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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinner bis gewinnhässig (Bd. 6, Sp. 6072 bis 6078)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinner, m., nomen agentis zu gewinnen (s. d.), das erst am ausgang der mittelhochdeutschen periode belegt ist, dem aber aus den ersten zeugnissen ein längeres vorleben zu erschlieszen ist. während die vom grundverbum ausgehende concurrenzform (s. widarwinno Graff 1, 881) in engen bedeutungsgrenzen blieb und rasch verkümmerte (vgl. winne Lexer 3, 910), ist gewinner von vornherein umfassend in seinem bedeutungsgehalt und wird namentlich auch im neuern stil durch die verwendungen des verbums immer wieder bereichert. die mehrfach versuchte concurrenz durch das part. praesens blieb ohne nachhaltigen erfolg.
1) der ältere gebrauch (vgl. Lexer 1, 993) hebt sich vom neueren vor allem durch eine neigung ab, die es uns erschwert, das substantiv zu deuten; er löst das nomen agentis aus dem lebendigen zusammenhang mit dem verbum und führt es zum appellativ weiter. fälle wie der folgende sindwenigstens unter den belegenvereinzelt:

der gewinner sprach: 'nein ich,
ich wil ê mit gewinne hein'.
Heinr. v. Beringen schachgedicht 9, 51.


a) für einzelne formen des appellativs ist der zusammenhang mit dem verbum leichter herzustellen. so führt auf gut gewinnen (sp. 6023) die benennung gutgewinner zurück: nein; der adel were ab und nütz denne gtgesellen und gutgewinner. Basler chroniken 4, 265; und bei 1600 drabanten, die kain sold hetten, gt gewinner. C. Sender (d. städtechron. 23) 414; alsz die kauflewt von Ulm ausz der mesz zochen mit iren gutern und kaufmansschaft auf Ulm zu, da sprengten etlich gutgewunner ausz dem zeug und hewen die wegen oder ballin auff, namen, wasz inen geful. Nic. Thoman Weissenhorner historie bei Baumann s. 18; ebenso 19 u. a. dasz das gleiche compositum auch anderen bedeutungsrichtungen nicht unmöglich ist (vgl. DWB gut gewinnen sp. 6024), zeigt: die kündigen dienstmegede und die gritigen arbeiter und gt gewinner: die hant groszen lust und ergetzunge in dem tegelichen gewinne, daʒ sú der zit nút belanget noch keiner arbeit verdrúszet. Schürebrand 73 Strauch (stud. z. d. phil. s. 47). auch eingewinner (s. theil 3 sp. 191, vgl. exactor, eingewünner Maaler 124d; die selben drije ingewinner Züricher stadtbücher 1) ist aus dem gegensatz von ingewinnen und gewinnen, der oben aus der rechtssprache belegt wurde (sp. 5958), leicht zu deuten.
b) versteckter liegt die deutung bei appellativformen, die auf gewinnen im sinne von land gewinnen (vgl. oben sp. 5960) zurückführen und aus dem pachtverhältnis bald ein dienstverhältnis oder eine berufsform entwickeln, vgl. landwinner Lübben-Walther 198; halfwinner Schiller-Lübben 2, 182 u. a.:

so der briester wirt gewîhet.
so ist er gote vil lieb.
so wil er zware.
in haben zeimme gewinnare.
seinen vil herren amman ...
ein chorter wirt ime danne bevolhen.
er sol sehen. daz ime deheinez daruz werde verstoln ...
so ist er sein meister gter
damit sol er sî alle
bringen z dem stalle. spec. eccles. 148, 158 Kelle;

Joh. Leser spittelmeister cz Dresden amachtman unde gewinner des ... marcgraffen Wilhelm czu Mysen. urkunde v. 1405 cod. dipl. Sax. reg. II, 2, 325; (Albrecht v. Thüringen) sprach denn zu seime gewinner den om die burger zu geschickt hatten, das her om seine phronde zwefeldigk ader dicke dreifeldigk usz richte. also gab her om denn sulche speisze, die her zwene adir drei tage sulde habin,

