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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnst bis gewinnstfeind (Bd. 6, Sp. 6083 bis 6092)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnst, (richtiger) gewinst,m. (auch n.), jüngere nebenform zu gewinn (s. d.).
1) älteste belege, abgrenzung gegen gewinn, formen.
a) die mit dem t-suffix gebildete nebenform, bei der der geminierte nasal, wie bei brunst, kunst u. a., in eine dentalverbindung überging (vgl. auch oben sp. 5981), ist zum ersten mal in einer Zwettler handschrift des 13. jahrh. der Salomonischen glossen überliefert, falls die form giwnst (adeptio gwnst, gunst Steinmeyer-Sievers 2, 24) hierher zu ziehen ist. dafür spricht die lateinische parallele (vgl. gewinnung sp. 6098), dagegen die längere pause in der überlieferung und noch mehr, dasz die späteren belege älteren schlages auf Mittel- und Niederdeutschland weisen, wo die form auch heute noch bodenständig ist, vgl. die mundartlichen buchungen für winst sp. 5883.
die nächste (und sichere) spur liegt auch in einer niederd. urkunde vor: wan se dat van gik esschet, dat ghii ock nenen hoppen kopen edder vorkopen willen, dar ghii ghewinst uth soyken willen. hopfenmesser-eid v. 1438, urk.-buch der stadt Hildesheim 4, 229; dazu vgl. die belege aus der jüngeren glosse zum Reinke de vos (s. u.) und aus mitteldeutschem gebiete Trochus (vocab. rer. prompt. Lipsiae 1517): lucrum, gewinst T 1a. dasz Luther die form gewinst gegen gewinn vordringen läszt, ist oben (sp. 5882) bemerkt, die belege ergeben für ihn beschränkung auf den begriff des erwerbs, aber innerhalb dieses rahmens bemerkenswerte beweglichkeit (nomen actionis neben sachbedeutung, erweiterter und übertragener gebrauch neben dem engen geschäftsbegriff). der nicht viel spätere (mitteldeutsche) Faber verzeichnet daneben auch die beziehung auf das spiel; er kennt keinen verschluszlaut am ende: quaestus, articificium ipsum pecuniae lucrandae, et lucrum, ein hantierung, gewiens. 668a; palmam alicui praeripere, den gewins oder kleinod, einem abdringen. 581b; die gleiche form findet sich auch bei Kirchhof milit. discipl. 136 (gewinsz) und bei dem Elsässer Wickram 2, 345 (gewinnes); in beiden fällen handelt es sich um den gewinn im spiel. vgl. auch die var. gewinsz neben gewinst Luther 6, 56 Weimar.
b) die späteren buchungen halten sich für lange im rahmen des begriffes lucrum, für den die form gewinst (später in concurrenz mit gewinnst) durchgeführt wird.
α) die ältesten zeugnisse entstammen hier meist wörterbüchern, die der form gewinn zurückhaltend gegenüber stehen. so giebt Corvinus (fons lat.) für lucrum zwar gewinn an (für compendium: gewinst), läszt aber in den festen verbindungen gewinst vordringen (nur für palma setzt er gewinn, ebenso gewinn tragen). noch weiter geht A. Reyher, der schon in der gleichung für lucrum, quaestus, gewinst einsetzt; s. theatr. rom. teut. 2, 4176; 3, 904. dazu vgl. aus beiden die verbindungen: captare lucrum, gewinst suchen. Corvinus 137; desgl. (neben wucheren) Reyher 2, 4176; hiare ad lucrum, offen stehen zum gewinst. Corvinus 374; einen gewinst an etwas machen. Reyher 3, 904; grossen gewinst schaffen. 2, 4177; etwas für gewinst achten. ebenda; reicher gewinst 3, 2059; kleiner gewinst (quaesticulus) 3, 900.
β) einige wörterbücher stellen beide formen als gleichberechtigt dar, bevorzugen aber bei den wortverbindungen doch die eine oder andere: gewinn und gewinst, lucrum. Duez (1664) 461a; vgl. auch 199a; dazu vgl.: das bringt nicht

