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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewildthal bis gewillfahren (Bd. 6, Sp. 5818 bis 5825)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewildthal, n.: dise insel (Rhodis) ist fast köstlich un pürgig mit gwild talen überflüssig, auch wa man über mör will, msʒ man bei Rhodis zlenden. Sebast. Frank weltb. (1, 1) (1534) 18a.
 
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gewille I, gewil, n., ältere form zu gewelle s. d., vgl. sp. 5463.
 
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gewille II, m., verstärkte form zu wille s. d., nur in niederdeutschen quellen und verwandten auszerdeutschen zeugnissen belegt: rechte unde redeliken mit erueloue gewillen. (Hallisches schöppenb. 14. jahrh.) Schiller-Lübben

[Bd. 6, Sp. 5819]


2. 105a; vgl. gewil, gewill ... voluntas, arbitrium, votum. Bosworth-Toller 467b; gewille Verwijs-Verdam 2, 1909.
 
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gewillen I, gewellen, verstärktes wellen, willen (in den flexionsformen mit i): so der haizze faum sich in den luft gewillet untz daz er zu wolchen wirt. Lucidarius 14. jahrh. Diefenbach-Wülcker 619.
 
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gewillen II, verb. , verstärkte form des vom stamme will (wollen) abgeleiteten verbums, das althochd. als willeon, willon (Graff 1, 829), mhd. als willen (mhd. wb. 3, 664b) viel beobachtet ist und zum theil noch heute in der isolierten form des particips vorliegt (s. gewillt). die belege für gewillen sind ganz spärlich.
1) aus der älteren sprache: nube ih temo solti gewillôn, der iz lite, mit enes ingeltedo. Notker (Boethius) s. 3, 187a Hattemer;

daz her des menschen arbeit
an uch tuvelen gestillete,
sinen vater gewillete.
Heinrich v. Hesler apokalypse 16003 Helm.


2) aus dem älteren kanzleistil ist ein zeugnis beizubringen, das auf einen ausgedehnteren verwendungskreis des verbums schlieszen läszt: damals hat der ... marggraf Casimir ... dem bischof von Wurzburg geschriben und sich erbotten, so es ime gewilt, dieselben seine abfelligen undertanen im Biberter grund zu strafen. Thomas Zweifel Rotenburg im bauernkrieg 160 Baumann. als neubildung wäre das folgende zu beurtheilen, wenn es nicht besser als elliptisch gebrauchtes particip aufzufassen ist:

und von demuth ganz erfüllet:
mir gescheh', wie gott gewillet,
mir, der magd des herrn, es komme
der erlöser! sprachst du fromme.
Cl. Brentano (die zigeunerin) 1, 175.


 
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gewillig, adj. , verstärktes willig (s. d.).
1) abgrenzung gegen willig.
a) die energie der partikel ist in unserer zusammensetzung mit willig theils verdeckt, theils abgeschwächt; deutlicher spricht sie sich in der gotischen bildung gaviljs aus. die hiefür übermittelten belege lassen das moment der übereinstimmung voll zur geltung kommen, nicht nur da, wo es sich allgemein um das zusammentreffen mehrerer personen in einer willensmeinung handelt, sondern auch da, wo im besondern das ziel der willensrichtung angegeben ist: ei gaviljai ainamma munþa hauchjaiþ guþ. Ulfilas Römer 15, 6 (daz ir ainhellig und mit aim mund eret got. cod. Tepl.; einmtiglich, mit einem munde. Luther); jasso gavilja ist bauan miþ imma. 1 Kor. 7, 12 (dise gehillt ze wonen mit im. cod. Tepl.; lesset es jr gefallen. Luther).
b) in der althochd. substantivbildung gawilligî (Graff 1, 828) wird der bedeutungsinhalt des grundwortes durch das präfix nicht verändert: mit upilero giwillegi, perversa voluntate. eher lassen sich bei den formen des adjectivs unterschiede erkennen. während die lat. parallelen für willig mehr an der grundbedeutung festhalten (voluntarius, volens), zeigen die buchungen für das compositum eine weiterentwicklung auf dem wege, den das präfix andeutet: gewillig, pronus, paratus, intentus (vgl. jedoch auch willig, devotus). die tragweite dieser beobachtung wird freilich eingeengt durch den umstand, dasz das compositum nur aus den glossen belegt ist, während die grundform auch litterarisch bezeugt ist. beachtung verdient auch, dasz es vor allem die adverbialform ist, die das präfix an sich zieht: prona (clementia) giwiligiu. Emmeraner glossen des 11. jahrh. zu Prudentius Steinmeyer-Sievers 2, 421; paratius, giwilligo. ebenda 2, 442; libentius, giwilligor. Freisinger glossen des 9. jahrh. zu Gregors cura past. (3, 16 var. liberius: exhortationis verba recipiunt) 2, 170; intente, giwilligo. glossen zur bibel (2. paral. 6, 40 aures intentae sint ad orationem). ebenda 1, 807.
c) in der mittelhochdeutschen dichtung tritt die zusammengesetzte form gänzlich gegen das grundwort zurück (anders bei gewilliglich), vgl. mhd. wb. 3, 664a. Lexer 1, 991 gegen 3, 889. neue belege für gewillig tauchen erst in der urkundensprache und im geistlichen stil der mystiker auf, je mit festen verbindungen, die aber auch schon beim grundwort zu beobachten sind. auch die angaben der wörterbücher, die vom ende des 16. jahrh. ab vereinzelt unsere form belegen, entfernen sich nicht von dem bedeutungskreise des einfachen wortes. dagegen scheint der gebrauch landschaftliche merkmale zu tragen; er ist im niederl. und niederdeutschen belegt, wo erjedenfalls für die ältere

