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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewettgericht bis gewicht (Bd. 6, Sp. 5707 bis 5711)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewettgericht, selten gewettsgericht,n.: die schreiberei, so in alten lateinischen schriften grapheum genannt wird, die sind nicht allein geräumige zimmer zur gerichthaltung zweener untergerichte, welche das gewettgericht, und ohne beisatz das gericht genannt werden, sondern auch um und über diese zimmerbehältnisse und gefängnisse für arrestanten und verbrecher von verschiedenen gattungen. Niehenck gemeinn. aufs. z. den Rostocker nachrichten (1776) s. 8; das gewett oder gewette bezeichnet auch in Niedersachsen eine geldstrafe, wie brüche oder brüchte. das zur bestimmung der geldstrafe geordnete gericht, heiszt daher das gewettgericht oder wettgericht. doch nennen sich einige stadtgerichte in Niedersachsen (wie es scheint, mehrerer ehre halber) allezeit gewettgericht. Heynatz 2, 55; in späterer zeit hielten nur das gericht und das gewettsgericht ihre sitzungen in diesem gebäude (bei der Marienkirche nr. 24 zu Rostock), das auszerdem auch als gefängnisz diente. Koppmann beiträge z. gesch. d. stadt Rostock II, 3, 105; da ferner die gemeinde versammlungen nicht blosz zur verhandlung über städtische angelegenheiten, sondern zugleich zur erledigung von gerichtssachen in gebotenen und ungebotenen dingen dienten, so ist für die ungleiche stellung der gemeindeangehörigen ferner der umstand von bedeutung, dasz die handwerker ihren gerichtsstand nicht vor dem stadtgerichte (dem richtevoigte), sondern vor dem gewettgerichte hatten (den weddemeistern). Mann entwickl. d. Rostocker stadtverfassung in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1890) I, 1, 13; die am 20. juni 1906 ausgelosten schuldverschreibungen der 3 ^%igen Rostocker stadtanleihe ... sind vom 12. 1. 07 ab bei der stadtkasse ... in Rostock einzulösen. gegeben im gewettgerichte. Rostock 27. 12. 06. B ... gewettssekretär.
 
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gewettlauf, m. (vgl. DWB gewett 2): gewettlauff, bravium. oberd. vocab. des 15. jahrhs. Diefenbach - Wülcker 619.
 
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gewettsbuch, n.: da das verfahren, wonach sich ankläger und beklagter gleich zu anfang in die haft begeben, unseren juristen wohl nicht sehr bekannt sein wird, so hat vielleicht für jemanden die folgende eintragung aus einem Warnemünder gewettsbuche (von 1501 u. 1584) interesse. Brümmer verstrickung d. klägers u. d. angeklagten in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1898) II, 3, 106; gewettsbuch betr. das fischer und fischselleramt s. Koppmann ebenda I, 4, 87.
 
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gewettsherr, m.: aus dem alljährlich von dem gewettsherrn zu Warnemünde verkündigten mandat geht

[Bd. 6, Sp. 5708]


hervor, dasz der termin der schonzeit ... den Warnemündern gegenüber bereits 1606 ... geltend gemacht wurde. Koppmann a. a. o. II, 1, 49.
 
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gewettsstube, f.: ein inventar von 1794 macht auf der schreiberei die gewettsstube, die gerichtsstube und die alte gerichtsstube namhaft. Koppmann a. a. o. II, 3, 105.
 
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gewetze, n., verbalsubstantiv zu wetzen s. d.: wetzung ... das gewetze, executio, it. ostentatio, pompa, festus Stieler 2519.
 
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gewetzt , participiales adjectiv zu wetzen.
1) in den wörterbüchern, die das particip mit seltener übereinstimmung buchen, ist die grundbedeutung starr festgehalten. acutus, gewetzt ... scharff, spitzig Cholinus-Frisius 21a; genau so Cellarius 2; Dentzler 10; gewetzt, aguzzato Hulsius (1605) 63a; gewetzt, aguisé, acutus, executus Duez 199a; gewetzt, acutus Steinbach 2, 987; ähnl. Rädlein 1, 383a; Hederich 1, 1422. gewetzt, acutus, tribulatus Kirsch 2, 151b; ebenso Matthiae nov. locupl. manuale 181a.
2) auch der litterarische gebrauch, der schon in der zweiten hälfte des 17. jahrh. bezeugt ist, entfernt sich nicht weit von der belegten begriffsbestimmung. charakteristisch ist hier die enge verbindung mit scharf: die meisten belege fallen auf das compositum scharfgewetzt:

ach! diese sinds, die, wenn der frost wird schwinden,
... auch sich an dieser saate fruht
nach der betrübten tage flucht
mit scharffgewetzten sicheln machen.
Andreas Gryphius (oden 1, 3) lyr. ged. 207 Palm;

ein fauler wind kan keinen halsz zerbrechen;
ir seid ein junger printz, kans ja nicht anders sein,
ein scharf gewetztes stahl helt alle zungen ein.
Rachel (7: freundt 448) sat. ged. 98 neudr.;

nein! lieber lenk' du selber dein geschirr
ihn soll schon mein gewetzter speer empfahen. Ilias, übers. von
Bürger 5, 290 (schr. 3, 77; in der hexameterübers. v. 238 mit dem scharfen speere; bei
Voss: mit spitziger lanze);

es rasseln noch viel scharfgewetzte pfeile in unserm köcher. jeden, der uns was zuwider spricht, wollen wir nicht in ephemärischen rezensionen, sondern in Dunciaden, in gassenhauern, zum ewigen dauernden skandal prostituiren. Bürger (an Boie 19. 12. 1776) briefe 1, 381; anders: seeluft gewetzter appetit nationalzeitung 77, 377 s. Sanders ergänzungswb.
 
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gewic, gewich, s. gewicht II.
 
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gewichst , participiales adjectiv zu wichsen (s. d.). von der ursprünglichen bedeutung des verbums wichsen ausgehend (vgl. wihsen, wächsen, cerare. vocab. von 1483; vgl. Lexer 3, 883) nimmt unsere form im gegensatz zu gewächst (s. sp. 4740) auch die sonderbedeutungen auf, die sich in wichse und wichsen herausgebildet haben; aus ihnen endlich entwickelt sich übertragener gebrauch.
1) das particip in den verwendungen von gewächst; vgl. inceratus ... gewichszt Dasypodius F. 2b; gewichszt, inceratus Maaler 179c; gewichszt, gewächszt, ceratus Henisch 1599; ähnlich G. M. König 560a; Denzler 132a; Aler 936a; Kirsch 2, 151b; gewichst v. gewächst Rondeau 2, Uu 3b.
a) so richtend mir z ainen sarch der wol gebicht und gewichset sie, dar in sie nit versinken müg: villicht wird sie bewaret vor den merfischen und komet ze land und wird nach künglichen eren bestatet. Appolonius v. Tiria 110 Schröder; gewichset, ceratus (... in tabellis ceratis ...) C. Seidel port. lat. ling. s. 75;

man schälete die linden
und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden
mit grosser müh' und kost.
Fleming 125 Lappenberg;

wie er die damen ansichtig wird, fällt ihm der hut, und indem der gerettet werden soll, der stock; auf einem gewixsten fuszboden, wäre er wohl selbst hinten drein gefallen, mangel an gleichgewicht war hinlänglich da. Lichtenberg (vorschlag zu einem orbis pictus ...) verm. schr. 4, 155; gewichste flügel, federn, alae, pennae ceratae Aler 936a.
b) (die juden) toten om (dem müller) funf kinder bermelichin und vingen ir blut inn gewichste secke und ander gefesze. Joh, Rothe düringische chron. (471) Liliencron s. 388; und das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleip unversert in dem füre. Königshofen Straszb. chron.

[Bd. 6, Sp. 5709]


(d. städtechron. 8, 414); gewichstes tuch, tela cera illata teutsch. lat. wörterbüchlein (1713) 101; sonsten hatte sich der könig in Franckreich gegen diesen ambassadeur sehr hart hierüber beschweret. dasz die Engl. etliche todte cörper in eine gewichsete leinwad zusammen gerollet. Prätorius zodiakus mercurialis (1667) 98; gewichste leinwand s. wachsleinwand Chomel 4, 1048; ich versetzte, er solle mir nur die erlaubnisz geben, so getraute ich mich bis hinaus auf die wiesen zu fliegen, wenn ich mir ein paar flügel von feiner gewichs'ter leinwand machen wollte. Göthe (Benvenuto Cellini 2, 11) 34, 327.
2) das particip in den engeren verwendungen, die sich an wichse, wichsen entwickelt haben.
a) gewichset oder gewächset oder geschmieret lederne schuhe, waxed leather-shoes teutsch-engl. wb. 2, 772 (da neben faden, leinwand ebendort nur die form gewächst angesetzt ist, ergiebt sich für gewichst aus dieser verbindung bereits ein bedeutungsunterschied gegen gewächst); und den anzug nach unten vollendeten ein paar schuhe von gewichstem kalbleder. Joh. Gottw. Müller Siegfried von Lindenberg 106; bei uns zu lande giebt's keinen noch so schäbigen lumpen, der nicht ... dasselbe lied von seinen adeligen vorfahren zu singen wisse, und noch mit seinem angebornen wappen das conto für gewichste stiefeln siegelte. Gaudy (aus dem tagebuche eines wandernden schneidergesellen) 1, 191 Müller; das knarren seiner wohlgewichsten stiefel sagte einstweilen, ehe es die ballgäste thaten: ei, da ist er ja! da ist er ja! Otto Ludwig (zwischen himmel u. erde) 1, 180; von einem derselben (der corridore) blickte ich in ein kleines gärtchen, wo ich Napoleon en migniature aufgestellt sah, mit gewichsten stiefeln und hütchen. Fr. Hebbel tagebücher (11. 5. 1844) 2, 398 Werner.
b) an beiden ohren die schneidigen lockensechser hübsch glatt gewichst. Rosegger idyllen (zur weihnachtszeit); (der) durch ein krampfhaftes drehen des wohlgewichsten schnurrbarts ... innere bewegung verriet. Friedr. Halm (die marzipanliese) 4, 12 Schlossar.
3) der übertragene gebrauch vgl. een gewikste vent Schuermans 155a; gewickst, knap, schrander, uitgeslapen J. Winkler fries. wb. 1, 455a; gewixt, er ist ein gewixter, quem usus erudivit; scitus; fallaciarum artifex; doctus. G. Th. Serz teutsche idiotismen 55a; gewickst, gewandt, 'n gewickster mensch C. Chr. L. Schmidt Westerwäld. idiot. s. 328 (erinnert an ofwickse, sich prächtig herausputzen, jemand aufs ohr hauen); gewixt und gewürfelt bedeuten beide fast einerlei: gewandt, versatilis, versutus W. F. H. Reinwald Henneberg. idiot. 2, 51 (stellt gewixt etymologisch zu fix und witz); er war, was man in Deutschland einen gewichsten jungen mann zu nennen pflegt, ein stutzer; er hatte blonde in die höhe strebende haare ... niedere stirne ... über dem mund hing ein stutzbärtchen, dessen enden hinaufgewirbelt waren ... seine kleidung wie seine sitten schien er von verschiedenen nationen entlehnt zu haben. W. Hauff memoiren des Satan 1. teil 18. cap.; geschniegelt und gewichst, vom wollenen zopfband und den gepuderten ohrlocken bis zur breiten kamaschenzunge auf den stumpfschuhen, hielten sich alle puppenartig steif, im damaligen stil der reichsarmee. Heinrich Koenig die clubisten in Mainz 1, 105; da hatten wir vor nicht langer zeit einen freiwilligen, der hiesz Laufer; er hatte was gelernt und hätte es vielleicht zum offizier bringen können, denn es war ein gewichster kerl, der einem was weis machen konnte; doch trieb er gar zu viel unsinn. Hackländer das soldatenleben im frieden, nach Kurz, gesch. d. litt. 43, 753a; von dem früheren gewichsten, frischen und muntern wesen war wenig mehr bei ihm zu finden. J. Gotthelf Hans Ioggeli (volksschr. Zürich 1893); aus diesen belegen ergeben sich zweierlei richtungen des übertragenen gebrauchs: die eine zielt wie gerieben, gewürfelt u. a. auf das glatte, abgeschliffene, vgl. gewixt für fein, pfiffig Castelli 159; die andere zielt in anlehnung an geschniegelt und gebügelt auf das blanke, saubere, vgl. das studentische subst. wichs. beide richtungen lassen sich ungezwungen auf wichsen (mit wachs, wichse blank reiben) zurückführen.
 
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gewicht I, n. , nebenform zu geweih s. sp. 5433 ff.
1) die belege für diese mit dem t-suffix gebildete form setzen später ein als die auf geweih hinleitenden zeugnisse,

[Bd. 6, Sp. 5710]


sie fallen erst in das ende des 16. jahrh. die ältesten zeugnisse weisen an den Rhein und zwar in dessen südliche gebiete: Elsasz, Pfalz und Hessen; ihnen schlieszen sich schlesische und für den anfang des 18. jahrh. auch Augsburger belege an. die bayrisch - österr. mundarten kennen nur die diminutivform gewichtel (s. d.), die sich auf den rehbock beschränkt, während gewicht nur vom hirsch gebraucht ist.
a) im inlaut ist der kurze stammvocal zwar kein hindernisgrund gegen die erklärung des substantivs aus gewîge, aber er läszt doch die ableitung aus gewegen, der oben aus innern gründen der vorzug gegeben wurde, auch formell als näher liegend erscheinen. der guttural ist vereinzelt, ebenso wie bei gewicht II (pondus) mit g wiedergegeben, doch ohne dasz dadurch ein verschluszlaut gekennzeichnet werden soll: gewigte neben hirschgeweih bei Erasmus Francisci lust. schaubühne 2, 128.
b) den auslaut bildet der dental; später macht sich auch hier wie bei gewicht II die analogie der andern neutra mit dem präfix ge geltend: gewigte Erasmus Francisci; gewichte bei Gryphius, Riedinger, ebenso Döbel 1, 17b; Chomel 4, 1059. eingebürgert haben sich diese formen jedoch nicht.
c) der plural ist oberdeutsch in der erweiterung mit r belegt: gewichter, gewichtern; an stelle des neutrums, das durchaus überwiegt, will Heynatz ein masculinum beobachtet haben.
2) die litterarischen belege zeigen die beschränkung auf den hirsch noch in stärkerem grade als sie oben bei geweih festgestellt wurde: da sihet nun Faustus hinüber in der ritter losament, einen schlaffendt unter dem fenster liegen ... doch der geist Mephostophiles ... zauberte jhm also ... ligend, ein hirschgewicht uff den kopff. als er nun erwachte ... kondte er mit seinem hirschgewicht weder hinder sich, noch für sich. volksbuch vom doctor Faust (neudr. 7) s. 76;

du hast ein hirschkopff, und gewicht,
und gantz nicht ein menschlich gesicht.
Isaac Gilhusius grammatica (1597) (3, 8) s. 83

ach hett ich jetzt in meiner gicht,
gleich einem hirsch ein starck gewicht,
mit macht wolt ichs in dein hertz stossn,
dasz du verführst klein und grossn. (3, 2) s. 64.

mit wolffbären und hirschhäuten, daran theils noch die gewichter oder gehörn waren, gezieret, welches förchterlicher war anzusehen. Moscherosch Philander v. Sittewald (2, 1) 620; voll hirsch - gewicht und anderer thiere gehörns an den wänden (2, 1) s. 604; denn sie hatten jhn (den hut) zum schauspiel in den saal an ein hirschgewicht hencken lassen (2, 1) s. 627; hirschgewicht auch bei Tabernaemontanus kräuterbuch 1197; (page) ... dasz er das jägerhorn von seinem halse riesz, und mit demselben nach dem hirschen warff. (Camilla:) damit wird er ihm zweiffels ohn das gewichte in stücken zerschmissen haben. Gryphius horribilicribrifax (2. aufz.) s. 25 neudr.; weil er lange mit den läppischen sitten zu kämpffen hat, dann diese kan man nicht so leichtlich ablegen, wie die schlangen ihre häute, die krebs ihre schalen, die hirsche ihre gewichter. Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. (3, 9 reisebeschreib. nach d. oberen neuen mondswelt) 3 (1713), 623; wiewol derselbige nam, andern theils, auch von dem hohen gewigte ihres kopffs herrhrete, welches die gestalt etlicher zweige von den eichenbumen htte: unter solchen hrnern, wren zwei, welche grszer denn das dritte, und eben an dem ort steckten, da das hirsch-geweih zu sitzen pflegt. Erasmus Francisci lust. schaubühne 2, 128; da erblickte er unversehens einen jäger, welcher einem hirschen nachsetzt, der mit rücklingsgeworffenem gewigte vor ihm, und seinem birsch-rohr, flohe. höll. Proteus 548; ein flüchtiger hirsch mit seinen gewichtern homo simplex (Augsburg 1701) nach Birlinger schwäb. Augsb. wb. 195a; anno 1712 haben ihro churf. durchl. zu Trier Franc. Ludovicus disen hirsch, dessen gewichte in der höhe 3 schuh und 32 ende gehabt ... selbst gepürschet. inschrift unter einer radierung Riedingers;

auch einen schlanken sah ich, der auf dem haupt zum schmuck
gewichte trug, die einmal er ab nur legt' im jahr.
Rückert (37 makame) 11, 505 (anm.: der hirsch; gewichte, geweihe).

