Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewiesel bis gewigen (Bd. 6, Sp. 5797 bis 5799)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewiesel, n., wird von Schmidt (westerwäld. idiot. s. 328) als nebenform zu gewusel (s. d.) gebucht, vgl. auch DWB gewiessen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewiesen , neuere participialform zu dem ursprünglich schwach flectierten weisen, s. geweist sp. 5460.
1) unter den wörterbüchern führt schon Henisch die heutige form auf: gewiesen, ostensus, monstratus. 1599; vielfach ist das particip von lateinischen parallelen begleitet, die für einzelne formen der übertragung als vorbild antiken gebrauch nachweisen: monstratus, gewiesen (Horat.: vitae monstrata via). G. M. König gazaph. lat. (1668) 726b; ostensus, gewiesen (Ter.: ostentatam occasionem omittere). derselbe; gewiesen, ostensus, ostentatus etc. Kirsch 2, 151b; genau so Matthiae 2, 181a. Hederich 1, 1423. vgl. auch gewese, gewiesen. Hönig wb. d. Kölner mda.
2) der litterarische gebrauch läszt gewiesen zunächst in die festen verbindungen eintreten, die oben für das isolierte geweist gekennzeichnet sind; andererseits zeitigte die neuere sprache an der von ihr begünstigten form des particips einzelne verwendungen, die in ihrer fügeweise den einflusz des verbalgebrauchs erkennen lassen.
a) die engere anknüpfung an das isolierte geweist.
α) es hat alles seinen gewiesenen weg. Opitz übersetz. d. Argenis (2, 7, 7) 386 (2, 2, 4 geweiseten wege); aber das ist eine andere frage, was und wie wir beten sollen. kennt jemand das wesen dieser welt, und trachtet er ungeheuchelt nur nach dem was besser ist; denn hat's mit dem gebet seine gewiesene wege. Matth. Claudius

[Bd. 6, Sp. 5798]


(über das gebet) 1, 190 Redlich; 'es verstehet sich ja von selbst ... dasz ihr alsdann zu eurer tochter geht; das ist doch ein gewiesener weg'. Hackländer Eugen Stillfried cap. 45; dasz wir nach belieben sitzen und politisiren mögen, es geht doch alles seinen gewiesenen gang. W. Raabe schüdderump 245.
β) richtig ist es, dasz hier alles mit der manier zugeht, alles und jedes seine ordnung, zeit und den gewiesenen platz hat. Immermann Münchhausen 5. buch, 7. cap.; der evangel. bund, sein gewiesenes recht und sein gethanes werk. L. Witte (21. aufl.) 1898; anders ist die gleiche verbindung im folgenden gebraucht, wo der neuere stilist das particip an die in der rechtssprache (vgl. weisthümer u. a.) übliche bedeutung des verbums anlehnt: die thatsache, dass die handfeste nur gewiesenes recht enthält. A. Zycha das böhmische bergr. des mittelalters 1, 1.
γ) in der übertragung auf personen gewinnt die erst besprochene verwendung des particips eine eigenartige parallele zu dem ältesten gebrauch von geweist (geweister jäger sp. 5460): vor allem die bibel. Hieronymus ... war der gewiesene mann, sie zu übersetzen: denn er kannte nicht blosz griechisch, sondern hatte auszerdem von einem Juden auch hebräisch gelernt. E. Norden die lat. litterat. im übergang (kultur der gegenwart I, 8, 377).
b) neuere erweiterung der fügung, beeinfluszt durch den verbalgebrauch (vgl. auch den beleg aus a, β: gewiesenes recht):

'die deinen wandern ohne führer' ...
'sie ziehn auf der von mir gewies'nen strasze.
so bald sie meiner brauchen, bin ich rasch ...
bei der vertrauten schar'.
Immermann Merlin v. 2084;

erst die deutsche philologie ... hat in der überlieferung auch der spätesten jahrhunderte und vor allem in der sprache eine quelle entdeckt ... und nur auf der von ihr gewiesenen bahn ... wird es möglich auch den zusammenhang des äuszern und innern lebens unsrer vorzeit nach allen seiten hin aufzuweisen. Müllenhoff d. alterthumskunde 12 einl. s. 27; die ohrfeige ... und dann der angedrohte pistolenkolben hatten ihn gänzlich hergestellt und in die ihm gewiesenen schranken zurückgeführt. Immermann Münchhausen 6. buch, 13. cap.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewiessen, verb. mundartliche (onomatopoetische ?) bildung: gewieszen, leise summen, zischen, zirpen (Oststeiermark). Unger-Khull 291a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewiessen, n. nebenform zu gewizzen, gewissen s. d.: so ein dieb oder anderer ubelthätter mit einer handhaft begriffen wird ... so soll man ihn mit zwaien männern überfahren und soll ihn antworthen dem gericht ... und ... brief da mitschicken und soll dareinschreiben ihr gewiessen wi er überfahren seie mit rechten. rechte des gerichtes Kirchschlag, österr. weisth. 7, 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewif, n. mundartliche bildung wie das zugehörige verbum (s. gewifen): das gewif, wette. Schmeller 22, 864. der bedeutung nach liesze sich das subst. zu wîfen, winden stellen (mhd. wb. 3, 625a, vgl. auch Walde lat. etymolog. wb. 668), wobei der vocal seine erklärung forderte (vgl. die formen wiffeln, wifeln, weifeln unter gewifelt, vgl. gewift, gewîft, geweift).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewifen, verb., vgl. das vorhergehende: gewifen, wetten. Schmeller a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewifelt I , participiales adjectiv zu wifeln s. d.; das verbum ist mundartlich noch heute lebendig, doch in verengter bedeutung, deren breitere grundlage aus älteren buchungen noch ersichtlich ist (vgl. wifflen, acu pingere. vocab. v. 1618 s. Schmeller a. a. o. und mhd. wb. 3, 626) und aus zugehörigen substantivbildungen erschlossen werden kann (vgl. weval, subtemen, stamen. Graff 1, 649): wifeln, verwifeln (schwäb.) mit nadel und faden verweben, zustechen, etwas zerrissenes. Schmeller 22, 864; mit der nadel einen risz an der leinwand so flicken, dasz das geflickte mit dem gewebe eine ähnlichkeit hat. Stalder 1, 450. in beiden richtungen (weitere, engere bedeutung) bewegt sich auch der gebrauch des particips.
a)

