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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewildberlen bis gewillen (Bd. 6, Sp. 5817 bis 5819)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewildberlen, verb., neben mancherlei nebenformen bei Martin u. Lienhart (2, 820b) belegt für wildenzen, wildgeschmack haben: s gewilwerlet Rappenauer mundart.
 
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gewildbert, n., mit nebenformen für wildpret belegt bei Martin u. Lienhart 2, 820a. vgl. gewilwerfleisch, s. wildpret, fleisch des wilds. Halter alem. mundart Hagenau-Straszburg 156.
 
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gewilden, verb., nur einmal belegt, in abgeleiteter (causativer) bedeutung, die an sich schon aus dem gegensatze zu heimisch machen, einbürgern verständlich wäre, die aber im besondern wol unter dem einflusz von entwilden (entfremden, entfernen, vgl. mhd. wb. 3, 668a) steht:

'ich schilt niht an phaffen mêr,
dan daʒ sie ze sünden lêr
gebent mit ir bösen bilden.
swer die sünd niht mac gewilden,
tuo doch tougenlîch hin dan,
daʒ nieman geboesert werd dâ van'. der Teichner 252 Karajan s. 78.


 
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gewildern, verb., verstärktes wildern: gewildern, auf gewild ausgehen. Stalder 2, 451.
 
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gewildhaut, f., verstärkte form zu wildhaut: under dessen, weiln dise jäger ihre waidsprich gethan, haben die andere jäger etliche abgehawene bäum genommen, hirsch- und gewild-heutten darüber gespant, den jaghunden die farb darein geschütt, alsʒ wen mansʒ in ain trog schüttete. Philipp Hainhofer reisetagebuch s. Baltische stud. 2, 2, 70.
 
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gewildnis, n., später vereinzelt f., nebenform zu dem fem. (vereinzelt auch n.) wildnis, der besonderen substantivbildung zu gewild I (s.). der wechsel des geschlechts würde gewildnis als eine collectivbildung zum einfachen fem. erschlieszen

[Bd. 6, Sp. 5818]


lassen; aus der bedeutung ergeben sich hiefür jedoch keinerlei anhaltspunkte. die belege für gewildnis setzen erst im 14. jahrh. ein und halten sich durchweg in mitteldeutschem sprachgebiet (oberdeutsch wird überhaupt an gewilde länger festgehalten). die ersten schwankungen zwischen neutrum und fem. zeigen sich im mittelniederd.: dat gewiltnisse Mandeville reisen 22d; dorch de gewiltnisse kumpt me in einen dal. 20 s. Schiller-Lübben 6, 141a (andere übersetzer haben hier gewilde oder wüste). ein gleiches fem. an stelle des neutrums kann bei Luther angenommen werden; sicher ist es bei Henisch. dort ist auch für den stammvocal gerundete aussprache gebucht, die sonst nur für den suffixvocalund zwar in jüngeren belegendurchgeführt wird: unde bekummerte die ende des landes, die ungearbeit waren, besundern an dem walde der do heisʒet die blosʒe loube ... unde liesʒ in den grunden den walt usʒ raden unde buwen do nawe dorff unde liesʒ is zu acker bereiten .-. sʒo kaufte her ouch vil dorff landt unde gewiltenisʒ das on entlegin was, unde buwete das unde zoch die lewte dorin. Joh. Rothe düringische chron. Liliencron s. 255; unde (Christophorus) get uʒ schen den difel und kumit in ein gewiltnüsse, da offenberete sich ime der difel. Nicolaus v. Landau predigt bei Zuchhold s. 138 (nach der legenda aurea: cum autem per quandam solitudinem pergeret. 431 Graesse);

mein brüder wolten mich verjagen.
und als ich mich wider sie gesetzt,
haben sie mein kriegsvolck verletzt
und eilff meiner fürnehmbsten räht,
die ich vor all andern lieb hett,
inn ein gewiltnusʒ thun verjagen.
Ayrer (Wolffdieterich. prolog) 1120 Keller;

Wilhelm der wonete in eime gewiltenisʒ und wiste von den dingen nit. Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken Huge Scheppel 10 ra Urtel (druck v. 1500: in einer wiltnüsʒ 13c; fehlt 1537); denn do er einst in Armenien, von wegen der grossen hitz, unnd des schweisses gern gebadet unnd sich ettwas erquicket hette, und mit etlichen wenig reuteren unnd seinem capellan vom hauffen zum wasser reit, meinte nicht das in dem gewildnüs einige fhar zugewarten ... da hielten ettliche des soldans reisigen im wald, namen den keiser und sein capellan ... und fürete sie durch die wildtnüs hinweg zum soldan. bapsttrew Hadriani ... gegen keiser Friderichen Barbarossa geübt. (1545) F 1b; sünderlich vonn denen, welche von einem gewiltnüsz, von einem berge zm andern lauffen, unnd traben. Reinhard Lorich wie junge fürsten ... unterwisen mögen werden. (1537) 319; aber im weidtwergk wie in allenn andern dingen sol ein herr masz halten, das ausz inen, welchen got der herr nicht uber thierer und gewiltnüsz, sonder uber landt und leut gesetzet hat, kein jeger oder weidman werde. (1537) 316; Moses hats wol ausgericht, wir können nicht zu rücke gehen, wir wolten denn hungers sterben, auch können wir nicht weiter gehen noch zur seiten von wegen der einöde und gewildnis ausbrechen, der teufel hat uns in die wüsten gefüret. Luther (pred. über 2 Mos. 16. 1525) 16, 288 Weimar; gewildnusz, wüsten, einöde, solitudo, vastitas, locus desertus; Johannes der Täuffer hat inn der gewüldnusʒ geprediget. Henisch 1599. vgl. auch Schottel 634b, der gewildnis noch neben gewirr, gewell u. a. aufführt. damit erlischt die spur.
 
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gewildschieszen, n., erstarrtes compositum der sp. 5813 aufgeführten verbindung gewild schiesʒen: denn das bisʒle gewildschiesʒen mit dem Krāmerchristle kann dir kein mensch als ein verbrechen andichten, und 's ist ja auch nicht 'rauskommen. Hermann Kurz (der sonnenwirt 27) 6, 130 H. Fischer.
 
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gewildthal, n.: dise insel (Rhodis) ist fast köstlich un pürgig mit gwild talen überflüssig, auch wa man über mör will, msʒ man bei Rhodis zlenden. Sebast. Frank weltb. (1, 1) (1534) 18a.
 
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gewille I, gewil, n., ältere form zu gewelle s. d., vgl. sp. 5463.
 
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gewille II, m., verstärkte form zu wille s. d., nur in niederdeutschen quellen und verwandten auszerdeutschen zeugnissen belegt: rechte unde redeliken mit erueloue gewillen. (Hallisches schöppenb. 14. jahrh.) Schiller-Lübben

[Bd. 6, Sp. 5819]


2. 105a; vgl. gewil, gewill ... voluntas, arbitrium, votum. Bosworth-Toller 467b; gewille Verwijs-Verdam 2, 1909.
 
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gewillen I, gewellen, verstärktes wellen, willen (in den flexionsformen mit i): so der haizze faum sich in den luft gewillet untz daz er zu wolchen wirt. Lucidarius 14. jahrh. Diefenbach-Wülcker 619.

 

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