[Bd. 6, Sp. 6073]


das vorzerethe her denn allis uf einen tag unde besorgete sich nicht, was her den andern tag zu speise haben sulde. Joh. Rothe Düring. chron. (632) Liliencron s. 540; sollen die vier gwinger obligiert sein, jerlichenam st. Pangräzen abend alle die zein, so umb und umb an der nachtperschaft veld und gemain, auch in aussern und indern gassen stossen, zu besichtigen. ehehaftbuch v. Wieders (handschr. 1673), s. österr. weisth. 2, 269 (in der handschr. v. 1729: gewiner ebenda 5, 276). dazu vgl. aus wörterbüchern: mon gaigneur, ou mon laboureur, mein ackermann, mein arbeiter oder mein bauer, und mein gewinner, meus mercenarius, et villicus meus. Duez (1664) 461b. hierher dürfte auch das folgende zu stellen sein, wo der herausgeber durch conjectur (gevenner = fahnenträger) abhelfen möchte:

ietweder schar mit listen
stalten ir geselleschaft
dar nach als si heten kraft:
swelhe den hufen halten
scholten, auch si walten
die gewinner solten sin.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 14433 Regel.

die gewinner sind hier in gegensatz gestellt zu denen, die den hufen halten; es handelt sich also bei ihnen wol um die vertheilung auf die einzelnen haufen und um die unterordnung unter die einzelnen führer; dazu würde die gleichung gewinner, lehensmann wol stimmen.
auf die allgemeinere parallele lehensmann, pächter, bauer wird wol auch der verbreitete familienname Gwinner zurückführen; ob sich aber hieraus auch der schimpfname gewinner (Pansner dtsch. schimpfwb. 23a) erklärt? vgl. dazu gewinnler.
2) im gegensatz dazu führt der neuere gebrauch ganz in das geleis des nomen agentis zurück, dessen lebendig gefühlte function die verbindung mit dem verbum stets rege erhält und dadurch die bedeutung nach auszen erweitert, im innern bereichert.
a) mannigfaltig entwickelt ist hier schon die beziehung auf kampf und spiel: der rechtsstreit, der wettkampf ist früh belegt, allen voran jedoch ist das spiel hieran betheiligt, während der eigentliche kampf erst der jüngsten schicht der belege angehört.
α) was dann also zuelest in der dritten innstanz ... auszgesprochen würdt, dabei soll es ... bleiben, und nit weitter gezogen oder geappelliert ... werden ... sondern soll der gwinner, beim erlangten rechten ... behalten werden. Alpirsbacher urk. v. 1488 bei Besold docum. 284; vgl. gewinner im rechten, victor litis. Stieler 2544; vgl. auch Haltaus 714.
β) gewinner im spiel, palmam in ludo referens. Stieler 2544; die zwen krentzgewinner, sollen die nechste schul an der thür stehen, und das gelt einnemen. der auff der schul den krantz gewonnen, sol an der zeche auffwarten. Adam Puschman gründl. bericht des deutschen meistergesangs 33 neudr.; ebenso 32; das gleiche (wiederholt) Wagenseil 545; zu mercken, dasz der ubersieger, oder könig-David-gewinner, auch diesen vortheil davon trägt, dasz er in der nechsten singschule, so darauf gehalten wird, mit in dem gemerck sitzen darff. ... es sol aber kein David-gewinner macht haben, den merckern einzureden, sondern er musz warten, bisz er gefragt wird. ebenda; in der Kathrinenkirche war sonst wohl jeden sontag singschule — aber jetzt wäre in der ganzen stadt kein merker für geld zu haben. es ist schlecht genug, zumal wenn es leute in der stadt giebt, die 'kranz-gewinner' werden könten, wo nicht 'könig-David-gewinner'. J. Paul fata u. werke (6) 2, 91 (so wurde dem preiserwerber eine kette aus pfenningen umgehangen, deren mittelster den könig David mit der harfe vorstellte. ebenda, anm.); auf einer mischung zweier bedeutungen von gewinnen (vgl. auch sp. 6014 ff.) beruht: der vorderste bei dem wettrennen, der endlich auf seinem schweisztriefenden gaul zuerst 'den hof gewonnen' hatte, der sieger, warf das pferd sofort wieder herum und sprengte seinen nachfolgenden mitbewerbern entgegen. ... ein vivat erscholl 'dem hofgewinner!' ... der hofgewinner war von nun an die erste person beim feste. Lev. Schücking Paul Bronckhorst (35) 3, 247; anders: so werden die preisschriften gewöhnlich, oder doch wenigstens häufig, mit den ihnen am nächsten gekommenen wetteiferern abgedruckt. diese bis nahe zum ziele vorgedrungenen