da man d' pfeller nimet war
des helfenbeines, der edeln steine,
schoneʒ gesmeide groʒ und cleine
von golde unn seiden wehe porten
gewifelt mit mangen weisen worten.
H. v. Trimberg renner 16707;

[Bd. 6, Sp. 5799]



die heide bedeutet dise werlde,
die got gewifelt und geberlde
hat mit manch'lai wunne. 213;

leinwatene fürheng mit gestrückten und gewifelten porten. Fuggers inventar, s. Birlinger schwäb. Augsb. wb. 195; in der kammer auf einem tisch ist gestanden eine hohe vergulte credenz mit candierten und eingemachten früchten, und auf einem hübsch gewifleten tuch stehent, und mit dergleichen einem bedeckt; auch eine bettstatt mit dergleichen umbhängen behanget, und mit damastiner deckin bedecket. und delectiret sich meins herrn herzliebste fr. gemalin und ihr frauenzimmer sehr der gewifleten arbeit, haben mir auch ein dergleichen gewifletes tuch gnädigst verehrt, das i. f. g. gemacht haben. Philipp Hainhofer reisetageb. (1617), s. Baltische stud. 2, 2, 20.
b) im schwäbisch - alemannischen sprachgebrauch ist gewifelt auf die bedeutung gestopft, ausgebessert, eingeengt: gewifelte taschentücher.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewifelt II, gewiffelt, nebenform zu geweifelt, wie gewift (s. d.) neben geweift, vgl. auch (sp. 5433) geweifel. vgl. englisch whiffle (move lightly): gewifelt, gewiegt. Bauer (Waldecker mda.) 40a; gewiffelt, gewiegt. Woeste wb. d. westphäl mda. 79a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewift, gewîft, participiales adjectiv, vgl. oben geweift sp. 5433. in mitteldeutschen und oberdeutschen mundarten ist diese participialformbald mit kurzem, bald mit langem (hier wol secundär verlängertem) stammvocalfür die bedeutung gewiegt, gewandt belegt, wofür niederdeutsche mundarten die form gewipt buchen lassen vgl. gewipt Schambach 63b (et is en gewipten kerel). während dem letzteren das verbum wippen (s. d.) zu grunde liegt, geht gewift von einer nebenform zu mhd. wîfen, weifen aus (vgl. Lexer 3, 879), für die vielleicht in einem vereinzelten belege aus Neidhart (waz ob sî der schuolemeister wifte) in lautlicher und formeller beziehung ein anhalt gegeben ist. beide verba wippen und wîfen (wifen) stimmen jedenfalls zu vibrare. die bedeutungsentwicklung stellt gewift ungezwungen in engste berührung mit gewiegt s. o. ob die formen wiff, wief, schmuck, sauber (vgl. Schöpf in deutschen mundarten 3, 103. Lexer Kärnt. wb. 257. Schmeller 22, 864; wiff, lebhaft, behende. Stürenburg ostfries. wb. 331b) nicht von lat. vivus abzuleiten sind und ob demgemäsz nicht auch ein fremdsprachlicher einschlag durch die entwicklung zieht, müszte noch untersucht werden. gegen einen allzu weitgehenden einflusz in dieser richtung spricht das niederdeutsche gewippt. die belege entstammen durchweg den wörterbüchern: gewieft (auch jewiejt), schlau. Hans Meyer der richtige Berliner4 52b; ''n jewiefter junge'. ebenda; gewīft, pfiffig, schlau. Albrecht Leipziger mda. 122b; gewiift, pfiffig, gerieben. Jecht Mansfelder mda. 42; ebenso Liesenberg die Stieger mda. (Unterharz) 226 (mit hinweis auf gewipt und wîfen); desgl. Kleemamn beitr. z. einem nord-thür. idiot. 9b. Herwig idiotismen aus Westthüringen 13a; gewifd, gewandt (Leipz. Geith. Plauen) Franke in Bayerns mundarten 2, 335; gewift, durchtrieben, verschlagen. Saul zum Hess. idiot. 16/7 (mit hinweis auf wifte bei Neidhart); gewîft, lebhaft, pfiffig, schlau; fein, schmuck, sauber (Tirol) Castelli wb. d. mundart in Österr. unter der Enns 266.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewige, n., s. gewicht.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewigen, participiales adject. s. DWB gewogen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Die Suchanfrage lieferte keinen Treffer.