[Bd. 6, Sp. 5711]



3) in den wörterbüchern taucht die nebenform spät auf, zuerst in einer gegend, der sie landschaftlich zusteht. bald wird sie aber auch dort gegen die hauptform abgewogen und später als veraltet abgelehnt. für das thatsächliche fortleben darf die zähigkeit, mit der die wörterbücher der jägersprache unsere form hegen und pflegen, kaum als zeugnis gelten; eher noch die buchung in den mundartlichen wörterverzeichnissen, die sich aber anscheinend auch mehr auf alte überlieferung stützen. bei Lenz vgl. wb. des Handschuhsheimer dialects 28a ist nur die form kewei als lebendig festgestellt.
a) charakteristisch ist die darstellung bei Duez, der als erster von unserer form notiz nimmt. in seiner nova nomenclatura (1652) gebraucht er die form gewicht als normalform: la teste de dix cors, ein gewicht von zehen enden s. 189; la teste, le bois, la rameure, das gewicht ebenda; teste fourchée, gablicht gehörn oder gewicht. dagegen wird im wörterbuch von 1664 gewei vorangestellt und unter gewicht eines hirsches (s. 199a) einfach auf das erste verwiesen. dazu vgl. gewicht der hirsch, cornua cervorum Aler 936a; geweih sagt man auch vom gehörne des hirschen, welches noch einige als gewicht aussprechen, wovon es scheint den namen zu haben Frisch 2, 445c. der gewicht für das geweih ist veraltet. Heynatz 2, 55; vgl. auch Hilpert 2, 1, 464b.
b) geweihe, geweyhe, oder gehörne, ingl. gewichte, nennet man nach der jäger - sprache die hörner des hirsches. Chomel 4, 1046; gehörn, gewicht, geweihe, gestänge; auf diese verschiedene art werden des hirsches hörner henennet. Heppe wohlredender jäger s. 149; der hirsch hat auf dem kopfe ein gehörn, heiszt auch ein geweihe, oder auch ein gewichte. Döbel neueröffn. jägerpractica 1 (1783), 17b; gewicht sagt man auch für geweih. H. Laube jagdbrevier 258.
c) gewicht, n., hirschgeweih, (in der mehrzahl) gewichter Stalder 2, 446; gewicht, n., die ältere, auch in Hessen üblich gewesene, theilweise (am Knüll) noch immer übliche form des neuen wortes geweih. Vilmar idiot. von Kurhessen 452. das gewicht = geweih Himmelstoss aus dem bayr. wald (Bayerns mundarten 1) 255.
 
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gewicht II, n. verbalsubstantiv zu wegen (wiegen, s. d.), theilt sich mit dem lehnwort pfund in die verwendungen, die das lateinische pondus umfaszt. letztere sind: die sachbedeutung eines wägemaaszes, die sachbedeutung einer abgewogenen masse und der eigenschaftsbegriff der mesz- und wägbaren schwere. pfund hat die beiden sachbedeutungen überkommen, aber als ein engerer begriff im gegensatz zu dem umfassenderen lateinischen vorbild (pondus). gewicht bleibt ein weiter umfassender begriff, aber es hat die sachbedeutung der abgewogenen masse abgestreift; ihm verbleiben hauptsächlich die sachbedeutung des wägemaaszes und der eigenschaftsbegriff der schwere, die vor allem durch die mannigfaltigkeit der übertragenen verwendungen eingehende beachtung fordern.
1) vorgeschichte, erstes auftreten, bedeutungsumfang, statistik, formen.
a) unter den substantivbildungen gleichen stammes ist die ableitung mit dem t-suffix auf deutschem boden verhältnismäszig spät belegt (zu der mittelniederdeutschen form wacht vgl. teil 13 sp. 172), sie tritt erst bei den nachzüglern des minnesanges zu tage und findet in der geistlichen litteratur des 13. jahrh. und in der geschäftssprache des 14. jahrh. die erste pflege, vgl. mhd. wb. 3, 641a, Lexer 1, 990; nachtr. 209; auszerhalb des engeren deutschen gebietes fallen die zeugnisse viel früher, vgl. angels. gewiht, gewyht, gewichte Bosworth-Toller 467a ff.; mittelniederl. gewichte Verwijs - Verdam 2, 1906; altnord. vaett Fritzner ordbog 3, 981b; dazu vgl. englisch weight, vgl. niederl. gewigt (gewigt, wigt Terwen etymolog. handwb. der nederduitsche taal 959, vgl. auch Franck 292); friesisch gewicht, gewigt (J. Winkler friesch woordenboek 1, 455a; ten Doornkaat Koolman 1, 625a). dem gegenüber wird der alt- und mittelhochdeutsche gebrauch, soweit er litterarisch bezeugt ist, von andern bildungen gleichen stammes beherrscht, die namentlich auch für die übertragenen verwendungen belege stellen. wenn schon bei der sinnlichen verwendung dieser substantiva im dienste des handels und verkehrs mit dem einflusz römischer kultur gerechnet werden musz, so ist für

[Bd. 6, Sp. 5712]


die übertragenen verwendungen in jedem falle das lateinische vorbild nachzuweisen. selbständiger stehen hier die tropen, die an das verbum anknüpfen und die in formelhafter wiederholung die ältere sprache so breit durchziehen, vgl. DWB daz tir nieht ne wege, ne putes injuriam Notker Boethius u. a. s. Graff 1, 656 (vgl. jedoch auch das lat. moveri); an im wac vür der minnen lôt Wolfram u. a. s. mhd. wb. 3, 627 ff.
α) in erster linie kommen zwei substantivbildungen in betracht, die sich an die form des präteritums anschlieszen: wage und gewaege.
1)) das fem. wage (s. teil 13 sp. 346 ff.) weist in der älteren sprache einen viel weiteren bedeutungsumfang auf als in der neueren, vgl. althochd. waga Graff 1, 664, mittelhochd. wage mittelh. wb. 3, 646 ff. abgesehen davon, dasz waga von vornherein auf vorstellungen, die mit wägen und mit gewicht zusammenhängen, nicht beschränkt ist, dient es innerhalb dieses rahmens nicht blosz den begriffen libra, libratio, trutina, lanx, die das zum wägen nothwendige geräth kennzeichnen, sondern auch der bedeutung pondus, stater, perpendiculum, die heute durch gewicht und andere bildungen gedeckt werden. auch ansätze zu übertragener verwendung begegnen hier früh, und die verbindungen, in denen gewicht belegt ist, sind meist vorher schon für wage nachgewiesen. einer der beliebtesten tropen jedoch, der sich an lat. vorbild anlehnt, geht von der bildung wagi aus: mit tero wâgi dînero redo, pondere Notker Boethius s. Graff 1, 665.
2)) enger gezogen scheint der bedeutungsumfang für die entsprechenden formen mit dem präfix, vgl. gawagi, stater, talentum Graff 1, 665; gewaege, gewege mhd. wb. 3, 647a; gewaege oben sp. 4749 ff. die von Schmeller 22, 869 aus der bayr. mundart beigebrachte redensart es hats gwag hinüber deutet allerdings auf eine umfassendere vorstellung und auf die function eines nomen actionis; die litterarischen belege dagegen beschränken sich von anfang an auf die sachbedeutung im sinne von pondus, pfund, die sich in zwei richtungen gabelt, je nachdem das gewaege als maasz oder an stelle der münze dient. eine übertragene verwendung setzt erst in der geistlichen prosa des ausgehenden mittelalters ein und wird von den entsprechenden verwendungen der form gewicht durchkreuzt. in der sinnlichen bedeutung reicht gewaege, gewege mit einzelnen belegen bis ins 17. jahrh.
β) die anlehnung an den präsensstamm, soweit nicht zeugnisse für die form gewege heranzuziehen sind (vgl. oben sp. 4750 ff.; vgl. DWB gewege II sp. 5394), bleibt auszerhalb der ableitungen mit dem t-suffix vereinzelt:

swer einhalp ein marc
wiget gein einem satîn,
daʒ muoʒ vil ungelîche sîn
ir beider gewige.
Heinr. v. d. Türlin krone 2920 Scholl;

swas öch der marggrafe von Baden den burgern von Straʒburg untze har schaden getan het, vur den schaden allen sol er in geben. ahtzig und hundert marg silbers luters und lötiges des gewiges von Straʒburg zu disen zilen. urk. v. 1276 bei Wencker collecta 59; eʒ ist auch ze wiʒʒen, wer ainen ungerechten ellenstab hat oder ungerechtz gewige ... ez sei eisenwag, plechwag oder chupferwag ... der ist chomen umb 50  Perner. rechtsbuch von Brixen (1379) österr. weisth. 5, 390; nimm der gûtun mirrun 6 phennige gewich ... und pulvere eʒ sunderlîche. s. Pfeiffer, arzneibücher aus d. 12. u. 13. jahrh. (Wiener sitz. - ber. 42, 119). dû solt nemen ein gewich carioffiles (42, 121); nim alten swînissmerwes ênir unzo gewic ... des ôles ... zwô unze gewic (42, 126); auf apokope des dentals weist: geinerleie waige noch gewich haben. Kölner verordnung von 1430 Stein 2, 266.
γ) aus den litterarischen zeugnissen für die formen des compositums, soweit sie der form gewicht vorhergehen, ergiebt sich eine bemerkenswerthe einschränkung auf verwendungen, die mit dem wägeverfahren zusammenhängen. die allgemeinere bedeutung einer hebelwirkung und die noch umfassendere einer bewegung überhaupt sind an dem grundwort wage beobachtet, kommen dort jedoch nicht mehr voll zum ausdruck. die belege beziehen sich fast ausschlieszlich auf den tauschverkehr im handel und auf das münzwesen. für die function eines nomen actionis ist hier wenig spielraum,

[Bd. 6, Sp. 5713]


im vordergrund steht die sachbedeutung, bei der als hauptbegriffe zu unterscheiden sind: die wage mit der wagschale (libra, lanx); die last, die in die wagschale als hebel oder wägemaasz eingelegt wird (pondus, stater), drittens der körper oder gegenstand, der durch den hebel gehoben, durch das wägemaasz gewogen wird (pensum). die lateinische sprache kann, wie schon bemerkt, für die beiden letzten begriffe in gleicher weise pondus eintreten lassen; die ältere deutsche spracheohne eigentlich an die entwicklung des lat. libra anzuknüpfenbraucht das subst. wage auch für alle bedeutungen von pondus.
b) in den eben gekennzeichneten kreis der verwendungen dringt zu ende des 13. jahrh. die form gewichte, gewicht einanfänglich mit beschränkung auf die beiden letzten bedeutungen des wägemaszes und der gewogenen last. man darf anscheinend niederdeutschen einflusz dafür annehmen, der sich auf mitteldeutschem boden ausspielt; denn die meisten älteren belege weisen dorthin, so aus dem mitteldeutschen gedicht erloesung und der mitteldeutschen bearbeitung des schachzabelbuches, die belege aus Heinrich von Meissen, dem rechtsbuch nach distinct., der Hohenfurter benediktinerregel und aus der reimchr. von Gandersheim. auszerdem ist nur auf niederdeutschem boden der bemerkenswerthe gegensatz zwischen dem neutrum gewichte und dem fem. wicht nachzuweisen, der uns bei den formen (s. u.) beschäftigen wird. jedenfalls aber ist das wort in der form des neutrums rasch in oberdeutsche denkmäler vorgedrungen, vgl. die zeugnisse aus der Martina des Hugo v. Langenstein und dem Basler urkundenbuch, s. u.
die ältesten belege führen das substantiv im rahmen eines ausgeführten bildes ein; die an den thatsächlichen gebrauch der wage anknüpfenden zeugnisse sind jünger:
α) die grundbedeutung im dienste des täglichen lebens.
1)) gewicht als wägemaasz: ir sult rehte wâge haben unde rehte mâze unde reht gewihte: sô wirt iu got wegende mit der rehten wâge Berthold v. Regensburg 1, 148 (in der Heidelberger handschr. von 1370 überliefert); dhat gewichte unde dhat gelode van silvere unde van anderemme gode, da[t] man weget uppe dhere schalen, dhat schal men gelic halden unde recht. dhat cap sal behalden an dhere wichte (zur abgrenzung des neutrums gewicht vom fem. wicht s. u.) 8 punt Livisch. urk. Jaroslaws von Nowgorod 1269. im Hansischen urk.-buche 1, 235; die wechssler ... sind schuldig ze wechsslen und wag und gewicht der wagen ze haben, sust soll kein anderer wechssel triben noch wag und gewicht haben inn der statt Basel, dann allein goldschmid ... welicher aber dawider tette und wechssel tribe, und wer sich dess gewichts underzuge, der verbessert dru pfund. verordnung von 1289 Basler urkundenbuch 2, 366; der goltsmed, noch der silberbornes, sullen keinerlei gewichte haben denne einerlei, so daz si an eime innemen unde an deme andern wedder uszgeben. wer des oberkomen wurde, der hette falsch unde dube begangen. rechtsb. nach distinct. buch 5 cap. 10 Ortloff;

vor dem kunge ein vende stat
der alsuliche forme hat
uf disem schach gevilde:
he trug in menschin bilde
ein gewichte mit der woge
in sinir rechtin hand ze phloge. mitteld. schachbuch des pfarrers zum Hechte; z. d. a. 17, 293;

(bei Jacobus de Cessolis: habens in manu dextra libram cum pondere; bei Ammenhausen: und sol in sîner rehten hant ein wâge hân. schachzabelbuch 13070 Vetter);

er (Xerxes) hiesz doch, daz des snitzers list
von sîner lêr des waer ermant
und ime snit in die rehten haut
ein wâg, dar inne daz gewiht. (reim auf niht).
Heinrich von Beringen schachgedicht 6272 Zimmermann;

den schal men ene wachtschalen
in siner vorderen vinger malen
dar inne schal wesen like wichte
dar he de lude mede berichte.
Meister Stephan schachbuch 3401 Schüter.


2)) gewicht für die gewogene last:

rodes goldes nam he ein grot gewichte,
unde vor eines goltsmedes angesichte
leit he ein schone halsgolt daraf maken.
Eberhards reimchron. v. Gandersheim 1189 Weiland. ähnlich erlösung 3884, s. u.

[Bd. 6, Sp. 5714]



β) bei der tropischen verwendung herrscht die vorstellung des wägemaaszes vor, soweit sich die bedeutung nach dieser seite überhaupt abgrenzen läszt. fremdartige belege für den begriff der abgewogenen last stellt die Hohenfurter benedictinerregel, die das lateinische pensum in übertragenem sinne einfach mit gewicht wiedergiebt:
1))

da von ir truogen grozen nit
dez tievils burgere
den was ir lebin swere;
wan siu erkanden gotis niht,
ir lot was valsch und ir gewiht:
erbermde ist lazin und gebin,
daz sunt ir merken rehte ebin.
Hugo v. Langenstein Martina 26a Keller s. 64;

sô sol das wirdeclîche pfunt
die wage rihten in den cloben,
daz es sol von rehte loben
allez himelischez her,
daz der mensche in gewer
stêter frouden blîbe.
sus wil ich selbe an lîbe
wesen daz gewichte
daz die wagen rihte
ûzer dûfen in den luft. erlösung 1017 Bartsch (ganz ähnl. 875 hôchgewihte);

ôwê guot und êre
rîcheit, gewant, gesteine, golt, daz wirt ein kranc gewihte
wider dem schatze, der ân allez ende wert.
Heinrich von Meissen (Frauenlob) 18, 6 Ettmüller.