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vil gewinst. ebenda; gewinn und gewinnst. Stieler sp. 2544 (in den verbindungen überall gewinn; nur gewinnstes halber). die späteren, die gewinst für lucrum buchen, verweisen jeweils auf die geläufigere form gewinn, so Rädlein 1, 384a; teutsch-engl. lex. 2 (1716), 774; Steinbach 2, 1029; Hederich 1, 1425; Rondeau 2, Uu 3e; Schwan 1, 746b; Frisch nouv. dict. d. pass. 2, 280; Hilpert 2, 1, 465a; gewinst ist minder gewöhnlich, als gewinn, lucrum. Frisch 2, 451a.
γ) eine auf bedeutungs- oder gebrauchsunterschieden fuszende abgrenzung setzt erst zu ende des 18. jahrh. ein, sie bindet unsere form irrthümlich an die beziehungen zum spiel und wettkampf: gewinnet, gewinst, praemium, praemia victorum. Aler 1, 938a; der gewinst, so denen auffgesetzet ist, die nach der scheibe schiessen, a price for such as shoot at the mark. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; der gewinst oder die belohnung des obsiegers. ebenda; der gewinst im spiel, das gewonnene geld, your winning. ebenda; gewinst ... was man in jeder art von wettstreite gewinnet oder gewinnen kann ... in welcher bedeutung gewinst üblicher ist als gewinn. Adelung 2, 666; das gleiche (ohne die gebrauchsfeststellung) Campe 2, 365b; gewinst ... was man im spiele gewinnet, ohne plural ... wo gewinst und gewinn gleich häufig gebraucht werden. Adelung 2, 666; ähnlich Campe, der aber gewinn hier als das 'allgemeinere wort' kennzeichnet. dazu vgl.: die gewinste austheilen, den groszen gewinst erhalten, des gewinstes wegen spielen, seinen gewinst unter die armen vertheilen. Adelung, Campe (dort auch grossen gewinst machen) u. a. den geschäftsbegriff des erwerbs behandelt Adelung zwar an erster stelle, bemerkt aber: in dieser bedeutung ist gewinn in der edlern schreibart beinahe üblicher. 2, 666. es ergiebt sich also nach Adelung für gewinn und gewinst eine übereinstimmung der bedeutung; dem jüngern gewinst ist ein theil der verwendungen von gewinn zugänglich. hier steht es dem concurrenten für den geschäftsbegriff des erwerbs nach, während es ihm für den spielgewinn gleichkommt und für die sachbedeutung des preises im wettkampf und wettspiel über ist. in beiden letzteren richtungen schränkt Campe die geltung von gewinst mehr ein, und zwarwie sich zeigen wird (s. u.) — mit recht. anders und einseitig urtheilt Heynatz: gewinst, oder, wie andere ohne noth schreiben, gewinnst, musz nicht für gewinn oder vortheil, sondern blosz von dem glücklichen ausschlage gebraucht werden. Luther hat apost. gesch. 19, 24 und weish. 15, 12 gewinst, wo es schlechterdings gewinn heiszen musz, in mehrern andern stellen hat er richtig gewinn. Antibarbarus 2, 57; vgl. auch 56.
δ) unsere abgrenzung von gewinst gegen gewinn wird innerhalb der zuständigen gebrauchsgebiete (erwerb, kampfpreis, spielgewinn) auf mundartliche färbung und auf stilistische gegensätze (namentlich auch individuelle neigungen) achten müssen:
1)) für die bevorzugung unserer form im niederdeutschen gebiet zeugen die belege für winst (s. o.); vgl. auch: gewinn ... gebräuchlicher ist winst. ten Doornkaat Koolman 1, 625a; de erste winnst is 'n kattenwinnst. Wander 1, 1655 u. a. in diesen mundarten ist der verwendungskreis zugleich ausgedehnter als in der schriftsprache, vgl. die sonderbedeutung des nomen actionis winst, das sich zugleich als fem. ausweist und dessen zugehörigkeit zu winnen, gewinnen durch eine ähnliche verwendung von gewinnet (s. d.) gestützt wird: he is in de winnst (in der besserung) Schütze Holstein. idiot. 1, 364; he kann de winnst nig kriegen (kann nicht zu kräften kommen) 4, 364.
der antheil, den die mitteldeutschen mundarten an unserer form nehmen, kommt schon in den oben besprochenen buchungen zum ausdruck, ebenso wie in zahlreichen der litterarischen belege; dazu vgl. gewinnstre, DWB gewinnst Weinhold beitr. z. e. schles. wb. 105b. vgl. kwinst (Geberschw.) kewenst (K. Zornthal) Martin u. Lienhart 2, 831b. beachtenswert unter diesem gesichtspunkt ist auch, dasz Luther und Göthe sich in der bevorzugung unserer form berühren.
2)) damit ist auch ein moment des subjectiven stils in den vordergrund gerückt; ein solches des objectiven ergiebt sich aus der gebundenen sprache, der die reimformel (ver-) dienst — gewinst gar geläufig ist; andere reimbindungen

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treten dem gegenüber zurück, sind aber mit zu würdigen: Christi verdienst ist unser gewinst. Henisch 1601; die gleiche formel Olearius poet. erstlinge 2; Angelus Silesius seelenlust 75; Göthe 56, 85; 2, 253; ebenso (dienst — gewinst) Fleming 1, 256; Göthe 1, 253; 3, 205; Schiller 11, 385; 12, 27; A. W. Schlegel 1, 89; Uhland 1, 250;

der schmelztiegel bringt dem gold nur gewinnst,
die hand der wahrheit zerreiszt des irrthums gespinnst.
Rückert (1. makame) poet. werke 11, 233;

ebenso 1, 257; Göthe 41, 34;

so zog das glück durch seine künste
schon in den reichsten lotterien
für seinen freund die hauptgewinnste.
Gellert (fab. u. erz. 3) 1, 278;