[Bd. 6, Sp. 6074]


nebenbuhler sind denn wahre anfugen der preisgewinner. F. L. Jahn (bereicherung des hd. sprachschatzes) 1, 62 Euler; wenn der könig am ersten tage die preise selbst austheilt, vor jedem preisgewinner den hut abnimmt ... F. Mendelssohn-Bartholdy reisebriefe 1, 281; einer hatte einen becher herausgeschossen ... dem bechergewinner. hausbl. (60) 1, 169, s. Sanders 3, 1621a; wir müssen aber darauf denken, dasz der gewinner unserer (ehren-) gabe auch eine unverstellte freude an derselben haben kann. G. Keller (fähnlein d. sieben aufrechten) 6, 275.
γ) gaigneur, ein gewinner, victor, qui ludendo lucratur, vel vincit. Duez (1664) 461b; welcher dann verleuret, der gibt sich willigklichen dohin inn die dienstbarkeit und eigenschafft des gewinners. Micyllus übersetz. des Tacitus (Germania 24: victus voluntariam servitutem adit) 445a; das der verlustig, solch auff porg verspilt gelt, zubezalen nit schuldig noch verbunden sein, und auch die nachgesetzten oberkaiten ... den gewinner und verspiler nochdar zue ... straffen ... sollen. tirolische policeiordnung v. 1603 s. 10b; dahero lachten die gewinner, und die verspieler bissen die zähne auffeinander. Grimmelshausen Simplic. (2, 20) 151; dasz das spielgelt unter das ungerechte gut zu zehlen, welches nicht auf den dritten erben kommet, sondern den ersten gewinner eines grossen unglücks sicheres pfand ist. Harsdörfer schauplatz (25) 100; das gleiche Butschky rosenthal (100) 182; vgl.: erst gewinner gibt ein armer studenklimmer. Kirchhofer schweiz. sprichw. 154; der erste gewinner, der letzte verlierer. Frischbier preusz. sprichw. 90; ebenso wb. der Luxemb. mda. 145a; Gangler 179; Martin u. Lienhart 2, 831b u. a., s. Wander 1, 1664; s. oben sp. 5977; dasz ... die teufel ... bei den abgefertigten spielern ... seelenverderbliche gedancken erregen und hegen; bei den gewinnern zwar bauet er schröckliche schlösser in die luft. Grimmelshausen Simplic. (2, 20) 154; wenn ein spieler verspielet ... er wird auch von seinem gegner, dem gewinner, verlachet und verhönet. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 32; ähnlich 85; auch wird der gewinner bestrafft, er darff nemlich die gewonnene schuld, wenn sie der spieler nicht gutwillig bezahlen will, vor gericht nicht fordern. Joh. Hier. Hermann jurist. lex. 2, 826b; der gewinner ... welches nur im spiele üblich ist, den gewinnenden theil zu bezeichnen. Adelung 2, 666; ähnlich Campe 2, 365a (etwas freier); so sollten doch die spieler so billig sein ... erlaubt es doch der gewinner dem trostlosen verlierer. Klinger (betracht. u. ged. 1, 307) 11, 278;