2))

guot vriunt verwigt den zentenaere,
der valsch' ein quinti niht enwigt,
da wort, niht werk, ze wage ligt,
pfuch, der gewiht ist ganzem vriunt unmaere. der alte
Meiszner 1 (v. d. Hagen 2, 224b);

durch daʒ in disen tagin sul wir ettewaʒ zû irbîtin zû unsirme gewonlîchin gewichte (pensum) unsirs dînistis. daʒ ist sunderlîche gebeit inde tempernisse der lîpnar. Hohenfurter Benedictinerregel 49 Scherer (z. f. d. a. 16, 261), ebenso 50 (s. 262).
c) im übergang zur neuhochdeutschen periode und innerhalb der neueren sprache erweitert sich der bedeutungsumfang von gewicht in mehrfacher richtung.
α) bei einigen zeugnissen wird der breite umfang bloszgelegt, der dem substantiv von der grundbedeutung des verbums aus zusteht: gewicht, n., wellenschlag auf dem Rhein. Kehrein volksspr. in Nassau 163. vgl. DWB wacht teil 13, sp. 172. in anderer beziehung gehört in diesen zusammenhang vielleicht ein eigenartiger gebrauch bei Geiler v. Kaisersberg: S. Elisabeth hat alle menschen nitt anderst liebgehabt dann in got, ja auch jre natürlichen kind, wann do si befand in jrem hertzen ain gewicht z jrem kind, wie dann z andern, do bat si got den herrnn das er ausz jrem hertzen wölt nemen alle natürlich lieb so si het z jren kinden. geistliche spinn (8. predigt); die natur gibt dir das gewicht in dein hertz, das ist niht ain todsünd. ebenda. eine dritte stelle ist anscheinend als ein versuch Geilers aufzufassen, diesen eigenartigen gebrauch von gewicht an die sonst gebräuchlichen formen anzulehnen: also die seel hatt wol krafft sich über sich auff zu richten, si hat naiszwan von aigner natur ain gewicht in jr das si über sich zeücht in das von dem si geflossen ist, aber der leim unnd die kettin weltlicher liebe laszt si nitt. ebenda 4. predigt.
β) der begriff der hebelbewegung, der beim mittelhochdeutschen gebrauch von gewicht ganz auf die engere beziehung zur wage eingeschränkt ist, verzweigt sich entsprechend den fortschritten und erfindungen der technik in der anwendung auf maschinen aller art: die gewichte an der uhr, an schleudermaschinen, an mesz- und arbeitsgeräthen (s. u.).
γ) in der engeren beziehung auf das wägeverfahren:
1)) sind mannigfache übergriffe in die für das substantiv wage zuständigen verwendungen zu verzeichnen. gewicht nimmt hier jedoch weniger an dem verwendungskreise teil, den der begriff des geräthes um sich zieht, als an demjenigen, der die functionen eines nomen actionis entwickelt.
a)) deszgleichen inn dem gewicht, wegt er (der kaufmann) achte für zehene, gleich wie die metzger thun, die verkauffen die handt und den daumen auch darmit. Geiler von Kaisersberg predigt über das narrenschiff 102; s. Höniger 366 (bei S. Brant a. a. o.: man helt kein massen und gewicht); wenn man schon meinem mann, dasz das gewicht diesem löuwen ein fäler bringe, fürwirfft

[Bd. 6, Sp. 5715]


(der goldschmied hat nicht alles anvertraute gold auf den löwen verwendet), bin ich doch daz gewüsz, wo von nöten könte er in auch wol wägen. Wetzel übers. d. reise der söhne Giaffers 90 Fischer und Bolte;

die masz kanstu wol also sinnen,
das du doran mögst ettwas gwinnen.
... im gwicht brucht din list alltag,
uff das du gwinst den überschlag.
Valentin Boltz weltspiegel 1 (schweiz. schausp. 2, 144);

liesz ers liegen, nicht dasz sie jhm zu heisz waren, sonder, dasz sie etwas am gewicht zu schwer wagen, fr einen bruder zu ertragen. Fischart Gargantua (20) neudr. 235, anders die beispiele in 2) c) α) 2)).
b)) einzelne verbindungen, denen unser sprachgefühl den eigenschaftsbegriff der schwere unterlegt, wird die geschicht liche betrachtung auf ein nomen actionis zurückführen, da die verbindungen in diesem sinn schon bei wage nachzuweisen sind. für gewicht entbehrt die ältere litteratur nach beiden seiten der belege; das erste beispiel gehört der übersetzerprosa des 14. jh. an: ler, schepfer mich di weisheit, domit du gewegen hast di berg und auch die grunt in gleichem gewiht, und domit zu dreien vingern gehengt hast dies werikait der weld. Johann v. Neumarkt übers. der Pseudo-August. soliloquien (28 librasti in pondere montes et colles) 66 Sattler. vielleicht liegt auch ein gegensatz der auffassung vor in: corperliche ding ... gleicher schwere, so einander am gewicht gleich sind (Ryff vom rechten verstandt, wag und gewicht B 2b) gegenüber von dieweil sie nun für sich selbst in gleichem gewicht und gleicher schwere sindt. ebenda D 2a; als er nun auf di swelle des fürstlichen palastes getreten, hat er zwo weibes personen begegnet, di haben ihm eine lange stange gegeben, wi solche di seiltänzer gebrauchen, und gesagt: er solte solche ja in gleichem gewichte führen lernen, wann er nicht von dem smahlen pfad, in den abgrung (!) alles unheils fallen wolte. Samuel v. Butschky 500 ... reden (229: lehrged. vom hofe-leben) s. 151; vgl. vor allem die verdeutschungen von aequilibrium, aequamentum u. a. (sp. 5722), vgl. gleichgewicht, im gleichgewicht. noch deutlicher sprechen hierfür die einschlägigen verwendungen des einfachen gewicht, das hiebei die engste anlehnung an gebrauchsformen von wage (vgl. teil 13 sp. 357 ff.) zeigt: (der Grönländer) gebrauchet sich im fahren nur eines ruders, so auff beiden seiten recht, oder pinnen und platte schauffeln hat, mit welchem er sich im gewichte halten, und wenn er wird durch sturm umbgeworffen, bald wieder auffkommen kan. Olearius persian. reisebeschreibung 87a; oder ob sie den eierkorb nicht im gewichte gehalten, und sie davon were niedergezerret worden. Prätorius wündschelruthe (1667) 276; halteres, ... spring kugelen, darmede sick de springer, unde de up der linien gahn im gewicht erholden. Chyträus momencl. lat. sax.2 288; unter dem hauffen war ein junger gesell, der gieng auff hohen steltzen, die waren eines reichspies hoch, daran er gebunden war, in händen hielt er ein stäblein einer elen lang, damit gaucklet er hin und wider, auff dasz er meines erachtens im gewicht blieb. Salomon Schweigger reiszbeschreibung (1608) 77; fasse die muszquet mitten im gewicht. Joh. Jac. v. Wallhausen alphabetum pro tyrone pedestri (1615) 12; ebenso 15; zum fünfften, wie er die musquet neben der gabel in der lincken hand allein, wenn nur die musquet weder zu hoch noch zu niedrig ligt, im gewicht halten, und die rechte hand frei behalten soll ... (en la main gauche seule en contrepois, quil ne soit trop hault ou trop bas). die drillkunst (1664) A 3b;

dann halten sie die flügel still, in einem hangenden gewicht,
und scheuen das zerriszne leere mit furcht und zittern, bis das paar
der eltern dann vor ihnen fliegt ... (their pinions still, in loop libration stretch'd)
Brockes Thomsons jahreszeiten (frühling) 83;

des abends, in dem trüben himmel, beginnen feurig-rothe streifen
sich auszubreiten und zu häufen,
die drehnde wolken zittern fast, in einem schwindlichen gewicht,
sie kennen, annoch zweifelnd, nicht
den führen, dem sie folgen müssen (the reeling clouds stagger with dizzy poise). ebenda (winter) 445.


c)) die gleichen verbindungen dienen auch übertragener verwendung:

[Bd. 6, Sp. 5716]


da laufft der flüsse strom zu hauffen,
und wird gar wunderlich gemengt,
in dem er im gewichte hengt,
und musz in ein gefässe lauffen,
so stets in gleicher wage steht,
und nimmer auf die seite geht.
disz fasz ist der Homerus graben,
so mit der fluth bedecket bleibt,
und diesen klosz von sammen treibt,
den sie zur mutter scheint zu haben.
Hofmannswaldau deutsche übers. u. ged. (1679); der sterbende Socrates 135;

man findet tausend tausend sachen
die in der wahrheits wage gehn,
und da kein mensch darff zweiffel machen,
dasz sie nicht im gewichte stehn. ebenda 76;

du trägest auch die last, wie Atlas seine welt,
an eben diesem punct, und an denselben achsen;
weil tugend und verstand sie im gewichte hält,
durch welche Brandenburg zusammen ist gewachsen.
Besser (Churbrandenburgs trost, Friedrich III.) 20;

in anderen zusammenhang (s. 4) weist: mit solchen ... nächtlichen gestalten, und öfftern traum-wercken, betrügt annoch die alte schlang manchen ohn behutsamen menschen, worvon es kommt, dasz bei vielen der traum gleichsam mit der heiligen schrifft in gleichem gewicht ist. Abraham a Santa Clara Judas der ertz-schelm (1687) 4.
d)) unsicher ist die deutung des folgenden: solche kühe seien das lustigste metzgen; sie fielen gut ins gewicht, hätten zumeist mehr fett, als man glaube. Gotthelf Uli der pächter 26. cap. da ins gewicht fallen unter den übertragenen verwendungen eine bemerkenswerthe rolle spielt (s. unter 4), liegt es nahe, in diesem vereinzelten beleg den ausgangspunkt für den tropus zu suchen. freilich wäre nicht recht klar, worauf gewicht zielte, auf die wagschale oder einen anderen bestandteil des wägegeräths oder endlich auf das wägeverfahren überhaupt. daneben ist zu beachten, dasz für die tropische formel die erklärung auf dem boden der übertragenen verwendung nicht ausgeschlossen und dasz für den gebrauch bei Gotthelf noch eine andere deutung möglich ist (vgl. DWB so werde er im ausmetzgen desto besser ausfallen. Uli der pächter cap. 8).
2)) für die sachbedeutung eines wägemaaszes ist die vorherrschaft von gewicht gegenüber den oben belegten concurrenzformen gleichen stammes entschieden; neben diesen werden auch andere zurückgedrängt oder ganz ersetzt, das erste gilt für das lehnwort pfund (pondus), dessen bedeutung sich verengert, das zweite für das collectiv zu lot (geloete s. sp. 3051 f.): umb gelichen gelöt, wag, masz, metzen oder ellen. Münchener stadtrecht 108 Auer (vgl. oben ir lot was valsch und ir gewicht Martina).
3)) für den begriff des pensum läszt sich feststellen, dasz die sachbedeutung mehr und mehr durch die verwendungen verdrängt wird, die eine eigenschaft ausprägen. gewicht wird immer seltener für schwere körper, immer häufiger für die körperschwere gebraucht. auch diese bedeutungsrichtung läszt sich schon für das lat. pondus nachweisen (vgl. unter 2). als ein übelstand wird gelegentlich empfunden, dasz ein und dasselbe wort die sachbedeutung des wägemasses und den eigenschaftsbegriff der schwere zum ausdruck bringt. in der älteren zeit, als die grenze gegen die concurrenzformen noch flüssiger war, läszt sich kaum ein bestreben nachweisen, den überflusz an synonymen nach dieser seite dienstbar zu machen; so tritt z. b. im folgenden für die gleiche sachbedeutung des wägemaszes erst gewicht, dann gewäge auf: daʒ nieman ze Schafhûsen mit dekainer hand gewicht es sîe gros oder klein nû hinnanhin sol wegen us alder in ... die gewge sien den nur von den die darüber ... gesetzet sint gevächtet und gezaichent. stadtbuch von Schaffhausen (14. jahrh.) Alemannia 5, 222; andererseits ist gewicht z. b. innerhalb eines satzes in drei verschiedenen bedeutungen gebraucht: dann ich wuste nicht allein meinen vortheil im wägen, und das fleisch in die schale zu werffen, dasz das gewicht geschwind übersich schnappen muste, hernach dasselbe geschwind wider heraus zunehmen ... und solten die käuffer alles heimgetragen haben, so an der wag gewesen, so dasz sie ihr völlig gewicht zu hausz hätten haben sollen, so wär mir auch in meinen lehrjahren kein finger mehr an den händen geblieben. mit niemand kont ichs besser, als mit denen fleischsschätzern, die gern ein aug zuthäten, wann sie mir wag und gewicht visitirten. Grimmelshausen

[Bd. 6, Sp. 5717]


wieder erstandene Simplic. (3, 3: verkehrte welt 10) 3 (1713), 236. in der neueren sprache, die gelegentlich durch neubildungen der verschiedenheit der begriffe gerecht zu werden sucht, hält auch gerade der eigenschaftsbegriff an gewicht fest, während die neubildungen mehr der sachbedeutung des wägemaaszes gelten. der allgemeine sprachgebrauch nimmt freilich von diesen unterschieden meist keine kenntnis, und wie früher wird gewicht auch jetzt noch in einem und demselben satz sowohl für den eigenschaftsbegriff als auch für die sachbedeutung gebraucht: eben dieser in demselben verhältnisz eingetheilten gewichte bedient man sich auch bei den flüssigen arzeneien. ob man gleich maasze oder sogenannte mensurirgläser hat, die nach diesen gewichten bestimmt sind; so thut man doch besser, wenn man tincturen, oehle u. d. abwiegt, weil die flüssigen arzeneien eben so wenig als die trockenen ein gleiches gewicht haben. Karl Gottfried Hagen lehrbuch d. apothekerkunst 1 (1829), 52 f.; und wenn hier wenigstens der numerus den unterschied der begriffe andeutet, so fällt auch dies merkmal weg in: kommt für die ermittlung des gewichts der ladung ... das durch das gegenwärtige gesetz vorgeschriebene gewicht dergestalt in anwendung. preusz. gesetzs. 1856 s. 547.
4)) die in 2)) und 3)) gekennzeichneten bedeutungsrichtungen spiegeln sich eigenartig in der beziehung auf edelmetalle wieder, die schon bei gewaege (s. o.) so breiten raum einnahm. die sachbedeutung eines wägemaaszes (fünfzig marck silbers Costentzer gewicht St. Galler urk. von 1325) wird inmitten der entwicklung des gemünzten und geprägten geldes durch andere benennungen zurückgedrängt: Costentzer münz, St. Galler wehrung, Rinischer gulden. dafür gewinnen die sachbedeutung der gewogenen last und der eigenschaftsbegriff durch die gleiche ursache ein neues gebiet, vgl.: ein Haller gewicht im sinne von pensum, vgl. die formel korn und gewicht bei der prüfung von geldmünzen (s. u.).
δ) besonders entwicklungsfähig ist der eigenschaftsbegriff in den abschwächungen und verallgemeinerungen, die über das wägeverfahren hinausgreifen:

der bedrücker.
stadt und land fühlt sein gewicht,
leider nur der galgen nicht!
Langbein sämtl. ged. 1, 373;

doch ihn zog nur an das vorzüglichste,
und er fügte zusammen das füglichste,
auswählend im wenigsten das mehrste,
das leichteste von gewicht und von gehalt das schwerste.
Rückert (10. makame) 11, 295.

zu diesem gegensatze von gewicht und gehalt vgl. den weitverbreiteten metaphorischen gebrauch, in dem gewicht geradezu die bedeutung von gehalt erreicht (s. unter 4).
ε) am reichsten entwickelt ist eben der metaphorische gebrauch, der die darstellung in den mannigfachsten stilformen der litteratur belebt oder füllt. dasz lateinischer einflusz dabei mitwirkt, ist schon oben angedeutet; ein weiterer kreis wird sich aus den buchungen der lexika erschlieszen (sp. 5726); in diesen kreis fallen auch verwendungen wie:

solt ich von sim verheissen essen,
ich wer lengst gestorben todt,
lebt ich von mines iunckhern gnad.
wan er sin gnad geb mit dem gewicht,
er hett, bi gott, ein quintlin nicht
und spricht, er wll mirs nit vergessen.
Thomas Murner narrenbeschwörung (73) neudr. s. 222.

wer sich wil vil bekümren lon,
wi man den wiben für sol gon,
und ied in sunderheit sol nennen,
ouch eine vor der andren kennen,
nach irem stadt z dische setzen
und ire zucht bi dem gewicht usz schetzen. gäuchmatt 47, 398, vgl. s. 165;

auf vereinzelten gebrauch bleiben andere zeugnisse des lat. einflusses beschränkt: do hup her f di stimme zu eime wortzeichene und karte mit sînen tûsinden zu den nûntûsinden mertelern gotis und sich dô wart funden das zehende gewichte daʒ verlorn was, und dô wart irfullit di heilige zehinde zale der zehentûsint gemarterten ritteren. Hermann von Fritzlar, s. myst. 1, 140 Pfeiffer; vgl. dazu die belege für pensum sp. 5714. die neuere entwicklung andererseits greift mit ihren formen des übertragenen gebrauchs weit über die antiken vorbilder hinaus:

[Bd. 6, Sp. 5718]



