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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnstlich bis gewinnsucht (Bd. 6, Sp. 6092 bis 6093)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnstlich, adj., s. gewinnlich: die lehn-waare musz auch von einem unter einem gewinnst-lichen titel erlangten gute, und die consumtions-accise von dem, was einer durch schenkung oder auf andere gewinnstliche art überkommt, entrichtet werden. Chomel 4, 1061.
 
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gewinnstlos, adj., vgl. gewinnlos: unter dieses volk haben sie sich gemengt: nicht, um es durch gewinnstlose betrachtungen von seiner arbeit abzuziehen, sondern um es zu seiner arbeit zu ermuntern. Lessing (an Gleim) 12, 352 Lachmann.
 
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gewinnstnahme, f.: die monatliche liquidation, bei welcher ... die baissiers fabelhafte gewinnstnahmen eingezogen hatten. Augsburger allgem. zeit. 1866 s. 1625b.
 
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gewinnstsucher, m., vgl. gewinnsucher: gewinnstsucher, lucrio Stieler 2234.
 
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gewinnstsucht, f. (vgl. gewinnsucht): und versehet sie (die herde), nicht genttigt, sondern selbwillig, nicht auss schendlichs gewinst sucht (var. gewins gsch).

[Bd. 6, Sp. 6093]


Luther (epistel S. Petri cap. 5) 12, 389 Weimar. vgl. auch die varianten bei Bindseil.
 
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gewinnstsüchtig, adj. (vgl. gewinnsüchtig): lucrum appetere, gewinnstsüchtig sein. Corvinus 445; ebenso (hiare ad lucrum) 374; desgl. (quaestus cupidum esse). A. Reyher 3, 904.
 
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gewinnsttheil, gewinntheil, m., vgl. gewinnantheil, s. sp. 5920. die bildungen mit theil gehen denen mit antheil voran. bei Stieler tritt der erste compositionstheil, den neigungen dieses lexikographen entsprechend, in der nebenform auf st ein: gewinstteil, pars lucri. Stieler 2268; dagegen: gewinntheil ... derjenige theil eines gewinnes oder gewinstes, der auf jeden der theilhabenden oder anspruchhabenden fällt; besonders bei kaufmännischen und andern unternehmungen, zu welchen eine gesellschaft die gelder hergeschossen hat (dividende), wobei sich denn die grösze des gewinntheiles nach der grösze der beigetragenen summe richtet. Campe 2, 365a; (in commerce) dividend. Hilpert II, 1 s. 464c.
 
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gewinnstverlust, m., s. unter gewinnsmangel.
 
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gewinnsuchen, n., substantivierung der verbindung gewinn suchen (vgl. sp. 5910): hätte ich ... mich zu bloszem gewinnsuchen verstehen mögen, ich hätte früher ... ich wollte noch jetzt dinge anonym in die welt schicken, über welche die leute ... sich den kopf über den autor zerbrechen sollen. Göthe s. gespräche 5, 305.
 
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gewinnsucher, m., nomen agentis zum vorhergehenden, vgl. DWB gewinnstsucher: quaestuarius, gewin sucher. vocab. variloqu. Diefenbach 479a; questor, gewinsucher. voc. incip. teut. ebenda; gewinsucher, idem quod gewinsichtig. Henisch 1600. vgl. Kilian 147a. vgl. auch gewinnsucher bei Pansner deutsches schimpfwörterbuch s. 23a.
 