(königin:) ich kann ja den verlierer schelten lassen.
(Gloster:) viel wahrer als ihr's meintet! wohl verlier' ich:
fluch den gewinnern, denn sie spielten falsch!
wer so verliert, der hat wohl recht zu reden.
(beschrew the winners, for they play'd me false!)
Schlegel übers. v. Shakespeares Heinr. VI. th. 2: 3, 1;

da doch sonst bei den spielern die gewinner lustig, und die traurig sind, welche verlieren. Tieck don Quichote 2, 598; dann erschallt auf einmal ein ruf gränzenloser bewunderung: die bank sei gesprengt! es geschah dieszmal wirklich in roth und schwarz. der vorsichtige gewinner setzte sich alsbald in eine postchaise, seinen unerwartet erworbenen schatz bei nahen freunden und verwandten in sicherheit zu bringen. Göthe (tag- u. jahreshefte 1801) 31, 105; dort im süden war ein kühnes spiel um das leben, der gewinner erwarb das höchste erdenglück: kriegsruhm, unermeszliche macht, das lied des sängers. G. Freytag (bilder a. d. dtsch. vergangenheit) 17, 104. in der zwangslosen sprache macht sich hier auch der von einer verschiebung des subjects (vgl. oben sp. 6066) ausgehende gebrauch geltend, der zugleich mit einem übergang zum appellativ verknüpft ist: der gewinner, eine nummer, ein loos, worauf man etwas gewinnt. Campe 2, 365a; gewinner, a winning ticket. Hilpert 2, 1, 465a. vgl. gewinnkarte.
δ) gewinner im streite, bello superior. Stieler 2544; victor, lucrifaciens. ebenda; gewinner, the gainer, victor, conqueror. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 774; so haben eine zeit die Denen, die ander zeit die Rhugianer ... gewunnen, also das sie sich von beiden seiten nicht vor gewinner romen, auch nicht vor uber- wunden bekennen dorfften. Kantzow chron. v. Pommern 1, 101 Gaebel; schlachtengewinner

[Bd. 6, Sp. 6075]


