Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnbetheiligung bis gewinnerin (Bd. 6, Sp. 5922 bis 6076)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnbetheiligung, f.: gewinnbetheiligung. Thiel 4, 430a; einen einfluszreichen posten in der ... kommerzbank und eine glänzende gewinnbetheiligung. Stilgebauer börsenkönig 217.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinnbrief, m., vgl. gewinn sp. 5880: antrittsgelder (annahmegelder, laudemien, weinkauf etc.), können nur in sofern und in dem maasze gefordert werden, als sie dem berechtigten schon vor bekanntmachung der fremden gesetze zukamen ... doch fällt bei dergleichen nunmehr zu eigenthumsrechten erworbenen gütern die früher übliche ertheilung und annahme besonderer gewinnbriefe fort. preusz. ges. v. 1825, s. gesetzs. s. 81.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinnbringend, adj. (vgl. gewinn bringen sp. 5910): lucrificus, gewinnbringend. König 674b; quaestuosus, gewinnsam, gewinnbringend, gewerbhaftig. Dentzler 640b; gewinnbringend, lucrativus, quaestuosus, lucrosus, compendiosus. Aler 1, 936b (die wohlredenheit ist gewinn bringend. 937a); ähnlich Kirsch, Matthiae (s. unter gewinnbegierig); desgl. Hederich 1, 1424 (gewinnbringendes jahr — kaufmannschaft — schaden); gewinnbringend, gewinnsam, einträglich, gewinzaam. Kramer 2, 97b; gewinnbringend, lucratif, profitable, avantageux. Schwan 1, 746a; gewinnbringend, yielding or bringing profit or gain, profitable, lucrative. Hilpert ii, 1 s. 464c.
1) in beziehung auf erwerb und geschäftsverkehr: wie können künste sich heben, wo der ackerbau danieder liegt? wo die erste quelle des reichthums, der unabhängige, gewinn-bringende fleisz der menschen, und mit ihm alle bäche des handels und freien gewerbes versiegt ... waren? Herder ideen (18, 6) 4 (1791), 196; ein kaufmann ist gewohnt, sein geld vornehmlich zu gewinnbringenden unternehmungen ... anzuwenden (to employ his money chiefly in profitable projects). Garve übers. des Adam Smith (3, 4) 22, 234; aber diese summe ist dennoch von zu groszem werthe, als dasz sie müszig liegen bleiben sollte. sie wird also auszer landes versandt werden, dort eine gewinnbringende anwendung zu suchen, die sie innerhalb desselben nicht finden kann (profitable employment 2, 2) 22, 35; jeder zweig der menschlichen betriebsamkeit, und jede form, in welcher sich die menschliche thätigkeit äuszern mag, mag zwar im allgemeinen betrachtet, unter gewissen besonderen verhältnissen, gewinnbringend werden können. Lotz revis. d. grundbegriffe (§ 253) 3, 398; und das dasein für einen gewinnbringenden jahrmarkt erachten. Kautzsch übers. v. weish. Salom. 15, 12 (geben für, man müsse allenthalben gewinn suchen. Luther, compositam ad lucrum); und dass überall hin ... von Arabern oder deren anhängern elephanten- und menschenjäger ausgeschickt worden sind, um gewinnbringende waare zu erbeuten. graf v. Götzen durch Afrika (1895) 146.

[Bd. 6, Sp. 5923]



2) übertragen: sein (des constitutionnels) kampf gegen die jesuiten, gegen den klerus, gegen die restauration in allen ihren verzweigungen, selbst in den romantischen des dramas, war einst eben so glorreich, wie gewinnbringend. Karl Gutzkow briefe aus Paris (7) 2 (1842), 173; ihrem tiefen bedürfnisse nach moquerie und klatsch ... suchte sie durch ein briefliches geplauder mit dem prinzen zu hilfe zu kommen, der, ein feinschmecker auf dem gebiete der chronique scandaleuse, nicht müde wurde, sie zur fortsetzung einer beiden teilen gleich gewinnbringenden korrespondenz zu ermutigen. Fontane (vor dem sturm) I, 1, 169.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinndel, s. gewinnlein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinnegoist, m.: ich bin ein geistes- und gemütsegoist, wie es gewinn- und vorteilsegoisten giebt. Grillparzer tagebücher 71 Glossy u. Sauer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinnel, s. gewinnlein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewinnen, verbum , verstärktes winnen (s. d.), hat sich in dieser zusammensetzung mit dem praefix ge früh zu einem der beliebtesten ausdrucksmittel des deutschen wortschatzes entwickelt, den es noch heute nicht so sehr durch eine mannigfaltigkeit der bedeutungsrichtungen belebt, als durch eine fülle von festen verbindungen bereichert. wie weit die verschiedenartigen bedeutungsfärbungen solcher wendungen auf das verbum zurückwirken, zeigen die varianten in der überlieferung älterer texte und zeigen die mannigfachen synonyma, mit denen das verbum früher oder später sich berührt.
I. abgrenzungen. ältester verwendungskreis. gebrauchs- und bedeutungsgruppen im wechsel der stilgattungen und sprachperioden. statistik. formen.
1) von der sippe, der gewinnen entspringt, ist es schon oben (s. gewinn sp. 5861 ff.) zugleich mit kurzer darstellung des verhältnisses zwischen gewinnen und winnen abgehoben, hier sei das verbum gegen das substantiv und gegen bedeutungsverwandte verba abgegrenzt.
a) dem substantiv, das doch viel und gern verwendet wird, ist das verbum durch einen unverhältnismäszig gesteigerten gebrauch überlegen. bemerkenswert ist auch, dasz mundarten, die dem substantiv sich verschlieszen, dem verbum offen stehen, vgl. sp. 5883 und unten (I, 4, b). weitgehender sodann als beim substantiv kennzeichnet das präfix beim verbum den bedeutungswandel, der an die änderung der actionsart anknüpft. durative actionsart, wie sie das angelsächs. gewinnan (fight, contend Bosworth-Toller 468a) einschlieszt, ist am deutschen nicht zu belegen. und wenn unser compositum anfangs überwiegend in formen des präteritums beobachtet ist, erscheint das präfix doch nirgends als bloszer begleiter der zeitstufe; überall kennzeichnet es den erfolg, nicht blosz den abschlusz, den ein kämpfen oder abmühen erreicht hat: gewinnen, (be)siegen, erkämpfen, erlangen. eine ausnahme wäre am ehesten in einigen glossenbelegen zu vermuten, wo das lateinische synonymon zweifel zuläszt: impendit, gewan. Steinmeyer-Sievers 2, 505; providit, giwan 2, 122; doch vgl. auch provideat, giwinne. 1, 309; von expetat, ni guinna. 2, 208; der zusammenhang, auf den diese glossen zurückweisen, läszt eher vermuten, dasz das lateinische verbum hier in der bedeutung gebraucht ist, die es über die perfective actionsart hinweg erreicht hat.
b) bemerkenswerthe gegensätze zwischen substantiv und verbum spiegeln sich in den verwandtschaftlichen beziehungen, die beide auf grund ihrer bedeutungsentwicklung eingehen. ein wichtiges synonymon des substantivs wie vortheil läszt in der kategorie des verbums eine lücke, und den synonymen des verbums andererseits fehlt in der kategorie des substantivs fast jede entsprechung.
α) am frühesten und am vollständigsten werden die gebrauchsformen von gewinnen durch erringen gedeckt, das freilich in bezug auf verbreitung weit zurückbleibt, vgl. mhd. wb. 2, 1, 714a; Lexer 1, 664 und nachtr. vgl. auch oben theil 3, sp. 946. erringen läszt aus seiner grundbedeutung ungezwungen die beiden hauptrichtungen entstehen, die auch gewinnen (vgl. auch gewinnan, obtain by fighting, conquer, gain, win. Bosworth-Toller) und ein groszer theil der synonyma in sich vereinigt: die engere beziehung auf kampf und kampfspiel mit der anlehnung an verba wie bezwingen, überwinden, erobern und die allgemeinere bedeutung eines durch körperliche anstrengung und mühe (die bei ringen stärker hervortritt als bei gewinnen) erzielten erfolges.

[Bd. 6, Sp. 5924]



zum ersten vgl.:

wi ist daz geschehn
daz ir habt, hêr Sîfrit der spil niht gesehn,
diu hie hât errungen diu Guntheres hant. Nibelungen 442, 11;

vgl. sig erringen, lant erringen (neben sieg gewinnen u. a. s. u.);
zum zweiten vgl. verbindungen wie: lîpnar erringen; saelde, liebe, zorn erringen. wie dieser allgemeinere begriff je nach der stilform der verengerung unterliegt, zeigt der rechtsausdruck güter erringen, errungenschaft, der sich aufs engste mit älteren wendungen von gewinnen berührt (s. 2, c); andererseits wird die vorstellung der bewegung, von der dieser allgemeinere begriff eigentlich getragen ist, in einzelnen verbindungen wieder lebendig, die bei gewinnen und anderen synonymen eigenartige entsprechung finden: daz burgetor si errungen. pfaff Konrad Rolandslied 11, 5; dô si die kil errungen. herzog Ernst 3145. zu gewinnen vgl.:

die menge macht ihm warm
und wärmer noch ihr üppiges beginnen;
er sucht umsonst die thüre zu gewinnen.
Wieland (Idris 2, 41) 17, 89.


β) der etymologie nach berührt sich mit erringen aufs engste das heute weiter abstehende erwerben, das in älterer zeit der meist begünstigte concurrent von gewinnen ist. vgl. mhd. wb. 3, 725a, Lexer 699 und nachtr. vgl. auch oben theil 3, sp. 1060.
1)) aus der beziehung auf kampf und handgemenge entwickelt dieses verbum vor allem verbindungen mit persönlichem object, die später wieder absterben:

wir suln in recken wîsevarn zetal den Rîn ...
selbe vierde degenevarn wir an den sê:
sô erwerben wir die frouwenswi ez unz dar nâch ergê. Nibelungen 338, 12 Lachmann und so öfters:

mit gewalte nieman erwerbenmac die maget. 58, 1;

vgl. auch:

mir sulen ouch tohter lieber sîn ...
sie wir verboten sî dez swert,
ir wer ist anders als wert:
si erwirbt im kiuscheclîche
einen sun vil ellens rîche.
Wolfram Parzival 367, 27;

diese beispiele sind auch für die deutung der viel verbreiteten verbindung einen sohn, ein kint gewinnen (s. u.) von wichtigkeit. sie zeigen, dasz der allgemeinere begriff (obtinere), der ihnen zu grunde liegt, eigentlich doch auch von der vorstellung einer beute, eines kampfpreises abzweigt.
die gleiche beziehung macht sich auch neben sächlichem object zuerst geltend: sîn strît erwerben an. Parz. 545, 14; sig erwerben. Nibelungen 213, 2;

ich wils alles walten: und ouch diu erbe mîn,
erwirbest dus mit sterke, diu sulen dir undertaenic sîn. Nibel. 112, 4; ebenso Iwein 108.

doch münden hier auch andere richtungen der ursprünglichen bedeutung des verbums ein, in denen es sich ebenfalls mit gewinnen berührt:

dar an gedenke, junger man,
und wirp nâch herzeliebe: da gewinnest an.
ob dus danne niht erwirbest (die froide)
dû muost doch iemmer deste tiurre sîn.
Walther 91, 29;

jedenfalls ist der allgemeinste begriff der besitznahme früh vertreten:

si rachen gotes êre
des irwurfen si mere
denne di gten
da fore virlorn heten. Vorauer bücher Mosis bei Diemer 55. 3;

vgl. auch ors erwerben. Parz. 540, 12; lôn erwerben. Walther 77, 35; vgl. DWB lob, êre, ruom, prîs, frumen erwerben, minne, hulde (haz) erwerben, küneges gruoʒ, ein guot wort erwerben. vgl. die concurrenz von erwerben und gewinnen in varianten mittelhochdeutscher handschriften (wîp erwerben, gewinnen. Nibel. 336, 4 u. a.; das gleiche neben golt erwerben. 1047, 4; erʒenîe erwerben. armer Heinrich 448; êre erwerben. Iwein 948), vgl acquirere, erberphen oder gewinnen. vocab. v. 1432. in der kennzeichnung einer besitznahme ist erwerben mit gewinnen eng verwandt. dasz aber auch hier noch eine grenzlinie lebendig ist, zeigt der ausspruch Friedrich Wilhelms III. über die polnischen erwerbungen. dasz Deutschland gewinne, was Preuszen erwerbe.
2)) bei erringen nur schwach angedeutet, bei erwerben dagegen völlig ausgebildet ist die auch bei gewinnen überreich belegte verbindung mit objecten, die etwas widriges kennzeichen:

[Bd. 6, Sp. 5925]


waz hân ich erworben?
anders niht wan kumber den ich dol.
Walther 52, 29;

dazu vgl.:

do het in ir svester
irworfin scande unde laster. Vorauer bücher Mosis 30, 14 Diemer;

vgl. DWB schande erwerben. Freidank 53, 26; 87, 17; (vgl. auch liep liebe, leit leide erringen. Burkart v. Hohenfels bei v. d. Hagen 1, 208b); vgl. DWB sterben erwerben; den tôt erwerben.
3)) das substantiv erwerb, als späte bildung, findet nur in einen kleinen theil der bedeutungskreise eingang, die dem verbum offen stehen.
γ) einige andere verba schneiden den verwendungskreis von gewinnen nur mit einem kleineren theil ihrer gebrauchsformen.
1)) hieher gehören in erster linie zwei von der vorstellung einer körperbewegung ausgehende verba: erlangen und erreichen. vgl. mhd. wb. 1, 933b und 2, 654a; Lexer 1, 647 und 663 (und nachträge), vgl. auch oben theil 3, sp. 887 und 943.
a)) in der verbindung mit einem persönlichen object bleiben beide verba auf die räumliche anschauung eingeschränkt:

nu bringet mir vil drâte die mînen gêrstangen
si müezen alle sterben, die ich mit der mînen hende erlange. Gudrun 447, 4 Symons; vgl. auch Willehalm 48, 27;

hilf mir, rîtter edele, mit dem lîbe dan ...
wan erreicht mich Hagne, ich hân den tôt an der hant. Nibelungen 1920, 4; genau so 1958, 4 u. a.


b)) die gleiche anschauung wiegt auch zunächst in der verbindung mit sächlichen objecten vor, und hier erst beginnt die concurrenz mit gewinnen in dessen vielfach zu belegenden räumlichen bedeutungen:

dô hiez er im langen
eine viereckete stangen. Herbort 7405; ebenso Gudrun 859, 3;

dâ wir doch sîn dem lande nâ
dô wir ez mugen erlangen.
Ulrich Tristan 2175;

vgl.: die stat erreichen. Ludwigs kreuzfahrt 5014. vgl.: das gebirge erlangen bei Luther, die fläche erlangen bei Göthe. die richtung, in der sich diese verwendungen weiter entwickeln, ist im folgenden gekennzeichnet:

der uf dem holze hanget
und der gewalt erlanget
alle dinc in sin gebot. passional 677, 6.

beachtenswerth ist, dasz von dieser entwicklung, die überdies erst neuhochdeutsch einsetzt, concrete objecte anscheinend nicht ergriffen werden. vgl. DWB gunst, DWB recht, DWB sieg, lob, macht erlangen bei Maaler. vgl. freiheit, barmherzigkeit, ehre, namen erlangen bei Luther, vgl. gewinn erlangen sp. 5910. bei erreichen setzt die gleiche bewegung früher ein:

er tet als die alle tunt
die applaʒ wollen erreichen. legende der passionalhandschr. (v. d. Hagens Germania 7, 271),

sie bleibt aber in engeren grenzen zurück.
2)) nicht sicher zu fassen sind die berührungen mit kobern, erkobern, vgl. Graff 4, 357; mhd. wb. 1, 855b; Lexer 1, 643 und nachtr.; in verbindungen wie die vesten gewinnen und derkobern (monumenta Boica 40, 342); die hunde erkobern, gulden erkobern ergeben sich mancherlei anlehnungen, und für die bergmännische bedeutung von gewinnen ist die von kobern ebenfalls bedeutsam. vgl. theil 5, sp. 1544.
3)) erst neuhochdeutsch münden einzelne verba mit abzweigungen ihrer bedeutungen hier ein: so erhalten, vgl. theil 3, sp. 834. ursprünglich die bedeutung zurückhalten, unterhalten, conservare ausprägend, nimmt es in verbindung mit sächlichen objecten (den sieg erhalten, aus erzstufen gold erhalten, geld, geschenke, tadel, lohn, strafe erhalten) die richtung auf gewinnen, mit dem es aber verbindungen, wie briefe, befehle, auftrag erhalten, eine stelle, ein amt erhalten, nicht theilt.
noch spröder zeigte sich empfangen (theil 3, sp. 421), das sich nur in verbindungen wie freude, angst, schrecken, liebe, reue lust empfangen, mit gewinnen berührt, sonst aber gerade in den verbindungen, die es mit gewinnen theilt, einen gegensatz der bedeutung ausprägt, vgl. kinder empfangen (meine mutter hat mich in sünden empfangen.

[Bd. 6, Sp. 5926]


psalm 51, 7 Luther) gegen kinder gewinnen (wie Adam und Eva kinder gewunnen. Koburger überschr. zu 1 Mos. 4); gäste empfangen und gäste gewinnen, geld empfangen und geld gewinnen (doch vgl. die variante gewinnen zu Nib. 1993, 4 die wunde ... die ich von im empfangen hân).
dagegen hat sich bekommen (theil 1, sp. 1425) in seinem erst neuhochdeutsch entwickelten transitiven gebrauch in zahllose verwendungen von gewinnen eingedrängt, die es zum theil von dem älteren und ebenfalls reich entwickelten uberkomen (mhd. wb. 1, 905b; Lexer 2, 1632, vgl. quaerere, uberkommen, gwünnen. Cholinus-Frisius u. a.) ererbt hat; vgl. ein kind bekommen; einen flüchtling bekommen (erwischen); einen lieb, satt, los, frei bekommen; einen bart, federn, speise, trank, muth, kraft, hunger, durst, raum, luft, ein loch bekommen, strafe, prügel, eine krankheit bekommen.
δ) diese entwicklung von bekommen vollzog sich nicht blosz auf kosten von gewinnen, sie greift zugleich in den wettbewerb mit einem andern verbum ein, das allmählich in dessen stellungen vorrückte: kriegen, älter erkriegen, vgl. mhd. wb. 1, 880b Lexer 1, 645 und nachtr., vgl. oben theil 3, sp. 881 und unten theil 5, 2223 ff. für diese verba setzen die belege ziemlich spät ein, sie erscheinen zudem mundartlich gebunden (mitteld., niederd.) und bieten anfänglich auch eine schmalere basis für die verwendungen, indem die verbindungen mit einem persönlichen object so gut wie ganz fehlen. aber die verba stimmen schon in den ersten litterarischen zeugnissen mit wesentlichen merkmalen überein, die an gewinnen hervorzuheben sind: kriegen, erkriegen stehen sich gegenüber wie winnen und gewinnen (nur vereinzelt hält erkriegen durative actionsart fest, hier mit persönlichem object: die uns erkriegen, hindern oder beschedigen wolten. urkunde von 1353, monum. Zoll. 3, 296). die beziehung auf kampf und streit, die noch heute für das substantiv (krieg) den bedeutungsgehalt ausfüllt, nimmt bei erkriegen ihre richtung auf sächliche objecte:

der marcgrave Chunrat
die banir ercriget hat.
manigen edelen Sarracin
gevangen brahten sie mit in. Ludwigs kreuzfahrt 6233 v. d. Hagen;

hait hey sin lant erkregen wale. Karlmeinet 132, 22 Keller;

das der weder erkrigen sulde die lant unde die stede ... unde sulde soldener gewinnen. Rothe thür. chron. cap. 693; vgl. auch:

wen in getorste nicht bestân
kein ritter, dem er was bekant:
sîn muot sîn ellenthafte hant,
die hêten im den prîs erkriegen.
Heinr. v. Freiberg Tristan 2055 Bernt;

und wil er mir die minne mîn
an erkriegen sunder danc,
daz ist ein gar tumplîch gedanc.
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 1248 Bechstein u. a.

bedeutsam ist hier die frühe übertragung auf den rechtsstreit (vgl.swer mit dir ze gerihte var kriegen umbe dîn gewant. Barlaam 104, 9), in der sich erkriegen mit gewinnen enger berührt als alle andern synonyma (nur den übergang vom kampf zum spiel hat es nicht mitgemacht): ab ein man in czorne sin elich wip irsluge, ab der selbe sin recht wedir gewinnen (var. erkrigen) moge. Magdeburger fragen 1, 17, 1 (im inhaltsverzeichnisz wi er sein recht mag widdir irkrigen. s. 11); ercricht er din gut unde clagestu (var. gewinnet). richtsteig landrechts 26, 1 Homeyer; mag her denne lengern (tag) gehaben unde irkrigen. Magdeburger fragen var. 2, 2, 14; so ist der allgemeine begriff der besitznahme auch für erkriegen verschiedenartig vorbereitet, vgl.: were auch daz wir die lehn ubir die vesten und gut, die sie von andern herren als vorgeschribn sted, tzu lehn habn, itzund nicht erkrigen mochten, dieselbn lehn sulln sie uns ... inne habn ... alz lange bis wir sie von in heischen, und von den herrn von den sie gehn erwerben mugn. ouch sullen alle ire vesten, di sie itzunt habn adir noch gewunnen. Thüringer urk. v. 1347 bei Michelsen grafsch. Orlamünde 31;

swer eʒ solde mâlen dran
dâr wêre michel arbeit an:
wer mohte eʒ gar erkrîgen?
durch daʒ mac ich wol swîgen.
Ebernand v. Erfurt Heinr. u. Kunigunde 4013;

[Bd. 6, Sp. 5927]


vgl.: friden erkrigen. Salomons haus 436 Adrian u. a.; urloub erkrigen livl. chron. 4348; êre erkrîgen myst. 1, 213; gnade irkrigen Salomons haus 418 Adrian; dazu vgl. DWB habe, DWB ehr und gut, ehre und reichthum, lohn, trost, freude erkriegen. in solcher verwendung wird das verbum gern mit gewinnen zusammengestellt: he enhebbe de gilde unde broderschaft ... gewunnen edder erkregen. westphäl. urkunde von 1458 bei Wiegand 144; ganz ähnlich Luther 4, 33a Jena.
die belebung dieses allgemeinen begriffes durch räumliche bestimmungsmerkmale ist hier früh bezeugt und führt wol unmittelbarer als bei gewinnen auf die grundbedeutung zurück:

sit der wec ist so reine,
den wir solden hin bekumen,
war umme du nu hast genumen
ein ungemachsame trumme ...
die vil kûme ich han ercrîgen. passional 347, 49 Köpke;

ebenso wande si di hohe irkrieget. pass. 79, 142 Hahn; untz si ... erkreich ein so gar genaeme stat. 373, 32; vgl. auch wilt erkrîgen u. a.
die weitestgehende übereinstimmung mit gewinnen entfaltet sich jedoch in der spätern zeit und knüpft sich an die form kriegen, die unter dem einflusz mitteldeutschen sprachgebrauches die auf perfective actionsart gegründeten bedeutungen von erkriegen überkam (genau wie winnen mitteldeutsch gegen gewinnen, nur dasz dieses nicht in die schriftsprache überdrang); vgl.: wer wol thut, der kriegt gut gewin. Henisch (s. sp. 5912) im gegensatze zu der älteren verbindung gewinn gewinnen (s. sp. 5872). vor allem entwickeln sich die verbindungen mit persönlichen objecten (erste ansätze Karlmeinet 134, 42; 45, 30, vereinzelt bei Luther: wenn du sie erkriegst; bei Sebast. Franck: daher er kein kind erkriegen ... mag). vgl. einen mann, eine frau, kinder kriegen. theil 5, sp. 2245; gäste kriegen sp. 2249; jemand lieb kriegen sp. 2251;
zur verbindung mit sächlichem object vgl. DWB graue haare, atem luft kriegen. sp. 2246, 2247; äste, zweige kriegen 2248; lohn, gewinn, früchte kriegen. sp. 2245; nachricht kriegen sp. 2249; zank, händel kriegen sp. 2244; ruhe, trost, kraft, muth, lust, gedanken, weisheit, verstand kriegen. sp. 2236, 2237, 2248; ein ende kriegen sp. 2236; einen sprung kriegen sp. 2248; (ein loch kriegen W. v. Kügelgen 351); seinen lauf kriegen sp. 2252; zu thun kriegen u. a. sp. 2250/1. natürlich fehlen auch hier die zeugnisse für solche sinnliche bedeutung nicht, die räumlichen bestimmungsmerkmalen erwächst oder durch diese aufgefrischt wird: sich bei den haaren kriegen, zu packen kriegen sp. 2243; her kriegen sp. 2239; kriegen = fassen sp. 2240, vgl. noch sp. 2247, 2250. auch in der verbindung mit objecten widrigen inhaltes hält kriegen gleichen schritt: strafe, schläge, schmerzen, krankheiten. den tod kriegen, vgl. sp. 2246. vgl. schon:

der mede her ouch irkrigit
di schande und fingirdutin.
Rothe ritterspiegel 2135.

und endlich vollzieht sich auch bei kriegen, das in gleicher weise wie gewinnen vorwiegend ein persönliches subject (menschen, auch thiere und personificationen) voraussetzt, langsam eine erweiterung des kreises durch einführung sächlicher subjecte, vgl. sp. 2248.
ε) von allen synonymen hebt sich gewinnen schon durch das präfix ab (ge—er), dessen verschiedenheit ursprünglich wol auch unterschiede der construction bedingte (absoluter gebrauch, persönliches, sächliches object), die sich aber in den belegen nicht mehr nachweisen lassen. heute greifen erringen, erlangen, erreichen u. a. nur noch in einzelne kreise von gewinnen über; dagegen deckt kriegen fast den ganzen umfang des verwendungskreises. die gegensätze zwischen ihm und gewinnen liegen mehr auf stilistischem gebiete als in unterschieden der bedeutung: kriegen gehört der zwangslosen (nicht eigentlich mehr mundartlichen) redeweise, gewinnen der höheren, vor allem schriftmäszigen darstellung an. innerhalb seiner verwendungen übertrifft kriegen neuerdings den älteren nebenbuhler, der den wettbewerb mit empfangen mehr und mehr eingebüszt hat. hier setzt sich kriegen als verbum des zwangsloseren stils zugleich mit bekommen als dem ausdrucksmittel des höheren stils auseinander. dafür hat sich gewinnen ein gröszeres gebiet vorbehalten, das

[Bd. 6, Sp. 5928]


ihm keines der bisherigen synonyma streitig gemacht hat, die beziehung auf das spiel und den absoluten gebrauch. für den letzteren berührt sich gewinnen eigentlich mit keinem andern verbum; es musz umschrieben werden: den sieg davon tragen; erfolg, vortheil haben; voran kommen, vgl. auch die fremdworte reussieren, prosperieren, profitieren.
2) der älteste verwendungskreis, der sich aus den glossen für gewinnen erschlieszen, aus althochdeutschen denkmälern belegen läszt, greift weit aus und ist schon vielseitig entwickelt.
a) kampf und streit liegen auch der bedeutung der lateinischen verba zu grunde, die als nächste entsprechungen für gewinnen gegeben sind, wie vindicare, refutare, refugare u. a., vgl. Steinmeyer-Sievers 1, 280, 295; 2, 263, 280; 1, 73 u. a.
α) verbindung mit sächlichen objecten:
1)) waffen, kostbarkeiten, gebrauchsgegenstände erkämpfen, erbeuten:

doh maht dû nû aodlîhho, ibu dir dîn ellen tauc,
in sus hêremo man hrusti giwinnan,
rauba birahanen, ibu dû dar ênîc reht habês. Hildebrandslied 56 (denkm. 13, 6);

vgl. captiva giwunnaniu (glossen z. Vergils Aeneis 2, 765 captivaque vestis, erobertes feiergewand Voss). Steinmeyer-Sievers 2, 651; ebenso captivi, giwunnano (zu Aeneis 7, 184; eroberte wagen Voss) 2, 659; captivo (auro) demo giwunninin (z. 11, 779; mit erobertem golde) 2, 669. schon von hier aus liesze sich zu einem beliebten typus der allgemeineren verwendung des verbums ein übergangspunct finden.
2)) noch häufiger sind objecte wie burg, stadt belegt; gewinnen, erobern: vgl. optinuit, giwan (glosse zu 1 Macc. 1, 2 et obtinuit omnium munitiones, hat grosse krieg gefürt, die feste stedte erobert. Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 689; ebenso (zu Judith 2, 12) 1, 482; ebenso für occupare (arcem Jerusalem 1 Macc. 6, 26) 1, 692; für capere (arcem Syon. 2 Sam. 5, 7) 1, 416; ebenso (2 könige 12, 17) 1, 453; vgl. auch capte (urbi) giwunnun (Aeneis 2, 643) 2, 650; adprehensa (civitate) giwunnanero (2 Macc. 5, 5) 1, 701;

habda (god) them heri-skipieherta gisterkid,
that sia habdon bithwunganathiodô gihwilîka,
habdun fan Rûmu-burgrîki giwunnan,
helm-gitrosteon. Heliand 57 Heyne.

poetische übertragung, abschwächung der bedeutung mag mancher verwendung zu grunde liegen, die zu einer neuen gruppe überführt:

unz er selbo zi imo sprach: 'ih mag giwinnan, heriscaf,
engilo giwelti, ob ih iz duan wolti.'
Otfrid 4, 17, 15;

lobôda thêm liudiunlêrâ Kristes,
hêrron sînes,endi heban-rîki
te gewinnanne,welonôthana mêston,
sâlig sin-lîf. Heliand 1023 u. a. s. u.


β) die verbindung mit einem persönlichen object greift nach zwei richtungen aus: den eben belegten wendungen entspricht die auffassung der person als kampfpreis, beute (gewinnen, gefangen nehmen); andere zeugnisse gehen nicht so weit, sie machen schon bei der vorstellung der entscheidung, des erfolges halt (gewinnen = besiegen, bezwingen). die zweite bedeutung mag wol die ältere sein (vgl. auch: ubarwinnan Graff 1, 880; ubarwintan 1, 751); in späteren belegen werden die gegensätze durch übertragung und verallgemeinerung verwischt.
1)) occupaverat, giwan (gloss. z. Judith 7, 2 virorum illorum, quos occupaverat captivitas). Steinmeyer-Sievers 1, 483;

bigondun thie ewarton ahton kleinen worton,
datun ein githingi, wio man nan giwunni.
gibutun filu harto selbero iro worto,
so war so er lantes giangi, thaʒ man nan gifiangi.
Otfrid 4, 8, 4 Erdmann;

unde skeînda er in genâda fore allen diên fore diên si wîclicho gewunnen wâren. Notker psalm 105, 46 Hattemer 387b (in conspectu omnium quos ceperant, fur allen die sie gefangen hatten. Luther psalm 106, 46);
2)) obtinuerunt, giwunnun (zu 1 Macc. 8, 2 quia obtinuerunt eos et duxerint sub tributum; wider die Gallos, welche sie bezwungen und unter sich gebracht hatten. Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 693; obtinuit, giwan (zu Judith 1, 5 ff. pugnavit contra Arphaxat et obtinuit

[Bd. 6, Sp. 5929]


eum, und streit ... wider den Arphaxad ... und schlug in. Luther) 1, 482; obtinebimus, gewinnames (zu 1 kön. 20, 23 ut pugnemus contra eos in campestribus, et obtinebimus eos; was gilts, wie wolten jnen angewinnen? Luther) 1, 441, vgl. auch Notker (Boethius) s. unten (I, 3).
3)) abschwächung und übertragung:

gileitit ward tho druhtin krist thar ein einoti ist ...
tho sleih ther farari irfindan, wer er wari,
thaz zi irsuachanne ubar al selber ther diufal ...
thia luchun wolt erfindan joh gerno nan giwinnan!
er wolta in alawari, thaz er ouch sin wari.
Otfrid 2, 4, 14; ebenso 5, 11, 23, vgl. auch
Notker Boethius 114a.


b) die engere bindung des kampfes an die formen der wette, die für den späteren gebrauch des verbums so bedeutsam wurde, läszt sich aus den ältesten zeugnissen noch wenig erschlieszen. in spärlichen ansätzen sind aber immerhin beide richtungen vertreten, die später maszgebend erscheinen. einerseits die keime des engeren rechtsbegriffs, der sich gegen andere unterarten abhebt: unter den formen des wettkampfes wird auch der rechtsstreit zwischen zwei personen aufgefaszt, wobei der eine obsiegt, der andere unterliegt;auf der andern seite, das ganze durchdringend, die ausarbeitung eines altruistischen momentes: es ist nicht einfach die tüchtigkeit der sich bethätigenden person, die über gewinnen oder verlieren entscheidet, sondern das stärkeverhältnisz gegenüber einer zweiten, mit der sie sich miszt; die abhängigkeit von bedingungen, die auszer ihr liegen. diese vorstellung liegt namentlich den wendungen zu grunde, die vom wettkampf zum spiel weiter führen.
α) für die erste richtung, den engeren rechtsbegriff, liegt eine glosse vor, die sich ungezwungen an die letzten belege anschlieszt: convictus, gewunnan (zu can. apost. 36 episcopum non audere extra terminos proprios ordinationes facere ... si vero convictus fuerit, hoc fecisse). Steinmeyer-Sievers 2, 144, anders (mit abstractem object) evicit, gewan (zu can. Karth. 15 in civili actione perdat quod evicit) 2, 148.
β) für die zweite richtung vgl. DWB alde sie ioh anderest ad martyrium brâhte palmam gewunnen. Notker psalm 118, 43 Hattemer 428c.
c) der allgemeinere begriff einer besitznahme läszt die verschiedensten deutungen zu. aus einer abschwächung und verallgemeinerung der sp. 5932 belegten verwendungen erkämpfen, erbeuten sind sicherlich zahlreiche verwendungen zu erklären, wozu ja auch die synonyma (s. o.) ihre parallelen bieten. schwerer wird es, bei gewinnen auf die begriffe arbeit, mühe zurückzugehen, die aus winnen herauszuholen sind, vgl. DWB gewinn, labor (sp. 5864), vgl. laboribus exigunt ut moriantur, kiwinnit (zu Gregor, cura past.). Steinmeyer-Sievers 2, 205. in allen einzelheiten die eine oder die andere wurzel (kampf, arbeit) bloslegen zu wollen, wäre bei gewinnen gerade so fruchtlos wie bei erwerben (s. d.); doch ist überall da, wo die anhaltspuncte einigermaszen zureichen, die frage wenigstens erörtert.
α) dasz der erwerb von geld und geldeswerth ungezwungen aus kampf und eroberung hervorgehen kann, ist oben schon aus glossen gezeigt worden. vgl. auch: ut custodiant iustificationes eius. et legem eius requirant. daz sie rehtes huôten. unde sîna êa begangen. wanda mit diû summum bonum (das meista guôt) gewuunnen uuirt. nals mit possessione regionum (pisezze lantscefto). Notker psalm 104, 45 Hattemer 381b. hier ist vor allem auf die thatsache hinzuweisen, dasz die einschlägigen verwendungen des verbums zu den frühesten und meist belegten überhaupt gehören:
1))

quad that siu thâr geba brâhti
mêron mikilu than elkor ênig mannes sunu:
'ef her ôdaga man', quad he 'êra brâhtun,
mêdom-hord manag, sie lêtun immêr at hûs
welonô gewunnan. ni deda thius widowa sô,
ak siu te thesumu alahe gaf al that siu habda
welonô gewunnan, sô siu iru wiht ni farlêt
gôdes an irô gardun. Heliand 3773 ff.; ganz ebenso 3261. 3294. 4408. 2113.

dazu vgl. prebuit (argentum et aurum) giwan (2 chron. 1, 15 machte des silbers und golds zu Jerusalem so viel. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 464; questum ... scaz gewin, praestabat, giwan (apostelgesch. 16, 16 trug jren herrn viel genies zu mit warsagen. Luther) 1, 747; lucretur, giwinnit (zu Gregor cura past.) 2, 172, ebenso 2,

[Bd. 6, Sp. 5930]


280; vgl. auch: deservirent (pecunia ministeriis templi) kawunnin. Steinmeyer-Sievers 2, 333.
2)) früher als bei erwerben ist hier die unter dem einflusz entwickelter geldwirtschaft stehende richtung auf tauschverkehr und geldgeschäfte eingeleitet, die nicht dem verbum, sondern den ihm zutretenden bestimmungen erwächst:

'war mugun wir nu biginnan, mit koufu brot giwinnan,
thaz ther liut gisazi, unz er hiar nu gazi?'
Otfrid 3, 6, 17 Erdmann;