1)) zahlreich sind schon die ausgeführten gleichnisse, die an das wägeverfahren anknüpfen, vgl. z. b.: denn wir christen müssen das wissen, wo gott nicht in der woge ist und das gewichte gibt, so sincken wir mit unser schüssel zu grunde, das meine ich also ... wenn gottes tod und gott gestorben in der wogeschüssel ligt, so sincket er unter und wir faren empor, als eine leichte ledige schüssel. Luther v. d. concilijs u. kirchen (1539) T 2a u. a. s. u.
2)) andere tropen knüpfen allgemeiner an die hebelwirkung im weitesten sinne an. auch hier machen sich die oben festgestellten bedeutungsunterschiede vielfach geltend, meist freilich werden sie bei der verallgemeinerung in den hintergrund gedrängt. dagegen setzt sich nunmehr der gegensatz durch zwischen der fördernden und hemmenden wirkung des gewichts: gewicht als last und druck und gewicht im sinne von wucht: und gott sein gewalt und maiestat in unns armenn schwachenn gefessenn ertzeig, wie Paulus sagt, den sunst bliesz unns der teuffel do hin wie ein strohelmlein; aber wen gott kumbt und hengt ein solch gewicht dran, macht uns so gewichtig unnd schwer, das er musz unden ligen. Luther (ein sermon am ersten sontag in der fasten 1523) 11, 23 Weimar. u. a.: ein sanftes gewicht knüpfte die natur an unsern fusz, um uns diese einheit und stetigkeit zu geben: es heiszt in der körperwelt schwere, in der geisterwelt trägheit. Herder (ideen z. philosophie d. gesch. d. menschh. 1, 4) 13, 26 u. a.:

mein sohn! lasz uns die alten, engen ordnungen
gering nicht achten! köstlich unschätzbare
gewichte sind's, die der bedrängte mensch
an seiner dränger raschen willen band.
Schiller (Piccolomini 1, 4) 12, 86;

allein die silben sind offte wol gezehlet, die scansion hat alles richtig abgemessen, und dennoch fehlt es nirgends als allenthalben. das machts, der dichter hat das gewichte vergessen. und wenn der wind die lufft bewegt ... wenn die menschliche curiosität mit ihrem urthel derzwischen kömmt, so müssen die blätter gleichsam vom tische fliegen. Chr. Weise curiöse ged. v. deutschen versen (1692) nachricht wegen des kupfertituls (ein tisch mit blättern, ein theil ist vom winde herabgeblasen, motto: numero, mensura et pondere); erst nachdem er das gewicht der höchsten gewalt mit schmerzhafter wahrheit erfahren, streckte er lüstern die hände darnach aus. Schiller (30 jähr. krieg 3) 8, 249; die ausgabe letzter hand schien für ihren ersten schub ein neues besonderes gewicht zu fordern. E. Schmidt einleit. zu Faust II (jubiläumsausgabe der werke Göthes).
3)) den breitesten raum nehmen jedoch die formelhaften verwendungen ein, deren ausgangspunkt vielfach unsicher bleibt. auf das wägeverfahren lassen sich verbindungen wie ein gewicht beilegen, sich im gewichte halten u. a. zurückführen. reicher belegt sind die wendungen, die von der allgemeinen vorstellung der schwere, last, wucht ausgehen: von gewicht sein, gewicht haben, gewicht geben u. a. vgl. die beispiele in 4). je mehr sich der ursprüngliche zusammenhang verdunkelt, um so weiter öffnet sich der kreis der verbindungen für das substantiv. das nächstliegende sind bestimmungen, die dem kreise bedeutungsverwandter substantive angehören: Laube ... ist für Deutschland von einer sozialen bedeutung, deren ganzes gewicht jetzt noch nicht ermessen werden kann. Heine (romant. schule 3, 3) 5, 329 Elster. im gegensatz zu dieser vermischung vgl. die reinliche trennung in:

jetzt wägt er sie (die natur) mit menschlichen gewichten,
miszt sie mit maszen, die sie ihm geliehn.
Schiller (die künstler 280) 6, 273 Goedeke.

andere verbindungen erwachsen aus anderen bedeutungskreisen, in die das substantiv durch den metaphorischen gebrauch eindringt: bei dem gewichtmacher musz das gröste gewicht auf die seele sein, will sagen, die fürnehmste sorg. Abraham a. S. Clara etwas für alle 2, 273;

o den hohen werth des blutes
lehr' uns, geist des ewigen!
dies gewicht des höchsten gutes
für die armen sterblichen.
Schubart (passionslieder: salbung des hl. geistes) ged. 273 Hauff;

warum betrachtet man in allen staaten den minister des auswärtigen vorzüglich als minister, und räumt ihm den rang oder das gewicht über denen des innern ein? F. M. Klinger betracht. u. ged. über versch. gegenst. 1, 219;

[Bd. 6, Sp. 5719]


'kommen sie, meine damen, der rehrücken fängt an wichtiger zu werden als alles andere. nicht wahr, Johanna?' diese gefiel sich in einem achselzucken und suchte die zumutung, als ob dinge wie rehrücken und bowle je gewicht für sie haben könnten, entschieden abzulehnen. Th. Fontane (irrungen, wirrungen 13) I, 5, s. 216.
d) statistik.
α) allgemeiner überblick: die einzelnen bedeutungsrichtungen des substantivs grenzen deutlich auch bestimmte gebiete der litteratur ab. die sachbedeutung des wägemaszes nimmt in polizei- und strafbestimmungen breiten raum ein; auch in den weisthümern und in einzelnen teilen der militärlitteratur kehrte die fürsorge für rechtes masz und gewicht immer wieder. der nationalökonomie und der politik gehört mehr der kampf gegen die landschaftliche zersplitterung des gewichts an. ein recht, ein gewicht ist eine forderung, die schon in den sogenannten reformationen der bauernbewegung erhoben wird, und die ihre erfüllung erst im neuen deutschen reiche fand, vgl. unter (masz- und) gewichtsordnung.
der eigenschaftsbegriff wird, wie die bibelübersetzung zeigt, schon im münzverkehr entwickelt; er kommt sodann in der teleologischen richtung der geistlichen litteratur zur geltung (vgl. die an Hiob 28, 25 u. a. anknüpfenden darstellungen, s. u.). als diese auffassung aber durch die eigentliche naturforschung abgelöst wurde, war es die physikim besonderen die mechanikdie mit der lehre vom gleichgewicht und mit den untersuchungen über das spezifische gewicht der körper dem eigenschaftsbegriff verbreitung sicherte. die einschlägigen schriften trugen freilich meist fremdsprachliches gewand, aber die praxis bedient sich deutscher worte, und mit dem 18. jahrh. bürgern deutsche übersetzungen und originalschriften das subst. auch in die wissenschaft ein, vgl. auch gewichtskunst, gewichtlehre u. a.
dasz die übertragenen verwendungen in der sprache der poesie und in der gehobenen prosa breite entwicklung fanden, ist schon hervorgehoben. eigenartig ist, wie bei Herder, Jean Paul, Eichendorff die gleichnisse, die an das gewicht der uhr anknüpfen, bevorzugt werden, ähnlich bei Schiller, nur dasz dieser immer wieder das niederdrückende, herabziehende an dieser bedeutung von gewicht betont. die formelhaften erstarrten verwendungen lassen sich am besten in der Shakespeareübersetzung Schlegels nach ihrer ganzen verbreitung messen, wo sie selten durch die vorlage geweckt sind. im heutigen stil gehören sie zu dem theil unseres formelschatzes, dessen sich auch die strengste richtung der gelehrtensprache gern bedient.
β) die bibelübersetzung giebt sowohl in den verhältnismäszig zahlreichen fällen der übereinstimmung sämtlicher übersetzer als auch in den einzelnen abweichungen anhaltspunkte für die beurteilung unsers substantivs nach gebrauch und verbreitung. gewicht entspricht hier durchaus einem pondus der vorlage. beachtung verdient, dasz die meisten belege das alte testament betreffen; die sinnliche grundbedeutung stützt sich auf die historischen bücher, der metaphorische gebrauch auf die propheten. die züge, die der letztere entwickelt, bleiben auf den rahmen der bibelübersetzung beschränkt, erst in die dichtung des 18. jahrh. greifen sie vereinzelt über.
1)) die übereinstimmung der übersetzer unter einander und mit der vorlage beschränkt sich auf die sinnliche grundbedeutung, und zwar in den beiden formen der sachbedeutung und des eigenschaftsbegriffes.
a)) die sachbedeutung knüpft vor allem an die bestimmungen des Mosaischen gesetzes an: denn wil ich euch den vorrat des brots verderben, das zehen weiber sollen ewr brot in einem ofen backen, und ewr brot sol man mit gewicht auswegen, und wenn ir esset, solt ir nicht sat werden. 3. Mos. 26, 26 Luther (et reddant eos ad pondus; geben si zu dem [der] gewicht Eggesteyn, Koburger; gheven dat brod to ener wicht Arndes; na dem gewichte Quentel, ähnlich Eck; mit gewicht auszwegen Dietenberger Züricher bibel); du solt ein vollig und recht gewicht, und einen völligen und rechten scheffel haben 5. Mos. 25, 15 Luther (pondus habetis iustum et verum; rechtes gewicht Eggesteyn, Koburger u. a.). ähnl. 1. chron. 24, 29 (zu allem gewicht

[Bd. 6, Sp. 5720]


und mas Luther pondus atque mensuram); sprüche Salom. 20, 10 (mancherlei gewicht und mas Luther); und wenn man sein heubt beschur ... so wug sein haubt har, zwei hundert sekel nach dem königlichen gewicht 2. Samuel. 14, 26 Luther (ponderabat capillos capitis sui ducentis siclis, gewicht bei Eggesteyn u. a.).
b)) der eigenschaftsbegriff überwiegt in den stellen aus den historischen büchern. fast ausschlieszlich macht sich die beziehung auf edelmetalle geltend, deren schwere als werthmesser für den tauschverkehr benutzt wurde: und das gewicht seines pantzers war fünff tausent sekel ertzs 1. Samuel. 17, 5 Luther (pondus loricae, daz gewicht seins halsbergs Eggesteyn, ähnl. Koburger, Arndes [wicht], Quentel, Dietenberger, Eck); und die gülden stirnbande die er forderte, machten an gewichte, tausent sieben hundert sekel goldes richter 8, 26 Luther (et fuit pondus postulat. in aurium mille septing. auri sicli, das gewichte ... was tausend dcc zickel des golds Eggesteyn, Koburger, Arndes [wicht], Quentel, Eck; machten am gewicht Dietenberger; Züricher bibel); aber am vierden tage ward gewogen das silber und gold und gefesse ... nach der zal und gewicht eines iglichen, und das gewicht ward zu der zeit alles beschrieben Esra 8, 34 Luther (juxta numerum et pondus omnium, descriptumque est omne pondus; an beiden stellen gewicht bei Eggesteyn und allen übrigen; vgl. auch DWB nach zahl und gewicht dargewogen; und das gesamte gewicht wurde damals aufgeschrieben Kautzsch); ganz ebenso 2. chron. 4, 18; des golds aber das Salomo in einem jar kam, war am gewicht 666 centner 1. kön. 10, 14 Luther (erat autem pondus auri, das gewichte ... was Eggesteyn, Koburger, Arndes, Quentel, war am gewicht Dietenberger, Züricher bibel); also gab Arnan umb den raum, geld am gewicht sechs hundert sekel 1. chron. 22, 25 Luther (siclos auri iustissimi ponderis sexcentos, gewichts Eggesteyn, Koburger, Arndes, Quentel, Eck; am gewicht Dietenberger, Züricher bibel).
2)) in den fällen, in denen einzelne übersetzer abweichen, ist unser substantiv in der sprache Luthers bevorzugt, er gebraucht es namentlich auch für metaphorische wendungen.
a)) zeugnisse für gewicht in der übersetzung Luthers.
α)) nur selten ist gewicht schon von einem der vorgänger gegenüber den älteren versionen eingefügt worden: und ich wil das recht zur richtschnur, und die gerechtigkeit zum gewicht machen, so wird der hagel die falsche zuflucht wegtreiben, und wasser sollen den schirm wegschwemmen. Jes. 28, 17 Luther (und ich setz das urteil in die wog: un das recht in die masz Eggesteyn; u ich setz dz urteil in dē gewicht. und die gerechtigkeit in die masz. Koburger; et ponam in pondere iudicium; gewicht bei Arndes, Dietenberger, Quentel, Eck).
β)) mehrmals stimmt Luther im gebrauch von gewicht mit der ältern bibel überein, während die spätere übersetzung abweicht. nur selten handelt es sich in diesem fall um den eigenschaftsbegriff: da war eines jglichen geld oben in seinem sack mit volligem gewicht 1. Mos. 43, 21 Luther (eodem pondere; gewicht Eggesteyn, Koburger, Quentel, Dietenberger, Eck, Kautzsch; in deme sulve werde Arndes); und nam die krone jres königs von seinem heubt, die am gewicht ein centner goldes hatte 2. Samuel. 12, 30 Luther (pondo auri talentum; die do hat edels gestein in der gewicht des goldes ein talent Eggesteyn, ebenso Koburger; am gewicht ein centner golds Dietenberger, Eck; woch ein punt goldes Quentel; ähnl. Arndes; sie wog ein goldtalent Kautzsch). meist handelt es sich um die sachbedeutung des wägemaszes, für die bei spätern je nachdem pfund oder gewichtstein eingesetzt wird. vereinzelt wird auch das verbum gebraucht statt des substantivs. am häufigsten weicht der neueste übersetzer, Kautzsch, zu ungunsten von gewicht gegen Luther ab: rechte wage und gewicht ist vom herrn, und alle pfunde im sack sind seine werck. sprüche Salom. 16, 11 Luther (pondus et statera, gewicht und wage Eggesteyn, Koburger, Dietenberger, Quentel; rechtes wiegen und wägen Kautzsch); du solt nicht zweierlei gewicht in deinem sack, gros und klein haben. und in deinem hause sol nicht zweierlei scheffel, gros und

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klein sein. 5. Mosis 25, 13 Luther (diversa pondera, gewicht bei Eggesteyn und den übrigen; du sollst in deiner tasche nicht zweierlei gewichtsteine haben Kautzsch); ebenso Syrach 42, 4; desgl. Micha 6, 11 (hier hat schon Dietenberger gewichtsteine); wer misset die wasser mit der faust, und fasset den himel mit der spannen? und begreifft die erden mit einem dreiling, und wieget die berge mit einem gewicht, und die hügel mit einer woge? Jesaia 40, 12 Luther (libravit in pondere montes, gewicht Eggesteyn, Koburger, Arndes, Dietenberger, Eck; hefft gewegen de berge ende die hovele in der wagen Quentel, ähnl. Züricher bibel; mit einer schnellwage Kautzsch). in der umfangreichen darstellung von 1 chron. 29, 14ff., wo die vulgata für die sachbedeutungen von stater und pensum und ebenso für den eigenschaftsbegriff ununterbrochen das wort pondus wiederholt, das die älteren bibelübersetzungen gleichmäszig mit gewicht wiedergeben, ist Luther der erste, der sich mit leichten änderungen hilft (zum allmählichen vordringen der änderungen vgl. die varianten). weiter geht natürlich Kautzsch.
γ)) wo Luther gegen die ältere bibelübersetzung gewicht einsetzt, sind abgesehen von den fällen, in denen Luther einfach umgestaltet, für die ältere bibel noch concurrenzformen wie wage (masz) zuständig: die belege zeigen die sachbedeutung und den eigenschaftsbegriff.
1)) 1)) falsche wage ist dem herrn ein grewel, aber ein völlig gewicht ist sein wolgefallen sprüche Salom. 11, 1 Luther (statera dolosa ... pondus aequum, gerechtz masz Eggesteyn, Koburger, gewicht [wicht] die übrigen); ebenso Hesekiel 45, 10 (statera iusta, recht gewichte; hier bei Eggesteyn und Koburger gerecht wag); ebenso weish. Salom. 11, 22.
2)) 2)) und eine güldene zunge, funffzig sekel werd am gewichte Josua 7, 21 Luther (regulamque auream quinquaginta siclorum, ein guldin hauben von fünffzig sickel Koburger, ähnlich Eggesteyn, Arndes, Eck; werth am gewicht Dietenberger, Züricher bibel, ähnlich Quentel). ähnlich 2. chron. 3, 9; 2. Samuel. 21, 16; ich wil den vorrat des brots zu Jerusalem wegnemen, das sie das brot essen müssen nach dem gewicht. Hesekiel 4, 16 Luther (comedant panem in pondere, essent ir brot in der wage Eggesteyn, Koburger; dasz sie es ausgewägen essen Züricher bibel, ähnlich Kautzsch; nach dem gewicht Dietenberger u. a.); da er dem winde sein gewicht machte, und setzte dem wasser seine gewisse masse Hiob 28, 25 Luther (qui fecit ventis pondus; hat gemachet die bürde den winden Eggesteyn, Koburger, gewicht Quentel u. a.; als er des windes wucht abwog Kautzsch). vgl.:

und als dem wind' er zuwog sein gewicht,
und er den wassern gab ihr maas.
Herder (vom geist der ebreischen poesie 1, 8) 11, 404 Suphan.


b)) die fälle, in denen Luther ein von der älteren bibelübersetzung gebrauchtes gewicht durch andere formen ersetzt, betreffen fast ausschlieszlich die sachbedeutung der abgewogenen masze, den begriff pensum.
α)) mein herr, höre doch mich, das feld ist vierhundert sekel silbers werd 1. Mos. 23, 15 Luther (quadringentis siclis argenti valet, vierhundert gewicht silbers werdt Koburger, ebenso Arndes, Dietenberger, Quentel); dazu ertz und eisen on zal Luther 1. chron. 23, 14 (aeris vero, et ferri non est pondus; des eisens ist kein gewicht Koburger, Quentel, Eck; dasz es nicht zu wägen ist Kautzsch); rechte wage, rechte pfund, rechte scheffel ... sol bei euch sein. 3. Mos. 19, 35 Luther (statera iusta et aequa sint pondera; nach der wag sint auch geleich gewicht Eggesteyn, ebenso Koburger, Arndes, Quentel, Eck; recht mesz, masz Dietenberger; rechte pfund Züricher bibel; richtige gewichtsteine Kautzsch). manchmal folgt Luther hier dem beispiel einzelner vorgänger, die ihrerseits schon von den ältesten übersetzern abweichen; da nam Maria ein pfund salben, von ungefelschster köstlicher narden. Joh. 12, 3 Luther (Maria enphieng das gewichte der salben Mentel, ebenso cod. Tepl., Eggesteyn; dagegen pund schon bei Ulfilas, pfund bei Zainer, Sorg, Koburger u. a.); ebenso: herr dein pfund hat zehen pfund erworben Lucas 19, 16 Luther (taihun skattans bei Ulfilas), das gleiche Lucas 19, 13 u. a.