ebenso schon Besser 80; J. Günther ged.2 571; desgl. G. E. Müller vers. einer critik über d. dtsch. dichter v. 99; vgl. auch Wieland Lucian 4, 281; ganz vereinzelt ist der reim gewinnst — verzinst bei Grillparzer 25, 173.
ε) abgesehen von diesen einflüssen macht sich eine vorzugsstellung der form gewinst in den fällen geltend, in denen die begriffe erwerb und erfolg gegen einander ausgespielt werden. gewinn könnte für beide eintreten, gewinst nur für den ersten und befestigt sich deshalb an diesem platz: turnspiel geht um sieg und gewinn, aber niemals um gewinst. F. L. Jahn 2, 1, 95; frau Ehre hat sich den aufbieterinnen untergesteckt, wo das letzte wort als gewinn und gewinst gilt. 2, 793.
c) formengebrauch.
α) wo das genus erkennbar ist, zeigt sich überwiegend das masc.; nur einige male ist auch das neutrum belegt (vgl. das niederdeutsche neutrum für gewinn sp. 5890), so Olearius pers. baumgarten 24b.
β) der plural, dessen hauptgebrauch nach der theorie der grammatiken (s. oben sp. 5891) auf die sachbedeutung des preises (in wettspiel oder lotterie) fallen soll, ist dort durchaus nicht so oft belegt:
1)) vgl. sp. 6091 zur lotterie; vgl.: wenn eine billion gewinnste für einen einzigen fehler fiel, würdest du dreust genug sein, die würfel zu schütteln, und die freche wette mit gott einzugehen? Schiller (Fiesko trauerspiel 4, 14) 3, 130; wo die nummer auf der einen seite aus einem glücksrade und auf der andern seite die gewinnste oder nieten aus einem andern glücksrade herausgezogen werden sollten. Achim v. Arnim (die 3 liebreichen schwestern) 1, 260 W. Grimm; lose hängen alle kränze und gewinnste in dieser welt über den häuptern der menschen; auf wohlbedächtig gezimmerten leitern aber steigt man nicht zu ihnen empor, und die, welche die schönsten kränze tragen, rühmen nie ihre eigene kunstfertigkeit und ausdauer deswegen. im gewinn erkennen sie erst recht, welcher linde hauch, welche aura coelestis ihnen das glück oder die erfüllung ihres wunsches oder das grosze wirkliche kunstwerk zuwarf. W. Raabe alte nester 2, cap. 15.
2)) viel häufiger ist gewinste für den geschäftsvortheil beobachtet, wo es nach Adelung einen plural nicht kennt, ja es scheint hier geradezu die pluralform zum singular gewinn zu bilden:
a)) zum andern, welcher allein grossem gewinn nachschnappet, wird schwerlich zu grossen reichthumen kommen. entgegen, welcher ganz im ungewissen verbleibet, wird kaum dem unglck entfliehen. wird derowegen gut sein, die ungewisse gewinnste mit gewissen zu versehen, damit man den schden zu hlffe komme. Schupp schriften 606 (kunst reich zu werden); man könnte glauben, der von einem capital gezogene gewinn sei im grunde nur eine andere art von arbeitslohn ... aber die sache verhält sich in der that anders. jene gewinnste sind ihrer natur nach von dem erwerbe des arbeiters gänzlich verschieden (the profits of stock ... they are ... different). Garve übers. v. Adam Smith's nationalreichthum (1, 6) 1, 87 (vgl. auch: die gewinnste von dem in manufacturen gesteckten kapital ... das kapital ... wirft ... einen gewinnst ab. 3, 408); nicht der unmittelbare gewinn, welchen der kaufmann bei seinem geschäftsbetriebe durch gewinnste beim preise seiner waaren macht. Lotz revis. d. grundbegr. d. nationalwirthschaftslehre 2, 103. dazu vgl.:

diesz heilig träge volk sann einzig auf gewinnste,
besorgte seinen bauch, und segnete die künste.
G. E. Müller versuch einer critik über d. dtsch. dichter v. 99 (litt. denkm. 12, 51);

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ich profitiere von den künsten und gewinsten meiner beiden herren (τέχναις καὶ κέρδεσι). Wieland Lucian 4, 281; dasz die neun ganz fröhlich und guter dinge thun, wenn die zehnte blume, die der begierige aus diesem kranze pflückt, mit ihm verschwindet. vielleicht legen sie die gewinnste zusammen, so hat auch diejenige, die wohl tage hinter einander unglücklich auf der jagd gewesen ist, mit den schwestern etwas zu beiszen. E. M. Arndt reisen (bruchst. einer reise durch Frankreich 2) 5 (1802), 327; ganz anders ist es bei dem landmann; da geht die sache langsam aber stetig, kleine verluste gleichen sich durch kleine gewinnste aus, fehljahre durch gute jahre. Jer. Gotthelf geld u. geist2 (1850) 28; da die kleinen, ruhigen, sicheren gewinnste, die er beim verkaufe dieses oder jenes grundstückes einstrich, ihn im grunde langweilten ... Thomas Mann Buddenbrooks (4, 3) 1, 256.
b)) in ähnlicher bedeutung, nur an der grenze der übertragung, ist der plural schon in einem der ältesten belege beobachtet: de is idel, dede deinet dem heren. und welk sint de gewinste, wente wi hebben bewaret sine gebode. Maleachi 3, 14 Halberstädtsche bibel v. 1522 (et quod emolumentum quia custodivimus praecepta eius. was nützet es. var.: was nutzes haben wir darvon das. Luther). dazu vgl.: an dem ersten orte der kaiserinn von Östreich nicht unbekannt geblieben zu sein, an dem letztern den könig von Holland näher gekannt zu haben, waren grosze gewinnste, an denen ich mich immer werde zu erfreuen haben. Göthe (an Reinhard) br. 21, 390 Weimar;

zerrt unnützeste gespinnste
lange sie an licht und luft,
hoffnung herrlichster gewinnste
schleppt sie schneidend zu der gruft.
Göthe (Faust II, 1) 41, 34