(vgl. dagegen: et querant a deo escam sibi. unde siû fone gote geuuúnnen fûora. Notker psalm 103, 21 Hattemer 373a); consecutus (civilitatem) giwan (zur apostelgesch. 22, 28 ich habe dis bürgerrecht mit grosser summa zu wegen gebracht. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 749; diabolus stuont a dexteris Judæ (Jude ze zeseuuun). der diuitias (rihtuôm) uuolta geuuunnen mit uendito (ferchouftemo) Christo. Notker psalm 108, 31 Hattemer 400a; domine quinque talenta tradidisti mihi. ecce alia quinque superlucratus sum (hêrro funf phunt gabe du mir funfiû geuuan ich ingesuoch). 111, 5 Hattemer 405b (Wiener hdschr. nu han ih geuuocheret); vgl. auch (Boethius) 3, 26a.
3)) wie beim substantiv lassen sich auch beim verbum die spielarten des begriffes erwerben aus der bedeutung labor zwar erklären, doch nicht sicherstellen; auch die glosse arcessere guwinnan (zu Vergils georg. 4, 224 quemque sibi tenuis nascentem arcessere vitas). Steinmeyer-Sievers 2, 643) läszt die erklärung aus erbeuten zu. ebenso sind für die beziehung des verbums auf grundbesitz und landbau die bedeutungen gewinnen, erstreiten heranzuziehen, so sehr sie auch in den überlieferten belegen schon verblaszt sind:

denne der man in pardîsu pû kiuuinnit,
hûs in himile, dâr quimit imo hilfa kinuok. Muspilli 16 (denkm. 13, 8);

do begonda ecclesia de gentibus mihi adhaerere et spem suam in me ponere, uone dannan ist siu in praesenti affluens spiritualibus deliciis unte guinnet ôuh in futuro apud me locum haereditatis, eiectis regni filiis (var. geuuinnet). Williram 136, 21 Seemüller s. 62; uuanda got behaldan duon sal Syon, inde gestiftôda sulun uuerthan burge Judae; inde uuonnôn sulun thâr, inde mit ervi geuuinnon sulun sia (et hereditate acquirent eam). altndd. psalm 68, 36 Heyne 32; et inhabitabunt ibi. et hereditatem acquirent eam. unde dârinne bûent siê. unde ze erbe geuuúnnent siê sîá. Notker psalm 68, 36 Hattemer 240b; ube er îlta geuuúnnen hus unde husce. chenun unde eîgen unde ander geuuôre. daʒ tâte dû in al besizzen mit amaritudine sêr bitteri. 40, 4 Hattemer 143b. dasz für die beziehung auf den landwirtschaftlichen ertrag die parallele gewinn, zins zuständig sei, ist schon sp. 5868 bemerkt, es wird durch den einzigen einschlägigen beleg auch hier bestätigt, der unmittelbar an den begriff wucher anknüpft: also daz erdheuue. dânne iz dâr ûzze rediuiuos flores (anderest chomene bluômen keuuunnet). Notker psalm 71, 16 Hattemer 251b.
β) für die angliederung eines persönlichen objectes sind oben schon übergangspuncte angedeutet; sie führen in anderer weise als beim sächlichen object von der beziehung auf den kampf zum allgemeineren begriff der erwerbung weiter:
1)) accepit, giwan (zu Samuel 5, 13 und David nam noch mehr weiber. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 416; uuanda elephas pudicum animal (chiûsche fiêo) ist. unde fure eîna chenun. neheîna mêr ne geuuinnet. Notker psalm 44, 9 Hattemer 159a.
2)) provideat (virum sapientem) giwinne (zu 1 Mose 41, 33 nu sehe Pharao nach einem verstendigen und weisen man. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 309; nû gehugest du fideles ze geuuúnnenne unde noh uuanne gehugest dû coronam ze gebenne. Notker psalm 134, 13 Hattemer 470a; unde bîtet des uuillen daz er imo noh uuahse. unz er in sô hôhen geuuinne. daz in auaritia nider gezîehen ne muge. 118, 36 (426a).
3)) hier ist ohne zweifel auch die verbindung kint (sun, tohter) gewinnen einzureihen, eine der beliebtesten wendungen des mittelhochdeutschen formelstils, deren erste anfänge weit in die althochdeutsche periode zurückreichen. die fälle, in denen als subject die mutter gekennzeichnet ist, könnten eine andere deutung nahe legen, aus winnen = pati: gewinnen

[Bd. 6, Sp. 5931]


wäre dann ein seitenstück zu gebären. die einschlägigen belege lassen aber nach keiner seite eine ursprünglichere entwicklung vermuten, als sie in den noch zahlreicheren beispielen vorliegt, die den vater oder das elternpaar als subject darbieten. die letzteren sind sogar früher bezeugt und lehnen sich ungezwungen an andere wendungen an, in denen gewinnen mit der bedeutung erlangen, bekommen ein persönliches object zu sich nimmt. bestätigt wird diese auffassung durch die frühen zeugnisse für die gleiche verbindung bei erwerben (sp. 5924), wie auch das spätere kriegen sich ebenso verhält (mann, frau, kinder kriegen sp. 5927):

fon welicheru giburti er io sulih wurti,
war worolt io giwuuni sulih adalkunni.
Otfrid 2, 4, 24;

'hwo mag that giwerdan sô', quad he,
'aftar an aldre? it is unk al te lat,
sô te giwinnanne, sô thu mid thinun wordun gisprikis.' Heliand 143;

da mit sie geuuinnent spirituales filios, samo dîe reginae. Williram 103, 22 Seemüller s. 46; reginae daz sint dîe edelen sêla ... dîe der imo gewinnent gêîstlîhiu kint. 103, 7; ähnlich 112, 4; 127, 7.
d) auch für einige lieblingsformen des mittelhochdeutschen stils, die erst mittelbar auf die bedeutung erwerben, in besitz nehmen zurückgehen, zeigt die althochdeutsche periode einige, wenn auch vereinzelte, ansätze.
α) spärlich belegt ist die räumliche vorstellung, in der gewinnen mit erlangen, erreichen concurriert:

sorgên mac diu sêla unzi diu suona argêt,
za wederemo herie si gihalôt uuerde.
wanta ipu sia daz Satanâzses kisindi kiuuinnit,
daz leitit sia sâr dâr iru leid uuirdit,
in fuir enti in finstrî. Muspilli 8 (denkm. 13, 7);

montem quem acquisiuit dextera eius. den berg sin zeseuua geuuan. Notker psalm 77, 54 Hattemer 279a; in dîe sich diê ne uuellen soûfen. die in Syon gedingent stâtâ mendi ze geuuinnenne. 136, 1 (472b).
β) viel ergiebiger ist schon hier die verbindung mit abstracten objecten, deren vorstellungsgehalt auf das verbum abfärbt. eine bedeutsame entwicklung setzt bei dem unterschiede zwischen solchen objecten ein, die der träger der verbalthätigkeit von auszen in seine sphäre zieht, und solchen, die er von sich aus hervorbringt. die verwendungen, die in dieser hinsicht eine mittelstellung einnehmen, sind wenig zahlreich.
1))

mit thiu geduet ir widar got, thaz er iu ginadot,
joh ob ir es biginnet, thio huldi giwinnet.
Otfrid 1, 24, 12;

diê iro fater gebot uuereton. unde mit dero oboedientia (gehorsami) gotes huldi geuuúnnen. Notker psalm 70, 1 Hattemer 242b, vgl. auch psalm 60, 4 (206b); ich bin selbo als êin mûra, unte sint abo mîni spunne als êin uuîghûs uon den stunton, daz ich frido unte sîne hulde guan. Williram 142, 3 Seemüller s. 64. vgl. 142, 16 (s. 65 der mir pacem hât gewunnen); noh uuir andar uuîs ni magun unsero sunteôno antlâz cauuinnan (nec aliter possumus veniam consequi delictorum) exhort. ad pleb. christ. denkm. 13, 201; da ich cham unde ablaʒ kewân. Notker psalm 138, 2 (476b); unte guinnont aber dîe duplicem remunerationem prae aliis. Williram 147, 8 Seemüller s. 66; dazu vgl. auch:

thaz druhtin selbo wolta, bi unsih sterban scolta,
joh sines bluetes rinnan uns sihurheit giwinnan.
Otfrid 3, 25. 36.


2)) peperit, giwan (gloss. z. Prud. 78, clerus sic tantum peperit triumphum). Steinmeyer-Sievers 2, 441; ascite (famae) gewunnenes (contra Symmach.) 2, 518; obtinuerit (dignitatem) urdigit odo gawinnit (can. apost.) 2, 97; unde dîe namin er dannân guuinnet. tîe heizent denominativa. also iustus fone iustitia. Notker kategorien 5 Hattemer 3, 380a.
3))

giwan mit agaleize, mit mihilemo flize
sar io thia wila thia heilida ana duala.
Otfrid 3, 11, 29;

mir ist ser ubar ser, ni ubarwintu ih iz mer,
ni wan es untar manne iamer drost giwinne! 5, 7, 28;

unde so geuuúnnet er samo sô fone erist iungliche chrefte. Notker psalm 102, 5 Hattemer 364b f.; noh kewunno saturitatem (seti). 87, 16 (314b); unde ich râwa gewunne in mînero conscientia. 38, 14 (138b): man ne gewûnnet nîemer grehti obe erdo. 139, 12 (482c) u. a.

[Bd. 6, Sp. 5932]



γ) auch widrige vorstellungen wie jammer, unglück u. a. sind schon althochdeutsch als objecte mit gewinnen verbunden. man darf hierin wohl nicht die ursprüngliche bedeutung erleiden, erdulden suchen, man musz vielmehr mit einer weitgehenden abschwächung der verbalbedeutung rechnen, wie sie ja bei erringen, erwerben, bekommen, kriegen (s. o.) ebenfalls belegt ist.

nist wib, thaz io gigiangi in merun goringi,
odo merun grunni mit kindu io giwunni!
Otfrid 1, 20, 16;

turbatus sum. truôbe muôt quan ih fone dero faro mînero garrulitatis (spile = uuorto). Notker psalm 76, 5 Hattemer 269a (bei Schilter: quam); ih huôta des uuanda ih mortem carnis habo geuuunnen. daʒ ih ouh ne geuuúnne mortem animæ nube so du gebote habest. 118, 67 (432b).
δ) die entgegengesetzte entwicklung, die steigerung der bedeutung des verbums in der verbindung mit bedeutungsschwachen, meist pronominalen, objecten ist althochdeutsch ebenfalls schon belegt:
1)) unwirksam bleibt diese in den fällen, in denen der nur angedeutete inhalt durch sätze näher ausgeführt wird: unde uuas uuolta ih umbe dih do geuuúnnen obe erdo. aurum. argentum. gemmas. familias? daz habent oûh peccatores. Notker psalm 72, 25 Hattemer 256b;

odo er thes gisunni, zen ostoron waz gewunni,
thaz sie thanne habetin, thes dages sih gidragotin.
Otfrid 4, 12, 49;

hweder im swôtiera thunkie
te giwinnanne, sô lango sô sie an thesaru weroldi sind,
that sie eft ubil efda gôd aftar hebbian. Heliand 3408;

nu ik giwinnan mag,
that he gio obar thesaro erdu ald ni wirdit. 725; ähnl. 3836;

obtinuit (ut agrederentur) giwan. Steinmeyer-Sievers 2, 748.
2)) dagegen wird der begriff einer glücklichen wendung, eines vorsprungs gegen die bisherige situation in den belegen vorbereitet, die das pronominale object nicht näher aufhellen: fert impetratum, gewinnit. altsächs. Prudentiusglosse (pass. Laurent: 566 quod quisque suppl. postulat, fert impetratum prospere); ad deos alienos (ʒe fremiden goten) ne fuôr ih. ad demones (ze dien tiêfelin) ne hafta ih mih. daʒ ih iro danches iêht keuuúnne. Notker psalm 72, 23 Hattemer 256a; et in rapina ne concupiscatis. unde in zocchonne ne geroent iêht ze geuuúnnenne. 61, 11 (209b); daz ih keuuúnne per gratiam. daz ih keuuúnnen ne mag per legem. 118, 119 (441a), ähnlich Boethius 26.
3)) die abstreifung des bedeutungsschwachen objects und der absolute gebrauch sind nur einige mal und in glossen belegt; te gewanne, prosperare Lipsius-glossen 468 bei Heyne 48 (psalm 117, 25 en fac ... bene prosperare); exire, giwinnan (z. vita Martini: aliter exire nequisti). Steinmeyer-Sievers 2, 756.
ε) die zusammenstellung von gewinnen und verlieren, die diesen intensiven begriff ebenfalls herausarbeitet, ist nur aus den jüngsten zeugnissen dieser periode belegt: Adam uuolta per rapinam diuinitatem (mit nôt = nâmo) gotehêit keuuúnnin. bediû ferlôs er felicitatem (sâlida). Notker psalm 68, 5 Hattemer 234a; daʒ siê wertlichi ferlîesent unde gotelichi gewinnent. 35, 9 (123b); ube oûh hiêr iêman æterna bona (êuuigiû guôt haben mahti. unde er faciem domini (gotis anasiûne) gesêhen ne solti. 85, 7 (307b).
3) bedeutungs- und gebrauchsgruppen im wechsel der perioden und stilgattungen.
a) der poetische stil der mittelhochdeutschen dichtung bildet die überkommenen formen des gebrauches nach allen seiten aus und füllt die lücken im obigen überblick durch einen reichthum formelhaft wiederholter verbindungen. in solcher wiederholung schwächt sich natürlich die energie der bedeutung ab und so macht sich für die beziehung auf kampf, wette und spiel eine reihe von erweiterungsformen bemerklich, die eine im verbum schon liegende, ihm aber entschwindende bedeutung kräftiger zum ausdruck bringen sollen. andererseits sinkt der allgemeine begriff einer besitznahme in bestimmten verbindungen, die das verbum eingeht, bis zur bloszen syntaktischen function herab. den gegensatz zwischen beiden bedeutungsrichtungen legt schon ein beleg aus dem Alexander des pfaffen Lamprecht

[Bd. 6, Sp. 5933]


dar, der überhaupt an einschlägigen wendungen auszerordentlich reich ist:

dô der wîse Alexander
an den elefanden
den sige mit listen gwan,
des frowete sih der stolze man
ouh gwan is sîn here grôz
einen michelen trôst.
di Indi begunden verzagen
si heten michelen scaden
vil nâh dâr gewunnen. 4492 ff. (Straszb. handschr.) Kinzel.

in gleichen gegensätzen bewegen sich auch die zahlreichen varianten mittelhochdeutscher überlieferung: zu gewinnen und erwerben vgl. oben sp. 5924; ebenso Nibel. 52, 3; Walther 31, 16; zu empfangen Nibel. 1993, 4, komen Wilhelm v. Oesterreich 16210; dazu vgl. koufte (gewan) armer Heinrich 335; senden (gewinnen heiʒen) Alexander 2599;

er betwanc si mit grôzem schal
und mit vorhtsamer hant
gewan er dô Egyptenlant (var. betwang).
J. Enikel weltchron. 3530

und ähnlich betwanc C. v. Ammenhausen schachbuch 2805; ertwanc H. v. Beringen 843 (gegen gewan beim pfarrer z. hechte s. u.); han ich ervochten. Alexander 467 (var. gegen gewan);

der künec von Niderlanden eine schalten genam
von stade begunde schieben der helt vil lobesam. Nibelungen 58, 3 Zarncke (nach C, in A gewann);

ebenso schon Alexander Straszburger handschr. 1887 (nam sînen vanen); Gottfried Tristan 6628 (den schilt an sich gewan); desgl. Nib. 821, 1 (urloup si namen B); 1544, 4 (den tot genomen D); genau so 588, 4; vgl. Daniel 6292 (den sic genomen); vgl. auch alse die herre ... vorspreken genommen hebbe (var. gewonnen). sächs. lehnrecht 67, 4 Homeyer. die verschiebung des subjectes führt andere verba an die stelle, so bringen Alexander 2398 (Basler handschr.) Nib. 407, 3; ze teile werden Nib. 1047, 4 (C).
als merkmal der abschwächung ist schon die variante finde für gewinne anzusehen. Iwein 1911; Nib. 1414, 4; dazu vgl.: gewarf sînen hagel. U. v. d. Türlin krone 11900 (Wiener handschr.; gewan Heidelb. handschr.). für den übergang zur bloszen syntaktischen function zeugt eine reihe von varianten; so tritt an stelle der verbindung von gewinnen mit einem verbalsubstantiv einfach das entsprechende verbum: ward erfrouwet sîn mt. Alexander 5693 (gwan ... frölichen mût); rief (gewan eine stimme) 5397; begunde chreften Nib. 2054, 3 (C; gegen A: dâ von gewan vil krefte); vgl. auch sorgen bigan Nib. 419, 4 (lh gegen sorge gewan); noch häufiger tauscht gewinnen hier mit ausgesprochenen hülfsverben, so mit haben (Nib. 187, 4 muot haben; 236, 2 schaden hân; vgl. auch 288, 4; Heinr. v. Beringen schachged. 6974 vîntschaft hân) und mit sein oder werden: Nib. 354, 2 die ze sehene wâren (ze sehene ... gewan); Walther 54, 8 unt wurde mir daz vur mînen munt (nach D gegen gewünne ih daz für mînen munt); vgl. auch: so wurde es uns beiden zu clein. hessische redaktion des thür. spiels von den 10 jungfrauen 152 (für so gewunne wi iz lichte zu kleine).
α) die beziehung auf den kampf zeitigt einerseits erweiterungsformen, die dem bedürfnisse entspringen, eine durch abschwächung bedrohte bedeutung in ihrer stärke festzuhalten; andererseits wächst dieser gruppe durch den umfassenderen anbau der vom wettkampf zum spiel führenden wendungen ein neues gebiet zu, s. unter β).
1)) änderungen und verschiebungen an dem mit einem sächlichen objecte verbundenen verbum.
a)) wo das verbum ohne weitere bestimmungen eingeführt ist, lassen sich zwei gruppen sondern; in der einen ist das moment der unterwerfung im kampfe noch in alter kraft wirksam, in der andern ist es durch den zusammenhang abgeschwächt.
α)) gewinnen bringt die volle bedeutung erkämpfen, erobern zur geltung:

Vespâsîanus
unt sîn sun Tîtus,
die burc si gewunnen,
ir wîcliet si sungen. kaiserchronik 5303 E. Schröder, ebenso 2035;

ähnlich Alexander 464 (gewan die selben veste); pfarrer zum hechte, schachbuch (zsch. d. a. 17) 207 (die burg ...

[Bd. 6, Sp. 5934]


wolde he gewinnen); Jeroschin 14949; K. v. Megenberg buch der natur 265, 35 Pfeiffer (reht als der ain vest gewinnen well);

berchfride si dar ûf sazten
unt trîbin si zô den zinnen.
alsus wolder gewinnen
Tyrum di hêre stat. Alexander Straszb. handschr. 1202 Kinzel (Vorauer handschr. 862: alsus wolten si di burch gewinnen); ebenso 852 (Vorauer handschr.); desgleichen Moriz v. Kraon 199 Edw. Schröder; ebenso meier Helmbrecht 49;
Jansen Enikel weltchronik 16907;
J. Rothe passion 1988 Heinrich;

die grosze stat Karthaginem
gewan he und machte si im bequem. pfarrer z. hechte, schachb. 189

(betwang C. v. Ammenhausen 2805; besaz und ouch ertwanc in sînen gewalt. H. v. Beringen 843; et in suam potestatem redegisset. Jac. v. Cessole);

ouch kom er hinze Friesach!
die stat gewan er unde brach.
Ottokar österr. reimchron. 13696;

ebenso in anderen chroniken: gewonnen daz stedechen. Limburger chron. 83, 24 Wysz; ähnlich 40, 13; 91, 33; gewonnen die stat. J. Rothe Düring. chron. 47 Liliencron;

Cêsar dâ den sige nam.
duo vrouwite sich der junge man,
daz her diu rîche al gewan. Annolied 464 Rödiger;

ebenso (daz lant) Crescentia 40 Schade; der Stricker Daniel 3869 Rosenhagen; Ottokar 429 (guoten teil in Franken);

haiz dîn chappelâne gân,
in Rome unt in Lâterân
daz heilictuom gewinnen,
ê sîn die liute werden innen. kaiserchron. 11592;

in die burch er giench ...
die sînen er drûf liez,
unt nam ir scaz unt gewant
unt allez daz er dâ fant
unt lêhnte alle sîne man
mit dem daz er dâ gewan. Alexander (Vorauer handschr.) 526;

unt Alexander sînen vanen wider gewan
Mennes aber ime zû chom. 1371 (in Straszb. u. Basler hdschr.: nam);

och treit er (Hagen) Balmungen, daz er übele gewan. Nibelungen 1736, 4 Lachmann;

mit gar vil volkes er hin quam,
daz gut wolde er gewinnen,
des er da was worden innen. buch der Maccabäer 1171 Helm.


β)) das moment der gewaltsamkeit wird durch den zusammenhang zurückgedrängt, der begriff erobern schwächt sich ab zu der bedeutung erwerben, in besitz nehmen:

und fraget in der mære
wes garzun er wære.
er sprach: des aller tiursten man
der kunechriche ie gewan,
des kuniges von Britanie.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 1442 Benecke;

ez hât durch iwer minne, vrowe, dâ her gesant
ein der aller beste der ie küneges lant
gewan mit vollen êren oder krône solde tragen. Nibelungen 1157, 3 Lachmann (besaʒ C);

ebenso Crescentia 28 (der ze Beiern î lant gewan); Freidank 76, 16 W. Grimm (einen armen man, der nie lant noch schatz gewan):

so mahtu, ritter edele, mit vröuden immer leben,
gewinnestu die marke, dâ Nuodunc inne saz. Nibelungen 1844, 3 Lachmann;

swenne er nach den eren strebet unde sine diemt hin leget
unde die herschaft gewinnet da er nach ringet. genesis u. exodus 111, 15 Diemer;

dar nâch er schiere gewan
den gewalt mit ganzer êre.
Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 9215 Hahn;

dô minnet er sî deste mê,
und ime wart nâch ir alsô wê
daz diu Minne nie gewan
grœzern gwalt an keinem man.
Hartmann Iwein 1607;

ich gib úch z hand
das aller bst stechlin gewandt
das ie kain fúrst trg.
es ist so fest und so klug
unnd gemacht zu Armenia.
wie es ward gewunnen da,
nu wil ich desz gedagen;
wann davon wer vil ze sagen. Friedrich v. Schwaben 1970 Jellinek;

[Bd. 6, Sp. 5935]



daz lant der Niblunge Sîfride diente hie ...
und Schilbunges recken, und ir beider guot.
des truoc der küene Sîfrit deste hôher sînen muot.
hort den aller meisten, den ie helt gewan,
âne dies ê pflagen, hete der küene man
den er vor eime berge mit sîner hende erstreit,
dar umb er sluoc ze tôde manegen rîter gemeit. Nibelungen 665, 1 Lachmann;

dar nâch vil unlange dô truogen si daz an
daz diu frouwe Kriemhilt den grôzen hort gewan
von Niblunges lande und fuorte in an den Rîn. 1056, 2; ganz ebenso 1047, 4 (des möht ir vil gewinnen; var.: erwerben; des wurde uns vil ze teile).


b)) um so mehr macht sich das bestreben geltend, da wo der begriff der gewalt voll empfunden wurde, ihm ein eigenes ausdrucksmittel zu entwickeln; der älteste beleg reicht noch in den ausgang der althochdeutschen periode zurück und zeigt ein object der person: er Otaccheren mit nôte guan, ad deditionem coegit. Notker Boethius 13.
dazu vgl. aus mittelhochdeutscher zeit mit sächl. object:

der in alten gezîten
mit sturmen oder mit strîten
ie sô manige lant gewunne
oder sô manigen kuninc bedwunge. Alexander, Straszb. handschr. 43;

(ebenso Vorauer 41); ähnlich Suchenwirt 17, 131 Primisser 55b (Maiburch ... ward gewunn mit sturmez chraft). Hermann v. Sachsenheim mörin 1867 Martin (als sturms Mailant gewunen ward);

und hete ouch den brunnen
mit manheit gewunnen. Iwein 2680;

und rften mit schall
das si sich gefangen geben all:
ttten si desz nicht,
gewunnen si die statt in der geschicht,
si msten liden nöt
unnd küsen den tot. Friedrich v. Schwaben 5688

(vgl. dazu wlt ir gt stett mit wortten gewinnen? 5698);

dâ was vil manic degen balt.
die burc sie gewunnen mit gewalt. livländ. reimchron. 1662 Pfeiffer;

ebenso buch der Maccabäer 9735 Helm;

er wlt úbermasz fren der zwerg,
iren richtung mit gewalt gwinnen (var. richtum). Friedrich v. Schwaben 3135;

er sazte di crônen dô,
di er Nicolaô
hete geroubit,
sînen vater ûf daz houbit.
'her vater, nemet diz ze minnen,
daz ih mit sturme hân gewunnen
unz ih mêr mac getûn;
des habit ir êre unde rûm. Alexander, Straszb. handschr. 467 (Basler handschr.: das han ich ervochten do).


c)) diesen zahlreich belegten erweiterungsformen, die der stärkung des begriffes besiegen, erkämpfen gelten, stehen für den begriff der besitznahme, der erwerbung, zunächst nur wenig entsprechende zeugnisse zur seite. sie bereiten die später so reich anschwellenden reflexivconstructionen vor; vgl. schon althochd. conscivit (sibi) gewan (glossen zu Rufinus) Steinmeyer-Sievers 2, 601;

diu selbe gotes diet was Pharaone liep,
die wile er lebete groz[lich]er in gebete
durch Josebis willen sines trtge[se]llen
der im ze sinen handen daz lant het gewunen,
schaz eigen und das uehe: siner genaden msen si alle leben. genesis u. exodus 120, 1 Diemer

(vgl. dagegen wan daz mich mîn saelekeit von sînen handen gewan, daz ich vil kûme von im endran. Stricker Daniel 4875);

nû vuor sî hin mit grôzer klage
unde begruob ir bruoder unde ir man.
dô sî daz lant zuo ir gewan
unde daz ze mære erschal
in den landen über al,
vil manic rîcher herre
nahen undê verre
die gerten ir ze wîbe.
Hartmann v. Aue Gregorius 858 Paul;

Tristan dô er das hundelîn
gewan in die gewalt sin.
Gottfried v. Straszburg Tristan 16268 Marold.


d)) auch abstracta wie sieg, strît u. a., die die beziehung auf kampf und streit als inneres object angliedern, sind hier unter den älteren erweiterungsformen vereinzelt (doch vgl. die belege für wettkampf und spiel):

[Bd. 6, Sp. 5936]


den sic doch Sîfrit gewan. Nibel. 186, 4 Lachmann, ebenso Iwein 1039. 6799;

ebenso: den sieg gewinnen. Hesler apokalypse 10037 Helm. fraglich ist Walther 41, 7 Lachmann (sic gewinne, var.: sie gewinne); in anderen belegen ist zugleich der gegner gekennzeichnet, mit dem gekämpft wird (s. u.); sonst vgl. noch: unde di beiden waren gezogen mit groszer gewalt ober den konig von Ungern ... unde lagen ober ime unde daden groszen schaiden. da gewan he etzliche stride unde vurloisz noch me stride. Limburger chron. (§ 196) 92, 13 Wyss; dazu vgl.: den vorstrit ... gewinnen. Basler handschr. des Alexander zu 4492;

davon îlt er mit wer
und mit solcher bereitschaft
an der Franzoissere kraft
daz er daz bezzer dâ gewan.
Ottokar 3797.


e)) dagegen darf als eine erweiterungsform, die dem mittelhochdeutschen stil vor allem eigenthümlich ist, die kennzeichnung des gegners gelten, dem das subject der verbalthätigkeit ein sächliches object entreiszt (vgl. auch Wiesner beiträge 26, 394 ff.). ansätze liegen schon im Hildbrandsliede vor (in sus hêremo man hrusti giwinnan z. 56); der mittelhochdeutsche gebrauch führt neue präpositionen ein (an, ab) und löst diese bei gesteigerter verwendung von dem zugehörigen persönlichen dativ ab, um sie mit dem verbum zu verschmelzen:

unz Jûliûs der wigant
mit listen in die burch an gewan:
daz machet der vurste Lâbîân.
nû wil ih iu sagen wie ez kom
daz Juljus Triere gewan. kaiserchron. 403;

daz sî dî burc gewunnin ab
den Cristis vîandin.
Nicolaus v. Jeroschin 8611;

daz du mir mîn rîche
wênis an gewinnen,
daz comet von unsinnen.
Lamprecht Alexander, Straszb. handschr. 4262;

ebenso (niederrh.) herzog Ernst I, 57 Bartsch (dîn lant und dîne burge); Alexander 2538 (dih ... bedwingen und den zins an dir gwinnen);

dô wart hern Îweine gâch
gewâfent von der veste,
wander sâ wol weste,
ern beschirmte sînen brunnen,
er ward im an gewunnen. Iwein 2546;

swer ie durch hovescheit gestreit
der gewinne in (den gürtel) mit manheit
an mir, des hat er ere.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 434;

dô die wegemüedenruowe genâmen
unde si dem landenu nâher quâmen,
dô fundens ûf der markeslâfende einen man,
dem von Troneje Hagneein starkez wâfen an gewan. Nibelungen 1571 Lachmann;

ebenso (an dem getwerge ... gewunnen) Daniel 6239. 1775; Nibel. 98, 3 (die tarnkappe); 335, 2;

du maht an mir gewinnen
die aller besten sarewât,
die keines rîches keisers
kint an dem lîbe hât. Eckenlied 74, 10 Zupitza.

vor allem zielt die entwicklung hier auf die angliederung abstracter objecte:

si wurden im gevaere
wi si im den lîp gewunnen abe. Lanzelet 67; ebenso 3843; desgl. klage 49;

dô gedâht ouch Hagenean den spilman,
dem der küene Hildebrantsîn leben an gewan. Nibelungen 2241, 2 Lachmann;

Peiere vuorin ie ciwîge gerno.
den sigin, den Cêsar an un gewan,
mit bluote muester in geltan. Annolied 319 Roediger, vgl. oben e));

ähnlich Alexander 4492 (Straszb. handschr.); Daniel 6292 (var. genomen); Sigenot 102 Schade; Erec 3401; ähnlich pass. 237, 3 Köpke;

'Sathanas der sol den sic
ûf mîner sêle gewinnen,'
des enmac ich niht entrinnen.' Vorauer novelle 331 Schönbach;

dazu vgl.: swane dise stat danne von in (von den bösen geistern) gewunnen wirt, daz ist, swane sie ober die armen sele gewalt gewinnen, sone lazen si einen stein ober dem andern niht, sien zuvrn sie. altd. pred. Schönbach 1, 371. auch einfache pronominalformen, die bei formelhafter

[Bd. 6, Sp. 5937]


wiederholung leicht ganz unterdrückt werden, übernehmen hier die function des objects vgl. auch niht gewinnen s. u. 3)):

lânt mich daz roz vor ûz hân.
swenn ichz im abe gewinne,
ich teile dan mit minne
sîn harnasch und swaz er hât. Lanzelet 2899;

ebenso Iwein 2608; Kistener Jakobsbrüder 1129;

dar an gedenke, junger man,
und wirp nâch herzeliebe: dâ gewinnest an.
Walther v. d. Vogelweide 91, 28 Lachmann.

dazu vgl. noch: dô fur der herre vort und vacht gegen sînen vîenden und gewan in allen ane und quam heim. Hermann v. Fritzlar s. myst. 1, 234 Pfeiffer; mit der abschwächung der ursprünglichen bedeutung am verbum öffnen sich diese fügungen den objecten verschiedenster art:

und gewinnet mit minnen
der küneginne ein urloup abe. Iwein 2886;

mit bete gewinnet uns abe
daz wir der vrowen hulde swern. Gregorius 574;

ich wil in ze redenne gunnen
(sprechent swaz ir welt), obe ich niht tobe.
daz hât ir mir an gewunnen (A: an mir)
mit dem iuwern minneclîchen lobe.
Walther 86, 9;

die armen betelere ... rmeten sich der genaden die in gte lte hatten getan ... und vlchten da wider den zolnere daz ern nie keine genade hatte getan. do sprach einer under in: 'was woldet ir mir geben, daz ich im ein almsen an gewinne sunder sinen dank?' altd. pred. Schönbach 1, 103; zur weiterentwicklung, auch in der rechtssprache vgl.: angewinnen theil 1, 352; abgewinnen theil 1, 48 und s. unten II, 1.
2)) die angliederung eines persönlichen objects an das verbum wird durch die ausdehnung der oben besprochenen fügungen wol beeinträchtigt, vgl. z. b.: gutlichen suchte is grave Heinrich von Henbergk an dem lantgraven von Doringen, do her gesach, das her mit krige an om nicht gewinnen mochte. Joh. Rothe düring. chron. (679) Liliencron s. 586; vorübergehend macht sich auch die neigung bemerklich, das object statt im acc. im genetiv anzugliedern:

dar wolen wir intrinnen,
sô nemogen si unser nît gewinnen.
Crescentia 74;

dô Daniel wart innen,
daz er sîn niht gewinnen
mit dem swerte kunde. Daniel 4050;

nieman sin moht gewinnen,
verwapent so mit sinnen
was er gæn den drangen.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 17903 Regel;

im ganzen sind es aber andere erscheinungen und verschiebungen, die hier beachtung fordern.
a)) für die bedeutung besiegen, bezwingen ist
α)) bemerkenswert, wie selten das verbum in solchen verbindungen mit einem accusativ des persönlichen objectes einer weiteren verstärkenden bestimmung bedarf:

der engil in dem uiure ...
er lhte in die naht unde beschirmet si den tach
daz si die chrimmen niht mohten gewinnen,
noch in die heidenische man niht mohten geschaden. genesis u. exodus 162, 5 Diemer;

die ritter sprâchen 'wiest gewunnen
mîn hêrre in sîme harnas,
sô wol gewâpent sô er was?'
Wolfram Parzival 105, 8;

ganz ähnlich Ottokar 77289;

sô mugen uns niht gewinnen
die grîfen vor der sarwât
diu uns dicke beschirmet hât:
diu mac uns ouch dâ ze helfe komen. herzog Ernst 4186 Bartsch s. 92;

sî sprach wilt in gewinnen
Ecke, sô wis willekomen ...
du wilt den Berner gerne bestân:
mit beiden mînen ôren
ich daz gehœret hân. Eckenlied 19, 6 Zupitza; ebenso 127, 10;

dô wart mînem herren zorn,
der flôch ûf den hôhen torn
und beslôz sich darinne.
den enweiz ich wie ich gewinne. Daniel 1950;

do ward oc en vard over Elve uppe de Wenede under deme selven cruce van anderen vorsten; de worden gewunnen. sächs. weltchron. 213, 42 Weiland. präpositionalverbindungen begleiten das verbum hier selten, sie dienen

[Bd. 6, Sp. 5938]


auch nur theilweise der betonung der ursprünglichen bedeutung, tragen vielmehr auch schon zur abschwächung bei:

swê dâr hâte rîtâris namen,
die sunderte man dan
unde gach en gôte rosse
unde pellelîne rocke,
zô den rossin stâlîne ringe,
daz sie mit swerte nieman nekunde gewinnen. könig Rother 1344 v. Bahder;

ähnlich Daniel 4050 (s. u.):

dô der kunic erwahte
und ûʒ dem slâf erschrahte,
des er het gephlegen,
dô muost er sich bewegen,
daʒ er sich niht enwert,
wand er wer unernert
gewesen vor dem kristen,
der in mit solhen listen
hete dô gewunnen.
Ottokar 50319;

derselbe konigk Cyrus der wolde streiten weder ein landt do sint itel weib inne, die heiszen Amazones, unde gewan die uf mit seinen boszen listen, das her ir inn eime tage funff unde sechzigk stunt tuszent todt slugk. Joh. Rothe düring. chron. (49) Liliencron s. 46;

er slug rosz und man.
was er dar zu slage gewan,
di waren nider geschlagen:
zwar ich will sein lutzel klagen.
Heinr. v. Neustadt Apollonius 7928 Singer.


β)) eine neue gruppe von verwendungen schlieszt sich um einzelne formen der übertragung und personificierung. auf diesen beruhen schon bei Notker und Williram einige wendungen, die den kreis der zu gewinnen supponierten objecte erweitern (vgl. psalm 44, 9; 71. 16; 77, 54. vgl. sp. 5930. 5931); meist steht die neuerung in zusammenhang mit gleichen erscheinungen am subject:

ouch ist dehein gesmide
daʒ den wurm snide
wan diu glavie eine.
in einem holem steine
ist er gelegen manigen tac
da in niht gewinen mac. Wigalois 4776;

undir der gotes diete da ne werrent dise note,
newedir daʒ uehe noh den man nemach der tot gewinnen
daʒ ir wol wiʒʒet wie got undirschichet
unde wie got wil teilen die juden von den heiden. genesis u. exodus 151, 32 Diemer;

er (der stein) ist sô veste unde ouch sô ganz
daʒ in mit starken sinnen
kunde nie gewinnen
weder hamer noch der smit. Parzival 592, 16;

sîn brünne was unmâʒen guot,
si was gehert in trachenbluot,
von golde gap si lichten schîn:
kein swert mocht nie sô guot sîn
daʒ si möhte gewinnen;
si war geworht mit sinnen. Laurin 190 (heldenb. 1, 204), ebenso Ortnit 115, 4 (3, 17).


b)) in den wendungen, die analog der bedeutung erkämpfen, erobern eine besitzergreifung ausprägen, ist die abschwächung der ursprünglichen bedeutung in allen abstufungen zu beobachten von der bedeutung gefangen nehmen über zu eigen machen bis zu einem bloszen erlangen, bekommen:

mit riemen in den munt,
daʒ er niemen kunt
mit sîner rede tæte,
wie man in gewunnen hæte (var. gefangen).
Ottokar 50326;

ouch was diu tarnhûtalsô getân
daʒ dar inne worhteein ieslîcher man
swaz er selbe wolde,daʒ in nieman sach.
dâ mit gewanner (handschr. gewāner) Prünhilt;
dâ von im leide geschach. Nib. 337, 4 Lachmann;

alsô hohen gîsel gewan nie künec mêr. Nib. 249, 2;

dem sach man volgen durch daz wal
den grâven von dem Liehten Brunnen
und die er hâte gewunnen
in dem lande zer Grüenen Ouwe. Daniel 5408;

schiere hete Hagenedem künige geseit
wie er gewinnen woldeden tiwerlichen degen.
sus grôʒer untriuwesolde nimmer man gepflegen. Nib. 858, 3: ebenso 848, 7;

in den selbin zîten
von Littouwin Witen
den kunigs sun an sich gewan.
Nicol. v. Jeroschin 19888;

er gewan in ainer luzelen stunt
guoter cnehte fiunf tûsunt. kaiserchron. 13983, ebenso 6967. 6513; 15938;

[Bd. 6, Sp. 5939]



sîn pflâgen ouch die wîsen,den êre was bekant.
des mohte er wol gewinnenbeidiu liute unde lant. Nib. 26, 4.


3)) für den absoluten gebrauch mangeln hier die belege, die als primäre formen angesprochen werden können (anders bei der ausarbeitung der vorstellung der wette und des spiels). hier drängt sich überall die erklärung aus secundärer entwicklung vor: im folgenden ist das pronomen niht wol als object zu fassen (vgl. auch oben sp. 5937):

mit swerten hiwen si sich
den schilt er ime abe slc
der stal was so gt.
des nemacht er nicht gewinnen. Rolandslied 490, 21 (3398) W. Grimm;

auch andere zeugnisse beruhen auf einer verschiebung, so die präpositionalverbindungen und die persönlichen genetive an stelle des objects s. o., in andern macht sich die kürzende tendenz bei formelhaften wendungen geltend:

und wen man sal stritin,
so vlien si besitin,
und wen man sal gewinnen,
so phlein si entrinnen. pfarrer zum hechte, schachb. (z. f. d. a. 17, 344) Sievers;

dâ viel maneger zetal,
der niemer wider ûfgestuont ...
dâ wart gewunnen und verlorn. Daniel 5400;

ebenso Ottokar 15650 (kleine gewunnen, vil verlorn); auffallend sind die zahlreichen belege in der participialform des präteritums, die sich durchaus nicht auf passivconstruction beschränken (s. auch unter gewonnen):

er sprach: ich han gewunnen.
vor waz ich verprunnen,
vor waz ich derstunken,
dar zuo sein mir die laus ertrunken ...
(Chuonze) sprach: mich duncht, daʒ wir verlorn
habin mere, dann gewunnen.
wir sein in dem bach grunnen
sam die toten mäuse.
Heinr. Wittenweiler der ring 3b 24 ff. Bechstein;

welch mus ir was entrunnen,
die ducht, sie hett gewunnen.
könig v. Odenwalde (8, 6 der mäuse rath) 67 E. Schröder.


