelenket! Herder (ideen z. philos. d. gesch. d. menschh. 7, 5) 13, 288; denn auch dieser staat, ob er gleich auf den niedrigen grund erobernder gewinnsucht gebauet war, hat grosze seelen erzeugt. (12, 4) 3 (1787), 108; hat nicht die liebe zur doppien und die barbarische gewinnsucht in diesen erbärmlichen schauspielen die vornehmste person vertreten. la doppia impiccata (1648) 41; dasz der verdacht einer neidischen gewinnsucht, hoffentlich, von selbst wegfallen wird. Lessing (vorbericht zu Hogarths zergliederung der schönheit) 53, 368; so ist nicht zu vermuthen, dasz er aus schmutziger gewinnsucht es daran werde fehlen lassen. (leben und leben lassen § 6) 163, 468.
c) die gewinnsucht des kaufmanns. Hamann (zu Dangeuil) 1, 31 Roth; und ich ohne diese vorsicht also leicht der indiskretion und gewinnsucht eines buchhändlers oder schauspieldirektors anheim fallen könnte. Schiller (zu don Karlos) 5, 1, 4; aber die zeiten der gefahr sind vorüber, die bürger sind zur gesetzlichkeit erzogen, und der versicherungszins ist durch die gewinnsucht der regierungen so grosz geblieben, als er ursprünglich gewesen. Ludw. Börne (fragmente u. aphorismen 284) 33, 445; die wahre ursache von diesem uebermasze in der menge des umlaufenden papiergeldes lag in der gewinnsucht einiger verwegnen projectmacher. Garve übers. d. Adam Smith (2, 2) 22, 53; ein saubere handthierung! welche der beutelschneider zech nicht unehnlich, dero gewnsucht endlich auf den galgen verrathen wird. Abele künstliche unordnung 1, 26.

[Bd. 6, Sp. 6095]



d) der eifer der gewinnsucht schuf die anfangsgründe der mathematik, mechanik, physik, astronomie und geographie. G. Forster ansichten vom Niederrhein (25) 2, 428; die zerrissenheit mehrt auflagen und aufpasser, hindert die volksentwickelung, mindert den gemeingeist, bringt auf die schauderhaftesten abwege der gewinnsucht. F. L. Jahn (runenblätter) 1, 415 Euler.
2) einförmiger ist der gebrauch auszerhalb solcher verbindungen:
a)

lasz andre Peru sehn
und aus gewinnsucht sich durch klipp' und strudel drehn!
dein Clargen wird dir ietzt ein besser gold-land weisen.
J. C. Günther2 786;

aus gewinnsucht, per l'amore del guadagno. Rädlein 1, 384a; ich habe nie aus gewinnsucht unrecht gehandelt. Lichtenberg (nachrichten über sich selbst) 1, 9; durch gewinnsucht angetrieben, forderte er oft selbst die gesellschaft zum spiel auf. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 204; ein andrer. der als ein edler spieler gerühmt wurde, und in der that ohne gewinnsucht mit einer gleichgelassenen und freundlichen miene spielte. S. v. La Roche frl. v. Sternheim 77.
b) ich halte dieses, für eine gefährliche und recht thörichte wette, dazu ihn ohn zweifel die gewinn-sucht nur getrieben. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 1) 2, 355; ich will also nur hinzusetzen dasz diese gewinnsucht am allerthörichtesten in denen spielen sei, wo nichts auf die kunst der spieler, sondern alles auf den blinden zufall, oder auf das glück ankommt. Gottsched in den vernünft. tadlerinnen 1 (1725), 110; und auf seiten des lebens: war ihre frömmigkeit heuchelei: ihre gerechtigkeit geistlicher hochmuth: ihre werkheiligkeit gewinnsucht. Herder (antrittspredigt 1767) 31, 25;

wer bin ich? — ein guter bürger, den der kitzel
der herrschsucht nie in seinem leben stach,
und seit dem krieg' ein ehrlicher soldat;
zum feldherrn machte die gewinnsucht dich.
Wieland (miscellaneen: 6 Aristophanes Acharner 2. act.) 34, 298;

angesehene kaufleute nahmen keinen anstand, leib und seele zu verschachern, um an den einkünften eines verwaltungsrathes theil zu nehmen. — und wie verschieden die gewinnsucht das wesen ihrer sklaven formte! G. Freytag (Karl Mathy) 22, 371.
 