[Bd. 6, Sp. 5820]


spracheeine steigerung der bedeutung kennzeichnet. andererseits überwiegen belege aus dem Elsasz und angrenzenden gegenden für dasjenige compositum, das sich in der bedeutung vom grundwort nicht entfernt.
α) ghe-willigh, willig, libens, vgl. Schiller-Lübben 6, 141a; vgl. auch: ghewillich int gevecht, vurig ijverig. Oudemans 2, 666; gewillich Verwijs u. Verdam 2, 1910 (met ingnomenheid, ijver, animo, liefhebberij handelnde); abgeschwächt erscheint die bedeutung auch im jetzigen niederl. und niederd.: gewillig, die willig ist, is goed te trekken. Harrebomée spreekwoordenboek d. Nederlandsche taal 1, 235b; ähnlich Sicherer u. Akveld 281c; gewillich, voluntarius. friesch woordenboek 1, 455a; gewillig, sehr willig, bereitwillig, freiwillig. ten Doornkaat Koolman 1, 625a.
β) gewillig, willig, libens. Henisch 1599; gewillig, adj. u. adv. willig, dienstfertig. Campe 2, 363b, ebenso Heinsius 2, 436a.
γ) gewillig ... willig, willfährig, dienstbeflissen, geduldig. Martin u. Lienhart 2, 816a.
2) bedeutungsgruppen.
a) verwendungen, die von einer willensbewegung getragen sind; das präfix dient der willensrichtung zum ausdruck.
α) bei den beziehungen zu einer person, bei denen gewillig auf ein dienstverhältnis hindeutet, ist der relative gebrauch meist durch ellipse abgeschwächt.
1)) nur bei der prädicativen verbindung des adjectivs mit dem verbum subst. ist auch ein dativ der person neben den elliptischen fügungen belegt.
a)) nu was Julius ouch ein milter dugethafter man und gap grosse goben von ime: domit schf er, das im alles volg gewillig und holt was. Twinger v. Königshofen d. städtechron. 8, 330;

mit uns kein mensch uff erden hie
dete sölliche posselarbeit ie.
so er uns so gewillig ist,
so braucht mit im kein falschen list.
Th. Murner badenfahrt (6, 58) 8a Ernst Martin;


b)) und uf das die obgenanten drie uf dem pfenningturne in der und in andern der stat sachen, so in dann befolhen ist, dester gewilliger und ernsthaftiger sient, so ist ouch der herren meinung das man inen zm gantzen jore 2 lib. δ an ir zerunge ze str geben soll. Straszb. verordn. des 15. jahrh. Brucker s. 411.
2)) bei anderen syntaktischen formen läszt sich die persönliche zielbestimmung meist aus dem nächsten zusammenhang ergänzen, bei adverbialer angliederung ist sie wol auch ganz abgestreift.
a)) uwer gnaden gewilliger diener und cappelan. Reiner kaplan z. Straszburg (1468) b. Steinhausen privatbriefe 84; uwern fürstlichen gnaden sigent mine arme gewillige dienste und demütiges gebett allezitt bereit. 83.
b)) do meindent die cardinale: die Römer müstent des bobestes und der kirchen sin, also sü sich selber gewilliche hettent an den bobest Bonifacien ergeben. Twinger v. Königshofen. d. städtechron. 9, 603;