Campe 4, 149; Bonaparte, der schlachtengewinner. F. L. Jahn 1, 15; dem gewaltigsten schlachtengewinner. Varnhagen denkw. 2, 180.
b) die gröszte mannigfaltigkeit geht von der vorstellung der besitznahme aus, namentlich seit der neuere stil den engeren begriff des erwerbs verläszt und den beim verbum belegten objectverbindungen einflusz vergönnt.
α) nû sult ir prüeven, daʒ der êrste sterne, Saturnus, ist ein fürber; der ander, Jupiter, ist ein gunster; der dritte, Mars, ist ein zürner; der vierde, diu sunne, ist ein liuhter, der fünfte, Venus, ist ein liebtrager; der sehste, Mercurius, ist ein gewinner; der sibende, der mâne, ist ein loufer. Meister Eckhart myst. 2, 212; dar nâch wirt Mercurius der gewinner, so diu sêle alliu dinc gît umbe got unde bringet ze lône daʒ guot der gotheit. 213; lucrio, gewinner handschr. vocab. d. 15. jahrh. Diefenbach 338c; lucrator, gewinner hochd.-böhm. wb. v. 1470 Diefenbach 338a; ebenso König (1668) 1341b; gewinner, lucrans Henisch 1599; acquereur, acquesteur, m. erwerber, gewinner, partor, acquisitor. Duez 10a; es hatte dieser keiser ... sich mit einem kauffman ... in gemeinschaft eingelassen ... hat also jeder 100 marck in gemeinen seckel zusammen gelegt. ... derhalben er wein (von Köln) auff der axt nachher Straszburg führen liesz, und sie daselbst ... mit dreifachem gewinn verkaufft, weil sie also an dieser wundersamen kauffmanschafft so ein grosses erworben, sagte der keiser zu seinem gewinner. Zinkgref apophthegmata 1, 47; viel laszen einen geringen satz, der noch bereichern noch verarmen machet, zu, andre wollen, dasz man dem gewinner das geld abnehmen und armen leuten austheilen soll. Praetorius gazophyla. 30; gewinner, celui qui gagne. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746b (le gagnant, gagneur); gewinner, winnaar. Kramer (1719) 2, 97b; besonders scherzte er manchmal mit einer anspielung auf seinen namen, indem er Felix Guadagni hiesz, dasz sein gewinn gering sein würde, wenn ich ihn nicht zu einem so groszen gewinner gemacht hätte. Göthe (Benvenuto Cellini 2, 6) 34, 260; nun zeigt sich's, was das fruchtet. der gewinner, sagt das sprichwort, musz einen vertuner haben. Hermann Kurz (der sonnenwirt 26) 6, 102 Hermann Fischer; na'm gewinner folget en verslinner (Westph.). Wander 1, 1664.
β) für den weiteren rahmen des begriffes zeugen folgende auf objectverbindungen gestützte wendungen.
1)) so vergänglich nun das glück war, das dieser fremde reichthum (des orients) seinen gewinnern bringen konnte: so war er doch zur ersten blüthe der italienischen cultur vielleicht unentbehrlich. Herder ideen (20, 1) 4 (1791), 282; während der geber im gefängnis schmachtet, wird unter scherzen seine gabe herausgeknöchelt und mit schmatzen von den gewinnern verzehrt! Fr. Th. Vischer auch einer 241.
2)) brotgewinner, operarius. Henisch 1599; producenten sind nicht, wie die physiokraten sich vorstellen, blos nur die gewinner der rohen produkte der natur, sondern auch alle veredler derselben, alle krämer und groszhändler. Lotz handb. der staatswirthschaftslehre 1, 125; ebenso (gewinner der urprodukte) 126; das testament wurde verlesen. nach dem ende der 3 ten klausel zeigte Kuhnold auf den frühprediger Flachs, als den redlichen finder und gewinner des Kabelschen hauses. Jean Paul (flegeljahre 1, 15) 26, 128; Henricus, dux Guisius ... hatte sein gantz patrimonium unter gute freunde auszgetheilet ... von diesem G. ist das sprichwort herkommen, er sei eben wegen dieser freigebigkeit ein grosser gewinner der Frantzosen gewesen. Schuppius schriften 593 (kunst reich zu werden);

die gewinner der erde
von ihrer mächtigen üppigkeit
wurden sie reich!
Herder (Johannes offenbarung [1774]) 9, 77;

ebenso 78; vgl. auch 79 (die gewinner von dir); der drachentödter und hortgewinner. Glasenapp R. Wagner 1, 253, s. Sanders erg.-wb. 640b.
γ) vereinzelt sind belege, die unmittelbar auf den absoluten gebrauch des verbums zurückführen: alles liesz die freiheit und republik heute leben; und wenn dies einer kann, so kann es der bauer, der bei allen misbräuchen und gräueln doch seine generalpächter und fröhnen

[Bd. 6, Sp. 6076]


nicht mehr hat. er ist der gewinner, während handel, industrie und schiffart laut über die revolution schreien. E. M. Arndt reisen ... 4 (1802), 154; und welche sind durch dieses gesetz am meisten die gewinner gewesen? schriften f. m. l. Deutschen 3, 462.
 
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gewinnerarbeit, f., s. gewinnung.
 