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gewinnsüchtig, adj. , früher belegt als das substantiv. der verbindung gewinn suchen steht das adjectiv unabhängig und mit stärkerer betonung der übeln nebenbedeutung gegenüber. auch hier wird aber der zweite compositionstheil nicht aus seiner sippe gedeutet, sondern schon in frühen buchungen zu sehen (sichtig) gezogen: ein gewinnsichtiger, lucrio. Dasypodius Tt 4c; homo sordidus, schnd, niszig, karg, gwünsüchtig, gitig, untrüw. Cholinus-Frisius (1541) 805a; ebenso Frisius dict. (1556) 1226b; Maaler 201d; gewinnsüchtig, der nur auf den gewinn allein sihet ... lucri cupidus. Emmel silva quinqu. N 3a; ebenso Hulsius (aspre au gain u. a.) 138b; Henisch 1600; Duez 199a; Rädlein 1, 384a; Frisch nouv. dict. des passag. 2, 280; lucri cupidus, gewinnsüchtig. Garth-König 430a; quaestuosus ... ein gewinnsüchtiger mensch. A. Reyher theatr. rom. teut. 3, 903; quaestuarius, gewinnsüchtig, der umb gewinns willen etwas thut. Dentzler 640b; ähnlich Steinbach 2, 767; gewinnsüchtig, quaestuarius, inhians lucro, lucripeta; gewinnsüchtig auf böse art, turpilucris, turpis lucri cupidus. Aler 1, 937b; ebenso Kirsch, Hederich; gewinnsüchtig sein, to be greedy of money ... teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewinnsüchtig handeln, to deal covetously ... ebenda; ähnlich Hilpert 2, 1, 464c; gewinnsüchtig, interessé, ataché (âpre, avide) au gain, au profit. Rondeau 2, Uu 3e; ebenso Schwan 1, 746b; ein gewinnsüchtiger (eigennütziger) mann. Rondeau, Schwan a. a. o.; gewinnsüchtige freundschaft, amitié interessée. Rondeau; gewinnsüchtiges spiel, jeu lucratif. ebenda; eigennützig, gewinnsüchtig ... ein eigennütziger mensch, thut nicht leicht etwas, wovon er keinen vortheil hat. ein gewinnsüchtiger will aus allen dingen vortheil ziehen ... ja, er lässt sich oft verleiten, unanständige und unerlaubte mittel zu gebrauchen, wenn er nur davon seinen vortheil ziehet. Stosch bestimmung einig. gleichbed. wörter 1, 144. vgl. auch gewinnsüchtig bei Pansner deutsches schimpfwörterbuch 23a.
1) zunächst natürlich ist das adjectiv nur mit personen in beziehung gesetzt, und zwar meist in attributiver function,

[Bd. 6, Sp. 6096]


häufig auch in substantivischer; andere gebrauchsformen sind verhältnismäszig wenig belegt: denn wenn der, der da weiden soll, also auffs gt gericht und gewinssüchtig ist, würd er bald selb ein wolff werden. Luther (epistel S. Petri gepr.) 12, 390; aber wollt ir schwächeren sein wie die gewaltigen, ungerecht, bübisch, unedel, gewinnsüchtig, so vergeht ihr zuerst durch solche künste. E. M. Arndt geist der zeit 12, 372;

ein thörichter schütze ist der mord,
schieszt seinen pfeil ab ins dunkle dickicht,
gewinnsüchtig, beutegierig,
und was er für ein wild gehalten,
für frohen jagdgewinn
es war sein kind, sein eigen blut,
was in den blättern rauschte, beerensuchend.
Grillparzer (Argonauten 1) 55, 40.


