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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewiessen bis gewild (Bd. 6, Sp. 5798 bis 5799)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewiessen, verb. mundartliche (onomatopoetische ?) bildung: gewieszen, leise summen, zischen, zirpen (Oststeiermark). Unger-Khull 291a.
 
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gewiessen, n. nebenform zu gewizzen, gewissen s. d.: so ein dieb oder anderer ubelthätter mit einer handhaft begriffen wird ... so soll man ihn mit zwaien männern überfahren und soll ihn antworthen dem gericht ... und ... brief da mitschicken und soll dareinschreiben ihr gewiessen wi er überfahren seie mit rechten. rechte des gerichtes Kirchschlag, österr. weisth. 7, 2.
 
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gewif, n. mundartliche bildung wie das zugehörige verbum (s. gewifen): das gewif, wette. Schmeller 22, 864. der bedeutung nach liesze sich das subst. zu wîfen, winden stellen (mhd. wb. 3, 625a, vgl. auch Walde lat. etymolog. wb. 668), wobei der vocal seine erklärung forderte (vgl. die formen wiffeln, wifeln, weifeln unter gewifelt, vgl. gewift, gewîft, geweift).
 
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gewifen, verb., vgl. das vorhergehende: gewifen, wetten. Schmeller a. a. o.
 
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gewifelt I , participiales adjectiv zu wifeln s. d.; das verbum ist mundartlich noch heute lebendig, doch in verengter bedeutung, deren breitere grundlage aus älteren buchungen noch ersichtlich ist (vgl. wifflen, acu pingere. vocab. v. 1618 s. Schmeller a. a. o. und mhd. wb. 3, 626) und aus zugehörigen substantivbildungen erschlossen werden kann (vgl. weval, subtemen, stamen. Graff 1, 649): wifeln, verwifeln (schwäb.) mit nadel und faden verweben, zustechen, etwas zerrissenes. Schmeller 22, 864; mit der nadel einen risz an der leinwand so flicken, dasz das geflickte mit dem gewebe eine ähnlichkeit hat. Stalder 1, 450. in beiden richtungen (weitere, engere bedeutung) bewegt sich auch der gebrauch des particips.
a)

da man d' pfeller nimet war
des helfenbeines, der edeln steine,
schoneʒ gesmeide groʒ und cleine
von golde unn seiden wehe porten
gewifelt mit mangen weisen worten.
H. v. Trimberg renner 16707;

[Bd. 6, Sp. 5799]



die heide bedeutet dise werlde,
die got gewifelt und geberlde
hat mit manch'lai wunne. 213;

leinwatene fürheng mit gestrückten und gewifelten porten. Fuggers inventar, s. Birlinger schwäb. Augsb. wb. 195; in der kammer auf einem tisch ist gestanden eine hohe vergulte credenz mit candierten und eingemachten früchten, und auf einem hübsch gewifleten tuch stehent, und mit dergleichen einem bedeckt; auch eine bettstatt mit dergleichen umbhängen behanget, und mit damastiner deckin bedecket. und delectiret sich meins herrn herzliebste fr. gemalin und ihr frauenzimmer sehr der gewifleten arbeit, haben mir auch ein dergleichen gewifletes tuch gnädigst verehrt, das i. f. g. gemacht haben. Philipp Hainhofer reisetageb. (1617), s. Baltische stud. 2, 2, 20.
b) im schwäbisch - alemannischen sprachgebrauch ist gewifelt auf die bedeutung gestopft, ausgebessert, eingeengt: gewifelte taschentücher.
 
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gewifelt II, gewiffelt, nebenform zu geweifelt, wie gewift (s. d.) neben geweift, vgl. auch (sp. 5433) geweifel. vgl. englisch whiffle (move lightly): gewifelt, gewiegt. Bauer (Waldecker mda.) 40a; gewiffelt, gewiegt. Woeste wb. d. westphäl mda. 79a.
 
