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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewicht- bis gewidern (Bd. 6, Sp. 5782 bis 5785)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewicht-, gewichtsvergleichung, f.: gewicht- und ellenvergleichung der berühmten handelsplätze. Nürnberg 1761; dagegen spielen bei gewichtsvergleichungen die meteorologischen verhältnisse, also die änderungen des umgebenden mediums, eine bedeutende rolle. Lueger 4, 648.
 
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gewichtvoll, adj., vgl. gewichtig: die so oft an mir bewiesene gnade macht mir mut, hierbei die gewichtvolle dazwischenkunft eurer exzellenz untertänigst zu erbitten. Grillparzer (an Stadion 1823) briefe 70 Glossy und Sauer; das material begann sich langsam zu mehren, und manche gewichtvolle unterstützung wurde mir zu theil. Adolf Strodtmann vorrede zu Bürgers briefw. 1, vi; sein (Sordel's bei Dante) stolzes und ernstes benehmen ... zeigt, dass hier nicht von einem leichtfertigen sänger der liebe und verführer der frauen, sondern von einem gewichtvolleren manne die rede ist. Diez poes. der troub.2 377; alles, was Serlo sprach, war der brust wie mit anstrengung abgerungen, darum aber auch gewichtvoll und fest und nie unnütz. C. Gutzkow der zauberer von Rom 1, 323; Jesus spricht daher mit ausgezeichnetem lobe von ihm ... und bezeichnet selbst ihn als seinen vorläufer .., dem evangelisten Johannes aber erscheint noch nach vielen jahren sein zeugniss als besonders gewichtvoll. G. B. Winer bibl. realwörterbuch 13, 587 (Johannes der täufer).
 
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gewicht-, gewichtswissenschaft, f.: statik, die wagekunst, die gewichtwissenschaft. vorschlag bei J. F. A. Kinderling reinigkeit der deutschen sprache s. 207. vgl. dazu Campe verdeutschungswb. 2, 621.
 
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gewichtwort, n., vgl. gewicht sp. 5760 und gewichtig sp. 5771: folglich, scheints mir, ist jene vorsteck-silbe nur die vorrede zur zweiten längern; so wie eine ähnliche anfurth sogar durch die tautologie folgenden gewichtwörtern vorsteht: tod-fall; eid-schwur ... J. Paul (vorschule der ästhetik 2, 86) 42, 228.
 
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gewichtzeichen, n.: gewichtzeichen, ein stempel, wodurch ehemahls das gewicht auf dem von zainen abgeschrotenen stücke silber durch den münzmeister bezeichnet wurde. Campe 2, 363a; gewichtzeichen (in coining) a stamp or mark ... upon a piece of silver, showing its weight. Hilpert II, 1, 464b; gewichtzeichen (münzer) marque, poinçon, weight stamp. Beil technol. wb. 243.
 
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gewickel, n., verbalsubstantiv zu wickeln (s. d.), vgl. gewickel Campe 2, 363a; gewickel, das häufige wickeln. Heinsius 2, 436a. die litterarischen belege weisen dem gegenüber die sachbedeutung auf, die im ältesten gebrauch unmittelbar an das masc. wickel anknüpft, während sie später wol secundär aus dem nomen actionis hervorgeht: seiden und guldenstuck mit gold belegte mäntel, caseln, ... cantzeltücher, kelchdeckel, heiligthumsgewickel, händschuch, handfanē, tapetzereien, und das gantz sacristeigerät haben (sie) mit der künstlichen nadel gestickt. Fischart bienenkorb (1, 8) 96a; selbst von seiner geliebten verlangt der zärtliche Filostrat (ep. 67) dasz sie die holden füsze nicht durch ein farbiges gewickel, und schimmere es von gold, entstelle; sondern, wie hals, haare und augen, sie blosz trage, und dem erdboden ihre liebliche spur gönne. Joh. Heinr. Voss mythol. briefe (21) 12, 142;

dann vor der furien grimm und dem schrecklichen strom des Cocytus
zage der neid heillos, vor Ixions schlangengewickel,
und dem entsetzlichen rad', und dem unaufringbaren marmor. Virgils ländl. ged. (Georg. 3, 38) 4, 469 (tortosque Isionis angues);


 
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gewickelt , participiales adjectiv zu dem verbum wickeln (s. d.), das sich verhältnismäszig spät in den verwendungskreis des älteren winden eindrängt. die gebrauchsformen des particips weisen nach zwei richtungen ansätze auf zu einer isolierung vom verbum. der eine (absolute) gebrauch geht von der grundbedeutung aus, die am verbum