a) attributive verbindungen: solche wurtzel durch die gantze landschafft ... gelobt und hoch ist gehalten worden ... letztlichen auch zu uns inn Franckreich, durch die gewinnsüchtige kauffleut, welche sie von dannen zu uns pringen kommen. Sebiz vom feldbau (2, 76) 232; vgl. auch ein gewinnsüchtiger kaufmann Adelung 2, 666 u. a.; dasz an einigen unteutschen orten gewinsichtige Juden etlichen gailen hurenhengsten ... Juden dirnen zugeführt. Grimmelshausen Simplic. schr. (2, 4, 16 vogelnest) 4, 630 Keller; was ist die bildung Europens den betrügerischen, gewinnsüchtigen Phöniciern schuldig. Herder (auch eine philos. d. gesch. 1) 5, 494; für gericht ... wo man mehr einen gewinnsüchtigen, unruhigen, ungewissenhaften advokaten, als der billigkeit und christlichen liebe folget. Abr. a S. Clara Abrahamische lauberhütt 1, 120; so ist der gewinnsichtige gesell gar zu gesparsam in stein, kalch und anderen notwendigkeiten. etwas für alle (der maurer) 1, 538; ebenso (der wundarzt) 1, 123; es ist freilich bekannt, dasz gewinnsüchtige buchhändler ... sich kein gewissen machen, von ... handschriften ... selbst die fehlerhaftesten copien zu erschleichen, und im verborgnen ans licht zu stellen. Gerstenberg über Klotz (litt. denkm. 128) 253; ebenso 395; er (der böse feind) machts auff die art eines vortheilhafftigen und gewinnsüchtigen spielers, welcher anfänglich dem gegentheil freimüthig den gewinn lässet, nur durch solche speckschwarden denselben mehrer zu locken. Abr. a S. Clara Judas der ertz-schelm 2; dasz ein gewinnsüchtiger spieler, wider gott, seinem nechsten und sich selbst, ja wider alle hauptstücke der christlichen catechismus-lehre sündige. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 6; sollen auch wir alle geld- und gewinnsüchtige spieler ernstlich fliehen und meiden. 112; ebenso 155; von denen gewinnsüchtigen spielern zu reden ist itzo mein vorhaben nicht. Gottsched vernünftige tadlerinnen 1, 105; mit dem kartenspiele ... diese belustigung müsziger und gewinnsichtiger leute ist unter uns so gewöhnlich, dasz man sich darüber wundern musz. ebenda; die geschichte der gewinnsüchtigen frau. Lessing (in d. Voss. zeitung 1755) 73, 41.
b) zu den formen der substantivierung gehört schon: cerdoon, gwhinsüchtiger. darumben das die pfaffen dises gotts (des Apollo) z zeitten umb gelts willen sich bestechen liessen, und redtend was man gern hort. Joh. Herold heidenwaldt p 3a; wann man alle läppische ungegründte reden ... von der medicin abnehme, würde ihre klarheit zwar viel schöner ... leuchten ... allein die gewinnsüchtigen würden den beutel nicht mehr so ... spicken können. Ettner des getreuen Eckharths med. maulaffe 442; dem fleiszigen: er sei ein narr, dasz er sich so plage, und nicht mehr dank davon trage. dem gewinnsüchtigen: er würde unter den fremden wohl zehnmal mehr verdienen, als daheim. Pestalozzi (Lienhard u. Gertrud 2, 70) 23, 277.
2) über den kreis der personen hinaus greift das adjectiv in attributiver verbindung mit spiel, gewerbe und anderen abstractis, die menschliche triebe oder menschliche thätigkeit verkörpern.
a) die kinder gottes nach Adam, disen feldlust und dise feldwerbung, vor andern vilfaltigen Kainischen gewinnsüchtigen und prächtischen gewerben ... jnen haben auszerlesen. Sebiz vom feldbau (1580) vorrede 2b; das laster desz gewinnsüchtigen spielens wird füglich mit der trunkenheit verglichen. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. 179; ausz so gewinnsichtigen und niemahls ersättigten

[Bd. 6, Sp. 6097]


geitzspielen. 182; gegen gewinnsüchtigen karten und würffelspielen. gesprächspiele 8, 25; das laster des gewinnsüchtigen spielens. Butschky Pathmos 320; das gewinnsüchtige spiel. Herder ideen (19, 5) 4 (1791), 258; gewinnsüchtige spiele. Jablonski 737b.
b) den einzigen wirth ausgenommen, dem er alle die gewinnsüchtige geschmeidigkeit seines handwerkes beigelassen hat. J. v. Sonnenfels briefe über d. Wienerische schaubühne (Wiener neudrucke 7) 82; bald soll er den Pharisäern und ihrer gewinnsüchtigen heuchelei die ernstlichsten strafpredigten halten. Lavater (thaten Christus.wahrheit) ausgew. schr. 1, 86 Orelli; sobald nicht wahre liebe zum wunderbaren gestein und metall den bergmann zur arbeit antreibe, weitete man mit gewinnsüchtiger gier die gruben immer mehr und mehr aus. E. T. A. Hoffmann (Serapions-brüder 1: bergwerke zu Falun) 6, 186 Grisebach; wer als befehlshaber einer wache, als schildwache ... eine strafbare handlung begehen läszt, wird ebenso wie der thäter selbst bestraft und diese strafe noch verschärft, wenn er die handlung in gewinnsüchtiger absicht hat geschehen lassen. kriegsart. f. d. preusz. heer (35), s. bundesgesetzbl. des nordd. bundes 1867, s. 314; dasz irgend ein gesichtspunkt gewinnsüchtiger absicht ausgeschlossen erschien. Georg Reicke das grüne huhn (2, 10)2 170. auffallend ist: die (spiele) aber nur allzu offt, zu üppigem zeitverderb, oder gewinnsüchtigem vortheil gemiszbrauchet werden. Jablonski 737a.
 
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gewinnsüchtigkeit, f., ableitung zum vorigen, konnte neben dem subst. gewinnsucht nicht aufkommen: ich war aber allbereit in der gewinnsichtigkeit und allen ihren nachgehenden lastern dermassen ertränckt, dasz ichs bleiben liese, wie es war. Grimmelshausen Simplic. schriften (Courage cap. 18) 3, 266 Keller; vgl.: gewinnsüchtigkeit (plur. car.) die eigenschaft einer person oder sache, da sie gewinnsüchtig ist. Adelung 2, 666 u. a.
 
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gewinnträgig, gewinntragend, adjectivbildungen zu der wortverbindung gewinn tragen, s. sp. 5910: lucrativus, gewinnträgig Dasypodius S 8c; lucrativus, gewinntragend König 674b.
 