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gewift, gewîft, participiales adjectiv, vgl. oben geweift sp. 5433. in mitteldeutschen und oberdeutschen mundarten ist diese participialformbald mit kurzem, bald mit langem (hier wol secundär verlängertem) stammvocalfür die bedeutung gewiegt, gewandt belegt, wofür niederdeutsche mundarten die form gewipt buchen lassen vgl. gewipt Schambach 63b (et is en gewipten kerel). während dem letzteren das verbum wippen (s. d.) zu grunde liegt, geht gewift von einer nebenform zu mhd. wîfen, weifen aus (vgl. Lexer 3, 879), für die vielleicht in einem vereinzelten belege aus Neidhart (waz ob sî der schuolemeister wifte) in lautlicher und formeller beziehung ein anhalt gegeben ist. beide verba wippen und wîfen (wifen) stimmen jedenfalls zu vibrare. die bedeutungsentwicklung stellt gewift ungezwungen in engste berührung mit gewiegt s. o. ob die formen wiff, wief, schmuck, sauber (vgl. Schöpf in deutschen mundarten 3, 103. Lexer Kärnt. wb. 257. Schmeller 22, 864; wiff, lebhaft, behende. Stürenburg ostfries. wb. 331b) nicht von lat. vivus abzuleiten sind und ob demgemäsz nicht auch ein fremdsprachlicher einschlag durch die entwicklung zieht, müszte noch untersucht werden. gegen einen allzu weitgehenden einflusz in dieser richtung spricht das niederdeutsche gewippt. die belege entstammen durchweg den wörterbüchern: gewieft (auch jewiejt), schlau. Hans Meyer der richtige Berliner4 52b; ''n jewiefter junge'. ebenda; gewīft, pfiffig, schlau. Albrecht Leipziger mda. 122b; gewiift, pfiffig, gerieben. Jecht Mansfelder mda. 42; ebenso Liesenberg die Stieger mda. (Unterharz) 226 (mit hinweis auf gewipt und wîfen); desgl. Kleemamn beitr. z. einem nord-thür. idiot. 9b. Herwig idiotismen aus Westthüringen 13a; gewifd, gewandt (Leipz. Geith. Plauen) Franke in Bayerns mundarten 2, 335; gewift, durchtrieben, verschlagen. Saul zum Hess. idiot. 16/7 (mit hinweis auf wifte bei Neidhart); gewîft, lebhaft, pfiffig, schlau; fein, schmuck, sauber (Tirol) Castelli wb. d. mundart in Österr. unter der Enns 266.
 
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gewige, n., s. gewicht.
 
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gewigen, participiales adject. s. DWB gewogen.
 
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gewihdert, mundartliche participialform, von Kehrein volksspr. in Nassau 163 neben gewittert angeführt: 'von ochsen, die gut eingefahren sind'. zur erklärung vgl. v. Pfister (zu Vilmar 338), der auf althochd. wetan, jochen zurückgeht. vgl. auch DWB wetter (holz am wagen oder pflug). Lexer 3, 810.
 
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gewild, gewilde, substantivbildung, die in zwei hauptrichtungen des gebrauches belegt ist. beide gebrauchsformen tauchen spät in der mittelhochdeutschen periode auf, unterscheiden sich aber in der nachhaltigkeit, mit der sie sich im wortschatz behaupten. von kurzer dauer ist der gebrauch bei gewilde gewesen, dem gegenstück zu demebenfalls früh untergehendenfem. wilde (wildniss, vgl. mhd. wb. 3, 667a. Lexer 3, 885). dieses gewilde, das mit wenigen ausnahmen als neutrum sich kennzeichnet, erscheint der form nach als collectivbildung, wozu die verwendungen jedoch nicht immer stimmen. collective bedeutung

[Bd. 6, Sp. 5800]


kommt andererseits der zweiten gruppe, dem neutrum gewilt, gewilde (das wild) unzweifelhaft zu, das dem sprachschatz noch heute, wenn auch mit einschränkung (in gehobener sprachevielfach durch litterarische über lieferung beeinflusztund andererseits wieder in mundartlichem [oberdeutschem] gebrauch) angehört; doch ist die collectivbedeutung im grundwort schon vorher ausgeprägt (wilt mhd. wb. 3, 667a. Lexer 3, 893), das den gleichen zug noch heute in unserm wortschatz zur geltung bringt (schwarzwild, rothwild u. a.). die beiden gebrauchsformen von gewilde, gewild führen mit den substantivbildungen, an die sie sich anlehnen (wilde, wildniss und wild, wildpret), auf den gleichen ausgangspunkt zurück, der in dem adjectiv wild mit dem weitesten umfang der bedeutung und mit den sichtbarsten bedingungen für die spätere gabelung des begriffs gekennzeichnet ist; vgl. schon vilþeis im gotischen (vilþeis alevabagms Ulfilas Röm. 11, 17; wilder ölbaum Luther) und vergleiche die concurrenz zwischen vilþi und haiþivisk in der glosse zu Marc. 1, 6; je nachdem die landschaft oder die geschöpfe, die sie hervorbringt, zum träger des attributs werden, erscheint wilde in der bedeutung von agrestis oder von indomitus vgl. für das angels. Bosworth - Toller 1224a; vgl. althochd. wildi, silvaticus, silvester, ferox, ferus. Graff 1, 803 ff. im altnord. hat nur die eine richtungdazu in fortgerückter entwicklungspuren hinterlassen: villr, irrend vgl. Fritzner 3, 947a. eine verstärkung des adjectivs durch das präfix ist mittel- und niederdeutsch belegt:

jedoch up densulven avent
wart dar ein gewilde dravent. Braunschweiger schichtspiel 3017;

und wie es were umb die bilde
des himmels, das was ime gewilde.
Joh. Rothe Elisabeth s. Mencken 2, 204.

 

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