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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewinnantheil bis gewinnbringend (Bd. 6, Sp. 5920 bis 5922)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnantheil, m. , jüngere zusammensetzung (vgl. das spät aufkommende zweite wort, s. antheil theil 1 sp. 497) mit engerer und weiterer bedeutung.
1) am frühesten belegt ist die engere beziehung auf das spiel, dessen erträgnisse oder gewinne mehreren theilnehmern zuflieszen: (der neue minister habe) auch ein verzeichnisz der sogenannten croupiers hinzugefügt, welche ihren

[Bd. 6, Sp. 5921]


namen von dem gewinnantheile (croupe) führten, den ihnen die generalpächter auszuzahlen angewiesen waren. Dahlmann franz. revol. 35; der vater des kleinen Moses, aufgeregt von der erwartung seines gewinnantheils (aus einem lose) verwies die neugier. K. Gutzkow aus der knabenzeit s. 227.
2) allgemeiner wird das compositum auf den erwerb und geschäftsverkehr bezogen.
a) an die engere fassung erinnert noch der gebrauch bei Mundt, der erwerbsformen im auge hat, die mit keiner einlage rechnen. hier tritt das substantiv in einen gegensatz zu der umfassenderen formel auf gewinn und verlust: es beginnt nämlich die mode schon allgemeiner zu werden, dasz sich die bedeutendsten schauspieler und schauspielerinnen nicht mehr an einem bestimmten theater fest und auf längere zeit engagiren lassen, sondern sie ziehen es vor, in ein verhältnisz zu den theater-autoren zu treten und von diesen bestimmte rollen in ihren stücken auf gewinn-antheil an den aufführungen zu übernehmen. Th. Mundt Paris u. Louis Napoleon 1, 200; diese Lorette ... hat die table d'hôte ... zum schauplatz ihrer thaten bestimmt und verfährt dabei ... im einverständnisz mit der besitzerin des hotels, mit der sie vielleicht auf gewinnantheil arbeitet. 2, 21.
b) der allgemeine sprachgebrauch hat den normalen geschäftsverkehr im auge: volkswirthschaftlich löst sich der ertrag auch in die lohnantheilssumme und in den gewinnantheil. Thiel 4, 429b; bei der verwaltung der bank ist der staat ... in vier verschiedenen eigenschaften betheiligt. einmal in der eigenschaft eines socius, in welcher er nach der bankordnung den ihm zustehenden gewinnantheil aus dem reinertrage der bank bezieht, wobei ich bemerke, dasz dieser gewinnantheil nicht nur als ein aequivalent des vom staate geleisteten einschusses ... zu betrachten ist, ... sondern dasz dieser gewinn auch eine entschädigung für die bedeutenden fiscalischen rechte bildet, mit welchen der staat die bank ausgestattet hat. Bismarck in der 2. kammer 1851; bestehen jedoch die früchte in der vergütung für die überlassung des gebrauchs oder des fruchtgenusses, in zinsen, gewinnantheilen, oder anderen regelmäszig wiederkehrenden erträgen. bürgerl. gesetzb. § 101; zinsen, renten, dividenden, gewinnantheile, auch aus bergwerkskuxen. preusz. formular einer steuerklärung (1908).
3) daran knüpfen weitere zusammensetzungen: ist ein zins-, renten- oder gewinnantheilschein abhanden gekommen oder vernichtet ... bürgerl. gesetzbuch § 804. vgl. auch § 1818 u. a.; die vorschriften des abs. 1 finden auf zins-, renten- und gewinnantheilscheine sowie auf die auf sicht zahlbaren schuldverschreibungen keine anwendung. preusz. ges. von 1899, s. gesetzs. s. 188.
 
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gewinnanschlag, m., zur formel gewinn und verlust gehörig (vgl. sp. 5880): man hat also kauff- pacht- bau- ... handwercks- gewinn- und verlust-anschläge von allerhand gewerben, manufacturen, fabriquen, und in der kauffmannschafft. Chomel 1, 461.
 
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gewinnartig, adjectiv: wir reden hier nicht von solchen spielen, welche umb lust, oder gar umb geringes gelt ... geübet ... sondern von gewinnartigen hohen geltspielen. Harsdörfer lust- u. lehrreiche geschichten (52 die glückseligen spieler) 183; wiederholt von Prätorius gazaphyl. gaudium 30.
 
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gewinnaussicht, f.: sie ... wuszte die gewinnaussichten aller pferde für die hauptrennen. G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 76.
 
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gewinnbar, adjectiv: gewinnbar, that may be won or gained, gainable. Hilpert II, 1, 464c; wie weit immer die aussichten seien, die dem überraschten blick des sprachforschers das sanskrit eröffnet, wie zutreffend eine menge der aus ihm gewonnenen und gewinnbaren etymologien. J. Grimm vorwort zu theil 1 s. 47; schnell gewinnbar, wie alle liebebedürftigen naturen, verbarg er es ihr nicht, wie wohl er sich ... neben ihr befinde. Fanny Lewald wandlungen 3, 205 s. Sanders 3, 1619c;
 
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gewinnbarkeit, f.: die gewinnbarkeit einer masse wird abhängig sein von deren härte, zusammenhalt, elastizität. Fr. Rziha lehrb. der ges. tunnelbaukunst 1, 1.