β) lehrreich für unsere erklärung des gewinnens im spiel als eines erfolgs im wettstreite sind zahlreiche belege, in denen der wettkampfauch als ernstkampf auf leben und todin der form des spiels gefaszt erscheint. für beide gruppen sind die belege zahlreich, sie zeigen in beiden die gleichen gebrauchsformen in der bevorzugung des absoluten gebrauches. wo ein object angegliedert ist, prägt es entweder allgemeine begriffe aus, die dem verbalinhalt entnommen sind, oder es begünstigt pronominale formen, die leicht wieder abgestreift werden. in beiden gruppen wird auch der gegner gern gekennzeichnet.
1)) beziehung auf den wettkampf:

der rinc der was bezeiget,dâ soldez spil geschehn
vor manegem küenem recken,die daz solden sehn,
mêr danne sibenhundert— die sah man wâfen tragen —
swer daz spiel gewünne. Nib. 66, 5 Zarncke (in A: swem dâ gelunge 412, 4 Lachmann);

den stein warf si verre, dar nâch si wîten spranc.
swer ir minne gerte, der muose âne wanc
driu spil an gewinnen der vrowen wol geborn:
gebrast im an eime, er het daʒ houbet verlorn. Nib. 326, 3, ebenso 442, 15;

er sprach: 'Unsaeld, nû bin ich dir entrunnen!'
'nein', sprach Unsaeld, ich hân den sic gewunnen;
swaʒ dû gelief, daʒ selbe ich rande.
Reinmar v. Zweter 178, 8 Roethe;

der sunnen glanz
ist worden ganz,
die der arge winter twank,
daʒ si durch truebe wolken drank
an' iren dank,
diu hat ir swank
gewunnen, daʒ si schone spilt.
Otte zem Turne (6, 3) bei v. d. Hagen 1, 345b;

vgl. auch: wanc gewinnen. Wilhelm v. Österreich 8535 (s. u.);

ouch sach disen kampf an
manec kampfwîse man:
ir deheines ouge was vür wâr
weder so wîse noch sô clâr,
heter genomen ûf sînen eit
ze sagene die wârheit
weder ir des tages ie
gewunnen hete beʒʒer hie. Erec 7268;

[Bd. 6, Sp. 5940]



welt ir mir loufen mite
ze wette zuo dem brunnen. sô daʒ sî getân
der sol hân gewunnen, den man siht ze vorderst stan. Nibelungenlied 147, 5 Zarncke (nach C. vgl. DWB man jehe dem gewinnes bei Lachmann);

dirre flôs, jener gewan.
dâ moht erholen sich ein man,
hat er versûmet sîne tât:
alhie was genuoger rât.
si solden tjostieren,
dort mit rotten punieren.
Wolfram Parzival 77, 29, ebenso 82, 13;

wil er mîn geteiltiu spil alsô bestân,
behabe er die meisterschaft, sô wird ich sîn wîp:
gewinne aber ich, eʒ gêt iu allen an den lîp. Nib. 402, 4 Lachmann;

her Dietrîch sprach 'nu lose mir.
zwei spil diu wil ich teilen dir,
als ich dir hie bescheide: ...
mich hilfet diu vorgâbe mîn:
ich wil an dir gewinnen'. Eckenlied 13, 10 Zupitza, vgl. oben sp. 5936;

ein man, der solcher minne lachet,
dâ von ein vrouwe wirt geswachet,
dâ hât er gewunnen unde si verlorn an disem spil.
Reinmar v. Zweter 276, 3;

vor im iait Wille, mit im Stæte und Triuwe.
daʒ wilt het für gewunnen,
doch liefen sie recht als eʒ wære niuwe.
Hadamar v. Laber jagd 182 Schmeller; ebenso 444. 448.


2)) beziehung auf das spiel.

wan jene die wâren verdâht
an ir spil sô sêre,
daʒ sî dô nihtes mêre
niwan ir spiles gedâhten.
nu sîʒ dô vollebrâhten,
sô daʒ Tristan daʒ spil gewan.
Gottfried v. Straszburg Tristan 2317 Marold;

ebenso Daniel 3476;

ê das er denn (im spiele) gewinne ein pfunt
sô mag er verlieren dr.
C. v. Ammenhausen schachbuch 18012;

genau so der viel spätere pfarrer v. Kalenberg (s. unter II) 634 (lasz eüch gwinnen dran ein pfundt, ein haller ich nie gwinnen kundt);

nû sihe ich dicke daʒ ein man
der zabel sêre minnet,
swenn er daʒ guot gewinnet
daʒ er f zabel wâgen wil,
vindet er ein glîch geteilteʒ spil,
sô dunket er sich harte rîch.
Hartmann Gregorius 1870 Lachmann;

ebenso C. v. Ammenhausen 17194; H. v. Beringen schachged. 8646;

doch jener die besten würfe warf
der kein zabelære bedarf,
dô half disen daʒ er in nie
ûʒ den slegen komen lie,
und gwan eʒ eine wîle
sô sêre mit der île,
unz er doch daʒ spil verlôs
unde gelac vor im sigelôs.
Hartmann Erec 946;

swedre mêre ougen hete
an den würfeln dâ ze stete,
das ers gewunnen hte.
Conrad v. Ammenhausen schachbuch 17797;

wirfistu mer ougin wen ich,
so hastu jo gewunnen. pfarrer zum hechte 345, 17 (obtineret, sc. aequum J. v. Cessole) Sievers;

diu werlt ist ein spil bret, daʒ müget ir kiesen,
gewürket wol mit listen gar,
daʒ drinne ein man gewinnen mag, unt drinne ouch wol verliesen:
den werstein triffet nieman, læge er ie mer bar.
der Hardegger (3) bei v. d. Hagen 2, 137b;

mit stro miʒʒet man die spil:
mit dem halm zhet man,
einer gewint dem andern an.
könig v. Odenwalde vom stroh (5, 160);

spil ich auch nit liegens frei,
mainswere ist sein maiste art,
der würffel triu und warhait spart.
das merck ain ieglich biederman,
ain chind gewunn seinem vatter an,
pfläg es mit im würffels spil.
Hätzlerin 2, 43, 32 Haltaus 203.


γ) formelhafter gebrauch des verbums in der verblaszten bedeutung erreichen, erlangen, bekommen.
1)) in der verbindung mit einem persönlichen object wahrt das verbum an sich die energie der bedeutung am zähesten; aber auch hier zeigt sich, dasz einzelne bestimmungsmerkmale zur verschiebung und abschwächung führen.

[Bd. 6, Sp. 5941]



a)) auch wenn der satz, dem das verbum angehört, eines einengenden oder irgendwie ableitenden bestimmungsmerkmals entbehrt, finden sich doch im weiteren zusammenhange meist entsprechende bestimmungen, die dem allgemeinen begriff einer besitznahme einen engeren geltungskreis weisen:

ir heiʒet Sîfridenzuo mîner swester kumen,
daʒ in diu maget grüeʒe:des habe wir immer frumen.
diu nie gruoʒte recken,diu sol in grüeʒen pflegen;
dâ mit wir hân gewunnenden zierlîchen degen. Nib. 288, 4 Lachmann (da mit wir zeinem vriunde habnden zierlichen degen. C. E.);

im weitesten sinne musz als ein differenzierendes moment die stilform angesehen werden, in der das verbum gebraucht ist. zur verengerung der bedeutung im gebrauch des geistlichen stils vgl.:

des hilf uns got mit sîner tugent,
daʒ wir in hie sô geminnen
daʒ wir in dort gar gewinnen.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 4307 Weinhold.


b)) auch der persönliche dativ als zielbestimmung differenziert;

'nû sage an, magedîn,
wer dîn trût sule sin:
wem ganstû dîner minne?
den heiʒe ich dir gewinnen'. marter der heil. Margareta 222 Haupt (z. d. a. 1, 164);

neben den reflexivbestimmungen, die wir oben unter den erweiterungsformen beobachtet haben (sp. 5935), lassen adverbiale ergänzungen die abschwächung deutlich werden:

ritter und sarjande,
die er mit sînem guote
oder mit höfschlîchem muote
zuo ime gewinnen kunde.
Gottfried Tristan 5905;

unʒ daʒ er arme unde rîch
mit gunst an sich gewan.
etlich ir wille truoc daran,
etlich ers mit nôt betwanc.
Ottokar 1739, ähnlich 3756;


c)) meist geht die differenzierung von appellativen aus, in denen die zu gewinnende person gekennzeichnet ist. diese substantiva sind vorwiegend in der form eines accusativobjects an das verbum angeschlossen, seltener neben einem pronominalen accusativ durch präpositionalverbindung angegliedert.
α)) nach allen seiten greift die durch den reim begünstigte verbindung des verbums mit dem substantiv man aus, die sowol rechtliche, dienstliche als auch mehr familiäre beziehungen erschlieszt. so ergeben sich einzelne gruppen, denen um des inneren zusammenhanges willen auch andere wendungen hier angereiht sind, wenn sie im ausgangspunkte oder im endziel mit ihnen sich berühren:
rechtliche, dienstliche beziehungen machen sich in solchen wendungen geltend, die auf gewinnen, zu eigen machen weisen:

der war der aller getrûiste man,
den ie sichein Rômisc kuninc gewan. könig Rother 56;

ebenso (mit gleicher reimbindung) Alexander 1200; Iwein 6949; Nibel. 1305, 4; Crescentia 55; Daniel 150; 5973; ähnlich (gewinnen ... man) Alexander 4105; Nibel. 160, 1; Wilhelm v. Österreich 7725;

den armen unt den rîchenbegunde si nu geben,
daʒ dô reite Hagene ...daʒ si sô manegen man
in ir dienst gewünnedaʒ eʒ in leide müeste ergân. Nibel. 1068, 4, ebenso
Ottokar 2800, ähnlich Nibel. 1150, 4 (ze dienste).

hieran liesze sich nach der höfischen auffassung des verhältnisses von mann und frau (dienstverhältnis des mannes) eine zweite gruppe reihen, in derfür die mittelhochd. dichtung charakteristischdie frau als die besitznehmende häufig auftritt (zum entgegengesetzten s. u.):

rîtest du nu hinnen
der aller liebeste man?
du bist in mînen sinnen
für alle die ich ie gewan. s. minnes. frühl. 5, 1;

genau so Hartmann Erec 5353; Nibel. 1173, 4; 835, 1 (daz ich ie den man gewan); Iwein 1928. hier setzen erweiterungsbestimmungen an, die eine zurückdrängung der rechtlichen und socialen momente durch die gefühlswerte des liebesverhältnisses kennzeichnen; vgl.:

Itonjê het aldâ vernomn
daʒ ir bruoder unt der liebste man,
den magt inz herze ie gewan,
mit ein ander vehten solden. Parzival 710, 12.

[Bd. 6, Sp. 5942]



β)) in den kategorien des substantivs und des adjectivs nimmt die sippe liep, lieber einen breiten raum innerhalb dieser erweiterungsformen ein. sie ist hiebei natürlich auf die verbindungen mit man nicht beschränkt, wie sie andererseits auch die grenzen des liebesverhältnisses überspringt und den freundschaftlichen beziehungen innerhalb des gleichen geschlechtes sich zuwendet:

wand sî muose tôten sehn
ein den liebesten man
den wîp ze liebe ie gewan. Iwein 1316;

wan er mit sînen sinnen
sîn liep niht mohte gewinnen
das er vergeʒʒen niht enkunde. Tristan als mönch 96 Paul, vgl. 202;

ir ietwederm was tougen
daʒ in kempfen solde ein man
der liebest, den er ie gewan. Iwein 6976;

ich wart an ir nie valsches inne,
sît ich si sô liep gewan.
Friedr. v. Hausen s. minnes. frühl. 50, 14;

ebenso Konrad v. Würzburg Engelhard 1058; ähnlich 1004; Konrad v. Landegge (11, 45) Bartsch 226; vgl. auch Walther 70, 31;

(gott) gab das in des lantgraven hertzen
das er sie recht lieb gewaen.
Joh. Rothe Elisabeth 2055.

zu der formelhaften erstarrung dieser verbindung vgl. liebgewinnen theil 6, sp. 961. zum ausgedehnten gebrauch in der heutigen sprache s. unten II, 1.
γ)) in dieser kennzeichnung persönlicher zuneigung, die sich gern auch auf das appellativ friunt stützt (als object und in präpositionalverbindungen), hat das verbum die energie der bedeutung kräftig gewahrt und zugleich aus den zusammenhängen manchen keim neuer entwicklung in sich aufgenommen:

ir was ouch wol sô liep ir man,
ob ie kein frouwe mêr gewan
sô werden friunt, waʒ war ir daʒ? Parzival 103, 12;

ganz ähnlich Nibel. 1199, 2;

'nu wol mich solher friunde',sprach Gîselher der degen
die wir hân gewunnennu ûf disen wegen'. Nibel. 2109, 2 (zu vreunde uf. D.);

ähnlich 1338, 3; Freidank 97, 9 W. Grimm; R. v. Ems Willehalm 4864 Junk;

swer sich ze friunde gewinnen lât
und ouch dâ bî die tugende hât
daʒ er sich âne wanken lât behalten,
des friundes mac man gerne schône walten.
Walther 79, 25;

ebenso Vorauer nov. 505 Schönbach; Nibel. 733, 2; ähnlich Joh. v. Ringgenberg Bartsch 375, 102;

der mîn ze friunde ger, wil er mich gewinnen,
der lâʒe alselhe unstætekeit.
Walther 71, 14.


δ)) wo die frau als object der besitznahme erscheint, mehren sich die belege, die das verbum abschwächen und verblassen lassen. man vgl. z. b. den gegensatz zwischen der intensiven bedeutung in:

alsô der starke Sîfritdie tarnkappen truoc
sô hêt er dar innekrefte genuoc,
zwelf ander manne sterke,als uns ist geseit.
er gewan mit grôʒen listendie vil hêrlîchen meit. Nibel. 52, 3 Zarncke (nach C.; warp. erwarp in A. u. a.); ähnlich
Albrecht v. Halberstadt Ovid bei Wickram 8, 100 Bolte;

und der verblassten bedeutung in:

si sprâchen 'welt ir immergewinnen edel wîp,
die hôhsten und die bestendie künic ie gewan,
sô nemt die selben vrouwen:der starke Sîfrit was ir man'. Nibel. 1084 Lachmann;

ebenso schon genesis 41, 24 Diemer; J. Enikel weltchron. 19250; Gottfried Tristan 9294 (wîp noch frouwen); Iwein 8073 (vrouwen), ebenso Dietrichs flucht 2283;

sît daʒ Kriemhildeze wîbe gewan
Sîfrit mîn sune .., Nibel. 698, 2 (sit Chriemhilde zeman Sivrit minen sun gewan. C.), ebenso 2126, 4.

er freiet frawen Gutten die marggrefin
und wolt si zu der ehe gewinn.
Joh. Rothe Elisabeth 2064.


ε)) in solchen verbindungen unterscheidet sich gewinnen nicht mehr von dem verbum, das allgemein für verwandschaftsverhältnisse gebraucht wird:

[Bd. 6, Sp. 5943]


der êrste mensche wart ein man
der vater noch muoter nie gewan.
der ander vater nie gewan
noch muoter und quam doch vom man. Freidank 19, 10/1 W. Grimm;

des schuln wir unsich vrôwin. daz wir in (Abraham) ze geistlichem vater habin gewunnin. also der heilige Paulus sprichet. ... semen Abrahe estis. speculum ecclesiae 18 Kelle;

do gewan er im ze göten den grâven Wülfîn. Wolfdietrich B 173, 1 (deutsches heldenb. 3, 193).


ζ)) dasz in diesem zusammenhang auch die verbindung sohn, tochter, kinder gewinnen einzureihen ist, wurde oben begründet (sp. 5930f.); sie gehört zu den formeln, die auszerhalb des poetischen stils auch in der rechtssprache (s. u.) verbreitet sind. hier nimmt sie eine ungewöhnliche ausdehnung an:
wo der vater als subject anzunehmen ist, macht sich an gewinnen immer mehr die bedeutung erzeugen geltend:

si sprach 'nu gewer mich des ich gebitte dich:
ich han eine diu hie, die lege ubir miniu chnie,
die solt du chonelichen bechennen daʒ ich chint uon ir gewinne'.
der bet gewert si der man, uil schiere er einen sun gewan. genesis u. exodus 57, 20 Diemer;

ebenso Wilhelm v. Österreich 5824; sve wif to echte nimt unwetene, der he nicht hebben ne mut, unde kindere be ere gewint. sachsensp. landr. 3, 27 Homeyer3 321 (und kindere bî ir gewinnet. Leipz. hdschr. Weiske u. Hildebrand7 s. 98); ebenso 1, 5 § 1 (wint sone bi ire; gewinnet) u. a.; ebenso (bî des) Gregorius 181; Wolfram Parzival 455, 22; Dietrichs flucht 476. 2300; Braunschweig. reimchron. 1503 Weiland; Kolmarer meisterlieder 79, 32 Bartsch; J. Rothe Elisabeth, Mencken 1, 2033; desgleichen (mit ir) 2, 2102; buch d. Maccab. 12534 Helm;

wand Adam driu
unt sechzic chint gewan
der waren driu unt dricic man.
daʒ ander waren alleʒ wîp.
die gewan er ê unt ouch seit. anegenge Hahn 21, 17; ebenso 21, 37. 21, 39 u. a.;

summa Theologiae 30, 4 (denkm. 13, 124); 27, 9 (123); genesis u. exodus 10, 18 Diemer; 123, 36; 124, 1; H. v. Veldecke (Eneide) 108, 34 Ettmüller;

nu müeʒe got erbarmendaʒ ich ie gewan den suon
dem man itewîʒensol daʒ her nâch tuon
daʒ sîne mâge iemanmortlîch hânt erslagen. Nibel. 936, 1 Lachmann (gwan J.);

ähnlich Moriz v. Craon 155; Rudolf v. Ems Barlaam 292, 9; Boner edelstein 10, 22; J. Enikel weltchron. 3518; sächs. weltchron. 71, 21. 39; buch d. Maccab. 1156; ist daz der vorgenante Chunrat von Chapelle stirbet ane sne, daz er niht sne gewinnet. österr. urk. v. 1297 (urk. b. d. landes o. d. Ens 4, 264); ebenso schon sachsensp. landr. 3, 32 § 8; lehnr. 31, 2 (winne), charakteristisch für den übergang von gewinnen zu der bedeutung erzeugen ist das folgende:

'ach! hette ich nu di konginnin,
ich wolde in dessir nacht gewinnin
einin son, daʒ suld ir gesee,
von deme vel wundirs uf erdin geschee'.
Joh. Rothe passion 493 Heinrich;


in den fast ebenso zahlreichen belegen für ein weibliches subject führt gewinnen zu der bedeutung gebären über. hier werden die anhaltspunkte dringlicher, die auf winnen in der bedeutung leiden, laborare, zurückzuweisen scheinen: trotzdem ist aus dem ganzen zusammenhang und aus der beweiskraft der synonyma auch hier auf secundäre entwicklung zu schlieszen:

diu sin schone chone gwan im zwene sune:
den si gebar e den nennot er Manasse. genesis 88, 1; ebenso genesis u. exodus 57, 5;

ähnlich (an mir) Eneide 72, 7; ähnlich (von im) 108, 16; Wickram (Albrechts Ovid 9, 10) 8, 26 Bolte; desgleichen (bi im) Brun v. Schonebeck seligpreisungen 423 (ndd. jahrb. 30, 143b); Braunschw. reimchron. 1449; Ottokar 1210; Daniel 1936;

dir spriche ichʒ beste daʒ ich kan.
nie muoter reiner kint gewan
noch kint gewan
ein muoter nie sô reine. lobgesang auf Maria u. Christus 31, 2 u. 3 Haupt (z. f. d. a. 4, 525);

ebenso genesis u. exodus 45, 23 Diemer; 38, 25; 57, 1; 57, 4; könig Rother 2219; Nibelungen 659, 3; Parzival 276, 20; Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 1, 223 Bartsch; Friedrich v. Schwaben 8005; Hans v. Bühel Diokletian 3363;

[Bd. 6, Sp. 5944]


Joh. Rothe Düringer chron. 679; Elisabeth 2066; Hesler apokalypse 16953; Gregorius 2634 (den wîp ie ze sun gewan); man seget dat ne kind siner muder keves kint ne si, des n' is doch nicht. ein wif mach winnen echt kint, adel kint, egen kint unde keves kint. Sachsenspiegel landr. 1, 51, § 2 (var.: gewinnen); ebenso 1, 36, § 1; lehnr. 2, 23; ähnlich Kulm. recht 4, 20 Leman.
wie weit das verbum in dieser engeren verbindung dem neuern bedeutungskreise zustrebt, zeigen die folgenden belege: sumelîchiu wîp, sô si chindelîn gewinnent, sô zerbrestent si in der wambe. arzneibuch des Bartholomäus, (Wiener sitzungsber. 42, 132) Pfeiffer; des kindes jar ne sal man nicht rekenen von der tiet dat it die muder untveing, mer von der tiet dat it die muder gewan (var.: gebar) unde it levendich in die werlt quam. sächs. lehnr. 26, 1; ebenso spiegel deutscher leute, lehnr. § 75; vgl. auch sächs. lehnr. 71, 11. dazu vgl. die übertragung auf die thierwelt:

ein vogel heiʒt pellicânus:
swenne der fruht gewinnet,
alze sêre er die minnet:
in twinget sîner triwe gelust
daʒ er bîʒet durch sîn selbes brust,
unt lætz bluot den jungen in den munt. Parzival 482, 17;

iewelk ve sven it sin junge gewint, svar it des avendes to herbergen kumt, dar sal man't vortegeden. sachsensp. landr. 2, 18 § 4 (wen ez sîne jungen gewinnet. Leipz. handschr.;

dasz von ir vriedels stimme wirdet tragehaft,
dar nâch muoʒ sie daʒ kelbel danne gewinnen. Lohengrin 436 Rückert.

die vereinigung von vater und mutter im subjecte des verbums ist verhältnismäszig selten beobachtet:

die naht sîn (Lohengrins) lîp ir minne enphant ...
si gewunnen samt schoeniu kint. Parzival 826, 9;

ebenso Friedrich v. Schwaben 7062; anhang z. Limburger chron. 108, 15; nimet ein man ein wip unde hat kindere unde si hat ouch kindere unde gewinnen kindere mit einander. Freiberger stadtrecht cap. 1 § 8; ebenso österr. urkunde von 1296 (urkundenbuch d. l. ob d. Ens 4, 247). in einzelnen belegen bleibt das subject unbestimmt;

es troumte ... dem künge, eʒ würde boeser in den rîchen.
die nû ze vollen boese sint,
gewinnent die noch boeser kint,
jâ hêrre got, wem sol ich diu gelîchen?
Walther 23, 15 Lachmann;

ebenso Barlaam 53, 1. 4; ähnlich (ich sî mit valsche gewunnen) pfaffe Amis 636; dat de mensche ghewnnen unde gheboren si in rechter esschap. stadtbuch v. Dortmund § 55 Frensdorff (Hans. geschichtsquellen 3, 81). ebenso Dortmunder urtheilsbuch § 1 (ebenda 3, 123).
η)) die vielseitigkeit der verwendungen, die von der verbindung des verbums mit dem substantiv man abzweigen, ist noch nicht erschöpft. zahlreich sind hier gerade die synonyma, die sich mit man in der kennzeichnung eines auf kriegerische leistungen zielenden dienstverhältnisses berühren und die von hier aus das verbum in seiner bedeutung beeinflussen:

der wirt wolde wænen, die geste wæren tôt
von ir arbeite und von des fiurs nôt:
dô lebt ir noch dar inne sehs hundert küener man,
daʒ nie künec deheiner bezzer degene gewan. Nibel. 2061, 4 (var. recken);

ebenso 168, 4; 1755, 13; ähnlich (recken) 106, 4; 1308, 3; Iwein 5719 (kempfen); 2569 (helt); Daniel 945 (ritter); Alexander 3197 (Straszb. handschr.: here); Judith 3, 1, denkmäler 13, 137 (giwan ein heri); desgleichen Daniel 974; Wilhelm v. Oesterreich 16210 (grozzritterschaft); Nibel. 476, 2 (geverten); 1696, 4 (hergesellen); Crescentia 35 (knechte); Limburger chron. 75, 23 (diner). dazu vgl. nun:

wir gewinnen niemer mêre
deheinen herren alsô guot
der uns tuo daʒ er uns tuot. armer Heinrich 496;

ähnlich (sô rehte bœsen hêrren nie gewan) Walther 26, 31; Nibelungen 1101, 3 (obe si gewinnen solde vrouwen alsam ê); Alexander 52 (der allirhêriste man, den Kriechen ze kuninge ie gewan); J. Rothe düring. chronik 633 (Rome gewann abir einen nawen babist);

da gedachte Herodes in sime sinne,
kundistu Pilatum zcu richtir gewinne,
daʒ her dir desse Judin betwunge,
vellichte dir dan baʒ gelunge.
Joh. Rothe passion 678 Heinrich;

[Bd. 6, Sp. 5945]



do hieʒ er im gewinnen
die diu bch chunden. leben Jesu bei
Diemer deutsche ged. 234, 13;

ähnlich könig Rother 124 (gewinnen herren, die dû ... mugis senden); Alexander 7080 (lûte, die in solden tragen);

der kuninc heiʒ ime gewinnen man,
die gôt gesmîde kunde slân. könig Rother 794, ähnlich livl. reimchron. 134;

einen meister gwan er abir sint
Alexander daʒ edele kint,
der lêrtin mit gewêfene varen. Alexander 227;

ebenso 191. 207. 219; Konrad v. Würzburg Partonopier 8081; ähnlich Nibelungen 486, 8 (kamerære); Wilhelm v. Österreich 277 (ockerlier, steuermann);

arzte gewan her Gâwein
im selben unde in zwein,
ze heilenne ir wunden. Iwein 7773;

das gleiche schon kaiserchronik 711 (s. u.); 4115; ebenso Wolfram Parzival 19, 28; Rudolf v. Ems Willehalm 10139; Daniel 5815;

do hiʒ si ilen gengen
eine ammen gewinnen
do gewan man der chuneginnen
ein heideninnen. Vorauer Moses (32, 31 Diemer), ebenso Daniel 2610.

wie weit von diesen und ähnlichen verbindungen das verbum in seiner bedeutung beeinfluszt wird, läszt sich an den gebrauchsformen der neuhochdeutschen periode noch eingehender beobachten (s. II). im mundartlichen (bairschösterreichischen) gebrauch nimmt hier gewinnen die bedeutung dingen (anstellen) an, während in entsprechenden wendungen der schriftsprache eine andere bedeutungsrichtung geltend wird (einen für einen posten gewinnen).
θ)) charakteristisch stehen solcher entwicklung andere verbindungen gegenüber, in denen das appellativ als object keine wirkung auf das verbum ausübt. gewinnen läszt hier den begriff der besitznahme verblassen (vgl. finden, bekommen):

ir sult noch hie bestân;
wan ich sô lieber gesteselten iht gewunnen hân. Nibel. 1626, 4;

dagegen vgl. (leide geste) 1752, 2; 1939, 4. dazu vgl. auch:

wir mʒʒen manigen siechen
vor der stat gewinnen.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 9900.


d)) schon bei den eben dargelegten verbindungen mit einem appellativ lieszen sichals begleiterscheinungeneinige bestimmungsmerkmale beobachten, die geeignet schienen, das verbum an sich zu beeinflussen: einerseits die abhängigkeit von einem verbum des befehlens: heiʒ (mir) gewinnen und andererseits die verbindung mit einer bestimmung, die auf eine ortsveränderung mit nachdruck hinweist: heiʒ si ilen gengen, eine amme gewinnen. aus jeder dieser verbindungen wird das moment der bewegung im bedeutungsgehalt des verbums geweckt und zur entwicklung gebracht:

der chunich vil grimme
hieʒ si vur sich gewinnen ...
er sprach zuo den hêrren. kaiserchron. 10891;

nu heiʒ in dir gewinnen
und danke in der minnen. Alexander 2599 (Straszb. handschr.; sende etwen nach mir Basler handschr.).


α)) wo gewinnen nicht von einem verbum des befehls abhängt, ist die räumliche bewegung durch eine präpositionalverbindung des reflexivpronomens genügend vorbereitet:

Symon der was ein frut man
die Irle' er fur sich gewan
er sprach ... fragm. d. Macabäer 10 Kraus;

ebenso Daniel 5832; der wilde mann Vespasianus 86; desgleichen (zuo im) Nibelungen 729, 2; 645, 2; Parzival 112, 22; Gottfrid Tristan 13411; Vespasianus 26.
β)) in den meisten einschlägigen fällen jedoch geht das verbum aus der sphäre eines befehls hervor. überwiegend ist dabei das ziel der bewegung durch eine form des reflexivpronomens (meist im persönlichen dativ) gekennzeichnet. selten, dasz dazu noch eine besondere ortsbestimmung tritt:

Arnolt hîʒ drâdi rennin
pfaffen imi dari gewinnin. Annolied 840 Roediger;

genau so jüngere Judith, Diemer 143, 21; ähnlich kaiserchronik 4276 (hieʒ im gewinnen in sîne kemenâten).
sonst genügt hier der reflexive dativ, um auch die ortsveränderung zum ausdruck zu bringen:

[Bd. 6, Sp. 5946]


do Jacob uirstunt daʒ ime nahote der tot
do hiʒ er ime gewinnen Joseben sinen liben sun.
uil shire er ime chom. genesis u. exodus 105, 9 Diemer;

ebenso 48, 13; 53, 4; 138, 3; genesis 116, 9; Vorauer Moses, Diemer 22, 19; jüngere Judith (157, 9); könig Rother 4867; Rolandslied 260, 10; kaiserchronik 1630. 4172. 6121. 6941. 8345. 8360; armer Heinrich 1061. dazu vgl. auch kaiserchron. 1140. 5774; Tristan als mönch 293 Paul; vgl. 1485.
nur wenige belege lassen an die stelle der reflexivbestimmung eine ortsangabe treten:

biten unde gebieten
hieʒ er allenthalben dar
die sînes wortes næmen war.
dô er sî alle dar gewan,
beide mâge unde man,
dô tet er in die rede kunt. armer Heinrich 1463;

ganz ähnlich Gregorius 2709; desgl. Nibelungen 1191, 1; Daniel 5804.
manchmal fehlt auch die ortsangabe, in diesem falle bietet jedoch der weitere zusammenhang entsprechende bestimmungsmerkmale:

er hieʒ in allen gahen gewinnen Abramen,
er sprach ... genesis u. exodus 34, 9 Diemer;

ganz ähnlich leben Jesu (234, 25); vgl. auch Ottokar 14401;

er hieʒ gewinnen Hagnenund ander sîne man,
und bat ouch harte baldeze hove nâch Gêrnôten gân. Nib. 147, 3;

unn hieʒ die kindelin gewīnē,
ilende vr sich bringē. Tricrer Sylvester 70 Roediger (z. f. d. a. 22, 147);

der fürste hieʒ gewinnen
zwelf wol gebornü kindelin,
dü bi im soltent sin.
Rudolf v. Ems Willehalm v. Orleans 2748 Junck.


e)) in keinem verhältnis zu der häufigkeit und ergiebigkeit der eben belegten fügungen steht die einwirkung anderer präpositionalverbindungen auf das verbum. sie gehören meist zu den bloszen erweiterungsbestimmungen, vgl.: er gewan ouch in sîn wer ein gar kreftigeʒ her. Ottokar 383; alle diet mit hôher craft gewinnen zeiner erbeschaft. Konrad v. Würzburg Silvester 4040; vgl. auch oben sp. 5935; nur vereinzelt sind hier wendungen, die die bedeutung des verbums abschwächen und ablenken:
α))

sô her die meinstreinge man
niconde nie biduingan.
ci jungist gewan hers al zi gedinge:
daʒ soltin cin êrin bringen. Annolied 279;

ze sîner heinlîche er gewan
von Gâles einen spilman,
gefüegen unde wîsen;
den begunde er underwîsen.
Gottfried Tristan 16275.


β))

(gott:) z Pharaone solt du varen,
du mst von im gewinnen die minen iungelinge;
du solt heitære sin des liutes daz ist min. genesis u. exodus 126, 21 Diemer;

ebenso Nibelungen 319, 4 (von der reise in gewan).
f)) dagegen sind ergänzungssätze, die dem verbum die richtung weisen, schon früh belegt: tara nâh kuan er den medicum der imo blûot lieʒ. Notker Boethius 114a;

sît ich ân einen vrumen man
mîn lant niht bevriden kan,
so gewinn ich gern einen (var. gewunne, funde, hette)
... sô vrumen ...
daʒ er mîme lande
guoten vride baere
und doch mîn man niht waere. Iwein 1911;

daʒ er etlichen teil
ûf dem kôr gewunne,
der im der wal gunne.
Ottokar 38388;

si sendet got der gte.
ze unserer hte,
daz si uns gewinnen.
in gotes hulde bringen. bücher Mosis 4, 13 Diemer;

wær ieman nû sô gefüege,
daʒ er uns den kunde gewinnen,
daʒ er uns hulfe hinnen. Daniel 3728.


2)) die verbindungen mit einem sächlichen object.
a)) einen breiten raum nehmen hier gebrauchsgegenstände ein. was der mensch in natur und welt sich dienstbar macht, wird auch vom verbum gewinnen als object angezogen; in poetischer übertragung werden auch objecte erfaszt, die dem menschen unerreichbar sind:

[Bd. 6, Sp. 5947]


möhte ich ir die sternen gar,
mânen unde sunnen,
zeigene hân gewunnen,
daz wær ir, so ich iemer wol gevar.
Walther 52, 37 Lachmann;

dazu vgl. auch:

daz er werden hiez daz liecht.
das tet er umbe daz nicht.
daz er îe vinster gewunne. anegenge bei Hahn 2, 44.


