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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnler bis gewinnrad (Bd. 6, Sp. 6080 bis 6081)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnler, m., nebenform zu gewinner (s. d.) mit übler nebenbedeutung: dasz si die üppigen, unverschamten gwünnler, wchrer oder publicanen nit habend söllen z bischofen erwälen. Zwingli (von dem predigamt) 2, 1 s. 316.
 
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gewinnlich, adj. u. adv. , mit viel weiterem bedeutungsumfang als gewinnig und gewinnhaft, schon mittelhochd. belegt, vgl. Lexer 1, 991.
1) auf personen bezogen bringt das adjectiv mehrfach die bedeutung siegreich zur geltung, meist in attributiver function, während das adverb auf den erfolg im erwerbsleben zielt.
a) auf kampf und sieg weist schon der älteste beleg:

als zwên gewinnlich (var. gewindl) valken
f einander warten,
seht, alsô gebârten
von Meinz, von Koln die bêde,
dô sich huop diu rede
gegen dem phalzgrâven fruot.
Ottokar österr. reimchron. 59146 Seemüller;

es seind auch nicht gewinlich kriegsleut, die al ir datum auf die schlacht sezen und doch darneben kain hinderhuot haben. Aventin (ursachen d. Türkenkriegs) 1, 225; diejenigen so Marti underworffen sind, werden disz jahr nicht wol siegen, noch gewinlich sein. Paracelsus (prognost. a. d. 37. jahr) 2, 649; ich wolt dir ein knebel ins maul legen, du solst mir kein wort mehr zu dieser sachen reden, bisz wir in anderer instantz gewinnlich worden weren. Ayrer hist. proc. (2, 6) (1597) 546; so ... die urtl erster instantz durch den appellation richter becreftigt were, so soll auf anrüfen des gewinlichen teils ... gepürliche volziehung der urtl geschehen. Nürnberger ref. 60a;

gewinlich der nach tugent stlt.
der nit inn psz gesellschafft flt,
und sich z frummen leten hlt.
Joh. v. Schwarzenberg teutsch Cicero 128b.


b) der begriff des erwerbs:
α) vereinzelt beim attribut: und ist da ein kundig gewinlich volk, und seind alle burger kaufleut oder gut hantwerker, darmit gewinnent und habent sie grosz reichthumb. S. Meisterlin (s. d. städtechron. 3) 51.
β) beim prädicat oder adverb:

also schick ich meiner kinder sachen;
min kindt kan ich mir gwinlich machen.
Murner narrenbeschwörung 98 Spanier;

ihr sollt mir auch ... glauben, dasz ich nit desgleichen mehr ein blatt wollt machen unter fl. 400. und darum, ob mir von euch wird, das ich begehrt hab, so ist bei der langen zeut mein kost und zehrung mehr dabei. ihr mögt ab nehmen, wie gewinnlich ich stehe. Dürer schriftlicher nachlasz 52; dazu vgl. auch den gegensatz in den buchungen des vocab. incip. teut. gewinlich, adverb. lucrose gegenüber von lucrosus, gewinnhaftiger i 6b.
2) die beziehung auf unpersönliche träger fördert nur den begriff des erwerbs: gewinnlich, gewinnbringend. nur aus der bayerischen mundart ist engere anlehnung an eine andere bedeutung zu belegen, an jenes gewinnen, das ein moment der bewegung entwickelt (s. DWB heraus gewinnen): gewinnlich holz im gebirg, das an gewinnlichen orten steht, — d. h. leichter gewonnen, herausgebracht werden kann. Schmeller 22, 930. anders:

darumb das si kein win nit trinckt;
das schetzt ich für ein gwinlich ding.
Murner narrenbeschwörung 66;

alsdan soll darnach volgen weingelt, tuechgelt und anders dergleichen, was auf kaufmanschaft und von wëgen gewindlicher handlung gëben und genumen ist worden. land- oder ehehaft taiding in der Rauris (1624), s. österr. weisth. 1, 215; es frewen mich die würffel, wann ichs ansihe, dann ich sehr gten, glücklichen und gewinlichen fal damit hab, gewinne allweg, dester mehr lusts hab ich zu spilen. verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 23;

wer seglen will mit allem windt
und achtet sin als, das er findt,
auch macht im gewinlich alles guott,
darumb er doch kein arbeit duot.
Th. Murner mühle v. Schwindelsheim 809 (Straszb. studien 2, 28);

das sindt ietzundt der wiber sachen,
wie si ir lieb gewinlich machen. gäuchmatt 57 Uhl;

[Bd. 6, Sp. 6081]


