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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinngeld bis gewinnkarte (Bd. 6, Sp. 6077 bis 6079)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinngeld , n. mit zwei verschiedenen gebrauchsformen:
1) aus der für gewinn (sp. 5880) und gewinnen (sp. 5960) angeführten engeren wendung des westphälischen rechtsbrauches ist die eine bedeutung unseres compositums entsprossen, und von da ist es als jüngste der ersatzbildungen für laudemium auch in die allgemeine rechtssprache übergegangen: gewinngeld, n. die abgabe, welche bei erbpacht und lohngütern gezahlt werden muszte, wenn ein wechsel im unter- oder obereigentümer stattfand und eine neue belehnung nötig war, oder wenn zu einer veräusserung des gutes der konsens erteilt wurde. Waldeckische gemeinnützige zeitschr. 4 (1845), 140. Bauer-Collitz 145; laudemien (antrittsgelder, gewinngelder) ... wenn, wie in andern gegenden Westphalens vorkommt, nicht blos im vererbungsfalle, sondern auch von dem ehegatten des erben, veränderungsgebühren (gewinngelder) gezahlt werden müssen. preusz. gesetz v. 1829, gesetzsamml. s. 78; laudemium (lehnwaare, weinkauf, gewinngeld ...) gesetz v. 1845 (s. 243); das recht, besitzveränderungs-abgaben (laudemien, lehnwaaren, antrittsgelder, gewinngelder u. s. w.) bei denjenigen veränderungsfällen zu fordern, welche auf irgend eine weise in herrschender hand eintreten, wird ohne entschädigung des berechtigten aufgehoben. gesetz v. 1850 (s. 89); auch handänderungsgebühren bei veräuszerungen (ehrschatz, handlohn, weinkauf, lehnware, gewinngeld, laudemium) fanden ... eingang. R. Schroeder dtsch. rechtsgeschichte5 s. 820.
2) andererseits knüpft das compositum vereinzelt auch an den gewinn im spiel an: wenn die ablieferung der einnahme, oder auszahlung der gewinngelder (durch die einnehmer) ... nicht pünktlich erfolgen. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler (1830) 31.
 
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gewinngierig, adj., zu gewinn = erwerb: als die weichen weibischen leüt in Egypto in der arbeit faul und träg seind gewesen, und vilen andern geilheiten und wollusten nachgestellt, auch gewinngirig waren (κατὰ φιλοκέρδειαν). Caspar Hedion übers. des Josephus (antiq. Jud. 2, 9) (1533) 30b; zm achten rümet er sich, dasz er uns uberwunden, und nach notturfft überzeüget habe, aber es hat jm also träumet, wie jenem gewinngirign, als S. Augustinus schreibet. Joh. Nas antigratulatio (1568) 22b. unter den wörterbüchern nimmt erst Campe angeregt durch Radlof auf diese, anscheinend veraltete bildung bezug: gewinngierig, gierig nach gewinn ... zu gewinnen; im höhern grade gewinnsüchtig. 2, 365; ebenso Heinsius 2, 438a.
 
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gewinnhaber, m., verdeutschung der holländischen bezeichnung für die mitglieder der ostindischen compagnie: der general, und raht von Neu-Batavien, haben bald, nach aufrichtung ihrer stadt und staats daselbst, die gewinnhaber (gewinthebber) in Holland ersucht, man wolte ihnen doch einige mägdlein senden, um selbige, an die Niderländer desz orts, zu verheiraten. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 3) 2, 632; die ost-indische compagnie in Holland (aus deren mit-gliedern denen gewinnhabern sich einige mit etlichen tonnen golds nicht auskauffen liessen). Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. 3, 154.
 
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gewinnhaft, adj. zu gewinn = erwerb, mit gewinnig, gewinnsam und dem reicher entwickelten gewinnlich zur älteren schicht der adjectivableitungen gehörig und unter diesen am frühesten bezeugt. einer jüngeren zeit gehören die bildungen gewinnbringend, gewinnreich, gewinnvoll an.
1) beziehung auf personen: gewinnhaft, einer der gewinn macht: dar umb daʒ si all menschen gwinhaft machten und si got gewunnen in daʒ êwig leben. K. v. Megenberg buch der natur 450, 2 f.;

stos ... die reichen in armüet, hartsel,
die rüesamen in unnüecz quel,
die gwinhaften in perling schaden.
H. Sachs fab. u. schw. 5, 88;

questuosus, gewinnig et gewinnhaft. Dasypodius Gg 4b; vgl. questuosus winhaftig md. vocab. d. 15. jahrh. Diefenbach 479a; gewinnicht, et gewinnhaft, seu gewinnend.

[Bd. 6, Sp. 6078]


Stieler 2544; ungewinnhaft lucrifuga, contemnens, despiciens lucrum. ebenda.
2) auf sächliche subjecte ist das adjectiv vor allem in der bergmannssprache bezogen, wo auch die erweiterung der form in gewinnhaftig (s. d.) beliebt ist. die bedeutung wandelt sich in gewinnbringend, ertragreich: wer da hat gewinnehafte teil imme lande. Freiberger stadtrecht 74 Ermisch;

und biten got, daʒ er uns sende
ûf einen sô gwinhaften berc,
daʒ wir willen unde werc
an sînen dienest kêren. das mære v. feldbauer 507 Bartsch;

aus späterer zeit gehört hierher nur noch eine vereinzelte buchung, die aber auf allgemeineren gebrauch weist: gewinnhafte nahrung, negotiatio foecunda, quaestus uberrimus. Stieler 2544.
 