α)) eine gruppe schlieszt sich um objecte, die den kreis der nahrungsmittel streifen. entsprechend den ältesten primitivsten formen ist sie einerseits von der vorstellung der jagd und beute getragen, während andererseits der begriff des erwerbs deutlich bloszgelegt wird:

wahsen begund[e] do der chintder gevie manich wilt,
mit geschoʒʒe unde mit geiaidegewan er sin getraide. genesis 39, 19 Diemer;

ähnlich Reinmar v. Zweter 179, 10 Roethe (vom fischfang); Wiener physiologus 31 Hoffmann (vom raubzug des fuchses); Iwein 3922 (vom löwen);

dô sach er vil hôhe stân
einen raben, der hiez Diezelîn,
der hâte mit den listen sîn
einen niuwen kaese gewunnen. Reinhart Fuchs 223 Reissenberger;

ouch heter ze sînen tische
fleisch unde vische
sô unmâzlîchen vile, ...
diz môse man ime gewinnen
mit liebe und mit minnen
âne roub und âne ungemach,
daz ime nihtis ne gebrach. Alexander 4055;

dar zuo gît man in spîse,die besten die ie gewan.
in der werlte künec deheiner. Nibel. 1408, 1;

ähnlich Walther 17, 24; Neidhart 52, 18 Haupt (gewinne ich eigen brôt); Parzival 577, 15 (gewinnen ... daʒ potenbrôt). genau so Wilhelm v. Österreich 511.
β)) in den verbindungen, die auf das eigenthum an grundbesitz und fahrender habe zielen, war der begriff der besitznahme schon althochdeutsch von dem ausgangspunkt einer eroberung, einer beute abgedrängt, vgl. sp. 5930. das gleiche gilt für die mittelhochdeutsche zeit, die einzelne feste verbindungen wörtlich übernimmt:

wært ir mir der vremdeste man
der ie ze Riuzen hûs gewan. Iwein 7583;

genau so 2825; Daniel 34 (eigen hûs). vgl.: daʒ wir nie hof gewunnen. Tristan als mönch 36 Paul;

do Abram was heim chomen der hungir het ende genomen:
er unde Loht sines brudir sun gewunen michelen richtm. genesis u. exodus 34, 17;

ebenso Nibelungen 1216, 2; Rudolf v. Ems Barlaam 22, 5 (rîcheit);

in einem jâre dô gewan er kiste und kasten vol. meisterlieder der Kolmarer handschr. (198, 21) 615 Bartsch;

die meiste menge enruochet wies erwirbet (var. gewinnet) guot
sol ichz alsô gewinnen, sô ganc slâfen hôher muot.
Walther 31, 16 Lachman;

ebenso (guot gewinnen) Mai u. Beaflor 133, 6; Iwein 7989; troj. krieg 46238. 46244; Engelhard 124. 126; Freidank 56, 21; 57, 3. 16; pfarrer z. hechte (344); Wilhelm v. Österreich 18427; bruder Philipp Marienleben 3066; Hesler apokalypse 17446; livl. reimchron. 131; ähnlich spec. eccles. 101.
in solcher beziehung auf geld und geldeswert wird ein im verbum an sich ruhender gegensatz besonders herausgearbeitet: der unterschied zwischen activer und passiver besitznahme, erwerben und empfangen. für das letztere vgl. vor allem:

den hutirn gabin si gelt umme daʒ ...
abir dô di hutir daʒ gelt gewunnin
erin haʒ si do besunnin
und sagitin di rechtin warheit.
Joh. Rothe passion 1106 Heinrich;

zum ersten vgl.:

Werbel unde Swemlîn, des küneges spilman,
ich wæn ir ieglicher zer hôchzît gewan
wol ze tûsent marken oder dannoch baʒ. Nib. 1314, 2 Lachmann;

nû hân ich mit dem golde
gebâret als ich solde
nâch dîner muoter gebote,
ich hân dir ez in gote
gemêret harte starke.
fünfzec und hundert marke
habe wir dir gewunnen. Gregorius 1767; ähnlich
Seifried Helbling 1, 743;

Swert gewinnen)

[Bd. 6, Sp. 5948]


an wendungen, die im sinne der sp. 5932 angeführten althochdeutschen zeugnisse in solcher form einer besitznahme auch den kauf darstellen, ist die mittelhochdeutsche dichtung arm. die belege beschränkea sich auf ein denkmal:

er gewan ir swaz er veile vant
spiegel unde hârbant. armer Heinrich 335 (var. koufte);

ebenso (arzenîe) 202; 444 (var. mit keiner habe erwerben).
γ)) die bedeutungsverschiebung, die oben schon an einzelnen fügungen mit persönlichem object belegt wurde (gewinnen heiʒen = rufen, holen lassen; gewinnen = herbeirufen), greift auch in die verbindungen mit sächlichem object über. das moment der bewegung, das hierdurch am bedeutungsgehalt von gewinnen belebt wird, nimmt in der beziehung auf gebrauchsgegenstände natürlich eigene formen an: der begriff herbeiholen, herbeirufen wird hier durch herbeiführen, herbeitragen verdrängt. in dieser einen beziehung ist auch die thierwelt, die sonst den persönlichen objecten analog vertreten ist, unter die sächlichen objecte zu rechnen:

do hiez er gewinnen
die besten ors die man do vant ...
dar zu hiez er gewinnen do
sechzec schüzen uf die vart.
Rudolf v. Ems Willehalm 8736;

ebenso (ros gewinnen) Daniel 4931; Tristan als mönch 734 Paul;

er rief den chinden
und hiez im den sluzzel gewinnen. Alexander (Vorauer handschr.) 300;

ebenso (daʒ kriechische fûr) 2398 (Straszb. handschr.; Basler handschr.: hies er bringen); Wigalois 5242 (salben); Nibelungen 2254, 3 (gewant); 407, 3 (dort var.: dar bringen); Rudolf v. Ems gute Gerh. 2912 (sîden, golt); arzneibuch des Bartholomäus 128 Pfeiffer (der sol gewinnen ein wîʒeʒ glas):

hei waz man guoter seteleden schoenen vrouwen gewan. Nib. 1208, 4;

ähnlich (wâfen) Alexander 429; Iwein 3698 (harnasch); Engelhard 322 (swaʒ er haben solte ... ûf sîne vart, vil schiere im daʒ gewunnen wart);

sîe hat ein küssîn, daz ist rôt:
gewünne ich daz für mînen munt
sô stüende ich ûf von dirre nôt.
Walther 54, 8 Lachmann (var. wurde mir das vür);

ebenso (ab der hant gewan) Iwein 3199 (daʒ vingerlîn); ähnlich Gottfried Tristan 2942; Wigalois 3867 (da von gewinnen); Konrad v. Würzburg Alexius 975 (drûʒ gewinnen); pfaffe Amis 249; wer des ochsen gall mischt mit hong, sô zeucht si ainen dorn oder ain holz oder ain eisen auʒ. alsô gewinnt man pfeil auʒ den wunden. K. v. Megenberg buch der natur 160, 7 Pfeiffer.
δ)) eng an diese wendungen schlieszen sich einzelne feste verbindungen des verbums an, die ebenfalls eine bewegung zum ausdruck bringen, deren ausgangspunkt jedoch erst erschlossen werden musz; es ist kein zufall, dasz diese verbindungen fast alle bestimmten situationen eines handgemenges entspringen.
auf eine bewegung der arme, hände zielen die verbindungen mit schilt, helm, schwert; vgl. den gegensatz zwischen der intensiven bedeutung des verbums in:

sît ich den schilt von êrst gewan
und rîters fuore mich versan. Parzival 258, 21 (vgl. auch 209, 12)

und der neuen formelhaft abgelenkten bedeutung in:

sîn schilt was verhouwen:einen bezzer er gewan.
vil schiere wart der reckedô gewâfent baz. Nib. 1996, 4;

Tristan den schilt an sich gewan (var. genam).
Gottfried Tristan 6628;

vgl. 7042 (nu er den helm ze sich gewan).

und stach im einen selhen stich ...
do truoc in daz ors dan
unz er daz swert gewan. Iwein 5040;

ebenso Rudolf v. Ems Willehalm 9302. 1148; Sigenot 24, 6 (deutsches heldenbuch 5, 211) u. a. s. II;

Hiltebrant sich selbs so lang wandt
bis im auff gieng das eine bandt
das er gewan die hende. Sigenot 162 Schade.

andere gebrauchsgegenstände als waffen sind neben gewinnen in dieser bedeutung nur selten belegt:

Sîfrît dô baldeeinen schalten gewan,
von stade er schiebenvaste began. Nib. 3681 (var. eine schalten genam);

[Bd. 6, Sp. 5949]


vgl. dazu (ein agest und einen slegel sî do zehant gewan) meisterlieder der Kolmarer handschr. 615 Bartsch;
zu einer andern art, der körperlichen fortbewegung im raume, leitet die ebenfalls aus den situationen des kampfbildes entspringende verbindung ors gewinnen über:

dâ mite wart ouch er gesant
ûz dem satele als ein sac ...
er nam daz ors, dô erz gewan
und vuortez vür den künec dan. Iwein 2601;

ähnlich Sigenot 10, 10 (daʒ ich müge mîn ors gewinnen); vgl. dagegen Iwein 5895 (do hieʒ ir vrou Lûnete ... ir pfert gewinnen, s. o.). ob und wie weit in diese entwicklung, die den begriff gewinnen, ergreifen in der richtung auf das ziel erreichen weiterleitet, die vorstellung des wettlaufes (s. o.) einwirkt, ist fraglich. mittelhochdeutsch treibt sie überhaupt erst ansätze:

ê si die tür gewunnenmit ellenthafter hant. Nib. 2011, 3

(vgl. die ganz andere bedeutungsrichtung in 99, 4 Albrîch der vil starke dô die kamere gewan, er erhielt die aufsicht über die kammer); ganz ähnlich Daniel 3377 var. (daʒ er den weg gewan);

mit so vil luten das er dan
mit gher vluht vil kume endran;
er gewan vil stillen nawint.
Rudolf v. Ems Willehalm 12127.

die hauptentwicklung dieser wendungen liegt in der neuhochdeutschen periode, s. unter II.
ε)) stärker als in den bisherigen wendungen macht sich die eigenart des angeschlossenen objectes in folgenden belegen geltend, in denen das verbum nicht so sehr einen gebrauchsfertigen gegenstand erfaszt, als vielmehr durch theilnahme des subjectes einen solchen erst erstehen läszt. hier vor allem wäre man geneigt, auf die grundbedeutung von winnen zurückzugehen und den begriff crarbeiten, fördern (von rohproducten) von dort aus zu entwickeln. jedoch auch das erscheint bei näherer betrachtung in frage gestellt; in einzelnen wendungen zeigt sich vielmehr ganz deutlich, wie der allgemeinere begriff des verbums durch die besondere bedeutung des angeschlossenen objects wieder differenziert und hiedurch einer bedeutung wieder genähert wird, die dem verbum von hause aus eigen war.
entsprechende beeinflussung durch das angeschlossene object macht sich schon innerhalb der oben besprochenen formel gewinnen heiʒen bemerklich:

dô hîz he imme gewinnen
vil manichen boim langen.
he wurhte igel ind mangen
ind bergfride vîre. herzog Ernst niederrheinisch (III, 39) Bartsch 5b;

vgl. dazu Alexander 1080 (vil grôʒe boume er gwan und hîʒ si ze samene spannen);

ir sult mir einen kranz
von eines boumes rîse
gewinn (gewinnen in allen handschr.). Parzival 600, 22;

vgl. auch arzneibuch des Bartholomäus 139 Pfeiffer.
ebenso entwickelt sich auch in andern ähnlichen verbindungen, in die gewinnen zunächst mit der allgemeinen bedeutung von erwerben eintritt (die aller besten sîden, die ie mêr gewan deheines küneges künne. Nibel. 355, 2; ähnlich Alexander 632; Iwein 1215), durch verschiebungen des zusammenhanges die möglichkeit einer neuen auffassung:

der beste zobel kumt von dan
den diu werlt ie gewan. Erec 2011;

ebenso Nibel. 355, 2 (var.); vgl. auch Neidhart 10, 3 Haupt; Jansen Enikel weltchron. 9700;

swer wil einen brunnen graben,
der muoz haben howen und bickel,
schûfel unde grabestickel,
wil er die erde enginnen,
des wazzers vil gewinnen. tochter Syon 3426; 3437;

daz her gewan blut uz siner swarte
und schreib durch der rede urhaf
ein handfeste unde gaf
si deme leidigen Sathan.
Brun v. Schonebeck hohes lied 6218;

an der stat tôte er hundert man
und als vil, unz er gewan
bluotes eine bütene vol. Daniel 4422;

[Bd. 6, Sp. 5950]



liben, wi teten gerne uwere bete,
ob wirs di state heten,
solde wirz (das öl) uch mete geteile,
so gewunne wi iz lichte zu cleine. thür. spiel von den 10 jungfrauen 152 Beckers (var. so wurde es uns beiden zu clein).


b)) einzelne und nicht unwirksame typen der verbindung mit sächlichem object greifen auch in die organischen veränderungen an naturgebilden und am menschlichen oder thierischen körper über. dem verbum wächst hier eine sinnliche bedeutungsfärbung zu, die sich am ehesten mit der verbindung kint gewinnen (s. o.) berührt und die ebenso wie diese als secundäre entwicklung aufzufassen ist.

an ein daz schœneste gras
daz diu werlt ie gewan,
dâ vuorte sî mich an. Iwein 335;

ebenso Neidhart 24, 25 (der meie ... hât gewunnen loubes vil); vgl. K. v. Megenberg 348, 23 (die poum ... ê si loüber gewinnent);

der nie gewan hâr noch den bart,
den möhte man alsô sanfte roufen.
Reinmar v. Zweter 201, 11 Roethe;

ebenso 201, 6 (gevidere von der vledermûs); desgleichen (vederen) passional 88, 88 Köpke; K. v. Megenberg 166, 26; predigt bei Nicol. v. Landau 44 Zuchold; ebenso (flügel) K. v. Megenberg 186, 34; 299, 31; 301, 9;

dô gwan er eine stimme,
di was harte grimme,
grôz unde freislîch,
eines lewen stimme gelîch. Alexander, Straszb. handschr. 5397 (Basler handschr.: do rieff er also freissam);

ähnlich (gewinnet ein ander stimm und verändert auch ir varb) K. v. Megenberg 221, 13;

dô mêrte sich ir varwe, die si vor liebe gewan. Nib. 525, 4;

vgl. Annolied 656 (die goltsteine ... gewinnit er in die variwe); Wilhelm v. Österreich 8751 (daʒ die blmen ... roten schin gewunnen);

der selben müle phlac ein man,
der nie vleisch noch bein gewan. könig Tirol (rätselged. 16, 3) s. 20 Leitzmann;

ebenso (vleisch oder vel) Daniel 775; (fleisch unde geist) 6992; (glieder) K. v. Megenberg 162, 23;

in den sô kurzen zîten
gewunnens wider ir lîp
und wurden diu schœnsten wîp
diu er ie mê gesach. Iwein 6851;

dô begunde clagen
diu edel küniginnedaz si ie gewan den lîp. Nib. 863, 3

(vgl. dagegen: daʒ si mir gewinnen doch den lip, ob er niht lebe. Wigalois 5590); ebenso 2073, 1; Daniel 536. 547; bruder Philipp Marienleben 359.

so edels noch so gutes,
so tugenthaftz so raines,
so gesellichleichz so gemaines
hertzen nie gewan ein leib.
Suchenwirt 1, 59 Primisser s. 2a;

vgl. auch leben gewinnen in 3)).
3)) abstracta als object drängen die bedeutungskraft des verbums am weitesten zurück; doch gelten auch hiefür mannigfache abstufungen, vgl.:

'ich trîbez kurz ode lanc,
sone weiz ich wiech ir minne
iemer gewinne,
wan daz ich zuo dem brunnen var
und gieze dar und aber dar.
gewinne ich kumber dâ von,
sô bin ich kumbers wol gewon ...
ir getete der kumber auch sô wê
daz ich noch ir minne
mit gewalt gewinne. Iwein 7794 ff.;

'frouwe, mîne sinne,
di mir wârn entrunnen,
die habt ir gewunnen
wider in mîn herze. Parzival 580, 10;

wie gar mîne sinne
eins andern wîbes minne
in ir gewalt gewunnen hât. Iwein 6805;

er antwurt: du magst das wol nennen
was dir ist zu mir zu sinne
mein verdenken saltu nicht gewinne'.
Joh. Rothe Elisabeth (13) bei Mencken, script. 2, 2056.


a)) je selbständiger und unabhängiger das object der verbalthätigkeit entgegengesetzt ist, um so mehr läszt sich an gewinnen noch die vorstellung einer besitzergreifung, einer erwerbung durchfühlen:

[Bd. 6, Sp. 5951]


si larten ime strîten
und vermezzenlîchen rîten ...
der liste di er von in gwan,
der wart er ên vil vornême man. Alexander 199;

die hulde mînes hêrren,
die hilf mir gewinnen,
du gotes gebêrerinne. Vorauer sündenklage 65 Waag u. a. s.
Roediger zeitschr. f. d. a. 20, 264;

ebenso (gotes hulde) anegenge 15, 32; Crescentia 79; Iwein 4047; Walther 81, 36; 84, 8; troj. krieg 27238; Thüring. spiel v. d. 10 jungfrauen 528; desgleichen (kuniges, fürsten hulde) Nibel. 1079, 3; Crescentia 27; ebenso (frouwen hulde) Iwein 1619. 5447; Daniel 1519. 5861 u. a. Daniels traumdeutungen 171 (seiner feinde hulde) ztsch. d. a. 48. dazu vgl. Jansen Enikel weltchron. 7084 (daʒ si mir huld gewinne wider den künic); 7124 (ob ich im mug hulde gewinnen umb sîn schulde);

und dâ er mîne minnesô rîterlîch gewan,
dô jach Sîfriter wære sküneges man. Nib. 764, 1;

ebenso Iwein 7794; Nibel. 1158, 4 (herzenliebe); Parzival 439, 24 (des minne ich nie an mich gewan); Nibel. 783, 4 (dînen meituom);

disir rede enzæme keinem man,
wan der nie trôst von iu gewan. Parzival 292, 6;

ebenso:

alle ablâʒe ligent nider,
man gelte dann und gebe wider.
nâch gnâden und nâch minnen,
sus sol man suone gewinnen. Freidank 150, 15 W. Grimm;

Wilhelm v. Österreich 10211; Hesler apokalypse 21415; genau so Hätzlerin 2, 68, 191; ebenso (antlaʒ) anegenge 20, 54 Hahn; spec. eccles. 52; desgleichen (vride) Nibel. 2026, 4; Iwein 5385; Hesler apokalypse 16759; Joh. Rothe Düring. chron. 666; vgl. auch Parzival 72, 12 (an den er sicherheit gewan vgl. oben sp. 5931); Eneide 148, 5 (herberge); Iwein 1627 (der stat dâ gewan); dazu vgl. (urloub gewan) 130, 33; genesis 53, 12 Diemer; Nibel. 821, 1 (var.: namen); Parzival 523, 27 (vrîheit gewan);

du hâst in einer reinekeit
das hœhste lop gewunnen
daz an die werlt ie wart geleit. lobgesang auf Maria 20, 10 Haupt;

genau so Nibel. 877, 4; 1818, 8; 1882, 4; Freidank 61, 101; Eckenlied 98, 3 Zupitza; Tristan als mönch 609; ebenso armer Heinrich 72 (der werlte lop unde prîs); Parzival 830, 30 (prîs); Daniel 6661; Wilhelm v. Österreich 6292 (prises rn); 6860 (lob und rm); ebenso (rûm) genesis 22, 20 Diemer; Alexander 4801;

wol erkand ich Aldrîânen:wan er was mîn man,
lop unde michel êreer hie bî mir gewan.
ich machte in ze ritterund gap im mîn golt. Nib. 1693, 2;

desgleichen (êre gewinnen) kaiserchronik 4904; Nibel. 7, 4; 21, 4; 1270, 4; 1273, 4; Iwein 3970. 6607; 948 (var.: irwerben); Freidank 41, 14; 63, 11; 93, 11; Daniel 5974. 6265; Tristan als mönch 540; desgleichen (togent unt êre) Crescentia 36; Freidank 56, 26; ebenso (frumen und êre) Gottfried Tristan 2300; desgleichen (fromen) Alexander 4471. 2106. 1656. 485; Walther 19, 28; Friedrich v. Schwaben 4462; desgleichen (heil) Eneide 203, 17; Reinmar v. Zweter 178, 2; Jansen Enikel weltchron. 10918. 16916. 28888 (vgl. auch 19134 gewan der stein daʒ heil); Tristan als mönch 1270, vgl. 1315. 1333. 2024. 1780. dazu vgl. (sælde) Freidank 4, 18;

sî sprach ... 'geselle, an dir ist tôt
der aller tiureste man,
der rîters namen ie gewan,
von manheit und von milte'. Iwein 1456, ebenso 3038;

genau so Nibel. 32, 4; Daniel 146. 1166; vgl. schon Heinr. v. Melk erinnerung 186 (der briesterlîchen namen ie gewan); vgl. auch (fürsten namen) Rud. v. Ems der gute Gerhard 556; (hette gewunnen ein kint mannes namen) pred. der Leipziger handschr., s. Schönbach 1, 34, vgl. oben sp. 5931; vgl. auch sîn recht gewinnen unter b);

diu hôchgezît dô wertewol sibenzehn tage.
ob künec ie deheiner,mit wârheit oder nâch sage,
deheine groezer gewünne,daz ist uns gar verdeit. Nib. 208, 6 Zarncke (var. in A.);

ebenso Iwein 37; Daniel 4381; Iwein 8147 (süeze zît); vgl. auch (lieben tag gewinnen) Iwein 6026. 1743; U. v. Lichtenstein frauendienst, 40. lied (kurzen tac); Eckenlied 127, 10 (niuwe naht); Iwein 6026 (vrist). vgl. aus der rechtssprache: dar ne werde ... ordeles vrist mit rechte gewunnen.

[Bd. 6, Sp. 5952]


sächs. lehnrecht 80, 1; der leste gewinnet es tag alsô lange. Sachsenspiegel 2, 12, 7 Weiske-Hildebrand. vgl. lengern tag irkrigen sp. 5926.
b)) viel weiter von der ursprünglichen bedeutung entfernt sich das verbum in verbindung mit solchen objecten, die nicht aus einem fremden lebenskreise herausgeholt, sondern aus der bethätigung des subjectes selbst entstehen. mitunter erscheinen die gleichen oder ähnliche nomina, wie sie in der ersten gruppe zu belegen waren, auch hier; doch in anderem zusammenhange:

ob si die wâren minne
in dem herzen sulen gewinnen.
Heinrich v. Melk erinner. 203; ähnlich Freidank 135, 1;

ich mane dich mit ganzem vlisz,
sant Jakob an din minne
die du ze got ie gewünne.
K. Kistener Jakobsbrüder 502 Euling

(vgl. dagegen oben sp. 5950: daʒ ich noch ir minne mit gewalt gewinne);

swer diheine tugend sol gewinnen,
der sal is in sîner juginde beginnen. Alexander 414;

ebenso Daniel 8066; lobgesang auf Maria 28, 2 Haupt (kiusche), vgl. unten (triwe gewinnen). je mehr sich der substantivbegriff verallgemeinert und der abstraction zuneigt, um so mehr bedeutung und energie wird das verbum entfalten; je mehr das substantiv der individuellen bethätigung (dem nomen actionis) zustrebt, um so leerer wird der gehalt des verbums, das am ende nur noch einer syntaktischen function dient.
deutlich wird dies an den verbindungen mit dem object leben, das als abstractum an die stelle des sinnlichen lîp tritt (vgl.daʒ er sînes lîbes macht wol widere gewan Iwein 6523, vgl. oben sp. 5950):

ach unde wê mir, armez wîp,
daz ich gewan mîn leben ie.
Konr. v. Würzburg Alexius 1155;

genau so Partonop. 14725; Sigenot (deutsches heldenb.) 2, 5; 13, 5; Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 79; Daniel 4372; Jansen Enikel 7101; Reinmar v. Zweter (denke in dinen sinnen, wi dû gewinnest êwiclîcheʒ leben) 191, 3. vgl. dagegen die ausarbeitung des nomen actionis in Nibel. 643, 3 (darumbe gewan Hagene zorneclîcheʒ leben); C. v. Ammenhausen schachbuch 15540 (müelichs leben); Joh. Rothe Elisabeth (heiligs leben) 2, 2089 Mencken.
α)) abstufungen der verbalbedeutung in der richtung auf die function eines hülfsverbs:

Adam inslîf, sîn sîti wart ingunnin,
Evûn wart dannin bigunnin,
beinis vesti wîb von man giwan. summa theologiae (denkmäler 13, 119);

dô die andern daz gehôrtendaz ez in dûhte guot,
dô wart ir michels mêredie trunken ouch daz bluot.
dâ von gewan vil krefteir etlîches lîp. Nib. 2054, 3 (nach A), vgl. oben sp. 5931;

genau so 100, 4; 589, 8; Erec 938; Parzival 518, 12; 573, 10; 654, 16; Jansen Enikel fürstenbuch 3481; Friedrich von Schwaben 2953; Nicolaus v. Landau 96 (vom wasser); ebenso (macht) Friedrich v. Schwaben 6244; Joh. Rothe Elisabeth 2, 2087 Mencken (von den fischen); (schwäre) Friedrich v. Schwaben 810;

daz her dir den anderin schôn gebe
unde mich selbe wille gesên,
och her in sîme kunne
ie gôter slachte gewunne. könig Rother 2082, ebenso 2112 (geslechte);

ouwe! daz er ie erkos
im ze friunde ein den man
der nie deheine triuwe gewan. Wigalois 3691; ebenso Parzival 694, 10;

ebenso Walther 115, 13; Friedrich v. Schwaben 5514 (lieb unnd trüw); ähnlich Daniel 3377 (belde); Heinr. Wittenweiler ring 4a, 22 (künew herczen). ebenso (zorn gewinnen) Alexander 491; Tundalus 355 Kraus; Parzival 272, 23; Daniel 3715; Hesler apokalypse 7725. vgl. auch Wigalois 10541 (hochvart); ungewöhnlich reich und vielseitig ist die verbindung mit muot belegt:

und swer von wîbe ie muot gewan
oder iemer wil gewinnen
der trachte in sînen sinnen.
Gottfried Tristan 1774;

[Bd. 6, Sp. 5953]


ebenso (hôhen muot) Walther 123, 16; Parzival 742, 5; Friedrich v. Schwaben 1556; C. v. Ammenhausen schachb. 18901 (hôchvertigen muot); Alexander 5693 (frôlîchen muot; var.: ward erfrwet sin mt); 4381 (freislîchen muot); 4518 (grimmigen muot); 2704 (manlîchen mût); 4586 (stâten mût); Iwein 7359 (rehten muot); armer Heinrich 1235 (niuwen muot); dazu vgl. (lewen mût) Alexander 1031; Eckenlied 120, 10; Daniel 1075; Sigenot 129 Schade; ähnlich Nibel. 2262, 1 (heldes muot); Erec 6947 (ritters muot); Iwein 2507 (schalclîchen muot; vgl. auch trûrigen, ringen muot, ungemüete, s. u.); ebenso (der nie nâch êren muot gewan) Iwein 3552; Daniel 1274; Friedrich v. Schwaben 2402 (muot nach der liebe strangen); Gottfried 10395 (uf solhe untât). endlich vgl. Alexander 2592 (ih ne gewan des nie deheinen mût, daʒ ih dir tête den tôt). ähnlich Iwein 6329; Daniel 4820; C. v. Ammenhausen schachb. 17703. ähnlich Tristan als mönch 25;

daz ir ze manslahte
iemer gewinnet ahte.
Gottfried Tristan 10398;

ebenso Iwein 8088. ganz ähnlich Daniel 6815 (willen). vgl. Nibel. 209, 4 (freislîchen sit);

nie wart so wol sprechender man der ie von buochen sin gewan.
Wernhers Maria 64 (fundgr. 2, 164);

ebenso Wigalois 5885 (gten sin); Stricker Daniel 6165 (sinne); ähnlich (gedanc, gedanke) 2340. 1073; kl. gedichte 4, 125; Wilhelm v. Österreich 2786; Wigalois 622 (gelouben); Rudolf v. Fenis (minnes. frühl. 80, 1: guoten wân); armer Heinrich 1118 (zwîvel); ebenso Tristan als mönch 1613; Barlaam 59, 6 (wîsheit):

swaz ich fröiden zer werlde ie gewan,
daz hât ir schœne und ir güete gemachet,
und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
Walther 110, 24;

ebenso Nibel. 2023, 4; 294, 3; Jansen Enikel weltchron. 4864; Friedrich v. Schwaben 1565. 6650; Daniels traumdeutungen (zschr. f. d. alt. 48, 520); Laurin 2300 Schade; Nibel. 45, 4 (fröuden unde arebeit); dazu vgl. (wunne gewinnen) Alexander 5321; könig Rother 1922; ähnlich (gemach) Iwein 1783. 5466; weihnachtslied bei Weinhold 387 (kain rue gewan);

eines hübschen ritters
gewan ich künde.
Kürenberg s. minnes. frühl. 7, 22;

genau so Wigalois 7722. 5444; Nibel. 89, 4; 1255, 4; 449, 4; Iwein 7418; Parz. 240, 28; Ulrich v. Singenberg (Schweiz. minnes. 50); Rudolf v. Ems Willehalm 1502; Barlaam 26, 30; Daniel 6322. 5311. ähnlich Heinr. v. Morungen, s. minnes. frühl. 130, 5 (gewinne künde der vil grôʒen sünde); der verbannte könig 48a Leitzmann (ir sites); Walther 31, 11 (daʒ ich der trüge ie künde an in gewan); Parzival 516, 7 (gewinne küende, wieʒ umb ir herze stüende); ebenso Willehalm 324, 15;

als enkan der gotes minnen
niemant ursete gewinnen.
Hesler apokalypse 31, 90, vgl. oben sp. 5931.


β)) schon die letzten wendungen haben zum ausgesprochenen nomen actionis übergeleitet und das verbum gewinnen in der function eines bloszen hülfsverbs gezeigt, vgl. auch:

Adam eruorht im harte do er got erhorte,
trrichlichen er daz wort gewan, er sprach ... genesis u. exodus 15, 24 Diemer

(vgl. später pfarrer von Kalenberg 1343 sein red gewan); ähnlich (deheine frage gewinne) Konrad v. Würzburg Engelhard 2121;

der getriuwe hergeselle
der kratzet unde beiz dan
holz und erde, unz er gewan
ein vil gerûme ûzvart. Iwein 6748;

ebenso anegenge 15, 27 Hahn (wider vart); C. v. Ammenhausen schachb. 9084 (ûsgang); desgleichen (ende) Walther 121, 3; Nibel. 2224, 4: Rudolf v. Rotenburg (v. d. Hagen 1, 86b); Parzival 568, 15 (gewan daʒ krachen ende); Barlaam 1, 19 (dîn kraft gewinnet niemer ort); dazu vgl. Walther 78, 24 (der anegenge nie gewan); Rudof v. Ems Willehalm 8753 (gewunne schiffunge uber mer); Ottokar 31533 (die vordern reis); 3691 (râche);

swer küssen hie ze mir gewinnen wil,
der werbe ab ez mit fuoge und âne spil.
Walther 111, 36;

ebenso (das nachreiten gewinnen) Suchenwirt 28, 231;

[Bd. 6, Sp. 5954]


und wizzet daz ich nie gewan
ze tuonne mit deheinem man
den ich sô gerne erkande. Iwein 7425.

hieran schlieszen sich auch wendungen, die der verbindung mit einem unpersönlichen subjecte entspringen:

der Aventür anker haft
nu erst gewinnet. Wilhelm v. Österreich 15354, ebenso Winsbeke 21, 7;

den rock tailn unsers herren, der kain stuck noch kain nât nie gewan. K. v. Megenberg 218, 5.

daz ez michel genuht gewan swaz er buwen began.
Wernhers Maria 16 (Hoffmanns fundgr. 2, 151);

die snider schroten manig cleit:
da gewinnet ez ein underscheit.
könig vom Odemwalde (6, 38 vom schaf) s. 60 Edw. Schröder;


4)) wie weit der bedeutungsgehalt des verbums in solcher function eines hilfsverbums austrocknet, zeigt die verbindung von gewinnen mit objecten, die etwas widriges, eine einbusze, einen nachtheil kennzeichnen (zum althochd. vgl. sp. 5932); sie erreicht hier ihren höhepunkt:
a)) in einer reihe von solchen verbindungen wäre man versucht, eine nachwirkung der ursprünglichen bedeutung des grundverbums (got. winnan, pati) anzunehmen, wenn nicht die andern zeugnisse [vgl. zu erwerben sp. 5925, vgl. unten c))] auch hier secundäre entwicklung wahrscheinlich machten:

ûf sîn ros er gespranc,
ân ir allir danc
reit er zô dem Strâge.
ê er dar ubir quême,
gwan er michil arbeit. Alexander 3176;

genau so Eneide 190, 38; Iwein 5776; Tristan als mönch 1922; ähnlich (nôt gewinnen) Alexander 4348; Nibel. 2226, 3; 1045, 1; 15, 4; Iwein 4392. 7451; Parzival 740, 22; Rudolf v. Fenis (minnes. frühl. 83, 23); Wahsmuot v. Künzingen (1, 302b v. d. Hagen); Konrad v. Würzburg Engelhard 2125; turnei von Nantheiz 956; Daniel 4033; Sigenot 114; Tristan als mönch 86. 1240. vgl. lehrgedicht der Melker handschr. 21a Leitzmann;

die marner alle jahen, daz si so groze swære
nie halbe naht gewunnen: mir tet ir schrîen we. der Tannhäuser (13, 3) bei
v. d. Hagen 2, 95a;

ebenso Friedrich v. Schwaben 1082. 1256; Wilhelm v. Österreich 9379; Daniel 5917.
b)) das gleichedie wahrscheinlichkeit einer secundären entwicklunggilt auch für einige wendungen, die auf kampf und handgemenge weisen und damit zu der grundlage zurückführen, von der die bedeutung abzweigte:

wan er mit der tobesuhte winnet,
unz er den tôt gewinnet. die hochzeit 116 Waag s. 85;

si truog in zeime nagele und hienc in an eine want.
dô er si slâfes irte, minne si ime verbôt.
jâ het er von ir krefte nâch gewunnen den tôt. Nib. 588, 4 (genomen); ebenso 1544, 4.

dagegen vgl.:

daz der tumbe spottere
sinen tot von einem so guten man
umb so kleine schulde gewan. der eigensinnige spötter bei
Leitzmann lehrged. der Melker handschr. 7a;

genau so Rudolf v. Ems Willehalm 1080;

Turnûs der edel man
dô her den grôzen slach gewan,
den im tete Ênêas,
und im der helm verscrôten was. Ennide 328, 4;

wande dâ viel manic man,
der nie wunde ne gwan
von stiche noh von slage. Alexander 3319;

ebenso graf Rudolf 23 W. Grimm; Nibel. 1993, 4 (var.);

'swer den wanc
gewinnet under in zwaien,
dem wil ich minnen aigen
gefgen nimmer mere'. Wilhelm v. Österreich 8535;

vgl. dazu: daʒ ich nit undank erstech. Widman histori Peter Lewen (Weimar. jahrb. 6, 425).
c)) denn die hauptmasse der einschlägigen belege führt deutlich auf feste verbindungen zurück, die oben schon nachgewiesen sind und dieoft mit leichten änderungendem ganzen eine bedeutungsrichtung geben, die der bedeutung des verbums an sich widerspricht:

owê daz ich sô grimmen vîent ie gewan. Nib. 2230, 2; vgl. oben sp. 5942;

[Bd. 6, Sp. 5955]


ebenso schon genes. u. exodus 108, 7 Diemer; C. v. Ammenhausen 13585. desgleichen (ze vînde gewinnen) Nibel. 1903, 4; Seifried Helbling 8, 605; vgl. auch Ottokar 28856 (einen argen nâch gebûr an dem bischolf er gewan); vgl. dazu: svie to allen dingen gerne rechte sprict, he gewint dar mede manigen unwilligen man. des sal die vrome man sik getrosten durch got unde durch sine ere. dit buk wint ok manegen vient. sächs. lehnrecht 78, 3;

vil hazzes er von in gewan. Parzival 297, 15; vgl. oben sp. 5950. 51;

ebenso Rudolf v. Ems Willehalm 2958; Friedrich von Schwaben 234; Hesler apokalypse 22247;

er sprach ... vüer ich verstolne
ze vüezen von hinnen,
des müese ich wol gewinnen
laster und unêre. Iwein 1768; vgl. oben sp. 5950;

ebenso (laster) 7453. 757; Friedrich v. Schwaben 5780 (lasters mal); Erec 58 (mâl); frauendienst 577, 1 (wandelmeil); Wilhelm v. Oesterreich 19023 (wandel); desgleichen (schande) Nibel. 304, 3; Iwein 7835. 2028. vgl. auch Daniel 2829 (unsite); Wigalois 1487 (valsch);

'owê mir dirre nôt'
sprach ein wîp: 'der sumer wil zergân.
des gewinne ich lîhte noch vor leide ein grâwez hâr'.
Neidhart 44, 38;

ähnlich Boner edelstein 100, 74 (totlich varwe);

swenne er solich unkraft gewinnet
von alder und von siecheit. das bild bei
Leitzmann lehrged. der Melker handschr. 36b;

ähnlich (krankheit) C. v. Ammenhausen 15918; ähnl. arzneibuch des Bartholomäus 133; sächs. weltchronik 76, 22 (da von gewan he de rre); K. v. Megenberg 110, 20 (schwüren);

so erblüejet sich mîn varwe
als rôse an dorne tuot,
und gewinnet mir das herze
vil manegen trûrigen muot. minnes. frühl. 8, 23; vgl. oben sp. 5953;

genau so Nibel. 1572, 2; 187, 4; ebenso Reinmar v. Zweter 52, 6 (swæren muot); St. Pauler predigten 66, 22 (ringen muot); Alexander 454 (ungemûte); frauendienst 561, 18 (valschen muot); C. v. Ammenhausen 17648;

des gwan sîn here grôz
vil michelen untrôst. Alexander 2559;

ebenso 3338; anegenge 10, 47 Hahn (truobe);

von ir vater landechom ir vil manic man,
da von der kunic Ezelevil manigen iamer sit gewan. Nib. 1654, 4 (C.) Lachmann;

ebenso 1849, 4; 1966, 2 (gewinnent mer zeklagene C); desgleichen (leid) Nibel. 1358, 2; 2246, 2; 2256, 1; 1155, 4; Wigalois 2474; Parzival 326, 27; Rudolf v. Ems Willehalm 4514; Wahsmuot (v. d. Hagen 1, 302a); Tristan als mönch 1751; Daniel 2244; K. Kistener Jacobsbrüder 1106 Euling; Sigenot 49 Schade; desgleichen (kumber) Iwein 5785. 7797; Parzival 367, 11; 634, 11; Konr. v. Würzburg 740; Hesler apokalypse 2712; Oswald v. Wolkenstein 96, 71 Schatz (verdriess);

daz was ein frîer bûman
der vil selten ie gewan
dehein grôz ungemach. armer Heinrich 270; vgl. oben sp. 5953;

manege riuwe gewinnet (var. schaden)
der hazzet daz in minnet. Freidank 100, 10 W. Grimm;

ebenso Winsbeke 66, 4; Friedrich v. Schwaben 3336; Hesler apokalypse 15484; J. Rothe passion 248. 1731;

sî muose gewalt od vorhte hân:
nu gewan sî vorhte von drô. Iwein 7709;

ebenso Daniel 3593; ähnlich (angest) Eneide 194, 22; Nibel. 2048, 4; Stricker kl. gedichte 4, 122 Hahn; desgleichen (sorge) urstende bei Hahn 124, 8; Nibel. 419, 4; Jörg Wickram Albrechts Ovid 9, 9; Ottokar 953 (grûs);

got weiʒ wol von himele,an Sîfrides tôt
gewan ich nie schulde. Nib. 1037, 3;

ebenso Iwein 8106; Tristan als mönch 1595. 1646.
d)) so verbindet sich gewinnen am ende gerade mit demjenigen substantiv, das neben gewinn als contrastbegriff beobachtet wurde, vgl. sp. 5888:

der den grôzen scaden dâ gewan,
daz was Alexander und sîne man. Alexander 4608;

ebenso Heinr. v. Veldeke 129, 23 (var.); Iwein 7368; Wigalois 7422. 3221. 1172; Nibel. 2093, 1; 1935, 4; 2000, 3; 2008, 2;

[Bd. 6, Sp. 5956]


210, 4; 236, 2 (var.); Parz. 656, 24; 664, 18; Willehalm 51, 8; Walther 120, 29; Reinmar v. Zweter 275, 12; 84, 6; C. v. Ammenhausen schachb. 9041; Barlaam 14, 21; Partonopier 3474; Daniel 5708. 6468; Friedrich v. Schwaben 1640;

ich gewinn es schaden oder frommen. Tristan als mönch 914 Paul.


5)) eigentlichen absoluten gebrauch hat die mittelhochdeutsche periode für den begriff der besitznahme kaum ausgebildet, immerhin hat sie eine reihe von wendungen entwickelt, die zum absoluten gebrauche überführen. hierher gehören verbindungen mit objecten allgemeinsten inhaltes, der durch pronominalformen nur angedeutet ist; unterliegen diese nun den verschiebungen zum adverbium und zur satzpartikel, so wird das object hier auf rein mechanischem wege verdrängt.
a)) entwicklungsgang bei indefiniten pronominalformen:

er schupfte starke und drabte,
daz er vil lutzel ûf gehabte,
swaz er von dem orse kunde
gewinnen alle stunde,
unz er kam vur das palas.
Heinrich v. d. Türlin krone 11099 Scholl;

ebenso (so si meist ... gewinnen mahten) Lanzelet 2024; desgleichen Erec 815;

der tôre sêre minnet
swaz er mit nôt gewinnet,
und swaz er sanfte möhte hân,
daz lât er lîhte hine gân. Freidank 82, 27;

ebenso Gudrun 940, 4; Iwein 5732; Alexius 751; pfaffe Amis 357; Jansen Enikel weltchronik 7097; erzähl. aus altd. handschr. 641, 24 Keller;

wirt
gib uns geleich
frstuck reich ...
du darft nit fragen
der solt uns gewinnen (handschr. vil gewinnen)!
gib iedem knappen
ainen trappen. Hätzlerin 1, 91, 64;

ebenso altd. pred. 1, 118 Schönbach; Ottokar 13175 (lutzel).

it daz er drinne iht gewinnet,
daz sîn senunge minnet. tochter Syon 2926;

er was von dem hêrre und man,
von dem sîn vater nie niht gewan.
Gottfried Tristan 5626;

er wirket niht vergebene,
den man niht gewinnen siht. Daniel 8135; ähnlich 4254.


b)) demonstrativ- und personalpronomen:

swelch künec der milte geben kan,
sî gît im daz er nie gewan.
Walther 17, 8;

ebenso schon Alexander 7170; desgleichen Freidank 41, 27; Daniel 7115; ähnlich Hesler apokalypse 15455;

der hæte daz daran gewunnen,
man sprach, er wære entrunnen. Daniel 7115;

ähnlich J. Rothe Elisabeth 2, 2090 Mencken;

es ist ein ding, des menlich begert,
so mans gewint, so ist es unwert.
Boner edelstein 19, 2;
Ammenhausen 17059;

unz sie ez gewunnen alsô guot,
daz man sie gerne werte. Daniel 6644;

ähnlich Faernand v. Erfurt Heinrich u. Kunegunde 342.
c)) so liesze sich im folgenden die unterdrückung des objectes erklären:

nû tuot als ich iuch bite:
diu siben ros nemet ir
nû ze gelte von mir.
der wirt neig im an den fuoz.
als ein man gewinnen muoz,
sô wirt er herzenlîche frô. Erec 4020;

anders bei der zusammenstellung mit verlieren, deren formelhafter charakter schon zur kürze drängt (vgl. oben sp. 5939):

in hät unsælec getân
aller sînen sælden wân:
er hazzet daz er minnet,
und vliuset so er gewinnet. Iwein 7074.


b) sonderformen der geschäfts- und verkehrssprache.
α) die rechtssprache:
1)) schon aus dem rechtsstreite entspringen wendungen und verbindungen, die als untergrund der bedeutung einen wettkampf bloszlegen lassen und dann weiter zu allgemeineren begriffen überführen. je nach der art des objectes, mit dem sich gewinnen hiebei verbindet, ist mit den bedeutungen besiegen, überwinden, überführen, vor gericht fordern oder erstreiten, erwerben, herbeischaffen zu rechnen.