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gewinnerin, f., movierte form zu gewinner, als solche schon bei Rothe vorübergehend für die beziehung auf ein weibliches subject gebraucht: sam ein recht gewinnerinne der sêle. Elisabeth 14a (Koburger handschr.) Lexer nachtr. 209; die neuere sprache läszt die form seit ausgang des 17. jahrh. in den wörterbüchern fusz fassen: gewinnerin, femina lucrans Stieler 2544; gewinnerinn, gagnante Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746b; bei Adelung (2, 666) u. a. wird das fem. wie das masc. auf die geltung fürs spiel eingeschränkt, und hierher weisen auch die ersten litterarischen belege: er suchte also die wohnung der gewinnerin (des bildes) unverweilt auf. Keller (grüner Heinr. 3, 12) 2, 165; die Sibylle hatte die tombola gewonnen! ... hier wurde die karte des mädchens untersucht, nummer auf nummer für richtig befunden und das geld der gewinnerin ausbezahlt. Rich. Voss die sibylle v. Tivoli 7 (vom fels z. meer 1883, 2, 600b).
eine isolierte stellung sichert dem femininum die aus älterem gebrauch in einem einzelnen sprachgebiet festgehaltene wendung kinder gewinnen (vgl. sp. 5974. 5993): gewinnerin, wöchnerin, kindbetterin. Avé-Lallemant dtsch. gaunerthum 4, 544.
 
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gewinnet, n. könnte lautlich auf gewinnend zurückgeführt werden, ist aber doch wol selbständige bildung.
1) die gebräuchlichste und dauerhafteste verwendung gilt dem wettspiel, bei dem es wie das substantivierte particip den preis kennzeichnet: man hat ein haffen gehept, das ist 50 fl das böst gewessen, das 2. was 45 fl ... wassen also 23 gewinnet. C. Sender, s. d. städtechron. 23, 123; und darbei ritterspil dir z eeren gehalten, in welchem dein mter ... den uberwindern thewre belonung oder gewinnet auffgeworfen hatt. Schaidenreisser Odyssee 99a (ἄεθλα 24, 85); dasz auff den kirchtägen und märckten ... kaine spil ... umb gelt oder umb aufgeworffne gwinnater ... zugelassen werden. Tiroler policeiordn. v. 1603 s. 10b; wurde zu Costentz am Bodensee ein staalschieszen gehalten ... und von den besten gewinnetern ein pferdt ... zu hausz gebracht. Welser-Werlichius Augsb. chron. 2, 195; auch auff den fahl dieser (glücks)hafen uber die darzu gehörige notturfft belegt, alsdann noch mehr gewinneter verordnet werden. Joh. Rud. Sattler werbungsbüchlein (1611) 209; ebenso 207; gewinnet, praemium, praemia victorum. voc. v. 1618, s. Schmeller 22, 931; (dasz) der obgemeldten geschoss gewinneter und vorthel uff die musqueten gewendet werden solle. Egerländer stadtbücher (1620) 3b, s. Nagels deutsche mundarten 1, 168; schulordnung. wie es die mercker und singer ... mit den gaben und gewinnetern halten wollen. A. Puschman ber. d. d. meistergesangs 29; silberne stück, die da herum ligen und hangen, sind gewünneter. kriegs-Simpl. 1, 87; gewinneter auffsetzen, praemia ponere, proponere. Aler 1, 938a; gewinneter darvon tragen, praemiari. 938b; gewinnet und gewinnets Unger-Khull 291a.
2) nur für die älteste zeitund zuerst an die form gewinnets gebundenist auch der allgemeinere begriff erwerb hier vertreten:

leg unnser kram schœn ein
unnd la dich nicht pelanngen;
der merer volkh ist nun vergangen.
ich han gekhlafft nun disn tag,
den ich kain gwinnetz mer da hab;
wir khunenn also nit vill gwinnenn,
die zerung wurt hie an unns zurinnen. Sterzinger spiele (Ipocras) Wiener neudrucke 9, 64;

auf das, wen in das alter nn pegreiffe,
das in sein har felt der kalt winter reiffe
und im sein kraft entschleiffe
und im ge an seinem gewinet ab,
das er an forerspartem get
ein winter zerng hab.
Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 155.