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gewinnüberschusz, m., neuere bildung, die eine in der geschäftsform des begriffes gewinn liegende bedeutung (s. sp. 5905) stärker zum ausdruck bringt: dasz wir es gar nicht für nothwendig halten, dasz die städtische gasanstalt mit einem gewinn-überschusz arbeitet. Vossische zeitung v. 19. 5. 1864 s. 7b.
 
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gewinnung, f. , verbalsubstantiv zu gewinnen (s. d.), bringt die function eines nomen actionis, die an gewinn verdunkelt wird (vgl. sp. 5893f. 5897f.), eigens zum ausdruck. die neue bildung ist früh beobachtet und verhältnismäszig häufig ohne präfix belegt, vgl. gewinnunge, winnunge mittelhochd. wb. 3, 712b; gewinnunge Lexer 1, 992; winnunge 3, 911. die formen ohne präfix, die der bedeutung nach keinerlei unterschied gegen die zusammengesetzte form aufweisen, werdenwenigstens in den älteren mitteldeutschen zeugnissenzur begriffsbestimmung mit herangezogen, weil sie vielfach die bedeutungsentwicklung wirksamer beleuchten. (zu den niederdeutschen belegen vgl. Schiller-Lübben 5, 732b.)
1) wenn die belege weit in die mittelhochdeutsche periode zurückgreifen, so entstammen sie doch weder der lyrik, noch der epik (einzige späte ausnahme im Lohengrin). soweit sie überhaupt der kunstform erwachsen, gehören sie der lehrhaften dichtung an: Heinrich v. Melk, Thomasin; andere zeugnisse sind der prosa der urkunden und des geistlichen stils entnommen. hieraus erklärt sich auch eine einseitigkeit des gebrauches, die gegenüber dem neueren stil auffällt: an gewinnung wurde früher fast ausschlieszlich der begriff des erwerbs zur geltung gebracht. in diesem engen rahmen erscheint der ältere gebrauch aber wieder beweglicher: gewinnung führt dort vom nomen actionis bis zum collectivbegriff und zur sachbedeutung, während das neuere gewinnung sich auf das nomen actionis beschränkt, mit dessen hervorhebung es sich gegen gewinn abgrenzt.
a) das nomen actionis im älteren stil.
α) die bedeutung erkämpfen, siegen ist, wie angedeutet, nur selten belegt, in einem mitteldeutschen zeugnis für winnunge und in einem jüngeren oberfränkischen für gewinnung:

[Bd. 6, Sp. 6098]


noch glichewol si den strit vorlorin
den si god zwer geheiʒin hatte,
er hochfard wart also groʒ irkorin
daʒ eʒ en an der winnunge schatte.
do flehetin si gote in groʒir demud
und begundin sich besinnen ...
god der lieʒ si do gewinnen. ritterspiegel 1112 Bartsch;

von der gewinnung dieser statt Bergzabern seint die hernach geschrieben verss zu latein gemacht. Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs I. 28.
β) der geschäftsbegriff des erwerbs:

ze bœser gewinnunge
ist sîn herce unt sîn zunge
[balt] in wunderlîcher wîse.
Heinr. v. Melk erinnerung 217 Heinzel;

du wirst ouch geborn âne wæte:
durch waʒ bistû so stæte
an bœser gewinnunge? 493;

Râtiô diu kraft kan
bescheiden daʒ übel vomme guot.
die verliust swer sînen muot
an gewinnunge wenden wil.
Thomasin wälscher gast 8845 Rückert;

dazu vgl. 8835 (swer sînen muot wil verlân nâch gewinnunge ze hart [var.: gwinne, gewinne]); koubet aber ein phaffe oder ein ritter uf gewinnunge ettewaʒ, deʒ er welle furt genieʒʒen: davon sal er zol geben. Erfurter weisthum v. 1289 (1, 43) bei Kirchhoff s. 24; ouch ensall niemand dehein silbir ... kouffe dorch vorwechszils willen uff winnunge. Mühlhauser ordnung v. 1393 bei Lambert s. 156; und sint alle lûte. iwer scolære daʒ si got ulegent umbe iwer heil. die genade scult ir niht uerliesen mit unrehten gewinnunge. o quam bene negotiatur qui sibi celestia mercatur. speculum ecclesiae 170 Kelle;

der phaffe der dâ ist wol gelêrt
mit ungelêrten leien gert
bœser dinge unde sunde
und gewinnunge zaller stunde (var. gewinnes).
Thomasin wälscher gast 9310;

und er aischet von der gewinnunge und von der werckung und von dem gelück aller ding. Eggesteyn weisheit Salom. 13, 19 (de acquirendo et de operando, umb seinen gewin, gewerbe und hantirung ... bittet er. Luther);

swem gewinnunge lieb ist,
der mac vertragen zaller vrist
verlust wirser danne ein man
der guot samnen niht enkam.
Thomasin wälscher gast 3991.