[Bd. 6, Sp. 5783]


mehr und mehr verdunkelt wird; er haftet an der äuszeren form, in der die verbalthätigkeit verläuft, und reicht nicht bis zu dem zielpunkt, der sie begrenzt. gewickelt berührt sich hier enge mit gedreht, gewunden, vgl. auch wickel. die andere gebrauchsform entstammt den verbindungen des verbums mit einem näheren und ferneren object (einem object der zielrichtung), vgl. z. b.: und sie gebar iren ersten son und wickelt in in windeln. Luther Lucas 2, 7 (ebenso schon Augsburger bibel v. 1487 gegen bivand ina Ulfilas, biwant inan mit tuochum, pannis eum involvit. Tatian, ebenso cod. Tepl. u. a.). von hier aus gewinnt gewickelt geradezu die bedeutung eingewickelt (vgl. einwickeln theil 3 sp. 341) und berührt sich mit eingeschlagen, eingehüllt, participien, bei denen das schwergewicht der bedeutung auf dem ersten compositionstheil ruht. die wörterbücher nehmen meist nur von dieser zweiten gruppe kenntnis, die auch für den sprachgebrauch gröszere bedeutung gewinnt: gewickelt, involutus Henisch 1599; gewicklet, enveloppé, inviluppato, intricato Hulsius (1616) 138b; ebenso Duez (1664) 199a (vgl. jedoch im nachtr.); Rädlein 383a; Schwan 1 (1783), 745b; vereinzelt kommt auch die erste gruppe zu ihrem recht, so schon bei Duez im nachtrag: zusammen gewickelt, entortillé, convolutus, dazu vgl. DWB gewickelt, volutus Steinbach 2, 991, ebenso Hederich 1, 1423.
1) verwendungen, die vom absoluten gebrauch ausgehen: und folgete der vernommenen stimme nach, bisz so lange sie ein stümplein von einer brennenden wachs kertzē auff der erden gewahr ward; als sie es auffgehoben, fand sie unter demselbigen ein stücklein zusammen gewickeltes papiers, warauff diese wort geschrieben stunden ... Opitz übers. v. Sidney's Arkadia (3) (1638) 742; dasz die ... ermel tragen, welche auf den schultern zusammen gefalten stehen, als wie die Kochersberger baurenhosen um die knie. an den wämmessern musz nur ein einiger, und zwar gewickelter schosz sein, wie die weiber-hembder, die unten auf der seiten keine schlitze haben. Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. (3, 7) 3, 586;

das liebe, zierliche, von weiszen weidenzweigen gewickelte,
gezwickelte von piependen, pickenden, trippelnden küchelchen
wimmelnde nest.
Brentano (Gockel u. Hinkel) 2, 36 Morris;

den ganzen tag sitzen sie in ihren läden (die frauenzimmer der gewerbtreibenden klassen), im nachtgewande und mit gewickelten haaren, und erst wenn es dunkel geworden ist, putzen sie sich und lassen sich frisiren. Börne (schild. aus Paris: industrie-ausstell. im Louvre) 52, 270; gewickelt nennt man die ganzen windelböden bisweilen, weil bei ihnen der strohlehm um die staken gewunden wird. aus gleichem grunde werden sie auch gewundene decken oder fuszböden genannt. Helfft wb. der landbaukunst 145b.
2) die gebrauchsformen, die von der verbindung einer person oder sache mit einem ferneren objecte (dem object der zielrichtung) abzweigen, stellen andere träger des attributs in den mittelpunkt der verwendungen. während sich das particip in der ersten gruppe meist an weiche, bewegliche, biegsame stoffe heftet, die die äuszere form des wickels annehmen, wendet es sich in der zweiten gruppe den personen und festen körpern zu, die von den beweglichen stoffen umwunden werden. der fall, dasz sich auch hier das particip attributiv an die letzteren heftet, ist mehr vereinzelt und ohne weiteren einflusz: das um die kugel gewickelte papier. E. v. Mauritius beschreibung des neupreusz. infanteriegewehrs 14; so recht ins auge fiel nur das grosze, noch regelrecht auf ein brett gewickelte rote friesstück. Fontane (vor dem sturm 34) I, 1. äuszerlich nähern sich den formen der ersten gruppe die fälle, in denen das fernere object bei formelhafter wiederholung abgestreift wird; in wirklichkeit bedeuten diese typen den abschlusz der isolierung vom verbum.
a) bei der engeren beziehung des particips auf eine person berühren sich anfang und ende des menschenlebens eigenartig in den verwendungen des particips. in beiden fällen giebt die bibel die ersten anhaltspunkte. andere entsprechende verbindungen lassen bestimmte typen hervortreten. besondere aufmerksamkeit beanspruchen einige verwendungen, die auf ellipse deuten.
α) ein kind in windeln wickeln, einen leichnam in tücher wickeln.

