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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinngierig bis gewinnlein (Bd. 6, Sp. 6077 bis 6079)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinngierig, adj., zu gewinn = erwerb: als die weichen weibischen leüt in Egypto in der arbeit faul und träg seind gewesen, und vilen andern geilheiten und wollusten nachgestellt, auch gewinngirig waren (κατὰ φιλοκέρδειαν). Caspar Hedion übers. des Josephus (antiq. Jud. 2, 9) (1533) 30b; zm achten rümet er sich, dasz er uns uberwunden, und nach notturfft überzeüget habe, aber es hat jm also träumet, wie jenem gewinngirign, als S. Augustinus schreibet. Joh. Nas antigratulatio (1568) 22b. unter den wörterbüchern nimmt erst Campe angeregt durch Radlof auf diese, anscheinend veraltete bildung bezug: gewinngierig, gierig nach gewinn ... zu gewinnen; im höhern grade gewinnsüchtig. 2, 365; ebenso Heinsius 2, 438a.
 
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gewinnhaber, m., verdeutschung der holländischen bezeichnung für die mitglieder der ostindischen compagnie: der general, und raht von Neu-Batavien, haben bald, nach aufrichtung ihrer stadt und staats daselbst, die gewinnhaber (gewinthebber) in Holland ersucht, man wolte ihnen doch einige mägdlein senden, um selbige, an die Niderländer desz orts, zu verheiraten. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 3) 2, 632; die ost-indische compagnie in Holland (aus deren mit-gliedern denen gewinnhabern sich einige mit etlichen tonnen golds nicht auskauffen liessen). Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. 3, 154.
 
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gewinnhaft, adj. zu gewinn = erwerb, mit gewinnig, gewinnsam und dem reicher entwickelten gewinnlich zur älteren schicht der adjectivableitungen gehörig und unter diesen am frühesten bezeugt. einer jüngeren zeit gehören die bildungen gewinnbringend, gewinnreich, gewinnvoll an.
1) beziehung auf personen: gewinnhaft, einer der gewinn macht: dar umb daʒ si all menschen gwinhaft machten und si got gewunnen in daʒ êwig leben. K. v. Megenberg buch der natur 450, 2 f.;

stos ... die reichen in armüet, hartsel,
die rüesamen in unnüecz quel,
die gwinhaften in perling schaden.
H. Sachs fab. u. schw. 5, 88;

questuosus, gewinnig et gewinnhaft. Dasypodius Gg 4b; vgl. questuosus winhaftig md. vocab. d. 15. jahrh. Diefenbach 479a; gewinnicht, et gewinnhaft, seu gewinnend.

[Bd. 6, Sp. 6078]


Stieler 2544; ungewinnhaft lucrifuga, contemnens, despiciens lucrum. ebenda.
2) auf sächliche subjecte ist das adjectiv vor allem in der bergmannssprache bezogen, wo auch die erweiterung der form in gewinnhaftig (s. d.) beliebt ist. die bedeutung wandelt sich in gewinnbringend, ertragreich: wer da hat gewinnehafte teil imme lande. Freiberger stadtrecht 74 Ermisch;

und biten got, daʒ er uns sende
ûf einen sô gwinhaften berc,
daʒ wir willen unde werc
an sînen dienest kêren. das mære v. feldbauer 507 Bartsch;

aus späterer zeit gehört hierher nur noch eine vereinzelte buchung, die aber auf allgemeineren gebrauch weist: gewinnhafte nahrung, negotiatio foecunda, quaestus uberrimus. Stieler 2544.
 
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gewinnhaftig, gewinnshaftig, adj. , ableitung vom vorigen, nur auf sächliche subjecte bezogen.
1) in engerer beziehung auf bergwerke mit der bedeutung gwinnbringend (tragend): auch wo obgedachte bergwerge gewinhaftig befunden und ... uns davon gegeben wurde. schlesische urkunde v. 1528, s. cod. dipl. Siles. 20, 238; wenn ir keine zech ader grube gewinnhaftig wurde. (1529) 21, 8; do denn ganghaftig tröstlich und gewinnhaftig ertzt befunden. (1536) 21, 41 (s. auch unter gewinnmessig); wann dermassen erbaute bergwerk gewinnhaftig werden. (1338) 21, 64.
2) auf erweiterung des gebrauches weisen die buchungen: gewinhafftiger, lucrosus, emolimentosus. vocab. incip. teut. (15. jahrh.), s. Diefenbach 338a; gewinshafftige gewerb treiben. Garth-König 620b.
 
