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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnstsucher bis gewinnträgig (Bd. 6, Sp. 6092 bis 6097)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnstsucher, m., vgl. gewinnsucher: gewinnstsucher, lucrio Stieler 2234.
 
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gewinnstsucht, f. (vgl. gewinnsucht): und versehet sie (die herde), nicht genttigt, sondern selbwillig, nicht auss schendlichs gewinst sucht (var. gewins gsch).

[Bd. 6, Sp. 6093]


Luther (epistel S. Petri cap. 5) 12, 389 Weimar. vgl. auch die varianten bei Bindseil.
 
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gewinnstsüchtig, adj. (vgl. gewinnsüchtig): lucrum appetere, gewinnstsüchtig sein. Corvinus 445; ebenso (hiare ad lucrum) 374; desgl. (quaestus cupidum esse). A. Reyher 3, 904.
 
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gewinnsttheil, gewinntheil, m., vgl. gewinnantheil, s. sp. 5920. die bildungen mit theil gehen denen mit antheil voran. bei Stieler tritt der erste compositionstheil, den neigungen dieses lexikographen entsprechend, in der nebenform auf st ein: gewinstteil, pars lucri. Stieler 2268; dagegen: gewinntheil ... derjenige theil eines gewinnes oder gewinstes, der auf jeden der theilhabenden oder anspruchhabenden fällt; besonders bei kaufmännischen und andern unternehmungen, zu welchen eine gesellschaft die gelder hergeschossen hat (dividende), wobei sich denn die grösze des gewinntheiles nach der grösze der beigetragenen summe richtet. Campe 2, 365a; (in commerce) dividend. Hilpert II, 1 s. 464c.
 
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gewinnstverlust, m., s. unter gewinnsmangel.
 
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gewinnsuchen, n., substantivierung der verbindung gewinn suchen (vgl. sp. 5910): hätte ich ... mich zu bloszem gewinnsuchen verstehen mögen, ich hätte früher ... ich wollte noch jetzt dinge anonym in die welt schicken, über welche die leute ... sich den kopf über den autor zerbrechen sollen. Göthe s. gespräche 5, 305.
 
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gewinnsucher, m., nomen agentis zum vorhergehenden, vgl. DWB gewinnstsucher: quaestuarius, gewin sucher. vocab. variloqu. Diefenbach 479a; questor, gewinsucher. voc. incip. teut. ebenda; gewinsucher, idem quod gewinsichtig. Henisch 1600. vgl. Kilian 147a. vgl. auch gewinnsucher bei Pansner deutsches schimpfwörterbuch s. 23a.
 
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gewinnsucht, f. , später beobachtet als das adjectiv gewinnsüchtig, und enger als dieses an die verbindung gewinn suchen (s. sp. 5910) angelehnt: dasz er also auf der hohen schul Siquenza seine zeit mit solcher gewinnsucht, (in dem er den gewinn mit karten unnd würfeln gesucht) zubrachte. Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrr. gesch. 97. die üble nebenbedeutung, die das substantiv fast durchweg zum ausdruck bringt, ist nicht ausschlieszlich aus dem zweiten compositionstheil (vgl. DWB habsucht, ehrsucht) zu erklären; wie die belege für gewinn suchen zeigen, liegt auch in diesen etwas tadelndes. die litterarischen belege reichen nicht über die mitte des 17. jahrh. zurück, die buchungen setzen mit 1668 ein: lucricupido, gewinnsucht König 674b; ebenso Dentzler, Steinbach, Matthiae, Hederich; ähnlich Aler 1, 937b (fügt hinzu: scabies et contagia lucri); gewinnsucht, amor di guadagno, la passion, qu'on a pour le profit. Rädlein 1, 384a; gewinnsucht, greediness of money, lucre, gain or profit, a hunger und thirst after it. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewinnsucht ... avarice Hilpert 2, 1, 464c; gewinnsucht, amour du gain; du profit; interêt. Rondeau 2, Uu 3e; l'amour —, avidité du gain, du profit; envie de gagner, attachement au gain, it. intérêt. Schwan 1, 746b; gewinnsucht s. eigennutz und geldgeitz. Chomel 4, 1061; gewinnsucht, die sucht d. i. unmässige ungeordnete begierde, nach gewinn. Adelung 2, 666; ebenso Campe 2, 365a; vgl. auch: gewinnbegierde ... der höchste grad derselben ist die gewinnsucht. Campe 2, 364a. wenn die schwankungen in der energie der begriffsbestimmung bei den buchungen auf der verschiedenartigen deutung des zweiten compositionstheils beruhen, so ergiebt sich andererseits aus dem litterarischen gebrauche, dasz die üble nebenbedeutung im laufe der zeit immer stärker herausgearbeitet wurde. das substantiv ist gern mit bestimmungen verbunden, die meistens dieser nebenbedeutung dienen.
1) das substantiv in verbindung mit näheren bestimmungen:
a) durch die gewinnsucht und begierde wiederumb in posses voriger reichthumen zu gelangen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 239; die pförtnerin war von der gewinnsucht, und begierde angereitzt, ihre wohlthäterin ... nach äusersten vermögen zu dienen. der im irrgarten der liebe herum taumelnde cavalier 127; so bald anstatt der freiheit der zwang in den wirthschaftlichen verhältnissen eingeführet und der kampf der emsigkeit, der gewinnsucht und der sparsamkeit durch