[Bd. 6, Sp. 5784]



1)) zum ersten vgl.: ir werdet finden das kind in windeln gewickelt und in einer krippe ligen. Luther Luc. 2, 12 (var.: eingewickelt, vgl. DWB barn bivundan Ulfilas; kind mit tuochun biwuntanaz, pannis involutum. Tatian; gewunden in tuch cod. Tepl.; Beheim; gebunden Mentel und die ganze vorlutherische bibel); darumme sprach Jesaja: tu es deus absconditus, velut infans pannis involutus ... du bist uns ein verborgenne got in menslicher nature, rehte alse ein kint, daʒ da gewickelt und gewonden ist in sine dchere. Nicolaus v. Landau sermon bei Zuchhold 28;

do solchs wurd den hirten kundt,
kamen sie dar zur selbigen stund
und funden das kindelein
gewickelt in windelein.
Nicolaus Herman die sontags euangelia (8) 30 Wolkan;

zwar, auszer dasz ihm dann und wann
ein schwerer seufzer unwillkührlich
entfährt, verhält er sich im anfang so manierlich,
dasz ein gewickelt kind nicht stiller liegen kann.
Wieland (Klelia u. Sinibald 7, 10) 21, 327;

ein gewickelt oder gewindelt kind, un bambino fasciato. Kramer teutsch - ital. dict. (1702) 2, 1340c; ein gewickeltes, eingewindeltes kind, enfant emmailloté, bandé. Schwan a. a. o. 745b.
2)) zum zweiten vgl. corporale, in quo Christus fuit in gewichlot. glossen des 15. jahrh., anz. f. kunde d. d. vorzeit 6, 349; Joseph nam den leib, und wickelt in in ein rein linwand. Luther Matth. 27, 59 (ebenso schon Koburger u. a.; vgl. dagegen bivand ita Ulfilas; want in cod. Tepl., bei Beheim u. a.; vgl. auch Tatian 212, 7 zu Joh. 19, 40); dasz man die todten inn weisse tücher gewicklet, pfleget hinausz zutragen. Ryff übers. v. Artemidors traumbuch (4, 2) 166a (mortui in albis vestibus efferuntur); man mus mich für tod gehalten haben, denn als ich wieder zu mir selber kam, lag ich schon in der bahre, und ins leichentuch gewickelt wie ein toder. Schiller (räuber schausp. 4, 5) 2, 168.
β) sonstige verbindungen des relativ begrenzten particips mit einem persönlichen träger der verbalthätigkeit.
1))

just umgekehrt in meinem fall,
wenn eine immer und überall
in hüllen und häuten wie eine zwiebel
gewickelt erscheint.
Wieland (Gandalin 5, 319) 21, 52;

ich beschied ihn daher durch einen unbekannten nachts an einen gewissen platz, wo ich in meinen mantel gewickelt eher eintraf als er. Göthe (dicht. u. wahrh. 20) 48, 188; während das Martinchen nachdenklich in ihren mantel gewickelt ins weite starrte. P. Heyse (neue moral. nov.: die talentvolle mutter) II, 4 s. 92; ein junges mädchen von schlanker gestalt, dicht in einen dunklen schal gewickelt. 228; nur die beiden in ihre plaids gewickelten alten herren schritten auf deck auf und ab. Fontane (der stechlin 15) I, 10 s. 201.
2)) der alte sasz, die füsze in kissen gewickelt, im lehnstuhl und konnte vor freudigem schrecken nicht aufstehn, selbst wenn die gicht es erlaubt hätte. Mörike (maler Nolten 2) 5, 42 Krausz.
γ) auf ellipse (abstreifung des objects der zielrichtung) deuten sprichwörtliche redensarten: wer vor gericht nicht gut gewieget und gewickelt ist, dem thut ein guter vormund vonnöthen. J. J. Otho evangel. krankentrost (1671) s. 401; er ist schief gewickelt, in groszem irrthum. Albrecht Leipziger mundart 199b (vgl. hei is scheiw wickelt Wander 4, 161). der zusammenhang, in dem diese letztere redensart in theil 8 sp. 2683 dargestellt ist, würde es rechtfertigen, bei der erklärung einseitig von schief auszugehen (vgl. DWB er hat schief geladen). unser erstes beispiel jedoch zeigt, dasz hierbei auch die verbalthätigkeit voll berücksichtigt werden musz. auch andere erscheinungen (s. unter gewiegt) thun dar, wie enge die vorstellung des richtigen wickelns und wiegens als voraussetzung einer guten kinderstube mit den anforderungen verknüpft ist, die eine ältere zeit an die erziehung und bildung des nachwuchses stellte.
b) verbindungen des relativen gebrauchten verbums mit einem object der sache.
α) mit den oben unter β behandelten verwendungen berühren sich aufs engste die folgenden: zu solchem ende stellte ihr der hochzeiter etwas in ein tüchlein gewikeltes