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gewinnhässig, adj., zu gewinn = erwerb: gewinnhsziger, lucrifuga. Stieler 786 unter hszig; gewinnhäszig, lucrifuga. Kirsch 2, 7b; genau so Matthiae 2, 181a; vgl. oben ungewinnlich; vgl.: der keinen gewinn sucht, lucrifuga. S. Calvisius 700b u. a.
 
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gewinnhungrig, adj., neue bildung im rahmen des begriffes gewinn(be)gierig (s. o.): hundert gewinnhungrige lauern nur auf das erlöschen des privilegiums, um die edle lebensarbeit Schillers so massenhaft und wohlfeil zu verbreiten, wie die bibel. Keller (grüner Heinr. 4, 3) 3, 43.
 
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gewinnig, adj. , jüngere concurrenzbildung zu gewinnhaft (s. d.), viel in wörterbüchern belegt.
1) auf die an persönliches subject gebundene bedeutung gewinnziehend weisen: gewinnig neben gewinnhaft bei Dasypodius (s. o.); gewinnig, gewinnhaft, gewinnsichtig. Serranus X 8b; ghe-winnigh, questuosus, questuarius, lucrosus. Kilian 147a; gewinnig, gewunnen reich, quaestuosus, quaestuarius, pro lucrosus. Henisch 1600; dazu vgl.: wo ouch die constofeler oder antwergmeister uff jeman erkennent, der under jn gesessen ist, der sehshundert pfunde wert het, und so gewünnig und so unköstlich ist das der ein pfert haben sol, der sol ... Straszb. pferde-ordnung v. 1399 bei Schilter anhang zu Königshofen s. 1081. hieraus gezogen Scherz-Oberlin 1, 548 (gewuinnig, multum lucratus).
2) auf die verbindung mit unpersönlichen objecten und die bedeutung gewinnbringend weisen: gewinniger oder gewinlicher, lucrativus. voc. theut. (1482) m 5b; gewinnig, lucrabilis. vocab. alphab. Diefenbach 388a; lucrosus (ungewinnig, dispensiosus); hierher gehört wol auch gewinnig in der sprache der mystiker: die üch unachtsamcliche der grossen gewinnigen frühte und der edeln gemeinschaft hindern woltent, das ir unahtber woltent werden der erlichen schar ... Schürebrand 47 Strauch (stud. z. d. phil. 32, 14); die alse gar trege und unahtsam sint, daʒ sú der götlichen arbeit alse gar übele verdrúszet und der gewinnigen zit so grsliche belanget. 47, 22.
3) auch von der passiven actionsart des part. praet. ist die bedeutung des adjectivs berührt: gewinnig gut, bona acquisita (aus dem Straszburger jus statut.). Scherz-Oberlin 1, 548.
 
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gewinnhaken, m., gehört zum bergmännischen begriff: gewinnhaken, ziehhaken, (bergwerk) ein haken, vermittelst dessen das gestänge des bergbohrers, mit beihülfe eines seils aus dem bohrloch gezogen wird. Jacobsson technol. wb. 2, 85a; vgl. Campe 2, 365a u. a.
 
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gewinniss, gewinnus, gewingnus, f. aus österreichischen quellen für das nomen actionis gewinn in der

[Bd. 6, Sp. 6079]


bedeutung von erwerb überliefert (s. gewinnung): dergleichen verdächtige personen, welche ... keinen dienst oder arbeit nochtrochten auch sonst kein erliche gewingnus ... hoben. (landger. Glanek. 17. jahrh.) österr. weisth. 1, 134; hohen zins, den sie mit erlicher gewingnus nit zu erschwingen. ebenda u. a.; vgl. Lexer (nachtr. 209), der auch auf den Teichner verweist.
 
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gewinnkarte, f.: winning card Hilpert II, 1, 464c. vgl. gewinner sp. 6074.
 