γ) der übertragung und verallgemeinerung streben zu: herr, du erfullest aber mit dir, di niht anders wenn dich begern ... di alle dink achten als ein unflat, auf das du allein ir winnung seist (var.: ir erwinnung, gebinnung ... ut lucrifaciant te solum). Johann v. Neumarkt übers. d. soliloquien 72 Sattler; die do seind ... Israhelisch: der gewinnung ist der son gotz. Mentel Röm. 9, 4 (quorum adoptio est, welchen gehört die kindschafft); ebenso cod. Tepl. u. a.; in dem er auch euch hat gerufen durch unser ewangelium in di gewunnung der wunniclich unseres herren Jhesu. cod. Tepl. 2 Thessalon. 2, 14 (ebenso [gewinnung] Mentel, Quentel u. a.; zum herrlichen eigenthum Luther);

grosze wennunge uch des wirt
hondertfalt uch das widder wirt.
freide und ewigk leben
wel uch min vatter widder geben. Alsfelder passionssp. 1247 Grein.

(zu der form wennunge vgl. oben sp. 5980.)
b) den übergang zum collectivbegriff und zur sachbedeutung kennzeichnen nur belege, die der bedeutung erwerben erwachsen: iz ne suln durch recht ne heine erbin geldin der toden dube, noch iren roub, noch spilis gewinnunge. Görlitzer landrecht 46, 9b Homeyer (landr. 2, 217); ob auch die auʒʒern die weil gewinnung in der stat hieten, da von sullen si gen der stat tun, daʒ ander geste tund. urkunde Ludwigs des Bayern (1335) Weech (oberbayr. archiv 23) 172; vgl. auch Gemeiner Regensburger chron. 2, 6. 13;

manige gewinnunge
die ich âne barmunge
nam von witwen unt von wäisen,
die lâʒʒent mih nicht ûʒ den fräisen.
Heinr. v. Melk erinnerung 771 Heinzel;

vgl.: ein mensche insal dikeine winnunge nemen an koufene noch an verkoufene, weder rechte winnunge noch unrechte. Herm. v. Fritzlar mystiker 1, 192; vgl. ritterspiegel

[Bd. 6, Sp. 6099]


2195 Bartsch (pferde mag her wole koufin ... und eine winnung daruʒ sloufin); Mühlhauser ordnung v. 1380 (daʒ er dorinne kein winnunge suche) Lambert s. 156; Breslauer ordnung v. 1360 (dovon her in winnunge gebe) Korn 1, 198;

vil manegem was zem roube gâch ...
die volgten den die niht zen schiffen mohten,
den man brach rîch gewinnung abe (handschr. gwinnung). Lohengrin 5904 Rückert;

daʒ die selbin vormunde vor ire erweit alle iare di czwelfte marg an iargulde, an schult und an winnunge, die von der kindir gelde geuallin ... mag, sullin ... nemen. Breslauer vormundschaftsordnung v. 1373 Korn 1, 234; dazu vgl. als zeugnis für den pluralgebrauch: inde lachte eiklichen minschen up nae sinre haven, narungen, gereiden ind verdeinten loin ind winnungen. Koelhoffsche chron. (Köln), s. d. städtechron. 14, 774; o man, ir wiʒʒt, daʒ uns ist ein michel gewinnung von disem hantwerk. cod. Tepl. apostelgeschichte 19, 25; ebenso Mentel, Eggesteyn und fast alle Vorlutherischen übersetzer (dat uns is gewinninge Quentel, winninghe Arndes; gewin Pflanzmann; dar wir grossen zugang von diesem handel haben Luther, εὐπορία).
2) die buchungen, die schon in den vocabularien einsetzen, bringen das nomen actionis zur geltung, lassen aber auch die weiterentwicklung zur sachbedeutung belegen: lucratio, winnunge vocab. lat.-germ. 15. jahrh. Diefenbach 338a; gewinnung vendicatio oder pietung, verkauffung, unrechtnemung. vocab. theut. (1482) m 6a; dazu vgl. aber auch lucrum, winnunge neben gewin Diefenbach 338a; lucrifacere, winninge doen. Kölner gemma gemmarum 1507 Diefenbach a. a. o.; lucratus, gewinnunge. Augsburger gemma v. 1512 Diefenbach a. a. o. auffällig ist die grosze lücke in der überlieferung, die die buchungen vom 16. bis an das ende des 17. jahrh. aufweisen. erst bei Stieler wird die form wieder erwähnt, wobei auch die sachbedeutung offen gelassen wird: gewinnung ... gewinnen, it. der gewin et gewinst, lucrum, quaestus, proventus, reditus, it. victoria. 2544; die sachbedeutung wird sogar vorangestellt bei Frisch nouv. dict. des passagers (1772), der zu der gleichung mit lueratus zurückkehrt: gewinnung, das erworbene, aquêt, bien, qu'on ne tient par succession ... aquisition. 2, 280.
sonst arbeiten die neueren buchungen gerade das nomen actionis schärfer heraus, schon weil sie das substantiv meist in verbindung mit einem objectiven genetiv vorführen: gewinnung, lucratio. Aler 1, 937b; gewinnung für gewinn, im salzwesen. Frisch 2, 451a; gewinnung, so viel als erlangung, gewinn. Hederich 1, 1425; gewinnung ... das gewinnen, l'acquisition, acquêt, it. la conquête. Schwan (1783) 1, 746b; die gewinnung eines prozesses. ebenda; die gewinnung, das fördern der erze, l'extraction des mines. ebenda; ebenso Adelung u. a.; die gewinnung des heues, der feldfrüchte. Adelung, Campe; die gewinnung des unterhaltes. Campe.
3) denn der neuere gebrauch begünstigt einseitig die verbindung des substantivs mit dem objectiven genetiv und hält hierdurch auch die verbalkraft des substantivs lebendig. entwicklungsformen der sachbedeutung sind entweder veraltet oder in engeren stilformen isoliert.
a) reste der sachbedeutung und des collectivbegriffes: und die gewinung, so uber dem abzug des, so darauf gangen ist, daran (an dem verlage der Schedelschen chronik) erstanden were, getailt hetten. urk. v. 1492 bei Kapp gesch. d. d. buchhandels (1) 766; die dreiszig johr, so ich zu haus gesessen bin, in dieser statt nit um funfhundert gulden arbeit ... van demselben nit ein fünftheil gewinnung ist, gemacht, sunder alle ... um fürschten, herrn und ander fremde personen verdient ... dasz ich allein dieselben mein gewinnung van den fremden in dieser stadt verzehr. A. Dürer (brief an den rath der stadt) nachlasz s. 63; so wollen die alten weiber nit mer mess ... bestellen und ist unser gewinnung schmal worden. klag und antwort von ... pfaffen über d. reformat. bei Schade 3, 156; hier auf werden die gewinnungen aus getheilet. J. C. Wagenseil 554; gewinnung, das gewinnen, die gewinnungsarbeit, die quantität des auf einem bergwerke gewonnenen minerals. Veith 243.
b) für das nomen actionis gehört der absolute gebrauch eigentlich nur dem älteren stile an: und er im für nam