[Bd. 6, Sp. 5785]


zu, mit anzeigung, wann sie solches bei sich haben würde, dasz sie alsdann einen guten marck (!) und schnellen abgang der wahren hätte. Grimmelshausen wiedererstandener Simplicissimus (3, 10: galgenmännlein) 3 (1713), 635;

in dieses tuch gewickelt ist ein brief.
gieb ihn an meinen sohn, er weisz darum.
Grillparzer (Ottokar 1) 54, 37;

und da — sie zog etwas in papier gewickeltes aus der tasche und legte es auf den tisch — da ist auch der ring. Paul Heyse (moral. nov.: vetter Gabriel) II, 3 s. 148; ein in leinwand gewickeltes packetchen. G. Hauptmann biberpelz 4. akt; wie er dahinjagte, als wenn ihm die verfolger im nacken säszen, mit bloszem kopf, das in zeitungspapier gewickelte paket unterm arm haltend. W. Hegeler pastor Klinghammer2 390.
β) der übertragene gebrauch: lange arbeitet sie (die sonne), den nebel zu zerstreuen, der vor ihr nicht weichen will. ... luft und erde liegen unkentlich in einer hülle gewickelt, und das auge irret mühsam von einer seite zur andern, ohne die gegenstände unterscheiden zu können. C. C. L. Hirschfeld der winter (1769) 41; meine buhlerei hat den arglistigen despoten betrogen, meine tollheit hat euerm fürwiz meine gefärliche weisheit verhüllt. in den windeln der üppigkeit lag das erstaunliche werk der verschwörung gewikelt. Schiller (Fiesko 2, 18) 3, 78 (var. gewickelt); es war die wohlbekannte kleine baderin aus der Weidengasse ... ein weib, weder schrecklich, noch rätselhaft; denn jeder Luckenbacher weisz, sie besteht blosz aus o und ach, in ein ewiges erröten gewickelt. Otto Ludwig (Heiterethei) 2, 89.
γ) auf ellipse beruht hier: gewickeltes rindfleisch Nicolai reise 5 (österr. provinzialwörter); gewickelter braten vom rind-fleische wird also zugerichtet: man nimmt fleisch vom ziemer, schneidet es länglicht und dünne ... endlich wickelt man es über einander, leget es in eine bratpfanne ... Chomel 4, 1059. vgl. auch: meninges, cerebri in uolucra, das felin darinn das hirn gewickelt ligt. Hadrianus Junius nomenclator (1595) 12.
 
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gewickt, s. Jecht wb. d. Mannsfelder mnda. 41.
 
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gewiddersch, s. unter gewidern.
 
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gewidelt, participiales adjectiv zu dem mundartlich erweiterten wideln (vgl. widen mhd. wb. 3, 619b; Schmeller 22, 859); 2 gewidelte körbe dokumentenbuch von Neuweinsberg (1801); Unger-Khull 291a.
 