bi mir nem bispil jeder man,
das niemans sol sin frouwen lan
in und ouch sin rich regieren
oder sunst gewillig fieren,
bi der nasen umbher ziehen;
all wiber herschafft sol man fliehen!
Th. Murner gäuchmatt (30, 8) 103 Uhl;

nae dem ... de Sassen vormerckeden, dat desulvige flecke sampt de Freesen gewillig in der Geldersche handen gegaen weren. E. Beninga chron. v. Ostfriesland (3, 197) Harkenroht s. 583; vgl.: he gûng gewillîg mit mî hen. ten Doornkaat Koolman 1, 625a.
β) wo die willensrichtung auf ein unpersönliches ziel steuert, bedarf es für dessen kennzeichnung natürlich viel eher eigener ausdrucksmittel, doch halten sich die einschlägigen belege in engem rahmen: und soln in furen in unser chloster und bestatten und in begaen und singen vigilig und saelmess und ander andacht, als wir gewilich sein ze tn unsern prdern und andern, die unsers gotzhaus vreunt sint. österr. urk. v. 1317. urkundenb. d. l. ob d. Enns 5, 197; dess soll ime der meister und gericht zu thun gewillig sein und den dchscherer verbieten, dem, der also schuldig were, zu scheren. Straszb. tuchscherer-ordn. v. 1545 (§ 27) bei Schmoller 171; minne lipliche nattre also gar gewillig z liddende das si gerne hette gelitthen. R. Merswin buch v. d. 9 felsen) 128 Schmidt;

[Bd. 6, Sp. 5821]


der wiber tandt mit irem list
handt mich so adlich z gerist,
das ich z erst gewillig bin,
den gouch zinsʒ gern z geben in.
Th. Murner gäuchmatt (47, 15) 153 Uhl;

damit brachte ich sie dermassen wiederumb in ein glaisʒ, dasʒ sie nit mehr dran gedachte oder doch wenigst nit hoch achtete, wie sie im angesicht ausʒsahe, und dannenhero war sie desto gewilliger in die carede zu sitzen, als der apothecker ankam, uns beide zu gast zu laden. Grimmelshausen Simplicissimus 2, 4, 8 (vogelnest 2, 8) 4, 558 Keller;

doch wenn man nach dem ochsen guckte,
sah man, dasʒ er die achseln zuckte,
und so war man zuletzt gewillig,
die fordrung anzusehn als billig.
Adolf Glaszbrenner neuer Reineke Fuchs (9).


b) wo die bedeutungsenergie des präfixes verblaszt erscheint, ist es individueller, auf landschaftlicher neigung erwachsener gebrauch, der das compositum bevorzugt, so bei Murner; andererseits dient das präfix auch wol als steigerungsmittel, um bedeutungsfärbungen, die schon dem einfachen willig möglich sind, besonders hervorzuheben.
α) und alsʒ du sprichest weiters das in den geistlichen rechten so fil ketzereischer unchristlicher und unnatürlicher gesatz stont die soltestu billichen angezeigt haben, so wer dir doch dest gewilliger gelaupt worden. Th. Murner an den grossmächtigsten ... adel deutscher nation 25 Ernst Voss;

ich trug gewillig dise bsz.
Th. Murner gäuchmatt (1, 104) 21 Uhl;

es sol ein ieder gouch gewillig und richlich alles sin vetterlich gt oder sunst alles, das er vermag den wibern mitdeilen. (5) 36.
β) und wartent der gnoden gottes mit demütiger gewilliger langmütikeit on alles swermütiges verdriessen und belangen. Schürebrand 44 Strauch (stud. z. d. phil. 30, 11):

Hammen, gib dich gewillig darein!
der von Ulm mst du gefangen sein. lied v. Hammen v. Reistett (16. jahrh.) bei
Uhland volksl. 352.