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β)) dem gegenüber steht die unterdrückung des substantivs für den eigenschaftsbegriff ganz vereinzelt: deine speise, die du teglich essen must, sei zwanzig sekel schweer Hesekiel 4, 10 Luther (wirt in der gewicht 20 masse Koburger, ähnlich Arndes, Quentel, Dietenberger, Eck u. a.).
γ) aus den wörterbüchern ergiebt sich eine grosze gleichmäszigkeit in der verbreitung des substantivs durch die verschiedenen perioden der neueren sprache. die älteren vocabulare bevorzugen zwar noch concurrenzformen, vgl. DWB wage bei Diefenbach 600b. 214a u. a.; auch Dasypodius verhält sich noch spröde (vgl. aequilibrium, so die wag instaht, gleich ist; libramentum, gleiche der wag, aequipondium; gleich gewicht B 3a); im deutschen teil seines dictionarium führt er gewicht überhaupt noch nicht auf; im lateinischen teil wird es für pondus, stater, sacoma gelegentlich erwähnt. anders schon bei Maaler, und von da an fehlt es in keinem der wörterbücher mehr.
ebenso gleichmäszig erscheint die geographische verbreitung durch die verschiedenen mundarten, vgl. Schmeller 22, 844; Lenz Handschuhsheimer mnda 28a; Martin u. Lienhart wb. d. elsäss. mnda 2, 787b; Jecht Mansfelder mnda 42; Bauer (für Waldeck) 40a; Hönig Kölner mnda 65; Danneil (f. d. Altmark) 246; G. Krause mundarten im kreise Jerichow (ndd. jahrb. 26) 68.
für die abgrenzung und gliederung des bedeutungsinhaltes bieten die lexikalischen buchungen trotz auffallenden lücken manche anhaltspunkte. miszlich ist die vieldeutigkeit der fremdsprachlichen parallelenvor allem aus der lat. sprache. für libra allerdings ist in der überwiegenden mehrzahl der belege ausschlieszlich die bedeutung wage anzusetzen; dagegen ist der bedeutungsumfang für pondus um so weiter zu ziehen. es läszt sich also wenig schlieszen aus angaben wie: gewicht, pondus Schönsleder V 5a; C. Seidel 45; Rädlein 383a; gewicht, pondus, pondo Calvisius 70b; gewicht, pondus, pondo, libra H. Decimator silva vocab. V 8d; das gleiche gilt für gewicht, weight Th. Arnold compl. vocab. 2, 427; gewicht, weight, poids, peso Bobrik 315a; ähnlich Beil technol. wb. 243. am sichersten führen griechische parallelen (s. u.), auszerdem die in den späteren wörterbüchern anwachsenden formelhaften verbindungen.
1)) zeugnisse aus fremdsprachlichen wörterbüchern, die das wort unter fremdem stichworte buchen.
a)) hier tritt die function eines nomen actionis deutlicher in den vordergrund. auf diese weisen schon einige griechische parallelen bei Garth-König: libramentum ... das gewicht ... ῥοπὴ, ὁλκὴ 421b; momentum, pro qualicunque pondere, gewicht ῥοπὴ 464a. dazu vgl. momentum ... ein wanck, schwanck, ruck ... auszzug als in einem gewicht Cholinus-Frisius 559b; Frisius (1556) 833b; libramentum ... abgewicht, oder das abmässen mit der richtschnr Cholinus-Frisius 515b. ähnlich Simon Rot J 8b; auch die parallelen zu aequilibrium u. a. weisen in diese richtung: aequilibrium ... wenn das gewicht insteht. Hadr. Junius nomenclat. 160 (wenn die wag grad glich innstadt Cholinus-Frisius 38a; so die wag gleich ist, und die zung in der wag gleich insteht Serranus a 5a); das instehend gewicht Faber 20a; 449a; Garth-König 22b; ebenso Denzler 18a; ähnlich Matthiae 1, 41b; 142a; aequilibritas ... gleich gewicht A. Reyher 1, 166; aequipondium, daʒ gewicht an der schnellwag Hadr. Junius 160; gleiche gewicht Cholinus-Frisius 38a; gleichgewicht Denzler 18b; ähnlich Matthiae 1, 42b. sacoma ... istehend oder vollkommen gewicht, an dem weder für noch hinder ist. Dasypodius G g 4a, ebenso Cholinus-Frisius 772a; Frisius 1173a; Denzler 674a; Matthiae 2, 59b (vgl. DWB was man dem gewicht ... der wag zugibt, damit die wag innstand Junius 160, vgl. Erasmus Alberus c 2b); sacoma ... ein widergewicht, gegengewicht, quod lanci trutinae adiunctum, aequalitatem ponderis conciliat Faber 706a; libramentum (bilancis) das instehend ghewicht Junius, s. Diefenbach 327a; libramentum, wägzeug, das gewicht, instehend gewicht Denzler 398b; libramentum, das gewichte Faber 449a; ebenso (das gewicht, die gleichheit) Matthiae 1, 784b; dazu vgl. halter ... bleikuglen, so die haltend, die uff dem seil gond, si im gewicht ze behalten Cholinus-Frisius 406b, ebenso Frisius

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u. a., vgl. gewichtstange (s. u.); libratum ponderibus, in gwicht gehenckt Cholinus-Frisius 510b; ähnlich Faber 374b (gewicht oder wage).
b)) zur sachbedeutung:
α)) für das wägemaasz: pondus ... ein gewicht Dasypodius D d 1d; pondus pro libra, das gewicht damit man wigt Frisius dict. lat. germ. (1556) 1018b; ebenso Denzler 599b; pondo ... ein pfund oder pfunds-gewicht Faber 633a ; assipondium ... pfund-gewicht Reyher 1, 552; stater, ein gewicht das vier quintlin haltet Dasypodius Ji 7c; ebenso Serranus B 4a; Denzler 749a; pondus duodex. unc., 12 untzen gewicht Reyher 3, 514; hexagium, ein gewisz gewicht, vier scrupel 331b; vgl. auch scrupl bei S. Rot P 1b.
β)) für die gewogene masse: pondus, gewicht, das ist, etwas gewägens Cholinus-Frisius 670b; superpondium, ein zgewicht, das man über das schuldig gewicht zgibt 835b; vgl. auch pondus ... gravitas, eine schwere, eine last, gewicht, eine grosse summ Faber 633a.
γ)) münzbestimmungen: ciclus, silbergewicht mitteldtsch. vocab. rer. des 15. jahrh. Diefenbach 117c; untia, untz oder gewicht Brack vocab. rer. 26a; talentum, gewicht von sechshundert kronen S. Verepaeus lat. linguae progymn. (1589) B 8a; pedem seu ligam vocant intrinsecam bonitatem et preciositatem monetœ, das korn, das inwendige gehalt, pondus quoque vocant, das schrot oder gewicht. Reyher 3, 352.
δ)) hebel an maschinen: pondus ... bleigewicht an einer uhr Denzler 599b.
c)) zum eigenschaftsbegriff vgl. pondus ... ein gewicht, schwere oder grösse Serranus v 4a; pondus, gewicht, schwäre. Cholinus-Frisius 670b; ebenso Denzler 599b; pondus, die schwere, das gewicht Corvinus fons. lat. 602; ähnlich noch Matthiae 1, 1031a; pondere aliquid œstimare, vel examinare, etwas nach dem gewicht oder nach der schwere schätzen, das ist, etwas wägen. Reyher 3, 514.
2)) unter den wörterbüchern, die vom deutschen stichwort ausgehen, wird auch die umfassendste buchung der mannigfaltigkeit der verwendungen nicht gerecht. dies erklärt sich zum theil schon aus den geschichtlichen verschiebungen des bedeutungsumfangs, der nach der einen seite eben so viel einbüszte, als er nach der andern gewann. die ältere sprache konnte ja sogar das geräth selbst, die wage mit ihren bestandtheilen, durch das subst. kennzeichnen, die spätere sprache muszte compositionsformen zu hülfe nehmen, vgl. DWB gewichtschüssel, DWB gewichtschale für statera. die entwicklung des eigenschaftsbegriffes, der den heutigen gebrauch des substantivs hauptsächlich bestimmt, vollzog sich andererseits auf kosten des nomen actionis und des begriffes pensum. die fülle der übertragenen verwendungen endlich erwuchs der aufblühenden dichtung, deren sprache von den wörterbüchern des 18. jahrh. nicht mehr erfaszt wurde. aber auch sonst ist gegenüber von gewicht vielfach eine enge des gesichtskreises zu beobachten, der die wesentlichen züge oft entgehen. dies gilt schon für die weitläufige darstellung bei Henisch und später selbst für Adelung, der zwar die metaphorischen formeln sorgfältiger bucht, aber für die sinnliche bedeutung den ganzen complex der verwendungen auszer acht läszt, die an den hebel bei der uhr und bei maschinen anknüpfen. diese werden erst von Campe nachgetragen.
a)) verwendungen, die von der sinnlichen grundbedeutung ausgehen.
α)) der gesamtbegriff der wage kommt in älteren buchungen neben den anderen bedeutungen noch zur geltung: gewicht, stater, statera, tripondium, idem libra uncium. vocab. incip. teut. i 6b; ähnlich in andern vocab. vgl. Diefenbach 550c; vgl. gewicht oder wagtzung vocab. theut. (Nürnberg 1482) m 6b; vgl.ζυγὸν, σταθμός ... pondus, gewicht, pfundtstein Frischlin 116a; ghewicht, pondus, momentum, libra, trutina Kilian 146b; gewicht, pondus, pondo, libra; gewicht, wag, trutina Henisch 1598.
β)) zu den oben für das nomen actionis in anspruch genommenen deutungen von aequilibrium u. a. vgl. nun die deutschen parallelen: statera ... wage recht im gewicht. vocab. praedic. (Straszburg 1486) db; ghewicht in de wage, instaende ghewicht, aequilibrium, aequamentum, libramentum Kilian 146b; ähnlich Henisch 1599 (cum neutrum inclinat examen); Calvisius 872a (vgl. Emmel 223); Schönsleder

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V 5a; Stieler 2526; Kirsch (instand des gewichts) 2, 151b; Chomel 4, 1059; Matthiae 2, 181a; Hederich 1, 1425 (gleich instehendes gewicht); Frisch nouv. dict. 2, 279; vgl. auch Aler 936b; das gewicht an der schnellwag, aequipondium Henisch 1599; gewicht, sacoma Schönsleder V 5a; gleichgewichte, aequilibrium Steinbach 2, 1013; Frisch 2, 445c; dazu vgl. gemina suspendere lance, auffs gewicht oder waag legen Schönsleder V 5b; ebenso Aler 936b (aeque vel. gem. susp. lance); im gewichte haben, balance Frisch nouv. dict. 2, 279; manche buchungen kennzeichnen diese bedeutung des substantivs durch beispiele, die das gleiche wort in mehreren bedeutungen wiederholen: gewicht, das man aufflegt, damit's gewicht gleich stehe Aler 936a.
γ)) zum eigenschaftsbegriff führen schon verwendungen der vorhergehenden gruppe über: auszschlag des gewichts, momentum (vgl. Emmel 223); Henisch 1598; vgl. DWB ausschlag des gewichts, le surcroit ou surplus Duez 199a; Rädlein 383, ebenso Frisch nouv. dict. 2, 279, s. unten: gewichtsausschlag; was man dem gewicht zugibt, damit die wag innstand, saccoma Henisch 1598; gewicht gleicher schwere, aequipondium Matthiae a. a. o.; gleichen gewichtes sein, to equipoise. teutsch-engl. wb. 2, 772; ähnlich Aler 936a. ausdrücklich ist der eigenschaftsbegriff zuerst bei Hulsius gekennzeichnet: gewicht, schwere, gravezza. dict. (1605) 63a; vgl. auch gewicht ... nachdruck Hederich 1, 1422; goldenes kleid von grossem gewichte 1, 1422; ein goldenes stücke geld von groszem gewichte Steinbach 2, 1013; das hält so viel am gewicht, cela a tant de poids Rondeau 2, Uu 3b; das rechte gewicht, das ein stück münze in der mark haben soll, recours. ebenda; ein schweres gewichte, grave pondus Steinbach a. a. o.; gewicht der holzarten (spezifisches oder eigengewicht) S. Behlen realwb. der forst .. kunde 3, 1423 ff.; fraglicher ist de osse het wat in der wigt ... ist schwer Brem.-nieders. wb. 5, 163. zielbewuszt steuert Adelung auf den eigenschaftsbegriff im bedeutungsgehalte von gewicht los; er stellt ihnseiner methode nach mit rechtan die spitze der verwendungen, wobei er auch darauf aufmerksam macht, dasz ihm der pluralgebrauch, den die sachbedeutung entwickelt, nicht zukommt. ebenso Karmarsch technol. wb. 13, 246 u. a.
δ)) sachbedeutungen auszerhalb des wägeverfahrens: gewicht von blei an einer schnur ... bolis cataproratus Henisch 1599; gewicht an einem brunnenbalken oder an fallbrücken, bacula Frisch nouv. dict. 2, 279; halteres, seiltänzergewicht Stieler 2526; vgl. unten gewichtstange; das gewicht an einer uhr oder an einem bratenwender, the weights of a clock or kitschin-jack. teutsch-engl. wb. 2, 772: ebenso Rädlein 383a (eingeschränkt auf die uhr: contrepoids de l'horloge); ebenso Rondeau 2, Uu 3c (fügt hinzu: groszes stück blei oder eisen, das den stickrahmen hält; gewicht hinter einer thür, valet de porte); gewichte ... heisset in der mechanica ein schwerer cörper, insoferne er einem andern cörper dergestalt verbunden ist, dasz er mit das aequilibrium halte ... uberhaupt verstehet man also durch das gewichte einen schweren cörper, mit welchem man durch den druck seiner schwere etwas auszurichten vermögend ist ... eine maschine durch gewichte bewegen Chomel 4, 1048; die gewichte einer uhr Campe 2, 363a.
ε)) das wägemasz: gewichte oder lot oder untz. voc. theut. (Nürnberg 1482) m 6a; gewichte dreierhundert pfunt swer. ebenda; gewicht, damit man wägt, pondus, libramentum Maaler 179a; gewicht, wornach man was wäget Hederich 1, 1422; gewicht und maszvergleichung, mensurae et ponderis ... proportio Henisch 1599; uber einserlei wag und gewicht ist nicht zu klagen. ebenda; gebt mir die wage und das gewicht, baillés moi les balances et les poids Rondeau 2, Uu 3b; kleine abgeteilte gewicht, pondera certa Henisch 1599 (vgl. hierzu schon Cholinus-Frisius 670b, vgl. auch unter gewichtlein), ebenso Aler 936b, Hederich 1, 1422; kleines gewicht, da fünff loth vier loth machen. Frisch 2, 445c; das kleinste gewicht, ceratium Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181a; falsch seu leicht gewicht, pondus iniquum Stieler 2526; grosses, schweres gewicht Hederich a. a. o.; groszgewicht Frisch 2, 445c; gewicht, pfundstein Emmel 223; peso d'una libra (gewicht eines pfunds) Hulsius (1605) 63c; de wigte, die pfunde vers. eines Bremisch-nieders. wb.