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gewinnhaftig, gewinnshaftig, adj. , ableitung vom vorigen, nur auf sächliche subjecte bezogen.
1) in engerer beziehung auf bergwerke mit der bedeutung gwinnbringend (tragend): auch wo obgedachte bergwerge gewinhaftig befunden und ... uns davon gegeben wurde. schlesische urkunde v. 1528, s. cod. dipl. Siles. 20, 238; wenn ir keine zech ader grube gewinnhaftig wurde. (1529) 21, 8; do denn ganghaftig tröstlich und gewinnhaftig ertzt befunden. (1536) 21, 41 (s. auch unter gewinnmessig); wann dermassen erbaute bergwerk gewinnhaftig werden. (1338) 21, 64.
2) auf erweiterung des gebrauches weisen die buchungen: gewinhafftiger, lucrosus, emolimentosus. vocab. incip. teut. (15. jahrh.), s. Diefenbach 338a; gewinshafftige gewerb treiben. Garth-König 620b.
 
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gewinnhässig, adj., zu gewinn = erwerb: gewinnhsziger, lucrifuga. Stieler 786 unter hszig; gewinnhäszig, lucrifuga. Kirsch 2, 7b; genau so Matthiae 2, 181a; vgl. oben ungewinnlich; vgl.: der keinen gewinn sucht, lucrifuga. S. Calvisius 700b u. a.
 
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gewinnhungrig, adj., neue bildung im rahmen des begriffes gewinn(be)gierig (s. o.): hundert gewinnhungrige lauern nur auf das erlöschen des privilegiums, um die edle lebensarbeit Schillers so massenhaft und wohlfeil zu verbreiten, wie die bibel. Keller (grüner Heinr. 4, 3) 3, 43.
 
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gewinnig, adj. , jüngere concurrenzbildung zu gewinnhaft (s. d.), viel in wörterbüchern belegt.
1) auf die an persönliches subject gebundene bedeutung gewinnziehend weisen: gewinnig neben gewinnhaft bei Dasypodius (s. o.); gewinnig, gewinnhaft, gewinnsichtig. Serranus X 8b; ghe-winnigh, questuosus, questuarius, lucrosus. Kilian 147a; gewinnig, gewunnen reich, quaestuosus, quaestuarius, pro lucrosus. Henisch 1600; dazu vgl.: wo ouch die constofeler oder antwergmeister uff jeman erkennent, der under jn gesessen ist, der sehshundert pfunde wert het, und so gewünnig und so unköstlich ist das der ein pfert haben sol, der sol ... Straszb. pferde-ordnung v. 1399 bei Schilter anhang zu Königshofen s. 1081. hieraus gezogen Scherz-Oberlin 1, 548 (gewuinnig, multum lucratus).
2) auf die verbindung mit unpersönlichen objecten und die bedeutung gewinnbringend weisen: gewinniger oder gewinlicher, lucrativus. voc. theut. (1482) m 5b; gewinnig, lucrabilis. vocab. alphab. Diefenbach 388a; lucrosus (ungewinnig, dispensiosus); hierher gehört wol auch gewinnig in der sprache der mystiker: die üch unachtsamcliche der grossen gewinnigen frühte und der edeln gemeinschaft hindern woltent, das ir unahtber woltent werden der erlichen schar ... Schürebrand 47 Strauch (stud. z. d. phil. 32, 14); die alse gar trege und unahtsam sint, daʒ sú der götlichen arbeit alse gar übele verdrúszet und der gewinnigen zit so grsliche belanget. 47, 22.
3) auch von der passiven actionsart des part. praet. ist die bedeutung des adjectivs berührt: gewinnig gut, bona acquisita (aus dem Straszburger jus statut.). Scherz-Oberlin 1, 548.
 
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gewinnhaken, m., gehört zum bergmännischen begriff: gewinnhaken, ziehhaken, (bergwerk) ein haken, vermittelst dessen das gestänge des bergbohrers, mit beihülfe eines seils aus dem bohrloch gezogen wird. Jacobsson technol. wb. 2, 85a; vgl. Campe 2, 365a u. a.
 
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gewinniss, gewinnus, gewingnus, f. aus österreichischen quellen für das nomen actionis gewinn in der

[Bd. 6, Sp. 6079]


bedeutung von erwerb überliefert (s. gewinnung): dergleichen verdächtige personen, welche ... keinen dienst oder arbeit nochtrochten auch sonst kein erliche gewingnus ... hoben. (landger. Glanek. 17. jahrh.) österr. weisth. 1, 134; hohen zins, den sie mit erlicher gewingnus nit zu erschwingen. ebenda u. a.; vgl. Lexer (nachtr. 209), der auch auf den Teichner verweist.
 
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gewinnkarte, f.: winning card Hilpert II, 1, 464c. vgl. gewinner sp. 6074.

 

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