(herrlichsten gewinnstes H.12 s. 15, 2, 18 Weimar).
γ) beim lautkörper ist auf den geminierten nasal aufmerksam zu machen, der von der hauptform gewinn aus auch auf die nebenform übergriff, vgl. gewinnsthaft neben ungewinsthaft bei Frisch, vgl. die varianten gewinnst und gewinst bei Schiller u. a. zu ende des 18. jahrh. überwog noch immer der einfache nasal, er wurde aber nicht als das ursprüngliche, sondern als eine einbusze empfunden: eigentlich sollte es gewinnst geschrieben werden; allein um die häufung der mitlaute zu vermeiden, lassen mehrere verbalia auf st das eine n weg. Adelung 2, 666. Jacob Grimm schreibt in seiner grammatik gewinst, wo er die form wissenschaftlich behandelt, aber gewinnst, wo er sie im text verwendet. in der ersten hälfte des 19. jahrh. überwiegt gewinnst in der litteratursprache, seitdem haben die fachwissenschaftlichen darstellungen (so die wörterbücher) der ursprünglichen form gewinst den boden wieder zurückgewonnen. unsere anordnung folgt aus praktischen gründen, um gewinst nicht zu weit von seiner sippe zu trennen, der üblichen schreibung (gewinnst).
2) für die gebrauchsformen der bildung gewinst empfiehlt es sich, von der bei gewinn beobachteten gliederung abzuweichen und mit derjenigen verwendung zu beginnen, die in der älteren zeit am häufigsten belegt ist, der bedeutung erwerb.
a) wie gewinn, so hält auch gewinst für den begriff des erwerbs an den functionen eines nomen actionis fest.
α) die verbindung mit einem abhängigen genetiv: die vorlust ewiger selickeit und gewinst ewiger dampnisz. Luther (wider die bulle des endchrists) 6, 625 Weimar; genau so (urtheil d. theol. zu Paris) 9, 727; mit geringem verlust der unkosten, aber mit grossem gewinst der gottesfurcht. Opitz opera (geistl. poemat.) 3, 253; und da er nicht gelernt hat unter dem gewinste oder verluste der krone, des reichs und der unterthanen einen unterschied zu machen. Lessing 43, 343 (aus der Berliner privel. zeitung); mit dem process ... sehet euch vor, denn es werden sich hundert procuratores finden, die euch den gewienst der sachen versprechen, welche ihr doch verliehren werdet. Stranitzky ollapatrida des durchgetriebenen Fuchsmundi (21) 132 R. M. Werner; erbärmliche philosophie, deren gewinnst man nicht wohlfeil gnug kaufen kann. Herder (archäologie des morgenlandes) 6, 85; bei seinem genie, seinem talent, seiner thätigkeit, ist der vortheil seiner reise für die wissenschaften ganz incalculabel, ja man kann behaupten, dasz er über die schätze,

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deren gewinnst ihm bevorsteht, künftig dereinst selbst erstaunen wird. Göthe (an Wilhelm v. Humboldt 26. 5. 1799. über A. v. H.) br. 14, 102. dagegen vgl. als beispiel für subjectiven genetiv und für sachbedeutung: würden sie dann die gnade haben, mir den gewinnst der ersten vorstellung meines Fiesko mit aufgehobenem abonnement zuzusprechen. Schiller (an Dalberg) br. 1, 72.
β) mehrere der obigen beispiele zeigten die zusammenstellung verlust und gewinst, die die functionen des nomen actionis stützt (im gegensatze zu der verbindung von schaden und gewinnst, s. u.). dazu vgl.: szo sei da ein interesse des vorlirensz neben dem interesse des gewinstis. Luther (sermon von d. wucher) 6, 54; die ursache, dasz noch kein hiesiges theater von bestand gewesen ist, scheint diese zu sein, dasz man vorhin den komödianten selbst die sorge überlassen hat, für ihren verlust und gewinnst zu arbeiten. Joh. Elias Schlegel (ged. über d. theater) 3, 252; wenn jedes, was wir hoffen oder fürchten, in vergleichung derjenigen güter, welche wir besitzen, nichts merkliches beiträgt, so dasz der gewinnst uns nicht viel reicher, und der verlust uns nicht viel ärmer machen kann. Kästner (vom gebrauche der glücksfälle) 3, 72; gewiss auch hast du recht dass der gedancke im menschen das beste ist, von dem capital das er doch hat, und wie er mit wuchern möchte, um es aufs tausendfältige zu treiben, es entstehe draus gewinnst oder verlust. Göthe (an Lavater) br. 3, 119.
γ) auszerhalb solcher verbindungen:

dasz ich in den keuschen armen
hoch-erfreulich mög erwarmen,
mit unauffhörlichem gewienst.
Angelus Silesius heilige seelenlust 75 Ellinger;

da ich einmal im gewinnst sitze; so fällt mir alles zu, da ich aufmercksam bin des glücks zu gebrauchen; so vermehrt sichs täglich, und ich verschleudre nichts. wäre das was ich gewinne geld; so wollt ich bald eine million beisammen haben. Göthe (an frau v. Stein 1782) br. 5, 326; solche, die ... keine andere weltgeschichte kennen als die des genusses und gewinnstes. E. M. Arndt schriften f. m. l. D. 2, 323.
b) der übergang zum collectivbegriff und zur sachbedeutung des erwerbs.
α) einen weiten rahmen für die bedeutung erwerb ziehen hier schon die ältesten belege, und im späteren wird dieser umfang auch durch mannigfache übertragungen offen gehalten:
1)) die heiligen werden seuberlich und mit gewinst gestrafft. als hie Sara wird gestrafft, das sie Abraham hatte bruder genennet, und kriegt grosse wolthat. Luther randbemerkung zu 1 Mos. 20, 16 (Bindseil 7, 480);

wil ich ehre dir erzeigen,
und dein heiliges verdienst,
mir zueignen zum gewinst.
Joh. Gottfr. Olearius (kom du wehrtes lösegeld) Jesus! poet. erstl. 2;

ob aber der verdiente lohn der arbeit ... auszer der einfachen arbeit noch ein ergebnis der sorge, des geschickes und dadurch zum gewinnst werden soll. G. Keller (grüner Heinrich 2, 15) 1, 388; ebenso (führ ich euch zu himmlischem gewinnste) A. W. Schlegel (bund d. kirche m. d. künsten) 1, 89; (lesender zerstreuung zum gewinnste) Fr. Rückert (d. deutsche stadt) 1, 257; denn ich suchte die wahrheit nicht um zeitlichen gewinsts willen, sondern um ihrer natürlichen schönheit willen. Joh. Chr. Edelmann selbstbiographie (1752) 342 Klose; einen so gelehrten ... mann ... aufzunehmen ... ich erfreue mich über diesen neuen gewinst unsrer gesellschaft. Gottsched an Bodmer 1737, s. zeitsch. d. unterr. 11, 366; siehet er aber, dasz freunde nicht freunde sein, so achtet ers vor ein gewinst das feld zu verlassen. Olearius pers. baum-garten (1, 33) 24b;

ihn dulden, tragen und vielleicht an ihm,
was freude bringen kann, am guten tage
als unerwarteten gewinnst genieszen.
Göthe (Tasso 4, 5) 9, 217;

es ist ihm nicht um des kaisers dienst,
was bracht' er dem kaiser für gewinnst?
was hat er mit seiner groszen macht
zu des landes schirm und schutz vollbracht?
Schiller (Wallensteins lager 6) 12, 27.

