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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnhungrig bis gewinnlos (Bd. 6, Sp. 6078 bis 6081)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnhungrig, adj., neue bildung im rahmen des begriffes gewinn(be)gierig (s. o.): hundert gewinnhungrige lauern nur auf das erlöschen des privilegiums, um die edle lebensarbeit Schillers so massenhaft und wohlfeil zu verbreiten, wie die bibel. Keller (grüner Heinr. 4, 3) 3, 43.
 
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gewinnig, adj. , jüngere concurrenzbildung zu gewinnhaft (s. d.), viel in wörterbüchern belegt.
1) auf die an persönliches subject gebundene bedeutung gewinnziehend weisen: gewinnig neben gewinnhaft bei Dasypodius (s. o.); gewinnig, gewinnhaft, gewinnsichtig. Serranus X 8b; ghe-winnigh, questuosus, questuarius, lucrosus. Kilian 147a; gewinnig, gewunnen reich, quaestuosus, quaestuarius, pro lucrosus. Henisch 1600; dazu vgl.: wo ouch die constofeler oder antwergmeister uff jeman erkennent, der under jn gesessen ist, der sehshundert pfunde wert het, und so gewünnig und so unköstlich ist das der ein pfert haben sol, der sol ... Straszb. pferde-ordnung v. 1399 bei Schilter anhang zu Königshofen s. 1081. hieraus gezogen Scherz-Oberlin 1, 548 (gewuinnig, multum lucratus).
2) auf die verbindung mit unpersönlichen objecten und die bedeutung gewinnbringend weisen: gewinniger oder gewinlicher, lucrativus. voc. theut. (1482) m 5b; gewinnig, lucrabilis. vocab. alphab. Diefenbach 388a; lucrosus (ungewinnig, dispensiosus); hierher gehört wol auch gewinnig in der sprache der mystiker: die üch unachtsamcliche der grossen gewinnigen frühte und der edeln gemeinschaft hindern woltent, das ir unahtber woltent werden der erlichen schar ... Schürebrand 47 Strauch (stud. z. d. phil. 32, 14); die alse gar trege und unahtsam sint, daʒ sú der götlichen arbeit alse gar übele verdrúszet und der gewinnigen zit so grsliche belanget. 47, 22.
3) auch von der passiven actionsart des part. praet. ist die bedeutung des adjectivs berührt: gewinnig gut, bona acquisita (aus dem Straszburger jus statut.). Scherz-Oberlin 1, 548.
 
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gewinnhaken, m., gehört zum bergmännischen begriff: gewinnhaken, ziehhaken, (bergwerk) ein haken, vermittelst dessen das gestänge des bergbohrers, mit beihülfe eines seils aus dem bohrloch gezogen wird. Jacobsson technol. wb. 2, 85a; vgl. Campe 2, 365a u. a.
 
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gewinniss, gewinnus, gewingnus, f. aus österreichischen quellen für das nomen actionis gewinn in der

[Bd. 6, Sp. 6079]


bedeutung von erwerb überliefert (s. gewinnung): dergleichen verdächtige personen, welche ... keinen dienst oder arbeit nochtrochten auch sonst kein erliche gewingnus ... hoben. (landger. Glanek. 17. jahrh.) österr. weisth. 1, 134; hohen zins, den sie mit erlicher gewingnus nit zu erschwingen. ebenda u. a.; vgl. Lexer (nachtr. 209), der auch auf den Teichner verweist.
 
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gewinnkarte, f.: winning card Hilpert II, 1, 464c. vgl. gewinner sp. 6074.
 
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gewinnlein, n. , diminutiv zu gewinn (s. kleiner gewinn sp. 5911), in mundartlicher überlieferung auch mit den formen gewinnlin, gewinle, gewünnle, gewinnel, gewindl belegt. die bedeutung hält sich im rahmen des engeren geschäftsbegriffes des erwerbs und unterliegt der vergegenständlichung. die diminutivform (mehrmals ist klein noch einmal als attribut beigesetzt) zielt zunächst auf die geringfügigkeit des geldwerts der sache, bringt aber vielfach überhaupt etwas herabsetzendes in den begriff.
1) fast ununterbrochene überlieferung zieht sich durch die wörterbücher, bricht aber in der mitte des 18. jahrh. ab.
a) überwiegend lehnt sich die buchung an lateinische diminutivformen an: gewinnel, lucellum. vocab. incip. teut. i 6a; vgl. auch Diefenbach 338a; lucellum ... ein gwünle oder nützle. Cholinus-Frisius 524a; ebenso Frisius 783a; (ein kleins gewinnle) Dasypodius S 8c; (gwünle) Maaler 201d; (gewinnle) Golius 441; (gewinnlein) Garth-König 430a; ebenso Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181b; Steinbach 2, 1029; Hederich 1, 1425.
gewünle, quaesticulus. Frisius 108a; (ein kleins gewinnlin) Dasypodius Ee 7d; (nutzlein, gewinnlein) König 966b; gwünle, lucellum, quaesticulus. Maaler 201d; ebenso (gewinlin, kleiner gewin, nützle) Henisch 1599; Schönsleder V 5b; (gewinnlein et gewinnstlein) Stieler 2544; gewinnlein, a little gain or small profit. teutsch-engl. lex. (1716) 774.
b) etwas herabsetzendes liegt wol in der gleichung mit captura: captura, pro quœsticulo, ein gewünle oder nützle. Cholinus-Frisius 138a; ebenso Frisius dict. 186b; Maaler 180a.
2) der litterarische gebrauch ist nicht so früh belegt, greift aber weiter in die neuere zeit über.
a) ohne nebenfärbung kennzeichnet die diminutivform den geschäftserwerb: dein gut würdt dir zur bürde und beschwerenus sein und wann du schon etwas gewinnest, so mstu sorg geng auch darz haben, unnd ein gewinlin würt dich in unzälich unglück setzen, mann würt dich triegen, so gescheid würdstu nit sein können. verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 104a;