γ) in einigen dieser belege, namentlich denen aus Murner machen sich gegensätze geltend, die sich in den jüngsten verwendungen mehr und mehr verschärfen: der unterschied zwischen unterwerfung des willens unter einen andern und freier hingabe. für die letztere, die heute durch freiwillig gekennzeichnet wird, tritt schon in der sprache der mystiker und später auch bei Murner gewillig im engen anschlusz an begriffe wie armut, arm u. a. ein: als verre als diu sêle dan gevolget hât gote in die wüeste der gotheit, als verre volget der lîcham unserme herren Jesû Kristô in die wüeste gewilliges armuotes. meister Eckhart (11. trakt.) myst. 2, 503 Pfeiffer; das ir deste fruhtberlicher die regele und den orden des lieben herren sante Franciscus ... gehalten künnent mit andehtigeme minnenricheme erwolgende durch alles uwer leben in demütiger gehorsame, in gewilliger armt und in steter luterkeit libes und gemütes. Schürebrand 1 Strauch (stud. z. d. phil. 4). das gleiche 57 (s. 37); twelf gesellen volgheden eme sunder afkeren in ghewilliger armoden. leben d. heil. Franziscus 1, s. Schiller-Lübben 2, 105a; er sol aller vrîest sîn, alsô daʒ er vergeʒʒe sîn selbesheit unde vlieʒe mit alle dem, daʒ er ist, in daʒ gruntlôse abgründe sînes urspringes. daʒ gehœret allen gewilligen armen zuo, die sich habent gesenket in daʒ tal der dêmüetikeit. meister Eckhart (trakt. 2) 2, 393;

die pfaffen und die geistlicheit,
den ist allein das gelt erleit;
ir sach stat nun uffs ewig leben,
und achtent weder gab noch geben,
wie wol ein nisi stat dar neben.
ettlich sindt gewillig arm, —
hi! das ist war, das gott erbarm,
hinderm offen ist es warm!
Th. Murner narrenbeschwörung (82, 46) 247 Spanier.


c) so weitgehende bedeutungsverschiebungen wie sie das niederländische adjectiv in adverbialer function entwickelt (dat weegt gewillig twee pond. Schuermans 155c) erreicht das deutsche nicht, obwol auch hier gerade das adverb so viele belege für das compositum stellt.

[Bd. 6, Sp. 5822]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewilligen, verb. , verstärktes willigen. vgl. Graff 1, 828. mhd. wb. 3, 664. Lexer nachtr. s. 209.
1) das verb ist zunächst mit persönlichem object belegt, vgl. auch gewilligotiu, permulsa. Notker, Marc. Capella;

daʒ beste, daʒ si funden
und des si erdenken kunden,
daʒ zes wirtes êren töhte
und in gewillegen möhte (var. das gewilligen; ch gew.; die vrowe gew.)
die hûsfrowen, diu der salben phlac,
des brâhten si ir für den tac
genuoc und ûʒer mâʒe vil.
Konrad v. Fussesbrunnen kindh. Jesu 2288 Kochendörffer;