[Bd. 6, Sp. 5957]



für den eigentlichen rechtsstreit kommen hauptsächlich die verbindungen mit einem accusativ des objects in betracht. die kennzeichnung des gegenspielers im persönl. dativ gehört zu wenig der besonderen stilform der rechtssprache an, um hier erledigt zu werden (vgl. einem etwas angewinnen II, 1); das gleiche gilt für einzelne belege zum absoluten gebrauch, die alle auf anderweitig erörterte typen weisen: du gewinnest lichte, var. zu: din gewin lecht (an redeliken worden). richtsteig landr. cap. 4; zu gewinnene und zu verlisene. urk. v. 1332 Haltaus 713; ob es beschehe, daʒ du mit gerihte gewunnest und machtest daʒ men in vorbrande. R. Merswin v. d. zwei mannen 38 Lauchert; geworket unde gewunnen mit ordel unde mit rechte. Hameler urk. v. 1532 (quellen z. gesch. Niedersachsens 10, 543), s. auch II, 3.
a)) das object der person.
α)) zunächst kennzeichnet es den gegner, der im rechtsstreit, im proceszverfahren, überwunden wird: svene man vor gerihte scüldeget in sin antwerde, wert he ding vlüchtich, he is in der klage gewunnen. Sachsensp. landr. 2, 45 Homeyer; sve so ok begint to antwerdene, unde wirt ime en ding geleget mit ordelen, ne kumt he nicht vore, he is in der klage gewunnen. 2, 9 § 1. ganz ähnlich 3, 9 § 1; 3, 39 § 3; 2, 11 § 1; Kulmisches recht 3, 58; ebenso (her ist in der schulde gewunnen) 5, 63; sächs. lehnrecht 66, 4; gewinnet he in also mit dem eide, so sal he im leisten in deme dinge. Freiberger stadtrecht 1, 22; bekennen si des, daʒ he gesworen habe, als reht ist, so ist der dip gewunnen. irvellet aber he an dem eide ... so ist der dip genesen. 19, 13. vgl. auch 30, 5 (der in uf den heiligen gewunnen hat); nicht ne mut ok de vrone bode panden, he ne werde mit ordelen dar to gewunnen (var.: gewunden, vunden, gebracht odder gezwungen u. a.). Sachsenspiegel landr. 1, 53 § 3; do clagete der Romsch konig zu Ungern über den selben Schallaga Nicläs im lantrechten und er gewan in mit recht. Eberhard Windecke gesch. kaiser Sigismunds (200) 178 Altmann; do sü alsus etwie lange behte worent und daʒ gemeine volke vaste uber sü ergrimmet worent ... die meistere und der rot ... woltent sü nüt verteilen an den dot, sü mohtent sü danne mit rehtem ürteil gewinnen, wande sü woltent nüt wider den trostbrief tn, den die Juden hettent von der stat. Closener, s. d. städtechron. 8, 128.
β)) da die älteren rechtsverhältnisse schon der einleitung eines proceszverfahrens mannigfache hindernisse in den weg legten, so galt der gegner vielfach als überwunden, wenn es überhaupt gelang, ihn rechtlich zu stellen. bei solcher auffassung wurde für die bedeutung von gewinnen ein anfangspunkt in der reihe der handlungen maszgebend, die das verbum sonst im endpunkt zusammenfaszt. gewinnen geht in die bedeutung vor gericht fordern über: wie man den vridebrechen gewinnen sal in einem andern gerichte. überschr. zum Sachsenspiegel landr. 2, 71 (Leipz. handschr.) Weiske u. Hildebrand; und also sul und mag ein ieclich man, in der vorgenanten stat zu Rabensburg vor dem gerichte seinen diep oder rouber ewigclichen gewinnen. privil. Karls IV. an Ravensburg 1354 bei Lünig reichsarchiv 14, 215b. dazu vgl.: zum erstenn were, das ein man bossheit gethon hette mit fursatz die an das geriecht gehorend der ein freischoff were, den solt man verpottn und gewunnen als recht ist; wer er aber kein freischopff, so mag man uber in riechtn on aller verpott. westphäl. gerichtsordn. v. 1547 bei Hahn 2, 608; dazu vgl. Haltaus 714.
γ)) im gegensatz dazu stehen typen einer bedeutungsverengerung, die von zielbestimmungen und noch häufiger von appellativen im object ausgeht: mit süsgedanen tügen ne mach aver neman den anderen nicht to geweren gewinnen (var. brencgen off g.). Sachsensp. landr. 3, 4 § 1; der muʒ iu selbe sweren unde den richter gewinnen. mac aber he nicht gesprechen, so muʒ sin wip sweren unde den richter gewinnen. Freiberger stadtrecht 30, 4; wint man ok burge binnen geloveden vrede. Sachsensp. landr. 3, 9 § 2 (gewinnet Leipz. handschr.).
δ)) aus dem rechtsverfahren zweigen auch verwendungen des verbums ab, die dem einfachen begriff der besitznahme zustreben: wirdet ein man irslagen, der ellende ist ... den sal der burgermeister laʒen ufheben unde der voit der

[Bd. 6, Sp. 5958]


sal in vorderen, alse recht ist, ab da wo nimant ist, der in gewinne mit dem eide. Freiberger stadtrecht 30, 1. auch in folgenden wendungen ist ein rechtsverfahren wol vorauszusetzen: ob man einen lamen man ze kampfe an sprichet, der nicht vormundes hat ... der rihter sol von des lamen mannes gute einen kemphen gewinnen. Schwabenspiegel cap. 62 Gengler; so schon Sachsenspiegel landr. 2, 20 § 2 (dat he dar vormunden mede gewinnen); item der ainem vorsprecher gewint ohne des richters erlaubnusz. österr. weisth. 6, 59 (Spital 16. jahrh.); ne mach die lame man ... sin recht to dun, he gewint to vormunden, sve't vor ine dun wille. Sachsensp. 1, 48 § 2, anders dagegen: eʒ sol auch der clager gewinnen den botten, der eʒ dem gebaure kunt t, der da beclagt ist. Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader. auch die bedeutung herbeiholen, herbeischaffen (vgl. sp. 5946) kehrt in einer eigenartigen rechtsformel wieder: manschaft mʒ der man wol auf die heiligen behalten der im der herre besaget selbe muʒ er aber die heiligen gewinnen. spiegel deutscher leute lehnr. § 177 Ficker s. 172; das gleiche schon Sachsenspiegel lehnr. 64, 2; zur sache vgl. R. Schroeder d. rechtsgesch.5 § 37 anm. 33.
b)) auch für die verbindung mit sächlichem object gelten die meisten der eben für das persönliche object festgestellten gliederungsgründe; einzelne gegensätze spitzen sich hier noch unverkennbarer zu.
α)) die verlegung des schwerpunktes auf das anfangsstadium statt auf den abschlusz des rechtsstreites (vgl. gewinnen = vor gericht fordern) wird in der verbindung eine klage gewinnen wirksam, die nicht so sehr der erstreitung des klageinhaltes, als dem anbringen der klage gilt: dise, di di erste klage haben gewunnen. Freiberger stadtrecht 27, 4; swer sich anders richet, danne hievor geschrieben ist, swatz schaden er darumbe jemanne tut, den sol er jm zwivalt gelten, und swatz schaden jm geschehen ist, der soll gar verloren sin, und sol nimmer deheine clage darnach gewinnen. kaiser Rudolfs erster reichsabschied 1287, erneuert 1291, bei Lehmann Speir. chron. 556a; vgl. Haltaus 714. ähnliches gilt auch von den verbindungen wergeld, schuld, busze gewinnen, die nicht so sehr auf den erwerb des klägers, als auf die entscheidung des richters zielen: uppe wene die klegere weregelt oder bute gewint vor gerichte, uppe den hevet ok de richtere sin gewedde, of he it vorderen wel. Sachsensp. landr. 3, 32 § 10; sächsisches lehnrecht 65, 6; ebenso richtsteig lehnrechts 27, 7; der so einen scheppen strofet uf der bank. her gewinet sine buse einen vierdung und der richter sin gewette. beschuldigit abir ein man einen schepphen so das orteil gevolget ist. so haben si gewunnen all ire busse und der richter sin gewette. Kulmisches recht 2, 3; ebenso 3, 71; ähnlich schon Sachsensp. landr. 2, 41 § 2; is aver he umme scult beklaget, die noch nicht up ine gewunnen n'is (var. gebracht, erzeuget). Sachsensp. landr. 3, 10 § 2; sweme man icht gelden sal, die mut is warden wente die sunne under gat, in sines selven hus oder in' me nesten hus des richters, dar dat gelt gewunnen is. 3, 40; ganz ähnlich 1, 65 § 4. dazu vgl.: ovir virtein nacht sal man scult gelden, de man vor gerichte gewint (var. nomet) 2, 5 § 2. je mehr sich diese bedeutung von gewinnen auf das formaledie anerkennung des rechtsansprucheseinschränkt, um so notwendiger werden neue ausdrucksmittel, die den praktischen erfolgdie ausführung des rechtsentscheideskennzeichnen. so finden wir in schweizerischen, elsässischen und bayrischen quellen viel gebraucht das compositum eingewinnen, die busse eingewinnen: und heissen ze stund ingewinnen fünf schilling ze bss. Züricher stadtbücher 2, 121; vgl. DWB helfen in gewinnen. Züricher richtebrief (s. oben sp. 5626); und sol der vogt dem kleger sin geltschulde und sin busse, und dem gotzshuss sin busse in gewünnen. weisthum v. Birmensdorf 1317 (Zürich), s. weisth. 1, 32; ebenso Züricher stadtbücher 1, 80; ebenso (1320 Unterelsasz) weisth. 1, 698; daʒ chain gastgeb oder purger chainem gast sein gelt eingewinn mit der stat rechten. Münchner stadtrecht art. 328 Auer; desgl. urkunde v. 1339 bei Schöpflin 2, 164. anders eingewinnen theil 3, sp. 191.
β)) je abstracter das object, um so mehr tritt dieser unterschied zwischen formalem und materiellem erfolg zurück, um so schwieriger aber wird es auch, die bedeutungen

[Bd. 6, Sp. 5959]


erstreiten und erwerben auseinander zu halten. die verbindungen mit einem und demselben object neigen bald auf diese, bald auf jene seite, vgl.: nieman ne mach ene rechte gewere gewinnen mit lenunge oder mit sattunge noch mit aplatene an enes kindes gute. sächs. lehnrecht 26, 9 gegen: man ne sal niemane wisen von sime gude, dat her in geweren hevet, ime ne werde die gewere mit rechte afgewunnen. Sachsenspiegel 2, 70; — ebenso vgl.: der knecht gewinnt urtheil vom herrn, nicht der herr vom knechte. Immermann (gericht v. St. Petersburg 6, 2) 15, 349 Hempel; gegen: der het sich z seinem meister verdingt für 20 duckaten, er solt in leren in seiner kunst, das er auch an dem rechten künt reden, und wan er ein urteil gewinnen solt er im die 20 ducaten verfallen sein. J. Pauli schimpf u. ernst (cap. 119) 88 Österley;vgl. auch: nempt mug im recht gbinen an. Sterzinger spiele (Wiener neudr. 9); nu hab ich das recht gebunnen. ludus solat. bei Keller fastnachtspiele 1003; kummet ... darz, dasz er selbst unrecht gwünnet. Zwingli 2, 2, 3; gegen: das meister-, bürgerrecht gewinnen u. a. sp. 5962. — vgl.: ein fürsprecher, nach dem er vil handlung gewunnen. Bebels facetien deutsch G 3a; aber er gewan kein sach, seine sachen da er ret, die gewunnen alwegen unrecht. J. Pauli schimpf u. ernst 89; gegen: da gewan sein gesel ein sach vor im z schaffen. 90. auszerdem vgl.: si, das mich sin botschaft nit gön löss ... so gewin mir lenger züg, als mir ... uf morn ain rechtag gesetzt ist. (aus 1457) bei Steinhausen privatbriefe 1, 367; vgl. die rechtfertigung gewinnen. Ayrer histor. procesz (2, 6) 543; die instanz gewinnen. ebenda u. a. vgl. einen procesz gewinnen u. a. unter II, 2.
γ)) bei concreten objecten kommt die beziehung auf einen vorhergehenden rechtsstreit nur selten gegen die überwuchernde vorstellung der besitznahme auf: ist abir, daʒ ein uʒman ein pfert anvangit, der muʒ ... den selben eit sweren. ... so haben si daʒ pfert gewunnen. Freiberger stadtrecht 9, 3; war ein gast ... stirvet in der statt th Dorpmunde ... dar zolen dei neesten erven dat hervede unde gherade opboren, wan sei dat ghewinnet na der stades rechte. grosze stadtbuch v. Dortmund § 18 Frensdorff.
2)) der begriff der besitznahme (gewinnen, erwerben) in der sichersten und sinnlichsten fassung wird vor allem von den geschäfts- und verkehrsformen der rechtssprache getragen. ergeben sich schon hieraus mancherlei beeinflussungen, so kommt noch in besonderem masze die einwirkung des formelhaften stils hinzu, die an unserem verbum in der gewohnheitsmäszigen verbindung mit haben und anderen die bedeutung des fortschrittes, des zuwachses entwickelt und steigert. die verbindung mit persönlichen objecten wird von dieser formel wenig berührt: sveder de man sone hevet eder se dar nach gewinnet. var. z. sächs. lehnrecht 31, 2 Homeyer; were auch sache, daʒ wir, unser ametman und unser dinere, di wir itzund han oder gewinnen, der vurgenanten unser stede unde burgere vigenden nemen kuhe, schaiffe oder phihe. urkunde von 1393 (vgl. Limburger chron. 145, 24 Wysz); allen unsern vitztumben, pflegern ... die wir ietzo haben oder furbas gewingen. urkunde v. 1431, monum. Boica 8, 276. um so reichlicher zweigen die entwicklungsformen von der verbindung mit sächlichem objecte ab.
a)) am vielseitigsten zeigt sich die verbindung gut (güter, land) gewinnen, bei der für einzelne verwendungen, die wir aus secundärer entwicklung erklären, wiederum mit der grundbedeutung von winnen abzurechnen ist.
α)) die breite masse der belege fällt in den oben gekennzeichneten rahmen der bedeutung erwerben im gegensatze zu besitzen: trit ein burgir adir ein andir man vor richter und vor scheppen in gehegit ding in uwir stat gerichte. und gebit und vorreicht sinem bruder und sinen geerbin allis das gut das her hat ader immer gewinnet. Kulmisches recht 4, 20; das vor und gestanden hat der ersame Lutke von der Nysse ... und reichte uff recht und redelich alle sine guter, di her hat adir immer gewint in dem Breslawuschin furstume. urk. v. 1389 bei Meitzen urk. schles. dörfer 35; quam in geheget ding und begavede Hanse, örme rechten werde, alle dat sie n het unmer mer gewint, it sie an varnder haue oder an welkeme gde dat sie und an gerade. 3. Hallisches schöppenbuch 584 Hertel 1, 277 und so auch in allen entsprechenden urkunden; zum

[Bd. 6, Sp. 5960]


bairisch-österr. vgl.: all ihr hueben die sie nun haben und hinfür gewinnen. (Spital 16. jahrh.) österr. weisth. 6, 54.
β)) auch auszerhalb der formel behauptet sich diese vorstellung des zuwachses auf dem gebiete des familienrechts, worin sich gewinnen eng mit erringen berührt: stirbet ein man und leʒet eine vrowen ... unde leʒet erbe unde gut, daʒ si mit einander irerbeit unde gewonnen haben. Freiberger stadtrecht cap. 1 § 7 Ermisch; man unde wiif, dei echte lude weren und hedden eichte kindere to samene unde hedden gud gewunnen unde erworven. Dortmunder urtheilsbuch § 55 Frensdorff (Hans. geschichtsqu. 3, 122); dair ein mann hefft gehat twee offte dree echte frouwen, und bi einer jeder kinder gehat, und hefft dairmede guet gewunnen, de erste frouwe starvet, und leth kinder nae, de ander frouwe stervet oek, und leth kinder nae, und bi der moeder tiden guet gewunnen is ... so nemen de kinder van der ersten frouwen, und der andern frouwen, dat gewunnen guet tegen den vader, wat bi eines jeden tiden to gewunnen is. ostfries. landr. (2, 109) 409/410 v. Wicht u. a.; was ligende güter ist ... daʒ iedweder tail vor der ee gehebt hat, daʒ sol beleiben ... was sie baide mit ainander gebuwen oder gewunnen haben, es sîe ligents oder varents daʒ soll ... der frowenhalb den dritten tail haben. (Münsterthal 1427) österr. weisth. 4, 353; dasz ... zwai menschen ehlich zusammen verheirat wurden, die beide nichts hetten ... aber vil oder wenig guets, bei vnd mit ainander gewunnen, erübrigten und ersparten. Tiroler landtsordn. v. 1603 (3, 20) 41b; erkobern oder gewinnen ... de societate, quae est inter virum et uxorem, respectu conjugalis acquestus. C. Besold thesaur. pract. 320 Dietherr; wem das in währender ehe errungen und gewonnen gehoret. ebenda (aus Zorer); vgl. auch gewonnen (s. d.) und errungenschaft.
γ)) beachtenswert ist eine bedeutungsverengerung, die den allgemeinen begriff erwerben (vgl.: hefft de vader oek sülvest guet gewunnen eder gekofft. ostfries. landr. 417) betrifft, er nimmt die engere bedeutung an: rechtmässig erwerben (in gesetzmässiger form sich aneignen). der ausgangspunkt dieser entwicklung läszt sich noch in verbindungen des verbums mit entsprechenden bestimmungen nachweisen: ist des nicht, so gewinnet der erste cinsmeister die hovestat mit rechte. Freiberger stadtrecht 1, 24; so bite he iz uf unde gewinne iz, alse recht si. 1, 25; das pfert hat he rechte unde redeliche gekoufet mit siner wol gewunnenen habe. 9, 4. vgl. auch: den wol gewonnen, erworbnen und erkaufften gütern. Besold 320.
in dieser entwicklung nimmt Westphalen wiederum die schon bei gewinn (s. o. sp. 5880) bemerkte ausnahmestellung ein, indem es das verbum für eine vorübergehende eigenthumsübertragung verwendet: die lehenrechtliche form, die später zur pacht überführt (gewinn = pacht, miethe) hat die verbindung zur hand gewinnen entwickelt, von der sich dann das verbum mit der neuen bedeutung ablöst: item wanner ein hoffsman sein hoeffsguid zur hand gewunnen ind geworven von dem herrn off scholtisz, so sall hie dem herrn off scholtisz ... einen eidt doen. hoffsrechte v. Eikel, s. Grimm weisth. 3, 36; hand gewinnen ist, wenn ein leibeigener verstorben, dasz der erbe des verstorbenen recht an sich lösen und bringen musz. Joh. Hier. Hermann jur. lex. 1 (1739), 480b; hierher gehört wol auch: hedde ein man to jarmalen land gewunnen unde hedde dat korn, dat dar oppe stonde, vort verkoft enen anderen manne. Dortmunder urtheilsbuch § 57 Frensdorff; und liesz den erbpächter dieser form wegen, alle acht oder zwölf jahr von neuem pachten; wie dieses die vielen colonate, welche alle zwölf jahr von neuem gewonnen werden müssen ... beweisen. Möser patriot. phant. (über die Osnabrück. zehnten) 4, 373.
allgemein gilt gewinnen für die freie, auch in ihrer dauer grundsätzlich nicht beschränkte besitznahme: hier erwachsen ihm synonyma, die in die ältesten und einfachsten formen der landgewinnung, in die rodung und urbarmachung zurückweisen, die aber für die grundbedeutung unseres verbums nichts besagen: ungewunnen land sve dar over veret (var. tribet), it ne si en geheget (var. gewunnen) wese, die blift is ane wandel. Sachsenspiegel landr. 2, 47; sve so unrechten wech sleit over gewunnen (var. geeret, gearn, gevruchtet) land, vor iewelk rat sal he geven enen penning. 2, 27 § 4;

[Bd. 6, Sp. 5961]


ire guetter ... als nemlich das dorf ... mit allen gnaden, rechten ... mulen, mulsteten, wegen und stegen, gewunnen und ungewunnen. urk. v. 1538 bei Klinger dorf- u. baurenrechten 3, 177; dazu vgl.: gewinnen, sepire, claudere (erschlossen aus dem Sachsenspiegel). Scherz-Oberlin 1, 548; ein gewunnen wese, pratum septum; geheget wiset. ebenda.
der zusammenhang, in den sich diese belege einfügen lieszen, rechtfertigt es, wenn wir alle diese wendungen mit samt der parallele gewinn, labor, die Haltaus erschlieszt (gewunnen gut, bona nostro labore acquisita), aus secundärer entwicklung erklären. auf winnen, laborare ist die letztere so wenig zurückzuführen als die formeln irerbeit unde gewunnen, gebuwen unde gewunnen; gewunnen. erübrigten und ersparten, s. o.
b)) nicht so häufig ist die formelhafte zusammenstellung von haben und gewinnen neben einem abstracten object, das einen besitztitel, einen rechtsanspruch kennzeichnet.
α)) also das wir ... itz, noch hinfür hintz dem benanten viertail aller seiner zugehörung, dhain ansprach, vordrung, eribschafft, noch rechten nimer mer haben, noch gewinnen sullen noch wellen in dhainer weis trewlich und ungeverlich. urkunde v. 1427, s. monum. Boica 4, 376; wann si darumb an aller stat alle ire recht behabt, gewunnen und erlangt habent, und wir gein in verloren. 337; wann ouch ein meister an einen gesellen, oder ein gesell an einen meister oder ein gesell an einen andern gesellen einicherlei ansproch gewinnet oder hat. Straszburger armbruster-ordnung v. 1465 Brucker 16; vgl. auch: ez soll auch kain burger briefe gewinnen, daz er niht rehtes halten sulle vor dem schulthaizen zu Nüremberg ... und swer der were, der der briefe, die also vor diesem gesetze gewunen sint, geniezen wolte und niht rehtes haben wolte vor dem schulthaizen, der muz geben an die stat dreizick pfunt haller. Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader.
β)) das si niemant geirret hat in kauf oder zu verkaufen nach ir notturft, damit si herrschaft dienst und ir forderung gewinnen mügen. (pfarröffn. v. Breitenbach) österr. weisth. 2, 124, ebenso (Liesfelden 1563) 3, 357; ist ouch, daz ein burger diz lantgerichte gewinnet oder wer es gewinnet, der muz schozzen oder wachen, zu dinge gen unde alles des rechtes pflegen, des ein ander man pfliget der stat zu rechte. Freiberger stadtrecht 233; darnach sol nieman mines herren knehte beklagen, wande vor ime, und mag ers im gebesseren, wol und gut, mag er deʒ nut, er sol ime den urloup geben, das er sin gerichte gewinne swa er muge. weisthum des Dinghofs zu Ebersheimmünster 1320 (Unterelsasz) weisth. 1, 672;

daʒ der kunic zuo dem mâl
füer gen Wîʒenburc zetal
und ouch diu kuniginne.
dâ sold er gewinne
kuniges reht genzlich
mit krônung und mit wîch.
Ottokar österr. reimchron. 41200 Seemüller;

die vrâgen in beguonden
von âventiure mære.
si sehent daʒ reht dâ wære,
ze hove aʒ weder wîp noch man,
ê der hof sîn reht gewan,
âventiur sô werdeclîch. Parz. 648, 20;

die schuworchten unde di gerewer haben ouch eine innunge mit einander hi in der stat, also daʒ nimant gerewen noch schuwerc wirken sal, he habe ir innunge gewunnen mit eime halbe pfunde; der geburn vumf schillinge den burgeren unde vumf schillinge den gewerken. unde welchis meistirs sun sin werc gewinnen wil, der gibet niwan vumf schillinge, di sint halp der burger unde halp der gewerken. Freiberger stadtrecht 248, ähnlich 241. 249. 250; der soll das werk von neuem zu gewinnen schuldig sein. neu - revidirte willkür der stadt Danzig (1761) 65; wer ouch frbaʒ me dehein zunft gewinnet hie zu Spire, der sol sweren zu den heiligen ze haltenne alles daʒ, daʒ dirre brief besaget, dem gezunftmeister, der danne ist in der gezunfte meister, die er gewonnen hat. urk. v. Speier v. 1327, s. z. f. gesch. Oberrh. 17, 43; das meisterrecht gewinnen, passer maître. Schwan 1, 746a, ebenso Hilpert 2, 1, 464c (to be made a freeman); keiner kann für groszjährig gelten, meisterrecht gewinnen, gewerbe treiben. F. L. Jahn (deutsch, volksth.) 1, 254; da

[Bd. 6, Sp. 5962]


vor mugent sü schürmen die burger sü jetzs sint, oder ander stett, da sü hie nach burgrecht gewinnen möchten, oder lantfriede, da sü inekhommen möchtent, oder darinne su danne werent. urk. v. Alpirspach 1364 bei Besold docum. rediviva ... Wirtemb. 158; man hat auch gesetzet, daʒ ein ieclich smideknecht, swie er genant ist, der meister hie werden wil, der sol vor burckreht gewinnen. Nürnberger polizeiordn. 159 Baader; anno domini 1564 den 18. tag octobris hat Veit Schaps bürgerrecht alhie zu Trautnaw gewunnen und balde das wachregister bekommen. Simon Hüttel chron. v. Trautenau 178 Schlesinger; das bürgerrecht gewinnen, jus civitatis adipisci. Stieler 2543; dasz die meinigen in dem gegenwärtigen augenblick das Frankfurter bürgerrecht gewinnen ist eigentlich nicht unumgänglich nothwendig. Göthe (an Schlosser, 26. okt. 1808) briefe 20, 190. vgl. auch II, 2.
c)) in einzelnen fällen greift diese formelhafte verbindung mit haben sogar in verbindungen ein, die das verbum der bloszen syntaktischen function zuführen: das wir ine und iren gewerken, die sie icz haben und noch zu ine komen mogen in kunftigen zitten, wie die dan namen han oder gewinnen ... etlich bergwerg ... verlihen wellen. urk. v. 1476 (s. zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 1, 45); genau so bergordnung v. Freiwaldau 1529, cod. Siles. 21, 9 u. a.; das man in der stat diheinin bu umbe diheinin vrevil noch diheine missehelle, die ieman widir den anderen hat odir hie nâh gewünnit, strin noch brechin sol mit gerichte noch ane gerichte. aufhebung der zünfte zu Ruffach 1306 (zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 18, 32, vgl. dazu: irrung oder stözz gewunnen. polizeiordn. von München v. 1370 Westenrieder 6, 164a; wo knechte oder knaben zweinge gewinnen mit iren meistern. Landauer urk. v. 1414; span gewinnen Basler urk. v. 1335, Straszburger urk. v. 1322; einunge gewinnen 1339 u. a.); was sach er fürbas zu handeln hab oder gewinne mit burgern oder burgerin zu Nüremberg oder den iren, daz er darumb recht nehme vor dem ... gerichte zu Nüremberg. Nürnberger polizeiordn. 25 Baader; und wer' es, daz sie etwas hie zu schigken oder zu schaffen hettent oder gewonnent. Landauer urk. v. 1450 (zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 17, 49); doch were das einer oder me mit einer closterfrown zu tun hette oder gewinne in spontzierens wise, der oder ... Straszburger verordn. v. 1480 Brucker 298.
β) unter den eben beigebrachten zeugnissen fanden sich auch belege aus der bergmännischen sprache, die im urkunden- und geschäftsstil breiten raum einnimmt. eben diese berufssprache hat jedoch in ihrem technischen betriebe eigene gebrauchsformen des verbums entwickelt, die gelegentlich in einer und derselben verbindung in einen gegensatz zum rechtsausdruck treten. vgl. auch die buchungen sp. 5973.
1)) die bergmännischen prägungen gehen zunächst von der gleichung gewinnen, bezwingen aus (vgl. im besondern oben sp. 5938; vgl. auch kobern theil 5, 1546), die sich in der beziehung auf zechen, erzstufen, erzgänge u. ähnl. weiter entwickelt: auch wo derstickt und ertrunken czechen sind. die kein rad noch gepl geweldigen kon, oder gewinnen. Schemnitzer bergr. § 6 Wenzel; es seindt alhie drei gebürge, darauf man bauet: eines der Gulden Esel genandt, darauf bricht viel erzt, sein fest oder hart, die muss man den mehrentheils mit feuer und groben gezeug gewinnen. Christoph Stepper gen. Kolling bericht über das bergwesen zu Reichenstein (c. 1509), s. cod. Silesiae 20, 158 (nr. 321); soll derselbig bischof gewar wern, was die Freidentalischen ertz, die mit zimblicher costumb pei genuegsamen holz und wasser zu gewingen sein, von gold, silber und kupfer halten. urk. v. 1538, s. cod. dipl. Silesiae 21, 68 (nr. 538); so ist der gang so vest, das man ihm mit keinem eisen mag zukommen unnd gewinnen, das selbig wirtt auszgehauwen. G. Agricola vom bergwerk (5: ferro tractari), deutsch v. Bechius 83; aber ein vesteren gang ... auch ein vesters ... gstein des hangenden, gwinnendt sie mitt sterckeren bergkeisen. 83;

sie (die bergleut) sprachen: herr, ihr solt wol hoffen.
wir haben ein harten fels antroffen,
den können wir nicht bald gewinnen,
des wassers ist auch ser viel drinnen,
das müssen wir zum stollen füren,
sonst wir gediegen ertz drein spüren.
Rollenhagen froschmeuseler (1, 2, 14) 1, 113 Gödeke;

[Bd. 6, Sp. 5963]


wir gewältigten also an diesem bergk zwei jahr. und zum ersten kamen wir auff eine strecke, da wir nun den schacht auff 30. lachter gewonnen hatten. es waren solcher schächte 5 ... aufzeichnung Nicol. Staudes, s. Chr. Melzer bergkläufftige beschreibung v. Schneebergk (1684) 507; wann es aber auff der seiten ist, so zerschlagen sie es mit feusteln, wann aber etwan im fürsten bleibt, so gewinnen sie es mit schlägel und eisen. G. E. v. Löhneisz bericht v. bergwerken (1690) 56; wie die gänge und gesteine mit feuer gewonnen werden ... so nicht wohl möglich, wegen der veste, mit der hand und gezeug zu gewinnen. Balth. Röszler hell - polierter berg - bauspiegel 61a; ebenso 63b (anders: die verfahrne wände damit losz zu gewinnen, zu zersprengen und zerschlagen. 61a, vgl. oben sp. 5948; deme man mit eisernem gezeug nichts angewinnen kan. 75a. 75b u. a.); gewinnen (im bergbau) erbrechen. gut gestein gewinnen, ist gut gestein erbrechen. Jablonski 247b (erschlossen aus Abr. v. Schönberg berginformation); ebenso G. R. Lichtenstein entdeckte geheimnisse von bergwerken 71; in der mitte des durch sinkwerke zu gewinnenden grubenfeldes. Krause zeitschr. f. d. berg-hütten u. salinenwesen 4, 239; ist z. b. das deckgebirge sehr massig und deshalb schwer zu gewinnen. Ottiliae ebenda 8 B, 122; daher wird auf einem bergwerke mitunter jahrzehnte hindurch dasselbe flötz gegewonnen. 10 B, 25; gewinnen oder erobern, das abbauen ... nützlicher mineralien mittelst der bergarbeit, welche die erzgewinnung oder eroberung genannt wird. Scheuchenstuel idiot. d. österr. berg- u. hüttensprache 102; die grundelemente eines bergbaues bilden jene arbeiten, welche vorgenommen werden müssen, um das in seiner ursprünglichen gestalt anstehende 'gestein' zu brechen, zu zertrümmern, loszulösen, abzuhauen, oder wie der bergmann sagt, zu 'gewinnen'. Franz Rziha lehrb. der ges. tunnelbaukunst 1, 1. nicht immer läszt sich feststellen, ob dieser bergmännische begriff oder der allgemeinere rechtsausdruck (gewinnen, rechtsgültig erwerben) vorliegt, vgl.: wer erbestollen adir gemessene berge gewinnen wil, der sal si gebiten czu bestellen drie virczen tage czu kirchen unde czu strassen. deutsches Iglauer bergrecht (§ 9) 23 Zycha. der rechtsbegriff ist gesichert in: wo czwei lehen in krige ligent kegen ein ander, und gewinnet eines das ander mit dem perkmeister und mit den gesworn leuten. zusatz z. d. Iglauer bergr. 35 Zycha; wie man erbtaill mit clage sol gewinnen. Kuttenberger zusätze 37; von teill gewinnen an hespeln und an lehenschafften. ebenda.
2)) mit änderung des objects verschiebt sich auch dieser engere begriff des verbums: das gestein und ertz wird unterschiedlich gewonnen. Balth. Röszler 60b; womit das gesteine weggehauen und das ertz gewonnen wird. ebenda; da die schiefern flözweis, die kobolte aber gangweis brechen ... so müssen iene mit streben, diese aber mit oertern und strossen gewonnen werden. F. L. Cancrin beschr. d. bergwerke in Hessen (1767) 69. schon das Schemnitzer bergrecht liesz dem oben ausgehobenen satze den weitern folgen: und wird das mit dem erbstollen gewunnen und weil er sein recht darczu haben, das ist alles das, das er gewinnet, und treugt und darczu onnemet ... das gibt man im darczu. § 6; ebenso: und was er gewinnet mit slegll und mit eisen ... das beheltt er mit dem rechten. § 8; wir haben in auch solich arbait gefreit, und freien in die auch wissentlich in crafft diz briefs, also was si oder ir jeder, darinne aerzt hauen oder gewinnen werden, das sullen si wechsel frei haben. bergfreiheiten v. Werdenfels (1477) bei Lori baier. bergr. 113b; und was auf solchem lengordt ertzt gewonnen wird, soll beider gewerckschaft zugut gehen. urk. v. 1529, s. cod. dipl. Silesiae 21, 1, ebenso 60 (urk. v. 1538); 64 (1538); so sie (die gewerken) ir erzt ohne der kunst hilf gewinnen möchten. (urk. v. 1533) 31; sover die golt silber und kupfer erzt in den ietzt empfangen grueben auf den Freidentalischen perkwercken dermassen zu gewingen, wie ich bericht wurd, vor augen sten und sovil golt silber und kupfer geben oder halten, als ich darin durch die klein prob befunden. urk. v. 1538 cod. dipl. Siles. 21, 63 (vgl. dagegen: was man ihm von einer huellen erz zu gewinnen giebt. Christoph Stepper cod. dipl. Siles. 20, 159);

[Bd. 6, Sp. 5964]


den bergmann musz man preisen,
denn er ist preisenswert;
er gewinnt gold, silber, stahl und eisen
wohl aus der tiefen erd. bergreien bei
Köhler alte bergmannslieder 19;

vor der entdeckung des spanischen Amerika, brachten die ergiebigsten bergwerke in Europa, ... eine eben so grosze rente, als jetzt die reichsten peruanischen ... wenn auch das aus ihnen gewonnene silber an quantität weniger betrug (though the quantity of silver was much less). Garve übers. d. Adam Smith (1, 11) 1, 326; der bergwerkseigenthümer hat die ausschlieszliche befugnisz ... das in der verleihungsurkunde benannte mineral in seinem felde aufzusuchen und zu gewinnen. preusz. bergges. v. 1865 gesetzsamml. s. 707; zur abführung der gewonnenen soole. zeitschr. f. d. berg-, hütten- u. salinenwesen 4, 230; gewinnen (to get, break — abattre, atteindre) losarbeiten, überhaupt alles erlangen durch bergmännischen betrieb. Gätzschmann u. Gurlt bergm. ausdr. (1881) 45. in einigen fällen ist dieser engere bergmännische begriff erbeuten, fördern nicht sicher gegen den allgemeinen begriff des erwerbens abzugrenzen, unter dessen einflusz die eben besprochene bedeutungsverschiebung sicher begünstigt und beschleunigt wurde, vgl.: also vil er mit seinem stollen in der purger lehen uber sich hewit; und was er des geniessen oder gewinnen mak, das beheldet er ledicleich (ut quantum eo lucri habuerit). Iglauer stadthandfeste (§ 10) bei Zycha s. 5; nicht was eczlicher wachende mit seiner arbeit gewinnet, das das ein ander slafender und saumig ane redlikeit mit gewalt behalde ... (non ut quod quisque vigilans laboransque lucri invenerit). Iglauer ius regale montanorum (1, 2, § 1) 47 Zycha.
3)) dem neueren bergmännischen stil ist eine wendung eigen, die an sich auf den allgemeinen begriff erwerben zurückgeführt werden könnte, die aber nach allem doch ansprechender aus dem engeren bergmännischen begriff abzuleiten ist: auch musz er (der bergmeister) darauf aufmerksam machen, dasz in abgebauten räumen, besonders bei rückwärts geführtem abbau, die zimmerung, soviel ohne gefahr möglich ist, unter aufsicht des steigers wieder gewonnen werde. Nassauische instr. f. d. bergbeamten v. 1857 (verordnungsbl. s. 54); wogegen bei der gewinnung des stempels vermittelst des treibfäustels der arbeiter während des schlagens eine kräftige bewegung nach dem zu gewinnenden stempel, also nach dem punkte hin macht, woselbst das zusammenstürzen des hangenden zu fürchten ist. Herold zeitschr. f. berg-, hütten- u. salinenwesen 3, 60; der zu gewinnende stempel ... wird von einem häuer hoch oben mit dem spiesse gehalten, um ihn beim fallen lenken zu können und von dem andern ... mit dem grossfäustel herausgeschlagen. V. Meitzen 5, 123.
4)) für die erscheinungen des formelhaften stils, die die ältere bergmännischen sprache mit der rechtssprache theilt, vgl.: dis sin di bergrecht ... mit der stad unde der burger ingesigel, eim iczlichen bergmanne czu vorlisen undec zu gewinnen. überschr. d. dtsch. Iglauer bergr. 18. dazu vgl. auch zahlreiche zeugnisse für die abschwächung der verbalbedeutung zur bloszen syntaktischen function: so aber in solcher jarzeit die arbeit mit schacht eingehn, aber dergleichn einstecken gewunne, dardurch solch waschen vorhindert wurde, soll es an dieser zeit der freiheit nicht abgerechnet werden. bergordn. f. Freiwaldau (1529), s. cod. dipl. Silesiae 21, 8; gang führet einen kurzen strich, ist wenn er sich bald verliert, und nicht weit ins feld streicht ... gang gewinnet ein ander streichen, ist, wenn er aus seiner stunde fällt. Jablonski (1767) 1, 499a (fehlt 1721) (vgl. 2, 1500b gegen welchen theil der gang sein streichen hat). dazu vgl. DWB so gewint sich der stain ze spalten, so gewint sich der stain klieben, wendungen, die Schmeller 22, 931 aus Münchner handschriften anführt und in denen er gewinnt durch beginnt ersetzen möchte.
4) statistik.
a) die bibelübersetzung zeigt beim verbum ein ganz anderes bild als beim substantiv (vgl. oben sp. 5881 ff.). hatte Luther dort den gebrauch stark eingeschränkt und sich dabei in gegensatz gestellt zu den neigungen der neueren sprache, so dehnt er ihn beim verbum nach den verschiedensten richtungen aus. und da Luther selbst da, wo die neuere