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die statt Antium z gewinnen ... berfft er das kriegszvolck ... erzelet jn ... was nutz in auch ausz solcher gewinnung erstund. Frontinus deutsch (1532) 19b; das ... ist mein hab, die ich ererbert (erarbeitet) hab härtiglich mit meiner hand. wann nie hab ich fall gehabt zu groszer gewinnung. Dürer nachlasz 14; im engeren rahmen einer berufssprache, so der des bergwerks, liebt auch der neuere stil scheinbar absoluten gebrauch, doch ist hier das object jeweils unschwer zu ergänzen: der geringere oder grössere widerstand, den die gesteine der gewinnung entgegensetzen. Lueger lex. d. ges. technik 4, 651; die arbeiten waren daselbst in schwunghaftem betriebe, die gewinnung aber im verhältniss zu der aus- und vorrichtung zu stark, um eine gleich hohe förderung nachhaltig liefern zu können. zeitschr. f. das berg-, hütten- u. salinenwesen 8 A s. 98; förderung und gewinnung sind nur dann gleichbedeutend, wenn das mineral, so wie es zu tage kommt, verkäuflich ist, wie z. b. steinkohle. sonst versteht man unter gewinnung stets die fertigstellung für den absatz. R. v. Carnall die bergwerke in Preuszen und deren besteuerung s. 97; die gewinnung für sich allein ... kann aber auch den fraglichen maaszstab für den betriebsumfang nicht abgeben. ebenda; das gesetzlich zukommende neuntel von dem werthe der gewinnung. ebenda.
im allgemeinen überwiegen auch hier verbindungen mit objectivem genetiv, die den neueren gebrauch des substantivs ja hauptsächlich tragen; sie stehen so ziemlich allen bedeutungsrichtungen offen, die oben für gewinnen erschlossen wurden.
α) persönliche objecte im genetiv: so sollen alle procuratores ... wider rechtliche gewinnung der räthen ... sich enthalten. acta publica (1668) Londorp 1, 218; z gewinnung der orientischen unnd griechischen kirchen. Wurstisen Basler chron. (1580) 315; die freie anwerbung ist der natürliche weg zur gewinnung einer flottenbemannung. Oppenheims deutsche jahrb. 12 (1864), 11; das verschuldete zum teil die knappheit der mittel, welche die gewinnung eines ausreichend starken und gehörig vorgebildeten lehrerstandes hinderte. H. Prutz preusz. gesch. 3, 224; dieser aber bildet sich sogleich seinen feldzugsplan, der dahin gehen soll, zur gewinnung der frau sich zuerst des mannes zu versichern. Th. Mundt Paris u. Louis Napoleon 1, 155; wenn sie als zielpunkt zunächst den verschlusz des Schwarzen Meeres und die gewinnung des sultans für diesen zweck durch liebe, durch geld, durch gewalt in aussicht nimmt. Bismarck ged. u. erinn. 2, 270.
β) beim sächlichen object steht der begriff des erwerbs im vordergrunde; die beziehung auf kampf und streit ist jetzt ganz veraltet: deshalb die gantze gewinnung der bataille darauf ankommt, dasz man nicht sonder ordre stille stehet. reglement vor die kgl. preusz. infanterie 356. der begriff des erwerbs andererseits streift die engere bindung an die rechts- und geschäftsformen ab und bevorzugt einen weiteren rahmen.
1)) ob sie auch kinftiglich ichtz ... ererben ... mit gewinung auch dero oder anderer erbschafft. C. Sender, s. d. städtechron. 23, 230; die landrente, ein reiner ertrag, der nach völliger wiedererstattung der auf seine gewinnung verwandten kosten, übrig bleibt. Garve übers. d. Adam Smith (4, 9 in order to obtain them) 3, 408; münzen, die künstlich gefaszt waren, und zu deren gewinnung der schuster mehr gleiche münzen ausgeben muszte, als der preis enthielt. Stifter bunte steine5 185 Aprent.
2)) auf das die brüder icht der sel schäden liten, so si durch gewinnung willen des öles ausz dem closter giengen. Gregors dialoge (Augsburg 1473) 1 cap. 15; gewinnung des saftes, extraction of the syrup. Karmarsch technol. wb. 13, 247; dasz die frauen wenigstens ein mal im jahr den wein tüchtig versuchen können, an dessen gewinnung sie so mühevollen antheil haben. H. Hansjakob schneeballen vom Bodensee 66; vgl. gewinnung von heu u. a., s. o.; unstreitig werden die zur gewinnung, zur benutzung und zur veredelung der gaben der natur nöthigen geschäfte am besten getrieben werden. H. H. Cludius v. d. ... ndd. freien bauern (1805) 2; die masse des unentbehrlichsten lebensbedürfnisses, das dem zu dessen gewinnung oder erzeugung gewidmeten theile des naturfonds abgewonnen wurde. Lotz revision d. grundbegr. d.