aber der graffe gewilliget den konige niergen weder umb bitten noch umb gut, sunder er det St. Thomas lip wider in das aptie closter. der brüder leben prediger ordens ... (1470), s. Germania 18, 377; ghewillighen, verwilligen, reddere voluntarium. Kilian 147a; gewilligen ... gewillig maken, iemand tot zijn dienst bereid vinden. Verwijs-Verdam 2, 1911.
2) im neueren gebrauch tritt diese form der verbindung mit einem persönlichen object ganz zurück. im particip gewilligt (s. d.) lassen sich noch reste davon erkennen, wenn auch freilich die deutung hier manchmal strittig bleibt. bei elliptischem gebrauch läszt sich auch das hülfsverb (sein, haben) nicht immer sicher ergänzen. vgl.: nue wir aber s. g. gar kein hulff zuthun gewilligt, hetten sie uff ecʒliche wege gedocht wie s. f. g. mocht gelt erlangen. Joh. Freiberg Königsbergische chron (neue preusz. prov.-blätter 2 (1846), 431). der verbindung mit persönlichem object steht auch der absolute (intransitive) gebrauch des verbums nahe, das ein unpersönliches object in präpositionalverbindungen zu sich nimmt. eine völlige neuerung bedeutet die angliederung solcher object im accusativ, sie steht in zusammenhang mit einem bedeutungswandel.
a) die angliederung von präpositionalverbindungen, vgl. einwilligen in: in ein absolucion gewilligen. Frankf. urk. v. 1493 bei Diefenbach-Wülcker 619; das dann seinen f. g. mer oder andere gutliche tag mit inen zu suchen und die zeit mit einziehung der auferlegten stewr still steen sölle, sei seinen gnaden auch nit annemlich; wa aber die underthonen das ihenig, so si schuldig und inen auferlegt, bezalen wölle, so dann mug sein gnad wol in andern tag gewilligen und sunst nit. protocoll des tages zu Obergünzburg 1525 bei Baumann s. 82; als er des hertzogen von Braunschweig ankunfft vernommen, ist er jhm entgegen gezogen und hat jhn dahin beredet, dasʒ er von der belagerung für Bergamo ablassen, und mit jhm für Löden ziehen möchte, darin der hertzoog also gewilliget. Bünting Braunschw. chron. 308 Meybaum.
b) die unmittelbare angliederung eines unpersönlichen objectes im acc. vgl. jetzt bewilligen, verwilligen: ich wil si üch gütlich und gerne geben also das min frihe burger von dieser stat, da bi sien, und das gewilligen wollen, ich meinen wol sij sollen üwers willen gehorsam sin. Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 6 vb Urtel;

man hat eüch nie genommen,
was man eüch gewilligt hat,
ewrn könig habt jhr vernommen,
mit wortten und in der that,
der majestätts brieff klare,
ist eüch bestettiget gahr,
es fehlt nicht umb ein hare,
wie er vor gstellt war. hausshaltung deren Böhmen (1619) bei
Soltau 100 deutsche volkslieder s. 455 (nr. 72);

folgendes ist von beiden seiten abermahl ein anstand der waffen auff etliche jahr gewilliget worden. Joh. Micrälius altes Pommerland (1639) 2, 282.
 
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gewilligkeit, f. substantivbildung, die nur in auszerdeutschen dialecten beobachtet ist: gewillicheit, vuer, yver. Oudemans 2, 666; gewillicheit Verwijs-Verdam 2, 1910; gewilligheid. friesch woordenboek 1, 455a.
 
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gewilliglich, gewilliglichen, erweiterung von gewillig, die nur den functionen des adverbiums dient.
1) während gewillig in der mittelhochd. dichtung gar nicht belegt ist, führen die ausläufer derselben die erweiterte form ein: gewilleclîch, gewilleclîche mhd. wb. 3, 664a. Lexer 1, 991 (vgl. auch gewillichlike Verwijs-Verdam 2, 1910; ghewillekliche Oudemans 2, 666). die erweiterung findet sich in allen belegen nur beim adverbium, das sich

[Bd. 6, Sp. 5823]


manchmal alleinstehend, häufiger aber in verbindung mit mehr oder weniger bedeutungsverwandten parallelbestimmungen an verba angliedert. die beispiele reichen in die ältere neuhochdeutsche prosa, vor allem die sprache der mystiker, und streifen auch die bibelübersetzung. die holländische sprache führt die bildung den wörterbüchern nach noch heute fort.
2) die verba, an die sich das wort angliedert, kennzeich nen vorwiegend eine handlung; im engeren rahmen geistlichen stils treten auch verba des duldens und leidens an die stelle.
a) alleinstehend ist das adverb nur bei verbis beobachtet, die eine handlung einführen:

dô si nû hôrte sînen muot,
dô sprach diu reine maget guot
'gemahel, waʒ dû heiʒest mich,
daʒ wil ich tuon gewilleclich.' Alexius (westfälische handschr.) 554 Massmann s. 125b;

swaʒ der künic heiʒet mich,
das wil ich tuon gewilleclich (var. gar wiliglich). Peter v. Staufenberg 960 E. Schröder;

diu meiste menige kan niht singen lernen:
sô solt sie haben einen tugenthaften muot
und solt den êren derʒ gewilleclîchen tuot:
sô bliben sie beidersît vor schanden wol behuot. meisterlieder der Kolmarer handschr. 57, 37 Bartsch 345;

ich teil gewilligkleiche
mein silber und mein gold
ich mach ein man wol reiche
dem ich nu were hold. das deutsche heldenbuch 42, 8 Keller;