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5, 163; centnergewicht Henisch 1599; Rädlein 383c; ein centner-gewicht, un poids de cent livres Duez (1664) 199a; ähnlich Kirsch 2, 151b; (centum-pondium) Matthiae 2, 181a; teutsch-engl. wb. 2, 772; gewicht von 31 pfund (t. de marine), arrobe Rondeau a. a. o.; gewichte ... sind aus eisen, metalle oder stein zubereitete cörper von gewisser schwere, nach welcher man die schwere anderer cörper, vermittelst der wage, zu schätzen ... pflegt ... es sind aber ... nicht nur nach dem unterschiede der nationen die gewichte ... unterschieden: sondern es hat auch einerlei nation vor zeiten andere gewichte gehabt ... bei eben derselbigen sind die gewichte, mit welchen man verschiedene sachen abzuwiegen pfleget, nach deren ... werth ... ebenfalls wieder verschieden; und hat man solchergestalt gold- silber- perlen- diamant-, bergwerckmüntz- apotheker- cramer- fleischer-gewichte, und so ferner. Chomel 4, 1048 ff.; Wiener gewicht, 100 pfund der centner 2, 445c; Cöllnisch gewicht. teutsch-engl. wb. 2, 772; Nürnberger, Cöllnisch etc. gewicht Rondeau 2, Uu 3b; verschiedener örter gewicht eines ins ander zu reduciren. teutschengl. wb. 2, 772; landesfürstliches gewicht, darnach die andern müssen eingerichtet werden. Rondeau a. a. o.; in Berlin, nach dem preusz. landesgewichte S. Behlen 3, 423; ein einsetz-gewicht, ein satz von kleinem gewicht, deren immer ein kleineres in ein grösseres gesetzet ist, a set of small weight. teutsch-engl. wb. 2, 772; bei verkauffung der fische aber soll fleischer- und nicht kramer-gewichte gebraucht werden Chomel 4, 1059; apothekergewicht, libra Romana. Calvisius 872b; Stieler 2526; Chomel 4, 1059; Frisch 2, 445c (gold, silber, perlen auszuwägen); S. Behlen 3, 423; kramergewicht, libra mercalis Stieler 2526; ebenso Steinbach 2, 1013 (libra aromataria); ein brot mit gewicht auswegen Henisch 1599; mit gleichem gewichte abwiegen, paribus ponderibus examinare Steinbach 2, 1013; mit dem gewicht kauffen, aliquid pondere emere Aler 936a; nach dem gewicht verkauffen (by the weight) teutsch-engl. wb. 2, 772; ebenso Kirsch 2, 151b (sub exagio vendere); Matthiae 2, 181a; Rondeau 2, Uu 3b (vendre au poids); brot nach dem gewicht essen Henisch 1599; pfeffer giebt man nach gewicht Schönsleder V 5b; Aler 936b; ähnlich Rädlein 383a; Hederich 1, 1423; gewichte abziehen, eichen Chomel 4, 1059; ebenso teutsch-engl. wb. 2, 773 (eichen, adjustiren oder richtig machen); abgezogen gewicht, poids échantillonné. Rondeau a. a. o.
ζ)) die sachbedeutung der gewogenen masse: gewicht ... iglich ding, das man wigt. vocab. theut. (Nürnberg 1482) m 6; gewicht, das ding das man wigt und zusamen pauscht, pensum. vocab. inc. teut. i 6b. dazu vgl. noch die belege im folgenden.
η)) schon aus diesem überblick über die buchungen der sinnlichen bedeutung ergiebt sich eine thatsache, die für die beurtheilung des gebrauchs maszgebend ist: das substantiv hat bedeutungsunterschiede entwickelt, die für seine verwendungen und verbindungen bestimmend wurden, die aber dem sprachgefühl hier weniger bewuszt werden als bei andern substantiven (mit dem gewicht, nach dem gewicht kaufen, wägemasz, eigenschaftsbegriff u. a.). daraus erklärt sich, dasz bei gewicht in starkem masze mit der möglichkeit mehrerer auffassungen zu rechnen ist; um so mehr, als oft bei einer und derselben verbindung der eine begriff unmerklich durch einen andern abgelöst wird. dazu vgl. die übergänge von der sachbedeutung der gewogenen masse zum eigenschaftsbegriff in: übergewicht, superpondium Emmel 223; Henisch 1599; Schönsleder V 5a; Aler 936a; Steinbach 2, 1013; Frisch 2, 445c. vgl. auch gleichgewicht, übergewicht ... wo gewicht in weiterer bedeutung zuweilen auch für schwere, last gebraucht wird. Adelung 2, 657; vollkommen gewicht golds geben, aurum ad saccoma appendere Henisch 1599; ähnlich Schönsleder V 5a; Aler 936a; vgl. schon Hadr. Junius 160; Frisius 1173a; gut gewicht oder einen guten ausschlag geben, give one good weight. teutsch-engl. wb. 2, 772, ebenso Rondeau (faire bon poids) 2, Uu 3b; tara für holtz und ein von hundert für gut gewicht teutsch-engl. wb.; zwischen den beiden sachbedeutungen bleibt die entscheidung offen in widergewicht, gegengewicht, das man an die wag-schüsseln henckt, damit sie instehe, sacoma, aequilibrium Emmel a. a. o., ebenso Chomel 4, 1059; teutsch-engl. wb. 2, 772; Rondeau 2, Uu 3b.

[Bd. 6, Sp. 5726]


das gleiche gilt für verwendungen, die den münzverkehr betreffen: gewicht, helblinc, stips. vocab. theut. (Nürnberg 1482) m 6.
b)) der metaphorische gebrauch.
α)) auf lateinisches vorbild führen zurück: ich werd es mit meinem gewicht schetzen, hoc meis ponderibus examinabo Maaler 179c (vgl. mit meinem gewicht .-. nach meiner gewohnheit. Frisius dict. lat. germ. 1018b); ich werd es nach meinem gewicht erwägen Aler 936b; die sache hat ein gewicht, res ponderosa Stieler 2527; diese gründe werden ein starkes gewicht haben, auront beaucoup de poids Rondeau 2, Uu 3c; gewicht der worte, emphasis. Stieler a. a. o. (vgl. verborum ponderibus est utendum, man msz wichtige tapffere wort brauchen. Cholinus-Frisius 670b); nicht nach der zahl, sondern nach dem gewichte etwas urtheilen, non numero, sed pondere aliquid judicare Hederich 1, 1422; dessen ansehen nicht gewicht genug ... hat, cujus autoritas non satis ponderis ... habet. 1422 (vgl. auch: er hat ein gewicht bei rath, bei gericht, tenet curiam, form Serz teutsch. idiot. 54b); die sache ist von groszem gewichte und nachdrucke, maximi momenti et ponderis est. 1423; ebenso teutsch-engl. wb. 2, 772 (weighty, ponderous or important matter); desgl. Rondeau (afaire d'un grand poids).
β)) deutschen ursprungs ist einerseits die erweiterung und umbildung der eben belegten formeln (gewicht haben, von gewicht sein u. a.), andererseits die entwicklung neuer verbindungen mit verbis, deren reichhaltigkeit jedoch selbst bei Adelung nicht annähernd zur geltung kommt: den übeln, die uns bevorstehen, durch furcht ein gröszeres gewicht geben, als sie wirklich haben. 2, 656; seinen ermahnungen ein gewicht geben, sie mit kräftigen bewegungsgründen begleiten. ebenda; ähnlich Rondeau (donner du poids à une afaire).
γ)) von anderer seite leitet das sprichwort zum metaphorischen gebrauch über, und hier giebt schon Henisch die ersten belege: ein trew hertz bringt ein grosz gewicht zum geschencke. 1599; nach Nürnberger gewicht die waar einnemen und nach Erfurdisch auszwegen macht reich, aber mit wenig ehren. ebenda.
3)) auffallend häufig sind die buchungen auf eine einzige der eben belegten verwendungen zugespitzt.
a)) für die sachbedeutung des wägemaszes findet sich diese einseitigkeit nur in wörterbüchern, die dem handel und verkehr dienen: gewicht, elen, mesz Chr. Besold. thesaurus practicus (1641) 353af. und in späteren ausgaben; gewichte sind gewisse, nach einer proportionirten schwere eingerichtete und abgeaichte cörper. allgem. ökon. lex. (1731) 828; ähnlich G. Chr. Bohn neueröffnetes waarenlager (1763) 336 (dasjenige ... womit verschiedene dinge ... in kaufen und verkaufen abgewogen werden); Rumpf 1, 364 (gewicht, als maasz der schwere von körpern); Schedel waarenlex. 1b, 298; vgl. gewichte an der uhr und zum wiegen G. Krause ndd. jahrb. 26, 68.
b)) dagegen ist der eigenschaftsbegriff in allgemeinen wörterbüchern der neueren zeit gern auf kosten der übrigen bedeutungen herausgearbeitet: das rechte gewicht nicht haben, halten, ints de schaal ('t rechte gewigt) nint houden Kramer 2, 97a; schwere, gewicht, wucht (gewicht ist das maasz der schwere). Stosch bestimmung d. gleichbedeut. wörter 3, 62 f.; gewichte sind verhältniszahlen, die anzeigen, wie oft ein beobachtungsergebnis ... in einer rechnung anzusetzen ist. Lueger 4, 647 ff. (für die sachbedeutung wird hier gewichtsstücke eingesetzt s. d.); gewicht, schlechtweg, oder auch absolutes g. (s. d.), im gegensatz zu dem specifischen ge. eines körpers, nennt man den mit hülfe irgend einer einheit gemessenen druck, den eine masse vermöge ihrer schwere, d. h. vermöge der auf sie wirkenden anziehungskraft der erde, auf ihre unterstützungsfläche ausübt. Thiel 4, 429a; gewicht, spezifisches, die zahl, die angibt, um wie viel ein körper schwerer oder leichter ist, als ein gleiches volumen wasser von 4° Celsius. Stenzel deutsches seemännisches wb. 147; gewicht und inhalt unbekannt (vermerk im konnossement über einen teil der ladung, welche dem schiffer nicht ... zugemessen übergeben ist). ebenda.
δ) für das sprichwort steht das wägemaasz im mittelpunkt; es dient, wie schon die beispiele aus Henisch (s. o.)

[Bd. 6, Sp. 5727]


zeigen, zugleich als gradmesser der redlichkeit. der eigenschaftsbegriff kommt in einzelnen wendungen zur geltung, die von dem gegensatz zwischen form und inhalt ausgehen. über das wägeverfahren hinaus knüpft das sprichwort auch an die allgemeinere hebelwirkung an.
1)) nach Nürnberger gewicht einnehmen und nach Erfurter auswägen. Graf 258 (s. o. Henisch a. a. o., vgl.: mit Collenscher wicht betalen. niederd. sprichw. bei Wander 1, 1654);

das machet scheel augen fürwar,
dasz man falsch gewicht brauchen thar. loci communes ... c. interpretatione German. (Basel 1572) 95;

(vgl. anz. d. kunde v. d. vorzeit 1854 sp. 270, vgl. onghelike schottelen maken schele oghen bei Hoffmann v. Fallersleben altniederländ. sprichw.); falsch gewicht und masz verstehen keinen spass Wander 1, 1654; liegt ein falsches gewicht in der wage, so irrt man beim rechtsprechen alle tage. ebenda; wer gibt gutes gewicht, dem fehlt gottes segen nicht. ebenda (good weight and measure is heavens treasure); was sollen dem gewichte, der nichts zu wiegen hat? ebenda; vgl. auch DWB wo das gewicht fehlt, musz das geld kehren (daar het gewigt faalt, moet het geld keeren) Graf und Dietherr 253.
2)) leichtes gewicht, leichte waare Wander 1, 1654: bei dieser galanten und eigennützigen welt müssen die weiber geld haben, dann man schaut nicht auf das gesicht, sondern auf das gewicht. Abraham a Sancta Clara Abrahamische lauberhütt 1, 59 (die üble prophezeiung); das gewicht macht das gold echt und nicht die farbe Wander 1, 1654.
3)) zuviel gewicht übertreibt die uhr. M. Kirchhofer Schweiz. sprichw. 225 ('die obrigkeit'); wenn die gewichte fehlen, geht die uhr nicht. Wander 1, 1654.
e) formen.
α) für das genus ist neben dem heute geltenden neutrum ein älteres femininum belegt (einmal masc. bei H. v. Kleist 3, 204 Schmidt). zur erklärung musz der gegensatz beachtet werden, in dem bei Luthers niederdeutschem vorgänger (Arndes) das fem. und das neutr. stehen; das erste kommt der einfachen form, das zweite dem compositum (collect.) zu: wicht, gewichte. die mittel- und oberdeutschen denkmäler bieten nur die form des compositums, sie verrathen aber in dem doppelgebrauch der genera die spuren des ursprünglichen unterschiedes, der dem fem. die begriffe libramentum, pondus, dem neutrum den collectivbegriff pensum erschlieszt.
1)) das femininum (niederdeutsch wicht, oberdeutsch gewicht) ist vereinzelt in oberdeutschen urkunden, mehrmals auch in der oberdeutschen bibelübersetzung belegt. hier deckt es sich mit der niederdeutschen bibel für die fälle, die ein nomen actionis oder die sachbedeutung des wägemaszes betreffen. dagegen bildet der eigenschaftsbegriff einen trennungsgrund, er ist nur in der niederdeutschen bibel dem fem. erschlossen. der begriff von pensum haftet ganz am neutrum (vgl. oben sp. 5721). Luther gebraucht das fem. gar nicht, und nach ihm stirbt es auch in der niederdeutschen bibel rasch aus; in anderen niederdeutschen quellen andererseits mischen sich die formen, wir finden gewicht als fem., wicht als neutrum, s. u.
a)) für verwendungen, denen ein nomen actionis unterlegt werden kann: zwai hundert guldîn guoter an dem golt und swærer an der gewiht. urk. v. 1373 monum. zoll. 1, 365; swaz man bi der gewicht verköuffen wil Züricher stadtbücher (1343) 1, 135; dazu vgl. 2. Samuel. 12, 30 Eggesteyn (die do het edels gestein in der gewicht des goldes ein talent; ebenso Koburger; de woech een punt Arndes; am gewicht Luther u. a.); ebenso Hesekiel 4, 10 Koburger (in ghewichte Arndes. Quentel). hieher gehört auch wol Züricher stadtbücher 2, 50 (aus 1416); 2, 367;

an einem kalb msz nit erwinden,
ein feiszes weisz ich tast wol zfinden,
gt am griff, schwr an der gwicht; (var.: an dem gewicht)
das wil ich bald han zgericht,
Georg Binder Acolastus 5, 5 (schweiz. schausp. 1, 258).


b)) für die sachbedeutung des wägemaszes: u scholen gheuen dat brod to ener wicht de klene schal sin Arndes 3. Mos. 26, 26; ebenso Eggesteyn (z der gewicht; gegen zu dem gewicht bei Koburger: mit gewicht bei Luther u. a.); er wag die har seins haubtes mit einer offen gewicht.

[Bd. 6, Sp. 5728]


Eggesteyn 2. Samuel. 14, 26; ebenso Koburger (gegen ghemenes ghewichtes Arndes; nach dem königlichen gewicht Luther u. a.); mit Collenscher wicht betalen Wander a. a. o.; dazu vgl. bezalen ... bi der gewicht, als das von alter herkommen ist. Züricher stadtbücher (1426) 2, 221; ebenso 2, 49.
c)) für den eigenschaftsbegriff scheidet sich der gebrauch landschaftlich: un de wicht der ghebedenen orentziringhe was dusent ... siclen gholdes Arndes richter 8, 26 (das gewichte Eggesteyn u. a.); ebenso de wicht sines pantzers 1. Samuel. 17, 5 (an andern stellen hat auch Arndes das neutrum s. u.); dat wi nu in der seluen gewichte weder hebben gebracht Quentel 1. Mos. (in deme sulue werde Arndes; in dem selben gewicht Eggesteyn u. a.);

den abend wie angieng die nacht,
da schosz der feind mit grosser macht,
fewrkugeln wie man befunden,
ein jeder spricht, hett in der wicht,
ungefehr bei 80. pfunden. lied vom überfall Braunschweigs (1605) Soltau s. 304.


