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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnerarbeit bis gewinnhungrig (Bd. 6, Sp. 6076 bis 6078)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnerarbeit, f., s. gewinnung.
 
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gewinnerin, f., movierte form zu gewinner, als solche schon bei Rothe vorübergehend für die beziehung auf ein weibliches subject gebraucht: sam ein recht gewinnerinne der sêle. Elisabeth 14a (Koburger handschr.) Lexer nachtr. 209; die neuere sprache läszt die form seit ausgang des 17. jahrh. in den wörterbüchern fusz fassen: gewinnerin, femina lucrans Stieler 2544; gewinnerinn, gagnante Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746b; bei Adelung (2, 666) u. a. wird das fem. wie das masc. auf die geltung fürs spiel eingeschränkt, und hierher weisen auch die ersten litterarischen belege: er suchte also die wohnung der gewinnerin (des bildes) unverweilt auf. Keller (grüner Heinr. 3, 12) 2, 165; die Sibylle hatte die tombola gewonnen! ... hier wurde die karte des mädchens untersucht, nummer auf nummer für richtig befunden und das geld der gewinnerin ausbezahlt. Rich. Voss die sibylle v. Tivoli 7 (vom fels z. meer 1883, 2, 600b).
eine isolierte stellung sichert dem femininum die aus älterem gebrauch in einem einzelnen sprachgebiet festgehaltene wendung kinder gewinnen (vgl. sp. 5974. 5993): gewinnerin, wöchnerin, kindbetterin. Avé-Lallemant dtsch. gaunerthum 4, 544.
 
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gewinnet, n. könnte lautlich auf gewinnend zurückgeführt werden, ist aber doch wol selbständige bildung.
1) die gebräuchlichste und dauerhafteste verwendung gilt dem wettspiel, bei dem es wie das substantivierte particip den preis kennzeichnet: man hat ein haffen gehept, das ist 50 fl das böst gewessen, das 2. was 45 fl ... wassen also 23 gewinnet. C. Sender, s. d. städtechron. 23, 123; und darbei ritterspil dir z eeren gehalten, in welchem dein mter ... den uberwindern thewre belonung oder gewinnet auffgeworfen hatt. Schaidenreisser Odyssee 99a (ἄεθλα 24, 85); dasz auff den kirchtägen und märckten ... kaine spil ... umb gelt oder umb aufgeworffne gwinnater ... zugelassen werden. Tiroler policeiordn. v. 1603 s. 10b; wurde zu Costentz am Bodensee ein staalschieszen gehalten ... und von den besten gewinnetern ein pferdt ... zu hausz gebracht. Welser-Werlichius Augsb. chron. 2, 195; auch auff den fahl dieser (glücks)hafen uber die darzu gehörige notturfft belegt, alsdann noch mehr gewinneter verordnet werden. Joh. Rud. Sattler werbungsbüchlein (1611) 209; ebenso 207; gewinnet, praemium, praemia victorum. voc. v. 1618, s. Schmeller 22, 931; (dasz) der obgemeldten geschoss gewinneter und vorthel uff die musqueten gewendet werden solle. Egerländer stadtbücher (1620) 3b, s. Nagels deutsche mundarten 1, 168; schulordnung. wie es die mercker und singer ... mit den gaben und gewinnetern halten wollen. A. Puschman ber. d. d. meistergesangs 29; silberne stück, die da herum ligen und hangen, sind gewünneter. kriegs-Simpl. 1, 87; gewinneter auffsetzen, praemia ponere, proponere. Aler 1, 938a; gewinneter darvon tragen, praemiari. 938b; gewinnet und gewinnets Unger-Khull 291a.
2) nur für die älteste zeitund zuerst an die form gewinnets gebundenist auch der allgemeinere begriff erwerb hier vertreten:

leg unnser kram schœn ein
unnd la dich nicht pelanngen;
der merer volkh ist nun vergangen.
ich han gekhlafft nun disn tag,
den ich kain gwinnetz mer da hab;
wir khunenn also nit vill gwinnenn,
die zerung wurt hie an unns zurinnen. Sterzinger spiele (Ipocras) Wiener neudrucke 9, 64;

auf das, wen in das alter nn pegreiffe,
das in sein har felt der kalt winter reiffe
und im sein kraft entschleiffe
und im ge an seinem gewinet ab,
das er an forerspartem get
ein winter zerng hab.
Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 155.