er gesigete an vil striten und gap do das rich gewillekliche uf und wart ein münich in eime closter. Königshofen d. städtechron. 8, 401; so zwifelnt ir nút, ich were úch von göttelicher minnen und erbermede vil deste gerner beholfen, und were deste besorgeter von uwern wegen, und üebete mich ouch deste gewilleclicher mit úch. Nicolaus v. Basel 292 Schmidt; wan die erde vruchtiget gewilleclîchen: des êrstin daʒ krût, dar nâch die ehere, dar nâch di volle vrucht in der ehere. Beheims evangelienb. (Marc. 4, 28; ultro, die erd wuochert vergeben. cod. Tepl., Mentel u. a., bringt merer frucht. Augsburger bibel u. a.; bringet von jr selbs. Luther).
b) das adverb in verbindung mit parallelbestimmungen.
α) verbindung von bestimmungen, die sich in der bedeutung ferner stehen. unde die pene han wir an uns gemeinlichen unde giwillinclichen genummen. urk. v. Selz im Unterelsasz v. 1311 in zeitschr. gesch. des Oberrheins 10, 308; dâ dû dîns willen unde dîns wiʒʒens wêrlîche ûʒ gêst, dâ gêht got gewêrlîche unde gewilleclîche în mit sînem wiʒʒene unde liuhtet dâ klârlîche. meister Eckhart pred. 4 bei Pfeiffer myst. 2, 25;

wir süllen zouwen über den plân,
vor uns die megde wol getân,
lûter und dâ bî reine,
enpfân den künec hôchgenant
gewilleclîch mit êren
und vüeren in vür des velses want. Virginal 698, 8 Zupitza (heldenb. 5, 129).

er vuorte unde trug in (den toten)
gewilleclich mit vuoge hin
ze liebe gotte und nüt ze leide
zwölf grosʒe tageweide.
Kunz Kistener die Jacobsbrüder 460 Euling;


β) verbindung von bestimmungen, die sich enger berühren.
1))

wan jewedes dem andern bo(t)
gewilliclichen wider strit
die groeste ere zuo aller zit. von eime getruwen wip ritter 275 bei
Myller 34;

do antwurte in der apgot und sprach: dis loch und das für zerginge niemer, sü findent denne einen man der gewillekliche und unbetwüngenliche in das loch springe ... do kam ein jüngeling genant Martin und sprach, das men in liesse sloffen bi welre frowen er wolte alle naht das jor umb, so wolte er in das loch springen gewillekliche. Twinger v. Königshofen d. städtechron. 8, 323;
2)) gewilliglich und gern.
a)) bei verbis, die eine handlung kennzeichnen: und ist das nuwent von einer unreinen súnde wegen beschehen

[Bd. 6, Sp. 5824]


die ich geton habe, und die súnde das was das ich eime armen manne sine tohter umb vil geltes abekoufte, und die tohter tet es darzuo gewillikliche unde gerne. Nicolaus v. Basel (von 2 fünfzehnjährigen knaben) 87 Schmidt; wanne ich van der gnoden gottes wol bekennede bin das dehein cristonmensche solte sin das er begerende wer das (er) onne liddan fuondan wurda, er solte gewillekliche und gerne wollen ein crucze tragen unze in sin dot. (buch v. d. 5 mannen) 122.
b)) bei verbis, die ein dulden, ein ertragen kennzeichnen: und solte ich ch dis hbet und dis liden unze an den iungesten tag haben, daʒ wil ich ch gewillekliche und gerne durch dinen willen haben. Rulmann Merswin buch v. d. zwei mannen 41 Lauchert; und ist es din wille und din ere vor dime himelschen vatter, so wil ich gewillekliche und gerne alles daʒ liden haben, daʒ du úber mich verhengen wilt. 18; also eht er imme die bekorunge des unglouben abbegenuoman hat, darumbe so meinnet er so welle er gerne und gewillekliche diese unreine bekorunge habban und liddan dem liddende unsers heren zuo eren. Nicolaus v. Basel (buch v. d. 5 mannen) 129 C. Schmidt; das mine nattre gerne und gewillekliche gelitthen hetthe den aller schemmelichest schentlichesten dot den men knde odder mehthte in der cit úrdenken, wer es din wille gesin dieme dode z eren. R. Merswin (buch v. d. 9 felsen) 128 Schmidt (vgl. im gleichen satze für die attributive function gewillig s. d.); gewillecliche und gern z lidende alle strangheit und betwüngnisse des ordens. Schürebrand 14 Strauch (stud. z. d. phil. 13, 3); ach min got und min herre, ich wil noch hte frevliche urlop geben ... allen deme irdenschen gte daʒ ich habende bin, und wil ch gerne und gewillekliche durch dinen willen arm sein. R. Merswin v. d. zwei mannen 6 Lauchert.
3) gewilliglich und fröhlich ist nur in zusammenhang mit passivem dulden belegt: das sú alles gar gewillecliche und frliche littent in vesteme glouben uʒ grosʒer hitziger inbrünstiger minnen. Schürebrand 3 Strauch (stud. z. d. phil. 5, 35); den süllent ir gehorsam sin gewillecliche und fröhliche 16 (14, 8); durch mich froüwen üch und sint fro, wenn üwer lon ist grosʒ in dem himmel. als ob er sprech. ist das ir gedültiglich, gewilliglich und frölich entpfohent die rt miner stroff, denn froüwen üch, wenn üch sol nochvolgen grosser lon im ewigen leben. Geiler v. Keisersberg christenlich bilger (1512) 74c (entpfân hier mit anderer bedeutung als in Virg. 698 s. o.).
 