2)) das neutrum, das Luther und die ihm folgenden übersetzer übereinstimmend mit dem brauche ihrer zeit in allen fällen durchführen, zeigt sich in der älteren niederdeutschen bibel auszer für den begriff pensum vereinzelt auch für einige verwendungen des femininums.
a)) beim eigenschaftsbegriff: unde dat ghewichte des gholdes ... was soshundert un sos un sostich pund gholdes Arndes u. a. 1. Kön. 10, 14, ebenso 2. chron. 4, 18; sos hundert siclen goldes sere rechtuerdighes ghewichtes 1. chron. 22, 25, ebenso Esra 8, 34.
b)) zu der sachbedeutung vgl. ghemenes ghewichtes Arndes 2. Sam. 14, 26; schal ik recht werdich maken unrehte weghe unde valsch ghewichte des sackes Arndes Micha 6, 11.
β) der numerusgebrauch steht unter dem einflusz der bedeutungsunterschiede. das nomen actionis und der eigenschaftsbegriff schlieszen an sich den pluralgebrauch aus, der den sachbedeutungen offen steht (vgl. auch Adelung u. a.; ausnahmen sind natürlich möglich: die spezifischen gewichte der verschiedenen holzarten): die Türcken sein in vollstreckung des rechts geflissen, der subwascha reit hin und wider in der stadt ... und besichtigt mit fleis die gewicht und masz, und so er befindt, dasz das gewicht im brot, schmaltz, oel etc. falsch oder zu gering ist, pflegt er alszbald dieselben handelszleut ... mit stecken auf die blossen fuszsohlen zu schlagen. Schweigger reisbuch (1608) 177; freilich auch die sachbedeutungen begünstigen den plural nicht in hohem grade, vielmehr überwiegt bei gewicht der collectivgebrauch, indesz das bedürfnis, eine mehrzahl einzelner objecte hervorzuheben, selten durchschlägt, vgl. hette etlich gut zien mit sich gebracht, welches er gern wolt vergiessen lassen, begert es zuuor zu wiegen, darumb lies er den kannengiesser bitten, er wolte sein gewichte mit sich bringen ... hette gern zum goldtschmit geschickt, aber dieselben haben so grosse gewicht nicht. Barth. Krüger Hans Clawerts werckliche historien (30) neudr. s. 58; diese probemaasze und gewichte sind fortan die einzig authorisirten originale von masz und gewicht für unsere sämtlichen staaten. preusz. maasz- und gewichtsordnung von 1816, § 1 (gesetzs. s. 142); sobald aber irgend etwas nach maasz oder gewicht überliefert wird, kann sowohl der geber, als der empfänger fordern, dasz die ueberlieferung nach gehörig gestempelten maaszen und gewichten geschehe. ebenda (§ 11) s. 144 u. a. in die form des plurals kommt seit dem 16. jahrh. vom oberdeutschen sprachgebiet her schwanken; dem alten plural gewichte, gewicht tritt nach analogie anderer neutra die form gewichter entgegen. die schriftsprache hat dieser bewegung nicht nachgegeben.
1)) gewichte Schweizer urkunde von 1392; Meissner bei v. d. Hagen; wichte Hansisches urkundenb. 9, 288; gewichte Matthesius a. a. o. gewichte, nicht gewichter Heynatz handb.6 283b; de wigte, die pfunde Brem. nieders. wb. 5, 251; jewichte Krause a. a. o. dazu vgl. gewicht Murner; Kirchhoff mil. disc. (1602) 135; Nürnberger ordn. (1734); Heidelberger handschr. nr. 660. 807 Wille; gewichts ebenda nr. 652.
2)) gewichter österr. weisth. 1, 168. 5, 226; Tat. Alpinus 22b; G. Boeckler theat. mach.; Abraham a S. Clara 2, 278;

[Bd. 6, Sp. 5729]


Stranitzki 370; Abele künstl. unordn. 2, 15; Göthe 42, 93 (zum Götz).
γ) der lautkörper unterliegt verhältnismäszig wenig schwankungen.
1)) zum präfix vgl. den oben berührten gegensatz zwischen dem fem. wicht und dem neutrum gewichte: vgl.dat gewichte van siner vorringe seerecht von Visby 1, 33 Schlyter gegen de wichte; vgl.dhat gewichte ... an dhere wichte Hansische urk. von 1269 s. o.; vgl. rechte wicht, rechte mate Berlinisches stadtb. 2 Clausnitz; die spätere entwicklung hat diesen gegensatz auch für die niederdeutschen formen verwischt: vgl. wicht n., pondus Schottel 1443; wigt Brem. nieders. wb. 5, 251; wicht Danneil 246; woeg einer mit falscher gewicht Matth. v. Normann wendischrüg. landgebr. tit. 164 Gadebusch u. a.; gewicht als fem. jüngere glosse zu Reinke de vos 3, 12, 187.
2)) zum auslaut vgl. neben gewicht die form gewichte, die nicht spätere angleichung an die collectiva auf e, sondern für das neutrum von hause aus zuständig ist. die schriftsprache hat nach langem schwanken die kurze form durchgeführt. z. mundartl. apokope vgl. geweech. vgl. sp. 5712.
a)) gewichte erlösung 875. 3844; Berthold v. Regensburg 1, 148; Frauenlob 18, 6; Hohenfurter benediktinerregel; mitteld. schachb.; Freiberger stadtrecht; Eberhardt chron. v. Gandersheim 1189; vgl. auch Schiller-Lübben 2, 101; ebenso in myst. 1, 140; bei Fleming, Picander, Lohenstein, Logau, Weise (vgl. auch Heilborn, wortschatz der schles. schule 15); ebenso Stranitzki 369; Steinbach 2, 1013; Hagedorn; Gutmann (Halle 1786); Göttinger student; Jecht Mansfelder mnda 42. diesen nieder- und mitteldeutschen belegen stehen aus den grenzgebieten nur ein beleg der Nürnberger ordnungen (185) und des Frankfurter drucks des Milichius zur seite, dazu vgl. noch gewichte in Straszb. ordnungen und in einer oberrh. urkunde von 1536 (zsch. gesch. Oberrheins 13, 288).
b)) gewicht, gewiht H. v. Langenstein Martina 26a; Meissner v. d. Hagen 2, 224b; Züricher stadtbücher 1, 135; Nürnberger polizeiordn. 173 Baader u. a.; Closener d. städtechron. 8, 135; Kölner spruch (s. sp. 5731); Murner, Emser, Eck, Matthesius, E. Alberus; Zeitzer urk. (1573), Fischart, Frischlin u. a.; ebenso Frisch 2, 445c; Heynatz handbuch6 283b; Bauer (Waldeck) 40a; Lenz 28a; Martin u. Lienhart u. a.
c)) gewicht neben gewichte ist aus Straszburger ordnungen, Kölner urkunden, aus Luther (gewichte Hesekiel 45, 10 u. a.) und H. Sachs (gewicht fab. u. schwänke 4, 393; gewichte 5, 347) u. a. belegt, vgl. auch das instehende gewichte Faber thesaurus (1571) 449a (das instehende gewicht 20a); gewicht Comenius orbus pictus 263; gewichte ebenda 262a; Lessing strebt im gegensatz zu den älteren Schlesiern die kurze form an, die seitdem die litteratursprache beherrscht.
3)) der stammvocal schwankt in einigen älteren vocabularien: gewecht, gewehte, gewiecht, ein geweicht, drachma, pondus Diefenbach u. Wülcker 619; des gewechtis von Straiszburgk urk. v. 1314 Winkelmann 2, 780. vgl. dazu geweech Hönig Kölner mda 65.
4)) zur wiedergabe des gutturalen spiranten vgl. gewiht, gewihte in der ältern überlieferung (Martina 26a; erloesung 1017), andererseits vgl. gewigd urk. von 1345 Winkelmann 2, 397; gewigt in Nürnberger ordn. 73; bei Erasmus Francisci lust. schaub. 3, 627 u. a.
f) die composition trifft vor allem verwendungen, die vom wägeverfahren ausgehen, und zwar in erster linie solche, die unter die sachbedeutung des wägemaaszes fallen. der eigenschaftsbegriff nimmt verhältnismäszig wenig daran teil. dagegen haben die vom nomen actionis zu diesem hinüberführenden composita gleichgewicht, übergewicht eine geradezu ungewöhnliche verbreitung gewonnen in übertragener verwendung, vgl. vor allem das europäische gleichgewicht (s. unter letzterem). manche composita haben sich überhaupt nur in übertragener bedeutung erhalten, so schwergewicht (vgl. dagegen leichtgewicht).
2) überblick über die sinnlichen verwendungen, die an das wägeverfahren anknüpfen.
a) gewicht als wägemasz, vgl.: wie dann solche wagen allenthalben, zu aller hand abwegung gebreuchlich sind, daz gewicht auff die eine seiten, unnd was man wegen

[Bd. 6, Sp. 5730]


wil, auff die ander seiten zu legen, unnd also am gewicht zu vergleichen Ryff von wag und gewicht B 4b; wann die wag nun also bereit ist, mit jren dreien balcken, und du wilt sie mit den kerblin verzeichnen, darinnen daz gegengewicht gehencket werden sol, so mustu für das erst ein gewicht haben, das gerad ein pfundt wege, des gewichts des selbigen lands, auff welche du diese welsche schnellwag richten wilt. AA 1ab.
α) der hauptgebrauch trifft verbindungen mit bedeutungsverwandten substantiven, von denen sich mehrere formelhaft zusammenschlieszen. die gruppen, die sich hieraus ergeben, vertheilen sich ziemlich reinlich auf bestimmte richtungen des litterarischen gebrauches. gewicht und wage finden sich vor allem in einführungsbestimmungen und in verordnungen, die den verkehr überhaupt regeln, die strafbestimmungen bevorzugen die erweiterte formel wage, masz und gewicht. überhaupt nehmen erweiterte formen der verbindung masz und gewicht breiten raum ein, so namentlich in den reformbestrebungen der politiker. zahl, masz und gewicht wird in der theologischen und mechanischen naturbetrachtung viel angezogen. losgelöst von andern synonymen wird masz und gewicht zur bequemen formel, die in allen stilgattungen wiederkehrt.
1)) gewicht und wage als verbindungnicht von synonymen (wie sp. 5715), sondernvon begriffen, die sich ergänzen:
a)) dit is dat gewichte von der critwaigen ... item ein kufferen gewichte van seess pnden. item ein blijen gewichte von seess pnden. Kölner verordnung vom ende des 14. jahrh. s. Stein akten z. gesch. ... d. stadt Köln 2, 58; ebenso (1482) 1, 489; (eid des aufsehers auf dem fischmarkte 1483) 2, 578; doch dasz sie jeder zeit haben ein stette gerechte waag mit rechtem gewicht wie von alter bestimbt und lands gebreüchig ist. do aber dem zu wider gehandlet und die ungerechtigkait ehrgriffen wihrt, es wär mit wasz gewicht solliches geschechen möcht. markt- u. mautordn. von Vorau (1603) österr. weisth. 6, 115; dasz in jeder mühle eine ordentliche waage mit gefochtenem gewicht zu halten, und bei den jeweiligen mühlen-visitationen auf den punkt wegen der mehlwaage und richtigen gewichts gesehen werden solle. badisches decret von 1770 bei C. F. Gerstlacher 3, 268; besinnst du dich auch des alten Stickels und seiner frau, der reinlichen holzkrüge, der wagen mit den verschiedenen gewichten auf dem hausehren? Jacob Grimm (an seinen bruder Ferdinand 1829) kl. schr. 1, 23.
b)) item es sol dhain gruebmaister oder perkman wag nach gewicht haben, ân wen es der weckslër oder sein anwalt erlauben. bergrechte in der Gastein u. Rauris (14. jahrh.) österr. weisth. 1, 199; vort no en sall gein gast binnen noch buissen sinre herbergen geinreleie waige noch gewicht haven, damit hei sin goit usswige off in einchen wijs slijsse, den hei sall id gantz verkouffen, we vurs. is. Kölner verordn. v. 1409, 2, 266 Stein; item dat man up sees odir 8 bequemen steden eine wage ind gewicht haven soile, da up die burgere, ingesessenen ind fremden, die selffs geine waigen ind gewichte en haven, ire broit wigen moigen. (1481) 1. 472; solcher gestalt mag auch weiter die kelte, werme ... durch wag und gewicht, ersucht werden. Ryff CC 2a; ähnlich B 1b; das gewicht oder die wagen die sollen nach Wienischen gewicht geordent, gesezt und gemacht werden ... die weinmass soll nach Salzburger mass geordent und gemacht werden under des gewichts zaichen zusambt den eegedachten gewicht und der ellen mass bezaihent. banntaiding zu Wasserneuburg (16. jahrh.) österr. weisth. 6, 429; er niederleger soll auch ein ehrbars aufsehen haben und gegen den rodfertigern oder den rodleuten kein gefährliches mit wag und gewicht nicht geben, sondern hierinnen einem wie dem andern, reich und arm halten, das erbar und aufrecht ist. dorfbuch von Latsch (1607) österr. weisth. 4, 257; dahingegen wann gewicht und waag nicht ächt und fähig wäre, so ist vor 1 loth 2 fl. ... strafe nebst confiscation des gewichts anzusetzen. badische zunftordn. der metzger von 1769, § 69. zum pluralgebrauch vgl.: item sollen die müllner mit gueten millen, auch gerechten wagen, gewicht und masz ... versehen sein. weisth. v. Kufstein (17. jahrh.) österr. weisth. 2, 26; item von der metziger wegen, der falsche

[Bd. 6, Sp. 5731]


gewicht oder wag hiet. item, ain etlicher metziger, der zu seinem hantwerk falsche gewicht oder wage hiet ... der ist vervallen 25 phunt Perner peen. statut. u. recht v. Kaltern s. österr. weisth. 5, 299; mit ernst gebühret dem profosen darauff zu schauwen, darmit ... die krämer ... rechte gewicht und wogen haben. Kirchhoff milit. dis ciplina 135.
c)) straff der felscher mit mass, wag und kauffmanschafft. item welcher bsslicher und geverdlicher weiss mass, wage, gewicht, specerei oder andere kauffmanschafft felscht, der sol zu peinlicher straff angenomen ... werden. Bambergische halsgerichtsordn. (§ 138) s. 55 Kohler u. Scheel; so bei einem ain fallische waag, gewicht oder masz gefunden wiert. banntaiding zu Passeil (1662) österr. weisth. 6, 174; ebenso (banntaiding zu Weiz. 17. jahrh.) 6, 196; das die personen, so sich firkeif und crämerei gebrauchen, ... auch aine rechte wag, star und ihre Bozner mass, alles gerecht und abpfächtig, und kain ander gewicht, wag, oder mass haben, noch gebrauchen sollen. ordn. v. Sarnthein (17. jahrh.) österr. weisth. 5, 267; gewicht, masz, ellen und waag sollen den alten gebrauch noch gerecht und gleich ohn allen falsch gehalten und gebraucht werden, auch durch gericht besicht und geziment werden. marktartikel von Aflenz (16. auf 17. jahrh.) österr. weisth. 6, 84; ebenso (16. jahrh. St. Lambrecht) 6, 237; ähnlich 6, 78 (mit valscher waag, eln und gewicht); zum pluralgebrauch vgl.: item wellichen bosslicher unnd geferlicher weise mass, wag unnd gewichte, specerei oder annder kauffmanschafft fällscht unnd die fur gerecht gepraucht unnd aussgibt, der soll zu peinlicher straff angenommen ... werden. Carolina § 113 s. 61 Kohler u. Scheel; ferner sollen an dem landrechten nach Khessendorffer kürchweich alle mass trucken und nass, meczen, habmass, viertl und mässl, kanten, wag, elln und gewicht nichts auszgenommen uber zuvor gethonnes beruefen für und in die schrannen bracht werden, volgund soll der landrichter vier gerichtsmann darzue verschaffen, solch mass, waag, elln und gewicht alda zu sechen und zu fächten, und welches zu gross, clain, eng oder gering, der ist nach gnaden zu straffen. landrecht v. Kessendorf (handschr. 1625) österr. weisth. 1, 33; ähnlich (alle waag, gewicht und masz) 6, 23; 2, 29 (falsche gewicht, wag und mässereien); 5, 303 (rechte ... mut, gelten, öl, sterli und all ander masswag Meraner  und all ander gewicht).
2)) schon in der zusammenstellung mit wage zeigte sich die enge verbindung von masz und gewicht. diese beherrscht auch die meisten der übrigen formeln:
a)) neben anderen bedeutungsverwandten substantiven:
α)) dasz man im gantzen röm. reich teutscher nation ein gewicht, masz mesz und elen halten soll. sogenannte reformation kaiser Friedrichs, Goldast 1, 176; zum ailfften sol der gros nachtail der armen in kawffen und verkawffen bedacht werden und im reich I mes I eln I fuder gleich gewicht I leng der duch und barchat unnd aller ander war uffgericht werden. bauernart. v. 1525 bei Oechsle beitr. z. gesch. des bauernkrieges 290. die gleiche forderung in der reform guter polizei zu Augsburg 1530 bei Andler corp. const. imp. 550;

hetten wir alle einen glauben,
gott unn den gemeinen ntz vor augen,
gtten friden und recht gericht,
ein elle, masz, und gewicht,
eine müntze, und gt geldt,
so stunde es wol in aller welt.
Agricola 750 dtsche sprichw. nr. 272.