[Bd. 6, Sp. 6088]



2)) dewil se nenen gewinst segen ... sunder in ein frei, christlich, gemein concilium wollen vorwilligen. Hamburg-Hansische jahrb. (z. j. 1537) Lappenberg 310;

was hilffts, wann einer gleich viel weisz
und hat zuforderst nicht mit fleisz
gelernet deine furcht und dienst?
der hat mehr schaden als gewinst.
Paul Gerhardt 'herr aller weisheit quell u. grund';

ihren ausbruch abzuwehren,
brächte mehr für dich gewinst,
um den kampf nicht zu erschweren,
den du gegen mich beginnst.
G. A. Bürger (elegie; als Molly ...) 96 Sauer:

ebenso (gewinst bringen) Göthe (Tasso 5, 2) 9, 227; dasz ich nicht aus allen gefundenen sätzen den gewinnst, dessen sie fähig sind, zu ziehen verstanden habe. J. Grimm vorrede z. deutschen gramm. 12, 5; er versprach sich keinen kleinen gewinnst, wenn man auch andre stände eine solche musterung könnte paszieren lassen. Lessing (verm. schr. des hrn. Christlob Mylius, 4. brief) 63, 403;

natur gab dir so schöne gaben,
als tausend andre menschen nicht haben;
sie versagte dir aber den schönsten gewinnst,
zu schätzen mit freude fremdes verdienst.
Göthe (invectiven: Kotzebue) 56, 85;

lasset ewer kinder und diener lernen ... on gotes worth vorlernet man nichts. es ist eitel himli(s)cher gewinst. Luther (predigt) 29, 472; ganz ähnlich Fleming 1, 256; (ist unser gewinst) Henisch 1601;

das edle zu erkennen ist gewinnst,
der nimmer uns entrissen werden kann.
Göthe (Tasso 3, 2) 9, 178;

ähnlich Th. W. Brox Hermann 321 E. Wedekind; (ein redlicher gewinst) Göthe west-östl. divan (buch des unmuths); (ist ein groszer gewinnst für mich) br. 10, 103; ebenso 10, 12; desgl. 11, 100 (gewinst genug); ebenso Klinger (Raphael de Aquillas 4, 6) 4, 218; vgl. auch A. F. v. Schack ein halbes jahrh. 1, 110; selbst meine erlittene gefangenschaft schien mir ein gewinnst. Börne (die carbonari) 23, 239;

doch das ist gar kein grosz verdienst,
denn liebe bleibt der höchste gewinnst.
Göthe (sprichwörtlich) 2, 253.

vgl. auch (ob er ... zum gewinnst werden soll) G. Keller (grüner Heinrich 2, 15) 1, 388; (es keimt uns noch gewinst) G. A. Bürger als Molly sich losreiszen wollte;

sein mädchen kommt — o gewinnst! o glück!
jüngling, tauschest deine blüthen um einen blick!
Göthe (parabolisch: autoren) 2, 213.

vgl. auch Göttinger musenalmanach v. 1775.
β) der engere geschäftsbegriff: als im capitel elemphaal (das heisst gewinst oder nutz) spricht er (der coran). es seind etliche gewinst gottes und des apostels, und man solle, den fünfften teil des gewinsts gotte geben. Luther (verlegung des Alcoran bruder Richardi) 8, 27a Jena; die einkünfte, die von der arbeit kommen, heiszen der lohn der arbeit; die, welche ein kapital demjenigen bringt, der es selbst zu einer nützlichen beschäftigung anlegt, haben den namen gewinnst. Garve übers. v. Adam Smith's nationalreichthum (1, 6) 1, 94; der geistliche vater kann oft in eben diesem falle sein, ... den gewinnst seine Minerva, und die nothwendigkeit seine begeisterung sein zu lassen. Lessing (verm. schr. d. Mylius) 63, 396;

sein abgott war erwerb (var. gewinnst), sein zweck sich reich zu darben.
Lichtwer fabeln 4, 5: der hamster;

so sei du mein gott, gewinnst; denn dir allein will ich dienen. Wieland Shakespeare (könig Johann 2, 6) 3, 366 (gain).
1)) dat se kopenschop angefangen, schepe gebuwet, beer gebruwet ... averst entlick hebben se weinich gewinstes ia wol mer schaden alse nuttes darvon erlanget. jüng. glosse z. Reinke de vos 3, 8 Brandes s. 165; und ine von den selbigen nit weniger dann ire geitzigkeitt erfordert, gewinstes komm (lucri minus redeat). Hutten (Vadiscus) 4, 195; ein theil dieses gewinnsts gehört ... dem borger, der die gefahren der gewinn bringenden unternehmung läuft ... ein andrer theil dem ausleiher, der ihm die gelegenheit verschafft hat jenen gewinnst zu machen. Garve übers. des Adam Smith 1, 94; die hoffnung desz gewinstes machte sie fleiszig. Opitz übers. d. Argenis (3, 12) 1, 501; das maul mit der hoffnung eines

[Bd. 6, Sp. 6089]


grossen gewinstes wässerich machten. Schnabel insel Felsenburg 1, 278 Ullrich; mit endung desz gewinstes. Opitz übers. d. Argenis (3, 22) 1, 577; der verlust des vertrauens ... des gewinnstes, des credits. Chomel 1, 507.
ists gewinsts halber beschehen? Grimmelshausen Simplic. vi; und ihr gewissen eines so kleinen gewinsts halber so leicht an den nagel hängen. Ettner med. maulaffe 273; gewinnstshalber, spe commodi, sui gratiâ. Stieler 2544; welche üm verrähterischen gewinstes willen alle seine anschläge ... offenbahrten. Zesen verschmähte majest. (2) 256; weil er seines gewinnstes wegen eben so gern etwas eitles hersagen würde. Kästner (gedanken üb. d. christl. trag.) 3, 128;

die nur des gewinnstes wegen
nach den blumen gingen aus,
trugen doch aus waldgehegen
hellre mienen mit nach haus.
Friedr. Rückert (mailieder 52) 2, 343.