[Bd. 6, Sp. 6094]


menschliche und willkührliche gesetze geleitet werden will. (Isaac Iselin) versuch über die gesellige ordnung 71; die standhafte treue der alten welt; als diener aus ergebenheit schwizten, nicht aus gewinnsucht. Wieland Shakespeare (wie es euch gefällt 2, 3 for duty not for meed; nicht um lohn Schlegel) 2, 50.
und ob zwar auch ihrer vil ... solche bedinung des gemeinen nutzens, aus ehr- und gewinnsucht angetreten. Butschky Pathmos 381; fern von ihren stürmischen begierden, von den sorgevollen bemühungen des ehrgeitzes und der gewinsucht, fühlt der weise freund der wissenschaften den werth des lebens. C. C. L. Hirschfeld der winter 292; dasz weder der eitele ruhm, noch die gewinnsucht diejenigen, welche mit pappiere umgehen, ... solche pappierene wahren denen herren buchhändlern an ihre officin zu hefften veranlasse. Frid. Frisius künstler und handwercker ceremonialpolitica 5 (vorrede);

gewinnsucht und eitelkeit
sind die werbofficiere der schlechtigkeit.
ist das handgeld aufgezählt,
nimmt gewissen das fersengeld.
Grillparzer 35, 210;

dasz die französischen fabrikanten, welche an der industrieausstellung theil genommen, an gewinnsucht und eitelkeit mit einander gewetteifert haben werden, das lässt sich wohl denken. Börne schilderungen aus Paris nr. 26; wann solches ... aus einer frommen einfalt herrühret, so ist es kein vorsetzliches beginnen, aber aus leichtfertigkeit und verbottner gewinnsucht, da ist es ein grosse gottlosigkeit. Abele künstl. unordnung 2, 319; ich weiss, was ich der gnade eurer durchlaucht schuldig bin, und ich glaube nicht zu den feilen menschen zu gehören, die aus leichtsinn oder gewinnsucht die heiligsten bande auflösen. Schiller briefe 7, 150; kriegeswuth und rechnende kleinliche gewinnsucht haben hierzu einander die hände geboten. H. Meyer schriften zur kunst 119 (litteraturdenkm.); verzweiflung, gewinnsucht machte ihn zum spieler. Iffland (der spieler 1, 2) 3, 8;

ihn, der den durst der ungezähmten lüste
und der gewinnsucht rechtvergessend stillet.
Chr. v. Stolberg Oedipus in Theben, s. werke d. brüder St. 13, 155.


b) der kornhändler selbst läuft, durch übertriebene gewinnsucht, am meisten gefahr. Garve übers. d. Adam Smith (4, 5) 3, 161 (excess of avarice); sondern sich auff die wörtliche einstellung ihres unersättlichen geitzes, der ihr gesetz ist, in den fuszpfad einer plagenden gewinnsucht tretten. Simplician. Jan Perus (1, 4) (1672) 1, 47; und wie hat eine stolze, trotzige gewinnsucht euch fast allenthalben auf einen so andern weg gelenket! Herder (ideen z. philos. d. gesch. d. menschh. 7, 5) 13, 288; denn auch dieser staat, ob er gleich auf den niedrigen grund erobernder gewinnsucht gebauet war, hat grosze seelen erzeugt. (12, 4) 3 (1787), 108; hat nicht die liebe zur doppien und die barbarische gewinnsucht in diesen erbärmlichen schauspielen die vornehmste person vertreten. la doppia impiccata (1648) 41; dasz der verdacht einer neidischen gewinnsucht, hoffentlich, von selbst wegfallen wird. Lessing (vorbericht zu Hogarths zergliederung der schönheit) 53, 368; so ist nicht zu vermuthen, dasz er aus schmutziger gewinnsucht es daran werde fehlen lassen. (leben und leben lassen § 6) 163, 468.
c) die gewinnsucht des kaufmanns. Hamann (zu Dangeuil) 1, 31 Roth; und ich ohne diese vorsicht also leicht der indiskretion und gewinnsucht eines buchhändlers oder schauspieldirektors anheim fallen könnte. Schiller (zu don Karlos) 5, 1, 4; aber die zeiten der gefahr sind vorüber, die bürger sind zur gesetzlichkeit erzogen, und der versicherungszins ist durch die gewinnsucht der regierungen so grosz geblieben, als er ursprünglich gewesen. Ludw. Börne (fragmente u. aphorismen 284) 33, 445; die wahre ursache von diesem uebermasze in der menge des umlaufenden papiergeldes lag in der gewinnsucht einiger verwegnen projectmacher. Garve übers. d. Adam Smith (2, 2) 22, 53; ein saubere handthierung! welche der beutelschneider zech nicht unehnlich, dero gewnsucht endlich auf den galgen verrathen wird. Abele künstliche unordnung 1, 26.