liesen mich und dich kauffleut sein
und solch gewinnlein nemmen ein;
dann gott gibt uns das gelt nicht drumb,
dasz wir es unnütz bringen umb,
sonder mit helffen andern leuten.
Jac. Ayrer (der falsch notarius) 5, 2980 Keller;

deszhalben mir ihnen dasselbige trinkgeltlin und gewinlin durch mein warnung abzustricken ein gewissen machete. Fischart aller praktik groszmutter vorr. 2, a. b;

es wär mir leid, dasz ich das pfund,
welchs mir gott hat vertraut itzund,
leichtlich sollt setzen in gefahr
um eins kleinen gewinnslin zwar. Gustavi magni nachtgespräch bei Opel u. Cohn 333;

sie haben ihm ein gewinnlein müssen geben, illi aliquid lucelli jussi sunt dare. Aler 1, 936b.
b) beimischung eines herabsetzenden momentes: schandt ist es, dasz auch jetz fürsten zu wcheren anfahen ... so gar gilt frombkeit und erbarkeit nit, so wol schmecket das gewinlin. verdeutsch. der trostbücher des Petrarca 52a; ein jedes gewinnlein ist süsz, lucri bonus odor ex re qualibet. 937a; vgl. auch Wander 1, 664 (ein klein gewinnlein und oft thut wohl);

was doch mindre die sorgen, was dich dir selber befreunde,
was dich beruhige ganz, ob ehr', ob süszes gewinnlein,
ob ein gesonderter gang auf heimlichem pfade des lebens.
Voss Horaz (epist. 1, 18 v. 102) 2, 297 (honos an dulce lucellum);

gottlose menschen, die weder gottes ihres nechsten, da es nur ein gewinnlein truge, achteten. Kirchhof wendunmuth (2, 121) 2, 169 Österley; damit jr jeder ein schändlichs gwindl darvon bringe, schämen sie sich nit allerlei stinckende drecktätel, mit den aller unzüchtigsten figuren

[Bd. 6, Sp. 6080]


auszubraiten. J. B. Fickler übers. d. Putherbey v. verbotenen büchern (1) 68a.
 
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gewinnler, m., nebenform zu gewinner (s. d.) mit übler nebenbedeutung: dasz si die üppigen, unverschamten gwünnler, wchrer oder publicanen nit habend söllen z bischofen erwälen. Zwingli (von dem predigamt) 2, 1 s. 316.
 
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gewinnlich, adj. u. adv. , mit viel weiterem bedeutungsumfang als gewinnig und gewinnhaft, schon mittelhochd. belegt, vgl. Lexer 1, 991.
1) auf personen bezogen bringt das adjectiv mehrfach die bedeutung siegreich zur geltung, meist in attributiver function, während das adverb auf den erfolg im erwerbsleben zielt.
a) auf kampf und sieg weist schon der älteste beleg:

als zwên gewinnlich (var. gewindl) valken
f einander warten,
seht, alsô gebârten
von Meinz, von Koln die bêde,
dô sich huop diu rede
gegen dem phalzgrâven fruot.
Ottokar österr. reimchron. 59146 Seemüller;

es seind auch nicht gewinlich kriegsleut, die al ir datum auf die schlacht sezen und doch darneben kain hinderhuot haben. Aventin (ursachen d. Türkenkriegs) 1, 225; diejenigen so Marti underworffen sind, werden disz jahr nicht wol siegen, noch gewinlich sein. Paracelsus (prognost. a. d. 37. jahr) 2, 649; ich wolt dir ein knebel ins maul legen, du solst mir kein wort mehr zu dieser sachen reden, bisz wir in anderer instantz gewinnlich worden weren. Ayrer hist. proc. (2, 6) (1597) 546; so ... die urtl erster instantz durch den appellation richter becreftigt were, so soll auf anrüfen des gewinlichen teils ... gepürliche volziehung der urtl geschehen. Nürnberger ref. 60a;

gewinlich der nach tugent stlt.
der nit inn psz gesellschafft flt,
und sich z frummen leten hlt.
Joh. v. Schwarzenberg teutsch Cicero 128b.