3) für die selbständigkeit unserer bildung spricht das vereinzelt belegte nomen actionis: dann jetzund seind die eebrüche im grsten gewinnet. Tat. Alpinus (verdeutsch. d. Polyd. Verg.) von den erfindern 79a.

[Bd. 6, Sp. 6077]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnfieber, n., zu gewinn, erwerb: wie kommt mir heute der Philipp vor? er ist doch sonst nüchtern und gewissenhaft. sollte ihn auch das gewinnfieber erfaszt haben? man hört, dasz es jetzt so arg grassiert. P. Rosegger das sünderglöckel 85.
 
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gewinngeld , n. mit zwei verschiedenen gebrauchsformen:
1) aus der für gewinn (sp. 5880) und gewinnen (sp. 5960) angeführten engeren wendung des westphälischen rechtsbrauches ist die eine bedeutung unseres compositums entsprossen, und von da ist es als jüngste der ersatzbildungen für laudemium auch in die allgemeine rechtssprache übergegangen: gewinngeld, n. die abgabe, welche bei erbpacht und lohngütern gezahlt werden muszte, wenn ein wechsel im unter- oder obereigentümer stattfand und eine neue belehnung nötig war, oder wenn zu einer veräusserung des gutes der konsens erteilt wurde. Waldeckische gemeinnützige zeitschr. 4 (1845), 140. Bauer-Collitz 145; laudemien (antrittsgelder, gewinngelder) ... wenn, wie in andern gegenden Westphalens vorkommt, nicht blos im vererbungsfalle, sondern auch von dem ehegatten des erben, veränderungsgebühren (gewinngelder) gezahlt werden müssen. preusz. gesetz v. 1829, gesetzsamml. s. 78; laudemium (lehnwaare, weinkauf, gewinngeld ...) gesetz v. 1845 (s. 243); das recht, besitzveränderungs-abgaben (laudemien, lehnwaaren, antrittsgelder, gewinngelder u. s. w.) bei denjenigen veränderungsfällen zu fordern, welche auf irgend eine weise in herrschender hand eintreten, wird ohne entschädigung des berechtigten aufgehoben. gesetz v. 1850 (s. 89); auch handänderungsgebühren bei veräuszerungen (ehrschatz, handlohn, weinkauf, lehnware, gewinngeld, laudemium) fanden ... eingang. R. Schroeder dtsch. rechtsgeschichte5 s. 820.
2) andererseits knüpft das compositum vereinzelt auch an den gewinn im spiel an: wenn die ablieferung der einnahme, oder auszahlung der gewinngelder (durch die einnehmer) ... nicht pünktlich erfolgen. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler (1830) 31.
 
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gewinngierig, adj., zu gewinn = erwerb: als die weichen weibischen leüt in Egypto in der arbeit faul und träg seind gewesen, und vilen andern geilheiten und wollusten nachgestellt, auch gewinngirig waren (κατὰ φιλοκέρδειαν). Caspar Hedion übers. des Josephus (antiq. Jud. 2, 9) (1533) 30b; zm achten rümet er sich, dasz er uns uberwunden, und nach notturfft überzeüget habe, aber es hat jm also träumet, wie jenem gewinngirign, als S. Augustinus schreibet. Joh. Nas antigratulatio (1568) 22b. unter den wörterbüchern nimmt erst Campe angeregt durch Radlof auf diese, anscheinend veraltete bildung bezug: gewinngierig, gierig nach gewinn ... zu gewinnen; im höhern grade gewinnsüchtig. 2, 365; ebenso Heinsius 2, 438a.
 