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gewidern, verb. , verstärktes widern (s. d.), vgl. wideren mhd. wb. 3, 623b; Lexer 3, 833. wie beim einfachen verbum sind auch beim compositum zwei bedeutungsrichtungen zu unterscheiden, je nachdem es an wider = adversus oder an wider = rursus (neuhochd. wieder) anknüpft.
1) zu wider (adversus) fallen die ersten belege für das compositum so früh, wie die für das grundverbum, in die althochdeutsche periode (Graff 1, 639). sie sind freilich nur spärlich und nehmen auch in der mittelhochdeutschen zeit (mhd. wb. 3, 623b) nur wenig raum ein, sie reichen aber verhältnismäszig weit in die neuere sprache. so spärlich die belege flieszen, lassen sie doch eine grosze mannigfaltigkeit der fügeweise überblicken: transitiven und reflexiven gebrauch, persönliches und sächliches object. manche fälle lassen eine zweifelsfreie deutung überhaupt nicht zu. die bedeutung verhindern, zurückhalten, die in der verbindung mit einem persönlichen object sich leichter differenziert, hält sich bei der verbindung mit sächlichem object in engen grenzen.
a) mit persönlichem object.
α)

sie sint so sama chuani,selb so thie Romani;
ni tharf man thaʒ ouch redinon,thaʒ Kriachi in thes giwidaron.
Otfrid 1, 1, 60 Erdmann (nach der Heidelberger handschr. gegen widaron in der Freisinger);


β) dann Pilatus sasz bald darnach zu gericht auff diesem gerichtstul, und hiesz die Jüden jren schatz herfür thun, den sie corban nennten, dasz er das wasser zweihundert stadia weit möcht in die statt führen, und als sie sich gewidert, hat er vom gerichtsstul den kriegsleuten ein zeichen gegeben, dasz sie mit kolben vil Jüden erschlagen ... Adam Reiszner Jerusalem 1 (1565), 31a.
b) si uero post ea uoluerit stabilitatem suam firmare non rennuatur talis uoluntas ... aftar diu ... statiki ...

[Bd. 6, Sp. 5786]


festinon ... si kevvidarot solih ... Kero benediktinerregel cap. 61 Hattemer 1, 116;

ich hilue dir gerne hinnen
wilt du helt dingen
dar zu dem chunige Marsilien
dune maht iʒ nicht gewideren.
behalt lip unt rum
wilt du des nicht tun.
dinen botich wirue ich den uogelen.
Konrad Rolandslied 149, 8 W. Grimm;

sprichet ain man den andern an der wirs geborn ist, er widert es wol. sprichet ain hôchgeborner ainen an der wirz geborner ist danne er, er enmag sîn niht gewideren. Schwabenspiegel landr. § 350 Wackernagel 311 (vgl.: die aver bat geboren is, den ne kan die wers geborne nicht verlecgen, var. geweigern, verwerffen. Sachsenspiegel landr. 1, 63). im folgenden ist mehrfache deutung möglich: widern kann ebenso gut zu rursus als zu adversus gezogen werden, und die varianten haben die entscheidung verschiedenartig getroffen: der gen Troy reit, u underwegen manchen seltzamen gedancken u anschlag het, wie er dem grafen sein betrug möcht gewidern, und gedacht offt bei jm selbs ... Huge Schappler (1537) 52b (die Hamburger handschr.: wie er graue Frideriche sinen muttwillen nieder legen mochte. 52 ra Urtel; der druck von 1500: wie er dem graffen siner boszheit möchte vergeltē. lxviib).
c) aus diesem bedeutungszusammenhang zweigt das mundartliche adjectiv gewiddersch ab, vgl.: 'ein gewidderscher kerl' ist einer, der vielleicht seine nubben hat, hinter dem aber doch etwas stecken kann. S. Saul ein beitrag zum hessischen idiotikon 16.
2) zu wider (rursus) setzen die belege erst später ein; sie reichen nicht über das 14. jahrh. hinaus und sind auf mitteldeutsches gebiet beschränkt:
a) mit object der person:

daʒ er uns hie erloste,
und er aller hoste
zu disem nider geniderte,
daʒ er uns mite gewiderte
uʒ der sunden phule
zu deme hoen stule,
da wir zu manigen iaren
uʒ gevallen waren?
Heinr. Hesler Ev. Nic. 154 Helm.


b) mit object der sache:

sin iare niemant gewid'n kan,
sw' alt ist, d' sol loben got
daʒ in gevristet hat d' tot
so lange ...
Hugo v. Trimberg renner 6666;

und hîldin darûf engin rât,
wî sî mit werlîchir tât
den sô vîentlîchin pranc
besît geschubin, der sî twanc,
und gewidirtin den schadin,
dâmit sî sus wârn vorladin
von der brûdre twengin.
Nicolaus v. Jeroschin chron v. Preuszenland 17, 165 Strehlke.

 

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