[Bd. 6, Sp. 6095]



d) der eifer der gewinnsucht schuf die anfangsgründe der mathematik, mechanik, physik, astronomie und geographie. G. Forster ansichten vom Niederrhein (25) 2, 428; die zerrissenheit mehrt auflagen und aufpasser, hindert die volksentwickelung, mindert den gemeingeist, bringt auf die schauderhaftesten abwege der gewinnsucht. F. L. Jahn (runenblätter) 1, 415 Euler.
2) einförmiger ist der gebrauch auszerhalb solcher verbindungen:
a)

lasz andre Peru sehn
und aus gewinnsucht sich durch klipp' und strudel drehn!
dein Clargen wird dir ietzt ein besser gold-land weisen.
J. C. Günther2 786;

aus gewinnsucht, per l'amore del guadagno. Rädlein 1, 384a; ich habe nie aus gewinnsucht unrecht gehandelt. Lichtenberg (nachrichten über sich selbst) 1, 9; durch gewinnsucht angetrieben, forderte er oft selbst die gesellschaft zum spiel auf. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 204; ein andrer. der als ein edler spieler gerühmt wurde, und in der that ohne gewinnsucht mit einer gleichgelassenen und freundlichen miene spielte. S. v. La Roche frl. v. Sternheim 77.
b) ich halte dieses, für eine gefährliche und recht thörichte wette, dazu ihn ohn zweifel die gewinn-sucht nur getrieben. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 1) 2, 355; ich will also nur hinzusetzen dasz diese gewinnsucht am allerthörichtesten in denen spielen sei, wo nichts auf die kunst der spieler, sondern alles auf den blinden zufall, oder auf das glück ankommt. Gottsched in den vernünft. tadlerinnen 1 (1725), 110; und auf seiten des lebens: war ihre frömmigkeit heuchelei: ihre gerechtigkeit geistlicher hochmuth: ihre werkheiligkeit gewinnsucht. Herder (antrittspredigt 1767) 31, 25;

wer bin ich? — ein guter bürger, den der kitzel
der herrschsucht nie in seinem leben stach,
und seit dem krieg' ein ehrlicher soldat;
zum feldherrn machte die gewinnsucht dich.
Wieland (miscellaneen: 6 Aristophanes Acharner 2. act.) 34, 298;

angesehene kaufleute nahmen keinen anstand, leib und seele zu verschachern, um an den einkünften eines verwaltungsrathes theil zu nehmen. — und wie verschieden die gewinnsucht das wesen ihrer sklaven formte! G. Freytag (Karl Mathy) 22, 371.
 