b) der begriff des erwerbs:
α) vereinzelt beim attribut: und ist da ein kundig gewinlich volk, und seind alle burger kaufleut oder gut hantwerker, darmit gewinnent und habent sie grosz reichthumb. S. Meisterlin (s. d. städtechron. 3) 51.
β) beim prädicat oder adverb:

also schick ich meiner kinder sachen;
min kindt kan ich mir gwinlich machen.
Murner narrenbeschwörung 98 Spanier;

ihr sollt mir auch ... glauben, dasz ich nit desgleichen mehr ein blatt wollt machen unter fl. 400. und darum, ob mir von euch wird, das ich begehrt hab, so ist bei der langen zeut mein kost und zehrung mehr dabei. ihr mögt ab nehmen, wie gewinnlich ich stehe. Dürer schriftlicher nachlasz 52; dazu vgl. auch den gegensatz in den buchungen des vocab. incip. teut. gewinlich, adverb. lucrose gegenüber von lucrosus, gewinnhaftiger i 6b.
2) die beziehung auf unpersönliche träger fördert nur den begriff des erwerbs: gewinnlich, gewinnbringend. nur aus der bayerischen mundart ist engere anlehnung an eine andere bedeutung zu belegen, an jenes gewinnen, das ein moment der bewegung entwickelt (s. DWB heraus gewinnen): gewinnlich holz im gebirg, das an gewinnlichen orten steht, — d. h. leichter gewonnen, herausgebracht werden kann. Schmeller 22, 930. anders:

darumb das si kein win nit trinckt;
das schetzt ich für ein gwinlich ding.
Murner narrenbeschwörung 66;

alsdan soll darnach volgen weingelt, tuechgelt und anders dergleichen, was auf kaufmanschaft und von wëgen gewindlicher handlung gëben und genumen ist worden. land- oder ehehaft taiding in der Rauris (1624), s. österr. weisth. 1, 215; es frewen mich die würffel, wann ichs ansihe, dann ich sehr gten, glücklichen und gewinlichen fal damit hab, gewinne allweg, dester mehr lusts hab ich zu spilen. verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 23;

wer seglen will mit allem windt
und achtet sin als, das er findt,
auch macht im gewinlich alles guott,
darumb er doch kein arbeit duot.
Th. Murner mühle v. Schwindelsheim 809 (Straszb. studien 2, 28);

das sindt ietzundt der wiber sachen,
wie si ir lieb gewinlich machen. gäuchmatt 57 Uhl;

[Bd. 6, Sp. 6081]


Franckreich wirdt seines reichthumbs verlust tragen, und einen grundtnewen fundt erfinden, mit mancherlei guter und böser beweisung, wirdt jhm alles gewinnlich sein. Paracelsus (prognosticon auff das 39. jahr) 2, 654; vgl.: wie wol es mir ungewinnlich und versäumlich ist. A. Dürer nachlasz 52; vgl. auch die klage eines Gasteiner wirtes aus 1665 dasz die gastung nicht mehr gewinnlich sei (Münz beilage zur allgem. zeit. v. 21. oct. 1896.).
3) die wörterbücher haben von gewinnlich nur wenig notiz genommen, einige ältere haben es nur als adverb erfaszt, andere vorübergehend neben gewinnig (s. d.) gebucht; dazu vgl. gewinnlich Schottel 367a.
 
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gewinnliebend, adj., nur in verbindung mit ehrliebend (s. d.) beobachtet: ihre autoren, mehr gewinnals ehrliebende leute. F. M. Klinger (betr. u. ged. 1, 65) 11, 59.
 
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gewinnliste, f., zum gewinn in der lotterie gehörig: und man darf nur bei solchen lotterieen, wo noch devisen üblich sind, die gewinnlisten durchlesen, um über die menge derer zu erstaunen, die ihre hoffnung auf gott gesetzt haben. (H. A. Kerndoerffer) lotterien u. kunst zu gewinnen (1796) 15; meldet sich binnen drei monat nach dato der gewinnliste der etwaige inhaber des für verloren gehaltenen looses nicht. E. S. Unger anleitung f. lotteriespieler (1830) 35; gewinnliste der königlich preuszischen 219. klassenlotterie (1908).
 
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gewinnlos, n., ebenfalls zur lotterie gehörig: um das präsentirte gröszere gewinnlos einzulösen. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler 55. vgl. gewinner sp. 6074.

 

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