[Bd. 6, Sp. 5965]


sprache zu ungunsten unseres verbums abweicht, mit seinen vorgängern treulich übereinstimmt (ganz vereinzelte ausnahmen s. u.), so ergiebt sich für ihn ein höhepunkt in der anwendung von gewinnen.
α) in den wendungen, die dem kampf erwachsen, läszt die neuere bibelübersetzung synonyma vordringen (so schon Eck, vor allem aber Kautzsch); hier übertrifft Luther in der bevorzugung von gewinnen auch seine vorgänger.
1)) für die verbindung mit einem sächlichen objecte (gewinnen, erkämpfen, erobern) ist auch die ältere bibelübersetzung reich an belegen, die niederdeutsche version noch mehr als die hochdeutsche. Luther übertrifft beide.
a)) übereinstimmung mit der hochdeutschen älteren übersetzung: denn Pharao der könig in Egypten war erauff komen und hatte Gasar gewonnen und mit fewr verbrand. Luther 1 könige 9, 16 (gewan Eggesteyn, Koburger u. a.; wan Quentel, Arndes; hatt gewunnen Züricher bibel u. a.; nam ein Eck; hatte erobert Kautzsch); und wil sie wider fur diese stad bringen, und sollen wider sie streiten, und sie gewinnen, und mit fewr verbrennen. Luther Jeremia 34, 22 (gewinnen Eggesteyn, Koburger u. a.; winnen Quentel, Arndes; erobern Eck; einnehmen Kautzsch); ebenso (gewinnen Eck; erobern, einnehmen, nehmen Kautzsch) Josua 11, 29; Sacharja 14, 2; 1 könige 16, 187; Jeremia 32, 14; Jesaia 20, 1 [Dietenberger: einnam]; Daniel 11, 18 [Züricher bibel, Dietenberger: einnehmen]; Jeremia 38, 28 [gwunnen und angenommen Züricher bibel, Dietenberger]; 2 Samuel. 12, 26 [streit an die stad Eggesteyn; bestrit Dietenberger; stormden Quentel]; — desgleichen (einnehmen, nehmen Eck; erobern, erstürmen, in die gewalt bekommen Kautzsch) richter 1, 18; 2 chron. 32, 18; 17, 2; 2 Samuel. 5, 7 [nam Arndes]; Nehemia 9, 25 [genæmen Quentel, Arndes]; — desgl. (erobern Eck; einnehmen Kautzsch) Jeremia 38, 3; Josua 10, 32; 10, 1; 35; richter 1, 8; Jeremia 32, 28 [einnemen Züricher bibel, einnem und gewin Dietenberger]; ähnlich 1 chron. 12, 5 (Kautzsch: erstürmte); Josua 8, 21 (Kautzsch: besetzt hatte); — desgl. (erobern bei Eck und Kautzsch) richter 9, 45; 2 Samuel. 12, 27; 2 könige 12, 17; 17, 6; 18, 10; 2 chron. 12, 4; 15, 8; Josua 19, 47; — desgl. (einnehmen bei Eck und Kautzsch) 5 Mos. 2, 34; Josua 10, 28; 11, 10; Jeremia 37, 8; richter 1, 12; Baruch 1, 2; Jeremia 39, 1 [hier und im folgenden auch bei Dietenberger und in der Züricher bibel einnehmen]; 32, 3; Daniel 11, 15 [gewinnen Dietenberger]; Jesaia 36, 1 [zebestreiten Züricher bibel]. die fälle, in denen Luther hier zu ungunsten von gewinnen abweicht, sind anscheinend vereinzelt: dorumb Josue der gewan alles das birgig lande. Eggesteyn Josua 11, 16 (cepit; nam Luther); ebenso Judith 3, 6.
b)) Luther geht mit der niederdeutschen bibel über den hochdeutschen gebrauch hinaus: meist handelt es sich hier um die concurrenz mit fangen, das von den älteren oberdeutschen übersetzern auch in bezug auf sächliche objecte gebraucht wird, hier aber bald wieder zurücktritt: Judas hatte sieg und gewan die stad. Luther 1 Macc. 5, 8 (wan schon bei Quentel, Arndes, dagegen vieng die stat Eggesteyn, Koburger u. a. gewan bei den späteren, erobert Kautzsch), ebenso 5, 36; Josua 6, 20; 8, 19; 11, 12; Jeremia 48, 1. 41; 50, 2; 51, 31. 41. andere synonyma stehen hier seltener in concurrenz: gen Jerusalem, wider sie zu streiten, kundten sie aber nicht gewinnen. Luther Jesaia 7, 1 (verwinnen Quentel, Arndes; mochten ir nit derstreiten Eggesteyn u. a.); vgl. auch Judith 7, 10 (uberwinden Eggesteyn u. a.); 10, 14 (behalten); Habacuc 1, 10 (nemen). in einem fall trägt die hochdeutsche fassung dem bedürfnis der variation rechnung: so nim nu zuhauff das ubrige volck, und belagere die stadt und gewinne sie, auff das ich sie nicht gewinne, und ich den namen davon habe. also nam David alles volck zuhauffe, und zoch hin und streit wider Rabba und gewan sie. Luther 2 Sam. 12, 28 (bei Quentel, Arndes gewinnen, wan; dagegen vgl.: umbleg die statt und vach si ... daʒ ... die uberwindung werd zgeschriben meim namen ... gewan si. Eggesteyn). zu der bedeutung erbeuten, die weder in der ersten, noch in dieser zweiten gruppe neben dem begriff erobern aufkommt, vgl.: das die Jüden in seinem lager gros gut, und viel wapen gewonnen. Luther

[Bd. 6, Sp. 5966]


1 Macc. 6, 6 (ebenso Quentel, Arndes, genommen Eggesteyn, Koburger, abgenommen Kautzsch).
c)) Luther geht noch über die niederdeutsche bibel hinaus: in einigen fällen hatte die ältere version den text anders aufgefaszt (2 könige 16, 9; 4 Mos. 32, 39; richter 9, 50; 5 Mos. 3, 4), in andern synonyma bevorzugt (besitzen 1 Macc. 8, 3; begreifen 4 Mos. 32, 41; 2 könige 14, 7); in allen fällen hat der neue übersetzer (Kautzsch) erobern eingesetzt. an zwei stellen löst Luther ein substantiv in das verbum auf: wenn Babel gewonnen wird. Jeremia 50, 46 (ähnlich Kautzsch; captivitatis, geuangenschafft ältere bibel); ein gedültiger ist besser denn ein starcker, und der seines muts herr ist, denn der stedte gewinnet. sprüche Salom. 16, 32 Luther (expugnatore urbium, der streitter der stet Eggesteyn u. a.; ain stat stürmer Eck; ein städteeroberer Kautzsch). ebenso steht Luther in folgenden wendungen allein: erobert er ... die stad Joppe ... und gewan seinem volck mehr land. 1 Macc. 44, 16 (behielt daʒ reich Eggesteyn u. a., Arndes, Quentel, fürmeerete bei den nachfolgern); Judas gewan den raub. 1 Macc. 3, 12 (nehmen bei allen übersetzern, auch Kautzsch); ganz ähnlich 5 Mos. 2, 35 die ausbeute der stedte, die wir gewonnen).
2)) für die verbindung mit einem persönlichen object (bezwingen, gefangen nehmen) gehen die ältere hochdeutsche und niederdeutsche bibel noch weiter auseinander. Luther stimmt auch hier mit der niederdeutschen zu gunsten von gewinnen überein, ja er übertrifft sie wiederum: und schlug sie von Kades Barnea an, bis gen Gasa, und das gantze land Gosen, bis gen Gibeon, und gewan alle diese könige mit jrem lande, auff ein mal, denn der herr der gott Israel streit fur Israel. Josua 10, 42 Luther (und gewan mit einer geche alles daʒ land Goʒen untz z Gabaon und verwst alle die kúnige und ir gegent. Eggesteyn u. a.; gewan Quentel; wan Arndes u. a.; regiones ... cepit atque vastavit, nahm ein Kautzsch); darumb das du dich auff deine gebewe verlessest, und auff deine schetze soltu auch gewonnen werden, und Camos mus hinaus gefangen wegzihen, sampt seinen priestern und fürsten Jeremia 48, 7 Luther (u du wirst geuangen Eggesteyn u. a.; gewonnen werden Quentel, Eck; eingenommen werden Züricher bibel, Dietenberger und Kautzsch); ähnlich 2 könige 16, 5; 4 Mos. 21, 32 (gewannen ire töchter); zu den verwendungen, die noch über die niederdeutsche bibel hinausgehen, vgl.: also nam Josua alle dis land ein ... alle jre könige gewan er, und schlug sie, und tödtet sie. Josua 11, 17 Luther (vieng Eggesteyn u. a., auch Quentel, Arndes, ebenso Eck, bekam er in seine gewalt Kautzsch); ebenso 2 chron. 22, 9 (begreifen in var.); 28, 20 (weder stunt en in var.).
3)) auch die übertragenen verwendungen, die an diese verbindung mit einem persönlichen object anknüpfen, finden bei Luther mehr pflege als bei den vorgängern.
a)) auch diese allerdings zeigen eine wendung, die unserem heutigen sprachgebrauch vertraut ist: jemanden (für sich) gewinnen. die übereinstimmung, die sich hier in seltenem grade durch die bibelübersetzung zieht, ist von der vorlage getragen: sundiget aber dein bruder an dir, so gehe hin, und straffe jn zwischen dir und jm alleine. höret er dich, so hastu deinen bruder gewonnen. Matth. 18, 15 Luther (ἐκέρδησας, gewonnen in allen übersetzungen vom cod. Tepl. ab bis auf Weizsäcker); ebenso Philipper 3, 8; 1 Petr. 3, 1 (hier bei Arndes, Quentel: werden bekeret); desgleichen: denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman zum knechte gemacht, auff das ich jrer viel gewinne. den Jüden bin ich worden als ein Jüde, auff das ich die Jüden gewinne. denen die unter dem gesetz sind, bin ich worden als unter dem gesetz, auff das ich die so unter dem gesetz sind gewinne. denen die on gesetz sind, bin ich als on gesetz worden, ... auff das ich die, so on gesetze sind, gewinne. den schwachen bin ich worden als ein schwacher, auff das ich die schwachen gewinne. ich bin jederman allerlei worden, auff das ich allenthalben ja etliche selig mache. 1 Corinth. 9, 12—22 (κερδήσω, κερδάνω ; bei allen übersetzern durchweg gewinnen). dazu vgl.: jeder lerne sich ein weib gewinnen. Luther 1 Thess. 4, 4 (ebenso Weizsäcker, während die übersetzer wörtlich der vorlage folgen, vgl. τὸ ἑαυτοῦ σκεῦος κτᾶσθαι).

[Bd. 6, Sp. 5967]



b)) dagegen führt Luther die verbindung lieb gewinnen (vgl. sp. 5942) als erster in die bibelübersetzung ein, für ἀγαπεῖν, amare, diligere: und der könig gewan Esther lieb uber alle weiber, und sie fand gnade und barmhertzigkeit fur jm. Esther 2, 17 Luther (het si lieb Eggesteyn u. a., ähnlich Quentel, Arndes; hat sie mer lieb gehabt Eck; gewan lieb Züricher bibel und spätere, auch Kautzsch). ebenso 1 Mos. 24, 67; 29, 18; 2 Samuel. 13, 4; desgleichen (kreech hi ein wiiff leef Quentel) richter 16, 4; 2 Samuel. 13, 1; also kam David zu Saul, und dienete fur jm, und er gewan jn seer lieb und er ward sein waffentreger. 1 Samuel. 16, 21 Luther (hette in lieb Eggesteyn u. a.; krech Quentel; gewann spätere); ebenso (Quentel wie Eggesteyn) 1 Samuel. 18, 1; 1 Thess. 2, 8; denn Demas hat mich verlassen, und diese welt lieb gewonnen. Luther 2 Timoth. 4, 10 (lieb haben Eggesteyn u. a.; lieb gewinnen Züricher bibel und spätere).
4)) selbständig hält sich Luther auch in anderen belegen für die erweiterung und verallgemeinerung der aus dem kampf erwachsenen verwendung.
a)) will er mit grosser macht mit mir rechten? er stelle sich nicht so gegen mir. sondern lege mirs gleich fur, so wil ich mein recht wol gewinnen. Hiob 23, 7 Luther (perveniat ad victoriam, zu der uberwindung. Eggesteyn u. a.; victorie Quentel; seyhe, sig Arndes, Eck; mein recht gewinnen Dietenberger, anders Kautzsch); ir seid begirig und erlangts damit nicht, ir hasset und neidet, und gewinnet da mit nichts, ir streitet und krieget, jr habt nicht, darumb das jr nicht bittet. Jacob. 4, 2 (οὐ δύνασθε ἐπὶ τυχεῖν; mugt nit gewinnen cod. Tepl. und die ganze Vorlutherische bibel; nichts erlangen Züricher bibel und Dietenberger nach einer variante Luthers, desgleichen Weizsäcker; nichzit auszrichten Emser, Eck). ähnlich Judith 3, 3 (schaden leiden bei anderen übersetzern); Syrach 11, 10.
b)) zum absoluten gebrauch (gewinnen, siegen, erfolg haben) läszt sich für die Vorlutherische bibelübersetzung die eben erwähnte variante zu Jacob. 4, 2 anführen, von Luther selbst gehört hierher: du bist mir zu starck gewest, und hast gewonnen, aber ich bin drüber zum spot worden teglich, und jederman verlachet mich. Jerem. 20, 7 Luther (u hast angesigt Eggesteyn; overhant gehalden Quentel, Arndes; obgelegen Eck; überwältigest mich Kautzsch); dazu vgl. auch: und die sonne gieng auff, und ward helle, und die elenden gewonnen, und brachten umb die stoltzen. stücke in Esther 7, 8 Luther.
β) auch für die bedeutung erlangen, (durch arbeit) erwerben läszt Luther im gegensatze zu den vorgängern, die an der vorlage kleben, das verbum gewinnen in freien wendungen vordringen, die uns als solche auch in gleichzeitigen denkmälern begegnen.
1)) die ältere übersetzung läszt gewinnen hier fast nur für lucrari (κερδάνειν) eintreten, also für den engeren begriff des geschäftlichen erwerbs: da gieng der hin, der fünff centner empfangen hatte, und handelte mit den selbigen und gewan andere fünff centner. Luther Matth. 25, 16 (bei allen übersetzern gewinnen); ebenso Luc. 19, 15; Matth. 25, 20; vgl. auch Syrach 42, 4 (bei Luther gewinnen, bei älteren übersetzern gewinnung); in einem fall weicht Luther hier zu ungunsten von gewinnen ab: herr dein pfund het zehen pfund erworben ... dein pfund hat fünff pfund getragen. Luc. 19, 16 ff. (προσηργάσατο ... ἐποίησεν, hat gewunnen, hat gemacht. cod. Tepl., Beheim u. a.; getragen, gemacht Weizsäcker). in den gleichen zusammenhang gehört nach der vorlage auch folgende bekannte stelle, in der gewinnen an sich auch als erobern (s. o.) gedeutet werden könnte: was hülffs den menschen, so er die gantze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele? Matth. 16, 26 Luther (ebenso cod. Tepl. und alle anderen). die gleiche stelle gleichlautend Marc. 8, 36; Luc. 9, 25; ebenso bei Sebastian Lotzer 73 Goetze und Matthesius hochzeitpredigten 206 Loesche.
2)) die fälle, in denen Luther hier gegen die vorgänger mit gewinnen vorschreitet, beruhen meist auf einer freieren übersetzung, aber gerade deshalb sind sie beachtenswert, um so mehr als Luther sichtlich den weitesten begriff des arbeitsertrags anstrebt: denn was sie mit jrer erbeit gewinnen mügen. Syrach 38, 39 (in operatione artis, werkung,

[Bd. 6, Sp. 5968]


werk bei den älteren übersetzern, betreibung ihres gewerbes Kautzsch); das. er wol zunam, und viel guts an seiner erbeit gewan. weish. Salomonis 10, 10 (complevit labores illius, danach die älteren übersetzer; machte reichlich den ertrag seiner arbeit Kautzsch); sie seen weitzen, aber disteln werden sie erndten, und was sie gewinnen, kompt jnen nicht zu nutz. Jeremia 12, 13 (hereditatem acceperunt, at non eis proderit); mit aller irer habe, die sie gewonnen hatten. 1 Mos. 12, 5 (quam possederunt).
3)) einer bedeutsamen neuerung folgt Luther hier mit dem absoluten gebrauch, der auszerhalb der beziehungen auf kampf und spiel (vgl. oben sp. 5940) zunächst befremdet: wolan, die jr nu saget, heute oder morgen wöllen wir gehen in die oder die stad, und wöllen ein jar da ligen und hantieren und gewinnen, die jr nicht wisset, was morgen sein wird. Jacob. 4, 13 Luther (κερδήσομεν, lucrum faciamus, machten einen gewin cod. Tepl. und spätere; gewinnen, Emser, Eck, Dietenberger u. a.; gewinn machen Weizsäcker); wonet, und werbet und gewinnet drinnen. Luther 1 Mos. 34, 10 (possidete eam, besitzt es Eggesteyn u. a.; setzt euch fest darin Kautzsch); dazu vgl.: das dw solchs guts gerne mangelst umb gottis willen, zu unrecht vorterbt und zu schanden werdist fur der wellt, wie gotis wort auch leret: 'es sein zwei ding gut oder recht, bekennen und gewinnen'. dir ist gnug das bekentnisz, das du gut und recht habist, kanstu nit gewinnen, lasz got befolen seinn, dir ist befohlen zu bekennen, got hat ihm behalten das gewinnen. wil er, das du auch gewinnen solt, szo wirt er esz selber thun oder dir alszo furbringen on deinn gedancken, das du es must in die hand nehmen unnd gewinnen, auff die weisz du nimmer gedacht noch begeert hettist ... o solch ding solten alle fursten und ubirkeit wissen, die nit benugen am bekennen des rechten, szondern auch stracks gewinnen und obligen wollen on alle gottis furcht. Luther (das magnificat verdeutschet u. ausgelegt. 1521) 7, 582 Weimar. einen typus des absoluten gebrauches, der sich mehr mit andern berührt, zeigt die ältere bibel einmal in anlehnung an die vorlage, von der Luther hier abweicht: ein zeit zgewinnen und ein zeit zeuerliesen. Eggesteyn prediger 3, 6 u. a. (tempus acquirendi et tempus perdendi; suchen, verlieren hat seine zeit. Luther)
γ) mit voller selbständigkeit steht Luther seinen vorgängern auch in der art und weise gegenüber, wie er die secundären entwicklungsformen der allgemeinen und übertragenen bedeutung erreichen, erlangen einführt.
1)) kaum belegt allerdings ist die aus räumlicher anschauung erwachsene wendung, die den neueren stil so reich belebt. Luther hat sie nur in solchen fällen, die sich eng an gewinnen, erobern anlehnen: und sie jagten jm nach, und gewunnen die furt am Jordan ein, die gen Moab gehet, und liessen niemand hin uber gehen. richter 3, 28 Luther (occupaverunt, bekumerten, belachten, eingenommen Eggesteyn, Quentel, Eck; besetzten Kautzsch); vgl. eingewinnen theil 3, sp. 191; ein weiser gewinnet die stad der starcken, und störtzet jre macht durch jre sicherheit. sprüche Salom. 21, 22 Luther (civitatem ascendit, bei Eggesteyn und anderen bis auf Kautzsch steigen, ersteigen).
2)) bevorzugt dagegen ist gewinnen neben objecten, die auf eine körperliche entwicklung, auf ein wachsthum deuten: an dem feigenbaum lernet ein gleichnis, wenn sein zweig jtzt safftig wird, und bletter gewinnet, so wisset jr, das der somer nahe ist. Matth. 24, 32 Luther (τὰ φύλλα ἐκφύη, die lauber geborn cod. Tepl. und spätere; sine twigere sint weke ende de loue iunck Quentel, Arndes; blätter gewinnet Emser, Eck, Dietenberger u. a.; blätter treibt Weizsäcker); ebenso Marc. 13, 28 (lauber entsprungen Zainer u. a.; auch Quentel, Arndes); das es zweige gewinne und früchte bringe. Hesekiel 17, 23 (erumpet in germen, auszbrechen Koburger u. a.; ähnlich Marc. 4, 32 (ποιεῖ κλάδους, macht groʒ este cod. Tepl.); der feigenbaum hat knoten gewonnen, die weinstöcke haben augen gewonnen. Luther hohes lied 2, 13 (protulit grossos ... dederunt; dem entsprechend die anderen übersetzer); ebenso 2, 15; 2 Mos. 9, 31.
3)) ebenso liebt Luther auch die verbindung mit verbalsubstantiven, die das verbum zum hilfsverbum herabdrückt.

[Bd. 6, Sp. 5969]



a)) da die Paulus sahe, dancket er gott, und gewan eine zuversicht. apostelgesch. 28, 15 Luther (ἔλαβε θάρσος, er enphieng den trost cod. Tepl. u. a.; gewan Emser, Eck u. a.; faszte vertrauen Weizsäcker); desgleichen Philipper 1, 14 (ἐν κυρίω πεπαθότας, di sich versachen an dem herren cod. Tepl. u. a.; getrawend Zainer und spätere; Emser, Eck u. a. wie Luther); das volck gewan ein hertz zu erbeiten. Luther Nehemia 4, 6 (provocatum est cor populi ad operandum, ward bewegt zewircken Eggesteyn u. a.; war voll eifer für die arbeit Kautzsch); und gewan einen grewel an seinem erbe. Luther psalm 106, 40 (abominatus est, leidizta sîn erbe Notker; vorsmete Trebnitzer psalmen; verachtet Koburger und andere; verabscheute Kautzsch).
b)) bis das Christus in euch eine gestalt gewinne. Luther Galat. 4, 19 (οὑμορφωθῇ, hier Emser, Eck, Dietenberger, Weizsäcker wie Luther); und das haus gewan einen grossen riss. Luther Luc. 6, 49 (ἐγένετο τὸ ῥῆγμα, entsprechend bei den übersetzern); ebenso Amos 6, 11; da aber Jonathas sahe, das er raum gewonnen hatte. 1 Macc. 12, 1 (quia tempus eum juvat); darumb gehets gar anders denn recht und kan kein rechte sach gewinnen. Habacuc 1, 4 (non pervenit usque ad finem); machet, das die versuchung so ein ende gewinne. 1 Cor. 10, 13 (tut ioch hilf in der versuchung cod. Tepl. u. a.).
δ) ablehnend zeigt sich Luther gegen die verbindung kinder gewinnen, die überhaupt in der bibelübersetzung rasch verdrängt wird: si gewan einen soen. Quentel 2 Samuel. 12, 24 (gebar Eggesteyn u. a., Luther und die späteren); vgl. auch: wie Adam und Eva kinder gewunnen. überschrift zu 1 Mos. 4 bei Koburger, Quentel.
b) was für die wörterbücher in bezug auf gewinn oben (sp. 5883) anzumerken war, gilt in gesteigertem grade auch vom verbum. die buchungen sind auch hier von einer lückenlosen überlieferung getragen, sprichwörtliche wendungen (s. unten I, 4, c), noch mehr aber die festen fügungen (s. II) in überraschender fülle verzeichnet. schon bei Maaler beansprucht das verbum eine ganze spalte (gegen 9 zeilen für das substantiv), und während Dasypodius im deutschlat. theil, ebenso Henisch, das substantiv eher breiter darstellen, verbraucht Adelung für das verbum (3 spalten gegen ¾) das vierfache.
α) umfassendere darstellungen, die den allgemeinen sprachgebrauch verzeichnen.
1)) schon aus den lateinisch-deutschen vocabularien, die den bedeutungsgehalt nach der reihenfolge der lateinischen stichworte zersplittern, ist annähernd ein gesamtbild zu erzielen, vgl. expugnare Diefenbach 219a; usurpare 631b; sortiri 543c; lucrari 338a; acquirere 10b; nancisci 371c. die ältesten lateinisch-deutschen wörterbücher sind aber geradezu erschöpfend, so Cholinus-Frisius und das etwas spätere dictionarium des Frisius (v. 1556). wie zähe die beziehungen auf kampf und streit hier festgehalten sind, dafür zeugen die reichhaltigen buchungen unter expugnare, potiri (bello potiri), vincere, captare, bello cepi, conficere aliquem, palmam accipere; palmam adipisci, dare; praemium auferre; praemiari. für den begriff des erwerbs sind in den buchungen unter acquirere, consequi, profici, quaerere (facile victum quaerere, sein narung leichtlich gwünnen) die grenzen weiter gezogen (vgl. auch blanditiis agitur nihil, man gwünt nüt mit flattieren. Frisius 65b), aber der schwerpunkt liegt doch auf der engeren vorstellung des gelderwerbs, von der die fügungen für lucrari; lucri, lucrativum esse; mereari, merere, demerere (geld gewinnen, verdienen) beherrscht sind, vgl. auch: permagna pecunia ex ea re confici potest. es mag da ein grosz glt zewgen bracht werden, es ist da wol zegewünnen, man mag da ein hüpsch gltle erschnappen. Frisius 290a. die weitere entwicklung, die unter dem einflusz der verbindung mit abstracten objecten steht, ist hier ebenfalls durch verschiedene typen vertreten, so die gunst, achtung, freundschaft, das herz eines andern gewinnen, die sowol unter conciliare, consequi, parere, als auch unter demereri und quaerere angeführt sind: vor allem aber kommen die wendungen zur geltung, die das verbum in seiner bedeutung bis zur bloszen syntaktischen function (eines hilfsverbs) herabdrücken, so vgl. unter capere (137): vires capere, stercke gewünnen (vgl.robur capere, stercke überkommen gegen gewünnen

[Bd. 6, Sp. 5970]


bei Frisius 185b), radicem capere, wurtzen gwünnen; capere rimas, ein spalt gwünnen, noxam capere, eine kranckheit gewünnen (kranckheit empfahen Frisius 185b); odium alicuius capere, einen zehassen gwünnen (einen hasz an einen werffen Frisius); ähnlich voluntatem erga aliquem suscipere, gunst und liebe gegen eim gwünnen. 839b; dazu vgl. auch unter agere: spalt gwünnen 67a; vgl. coliculum agere, stenglen oder stengel gwünnen, stirtzlen. Frisius 65b (das kraut stenglet oder stirtzlet Cholinus-Frisius 49b).
dieser fülle stehen andere zeitgenössische buchungen mit bemerkenswerter zurückhaltung gegenüber. Dasypodius z. b., der sich im deutsch - lateinischen theil ganz auf den engeren begriff des gelderwerbs einschränkt, läszt gewinnen auch im lateinisch - deutschen theil nur für wenig verba eintreten, die über diesen kreis hinausgreifen. die beziehung auf kampf und sieg macht sich hier nur bei expugnare und praemiari geltend, dagegen begnügt er sich für vincere, potiri, capere, palmam auferre u. s. w. mit synonymen (gesigen, uberwinden, erobern, erlangen; vgl. dagegen: vinco, vici, uberwinden, gewinen. Aventin rudimenta grammatica). desgleichen giebt ihm der allgemeinere begriff erwerben nirgends anlasz, an gewinnen zu denken; er übersetzt acquirere, adipisci u. a. ausschlieszlich mit erlangen, uberkommen (vgl. dagegen: obtinirn, erwerben, erlangen, erhalten, gewinnen. Simon Rot L 4b) und geht auch bei capere, agere nicht auf die oben erwähnten allgemeinen verwendungen ein (vgl.: corporirn, ein leib werden, oder leibsgestalt gewinnen. Simon Rot E 2a). nur für lucrari, demerere, meritare liegt ihm gewinnen nahe. noch ausschlieszlicher wird für gewinnen die bedeutung auf den gelderwerb (lucrifacio, elucror, lucror u. a.) eingeschränkt bei Garth - König (bei König auch: profecto, gewinnen, ausrichten. 932a), Reyher theatr. rom. (hier auch: expugnare aliquem pecunia, einen durch geld gewinnen, bestechen. 2, 2451), Matthiae, Dentzler (hier sind übertragene verwendungen von lucrari durch gewinnen gedeckt). dazu vgl.: lucriren, gewinnen, gewinst suchen, wuchern, vortheil überkommen, z. e. ich werde nicht viel dabei lucriren. Sperander a la mode sprach der Teutschen (1727) 353a. vgl. auch Campe verdeutschungswb. 448a. einen umfassenderen kreis zieht Faber (1571), dem auch die verbindungen von palma und die verba vincere, superare anlasz geben, an gewinnen zu erinnern; bei ihm, wie auch den späteren, ist vor allem die formel gewonnen geben der träger dieser beziehungen auf kampf und sieg. vgl. Corvinus 445. 559. 898. 942b, vgl. auch Calvisius 927a, Comenius orbis pictus 279.
2)) die deutsch - lateinischen verzeichnisse, bei denen aus der reihenfolge und aus der aufzählung selbst manches zu erschlieszen ist, setzen schon beim ältesten vocabular mit deutlicher bevorzugung des begriffes erwerben ein, an dem überwiegend die engere richtung auf geldinteressen betont ist. in diesen zusammenhang ist nunmehr auch der erfolg im spiel einbezogen, gegen den die beziehung auf kampf und sieg zurücktritt: gewinnen, consequi, emolimentari, lucrari vel requirere, nascisci, nancisci ... gnosci ... vendicare, requirere, oder bieten, vel usurpare, zu unrecht nemen, vel retinere, behalten ... lucrari ... sortiri sortiari ... loszen oder loszwerffen. vocab. theut. (1482) m 5 ff. dasz Dasypodius 50 jahre später sich ganz auf den gelderwerb einschränkt, ist schon erwähnt (lucrari, lucrifacere, merere, emereri); dazu vgl. die einseitigen angaben bei Decimator (1580) V 8d; Kilian (1599) 147a (hier auf die verbindung kinder gewinnen bezug genommen, s. u.); Schönsleder (1647) V 5b (mit verweis auf das umfassendere uberkommen); und C. Seidel (1650). andere darsteller halten sich bei der begriffsbestimmung des verbums in den gleichen engen grenzen; mit den belegen aber, die sie von andern überkommen oder sonst wie beibringen, erweitern sie den bedeutungsumfang, so schon Maaler (s. 180a. 201d). für kampf und sieg bringt er den preisz gewünnen (den sig darvon bringen, das hälme erlangen, palmam ferre) und mehrere wendungen bei, die sich auf den rechtsstreit beziehen: rächtshandel gewünnen, mit dem rächt und urteil gewünnen. aber zu praemiari, gwünnen giebt er eine neue deutung: mit arbeit erlangen 201d. andererseits trägt er dem weiteren begriff erwerben mannigfach rechnung, so in

[Bd. 6, Sp. 5971]


der verbindung mit persönlichem object (einen gewünnen und z einem fründ machen) und in formen, die vom sächlichen object ausgehen: sein kosten oder narung gewünnen, einsi gunst und fründschafft gewünnen, die beide mehrfach variiert sind, dazu vgl. auch ein stercken gewünnen oder überkommen. noch weiter geht hier Erasmus Alberus, der neben der bedeutung von expugnare (ich gewinn den sturm; nicostratia, ein heer dasz gewunnen hat u. a.) für den begriff erwerben nur die allgemeineren formen berücksichtigt (lieb gewinnen, conciliare; wurtzeln gewinnen, farbe gewinnen). die bedeutung von sortiri kommt ihm in anderem zusammenhang, beim würfel in erinnerung (wer ... Canem warff, der must einsetzen, wer Venerem warff, der gewan alles. Y 2b). bei Henisch, der vor allem die sprichwörtlichen redensarten zusammenträgt, ist unter den angaben der erfolg im kampfe am stärksten betont: gewinnen, erobern, überkriegen, vincere expugnare. 1599; gewunnen haben, palmam ferre, hastam adjicere, victorem esse, manum tollere. 1609; doch wird auch der allgemeine begriff des erwerbens gekennzeichnet: gewinnen, nancisci, acquirere. 1599. unter den entwicklungsformen, die von hier ausgehen, ist entsprechend der älteren buchung Kilians (ghewinnen, gignere, generare, suscipere libros. 147a; vgl. dagegen: quaerere libros, kind ze úberkummen. Cholinus-Frisius 721b) auch auf die verbindung kinder gewinnen bezug genommen, deren unter den späteren erst Adelung wieder erwähnung thut.
nach Henisch wird der gegensatz zwischen begriffsbestimmung und gebrauchsfeststellung immer wieder aufgenommen: Stieler rückt übereinstimmend mit Emmel (silva quinquel. N 2d, ähnlich Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181b; Hederich 1, 424b) die bedeutungen lucrari, lucrificare, quaestus facere in den vordergrund und läszt vincere, superare erst an zweiter stelle folgen. 2544. unter den formelhaften verbindungen, die er aufzählt, macht sich vincere, superare ganz anders geltend, vgl.: es hat keiner gewonnen (aequo Marte discesserunt); wette, im wettlaufen gewinnen, mit dem schwerte gewinnen. daneben sind gelt gewinnen; bürgerrecht, gunst, zeit, anfang, ausgang gewinnen angemerkt. noch deutlicher wird der gegensatz bei Steinbach, der sich für das erste ganz auf die bedeutung gelderwerb einschränkt, während er unter den wortverbindungen auch lieb gewinnen, im kampf, im spiel gewinnen berücksichtigt und unter den übertragungen die von Stieler beigebrachten durch glanz gewinnen, ein loch gewinnen erweitert.
bei Aler nimmt die bedeutung vincere auch in der begriffsbestimmung den ersten platz ein (gewinnen, siegen, alium vincere, victoriam consequi, reportare, superiorem discedere, causam obtinere. 1, 937), und ihm schlieszt sich Frisch an (2, 450), der gewinnen auch etymologisch mit vincere zusammenbringt. er stellt die verbindungen schlacht, spiel, procesz gewinnen voran, fertigt den engeren begriff des gelderwerbs kurz ab und zieht um verbindungen wie ausgang gewinnen den weiteren kreis des begriffes bekommen, aus dem er auch den bergmännischen gebrauch von gewinnen ableitet.
Adelung, der (2, 658 ff.) die fülle der einschlägigen verbindungen aus neueren und älteren quellen in überraschender vollständigkeit zusammenträgt, läszt sich durch die verschiedenartigkeit der verwendungen zu gewagten etymologischen deutungen verleiten. bei verbindungen wie den berg gewinnen u. a. schweben ihm lat. venire, deutsch bewegen, beginnen, wanken vor, die ihn zu kommen, bekommen weiter leiten. bei anderen verbindungen wie schmerz gewinnen denkt er an verwinden und pein, während er durch die zahlreichen neutralen verwendungen auf finden, invenire geführt wird. auch die gliederung der verbindungen ist durch diese irrthümer natürlich verwirrt, sie bedeutet einen rückschritt gegen die vorgänger. als charakteristisch läszt sich aus der reihenfolge die neigung entnehmen, die auf spätester entwicklungsstufe stehenden bedeutungen als allgemeinste begriffe voranzustellen und die dem verbum eigenen grundbedeutungen als ausnahmen und vereinzelte spielarten am schlusse folgen zu lassen. im gegensatz zu Adelungs etwas äuszerlicher zusammenstellung ist an Campe (2, 364b) das bestreben einer inneren erfassung des thatsachenbestandes zu rühmen, bei