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nationalwirthschaftslehre 3, 294; ähnlich 1, 307; jedes produkt durchläuft seinen ganzen werdegang von der gewinnung des rohstoffes bis zur genuszreife in der gleichen wirtschaft und geht ohne zwischenhand in den konsum über. K. Bücher entstehung der volkswirtschaft5 92; tiere ... zum zwecke regelmässiger gewinnung von fleischnahrung zu züchten. s. 51; gewisz nimmt alles wirtschaften seinen ausgang von der nahrungsgewinnung. s. 42; die vorarbeiten (zu dem baue) auf dem platze hatten gleich nach dem ankaufe angefangen, und über die gewinnung und beischaffung der stoffe war schon damals verfügt worden. Stifter (der waldgänger 2) erz. 2, 93 Aprent.
3)) gewinnung der erze, alle arbeit, wodurch man die steine, erze und mineralien ... in den gruben ausschläget, und an den tag fördert. Jacobsson technol. wb. 2, 85a; vgl. auch Karmarsch 13, 247; Veith u. a.; vgl. silbergewinnung unten theil 10, 1, 1005 u. a.; die streben, welche man zu der gewinnung der schiefern gebrauchet. F. L. Cancrinus beschr. der bergwerke in Hessen 69; die zu gewinnung des metalls erforderlichen gröszern kosten. Garve übers. d. Adam Smith (1, 11 the increase of the expence) 1, 397; in der alaunhütte erkundigten wir uns genau nach der gewinnung und reinigung dieses so nöthigen materials. Göthe (dicht. u. wahrh. 2, 10) 25, 324; das recht zur gewinnung verschiedener mineralien innerhalb derselben feldesgrenzen. allgem. berggesetz f. d. preusz. staaten (gesetzsamml. f. 1865) 717; zur gewinnung der für die kochsalzbereitung erforderlichen soole. zeitschr. f. berg-, hütten- u. salinenwesen 4, 239; das französische gesetz ... unterwarf alle unterirdisch betriebenen steingewinnungen der bergpolizei. A. Huyssen comm. z. preusz. allgem. berggesetz2 120; dagegen wird unter den naturvölkern überall die gewinnung und verarbeitung des eisens ... geübt. K. Bücher entstehung der volkswirtschaft5 54; wogegen bei der gewinnung des stempels vermittelst des treibfäustels der arbeiter während des schlagens eine kräftige bewegung ... macht. Herold, s. zeitschr. f. berg-, hütten- u. salinenwesen 3, 60; da jede gewinnung eines stempels, ganz gleich ob sie durch herausschlagen, zerhauen oder sprengen desselben stattfindet, auf mächtigen flötzen von gefahren begleitet ist, so verwenden die häuer darauf die grösste aufmerksamkeit. V. Meitzen ebenda 5, 123; vgl. DWB stempel gewinnen sp. 5964.
γ) zu den verbindungen mit abstractem object führen schon übertragungen, wie: die ordnung der inneren verhältnisse Italiens und die gewinnung und sicherung eines neuen und frischen bodens für die italische civilisation. Mommsen röm. gesch. 35, 307; das haus der abgeordneten versagt der regierung die mittel zur herstellung einer den gegenwärtigen verhältnissen und bedürfnissen entsprechenden kriegsflotte; es versagt ihr den von ihm verlangten beistand zur gewinnung der früchte der mit so vielem, theueren blute errungenen siege des verflossenen jahres. Bismarck (im preusz. landtag 1865) 2, 415.
1)) brechen auf einmahl die ... nie erwarteten begebenheiten aus: als erlangung königlicher würde ... zuwachs der provintzien, gewinnung der freundschafft fremder potentaten ... Besser neue vorrede zu ... Kolbe v. Wartenberg 152; und uns so auch die gewinnung der sympathien der durch ihre landesgeschichte uns entfremdeten katholischen unterthanen erschwert. Bismarck (im reichstag 1873) 6, 32; und das resultat dann nochmals zur gewinnung der übereinstimmung mit den von der kammer etwa für nöthig erachteten abänderungen an die erste kammer zurückgehen müssen. (in der 2. kammer 1851) 1, 314.
2)) darum folgten ... auf die lehrjahre die wanderjahre. sie waren sonst zur gewinnung des meisterrechts nötig. F. L. Jahn werke 2, 1, 403; die fünf jahre abwesenheit in Amerika, verbunden mit der gewinnung des amerikanischen bürgerrechts. Bismarck (im nordd. bund 1868) 4, 11; kämpfen wir ... für unsere unabhängigkeit und für die gewinnung eines besseren zustandes. E. M. Arndt schriften f. m. l. Deutschen 4, 252.
3)) so wil zu gewinnung der zeit mit einer andern weitläufftigen histori der anwesenden compagnie nicht weiters beschwerlich sein. Grimmelshausen wieder erstandener Simpliciss. 3, 159; gleiche ordnung wird auch zur gewinnung der zeit, hinfüro gehalten werden. Sandrub