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gewinnsüchtig, adj. , früher belegt als das substantiv. der verbindung gewinn suchen steht das adjectiv unabhängig und mit stärkerer betonung der übeln nebenbedeutung gegenüber. auch hier wird aber der zweite compositionstheil nicht aus seiner sippe gedeutet, sondern schon in frühen buchungen zu sehen (sichtig) gezogen: ein gewinnsichtiger, lucrio. Dasypodius Tt 4c; homo sordidus, schnd, niszig, karg, gwünsüchtig, gitig, untrüw. Cholinus-Frisius (1541) 805a; ebenso Frisius dict. (1556) 1226b; Maaler 201d; gewinnsüchtig, der nur auf den gewinn allein sihet ... lucri cupidus. Emmel silva quinqu. N 3a; ebenso Hulsius (aspre au gain u. a.) 138b; Henisch 1600; Duez 199a; Rädlein 1, 384a; Frisch nouv. dict. des passag. 2, 280; lucri cupidus, gewinnsüchtig. Garth-König 430a; quaestuosus ... ein gewinnsüchtiger mensch. A. Reyher theatr. rom. teut. 3, 903; quaestuarius, gewinnsüchtig, der umb gewinns willen etwas thut. Dentzler 640b; ähnlich Steinbach 2, 767; gewinnsüchtig, quaestuarius, inhians lucro, lucripeta; gewinnsüchtig auf böse art, turpilucris, turpis lucri cupidus. Aler 1, 937b; ebenso Kirsch, Hederich; gewinnsüchtig sein, to be greedy of money ... teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewinnsüchtig handeln, to deal covetously ... ebenda; ähnlich Hilpert 2, 1, 464c; gewinnsüchtig, interessé, ataché (âpre, avide) au gain, au profit. Rondeau 2, Uu 3e; ebenso Schwan 1, 746b; ein gewinnsüchtiger (eigennütziger) mann. Rondeau, Schwan a. a. o.; gewinnsüchtige freundschaft, amitié interessée. Rondeau; gewinnsüchtiges spiel, jeu lucratif. ebenda; eigennützig, gewinnsüchtig ... ein eigennütziger mensch, thut nicht leicht etwas, wovon er keinen vortheil hat. ein gewinnsüchtiger will aus allen dingen vortheil ziehen ... ja, er lässt sich oft verleiten, unanständige und unerlaubte mittel zu gebrauchen, wenn er nur davon seinen vortheil ziehet. Stosch bestimmung einig. gleichbed. wörter 1, 144. vgl. auch gewinnsüchtig bei Pansner deutsches schimpfwörterbuch 23a.
1) zunächst natürlich ist das adjectiv nur mit personen in beziehung gesetzt, und zwar meist in attributiver function,

[Bd. 6, Sp. 6096]


häufig auch in substantivischer; andere gebrauchsformen sind verhältnismäszig wenig belegt: denn wenn der, der da weiden soll, also auffs gt gericht und gewinssüchtig ist, würd er bald selb ein wolff werden. Luther (epistel S. Petri gepr.) 12, 390; aber wollt ir schwächeren sein wie die gewaltigen, ungerecht, bübisch, unedel, gewinnsüchtig, so vergeht ihr zuerst durch solche künste. E. M. Arndt geist der zeit 12, 372;

ein thörichter schütze ist der mord,
schieszt seinen pfeil ab ins dunkle dickicht,
gewinnsüchtig, beutegierig,
und was er für ein wild gehalten,
für frohen jagdgewinn
es war sein kind, sein eigen blut,
was in den blättern rauschte, beerensuchend.
Grillparzer (Argonauten 1) 55, 40.


a) attributive verbindungen: solche wurtzel durch die gantze landschafft ... gelobt und hoch ist gehalten worden ... letztlichen auch zu uns inn Franckreich, durch die gewinnsüchtige kauffleut, welche sie von dannen zu uns pringen kommen. Sebiz vom feldbau (2, 76) 232; vgl. auch ein gewinnsüchtiger kaufmann Adelung 2, 666 u. a.; dasz an einigen unteutschen orten gewinsichtige Juden etlichen gailen hurenhengsten ... Juden dirnen zugeführt. Grimmelshausen Simplic. schr. (2, 4, 16 vogelnest) 4, 630 Keller; was ist die bildung Europens den betrügerischen, gewinnsüchtigen Phöniciern schuldig. Herder (auch eine philos. d. gesch. 1) 5, 494; für gericht ... wo man mehr einen gewinnsüchtigen, unruhigen, ungewissenhaften advokaten, als der billigkeit und christlichen liebe folget. Abr. a S. Clara Abrahamische lauberhütt 1, 120; so ist der gewinnsichtige gesell gar zu gesparsam in stein, kalch und anderen notwendigkeiten. etwas für alle (der maurer) 1, 538; ebenso (der wundarzt) 1, 123; es ist freilich bekannt, dasz gewinnsüchtige buchhändler ... sich kein gewissen machen, von ... handschriften ... selbst die fehlerhaftesten copien zu erschleichen, und im verborgnen ans licht zu stellen. Gerstenberg über Klotz (litt. denkm. 128) 253; ebenso 395; er (der böse feind) machts auff die art eines vortheilhafftigen und gewinnsüchtigen spielers, welcher anfänglich dem gegentheil freimüthig den gewinn lässet, nur durch solche speckschwarden denselben mehrer zu locken. Abr. a S. Clara Judas der ertz-schelm 2; dasz ein gewinnsüchtiger spieler, wider gott, seinem nechsten und sich selbst, ja wider alle hauptstücke der christlichen catechismus-lehre sündige. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 6; sollen auch wir alle geld- und gewinnsüchtige spieler ernstlich fliehen und meiden. 112; ebenso 155; von denen gewinnsüchtigen spielern zu reden ist itzo mein vorhaben nicht. Gottsched vernünftige tadlerinnen 1, 105; mit dem kartenspiele ... diese belustigung müsziger und gewinnsichtiger leute ist unter uns so gewöhnlich, dasz man sich darüber wundern musz. ebenda; die geschichte der gewinnsüchtigen frau. Lessing (in d. Voss. zeitung 1755) 73, 41.
b) zu den formen der substantivierung gehört schon: cerdoon, gwhinsüchtiger. darumben das die pfaffen dises gotts (des Apollo) z zeitten umb gelts willen sich bestechen liessen, und redtend was man gern hort. Joh. Herold heidenwaldt p 3a; wann man alle läppische ungegründte reden ... von der medicin abnehme, würde ihre klarheit zwar viel schöner ... leuchten ... allein die gewinnsüchtigen würden den beutel nicht mehr so ... spicken können. Ettner des getreuen Eckharths med. maulaffe 442; dem fleiszigen: er sei ein narr, dasz er sich so plage, und nicht mehr dank davon trage. dem gewinnsüchtigen: er würde unter den fremden wohl zehnmal mehr verdienen, als daheim. Pestalozzi (Lienhard u. Gertrud 2, 70) 23, 277.
2) über den kreis der personen hinaus greift das adjectiv in attributiver verbindung mit spiel, gewerbe und anderen abstractis, die menschliche triebe oder menschliche thätigkeit verkörpern.
a) die kinder gottes nach Adam, disen feldlust und dise feldwerbung, vor andern vilfaltigen Kainischen gewinnsüchtigen und prächtischen gewerben ... jnen haben auszerlesen. Sebiz vom feldbau (1580) vorrede 2b; das laster desz gewinnsüchtigen spielens wird füglich mit der trunkenheit verglichen. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. 179; ausz so gewinnsichtigen und niemahls ersättigten