2)) denckt ... golt zu eriagen und stellet nach gewinst. Hutten (Vadiscus: lucri aucupes) 4, 164; das allenthalben in der wellt sitt worden ist auff gewinsz (var.: gewinst) zu leihen. Luther (v. wucher) 6, 50; freundschafft, die ... auf gewinst, auf glück, auf eigen nutz gegründet ist. Schupp freund in d. not 16 neudr.; ein volck, das auf den gewinnst so erpicht ist. Lessing (die juden 6) 13, 386; wenn ich auf den gewinnst gesehen ... so könnte ich jetzt bequem vier andre bände fertig haben. Göthe (an Göschen 1787) br. 8, 279.
ihre eigene weiber selbst, umb geringen gewinst, verkuppeln. Prätorius Turcicida Z 2b; um kärglichen gewinnst. Gerok palmblätter25 33; nicht um wollust noch gewinnst. Göthe (d. gott und die Bajadere) 1, 253; anders: ihre närrische antwort bringt sie um einen gewinnst von etlichen ducaten. Lessing (theatral. nachlasz) 33, 298;

die liebe zum gewinnst, die uns zuerst gelehrt,
wie man auf leichtem holz durch wilde fluten fährt.
Gellert (fab. u. erz. 1) 1, 23;

ebenso (aus begierde zum gewinst) J. Hassangs kurtzw. weiszh. dtsch. cap. 36;

und magst du's (das rosz) nicht haben zu eignem gewinst,
so bleib es gewidmet dem göttlichen dienst.
Schiller (graf v. Habsburg) 11, 385 (var. gewinnst);

ebenso (nimm's hin dir zum gewinnste) Uhland (junker Rechberger) 1, 250 E. Schmidt; wie wär' es, man suchte ihn durch gewinnst zu locken? Göthe (die aufgeregten 4, 6) 15, 69; da ich für einen elenden gewinst mich allenthalben zur schau aussetzen, mich von jedem unverschämten auge begaffen lassen ... musz? Wieland (don Sylvio v. Rosalva 5, 11) 12, 90;

wenn ich ob einem irrdischen gewinnst
den lügen folgen, sie beschützen will.
Zach. Werner (Martin Luther 4, 1) (1807) 245;

sein bäurischer verstand ersäufft sich im gewinnste.
J. C. Günther ged.2 571;


3)) ghewinst soiken Hildesheimer urkunde von 1438 s. o.; die dem volck furstehen und darinn ihren gewinst suchen, das sie ihren wanst weiden (var. gewin). Luther (epistel S. Petri) 12, 390 W. (vgl.: und ihres nehsten schaden suchen inn ihren gewinst. 6, 49); geben für, man müsse allenthalben gewinst suchen .., die suchen als geistliche handelsleute auf dem jahr-marckte ihres lebens zwar auch gewinst, aber einen himmlischen gewinst ... Prätorius 100 auserles. abdanckungen (36) 212; und haben also ein hantierung aus ihrer jungfrawschafft gemacht, das sie fur gott wllen gewinst damit treiben. Luther (7. cap. S. Pauli z. d. Korinth.) 12, 136; der besitzer der actie ziehet nur den fallenden gewinnst. J. H. G. Justi dtsch. memoiren 3, 39; der werth ... löset sich in diesem falle in zwei theile auf: in den lohn, welchen der arbeiter für seinen fleisz bekömmt, — und in den gewinnst, welchen der unternehmer von dem gelde zieht. Garve übers. d. Adam Smith (1, 6) 1, 86; manche dieser zelte sind die ganze wohnung ihres besitzers, und dieser zieht in der nacht oft mehr gewinnst davon, als bei tage. E. M. Arndt reisen ... 4, 250; man hat predigens kein glück oder gewinst, ja viel mehr wird man noch dafur von der welt verfolget. Luther (pred. üb. 5 Mos. 5) 28, 603; ähnlich (hat ... seinen guten gewinst) Ettner med. maulaffe 273; ich glaube also ... weder gewinnst an der einnahme noch schaden von der

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auszgabe haben. Carl August zur reform des Weimarer theaters, s. Wahle s. 22; zu gewinst machen vgl. Garve übers. d. Adam Smith 1, 94 (s. o.); dasz von dem gewinst, den mir die handlung brachte, ich wol als ein edelmann leben konte. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 520; was ich glaubte verloren zu haben, würde mir gewinnst bringen. Göthe (Benvenuto Cellini 1, 2) 34, 32.
aber die weil wir ... allein dem handell und sein gewinst oder schaden ansehen. Luther (v. wucher) 6, 49; Göschen läszt sich mit nichts ein wo er nicht unmittelbaren gewinst sieht. Göthe (an Kayser 1789) br. 9, 158;

der eine zählt im sack die groschen, gulden,
des schnöden wuchers schändlichen gewinst,
der nachbar hört's und denkt mit schreck der schulden,
die morgen fällig, lange nicht verzinst.
Grillparzer (bretterwelt) 25, 173;