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gewinnsucht, f. , später beobachtet als das adjectiv gewinnsüchtig, und enger als dieses an die verbindung gewinn suchen (s. sp. 5910) angelehnt: dasz er also auf der hohen schul Siquenza seine zeit mit solcher gewinnsucht, (in dem er den gewinn mit karten unnd würfeln gesucht) zubrachte. Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrr. gesch. 97. die üble nebenbedeutung, die das substantiv fast durchweg zum ausdruck bringt, ist nicht ausschlieszlich aus dem zweiten compositionstheil (vgl. DWB habsucht, ehrsucht) zu erklären; wie die belege für gewinn suchen zeigen, liegt auch in diesen etwas tadelndes. die litterarischen belege reichen nicht über die mitte des 17. jahrh. zurück, die buchungen setzen mit 1668 ein: lucricupido, gewinnsucht König 674b; ebenso Dentzler, Steinbach, Matthiae, Hederich; ähnlich Aler 1, 937b (fügt hinzu: scabies et contagia lucri); gewinnsucht, amor di guadagno, la passion, qu'on a pour le profit. Rädlein 1, 384a; gewinnsucht, greediness of money, lucre, gain or profit, a hunger und thirst after it. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 774; gewinnsucht ... avarice Hilpert 2, 1, 464c; gewinnsucht, amour du gain; du profit; interêt. Rondeau 2, Uu 3e; l'amour —, avidité du gain, du profit; envie de gagner, attachement au gain, it. intérêt. Schwan 1, 746b; gewinnsucht s. eigennutz und geldgeitz. Chomel 4, 1061; gewinnsucht, die sucht d. i. unmässige ungeordnete begierde, nach gewinn. Adelung 2, 666; ebenso Campe 2, 365a; vgl. auch: gewinnbegierde ... der höchste grad derselben ist die gewinnsucht. Campe 2, 364a. wenn die schwankungen in der energie der begriffsbestimmung bei den buchungen auf der verschiedenartigen deutung des zweiten compositionstheils beruhen, so ergiebt sich andererseits aus dem litterarischen gebrauche, dasz die üble nebenbedeutung im laufe der zeit immer stärker herausgearbeitet wurde. das substantiv ist gern mit bestimmungen verbunden, die meistens dieser nebenbedeutung dienen.
1) das substantiv in verbindung mit näheren bestimmungen:
a) durch die gewinnsucht und begierde wiederumb in posses voriger reichthumen zu gelangen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 239; die pförtnerin war von der gewinnsucht, und begierde angereitzt, ihre wohlthäterin ... nach äusersten vermögen zu dienen. der im irrgarten der liebe herum taumelnde cavalier 127; so bald anstatt der freiheit der zwang in den wirthschaftlichen verhältnissen eingeführet und der kampf der emsigkeit, der gewinnsucht und der sparsamkeit durch

[Bd. 6, Sp. 6094]


menschliche und willkührliche gesetze geleitet werden will. (Isaac Iselin) versuch über die gesellige ordnung 71; die standhafte treue der alten welt; als diener aus ergebenheit schwizten, nicht aus gewinnsucht. Wieland Shakespeare (wie es euch gefällt 2, 3 for duty not for meed; nicht um lohn Schlegel) 2, 50.
und ob zwar auch ihrer vil ... solche bedinung des gemeinen nutzens, aus ehr- und gewinnsucht angetreten. Butschky Pathmos 381; fern von ihren stürmischen begierden, von den sorgevollen bemühungen des ehrgeitzes und der gewinsucht, fühlt der weise freund der wissenschaften den werth des lebens. C. C. L. Hirschfeld der winter 292; dasz weder der eitele ruhm, noch die gewinnsucht diejenigen, welche mit pappiere umgehen, ... solche pappierene wahren denen herren buchhändlern an ihre officin zu hefften veranlasse. Frid. Frisius künstler und handwercker ceremonialpolitica 5 (vorrede);

gewinnsucht und eitelkeit
sind die werbofficiere der schlechtigkeit.
ist das handgeld aufgezählt,
nimmt gewissen das fersengeld.
Grillparzer 35, 210;

dasz die französischen fabrikanten, welche an der industrieausstellung theil genommen, an gewinnsucht und eitelkeit mit einander gewetteifert haben werden, das lässt sich wohl denken. Börne schilderungen aus Paris nr. 26; wann solches ... aus einer frommen einfalt herrühret, so ist es kein vorsetzliches beginnen, aber aus leichtfertigkeit und verbottner gewinnsucht, da ist es ein grosse gottlosigkeit. Abele künstl. unordnung 2, 319; ich weiss, was ich der gnade eurer durchlaucht schuldig bin, und ich glaube nicht zu den feilen menschen zu gehören, die aus leichtsinn oder gewinnsucht die heiligsten bande auflösen. Schiller briefe 7, 150; kriegeswuth und rechnende kleinliche gewinnsucht haben hierzu einander die hände geboten. H. Meyer schriften zur kunst 119 (litteraturdenkm.); verzweiflung, gewinnsucht machte ihn zum spieler. Iffland (der spieler 1, 2) 3, 8;

ihn, der den durst der ungezähmten lüste
und der gewinnsucht rechtvergessend stillet.
Chr. v. Stolberg Oedipus in Theben, s. werke d. brüder St. 13, 155.