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gewinnlein, n. , diminutiv zu gewinn (s. kleiner gewinn sp. 5911), in mundartlicher überlieferung auch mit den formen gewinnlin, gewinle, gewünnle, gewinnel, gewindl belegt. die bedeutung hält sich im rahmen des engeren geschäftsbegriffes des erwerbs und unterliegt der vergegenständlichung. die diminutivform (mehrmals ist klein noch einmal als attribut beigesetzt) zielt zunächst auf die geringfügigkeit des geldwerts der sache, bringt aber vielfach überhaupt etwas herabsetzendes in den begriff.
1) fast ununterbrochene überlieferung zieht sich durch die wörterbücher, bricht aber in der mitte des 18. jahrh. ab.
a) überwiegend lehnt sich die buchung an lateinische diminutivformen an: gewinnel, lucellum. vocab. incip. teut. i 6a; vgl. auch Diefenbach 338a; lucellum ... ein gwünle oder nützle. Cholinus-Frisius 524a; ebenso Frisius 783a; (ein kleins gewinnle) Dasypodius S 8c; (gwünle) Maaler 201d; (gewinnle) Golius 441; (gewinnlein) Garth-König 430a; ebenso Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181b; Steinbach 2, 1029; Hederich 1, 1425.
gewünle, quaesticulus. Frisius 108a; (ein kleins gewinnlin) Dasypodius Ee 7d; (nutzlein, gewinnlein) König 966b; gwünle, lucellum, quaesticulus. Maaler 201d; ebenso (gewinlin, kleiner gewin, nützle) Henisch 1599; Schönsleder V 5b; (gewinnlein et gewinnstlein) Stieler 2544; gewinnlein, a little gain or small profit. teutsch-engl. lex. (1716) 774.
b) etwas herabsetzendes liegt wol in der gleichung mit captura: captura, pro quœsticulo, ein gewünle oder nützle. Cholinus-Frisius 138a; ebenso Frisius dict. 186b; Maaler 180a.
2) der litterarische gebrauch ist nicht so früh belegt, greift aber weiter in die neuere zeit über.
a) ohne nebenfärbung kennzeichnet die diminutivform den geschäftserwerb: dein gut würdt dir zur bürde und beschwerenus sein und wann du schon etwas gewinnest, so mstu sorg geng auch darz haben, unnd ein gewinlin würt dich in unzälich unglück setzen, mann würt dich triegen, so gescheid würdstu nit sein können. verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 104a;

liesen mich und dich kauffleut sein
und solch gewinnlein nemmen ein;
dann gott gibt uns das gelt nicht drumb,
dasz wir es unnütz bringen umb,
sonder mit helffen andern leuten.
Jac. Ayrer (der falsch notarius) 5, 2980 Keller;

deszhalben mir ihnen dasselbige trinkgeltlin und gewinlin durch mein warnung abzustricken ein gewissen machete. Fischart aller praktik groszmutter vorr. 2, a. b;

es wär mir leid, dasz ich das pfund,
welchs mir gott hat vertraut itzund,
leichtlich sollt setzen in gefahr
um eins kleinen gewinnslin zwar. Gustavi magni nachtgespräch bei Opel u. Cohn 333;

sie haben ihm ein gewinnlein müssen geben, illi aliquid lucelli jussi sunt dare. Aler 1, 936b.
b) beimischung eines herabsetzenden momentes: schandt ist es, dasz auch jetz fürsten zu wcheren anfahen ... so gar gilt frombkeit und erbarkeit nit, so wol schmecket das gewinlin. verdeutsch. der trostbücher des Petrarca 52a; ein jedes gewinnlein ist süsz, lucri bonus odor ex re qualibet. 937a; vgl. auch Wander 1, 664 (ein klein gewinnlein und oft thut wohl);

was doch mindre die sorgen, was dich dir selber befreunde,
was dich beruhige ganz, ob ehr', ob süszes gewinnlein,
ob ein gesonderter gang auf heimlichem pfade des lebens.
Voss Horaz (epist. 1, 18 v. 102) 2, 297 (honos an dulce lucellum);

gottlose menschen, die weder gottes ihres nechsten, da es nur ein gewinnlein truge, achteten. Kirchhof wendunmuth (2, 121) 2, 169 Österley; damit jr jeder ein schändlichs gwindl darvon bringe, schämen sie sich nit allerlei stinckende drecktätel, mit den aller unzüchtigsten figuren

[Bd. 6, Sp. 6080]


auszubraiten. J. B. Fickler übers. d. Putherbey v. verbotenen büchern (1) 68a.

 

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