[Bd. 6, Sp. 5972]


ihm kommt zum ersten male die abhängigkeit des erfolgs vom glück und zufall grundsätzlich zur geltung.
3)) unter den parallelen, die die neueren fremdsprachlichen wörterbücher beibringen, überrascht die weitgehende übereinstimmung und die vielseitigkeit, mit der einzelne fremde verba, die aus anderen wortstämmen abzweigen, den verbindungen von gewinnen sich anschmiegen. falls auch nur im groszen und ganzen eine selbständigkeit der entwicklung vorliegt (auf deutscher seite spricht nichts dagegen), haben wir es hier mit einer erscheinung zu thun, deren ergebnisse auf die bedeutungsgeschichte von gewinnen allein sich nicht beschränken. die vorstellungsgruppe. von der das franz. gagner, ital. guadagnare, abzweigt, und die, zu der engl. gain gehört, wurzeln ebenso, wie wir es für gewinnen annehmen, in begehrlichkeit, raub, beute. wenn auf beiden seiten auf verschiedenen wegen die gleichen formen sich entwickelt haben sollten, so lägen hier anhaltspunkte vor, die gesetzmäszigkeit der bedeutungsentwicklung in einzelheiten festzulegen.
a)) am nächsten berührt sich gagner mit gewinnen: gaigner, vaincre, surmonter, gewinnen oder überwinden. Duez dict. gall.-germ.-lat. 461a; dazu vgl. 461b; die oberhand gewinnen, gagner le dessus. Rondeau 2, Uu 3d; ihr müszt das über euch zu gewinnen suchen, tâchez de gagner cela sur vous. Schwan (1783) 1, 746b; gaigner ou gagner, gewinnen, lucrari. Duez 461a; er hat zwei hundert pistolen gewonnen, il a gagné deux cents pistoles. Schwan 1, 746a; vgl. gewinnen, gagner, profiter. Rondeau 2, Uu 3c; gewinnen, gagner prospérer. Frisch nouveau dict. des passagers 2, 279; gaigner, acquerir, gewinnen, erwerben. Duez 461a; ablasz gewinnen, gagner les indulgences. Schwan 1, 746b; es ist schon gut, wir müssen das dorf zu gewinnen suchen, gagnons de village 1, 746a; das freie feld gewinnen, gagner la plaine. Rondeau 2, Uu 3d, ebenso Schwan 1, 746a; ebenso den wind, die herberge, raum gewinnen bei Rondeau und Schwan. dem gegenüber scheint das ital. guadagnare nur für die engere fassung von erwerben angezogen zu sein: gewinnen, guadagnare, acquistare, consequire, far guadagno. Hulsius (1605) 63a; ebenso (1616) 138b (durch gewinn uberkomen erweitert); gewinnen, bekommen, guadagnare, ricevere, avanzare, gagner recevoir, avancer. Rädlein 1, 383b; gewinnen, abgewinnen, guadagnare, profitare, gagner. ebenda; gewinnen, nutzen schaffen, was vor sich bringen, guadagnare, avanzer. ebenda.
b)) dem englischen gain stand zur vollen entwicklung von vornherein die concurrenz mit win im wege, das die beziehungen auf kampf und spiel sich kaum entreiszen liesz. wie weit sich gain und win gegen einander abgrenzen, das läszt sich aus den belegen, die beide zusammenstellen, kaum ersehen. eher erzielt man für gain ein bild aus den zusammenhängen, in die es für sich allein, ohne win, tritt. vgl.: gewinnen, to gain, win, get, carry, obtain. gewinnen (etwas), to gain, win, get, carry, obtain or acquire something. teutsch-engl. lex. 2 (1760), 773; gewinnen, to win, gain, get, acquire. gewinner, a winner, gainer. Th. Arnold 2, 427.
gegen: gewinnen, to get, gain, to obtain to acquire. Hilpert 2, 1, 464b; was gewinnen wir dadurch, what shall we get or gain by it. 465a; er hat im handel viel gewonnen, he has gained much by trade. 464c; gewinnen, to gain, to profit. ebenda; er hat dabei gewonnen, was a gainer. ebenda (aber: bei einem gewinnen, to gain or win any ones good graces. 465a); die gute sache kann dadurch nur gewinnen, can only gain by it. ebenda; reach or gain the village. 464c; gewinnen, reach, get, come to, arrive at, gain. ebenda; ablasz gewinnen, gain or get indulgence. ebenda.
c)) auszerhalb dieser bedeutungsgruppe sind nur wenige fremdsprachliche parallelen verzeichnet: acquérir ... gewinnen. Duez 10a; acquester, amasser des biens, gut erwerben ... sammeln, gewinnen. 10b; gewinnen, signifie aussi, obtenir, remporter quelque chose que l'on désire. Schwan 1, 746a; vgl. ebendort auch exploiter, ouvrir, tirer ebenda aus der bergmannssprache, s. sp. 5973; etwas über sich gewinnen, ... to prevail on ones selve. Hilpert 2, 1, 465a; etwas über einen gewinnen, to prevail upon any one. ebenda; gewonnen haben, to have the advantage or the better; er gewinnt bei diesem handel, this bargain is advantageous to him. 464c; an etwas gewinnen, to obtain

[Bd. 6, Sp. 5973]


or increase. 465a; er hat seit kurzem sehr gewonnen, he has much improved; an einflusz gewinnen, to obtain greater influence; gewinnen, to come into a certain state. ebenda; wir konnten die höhe nicht gewinnen, get or reach the hill. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773.
β) auch die specialwörterbücher, die dem substantiv gegenüber sehr spröde sind, haben dem verbum besondere und mannigfaltige beachtung geschenkt.
1)) die sprachrichter hatten sich vor allem mit der fülle der festen verbindungen auseinanderzusetzen, die in den buchungen um so mehr anschwoll, je mehr die älteren denkmäler mit ihren fügungen ausgebeutet wurden. die notwendige kritische sonderung liesz es freilich oft an beobachtungsgabe fehlen, so dasz sie nicht nur aussterbende, sondern auch lebenskräftige wendungen traf: gewinnen für erhalten oder erlangen ist nicht in allen und jeden redensarten zu gebrauchen. z. b. gute schriftsteller sagen so leicht nicht die oberhand gewinnen, ob es gleich zuweilen vorkömmt. ablasz gewinnen, einen zum gevatter gewinnen sind oberdeutsch. eine stadt mit sturm gewinnen, löcher oder spalten gewinnen, stärke gewinnen, ähren gewinnen, blätter gewinnen, sind veraltet, obgleich einige davon noch in der höhern schreibart statt finden. auch veralten folgende: ein ansehen gewinnen, eine andere gestalt gewinnen, es gewinnt den anschein, fortgang gewinnen, einen anfang, ein ende, einen zuwachs gewinnen. die kunst gewann in verschiedenen gegenden verschiedene namen. Heynatz Antibarbarus 2, 56 f. vgl. auch: gewinnen, ein ansehen, eine andere gestalt, einen anfang, fortgang, ein ende, einen anschein; — fängt an, zu veralten. Rumpf wb. z. reinigung d. sprach- u. schreibart 138.
2)) einen reichen ertrag an festen wendungen haben auch die wörterbücher der berufssprachen zu verzeichnen, wie sich schon oben (sp. 5957 f.) vermuten liesz: gewinnen, heisset, wenn man von den feld- und gartenfrüchten redet, soviel, als einerndten oder einsammlen. allgem. öconom. lex. (1731) 829; gewinnen, lat. lucrari, frantz. gagner, oder profiter, heist von einer sache einen gewinst oder nutzen haben. es wird aber dieses wort hauptsächlich von dem vermögen gesagt, welches durch die handlung erworben wird. z. b. dieser kauffmann hat 100 000 thaler in 2 jahren gewonnen; ich habe 100 pro cent an meinen waaren gewonnen; dieser mann verstehet den handel nicht; er verliehret mehr dabei, als er gewinnet etc. Chomel 4, 1061; vgl. auch 1, 493; 1, 430; sub verbo gewinnen intelligi etiam ea quae per successionem et universitatem nobis obveniunt. C. Besold thesaur. pract., hrsg. v. Speidel 353a; gewinnen heisset auch, was durch erbfall auf jemanden gekommen ist. Chomel 4, 1061; gewinnen, acquirere, consequi, obtinere, nancisci, studio, labore, pecunia, precibus, iure ac legibus, bonorum fortuna. Haltaus 714. gewinnen, erhalten, bekommen: gewint der richter hincz einem gawmanz oder ain auzmanz icht zu sprechen. Westenrieder 206.
am ausgiebigstenauch in allgemeinen wörterbüchernist der bergmännische gebrauch berücksichtigt (vgl. sp. 5962 f.): gewinnen ist so viel als erbrechen. Ch. Herttwig bergbuch (1710) 184b; desgleichen Chomel 4, 1061; ertz gewinnen, heist das ertz loszhauen, oder brechen, schiessen und dergleichen. 3, 1157; gewinnen in bergwercken, terra metallica fodiendo potiri. Frisch 2, 450c; wenn ein gang fest oder hart zu gewinnen. ebenda; einen gang gewinnen, exploiter une mine. Schwan 1, 746a; gewinnen, erbrechen, fördern, ouvrir, tirer. ebenda; gewinnen, fr. tailler couper, (bergwerk) das gestein von dem, daran es gewachsen, losmachen, ablösen, absprengen. Jacobsson (1782) 85a; vgl. auch Adelung u. a.; gewinnen, ertze, kohlen, to extract, draw, dig out, produce, extraire. Karmarsch technol. wb. 13, 247. gewinnen, auch abbauen, brechen, erbauen, erhauen, erobern: durch bergmännischen betrieb losarbeiten, insbesondere nutzbare mineralien von ihren natürlichen lagerstätten nach einem bestimmten systeme lostrennen, sie abbauen. Veith 242.
zur seemannssprache vgl.: gewinnen des chronometers oder der uhr (uhr geht schneller als das gestirn, nach welchem der gang geregelt worden)... accelerieren. Stenzel dtsch. seemänn. wb. 147b.

[Bd. 6, Sp. 5974]



3)) auch die mundartlichen wörterbücher nehmen in überraschender vollständigkeit auf das verbum bezug (s. dagegen sp. 5883 zum substantiv). schon Serz führt unter den redensarten des täglichen lebens auf: ich gewinne viel dabei; einen gewinnen; wie gewonnen, so zerronnen. teutsche idiotismen 54b. wie dieser legen auch die neueren buchungen den schwerpunkt auf den begriff erwerben, erlangen; die bedeutung siegen, erfolg haben, den preis davon tragen kommt aber um so mehr in festen verbindungen (namentlich mit bezug auf das spiel), ganz spät auch in der begriffsbestimmung zur geltung: gewinnen, siegen Martin u. Lienhart 2, 831; z' Abmsperg hat de Napoleon gwunge Schmeller 22, 930; die Preuszen haben gewonnen. Frischbier preusz. wb. 1, 232a; wer wagt dei wint. Schambach wb. d. Göttinger mda. 299b; wer nix wägt, gewinnt nix. Martin u. Lienhart 2, 831a; nû heffe gewunnen, nun soll's wol gehn. Woeste wb. d. westphäl. mda. 79a; vgl. auch volksüberlieferungen d. grafsch. Mark s. 80. vgl. auch 's neujohr abgewinne. Ch. Schmidt wb. d. Straszburger mda. 41b, ebenso Schmeller; kwinn, nur vom los gebraucht. Meisinger wb. d. Rappenauer mda.
zum begriff erwerben, erlangen vgl.: du gewinnst nix dabi, wenn du im unkel der kopf zeigst. Martin u. Lienhart 2, 831b; ables gwinge u. a. Schmeller, vgl. auch Lexer kärnt. wb. 258 u. a. bemerkenswert ist das fortleben einzelner verbindungen in den mundarten, die in der schriftsprache untergegangen sind: leut giwinnen, taglöhner aufnehmen. Lexer kärnt. wb., vgl. auch Schmeller a. a. o.; en kind von ênem gewinnen. Woeste wb. d. westphäl. mda. 79a (vgl. dazu gewinnen, eines kindes genesen. Avé-Lallemant dtsch. gaunerthum 4, 544); für alte formen der verbindungen mit sächlichem object ist die bairische mundart am ergiebigsten, vgl. stöcke gewinnen (baumstöcke ausgraben) Schmeller a. a. o.; heu, holz gewinnen u. a. ebenda; vgl. jedoch auch kirschen g'winnen (Schwarzwald) Schmid schwäb. wb. 532; gewinnen, wein abzapfen (Ingersh. Rappoltsweiler) Martin u. Lienhart.
wo gewinnen ohne weitere angaben vermerkt ist, darf wenigstens für die wendungen, die dem täglichen leben angehören, voller gebrauch erschlossen werden: gewonnen wb. d. Luxemburger mda. 144b; gewinnen C. Schumann wortschatz v. Lübeck 76 (unter der rubrik: häusliches und bürgerliches leben); vgl. auch Lenz z. Handschuhsheimer mundart.
c) das sprichwort.
α) es sind nicht nur die ursprünglichen mit gewinn gemeinsamen bedeutungen, die das verbum in die kreise des sprichworts ziehen, sondern auch abgeleitete, der bloszen syntaktischen function sich nähernde verwendungen: wie man hauszhelt, so gewinnet das hausz einen gibbel. Ch. Lehmann floril. polit. 372; wie du thust, also gewinst du ein blust. Henisch 1602. es ist aber charakteristisch, wie das sprichwort auch in diesem fall immer wieder die grundbedeutung des verb. aufspürt: man gewind offt bei einem geschäfft nichts denn eselohren. Lehman 852, vgl. Wander 1, 1660 (wer fremden hund anbindet, gewinnt nichts als den strick. Reinsberg - Düringsfeld 1, 490); schon Agricola giebt sich in dieser richtung besondere mühe: ich gewinn das zsehen. die Teutschen haben ein spil, das heiszt flössen ... hat zwen gewinn, das zsehen, und den flosz, der flosz ist drei blat einer farb, das zsehen zwei gleiche ... wenn nun iemandt diser keines gewinnet, sondern setzet immer ein, der sihet z wie anndere gewinnen, er gewinnet aber nichts, denn das zsehen, darumb ist das zsehen gewinnenn, amphibolon, ein mal für ein teil des spils, das an der mal für nichts gewinnen, sonder auffsetzen und den gewinnern zusehen. sprichwörter 2 (1528), 28b. dazu vgl.: ich gewinn das auffsetzen. wer nicht gewinnen kan auff dem spil und msz gleich wol immer auffsetzen, und wil sein selbs spoten der sagt: ich gewinne auch, mein ich, ja das auffsetzen, der dem spile zsihet, saget auch z dem, der nichts gewinnet, du gewinnest das zsetzen. ebenda; im folgenden freilich schieszt er mit seiner deutung über das ziel hinaus: er gewinnt das kratzen hinder den oren. wer auff dem spil verleurt, dem thts wee ... darumb sücht ers im nacken und hinder den oren. ebenda.

[Bd. 6, Sp. 5975]



die überwiegende masse der belege wendet sich den bedeutungskräftigen wendungen zu, unter denen die beziehungen auf kampf und spiel am verbum kräftiger hervortreten als am substantiv. vgl.: es mag keiner mehr gewinnen, dann der sich selbst gewinnt. S. Franck sprichw. 1, 135a (in 1, 67b bei ähnlichem gegensatz ist das zweite gewinnen durch sich selbst überwinden ersetzt). bemerkenswert ist, wie sehr im sprichwort der absolute gebrauch oder die verbindung mit bedeutungsschwachen objecten überwiegt (vgl. II, 3), so dasz wendungen wie die folgenden vereinzelt stehen: heuchelmann ist am besten dran. bei dem heuchelstab, gewinnet man ehr gunst und hab. Lehman 383. [eigentliche sprichwörter sind im folgenden, auch wenn gereimt, nicht in verse abgesetzt.] zur bevorzugung der participialform im sprichwort s. unter DWB gewonnen.
β) im zusammenhang damit steht die neigung, das verbum an andere verba zu binden. die zusammenstellung mit synonymen ist freilich nur spärlich entwickelt: wenn man alles hat gewonnen, so hat man doch nur den kosten errungen. Lehman 534; man gewinnt nicht wenig, wenn man einen freund erwirbt. Wander 1, 1660. viel ergiebiger ist die abgrenzung gegen contrastbegriffe:
1)) fortes fortuna adjuvat, wagen gewint, wagen verleust. G. Hauer's sprichwörtersamml. (1515), s. zeitschr. d. phil. 36, 130; wagen gewinnt, wagen verleurt; daran trag gedult. Kirchhof wendunmuth (3, 91) 2, 355 Österley; ebenso Hans Sachs 11, 228 Keller; das gleiche (qui non periclitatur, non ditescit) Henisch 1602; (ausus ancipitem sortitur finem) Steinbach 2, 1009; thut dir gewinnen wol, so lasz dir es verlieren nicht wehe thun. Henisch 1602; ebenso Lehman 560 u. a.; gewinnen und verlieren ist kauffmans wahr. Lehman 420 (vgl. sp. 5888 gewin und verlieren bei Petri); gewinnen ist der abend vom verliehren. Winckler 2000 gute ged. 4, 76; gelt und gut läszt sich gewinnen und verlieren. Henisch 1602; leicht gewunnen, leicht verlohren. 1609 u. a.; ubel gewunnen, ubel verschlungen. 1600 und oft (s. u.); der gewinnt viel, der eine hure verliert. Winckler 2, 23; der gewinnt genug, der seine sorgen verliert. Wander 1, 1659 (assez gagne qui malheur perd. Bohn 1, 5); aber: er gewinnt eine katze und verliert eine kuh. Wander 1, 1663; gewinne ich nichts, so verliehre ich nichts, si nihil evincam, nihil quoque perdam. G. T. Pistorius teutsch. jurist. sprichwörterschatz 782; wer nichts gewinnt, der verliert. Wander 1, 1662 (qui ne gagne, perd. Bohn 1, 50); der eine gewind, der andere verleurt. Petri der Teutschen weiszheit N 6a u. a.; einer gewinnet was der andere verlieret, l'un gagne ce que l'autre perd. Rondeau 2, Uu 3d; allzeit gewinnen, macht verdächtig, allzeit verlieren, macht verächtlich. Eiselein sprichw. ... des deutschen volks 236;

wer gewinnt, geniesse;
wer verliert, der büsse.
Graf rechtssprichw. 427,

vgl. Wander 1, 1662.
2)) es ist leichter etwas zugewinnen den zu behalten. Lehman 374; ähnlich 370, vgl. Henisch 1601; gewinnen verdient nur preis, wenn man zu erhalten weiss (nach Schonheim proverbia illustrata v. 1728, s. 153). Wander 1, 1660; was man spart, das hat man gewunnen. Henisch 1610 (in mehreren variationen); ein pfenning erspart, ist auch gewunnen. 1609; was man erspahret, ist auch gewonnen. Butschky Pathmos 350; was man ersparet, ist so gut als gewonnen, a penny saved, is a penny got. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; gewinnen und sparen macht bald reich. Wander 1, 1660 (ähnlich im franz.).
3)) wer gibt mehr lohns, denn er gewint, desz kauffmanschafft gar bald verschwindt. Petri der Teutschen weiszheit Fff 8a; der gewint mit geben, der wirdigen gibt. N 8b; wenig gewinnen und viel verzehren, geschicht wenig in ehren. Aaa 5a; res quaesita mora, parua consumitur hora. grosz gut lest sich langsam gewünnen, thut doch zu zeiten schnell zerrinnen. loci communes prov. (Basel 1572) 46; nichts gewinnen, viel verthun macht einen zum armen man. Lehman 372; wer nichts gewinnt und vil verthut, der kompt gar bald um grosses gut. Henisch 1793; wenig gewinnen und vil verzehren, geschicht wenig in ehren. 1602 und so noch in mehreren variationen; der gewinnt übel, der alles verthut. Körte

[Bd. 6, Sp. 5976]


sprichw. 2138 (mal gagne, qui tout dépense) u. a.; dagegen vgl.: er kan gewinnen und verzehren. Henisch 1600; wer nütz gwönnt ond nütz verthud ist ein fotzehued. Tobler Appenzell. sprachschatz 197.
γ) schon in den obigen zusammenstellungen treten die linien deutlich hervor, in denen sich die auffassung auch beim alleinstehenden verbum bewegt.
1)) zahlreiche wendungen nehmen die bedingungen zum ziel, unter denen ein erfolg erreicht wird.
a)) gegenüber von wagen gewinnt, wagen verleurt (s. o.) vgl.: wer gewinnen wil, der musz wagen und auffsetzen. Petri Ppp 6b.
α)) wagen gewint, fortes fortuna adjuvat. Henisch 1600 (vgl. DWB wagemann, gewinne man. 1602); wer gewinnen will, der musz wagen das spiel. Wander 1, 1662; wer nichts waget, der gewinnet nichts, nothing venture, nothing have; no pains, no gains. teutsch - engl. lex. 2 (1716), 773; frisch gewagt, ist halb gewonnen. J. C. Günther ged.2 98; ebenso (a brisk onset, is half the business done) teutsch-engl. lex 2, 773; ebenso Frisch 2, 451a (audaces fortuna adjuvat), s. auch unter gewonnen;

frisch gewagt ist schon gewonnen,
halb ist schon mein werk vollbracht!
Göthe (an die erwählte) 1, 61;

was zerrst du mich?
wir sind nun einmal da.wer wagt, gewinnt.
hier ist der beste platz.fest auf den sockel
setz' ich den fusz; lasz sehn, wer mich vertreibt.
Grillparzer (des meeres u. der liebe wellen 1) 75, 26;

ich wag' es drauf! das wagen hilft gewinnen.
ich wag' ein ständchen unter deinem fenster.
Wilhelm Müller (ständchen in ritornellen: die motte) 251 Hatfield.


β)) beginnen ist halb gewunnen. Henisch 1609; wohl begonnen ist gewonnen. F. L. Jahn (denknisse) 1, 381; im gegensatz zu dieser auffassung steht: wann das pferd gewunnen ist, so ist der zaum nicht gewunnen. Henisch 1610; lach nicht, ehe du habest gewunnen. 1609; es soll einer den harnisch nicht ablegen, ehe er gewunnen hat. ebenda. vgl. auch die beispiele unter 2)).
γ)) der etwas gewinnen wil, msz etwas dran setzen. S. Franck sprichw. 1, 84a; ebenso Lehman, Henisch u. a.; wer gewinnen wil, musz mit zusetzen, musz auch auffsetzen, necesse est facere sumptum, qui quœrit lucrum; quœstus sine impendio non instituitur. Aler 1, 937b; wer gewinnen wil, musz beisetzen. G. T. Pistorius 865; mit gelt gewinnt man gelt, mit nichts kan man nichts anfangen. Henisch 1602; wie ich spinne, also ich auch gewinne. ebenda: gewinnen ist an lust, wenn's nischt kust. Wander 1, 1659 (verweist auf entsprechendes dänisches sprichw.).
b)) in zahlreichen der obigen wendungen ist im besonderen auf das spiel bezug genommen, diesem gelten auch sonst mehrere prägungen: wer will gewinnen, musz ausz seiner hand karten. Lehman 246; kart ausz deiner hand, wilt du gewinnen. Henisch 1602; wer gewinnen wil, musz mitspielen, laurea desidiae praebetur nulla. Aler 1, 937b; wer einen auff dem spil kan erzürnen, der hat halb gewunnen. Henisch 1609; er gewinnt über den rücken. Wander 1, 1663; wer gewinnt, der spielt am besten. 1, 1662; es gewinnen nicht alle, die spielen. 1, 1659.
c)) ob geld oder fleisz mehr erfolg versprechen, das wird in mancherlei wendungen erwogen, die sich meist jedoch weder durch prägnante fassung, noch durch weite verbreitung auszeichnen: der basz mag, der gewinnets. Henisch 1601; pretio vincitur fides, welcher mehr gibt, der gewinnts. Dentzler 616a; nam partum significat, was mit arbeit gewunnen ist. Dasypodius Aa 7a; es wird nit alles mit arbeit gewunnen. Lehman 534; ohne schwere arbeit läszt sich nicht wol etwas gewinnen. Henisch 1602; wer gewinnen wil, der musz viel vertragen. Petri Kkk 5b u. a.; mit lauffen gewinnt man am meisten. Henisch 1602; nichts ist so fest, so grosz und hoch, der fleisz gewinnets immer noch. ebenda; wer oft gewinnt, gewinnt viel. Wander 1, 1662.
d)) so sind es schlieszlich gerade die dem wagemut (s. o.) entgegengesetzten eigenschaften, die für den erfolg angesprochen werden: geduld und selbstbeherrschung. dieser gegensatz erwächst einerseits verschiedener lebensauffassung, andererseits auch der zwiespältigen bedeutung von gewinnen:

[Bd. 6, Sp. 5977]


mit gedult und nachgeben gewinnt man am meisten. Henisch 1602, vgl. auch Schottel 1120a; thue gemach und lach, so gewinst du alle sach. Henisch 1602; effugere cupiditates, regnum est vincere, der gewint ein land, der sich selbs uberwint. S. Franck sprichw. 1, 67b; wer sich von hertzen für gott demütigen kan, der hat gewunnen. Henisch 1610; jedermann gewinnt seinen herrn mit seiner seele. Graf deutsche rechtssprichw. 179; jedermann gewinnt seinen arbeitslohn mit seiner seele. 178.
e)) zahlreich vertreten ist auch die negative fassung: man kan nicht an aller waar gewinnen, sonst wurde man zu reich und zu stolz. Henisch 1602; an sünden gewinnt man nichts. 1601; an armen waiszt man nichts zugewinnen. ebenda; man gwünt nüt mit flatieren oder schmeichlen, blanditiis agitur nihil. Maaler 20d; wenig gewinnt, wer säet wind. Wander 1, 1661; wer neidet und sich selbs rechet, der gewinnt nit viel. Henisch 1602; mit zanck gewinnt man nicht viel. ebenda; mit hader gewinnt man nichts, dann haderlumpen. ebenda; vgl. auch: wer nicht kan gewinnen, der tregt hader ein. Petri Hhh 6a, ebenso Henisch u. a.
2)) der erzielte gewinn wird in der form des verbums nur wenig gepriesen: das süssest ist gewinnen. Henisch 1601. um so zahlreicher sind die wendungen, die ihn abträglich beurtheilen. sie gehen meist von den vorbedingungen des erfolges und von der art und weise aus, in der er errungen wurde. dem ersten und raschen erfolg wird übereinstimmend mit der in 1)), d)) vertretenen auffassung nur wenig bestand zugetraut, wie andererseits an dem mit schlechten mitteln erworbenen auch die entsprechenden wirkungen hervorgehoben werden. andere wendungen schränken die tragweite des erfolges durch drastische vergleiche bis zur verkehrung ins gegentheil ein, am seltensten sind die formeln, die den unbedingten erfolg schelten:
a)) salis onus, unde venerat, illuc abiit, so gewunnen, so entrunnen. E. Tappius adag. 139a u. a. (s.gewonnen); wie mans gewint, so wird mans queit. Petri Ppp 8a; ebenso Henisch; wer zu erst gewan, war zuletzt ein armer mann. Henisch 1602 u. a.; erst gewonnen, letzt verspielt. Kirchhofer Schweiz. sprichw. 154; dazu vgl. die mundartlichen fassungen: de iirst gewinner — de läst verspäler (Strelitz). Firmenich 3, 73, 101 u. a. s. unter DWB gewinner; dat erste winn'n hôlt de Kieler jungs nich för gôd (Süderdithmarschen). Wander 1, 1658; zerst gwunne, z'lest d'bach abgschwue (Mühlhausen). Martin u. Lienhart 2, 831b.
b)) male parta, male dilabuntur, bösz gewunnen, bösz verzert. G. Hauer sprichwörtersamml. (1516) 131; ebenso E. Tappius germ. adag. 154b u. a., s. unter DWB gewonnen. dagegen vgl.: unrecht gewunnen, kompt nit an die sonnen. S. Franck 2, 86a (1545).
c)) da hetten sie wol gewechselt, ja gewonnen, wie Jütte, die liesz sich küszen umb ein teige birn und gab zwei eier zu. Kirchhof wendunmuth (3, 26) 2, 295 Österley; er wird dabei so viel gewinnen wie einer, der ein messer am feuer wetzen wil. (aus einer satire wider Murner) Wander 1, 1664; du wirst so viel dabei gewinnen, wie Michel bei den schweinen. Wander 1, 1663; an dem han ich gewunn, wie der deiwel an de riewe. Stenzel allerlei us um Westrich 57; vgl. auch Martin u. Lienhart 2, 831a; es ist zu gewinnen wie honig von den wespen. Simrock 4936; er gewinnt, wie der fisch den angelhaken. Wander 1, 1663.
d))

sô der man ie mê gewinnet,
sô erʒ guot ie sêrer minnet. Freidank 56, 2 W. Grimm.

vgl. dazu: je mehr man gewinnt, je mehr man drauf sinnt. Wander 1, 1660;

als bald ein mann gewinnet gut,
verkehret er dick seinen mut. loci communes proverbiales (Basel 1472) 45 (fermentat celebres numerosa pecunia mores);

er kann vor gewinnen nicht reich werden. Wander 1, 1663.
5) formen.
a) der stammvocal
α) unterliegt bei gewinnen dem ablaut. ansätze zu schwacher flexion sind am conjunctiv des praet. aus späterer zeit beobachtet: den (goldenen ring) versilberte ich ... und demnach ich mir einbilden konte, dasz disz bald ausz sein würde, da ich nichts darzu gewinnete (im druck v. 1669 und 1713 gewinne). Grimmelshausen

[Bd. 6, Sp. 5978]


Simpl. 1, 567 Keller; vgl. auch gewinnet neben starken formen des conditionalis bei Schmeller 22, 930.
die gesetzmäszige abstufung des vocals vor dem gedehnten nasal (ich gewinne, gewan[n], du gewünne, wir gewunnen, haben gewunnen, ich gewünne) ist in der neuhochdeutschen periode durch ausgleichungen abgelenkt (hier zwischen dem sing. und dem plural des praet.: ich gewann, du gewannst, wir gewannen; ich gewänne) und durch mundartliche einflüsse getrübt (mitteldeutsch gewonnen tritt schriftsprachlich im part. praet. für gewunnen ein).
1)) ausgleichungsbestrebungen zwischen dem singular und dem plural des praet.
a)) der gegensatz innerhalb des singulars des praet. machte sich wenig bemerklich: neben der überaus zahlreich belegten form gewan (gewann) für die erste und dritte person ist die zweite litterarisch nur ganz vereinzelt gebraucht: dînero frowun dîa dû danches kwunne (quam tu sponte legisti). Notker Boethius (3, 48b); die du gewünne. Kistener Jakobsbrüder 502 Euling, wofür schon Gengenbach gewannest einführt.
α)) beeinflussungen der 1. und 3. pers. sing. durch die übrigen formen sind trotzdem nicht zu verkennen; sie lassen sich meist gegen die fälle abgrenzen, in denen nur mundartliche lautfärbung vordringt. das letztere gilt für Hans Sachs, der statt gewan im reime auf mon (man) u. a. gewon schreibt (fab. u. schw. 4, 68, vgl.mone, gewone 5, 159; 4, 38; plon [plan] gewon 4, 207; aufton, gewon 2, 188 u. a., aber vgl. DWB gewan auszerhalb der reimstelle 3, 178; 5, 367). bei anderen formen, die deutlicher für formenausgleich sprechen, musz der einflusz des anlautenden halbvocals (s. u.) jedenfalls mit erwogen werden: ich gewunn nichz daran deutsch - ital. sprachb. 94b Brenner; gewunn Teuerdank 86 Goedeke (sonst überall gewann); gewün Hans Sachs 4, 151; gewonne ich einen solchen lust, mich unter ihre zunff schreiben zu lassen. Grimmelshausen (vogelnest 2, 22) 4, 671 Keller; ein lämmgen, das mich lieb gewonne. F. C. L. Creuz oden 1 (1769), 207; vgl. auch ich gewann et gewunne, du gewonnest et gewunnest, er gewann et gewonne. Stieler 2543; gwunn, gwung oder gwann, gwang. Schmeller 22, 930; gewinnen, praet. gewun. Schambach 63b; vgl. auch die entsprechenden formen bei Siebs zur gesch. d. englisch-friesischen sprache 1, 86.
β)) der unbeeinfluszte stammvocal unterliegt vielfach der verlängerung, vgl. gewaen bei Quentel, Arndes (Josua 11, 19 u. a.); vgl. ich gewahn Steinbach 2, 1028; vgl. die formen sp. 5981 oben; s. die langen vocale bei Siebs a. a. o.
b)) in den pluralformen des praeteritums wird der gesetzmäszige vocal vom singular her verdrängt.
α)) der zuständige vocal hat sich in den indicativformen nicht eigentlich über das 16. jahrh. hinaus gehalten; vgl. gewunnen, DWB gewonnen unter 2)). die erste form mit a zeigt Aventin: gewannen die roter ruer 5, 168; vgl. auch gewannen Matthesius (Luther 6) 3, 133; sie gewahnen Götz lebensbeschr. 104 Bieling u. a.
β)) zäheren widerstand leisten die conjunctivformen giwunni, gewunne, gewünne (gewunne, gewün), gewönne (zur abgrenzung von gewünne und gewönne s. u.). das erste zeugnis für umgelautetes a giebt der mitteldeutsche Rothe Elisabeth 2055; ihm folgt eine urkunde von 1497 aus den bairischen landtagsverhandl. (11, 23 Krenner). dazu vgl. DWB gewan, DWB gewen in der mundart um Gieszen (zeitschr. f. hochd. mda. 1, 11). Luther und die litteratursprache bei Günther, Haller, Lessing, Gellert, Bürger, Herder, Schlegel, Forster halten an gewönne fest. Wieland bevorzugt gewänne, ebenso W. v. Humboldt. Voss geht in der Odyssee von 1793 zur neuen form über (gewänne 8, 21 gegen gewönne der ausgabe von 1781). Göthe und Schiller bevorzugen noch die ältere form, lassen sich aber ein gewänne gelegentlich entschlüpfen (Göthe 3, 42 var.; Schiller br. 1, 317). gewönne findet sich noch bei Müllner, Börne, Heine, W. Alexis, Arndt, F. Lehwald, Fontane, und Bismarck. die wörterbücher streben schon seit Steinbach einer regelung in anderem sinne zu: ich gewahn, ich gewähne. 2, 1028; ich gewann ... ich gewäne. Frisch 2, 450c; ebenso Adelung, Schwan.
2)) die verdrängung des nasalvocals u in diesen pluralformen durch o ist ebenfalls von Mitteldeutschland aus in der schriftsprache durchgesetzt worden; auch hier aber

[Bd. 6, Sp. 5979]


widerstreben die oberdeutschen mundarten, denen hier auch einzelne niederdeutsche zur seite treten.
a)) die ältere sprache zeigt bis in den ausgang der mittelhochdeutschen periode ausnahmslos das gesetzmäszige u und zwar nicht nur in oberdeutschen, sondern auch in mittel- und niederdeutschen denkmälern. vgl. gewunnen (particip) Pfälzer urkunde von 1284; Fierrabras A 2b; myst. 1, 107; Hesler apokalypse 10759; sächs. weltchron. 213, 42; stadtbuch v. Dortmund; Lübecker todtentanz 995. 1170; gewunnen (plur. praet.) predigt d. Leipziger handschr.; livländ. chronik 6662; Jeroschin 8611; myst. 1, 181; Nürnberger handschr. d. Eckhart 48 Jostes; predigten bei Zuchhold 109; heil. leben (1472) 2d; Pontus u. Sidonia c 6c.
b)) mit dem ausgang der mittelhochdeutschen periode machen sich:
α)) die ersten mundartlichen einflüsse zu gunsten des o bemerklich: gewonnen daʒ stedechen. Limburger chron. 83, 24; ebenso J. Rothe Düringer chron. 47; passion 1106 (handschr.); gewonnen Joh. v. Neumarkt leben des heil. Hieron. 193 (nd. druck ghewunnen); Nicol. v. Landau 109 Zuchhold (var. gewunnen); Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 3 rb; buch der liebe 275c u. a.; Aimon 91b; Nürnberger chron. (d. städtechron. 10) 320; selbst Augsburger chron. (22) 353; Zimmersche chron. 2, 229; 3, 109. in der bibelübersetzung ist es Quentel, später Luther, die gegenüber der älteren bibel (Eggesteyn, Koburger, selbst Arndes u. a.) die neuerung einführen (eine ausnahme s. u.); gewonnen hadde Quentel Jesaia 20, 1 (gewunnen Eggesteyn, Koburger, Arndes); ebenso Sacharja 14, 3 u. a. (aber Josua 19, 47 wunnen Quentel); sie gewonnen Luther Nehemia 9, 25 (gegen die vorgänger). die bearbeiter und nachdrucker Luthers verhalten sich verschieden, die Züricher bibel bleibt consequent bei gewunnen, Dietenberger nimmt gewonnen auf, Eck schwankt (gewonnen Sacharja 14, 3; gewunnen Josua 11, 19; Jeremia 32, 24).
β)) im gleichen zeitraum hält sich auf oberdeutschem boden das alte u fast unbeschränkt: so gewunnen bei Elsb. Stagel, Königshofen, Murner, Manuel, Zwingli, Waldis, Stumpf; desgl. in Augsburger, Donauwörther chron.; bei S. Franck, Lotzer; im Iglauer recht, österr. weisth., Sterzinger spiele; Andreas v. Regensburg, Aventin, Albertinus, Schaidenreisser; auch Nürnberger quellen bieten gewunnen, s. d. städtechron. 1, 115; 3, 97; Dürer nachl. 7; Hans Sachs (mit der umgelauteten form gewünen); Peter Probst und J. v. Schwartzenberg.
γ)) schwankungen ergaben sich hier innerhalb der gleichen dialektgrenzen; sie sind aber auch für die überlieferung eines schriftstellers beobachtet; vgl. DWB gewonnen neben gewunnen bei Luther 19, 198 Weimar; vgl. DWB gewonnen (Luther 6, 285; 7, 638; 11, 24; 15, 296) gegen gewunnen (Luther 4, 403 Jena und in den predigtnachschriften 6, 502 Weimar; 12, 92). später sind solche noch für Kirchhoff, Corvinus, Bünting und Grimmelshausen zu verzeichnen. auch bei Abraham a S. Clara, für den in 'heilsames gemisch' gewonnen belegt ist (11. 372), finden sich in 'auff auff ihr christen' noch zeugnisse für gewunnen 12. 59. vgl. dazu gewonnen et gewunnen bei Stieler.
δ)) eine ausnahmestellung nimmt auch hier der conjunctiv ein. selbst Luther hält hier eher am ü bezw. u fest: gewunnest 15, 297; gewün 11, 24; gewünne 4, 431a Jena; 3, 123b (gegen gewönne 4, 411a; 3, 68b; 23, 269 Weimar); vgl. vor allem: ob er die gantze welt gewünne. Luther Lucas 9, 25 (gewunn cod. Tepl., ähnlich Mentel, Eggesteyn u. a. Quentel, Arndes [wunne], gewünne Emser, Dietenberger, gewunne Eck, Lotzer). dazu vgl. gewünne bei E. Alberus nov. dict. Au 3a; O. v. Demeringen, Logau sinnged. 98 (allerdings im reim auf sinne); vgl.gewünne neben gewönne bei Stieler; vgl. noch gewünne, gewonnen bei Rondeau 2, Uu 3c.
ε)) für die wörterbücher der schriftsprache, die bei Henisch, Duez und Aler noch u zeigen, ist dem o mit Frisch die alleinherrschaft verbürgt: ich hab gewonnen 2, 450c. das gleiche bei Adelung, Schwan, Hederich u. a.
ζ)) anders verhalten sich die mundarten: gewunnen Kantzow chronik v. Pommern; wunnen C. Schumann wortschatz v. Lübeck 76. vor allem aber vgl. die oberdeutschen belege: gwunge (als particip; oberöstr.) s. d. mundarten 3, 183a; ebenso gwunne, gwunge Schmeller 22, 930;