b) der kornhändler selbst läuft, durch übertriebene gewinnsucht, am meisten gefahr. Garve übers. d. Adam Smith (4, 5) 3, 161 (excess of avarice); sondern sich auff die wörtliche einstellung ihres unersättlichen geitzes, der ihr gesetz ist, in den fuszpfad einer plagenden gewinnsucht tretten. Simplician. Jan Perus (1, 4) (1672) 1, 47; und wie hat eine stolze, trotzige gewinnsucht euch fast allenthalben auf einen so andern weg gelenket! Herder (ideen z. philos. d. gesch. d. menschh. 7, 5) 13, 288; denn auch dieser staat, ob er gleich auf den niedrigen grund erobernder gewinnsucht gebauet war, hat grosze seelen erzeugt. (12, 4) 3 (1787), 108; hat nicht die liebe zur doppien und die barbarische gewinnsucht in diesen erbärmlichen schauspielen die vornehmste person vertreten. la doppia impiccata (1648) 41; dasz der verdacht einer neidischen gewinnsucht, hoffentlich, von selbst wegfallen wird. Lessing (vorbericht zu Hogarths zergliederung der schönheit) 53, 368; so ist nicht zu vermuthen, dasz er aus schmutziger gewinnsucht es daran werde fehlen lassen. (leben und leben lassen § 6) 163, 468.
c) die gewinnsucht des kaufmanns. Hamann (zu Dangeuil) 1, 31 Roth; und ich ohne diese vorsicht also leicht der indiskretion und gewinnsucht eines buchhändlers oder schauspieldirektors anheim fallen könnte. Schiller (zu don Karlos) 5, 1, 4; aber die zeiten der gefahr sind vorüber, die bürger sind zur gesetzlichkeit erzogen, und der versicherungszins ist durch die gewinnsucht der regierungen so grosz geblieben, als er ursprünglich gewesen. Ludw. Börne (fragmente u. aphorismen 284) 33, 445; die wahre ursache von diesem uebermasze in der menge des umlaufenden papiergeldes lag in der gewinnsucht einiger verwegnen projectmacher. Garve übers. d. Adam Smith (2, 2) 22, 53; ein saubere handthierung! welche der beutelschneider zech nicht unehnlich, dero gewnsucht endlich auf den galgen verrathen wird. Abele künstliche unordnung 1, 26.

[Bd. 6, Sp. 6095]



d) der eifer der gewinnsucht schuf die anfangsgründe der mathematik, mechanik, physik, astronomie und geographie. G. Forster ansichten vom Niederrhein (25) 2, 428; die zerrissenheit mehrt auflagen und aufpasser, hindert die volksentwickelung, mindert den gemeingeist, bringt auf die schauderhaftesten abwege der gewinnsucht. F. L. Jahn (runenblätter) 1, 415 Euler.
2) einförmiger ist der gebrauch auszerhalb solcher verbindungen:
a)

lasz andre Peru sehn
und aus gewinnsucht sich durch klipp' und strudel drehn!
dein Clargen wird dir ietzt ein besser gold-land weisen.
J. C. Günther2 786;

aus gewinnsucht, per l'amore del guadagno. Rädlein 1, 384a; ich habe nie aus gewinnsucht unrecht gehandelt. Lichtenberg (nachrichten über sich selbst) 1, 9; durch gewinnsucht angetrieben, forderte er oft selbst die gesellschaft zum spiel auf. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 204; ein andrer. der als ein edler spieler gerühmt wurde, und in der that ohne gewinnsucht mit einer gleichgelassenen und freundlichen miene spielte. S. v. La Roche frl. v. Sternheim 77.
b) ich halte dieses, für eine gefährliche und recht thörichte wette, dazu ihn ohn zweifel die gewinn-sucht nur getrieben. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 1) 2, 355; ich will also nur hinzusetzen dasz diese gewinnsucht am allerthörichtesten in denen spielen sei, wo nichts auf die kunst der spieler, sondern alles auf den blinden zufall, oder auf das glück ankommt. Gottsched in den vernünft. tadlerinnen 1 (1725), 110; und auf seiten des lebens: war ihre frömmigkeit heuchelei: ihre gerechtigkeit geistlicher hochmuth: ihre werkheiligkeit gewinnsucht. Herder (antrittspredigt 1767) 31, 25;

wer bin ich? — ein guter bürger, den der kitzel
der herrschsucht nie in seinem leben stach,
und seit dem krieg' ein ehrlicher soldat;
zum feldherrn machte die gewinnsucht dich.
Wieland (miscellaneen: 6 Aristophanes Acharner 2. act.) 34, 298;

angesehene kaufleute nahmen keinen anstand, leib und seele zu verschachern, um an den einkünften eines verwaltungsrathes theil zu nehmen. — und wie verschieden die gewinnsucht das wesen ihrer sklaven formte! G. Freytag (Karl Mathy) 22, 371.

 

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