3) für die selbständigkeit unserer bildung spricht das vereinzelt belegte nomen actionis: dann jetzund seind die eebrüche im grsten gewinnet. Tat. Alpinus (verdeutsch. d. Polyd. Verg.) von den erfindern 79a.

[Bd. 6, Sp. 6077]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnfieber, n., zu gewinn, erwerb: wie kommt mir heute der Philipp vor? er ist doch sonst nüchtern und gewissenhaft. sollte ihn auch das gewinnfieber erfaszt haben? man hört, dasz es jetzt so arg grassiert. P. Rosegger das sünderglöckel 85.
 
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gewinngeld , n. mit zwei verschiedenen gebrauchsformen:
1) aus der für gewinn (sp. 5880) und gewinnen (sp. 5960) angeführten engeren wendung des westphälischen rechtsbrauches ist die eine bedeutung unseres compositums entsprossen, und von da ist es als jüngste der ersatzbildungen für laudemium auch in die allgemeine rechtssprache übergegangen: gewinngeld, n. die abgabe, welche bei erbpacht und lohngütern gezahlt werden muszte, wenn ein wechsel im unter- oder obereigentümer stattfand und eine neue belehnung nötig war, oder wenn zu einer veräusserung des gutes der konsens erteilt wurde. Waldeckische gemeinnützige zeitschr. 4 (1845), 140. Bauer-Collitz 145; laudemien (antrittsgelder, gewinngelder) ... wenn, wie in andern gegenden Westphalens vorkommt, nicht blos im vererbungsfalle, sondern auch von dem ehegatten des erben, veränderungsgebühren (gewinngelder) gezahlt werden müssen. preusz. gesetz v. 1829, gesetzsamml. s. 78; laudemium (lehnwaare, weinkauf, gewinngeld ...) gesetz v. 1845 (s. 243); das recht, besitzveränderungs-abgaben (laudemien, lehnwaaren, antrittsgelder, gewinngelder u. s. w.) bei denjenigen veränderungsfällen zu fordern, welche auf irgend eine weise in herrschender hand eintreten, wird ohne entschädigung des berechtigten aufgehoben. gesetz v. 1850 (s. 89); auch handänderungsgebühren bei veräuszerungen (ehrschatz, handlohn, weinkauf, lehnware, gewinngeld, laudemium) fanden ... eingang. R. Schroeder dtsch. rechtsgeschichte5 s. 820.
2) andererseits knüpft das compositum vereinzelt auch an den gewinn im spiel an: wenn die ablieferung der einnahme, oder auszahlung der gewinngelder (durch die einnehmer) ... nicht pünktlich erfolgen. E. S. Unger anleit. f. lotteriespieler (1830) 31.
 
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gewinngierig, adj., zu gewinn = erwerb: als die weichen weibischen leüt in Egypto in der arbeit faul und träg seind gewesen, und vilen andern geilheiten und wollusten nachgestellt, auch gewinngirig waren (κατὰ φιλοκέρδειαν). Caspar Hedion übers. des Josephus (antiq. Jud. 2, 9) (1533) 30b; zm achten rümet er sich, dasz er uns uberwunden, und nach notturfft überzeüget habe, aber es hat jm also träumet, wie jenem gewinngirign, als S. Augustinus schreibet. Joh. Nas antigratulatio (1568) 22b. unter den wörterbüchern nimmt erst Campe angeregt durch Radlof auf diese, anscheinend veraltete bildung bezug: gewinngierig, gierig nach gewinn ... zu gewinnen; im höhern grade gewinnsüchtig. 2, 365; ebenso Heinsius 2, 438a.
 