[Bd. 6, Sp. 6097]


geitzspielen. 182; gegen gewinnsüchtigen karten und würffelspielen. gesprächspiele 8, 25; das laster des gewinnsüchtigen spielens. Butschky Pathmos 320; das gewinnsüchtige spiel. Herder ideen (19, 5) 4 (1791), 258; gewinnsüchtige spiele. Jablonski 737b.
b) den einzigen wirth ausgenommen, dem er alle die gewinnsüchtige geschmeidigkeit seines handwerkes beigelassen hat. J. v. Sonnenfels briefe über d. Wienerische schaubühne (Wiener neudrucke 7) 82; bald soll er den Pharisäern und ihrer gewinnsüchtigen heuchelei die ernstlichsten strafpredigten halten. Lavater (thaten Christus.wahrheit) ausgew. schr. 1, 86 Orelli; sobald nicht wahre liebe zum wunderbaren gestein und metall den bergmann zur arbeit antreibe, weitete man mit gewinnsüchtiger gier die gruben immer mehr und mehr aus. E. T. A. Hoffmann (Serapions-brüder 1: bergwerke zu Falun) 6, 186 Grisebach; wer als befehlshaber einer wache, als schildwache ... eine strafbare handlung begehen läszt, wird ebenso wie der thäter selbst bestraft und diese strafe noch verschärft, wenn er die handlung in gewinnsüchtiger absicht hat geschehen lassen. kriegsart. f. d. preusz. heer (35), s. bundesgesetzbl. des nordd. bundes 1867, s. 314; dasz irgend ein gesichtspunkt gewinnsüchtiger absicht ausgeschlossen erschien. Georg Reicke das grüne huhn (2, 10)2 170. auffallend ist: die (spiele) aber nur allzu offt, zu üppigem zeitverderb, oder gewinnsüchtigem vortheil gemiszbrauchet werden. Jablonski 737a.
 
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gewinnsüchtigkeit, f., ableitung zum vorigen, konnte neben dem subst. gewinnsucht nicht aufkommen: ich war aber allbereit in der gewinnsichtigkeit und allen ihren nachgehenden lastern dermassen ertränckt, dasz ichs bleiben liese, wie es war. Grimmelshausen Simplic. schriften (Courage cap. 18) 3, 266 Keller; vgl.: gewinnsüchtigkeit (plur. car.) die eigenschaft einer person oder sache, da sie gewinnsüchtig ist. Adelung 2, 666 u. a.
 
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gewinnträgig, gewinntragend, adjectivbildungen zu der wortverbindung gewinn tragen, s. sp. 5910: lucrativus, gewinnträgig Dasypodius S 8c; lucrativus, gewinntragend König 674b.

 

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