so nimbt der apothecker den gewinnst auch mit. Ettner med. maulaffe 273; zwar glaube ich nicht, dasz man den gewinnst allezeit verachten musz. Lessing (die gefangenen des Plautus 2, 2) 43, 98; denn ob uns gleich Karoline schreibt, dasz sie ein projekt zu einer zeitung mit mir hätten, wobei 6000 thaler jährlich zu gewinnen ständen; so möchte ich doch indesz den kleinen gewinnst (aus der abhandlung über die grenzen der staatswirksamkeit) nicht verschmähen. Wilh. v. Humboldt an Schiller, Leitzmann s. 45.
überschlug eben, wie er den gewinst, den er auf den märkten damit zu machen hoffte, anlegen wolle. Heinr. v. Kleist (Mich. Kohlhaas) 3, 141 E. Schmidt; was meinen sie, wenn wir schaden und gewinnst bei unserm handel theilten? Lessing (Damon 5) 33, 192; man soll es (den schmuck) sogleich zu geld machen, befehl ich, und den gewinst davon unter die vierhundert vertheilen, die der brand ruiniert hat (variante gewinnst). Schiller (kab. u. liebe 2, 2) 3, 395; die ausgaben für essen, kleider, holz und die leidigen zinse frassen meinen kleinen gewinnst noch etwas mehr als auf. Bräker der arme mann im Tockenburg (6) 199; aber die dritte kann in kurzen allen gewinnst absorbiren. collectanea d. handels u. gewerbes (1754) 32; nachdem ihr den andern morgen abgesegelt waret, habe ich den andern beiden herren ihr bisgen gewinst auch noch wieder abgeholt. Bürger (an Dieterich 1778) bei Strodtmann 2, 175.
4)) dann din gewinst kumpt uth veler lde schade. jüngere glosse z. Reinke de vos 3, 12 Brandes s. 182; ein kleiner gewinst würde mir sehr wohl zu statten kommen. Lessing (weiber sind weiber 2, 1) 33, 295; da ... sich doch hiernach wieder der leidige, elende gewinnst richtet. Herder (würkung d. dichtkunst) 8, 428;

zu strömen kam ihm der gewinnst geflossen,
doch nahm er auch den kleinen gern zum groszen.
Uhland (Fortunat 2, 23) 1, 357 Erich Schmidt;

es giebt zum beispiel brotfabriken, die ... kornhandel, mehlfabrication und brotfabrication in einer hand betreiben, und bei denen ich glaube, dasz doch ein sehr groszer gewinnst stattfindet. Bismarck 8, 71 Kohl; mer seind sie der zeit karck dann keines andern dinges, zuvorann wo gewinst ist (lucrum ubi est). Hutten (febris secunda) 4, 122; gewinst mit unehren und schande, ist mehr ein schad. Corvinus 445; der apotheker und ärtzte gewinst ist schaden oder kranckheit: und der todengräber freuet sich auf sterben. Joh. Riemer apophthegmat. vormund 374; so soll hingegen der gewinst, den mein herr aus diesem processe zu gewarten hat, umb so viel grösser sein. Kuhnau music. quacksalber (31) 126 Benndorf.
sparsamkeit ist ein grosser gewinst, magnum vectigal parsimonia. Aler 1, 938a; ebenso Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181b; was der landwirth ... über seine unkösten ... aus seinem gute ziehet, ist gewinnst. (Is. Iselin) versuch über die gesellige ordnung 24.
c) die beziehung auf wettspiel und lotterie entwickelt fast ausschlieszlich sachbedeutung. für das nomen actionis kommen nur in betracht: so bricht mancher, so wohl in seiner frölichkeit, bei seinem glück und gewinnst, als auch in seiner traurigkeit und zorn, bei seinem verspielen in ungedult losz mit seinem sünden-schertz. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 57 (fraglich ist schon: so ist auch kein stern, glück noch segen bei dem spiel-gewinst. 87); wie er gestern abends mit einigen cavaliers ins spiel gerathen,

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einige zechins gewonnen ... hätte. ... der wirth ... wünschte ihm glück zu fernern gewinste. der im irr-garten der liebe herum taumelnde cavalier (1738) 73;

ja so! — spiel wie gewinnst! so wie
gewonnen, so bezahlt.
Lessing (Nathan 2, 2) 33, 46;

etwas zu spielen. das ist mir gesund, es macht dasz ich nie zu ordentlich mit meinem gelde werde, und verlust wie gewinst giebt mir immer eine gute und leichte laune in dem es das aller gewöhnlichste verrückt. Wilh. v. Burgsdorff (an Rahel) br. 34 Cohn.
α) der kampfpreis: schreib und ernennet der fürst einen schützenhoff, da ein ochs von 16 oder 18 thalern der best gewinst sein solte. Kirchhof wendunmuth (2, 142) 2, 192; wurde mir bei beendigung des turniers von den kampfrichtern der andere preisz zuerkannt, welches ein vortrefflicher maurischer säbel war ... machte mich aber ... nachdem ich meinen gewinst empfangen ... gantz hurtig zurücke. Schnabel insel Felsenburg (anhang) 1, 385 Ullrich. verblaszt liegt diese auffassung wol auch der folgenden wendung zu grunde:

liebster bruder, dir zu dienste
kommen gleich die nymfen an,
bringen dir von majoran
einen kranz heut zum gewinste.
Mart. Christenius auf Paul Fleming (607 Lappenberg).