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gewinnhaber, m., verdeutschung der holländischen bezeichnung für die mitglieder der ostindischen compagnie: der general, und raht von Neu-Batavien, haben bald, nach aufrichtung ihrer stadt und staats daselbst, die gewinnhaber (gewinthebber) in Holland ersucht, man wolte ihnen doch einige mägdlein senden, um selbige, an die Niderländer desz orts, zu verheiraten. Erasmus Francisci lustige schaubühne (2, 3) 2, 632; die ost-indische compagnie in Holland (aus deren mit-gliedern denen gewinnhabern sich einige mit etlichen tonnen golds nicht auskauffen liessen). Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. 3, 154.
 
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gewinnhaft, adj. zu gewinn = erwerb, mit gewinnig, gewinnsam und dem reicher entwickelten gewinnlich zur älteren schicht der adjectivableitungen gehörig und unter diesen am frühesten bezeugt. einer jüngeren zeit gehören die bildungen gewinnbringend, gewinnreich, gewinnvoll an.
1) beziehung auf personen: gewinnhaft, einer der gewinn macht: dar umb daʒ si all menschen gwinhaft machten und si got gewunnen in daʒ êwig leben. K. v. Megenberg buch der natur 450, 2 f.;

stos ... die reichen in armüet, hartsel,
die rüesamen in unnüecz quel,
die gwinhaften in perling schaden.
H. Sachs fab. u. schw. 5, 88;

questuosus, gewinnig et gewinnhaft. Dasypodius Gg 4b; vgl. questuosus winhaftig md. vocab. d. 15. jahrh. Diefenbach 479a; gewinnicht, et gewinnhaft, seu gewinnend.

[Bd. 6, Sp. 6078]


Stieler 2544; ungewinnhaft lucrifuga, contemnens, despiciens lucrum. ebenda.
2) auf sächliche subjecte ist das adjectiv vor allem in der bergmannssprache bezogen, wo auch die erweiterung der form in gewinnhaftig (s. d.) beliebt ist. die bedeutung wandelt sich in gewinnbringend, ertragreich: wer da hat gewinnehafte teil imme lande. Freiberger stadtrecht 74 Ermisch;

und biten got, daʒ er uns sende
ûf einen sô gwinhaften berc,
daʒ wir willen unde werc
an sînen dienest kêren. das mære v. feldbauer 507 Bartsch;

aus späterer zeit gehört hierher nur noch eine vereinzelte buchung, die aber auf allgemeineren gebrauch weist: gewinnhafte nahrung, negotiatio foecunda, quaestus uberrimus. Stieler 2544.
 
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gewinnhaftig, gewinnshaftig, adj. , ableitung vom vorigen, nur auf sächliche subjecte bezogen.
1) in engerer beziehung auf bergwerke mit der bedeutung gwinnbringend (tragend): auch wo obgedachte bergwerge gewinhaftig befunden und ... uns davon gegeben wurde. schlesische urkunde v. 1528, s. cod. dipl. Siles. 20, 238; wenn ir keine zech ader grube gewinnhaftig wurde. (1529) 21, 8; do denn ganghaftig tröstlich und gewinnhaftig ertzt befunden. (1536) 21, 41 (s. auch unter gewinnmessig); wann dermassen erbaute bergwerk gewinnhaftig werden. (1338) 21, 64.
2) auf erweiterung des gebrauches weisen die buchungen: gewinhafftiger, lucrosus, emolimentosus. vocab. incip. teut. (15. jahrh.), s. Diefenbach 338a; gewinshafftige gewerb treiben. Garth-König 620b.
 
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gewinnhässig, adj., zu gewinn = erwerb: gewinnhsziger, lucrifuga. Stieler 786 unter hszig; gewinnhäszig, lucrifuga. Kirsch 2, 7b; genau so Matthiae 2, 181a; vgl. oben ungewinnlich; vgl.: der keinen gewinn sucht, lucrifuga. S. Calvisius 700b u. a.

 

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