Franckreich wirdt seines reichthumbs verlust tragen, und einen grundtnewen fundt erfinden, mit mancherlei guter und böser beweisung, wirdt jhm alles gewinnlich sein. Paracelsus (prognosticon auff das 39. jahr) 2, 654; vgl.: wie wol es mir ungewinnlich und versäumlich ist. A. Dürer nachlasz 52; vgl. auch die klage eines Gasteiner wirtes aus 1665 dasz die gastung nicht mehr gewinnlich sei (Münz beilage zur allgem. zeit. v. 21. oct. 1896.).
3) die wörterbücher haben von gewinnlich nur wenig notiz genommen, einige ältere haben es nur als adverb erfaszt, andere vorübergehend neben gewinnig (s. d.) gebucht; dazu vgl. gewinnlich Schottel 367a.
 
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gewinnliebend, adj., nur in verbindung mit ehrliebend (s. d.) beobachtet: ihre autoren, mehr gewinnals ehrliebende leute. F. M. Klinger (betr. u. ged. 1, 65) 11, 59.
 
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gewinnliste, f., zum gewinn in der lotterie gehörig: und man darf nur bei solchen lotterieen, wo noch devisen üblich sind, die gewinnlisten durchlesen, um über die menge derer zu erstaunen, die ihre hoffnung auf gott gesetzt haben. (H. A. Kerndoerffer) lotterien u. kunst zu gewinnen (1796) 15; meldet sich binnen drei monat nach dato der gewinnliste der etwaige inhaber des für verloren gehaltenen looses nicht. E. S. Unger anleitung f. lotteriespieler (1830) 35; gewinnliste der königlich preuszischen 219. klassenlotterie (1908).
 
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gewinnlos, n., ebenfalls zur lotterie gehörig: um das präsentirte gröszere gewinnlos einzulösen. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler 55. vgl. gewinner sp. 6074.
 
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gewinnlos, adj., zu gewinn = erwerb:

der lehenherr der straft den böswicht schröcklich hart,
der sein vertrautes pfund gewin-los nur verscharrt.
J. Rompler reimgetichte, 1. gebüsch 34.


 
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gewinnlust, f., zuerst von Campe 2, 365a angeführt (lust zu gewinnen): ich begab mich nun zu einem angesehenen händler ... welcher auch ganz neue bilder kaufte, wenn sie vor seiner kennerschaft gnade fanden oder seine gewinnlust sonst durch irgend einen geheimnisvollen vorzug reizten. G. Keller (grüner Heinr. 4, 4) 3, 52.
 
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gewinnlustig, adj., früher belegt als das vorhergehende subst. vgl. auch DWB gewinnliebend, DWB gewinnbegierig: der für gewinnlustige so sehr zurückschreckenden nieten. (Kerndoerffer) lotterien s. 36; der mit jedem tage zunehmenden menge der gewinnlustigen s. 106; indem sie (die messe) in ihren feierlichsten momenten demüthig und kühn genug war, sich mit der gewerblichen volkskraft und dem frischen gewinnlustigen handelsgetümmel zu vermählen. Th. Mundt gesch. der deutschen stände (2, 2) 288; denn es bestand eben die absicht, sie vom hause zu bringen, und es steckten gewinnlustige hinter der sache. G. Keller (grüner Heinr. 4, 15) 3, 255; die fünf gewinnlustigen, welche beschämt die köpfe hatten hängen lassen. (d. fähnlein d. 7 aufrechten) 6, 275.
 
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gewinnmäszig, adj.: darinne dann ganghaftig trostlich und gewinmessig ertzt befunden. bergordnung für Freienwaldau (1529), s. cod. dipl. Siles. 21, 8. vgl. gewinnhaftig.
 
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gewinnummer, f., der lotterie erwachsen: trotz alledem gab er das warten nicht auf, und da gerade lotterie-ziehzeit war, kam das viertellos gar nicht mehr von seinem pult. ... alle morgen sah er in der zeitung die gewinnnummern nach, aber die seine fand er nicht. Th. Fontane unterm birnbaum 2. vgl. gewinner sp. 6074.
 
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gewinnrad, n. (vgl. das vorhergehende): vor der ersten ziehung werden die sämmtlichen 90,000 nummern in das ziehungsrad eingezählt. ... es werden vor dieser (der 1.) ziehung 2000 mit gewinnen bezeichnete zettel ... in ein zweites rad hinein geworfen. die ziehung selbst besteht nun darin, dasz nach und nach von einem waisenknaben 2000 nummern aus dem nummerrad gezogen werden und von einem zweiten aus dem gewinnrade zu jeder gezogenen nummer ein gewinn. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler (1830) 2; im gewinnrade verblieben 1 prämie zu 300 000 mark ... preusz. gewinnliste von 1908.

 

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