β) der spielgewinn: was segens ein solcher gewinsz (im spiel) pflegt zu geberen, nemlich: wie gewonnen so auch zerronnen. H. Wilh. Kirchhoff militaris disciplina 136; ich bin ein schler des spils. darumb mir nit gar wol gebüren will umb ein gewinnes z ziehen; dann ich sorg, euwer gnad werd mir z scharpff sein. Jörg Wickram (goldtfaden cap. 30) 2, 345 Bolte; drum soll man das spiel von jugend auff fliehen, und bei dem spiele keinen gewinst suchen. Georg Wesenigk böse spielsieben 92; sie hatten aber den gewinst allen auff einen hauffen gelegt, den sie hernach gleich unter einander theileten. 164; er handelt wieder alle regeln des spieles, damit nur seine gebieterin das vergnügen haben möge, sein geld zu gewinnen. ... und was bildet sie sich mit dem gewinste ein, den ihr Amyntas freiwillig überlassen hat. Gottsched in den vern. tadlerinnen (1, 14) 1, 110; der gewinner (im spiel) zieht den gewinnst mit aller schonung, oft mit bedauern ein. Klinger (betracht.) 11, 278; dazu vgl. die übertragungen:

ein tempelherr, dem sultan Saladin
das leben liesz? ...
der seinen unvermutheten gewinst
frisch wieder wagte.
Lessing (Nathan 1, 1) 33, 7;


γ) der lotteriegewinn: und ich will ihnen im voraus von herzen wünschen, dasz ihr loos den gröszten gewinnst mag erhalten haben. Gellert (das loos in d. lotterie 1, 1); will mir herr Simon, wenn er erfährt, dasz das loos mein gewesen ist, aus eigenem antriebe etwas davon geben: so will ichs mit vielem danke annehmen. wo nicht, so mag er den gewinnst behalten. 349; warst du nicht ... wie ein Türk wider die lotterie? ich wollte dir eher nichts von meinem spiel sagen, bis ich dir mit einem schönen gewinnst eine freude machen könnte. J. L. Huber das lotto s. 16; dasz schon viel schöne gewinnst ins dorf gekommen sind. ebenda; schwärmen von gewinnsten, die nie ... gezogen werden. s. 40; war seine erste schnell hervordringende frage wieder von dem gewinnst, den er aus der lotterie hofte. Lavater aussichten in die ewigkeit 4, 122; bis deine antwort kommt, verschweig ich ihm den gewinst. Göthe (an Lavater 1781) br. 5, 59; und man war im begriff ihn nach der residenz zu ziehen ... als er einen ansehnlichen lotteriegewinnst that, sich ein mäsziges gut kaufte ... Göthe (wahlverwandtschaften 1, 2) 17, 24; übertragen:

des lebens güter sind in weiter ferne,
wenn ein verlust so nah' wie diese leiche,
und niemals ein gewinst kann mir ersetzen,
was mir auf diese nummer fehlgeschlagen.
H. v. Kleist (familie Schroffenstein 5, 1) 1, 150 Erich Schmidt;

durft' ich denn zu greifen wagen
nach des lebens hauptgewinnst?
Friedr. Rückert (liebesfrühling 6, 57) 1, 620.


 
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gewinnst-adler, m., s. zu gewinnst 2, c, α: den kalten staatbeamten, der später den staat für eine

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schützen-gilde zum abschusz eines gewinnst-adlers oder eines rebhühner-volks ansieht, oder für ein nest von prozession-raupen auf der staat-eiche? Jean Paul (leben Fibel's 6) 54, 29.
 
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gewinnstag, m., von Henisch (s. 1600) zur verdeutschung und erklärung des niederländischen wenstag gebildet.
 
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gewinnstantheil, s. o. gewinnantheil: eine solche staatswirthschaft hemmet also den ackerbau auf zweierlei weise: einmahl dadurch, dasz sie den wirklichen werth seines erzeugnisses, und somit den gewinnstantheil daran herabsetzt; und dann, dasz sie den gewinnstantheil bei allen übrigen gewerben in die höhe treibt (rate of profit). Garve übers. d. Adam Smith (4, 9) 3, 419.
 
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gewinnstbegierig, adj., s. gewinnbegierig, gewinngierig: gewinnstbegieriger, lucripeta Stieler 643 (unter gierig); dazu vgl. DWB gewinnsterschnapper, lucelli captator 1892; stechende kleine (augen), (bedeuten) einen geitzigen und gewinst-begierigen. Prätorius collegium curiosum 47.
 
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gewinnstbringend, s. gewinnbringend: Noel Chomel ... oeconomisch- und physicalisches lexicon ... handelnd von einer vollkommenen jagd- und forst-wissenschaft ..; wohlbestellten fischerei; nutzbar angelegten stuterei; gewinnst-bringenden viehzucht ... 1751 (titel).
 
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gewinnstchen, n., vgl. gewinnlein und gewinnstlein (gewinnchen ist nicht belegt): es ist doch immer das traumreich wie ein falscher loostopf, wo unzählige nieten und höchstens kleine gewinnstchen unter einander gemischt sind. Göthe (an Herder) br. 9, 69 Weimar.
 
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gewinnsterschnapper, m., s. o. gewinnstbegierig.
 
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gewinnsteskunde, f.: welche kunst befreiet von der armut? ist es nicht die gewinsteskunde? Fr. Leop. v. Stolberg Gorgias (werke der brüder Stolberg 18) 143.
 
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gewinnsteuer, n.
1) zu gewinn = erwerb: die bei der ordentlichen bede bestehenden befreiungen kamen hier nicht zur geltung (bei der notbede), doch wurde die steuer für privilegierte in der regel in form einer zenten- gewinn- oder gewerbesteuer angesetzt. R. Schroeder rechtsgesch.5 s. 628.
2) zum lotteriegewinn: gewinnsteuer ist eine von lotteriegewinsten in Österreich, Ungarn, Italien erhobene steuer. auch die in Deutschland von solchen gewinnen erhobene steuer ist hierher zu rechnen. Meyers konvers.-lex. 76, 805b.
 
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gewinnstfeind, m.: gewinstfeind, lividus Stieler 461.

 

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