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gewinnhaber, m., verdeutschung der holländischen bezeichnung für die mitglieder der ostindischen compagnie: der general, und raht von Neu-Batavien, haben bald, nach aufrichtung ihrer stadt und staats daselbst, die gewinnhaber (gewinthebber) in Holland ersucht, man wolte ihnen doch einige mägdlein senden, um selbige, an die Niderländer desz orts, zu verheiraten. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 3) 2, 632; die ost-indische compagnie in Holland (aus deren mit-gliedern denen gewinnhabern sich einige mit etlichen tonnen golds nicht auskauffen liessen). Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. 3, 154.
 
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gewinnhaft, adj. zu gewinn = erwerb, mit gewinnig, gewinnsam und dem reicher entwickelten gewinnlich zur älteren schicht der adjectivableitungen gehörig und unter diesen am frühesten bezeugt. einer jüngeren zeit gehören die bildungen gewinnbringend, gewinnreich, gewinnvoll an.
1) beziehung auf personen: gewinnhaft, einer der gewinn macht: dar umb daʒ si all menschen gwinhaft machten und si got gewunnen in daʒ êwig leben. K. v. Megenberg buch der natur 450, 2 f.;

stos ... die reichen in armüet, hartsel,
die rüesamen in unnüecz quel,
die gwinhaften in perling schaden.
H. Sachs fab. u. schw. 5, 88;

questuosus, gewinnig et gewinnhaft. Dasypodius Gg 4b; vgl. questuosus winhaftig md. vocab. d. 15. jahrh. Diefenbach 479a; gewinnicht, et gewinnhaft, seu gewinnend.

[Bd. 6, Sp. 6078]


Stieler 2544; ungewinnhaft lucrifuga, contemnens, despiciens lucrum. ebenda.
2) auf sächliche subjecte ist das adjectiv vor allem in der bergmannssprache bezogen, wo auch die erweiterung der form in gewinnhaftig (s. d.) beliebt ist. die bedeutung wandelt sich in gewinnbringend, ertragreich: wer da hat gewinnehafte teil imme lande. Freiberger stadtrecht 74 Ermisch;

und biten got, daʒ er uns sende
ûf einen sô gwinhaften berc,
daʒ wir willen unde werc
an sînen dienest kêren. das mære v. feldbauer 507 Bartsch;

aus späterer zeit gehört hierher nur noch eine vereinzelte buchung, die aber auf allgemeineren gebrauch weist: gewinnhafte nahrung, negotiatio foecunda, quaestus uberrimus. Stieler 2544.
 
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gewinnhaftig, gewinnshaftig, adj. , ableitung vom vorigen, nur auf sächliche subjecte bezogen.
1) in engerer beziehung auf bergwerke mit der bedeutung gwinnbringend (tragend): auch wo obgedachte bergwerge gewinhaftig befunden und ... uns davon gegeben wurde. schlesische urkunde v. 1528, s. cod. dipl. Siles. 20, 238; wenn ir keine zech ader grube gewinnhaftig wurde. (1529) 21, 8; do denn ganghaftig tröstlich und gewinnhaftig ertzt befunden. (1536) 21, 41 (s. auch unter gewinnmessig); wann dermassen erbaute bergwerk gewinnhaftig werden. (1338) 21, 64.
2) auf erweiterung des gebrauches weisen die buchungen: gewinhafftiger, lucrosus, emolimentosus. vocab. incip. teut. (15. jahrh.), s. Diefenbach 338a; gewinshafftige gewerb treiben. Garth-König 620b.
 
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gewinnhässig, adj., zu gewinn = erwerb: gewinnhsziger, lucrifuga. Stieler 786 unter hszig; gewinnhäszig, lucrifuga. Kirsch 2, 7b; genau so Matthiae 2, 181a; vgl. oben ungewinnlich; vgl.: der keinen gewinn sucht, lucrifuga. S. Calvisius 700b u. a.
 
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gewinnhungrig, adj., neue bildung im rahmen des begriffes gewinn(be)gierig (s. o.): hundert gewinnhungrige lauern nur auf das erlöschen des privilegiums, um die edle lebensarbeit Schillers so massenhaft und wohlfeil zu verbreiten, wie die bibel. Keller (grüner Heinr. 4, 3) 3, 43.

 

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