[Bd. 6, Sp. 5922]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewinnbegierde, f., weit später beobachtet als das entsprechende adjectiv, (vgl. unter gewinnbegierig): die gewinnbegierde, habsucht, la passion d'aquérir du bien. Schwan (1783) 1, 745b; gewinnbegierde s. gewinnsucht. Hilpert II, 1, 464b; vgl. auch Campe 2, 364a (gewinnbegierde ... der höchste grad derselben ist die gewinnsucht); hier musz etwas ernsthaftes vorgegangen sein, da es wichtig genug ist, die gewöhnliche gewinnbegierde dieser leute zu unterdrücken. Sophie von La Roche frl. v. Sternheim (2) 247 Ridderhoff; die durch die concurrenz der käufer entstehende natürliche preiserhöhung des holzes ... ist für den staat mit weit wenigern nachtheilen verbunden, als der unwerth, welcher dem holze ... durch die wucherliche gewinnbegierde der monopolisten und handlungsgesellschaften zugezogen wird. J. A. Schlettwein die wichtigste angelegenheit für das ganze publicum 1 (1772), 62.
 
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gewinnbegierig, vereinzelt gewinns-begierig u. a., adj., vgl. das vorhergehende: lucrio, ein gewinnsüchtiger, gewinnbegieriger. Dasypodius S 8c; ebenso Seranus O 3b; ähnlich A. Reyher theat. rom. teut. 2, 4176; gewünnen begierig, der etwas um gwüns willen thut, quaestuarius. Maaler 180b; avidus lucri, gewinnsbegierig. Garth-König 67a; ebenso Dentzler 413a; lucripeta, gewinnbegierig. König 674b; gewinnbegierig, gewinnbringend, lucrativus. Kirsch 2, 151b; ebenso Matthiae 2, 181a; gewinnbegierig, begierig nach gewinn, begierig zu gewinnen. Campe 2, 364a.
 
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gewinnbetheiligung, f.: gewinnbetheiligung. Thiel 4, 430a; einen einfluszreichen posten in der ... kommerzbank und eine glänzende gewinnbetheiligung. Stilgebauer börsenkönig 217.
 
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gewinnbrief, m., vgl. gewinn sp. 5880: antrittsgelder (annahmegelder, laudemien, weinkauf etc.), können nur in sofern und in dem maasze gefordert werden, als sie dem berechtigten schon vor bekanntmachung der fremden gesetze zukamen ... doch fällt bei dergleichen nunmehr zu eigenthumsrechten erworbenen gütern die früher übliche ertheilung und annahme besonderer gewinnbriefe fort. preusz. ges. v. 1825, s. gesetzs. s. 81.
 
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gewinnbringend, adj. (vgl. gewinn bringen sp. 5910): lucrificus, gewinnbringend. König 674b; quaestuosus, gewinnsam, gewinnbringend, gewerbhaftig. Dentzler 640b; gewinnbringend, lucrativus, quaestuosus, lucrosus, compendiosus. Aler 1, 936b (die wohlredenheit ist gewinn bringend. 937a); ähnlich Kirsch, Matthiae (s. unter gewinnbegierig); desgl. Hederich 1, 1424 (gewinnbringendes jahr — kaufmannschaft — schaden); gewinnbringend, gewinnsam, einträglich, gewinzaam. Kramer 2, 97b; gewinnbringend, lucratif, profitable, avantageux. Schwan 1, 746a; gewinnbringend, yielding or bringing profit or gain, profitable, lucrative. Hilpert ii, 1 s. 464c.
1) in beziehung auf erwerb und geschäftsverkehr: wie können künste sich heben, wo der ackerbau danieder liegt? wo die erste quelle des reichthums, der unabhängige, gewinn-bringende fleisz der menschen, und mit ihm alle bäche des handels und freien gewerbes versiegt ... waren? Herder ideen (18, 6) 4 (1791), 196; ein kaufmann ist gewohnt, sein geld vornehmlich zu gewinnbringenden unternehmungen ... anzuwenden (to employ his money chiefly in profitable projects). Garve übers. des Adam Smith (3, 4) 22, 234; aber diese summe ist dennoch von zu groszem werthe, als dasz sie müszig liegen bleiben sollte. sie wird also auszer landes versandt werden, dort eine gewinnbringende anwendung zu suchen, die sie innerhalb desselben nicht finden kann (profitable employment 2, 2) 22, 35; jeder zweig der menschlichen betriebsamkeit, und jede form, in welcher sich die menschliche thätigkeit äuszern mag, mag zwar im allgemeinen betrachtet, unter gewissen besonderen verhältnissen, gewinnbringend werden können. Lotz revis. d. grundbegriffe (§ 253) 3, 398; und das dasein für einen gewinnbringenden jahrmarkt erachten. Kautzsch übers. v. weish. Salom. 15, 12 (geben für, man müsse allenthalben gewinn suchen. Luther, compositam ad lucrum); und dass überall hin ... von Arabern oder deren anhängern elephanten- und menschenjäger ausgeschickt worden sind, um gewinnbringende waare zu erbeuten. graf v. Götzen durch Afrika (1895) 146.

[Bd. 6, Sp. 5923]



2) übertragen: sein (des constitutionnels) kampf gegen die jesuiten, gegen den klerus, gegen die restauration in allen ihren verzweigungen, selbst in den romantischen des dramas, war einst eben so glorreich, wie gewinnbringend. Karl Gutzkow briefe aus Paris (7) 2 (1842), 173; ihrem tiefen bedürfnisse nach moquerie und klatsch ... suchte sie durch ein briefliches geplauder mit dem prinzen zu hilfe zu kommen, der, ein feinschmecker auf dem gebiete der chronique scandaleuse, nicht müde wurde, sie zur fortsetzung einer beiden teilen gleich gewinnbringenden korrespondenz zu ermutigen. Fontane (vor dem sturm) I, 1, 169.

 

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