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gewilligt , participiales adjectiv mit mancherlei anlehnungen.
1) von gewilligen (s. o.) und zwar von dessen verbindung mit einem persönlichen object zweigt ein in der kanzleisprache beliebter gebrauch ab: denn ich und sonst meines versehens, hundert vom adel ... euch redlich zu halten und gegen euern widerwärtigen vor gefahr schützen wollen ... das alles hab ich euch, als dem ich mit unbekannten diensten und freundschaft gewilliget bin, nicht klagen noch unverkündigt lassen wollen. Silvester v. Schaumberg an Luther (1520) Enders 2, 416. dazu vgl. auch: uwern fuorstlichen gnaden sein mein gewilliegtt, undertenieg, dinstlich dinst alziett zuvor mit wilhein. Reinhard v. Helmstatt 1493 bei Steinhausen d. privatbr. 1, 299.
2) in gleicher weise lassen sich die folgenden verwendungen erklären, bei denen zugleich mit beeinflussung durch gewillt (s. u.) zu rechnen ist: er fand die einwoner eben gewilliget, zur beilegung des krieges eine versammlung zusammen zu berufen. Heilman übersetz. des Thucydides (7, 2: μέλλοντας, im begriff. Jacobi) 902; zu gleicher zeit brachten sie ... die verstärkungen zusammen, welche sie auf denen transportschiffen ihren in Sicilien befindlichen völkern zuzuschicken gewilliget waren (7, 18: trafen sie anstalt. Jacobi) 921; gewillet und gewilligt heiszen besser gesonnen. Heynatz antibarbarus 2, 56; vgl. auch Hilpert 2, 1, 464b.
3) von gewilligen in der verbindung mit einem unpersönlichen object zweigt ab: gewilliget, concessus Steinbach 2, 1021; ebenso Hederich 1, 1423; gewilliget, approbatus, concessus. Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181a. diesen wörterbuchnotizen stehen litterarische belege nicht zur seite; dasz die wendung jedoch der geschäftssprache nicht fremd ist,

[Bd. 6, Sp. 5825]


zeigt folgender beleg mit einem persönlichen träger des attributs: Friedrich der alte, des ersten Fridrichs sohn, marggraff, als ein gewilligt richter erkent zwuschen hertzog Erichen und Wartislaff und Otten, das der vertrag, so der alt hertzog Wartislaff umb das land zu Pomern gemacht, sol krafft behalten. Kantzow chron. v. Pommern 1, 297 anm. 2. vgl. auch unter gewillkürt.
 
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gewillfahren, verb. mittelhochd. vereinzelt neben dem ebenso spärlichen willenvaren (Lexer 3, 892, vgl. auch willevarer) belegt, s. DWB willfahren: und warinne wir derselben ewrer durleuchtikeit in dem und andern gewilkefarn (!) kunten, das teten wir gern. Wiener urk. v. 1460; fontes 2, 7. s. 210.

 

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