[Bd. 6, Sp. 5980]


gwune aus Kenzingen (zeitschr. f. d. mda. 1, 361); kewune, kwune, kewun. Martin u. Lienhart 2, 831b; kwunn Meisinger Rappenauer mda. 2, 82a.
β) die stammsilbe auszerhalb der wirkungen des ablauts.
1)) einwirkungen des consonantismus auf den präsensvocal.
a)) der anlautende halbvocal übt frühzeitig seinen einflusz: ze gewunnene statt gewinnene. Notker psalm 134, 13 und so öfters; vgl. auch die varianten 108, 31; 102, 5 u. a. dazu vgl. gewnne für gewinnen in der Heidelberger handschr. zu bruder Philipps Marienleben 359. im allgemeinen sind es durchweg Schweizer und Schwaben, denen hier belege zu entnehmen sind: möcht gewunen Basler chron. 4, 193; sie gewünnen Züricher bibel; ebenso Frisius, Maaler, Steinhöwel, Wetzel, Wickram, Zwingli u. a.; der etwas gewünnen wil S. Franck 2, 86a (nach d. ausg. v. 1545; in der von 1541: gewinnen). vgl. auch gewünnen Haimonskinder 150; der gewünnet Hainhofer reisetagbuch; gewünnen Abraham a S. Clara auff auff ihr christen 52; Zesen adriat. Rosemund 1, 66; 3, 121; vielleicht ist hierher auch gewonnen, gewinnen wb. d. Luxemburg. mda. 144b zu ziehen.
b)) vielfach wird der praesensvocal vor dem nasal auch als e wiedergegeben: gewennen handschr. vocab. (15. jahrh.) Diefenbach 338a; euch hiermit zu gewennen, mir keine schwein mehr hüeten zu lassen. Zimmersche chron. 2, 388 Barack (oder gewöhnen?); kwene u. a. Martin u. Lienhardt 2, 831b; gewenne Hönig wb. d. Kölner mda. 655.
2)) veränderungen des schlieszenden nasals im wechsel der flexionsformen.
a)) die vereinfachung im auslaut oder vor consonanten und die wirkungen des systemzwangs.
α)) auslautend im praeteritum wird der nasal bis weit in die neuhochdeutsche periode als einfacher geschrieben: gewan Joh. v. Neumarkt, die mystiker, Gregors dialoge, Basler, Straszburger, Donauwörther chron.; die volksbücher; Murner, Geiler; Luther Jesaia 20, 1 (ebenso Eggesteyn); 2 Samuel. 12, 26 (ebenso Koburger Züricher bibel, Eck) u. a.; ebenso Luther in seinen schriften; Matthesius, Hans Sachs, Tucher, Kirchhoff, Waldis, Wickram, Stumpf; bergreihen; gewan noch Tscherning dtsch. ged. frühling (1642) 98. die neuerung setzt mit schwankungen ein: gewanner Nibel. handschr. A zu 337, 4; das ich ie solichs kind gewann Sterzinger spiele s. 64 (nie gewan 120); da gewann sie aber einen son buch der liebe 267a (gewan 267b), ebenso 279a; das gleiche (gewann neben gewan) bei Frey (gartengesellsch.) im Teuerdank, Aimon, Albertinus, Fischart. vgl. auch gewann Alsfelder passionssp. 293; Agricola sprichw. 121b; Livius deutsch 60a u. a.
β)) inlautend vor dental hält sich die einfache schreibung bis ins 18. jahrh.: gewint Sachsensp. landr. 3, 27, 2, 184; Nürnberger Eckharthandschr. 28; Geiler evangel. 19b; Luther (pred.) 25, 494 u. a.; Hans Sachs 9, 246 Keller; Schwartzenbeag teutsch Cicero 127, ebenso (mehrfach) Dürer, P. Probst, E. Alberus; desgl. in den sprichwörtersamml. von G. Hauer, S. Franck, Petri; desgl. bei Fischart Gargantua 260; Fickler 113a; Lobwasser psalm 1; Henisch 1601 (doch s. unten); Duez 461a; Rachel satyr. ged. 49; Weise Masaniello 17; gewind Daniels traumd. 52; Judas Nazarei 52; Ayrer 3, 1588; Lehman 852; Lotzer 28; gewindt Fronsperger kriegsbuch 2, 199a; Seuter roszarznei 193; Endinger jugendspiel 29; Wickram 5, 98; frau rath an Göthe (2. 7. 1804). doppelconsonanz bietet schon Eggesteyn: er gewinnt si Jeremia 38, 3 (gewint sie Koburger); vgl.gewynnt H. v. Mügeln (1489) 60a; S. Brant narrensch. 77a; buch der liebe 275d; Fischart glückh. schiff 456; Aeg. Albertinus 339; E. Alberus nov. dict. R 3a; bei Henisch verhalten sich einzelne formen verschieden: gewinst du nicht 1602; wagen gewinnt ebenda (neben gewint, vgl. auch gewinst Wickram (Bolte 5, 99) aus 1559 gegen gewinnest (aus 1538) u. a. um vieles häufiger sind jedoch die schwerfälligen formen gewinnet (gewinnest) eingesetzt; sie herrschen bei Joh. v. Neumarkt, bei den mystikern, in der reformationspolemik und in der lehrhaften litteratur des 16. u. 17. jahrh., später bei Lessing, Herder und noch bei Hoffmann v. Fallersleben.
γ)) vorübergehend ist auch zwischen vocalen der nasal einfach geschrieben (vgl. auch die verlängerung des

[Bd. 6, Sp. 5981]


stammvocals s. o.): gewune Alexanderlied 43 (var.); gewunen Sterzinger spiele 219 (neben gebunnen 159); gewinen Aventin 1, 421, S. Lotzer 34; gewinen Hans Sachs 4, 247 schwänke und oft; gewünen 4, 117 u. a.; gwinen P. Probst 62, 118; gewunen het Endinger Judenspiel 38; gewonen d. städtechron. 22, 353.
b)) die gemination des nasals wird vereinzelt durch den dental gestört: gewinden vocab. lat. germ. Diefenbach 338a. vgl. überwinden neben überwinnen vgl. gewinst.
c)) in der bayrisch-österreichischen mundart entwickelte sich ein guttural: gebungen monum. Boica 21, 543; gewungen Aventin 1, 235. 236. 239. 118; vgl. auch Schmeller 22, 936 (g'wunga); deutsche mda. 3, 183a; Lexer kärnt. wb. 258; gewingen schles. urkunde v. 1538; österr. weisth. 5, 543; gewingt Sterzinger spiele 138. 184; gewang Aventin 1, 238.
3)) in derselben mundart wird natürlich auch das anlautende w vielfach als labialer verschluszlaut übermittelt: gebinen deutsch-ital. sprachbuch 97b Brenner; gebungen monum. Boica 21, 543; ebenso fastnachtspiele 1003 Keller; Sterzinger spiele 135; gebinnen 118, 74, 117 (s. u.); gban 16; gebinnest weist auch der Oberpfälzer Poliander in den aufzeichnungen von Luthers predigten (9, 646 Weimar) auf.
b) das präfix.
1)) wie bei kriegen gegen erkriegen haben einzelne mundarten auch bei gewinnen das präfix nachträglich wieder eingebüszt, vgl. auch englisch win gegen angels. gewinnan (Bosworth-Toller 468a). wie weit mitteldeutsche mundarten an dieser bewegung sich betheiligen, ist noch nicht festgestellt, immerhin vgl. die variante der Heidelberger handschr. zu Iwein 1607 nie ne wan gegen gewan. sichergestellt ist sie fürs niederdeutsche (mndl. auch gewinnen s. Verwijs u. Verdam 2, 1913); winnen Sachsenspiegel landr. 1, 51. 52 u. a.; to winnende Lübecker chron. (d. städtechron. 26) 63; wan 61 (gewnnen hadde);

up Kreichmart wart die strit begunnen,
da de burgere den eirsten sege wunnen.
G. Hagen, Kölner chronik 3467 (d. städtechron. 12, 121);

ebenso 770. 773; dagegen im part. praet. gewunnen 3487. dazu vgl. sortiri, winnen ndl. glossen d. 14. jahrh. Diefenbach 543c; lucrari winnen dict. lat. germ. d. 15. jahrh. ebenda 338a; vgl. DWB en wonnen die stad Quentel 2. chron. 32, 18; ebenso (wunnen) Arndes und ähnlich öfters; für die heutigen mundarten vgl. winnen (winst, wint) versuch eines bremischen wb. 5, 264; winnen Danneil wb. d. altmärkisch-plattd. mda. 247; wunnen Lübecker mda.
2)) in den oberdeutschen mundarten andererseits unterliegt das präfix von früh an der verkürzungmeist durch synkope. hierzu vgl. schon die belege aus den glossen; ebenso vgl. die varianten guinnet gegen gewinnet bei Williram; guinnen Wiener handschr. z. Notkers psalmen gegen geuuinnen 143b; 470a u. a.; gwan genesis 88, 1; u. a. gwinnen in Wickrams druck v. 1538 (Bolte 5, 99) gegen gewinnen im druck v. 1599; gwinnen Groszbaseler todtentanz; Pontus u. Sidonia f. 3a; Teuerdank 290; Hans Sachs fab. u. schw. 4, 202; vgl. gbinen Sterzinger spiele 117; gban 16 gegen gebinnen 118; 74; gebunnen 135; gwint Stifel cosz 250b; Fickler 113a; gwind S. Lotzer 28; aus den heutigen mundarten vgl. gwunne, gwunge Schmeller 22, 930; kwune, kewune Martin u. Lienhart 2, 831b. zu der form günne, die Behaghel (1, 169b) für die sprache Hebels anmerkt, vgl. abgünnen Stalder 1, 497.
c) die flexionsformen nehmen nicht in gleicher regelmäszigkeit an der breiten fülle der dem verbum möglichen verwendungen theil. wie sich schon aus dem überblick über die formen ergab, haben die 1. und 3. person singular hier einen ungewöhnlichen vorsprung gegen die übrigen. das gleiche giltwenigstens in der älteren sprachefür das praet. gegenüber dem praesens. ungewöhnlich häufig wird der infinitiv angezogen; nächst dem das part. praet., das sich einerseits im sprichwort hervorthut (wie gewonnen, so zerronnen; frisch gewagt ist halb gewonnen) andererseits in festen verbindungen fortlebt, die am verbum selbst verkümmern: gewonnen gut (gewonnen spiel), gewonnen geben, s. auch unter gewonnen. noch weiter in der isolierung geht das part. praesentis, das naturgemäsz den absoluten gebrauch des verbums begünstigt. die gegensätze, die sich

[Bd. 6, Sp. 5982]


dort auf grund der verschiedenheit des supponierten objectes entwickeln, haben der participialform gewinnend ihr besonderes gepräge gegeben. vgl.: gute manieren .., wie ich sie in berührung mit ältern Franzosen und mit französischen und noch gewinnender bei russischen damen jeden alters kennen gelernt habe. Bismarck ged. u. erinn. (10) 1, 223. gegen: wollte man aber billig sein, und könnte man zuletzt eine bilance aufstellen, so würde ich doch immer als der gewinnende erscheinen. Göthe an gräfin v. Chasseport 21. 4. 1830. dazu vgl. gewinnend (s. d.), wo auch die zeugnisse für passive actionsart gewürdigt werden.
von geringerem belang sind einige verschiebungen am infinitiv, so die ansätze zur substantivierung, die durch die lebenskraft von gewinn unterbunden bleiben:

sterben ist gewinnen,
es reist geist und sinnen
aus der gantzen noth.
Joh. Chr. Günther (das ist meine freude, dasz ich mich zu gott halte ...) ged.2 20;

ebenso 796 (vor wucher und gewinnen im reime auf zinnen).
II. die gebrauchsformen der neuhochdeutschen periode.
auch hier werden die älteren formen zunächst übernommen und weitergeführt, so dasz die früheste prosa sich nicht wesentlich von dem gebrauch der mittelhochdeutschen dichtung unterscheidet. wie dann im weiteren verlauf einzelne wendungen zurücktreten, andere vordringen oder in umformungen neu erstehen, das liesz sich schon aus dem verhalten Luthers, theilweise auch aus den aufzeichnungen der wörterbücher ersehen (s. oben). die vielseitigkeit und beweglichkeit, die sich die sprache des 18. jahrh. im dienste der aufblühenden litteratur erringt, trägt auch in den ver wendungskreis unseres verbums neues leben. rascher veralten die fügungen, die durch neue bildungen mehr als ersetzt werden. fast alle stilisten haben den verwendungskreis erweitert, am wenigsten wol Schiller. in der bevorzugung einzelnermeist abstracterwendungen erreicht Herder den höhepunkt, während sich in der sprache Göthes alle möglichkeiten vereinigen: neubildungen, aufgefrischte alte formen und eigenwüchsiger bestand.
als gliederungsgrund empfiehlt sich bei den unmerklichen übergängen, in denen der bedeutungswandel hier verläuft, an stelle der bedeutungsunterschiede die art der verbindungen, die zudem auch den begrifflichen entwicklungsgang in geeignetem rahmen erfassen läszt. es ergeben sich hier als hauptgruppen: verbindungen, die einen gegenspieler kennzeichnen; verbindungen, die nur auf das ergebnisz zielen, das sie in einem sächlichen oder abstracten object kenn zeichnen, und endlich das verbum ohne solche verbindungen, der absolute gebrauch. die bedeutungsabstufungvom erfolg im kampf oder spiel bis zu dem einfachen begriff der besitznahme und dessen abschwächungen in der mehr syntaktischen function eines hülfsverbssteht groszentheils in wechselwirkung mit den verbindungen des verbums. bei der kennzeichnung eines gegenspielers hält sich die beziehung auf den kampf am lebendigsten, sie erfährt hier nur da, wo der gegenspieler als object der person angegliedert ist, durch weitere bestimmungsmerkmale mancherlei ablenkung und abschwächung. in verbindung mit dem sächlichen oder abstracten object macht sich neben dem kampf auch das spiel geltend, andererseits entwickelt sich hier im besonderen die mannigfaltigkeit der auf den begriff der besitznahme wirkenden ablenkungen, der verengerung und abschwächung. je lebendiger die bedeutung des objects zum ausdruck kommt, um so mehr drückt sie auf die des verbums und umgekehrt. daher ist es gerade die stark angeschwollene gruppe der verbindungen mit verblaszten pronominalformen und mit ähnlichen bedeutungsschwachen objecten, die dem verbum kraft und energie der bedeutung erhält. am stärksten wird diese beim absoluten gebrauch, dem auch durch abstreifung der bedeutungsleeren objecte viele wendungen zuwachsen.
die festen verbindungen und formeln, die im neueren gebrauch sich vor allem mehren, bedingen auch in der kategorie des subjects, in der schon der mittelhochdeutsche stil manche sächlichen nomina eingebürgert hatte, ein vordringen der sachbegriffe und der abstracta, entsprechende neuerungen werden am besten bei der einzelnen fügung vermerkt.

[Bd. 6, Sp. 5983]



1) altes und neues an den verbindungen, die einen gegenspieler kennzeichnen:
a) die losere form der angliederung durch präpositionen hatte schon in der mittelhochdeutschen dichtung bei an gewinnen und ab gewinnen (vgl. oben sp. 5936) zu formelhaften bildungen geführt, die die präposition vom persönlichen dativ abziehen und mit dem verbum verschmelzen. der neuere stil übernimmt die überlieferten formen, die er theils umformt theils weiterbildet. vor allem aber entwickelt er neue wendungen, die sich besonderer beliebtheit erfreuen. für alle entsprechende gebrauchsformen ist die vorstellung eines kampfes unverkennbar die grundlage, die auch bei der verblaszten wendung immer wieder durchschlägt.
α) umformung oder weiterbildung des überlieferten.
1)) eigenartig ist der gang bei der verbindung mit an, die im 15. und 16. jahrh. für die überlieferte formel einen gesteigerten verbrauch in allen abstufungen der bedeutung erkennen läszt, der später rasch unterbunden wird. andererseits mehren sich gerade im neueren stil wendungen, die die präposition wieder in loser stellung zum verbum und in engster verbindung mit dem persönlichen dativ zeigen.
a)) die präposition in engster verbindung mit dem verbum:
α)) Schawenburg in der Mortenawe, ein gut veste schloss, wart dem stamme von Schawenburg angewonnen von graff Hansen von Eberstein. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. 29. dazu vgl. Luther 4 Mos. 21, 26 (land angewinnen); 2 chron. 13, 19 (stede); Alberus 87b (die schlacht); Stumpf 1, 32a (veldstreit); fastnachtspiele 274, 20 (einen rank); ebenso 335, 13; 385, 3; weisth. 1, 831 (den halm); recht angewinnen s. oben sp. 5959; vertrug sein pferd in dem scharmützeln, daʒ er dovon must vallen, und sie gewunnen uns das pferd an. d. städtechron. (Nürnberg) 2, 66;

ich weisz ein wipp uff miner wann,
die wel ich zu hilff how ...
sich, wie wulde ich unmer basz
eme gewinnen an sin lipp
dan durch das selbe bose wipp? Alsfelder passionsspiel 678 Grein;

wie nun das ehrliche jungfrewlein zum brunnen kompt, sihet es sich nicht lang umb, unnd helt kein stenderling, gewint auch niemand rede an, sondern schöpfft jren krug vol ... Matthesius (hochzeitspred. 3) 2, 55 Loesche; ebenso Keisersberg brösaml. 56c (den mund); Ayrer procesz. jur. 1, 15 (rechtfertigung); uno te vicimus. wir habends dir in einem vorgethon, wir habend dirs umb eins angwunnen. Frisius dict. (1556) 1382b;

ein ieder pur, der lesen kan,
der gwünt's eim schlechten pfaffen an.
Niklaus Manuel vom papst u. s. priesterschaft 272 Bächtold;

und mit beziehung auf unpersönliches subject:

man gab mir gelt und fullt mich voll.
dann ich mss vil wins trunken han,
sechs mass gewinnend mir nit vil an. 272;

pflöcker und klötze, denen ... andere waffen nicht angewinnen können ... (mit pulver) von einander sprengen. Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. (3, 1) 3, 65. vgl. dazu Fischart glückhaft schiff 637 (wie solt ... die sonn ... etwas angewinnen).
β)) die bedeutungsleeren objecte haben hier schon früh (sp. 5937) zum absoluten gebrauch übergeführt, der die verbindung am längsten hält: denn der teufel hat sich bisher so lang gebissen, mit der schrifft, und dem wort, aber noch nie können jm abgewinnen noch umbstossen .., so gehet er dir nicht richtig unter augen, zappeln mag redich machen, gewinnet dir aber nicht an. Luther (1 Corinth. 15. aus-gelegt 1534) 6, 215a Jena; ebenso (nicht) 2, 408b; 3, 430b; desgleichen (ohne negationspartikel) 4, 181b; briefe 4, 316; 1 kön. 20, 13; Alberus 76b; fastnachtspiele 356, 3; Schmelzel verlorne sohn 11a; Opitz psalm 147, 2; Werder Ariost 11, 7; A. Buchner trostschr. (Wittenberg 1644) 32.
γ)) das pronominalobject, das der negationspartikel (nicht) eigentlich zugrunde liegt, wird bei Wieland vorübergehend wieder aufgefrischt:

ein herz, dem königssöhne nichts angewonnen hatten,
war nicht gemacht zu negern oder mulatten
unrühmlich überzugehn. (der neue Amadis) 4, 133.


b)) sonst begünstigt der neuere stil die lockerung der präposition vom verbum bei engerer verbindung mit dem

[Bd. 6, Sp. 5984]


pronominalen dativ. diese fügeweise wird von einzelnen wendungen gefördert, die sich im rahmen einer anderen bedeutung (gewinnen: erlangen, erreichen, davon tragen) entwickelt haben:

du gewinnest nummer ein gut wipp an mer,
dar zu wel ich nummer gefolgen dir. Alsfelder passionsspiel 783 Grein.

ei wie hübsch hat mich denn die welt sampt dem teufel geteuscht ... wie gros hat sie an mir gewonnen? wie grossen schaden hat sie mir gethan? Luther (das man die kinder zur schulen ...) 5, 176a Jena;

was du an uns gewonnen hast
damit die schu thue schmieren. lied v. d. belagerung v. Leipzig (1543) str. 23 Soltau u. Hildebrand (was er daran gewonnen hat Hortleder 2, 407a).

je mehr er sah, dasz die verfolger an ihm gewannen (ihm näher kamen). Fr. Gerstäcker der flatbootmann 152. es scheint, dasz die verbindung, wenn sie sich auf diese bedeutung stützte, der entwicklung zum compositum stärkern widerstand leistete. so blieb eine form erhalten, die auch für den begriff des überwindens in die lücke trat, als dort die alte formel abkam: ein obrister ... welcher einen schönen ehrbaren knaben .., mit gewalt seinem willen unterwerffen wollen, weil er zuvor etliche mahl mit güte an ihm nichts gewinnen können. Adam Olearius persian. reisebeschreibung (5, 15) 311b; ähnlich pers. rosenthal (4, 4) 60b;

wolan, versetzt der hirt,
Zeus will; ich musz mich schon ergeben;
man sagt uns, dasz durch widerstreben
nicht viel an ihm gewonnen wird.
Wieland (komische erzähl., urtheil des Paris) 10, 164;

man kan nichts an ihm gewinnen, er läst sich nicht gewinnen, he is not to be prevailed upon; one cannot prevail with him; he would not yield or condescend ... teutsch-engl. lex. 2 (1716) 773; dazu vgl. (falls nicht wiederbelebung älterer wendungen vorliegt):

denn satan trug gar fein gebär,
und stellte sich gewaltig an,
als ob ihm nun und nimmermehr
kein andrer was gewönne an.
E. M. Arndt (Sankt Christoph) ged. 309.


2)) dem gegenüber ist abgewinnen noch heute ein viel verwendetes compositum, freilich mit einem gegen früher (vgl. theil 1, sp. 48 f.) völlig veränderten gebrauch.
a)) hier ist der absolute gebrauch anfangs bevorzugt:

das du so emssig thst begern
deins nebenmenschen gt und hab,
im understast z gwinnen ab
und weist, das gott verbieten tht.
J. Wickram (treue Eckart) 5, 99 Bolte;

wie denn viel scribenten einen spieler Leonem Mytilenum kennen, der in dem würffelspiele dermassen glücklich gewest, dasz ihme niemand habe abgewinnen können. Praetorius gazaph. 39; ähnlich schon Luther 3, 484 (wer kan diesem geiste abgewinnen?); 5, 111b. 512b; 8, 189a; Opitz 2, 176; Lokman fabeln 21; Günther, Schirmer, Lessing.
pronominalformen als object erscheinen hier wie eine secundäre neuerung, vgl.: 'brüstet euch mit eurem triumph. ihr habt mirs abgewonnen!' 'freilich es kann einen stolz machen, über einen so fürchterlichen gegner gesiegt zu haben.' Schiller (parasit 3, 2) 14, 227; ebenso (Piccol. 2, 3) 12, 100 Göthe 1, 216.
b)) die verbindung mit einem sächlichen object, die für die sinnliche bedeutung noch heute in der beziehung auf das spiel fortlebt (gewannen ihnen das geld wieder ab. Grimmelshausen Simpliciss. 151 u. a. vgl. Henisch, Stieler, Steinbach, Frisch), hatte früh einige übertragene wendungen entwickelt, die sich später in anderen formen verloren: da gewann der Leimlin das urteil Hansen Kentzelmann ab. d. städtechron. 23, 69. vgl.: die gewere abgewinnen. sp. 5959; da ruckten wir zu ihnen, und gewahnen ihnen bescheid ab, wer sie wären. Götz v. Berlichingen lebensbeschr. (3, 2) Bieling. vgl. auch Lessing 21, 323.
α)) gewan in das feld ab. S. Franck weltbuch 224b; ein dicker nebel ... dasz ich ihm mit meiner bergansteigenden heerde das feld nicht abgewinnen und keine sonn erreichen konnte. Bräker der arme mann im Tockenburg 30 Bülow. vgl. unten das feld gewinnen (2, b);

[Bd. 6, Sp. 5985]



β))

wenn ein solcher mensch,
von solcher herkunft, einem mann wie du
den vorsprung abgewönne.
Wieland, übers. v. Horazens briefen (1, 6 tibi sit potius) 1, 110;

ähnlich Göthe 16, 95 (den schritt) vgl. sp. 6009/10.
c)) dagegen wird der neuere gebrauch von verbindungen beherrscht, wie sie vor allem Göthe belegen läszt: einer erzählung ihren charakter abgewinnen. 19, 182; (vgl.: der Klingsteinfelsen ward bestiegen ... und von der weiten ... aussicht der charakter gewonnen. [annalen 1806] 31, 268); ein geheimnisz abgewinnen (13, 146); wird er sogar ... dem unzugänglichen etwas abgewinnen können, wie wohl ... nur bis zu einem gewissen grade beizukommen ist. zu Eckermann (gespräche 6, 95 Biedermann). auch ältere wendungen werden von ihm aufgefrischt: hatte man dieser ungewohnten speise erst einigen geschmack abgewonnen. (tag- u. jahreshefte 1805) 31, 223. vgl. dazu oben sp. 3927. vgl. auch: er (der Franzose) springt von dem wetter auf die mode, von der mode auf das herz ... gewinnt jedem dinge die interessante seite ab. Heinr. v. Kleist br. 5, 25 Minde-Pouet. dazu vgl. aus dem neuesten stil (mit unpersönlichem subject): alles gewann mir ein interesse ab und selbst der blick in den alkoven konnte mich nicht umstimmen. Fontane v. zwanzig bis dreiszig 115.
β) wendungen, die dem neueren stil entspringen.
1)) voran steht hier die präposition über, die in der älteren sprache nur das grundwort differenziert hatte (s. überwinnen und überwinden) und nunmehr auch an das compositum herantritt, dem sie damit ein neues verwendungsgebiet erschlieszt. die belege reichen nicht über das 18. jahrh. zurück:
a)) die voraussetzungen, unter denen sich die entwicklung vollzog, lassen sich schon in einem älteren belege für das alterthümliche ob fassen und für die beurtheilung der andern verbindungen verwerthen:

ein bse botschafft wurd gesant,
eim hertzogen in Mayland.
wie das der Geneser leüt,
ob jm gewunnen grosse peüt.
J. v. Schwartzenberg teutsch Cicero (memorial d. tugend 112b);

und ihr traut euch zu
blosz einer frau zu lieb' mit sechs und zwanzig rittern
es aufzunehmen; sollt euch wohl, den dank
des turneis zu gewinnen über uns
ein leichtes sein?
Wieland (Geron) 18, 47;

als der feind schon anfing, terrain (land) über uns zu gewinnen. K. W. Kolbe beleucht. einiger urtheile über sprachreinheit (1818), 26 s. Sanders 3, 1620a; und so, indem man einen gleichen schritt hält, drängt man sich an ihnen auf dem schmalen wege vorbei, und gewinnt über solche ganze reihen den vortheil. Göthe (briefe aus der Schweiz 16, 300; das mitleid gewinnt doch endlich über die spottsucht die oberhand. K. Ph. Moritz Anton Reiser (2) 173 Geiger; ebenso Auerbach neues leben 3, 307;

wenn die blicke zungen wären,
hätten sie dir längst erzehlt:
was dein wesen, kluges kind,
über mich vor macht gewinnt.
Joh. Chr. Günther ged.2 252;

das gute sollte übermacht gewinnen über das böse durch alle edle streiter, durch jeden treflichen kämpfer aus dem menschengeschlechte. Herder (briefe d. stud. d. theol. betr.) 10, 199; ebenso (v. einflusz der regierung) 9, 384; wild über die gewalt so sie über mich gewonnen ... werf ich mich aufs bette. S. v. La Roche frl. v. Sternheim (1) 111 Ridderhoff.
b)) je mehr das object an bedeutung einbüszte, um so rascher geht die entwicklung zur formel voran: ich glaube auch, dasz es sehr unvorsichtig ist, wider seinen feind satiren zu schreiben ... unser feind gewinnt zu viel über uns. er darf nur sagen, dasz wir von ihm beleidigt sind, und dasz wir als feinde schreiben: so hat er seine fehler vertheidigt, und kann ganz ruhig lasterhaft bleiben. Rabener (vom miszbrauch der satire) satiren 12, 11; diese absicht gelang ihnen, und man musz gestehen, dasz sie dadurch schon ein groszes über ihn gewonnen hatten. Wieland (Agathon 12, 3) 3, 77; da es hingegen in keines mannes gewalt stehe, mehr über sie zu gewinnen, als sie ihm freiwillig einzuräumen geneigt sei. (Aristipp 1, 13) 33, 143;

[Bd. 6, Sp. 5986]


nicht, dasz beim kommen oder scheiden
das herz ihr höher schlug; ihn nicht mit fleisz zu meiden
war wohl das höchste, was er über sie gewann. Oberon (4, 44) 22, 168;

heute, mein freund, heute wird sie in der hofcomödie dem blick des fürsten zum erstenmal ausgesetzt ... ich lebe auf, mein freund, der graf von F. zweifelt, das man etwas über den geist des fräuleins gewinnen werde. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 83; Wieland (Peregrinus Proteus 7) 28, 76 (über seine vorgesetzte meinung); Göthe 54, 291 (über die farben). vgl. auch: etwas über einen gewinnen. Schwan 1, 746b; Hilpert 2, 1, 465a.
c)) so drängt auch diese entwicklung zum absoluten gebrauch, der neuerdings durch einführung der pronominalform (es) verschleiert wird:
α)) nicht wahr, es, (das oberste commando) sollte nach der staatsform geformt werden? ist die monarchisch, aristokratisch, demokratisch, so auch das commando. der hat sehr über den soldaten gewonnen der ihm einbilden kann, er wäre zu hause! Hippel (lebensläufe) 4, 241; unter diesem unaufhörlichen geschrei geht das ausblasen und anzünden der kerzen immer fort. man begegne jemanden im haus, auf der treppe, es sei eine gesellschaft im zimmer beisammen, aus einem fenster ans benachbarte, überall sucht man über den andern zu gewinnen, und ihm das licht auszulöschen. Göthe (2. aufenthalt in Rom: Moccoli) 29, 273; diese edlen gestalten (antike gypsabgüsse) waren eine art von heimlichem gegengift, wenn das schwache, falsche, manierirte über mich zu gewinnen drohte. 330; der ausdehnung, d. h. der geographischen verbreitung nach gewann ... die römische über die griechische. Alex. v. Humboldt kosmos 2, 218.
β)) ich beschwor ihn, sich dieses selbstmörderischen verfahrens zu enthalten; ich sprach mit meinem arzte über seinen zustand und gewann es endlich über den unglücklichen, dasz er wenigstens mit gelinderen dingen sich hinhielt. Immermann (memorabilien: Grabbe) 19, 35 Hempel; damals waren die spiele des dichters noch in populärer ehre; schon aber hatte es jetzt ein Fletscher in der gunst des überreizten theaterpublicums über den meister gewonnen. Gervinus Shakespeare 14, 11. genau so 18. 112. früher als diese belege fallen andere zeugnisse, die von einem unpersönlichen subject getragen sind (vgl. auch oben zu Günther 252; Herder 10, 119; Humboldt kosm. 2, 218 und Göthe 29, 330): aber die eifersucht über Spanien gewann es diesmal über diese politische sympathie. Schiller (abfall d. Niederlande 1. einl.) 7, 19; der hasz gegen diesen gewann es sogar einmal über seine angebotene verstellungskunst 95; wie es die grösze des dichters mehr und mehr selbst über die verschlossenen geister gewann. Gervinus Shakespeare 14, 15; ebenso 24, 261; die belebenden freuden der jagd gewannen es wieder über mich. K. v. Holtei 40 jahre 2, 76.
d)) besondere beliebtheit und verbreitung erzielen innerhalb der eben gekennzeichneten formel die wendungen, in denen das subject zugleich auch den gegenspieler stellt:
α)) wo das object aus einem substantivsatze zu ergänzen ist, bedarf hier der ältere stil keines vorauslaufenden pronomens:

und ob sie gleich mit müh kaum über sich gewann,
dem marmorharten jungen mann
in ihren armen nicht empfindung abzuzwingen ...
Wieland (Oberon 11, 60) 23, 238; ebenso (Aristipp 3, 19) 35, 220;

ich habe über mich gewonnen, dich in einigen tagen nicht zu sehen. Göthe (Wilhelm Meisters lehrjahre 1, 16) 18, 96; ebenso (zur naturwissenschaft) 50, 204; ein lausiges ungeheuer! ich könnte über mich gewinnen, es zu prügeln. Schlegel übers. v. Shakespeares sturm 2, 23 (I could find in my heart to beat him); sie zeigte sich kräftiger, als sie vorher gewesen war, nur auf die pflege des freiherrn bedacht, gewann sie über sich, stundenlang neben seinem stuhl zu sitzen. G. Freytag (soll u. haben 6, 1) 5, 273.
β)) anders: ihr müszt das über euch zu gewinnen suchen, tâchez de gagner cela sur vous. Schwan (1783) 1, 746b. vgl. Hilpert 2, 1, 465 (to bring ones self to do a thing); und sollte denn in der weiten welt kein mädchen sein, das die wünsche ihres herzens erfüllte? gewinnen sie's über sich, suchen sie darnach, und ich schwöre ihnen, sie

[Bd. 6, Sp. 5987]


werden sie finden ... gewinnen sie es über sich! eine reise wird sie, musz sie zerstreuen! Göthe (Werther 2. buch) 16, 158; mein vorsatz zu hause zu mahlen ist schwanckend, und doch mögt ich gleich zu anfange etwas über mich gewinnen. (an frau v. Stein 1782) br. 5, 256; ... gegenwärtig gewinnt es prinz Borghese über sich und verehrt diese köstlichen reste dem könig von Neapel. (ital. reise 1) 27, 261; ich habe es nicht über mich gewinnen können in die erste einige veränderungen hineinzuarbeiten. (an Eichstädt 1808) briefe 20, 3; (wahlverwandtschaften 2, 12.) 17, 344; (dicht. u. wahrh. 1) 24, 52; ich wünschte unendlich, dasz sie Griechisch wüszten ... allein ich kann es dennoch nicht über mich gewinnen, nicht die stunden zu bedauern, die sie beim ersten anfang rein verlieren. Wilh. von Humboldt an Schiller (20. 11. 1795) Leitzmann s. 211; er hatte etwas zu sagen gehabt; doch konnte er sich das herz nicht fassen; als er es endlich über sich gewann, sprach er so einfach und so gründlich. Ranke die römischen päpste 12, 155; ... von denjenigen herren, welche es nicht über sich gewinnen können, eine regierungsvorlage ohne eine gewisse werthsverminderung von der tribüne aus ... anzunehmen. Bismarck im reichstag d. nordd. bundes 2. 4. 1868.
γ)) auch an dieser beliebten formel setzen im neueren stil mancherlei neubildungen an. vereinzelt ist hier die neigung zur kürze, wie sie in der unterdrückung der reflexivbestimmung zu tage tritt:

die angst, die angst mir schnürte alle sinnen,
hinan zu treten konnt' ich kaum gewinnen.
A. v. Droste (des arztes vermächtnisz) 2, 259 Kreiten.

dagegen sind erweiterungsformen beliebt: ... haben sie sich wirklich einbilden können, dasz ich das über meinen stolz gewinnen könnte, oder gar über mein herz? Paul Heyse (neue moral. nov.: ein abenteuer) II, 4, s. 258; es erwachte ein groll gegen den man, der so viel macht über ihre seele besasz, und der es doch übers herz gewann, sie so zu quälen. Georg Reicke das grüne huhn (4, 3)2 367. auch die formel macht gewinnen (sp. 5985) dringt nunmehr in den geltungsbereich des reflexivpronomens vor:

nur mühsam über mich gewann ich macht,
von neuem zu dem fremdling aufzuschauen.
Schack (nächte des Orients 2) 1, 25.


2)) in einem gewissen zusammenhang mit dieser formel stehen einige wendungen, die jedoch vereinzelt bleiben und anscheinend auf den sprachgebrauch Goethes beschränkt sind: wenn ihrs könntet auf euch gewinnen, und mir mehr schriebt, oder nur manchmal, ohne antwort, glaubt dass mirs ewig werth ist ... Göthe (an Kestner 28. sept. 1777) briefe 3, 179 Weimar; und ob ich gleich mich sonst gern alles dessen bediente, was mir gereicht ward, so konnte ich es doch nicht von mir gewinnen, mich derselben (der durch Klopstock vermittelten nordischen mythologie) zu bedienen, und zwar aus folgenden ursachen. (dicht. u. wahrh. 12) 26, 143;
3)) andere bedeutungsrichtungen fallen für diese und ähnliche präpositionalverbindungen nur wenig ins gewicht:
a)) von einem im spiele gewinnen. Campe 2, 364b; Hilpert 2, 1, 464c.
b)) er verlor allemal gegen J .., sobald es auf witz und lebhaftigkeit ankam, aber er gewann immer gegen ihn, sobald es darauf ankam, die eigentliche kraft des denkens an irgend einem gegenstande zu üben. K. Ph. Moritz Anton Reiser (2) 137; ebenso 253;

gewinnen gegen dich
die philologen,
das hilft uns alles nichts:
wir sind betrogen.
Göthe (Kestners agape) 5, 70 Weimar.

die ... sind am besten dran und gewinnen meistens den vorsprung vor denen, welche forderungen einer höheren bildung an sich und andere machen. an J. J. Willemer 5. 12. 1808.
c)) der schulmeister hatte hier wieder gelegenheit, seine stärke in der latinität zu zeigen, indem er den anschlagbogen ins deutsche übersetzte; und so hatte Reiser schon viel bei ihm gewonnen. Moritz Anton Reiser (4) 355 Geiger.
b) der gegenspieler als object der verbalthätigkeit.

[Bd. 6, Sp. 5988]



α) für den erfolg im kampfe (das spiel kommt bei der verbindung mit persönlichem object nicht in betracht) sind nur aus der älteren schicht belege beizubringen, die deutlich auf einen austrag mit waffen zielen. dagegen mehren sich im neueren stil die abgeleiteten wendungen, denen bei der metaphorischen vielseitigkeit des kampfbegriffes die vorliebe zu gute kommt, mit der der neuere stil den begriff der besitznahme durch die beziehung auf kampf und streit auffrischt. vor allem gilt dies für das verhältnisz der geschlechter, das im neueren sprachgebrauch immer mehr unter dem bilde eines kampfes erfaszt wird.
1)) gewinnen in den alten bedeutungen von überwinden und gefangen nehmen.
a)) gewinnen, überwinden.
α)) im kampfe der waffen: mich dunckt, er habe vil mer volcks dunn wir, darumm er uns wol gewunnen mag. Haimonskinder 150 Bachmann; nun hett hertzog Ludwig ain wagenpurg, darinn er sich vergraben und verheget hett so stark, dasz in niemant gewinnen mocht. B. Zink, s. d. städtechron. 5, 244; czum dritten wil ich mich ouch weren mit dem kurtzen degen, damit mann die kirisser gewinnet, szo man nien sust weder mit spiesz noch schwert beikommen mag. Emser gegen Luther (neudrucke 83) 12; nun weiszt üwer wisheit für das erst wol, was der fromm brder Claus von Underwalden ernstlich geredt hat von einer eidgnoszschaft wegen: dasz die kein herr noch gwalt gwünnen mög denn der eigen nut. Zwingli (vermahnung an die eidgenossen) II, 2, 315. dazu vgl. mit unpersönlichem subject:

sunst ist kein kling auff erden,
die den trachen gwinnen kan (var. gewinnen; afwinnen mit dativ).