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histor. u. poetische kurzweil 51; entzwischen liesse ich zu gewinnung der zeit den verlangten legitimationsbrieff zu stndten richten. Abele künstliche unordnung 1, 231; ebenso 244; zur gewinnung von raum und zeit bin ich so frei, ohne weiteren eingang hierüber folgendes zu bemerken. Grillparzer (an Julie Löwe) briefe 89; dem versuche schliesst sich ein zweiter an; die gewinnung der kürze durch neue wörter. F. L. Jahn (bereicherung des hochd. sprachschatzes) 1, 42.
4)) der handfertigkeitsunterricht als ein 'turnen am werkzeuge' ist danach ein unerläszliches mittel zur geistesgymnastik und die gewinnung von arbeitsfreudigkeit eine der wichtigsten grundlagen jeder erziehung. schönheit u. gymnastik (1907) s. 8.
 
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gewinnungsarbeit, f., vgl. gewinnung 3) b) β) 3)): die gewinnungsarbeiten werden von einer besondern arbeiterklasse, den hauern oder häuern, ausgeführt ... hiernach heissen sie auch häuerarbeiten. Lueger lex. der ges. technik 4, 650; gewinnungsarbeit, auch gewinnerarbeit Veith 243 u. a.; in den bisherigen bereichen der revidirten bergordnungen gehörte ... das erz der halden den knappschaftskassen; wo daher für deren rechnung die gewinnungsarbeit eröffnet ist ... bleibt ihnen ihr recht; neue gewinnungen sind aber die knappschaftsvorstände ... zu eröffnen nicht befugt. A. Huyssen comm. z. preusz. allgem. bergges.2 (1867) 40; höchst sinnreich ... ist die hier angewendete abbaumethode. ... es ist nämlich dabei für eine bequeme fahrnisz, zweckmäszige und wohlfeile förderung, guten wetterwechsel, wasserabflusz und unterstützung der gewinnungsarbeit durch zweckmäszigen einbruch gesorgt. G. Faller Schemnitzer berg- u. hüttenmännisches jahrb. 14, 103.
 
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gewinnungsgebiet, f.: oder ist es mit den Oderbruchkrebsen wie mit den Werderschen kirschen, deren gewinnungsgebiet sich nächstens über die ganze provinz Brandenburg erstrecken wird? Fontane (frau Jenny Treibel 7).
 
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gewinnungskosten, pluraletantum: denjenigen aufwand hingegen, welchen die aufsuchung und wegnehmung eines naturproduktes erfordert, kann man durch den ausdruck gewinnungskosten bezeichnen. Lotz revis. der nationalwirthschaftslehre 1, 58; und den natürlichen gewinnungskostenbetrag der fische auf diese weise durch einen künstlichen zusatz noch erhöhet hat. 3, 259; die mitgewonnenen, dem anderen theile zustehenden mineralien müssen jedoch dem letzteren auf sein verlangen gegen erstattung der gewinnungs- und förderungskosten herausgegeben werden. allgem. berggesetz f. d. preusz. staaten § 56 (preusz. gesetzsamml. 1865) s. 718.

 

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