das gleiche in ghemene duitsche spreekwoorde (1550), vgl. G. J. Meijer oude nederl. spr. 17. um einen vers erweitert ist der folgende Kölnische spruch:

hedden wir alle einen gelouven,
got und gemeinen nutz vor ougen,
ein elle, maisz und gewicht,
gœde frid und rechte gericht,
ein müntz und goet gelt,
so stundt ist wail in der welt. schatz bouchlin der gotlicher lieffden (Germania 19, 98).

zum plural vgl.: in beeden hofmarchen soll man sich der masz, elln und gewicht dem lantgericht gleichmäszig halten. gerecht u. freih. v. Gröbming (1594) österr. weisth. 6, 6.
β)) ginge einer mit falscher wahre, gewicht, elen edder maten ... umme Matth. v. Normann wendischrügischer

[Bd. 6, Sp. 5732]


landgebrauch tit. 164 Gadebusch; braucht allerlei vorteil seinen nehesten zu betriegen, und schaden zu thun, mit falscher wahre, ellen, gewicht, masz etc. Luther tischreden (25 vom teufel u. seinen werken) 278b; kein augen sind die da sehen, das der fleisch und brodkauff zu kleine ist, niemand hat achtung drauff, das das gewichte, ele und mas zu gering ist. Ludw. Milichius schrapteufel (1567) S 2a; item, dasz den mercatantern, metzgern, unnd andern, ein gewisse eln, masz, und gewicht gegeben und gemrckt werde, die sie zu gebrauchen haben, bei hoher straff. Laz. v. Schwendi kriegsdiscurs 69; auf die mezker, peken, elln, masz und gewicht will schier gar kein achtung gehalten werden. marktart. des domcapitels zu Gurk (1579) österr. weisth. 6, 505; ähnlich 1, 114a; 1, 85; 6, 538 (diejenigen welche mit gewicht, masz, ellen und dergleichen handlen); ebenso 6, 539; nach dem gewicht (handschr. gericht), masz, ellen oder in ander weg verkaufen. weisth. v. Kufstein (17. jahrh.) österr. weisth. 2, 40; ebenso 1, 272. zum pluralgebrauch vgl.: hee sall vur sicheren ind na zo den heilgen sweiren ... vort die maissen, eilen, geloede ind gewicht zo ijchen ind zo halden, as dat bis an in van alders herkomen is. eid des burggrafen v. Köln 1440 s. Stein 1, 304; alle gewicht, masz, elen und mesz im hailigen römischen reich teutzscher nation sollen ... geendert werden, nach erkantnus der notturfft des gemein nutz. sogenannte reformation kaiser Friedrichs, Goldast 1, 167; wie alle masz, eln und gewicht beschaut und gefächt werden sollen ... zue deme so sollen auch solche saczmaister almal anstat der ganzen gemain zum nachrechten erscheinen, damit alsdann traid, wein, masz, eln und gewicht notdurfticlich beschaut und gefaicht werden. landrecht von Wartenfels (hdschr. v. 1673) österr. weisth. 1, 163.
γ)) dasz er (gott) alle geschopft in zahl, gewicht und masz beschaffen hab. notizen von Pirkheimer (?) s. Dürers nachlasz 285 Lange; und auch weiter durch die heilige göttliche schrifft erwisen werden mag, so wir lesen, das alle ding von gott, in gewisser zal, masz, und gewicht erschaffen sind, darumb dann auch Augustinus setzet, das in diesen dreien dingen, als masz, gewicht unnd zal ... die macht unnd herligkeit gottes, in sonderheit erkant werde. Ryff A 2b;

und wie er sonst alles gericht
auff ordnung, zahl, masz und gewicht,
so hat er auch marscheider kunst
geschenckt aus besondrer lieb und gunst.
Martin Rinckhart (Eiszlebischer christl. ritter 2, 9) neudr. 44;

so haben doch die evangelisten, neben etlichen hebreischen worten, so sie im gewicht, masz und müntz behalten, vil greckischer und lateinischer wort gebrauchet. Mathesius Sarepta (14. pred.) 246b; in den wörtern, so di zahl, münze, mas, und gewichte bedeuten, sol besonders nichts übersehen, noch ausgelassen ... werden. Samuel v. Butschky erweiterte u. verbess. hd. kanzlei 58; vertretbare sachen im sinne des gesetzes sind bewegliche sachen, die im verkehre nach zahl, mass oder gewicht bestimmt zu werden pflegen. dtsch. bürgerl. gesetzb. § 91 reichsgesetzblatt (1896) 209. zum plural: jedes kapitel hat er wiederum in verschiedene §§ eingetheilet, und darinnen ... besonders abgehandelt: ... das finanzwesen, die handlungsgesetze, verordnungen und commercientractaten; die münzen, maasse und gewichte. Lessing (anzeige in der Vossischen zeit.) 43, 349; vgl. auch den übertragenen gebrauch:

der vers ist vielleicht rein,
nach zahlen, masz, gewicht. kunstmässig abgemessen,
wär in dem inhalt nicht zahl, masz, gewicht, vergessen.
Bodmer (character der teutschen gedichte 291/2) litt. denkm. 12, 13.


b)) die formelhafte verbindung auszerhalb des kreises weiterer synonyma.
α)) gewoenlichen veilen kouff zo geven mit reichter maissen und gewijchte van spijsen ind van drancke. Kölner fremdenordn. v. 1447 s. Stein 2, 343; recht Zulger maisz und gewicht nasz und dreugth (Saltzweiher 1516) weisth. 2, 692; und dahin geflissen sein, das allenthalbin recht gewicht und masz gebraucht werde. Wolfhart Spangenberg anmütiger weiszheit lustgarten 741; sollen die pöcken sich auch gerechts gewicht und masz gebrauchen.

[Bd. 6, Sp. 5733]


(landtaiding v. Taxenbach) österr. weisth. 1, 272; (vgl. dazu: frage den falschen messer, den falschen wäger einmal, ob er nicht weissz, dasz man rechtes masz und gewicht geben musz. Matthias Claudius 2, 25 Redlich); zum plural vgl.: vierzehentes. der sich in verkaufen der falschen und kleinen määsz und gewicht gebrauchet. dorfordn. zu Hartl (1680) österr. weisth. 6, 171; item so einer falsche masz oder gewicht habe, es seie was da woll, so soll der richter dasselbige so gewogen oder gemessen worden ist, behalten. banntaiding v. Waldstein, österr. weisth. 6, 357.
β)) in gewicht und maass betreffend mag ein landspfleger dieselben an der landschrannen zu Aich besichtigen, die nach gewohnheit zeichnen und merken lassen. (Gröbming 1531) österr. weisth. 6, 5; ähnlich 1, 21; auch soll zu gewicht und masz gesechen werden. banntaiding zu Weiz (17. jahrh.) österr. weisth. 6, 188; der general-auditeur soll das maasz und gewicht auch die taxe vom bier und fleisch reguliren. reglement vor die kgl. preusz. infanterie (1743) s. 374; dasz die mühlen, wie auch das gwicht und maasz durch eigends darzu verpflichtete visitatores alle halbe jahr ohnversehens zu visitiren, und die sich ergebende fehler dem oberamt zur untersuch- und bestrafung zu übergeben. badisches rescript v. 1727 bei Gerstlacher 3, 264; gehe ich zum wirt, so kriege ich das beste fleisch, wein, wie er sagt, ... nimmt's mit gewicht und masz nicht spitz. J. Gotthelf Uli der pächter cap. 10; er war untrüglich in allen reductionen von masz und gewicht, warf die preise der waaren aus und besorgte die calculatur des geschäftes. G. Freytag (soll u. haben 1, 7) 4, 86; in allen fällen, wo etwas nach maasz oder gewicht verkauft wird, darf die im inlande erfolgende ueberlieferung nur nach preuszischem, gehörig gestempeltem maasze oder gewichte geschehen. ist im vertrage ein fremdes maasz oder gewicht verabredet, so musz dasselbe bei jener überlieferung auf preuszisches maasz oder gewicht reduzirt werden. preusz. verordn. v. 1840 (gesetzs. s. 127); zum plural vgl.: alle mäszerei, besonderist die weinürhn und gwichter, alle jahr abpfächten lassen und selbe visitieren. (ehehaftstädigung ... auf dem Ritten) österr. weisth. 5, 226 (vgl.: dasz der richter .. auch auf den gewicht und mäszerei absicht haben solle. österr. weisth. 5, 226); item tschinken, rigler und gesworn sullen im jare zwir beschawen alle masz und gewicht. stat. u. recht v. Kaltern s. österr. weisth. 5, 304; derhalben leret der Eutropius, von stundan im anfang seines ersten bchs, wie Sydonius die msz unnd gewichter erfunden. Tat. Alpinus übers. des Polydor. Vergil. (1, 19) 22b; in jedem regierungsdepartement musz dafür sorge getragen werden, zu ajustirung der maasze und gewichte mit zuziehung von kunst- und sachverständigen zweckmäszige comtoirs eingerichtet werden. preusz. verordn. v. 1808 (gesetzs. s. 497); dasz wir nöthig erachtet haben, der unsicherheit in maaszen und gewichten, die bisher in unsern staaten den verkehr erschwerte, durch feste bestimmungen abzuhelfen. preusz. maasz- u. gewichtsordn. v. 1816 (gesetzs. 142), vgl. gewichtordnung.
γ)) verzaichnus ettlicher und viller verendrungen nemlich des gewichts und elen masz, wie sollichs vergleicht werden, nutzbarlich zu wissen. Heidelberger handschr. d. 16. jahrh. (nr. 307) Wille s. 49; das masz heiszt ... schwermasz oder gewicht, sofern es eine massen- oder schwereinheit ist. L. Goldschmidt handb. d. handelsrechts (§ 63) 1, 564.
3)) die verbindungen, in die gewicht allein, ohne anlehnung an wage oder masz eintritt, sind spärlich:
a))

mit liegen, schweren, falscher war,
hab ich genert mich manche jar.
wcher, kauff, und bösz gewicht,
ist nit mein minste zversicht.
Joh. v. Schwartzenberg memorial der tugent, s. der teutsch Cicero (1534) 137b.

dazu vgl.:

woker, vorkoep und bse gewicht
ist niht mine geringste thovorsicht. jüngere glosse zum Reinke de vos 3, 12, 187 Brandes 197

(bei letzterem parallelstellen aus Freidank u. a., die den begriff des betrugs beim verkauf variieren, ohne ihn durch das böse gewicht zu veranschaulichen); datt gehört den ampthebbern, dat se up de schotten und andere umblopende kramer up ere gewicht und wahre sehen in den

[Bd. 6, Sp. 5734]


markeden. Matthäus v. Normann wendisch-rüg. landgebrauch. tit. 164 Gadebusch s. 205.
b))

welch kremer zu kürze elen hete
oder ze leicht gewichte
oder gefelschte war
der wurt verschonet nichte.
H. Sachs fab. u. schwänke 5, 347;

die krämer und die handelsleut
die müssen reisen nah und weit,
auf vortheil thun sie denken;
an ellen, stckweis und gewicht. lauf der welt bei
Hoffmann gesellschaftslieder 2, 179;

auch wollen wir, das alle kromer eisnein ellen und gewicht, paide gezeichet mit der stat zaichen; welcher der wer der zu kurz mess, oder unrecht wug, der schol zu puze gewen. Alt-Prager stadtrecht § 58 Röszler s. 40; also das zu zeiten solicher freiung, so lanng die weret, mogen geste wol ausswegen und mit der eln aussschneiden, welche zu offen laden steen, doch das sie der stat gerechtvertigte gewicht und elen zu solichem irem ausssneiden und auswegen haben und gebrauchen. Nürnberger polizeiordn. des 15. jahrh. bei Baader 130; dazu vgl.: mäszereien ... ellen und gewichter. österr. weisth. 1, 168. zu der verbindung von gewicht und scheffel in der bibelübersetzung (5 Mos. 25, 13) vgl. oben sp. 5719.
c)) wöllen wir zuvor von der müntz und gewicht reden, des in der heiligen schrifft gedacht wirt. Mathesius Sarepta (14. predigt: von müntz, gewicht und zahl) 228b; wir deutschen haben unser gewicht und zal namen mit dem rechen und buchhalten, von den Lateinern unn Wahlen bekommen, drumb brauchen wir des zentners. 236a.
d)) das ainer sinen aide oder ere übershe mit valsch gewicht, gewürtz, schmaltz oder anderm, oder das ainer den andern wundoti oder messer zuckti, das sol allwegen ainem stattamman und dem rate haimgeseczt werden. Überlinger verordn. v. 1461 zsch. gesch. Oberrheins 18, 28; andere verbindungen führen zu der bedeutung pensum und dem eigenschaftsbegriff über, vgl.: mit dem gewicht es nicht immer genau nahm ... die preise ... nicht am genausten angab. J. Gotthelf Hans Berner (vgl. oben sp. 5733); die bäcker anzuhalten, monatlich die preise und das gewicht ihrer verschiedenen backwaaren durch einen anschlag im verkaufslokal zur kenntnisz des publikums zu bringen. preusz. gewerbeordn. v. 1845 gesetzs. s. 57.
β) auf die vorstellungskreise, innerhalb derer sich die eben belegten wendungen bewegen, führt auch die verbindung mit angegliederten substantiven und mit attributiven adjectiven in erster linie zurück. es handelt sich hier vor allem um unterschiede in der hebelkraft der gewichte, die im tauschverkehr einen gröszern oder geringern werth des abgewogenen bedingen. soweit diese durch landschaftliche zersplitterung und hemmung des verkehrs oder durch die abhängigkeit des deutschen handels vom auslande bedingt sind, berühren sie sich mit den für die reformbestrebungen schon oben (sp. 5731) angezogenen belegen. andere unterschiede zwischen schweren und leichten gewichten ergeben sichabgesehen von den fällen strafbaren betrugsaus den gegensätzen in art und zweck des gewogenen materials. andere gegensätze nehmen wenig raum ein. bemerkenswerth ist die häufigkeit der compositionsformen, denen die substantivverbindungenvielfach auch solche mit adjectivenin ihrer geschlossenheit zustreben.
1)) unterschiede in der hebelkraft des gewichts.
a)) landschaftliche gegensätze, vgl. auch gewichtseinheit u. a. vgl. die buchungen sp. 5725.
α)) grosz ist die zahl der belege, die nach ausländischen gewichtseinheiten rechnen:
a))
a)) hundert und drissig guldin und einen halben guldin gt an golde und vollen swerer der gewichte von Florentie. urk. v. 1392, urk. zur Schweizergesch. 2, 265 (Thommen); alsdann so süllen und wellen wir das waitzen proat machen und packen ains bei der peckenwag oder Venediger spetziger gewicht ze wegen acht üntz. stadtrechte u. gewohnh. zu Bruneck (hdschr. um 1500) österr. weisth. 5, 494 (spetziger vgl. spezerei); Venedisch, Franckfurtisch ... gewicht. Ryff AA 1b; (er trug) allzeit ein grosen wsten schreibzeug, unnd pennal, welcher wag siben tausent quintal nach Venedischem gewicht zu Nrnberg gelifert. Fischart Gargantua neudr. 218; zu seinem

[Bd. 6, Sp. 5735]


hütlin worden genommen drei hundert zwei pfund Jenueser gewicht à la grossa, thun in Venedig subtili 86. pf. taffet. (so 1582; 1575: zwei elen, und ain virtail von weisem taffat) 180; seiden Salmantiner gewichts ... mit nutzen und quarti abgewogen (so 1582; 1575 geändert). ebenda 198; das troy-gewicht stammt aus der französischen stadt Troyes und galt bis in die neueste zeit in Holland. Chr. u. Fr. Noback taschenb. der münz-, maasz- u. gewichtsverhältnisse 1 (1851) einl. s. 23.
b))
b)) Planner hof im Algunt als grien-vischer, mag er von der altn Märlinger prugge ... untz hinauf an die strang des wassers vischen, davon soll er ainem haubtman alle jar auf das schloss Tyrol under ainist zinsen und antwurtn zwainzig pfunt welsch gewicht edl lebendig visch, vörchen und aschn. ordn. des schlosses Tirol (1505) österr. weisth. 5, 12; abgerechnet die 2 conterfetten angesicht mit ölfarben gemacht, daran hat er mir herausgeben 5  boras niederländisch gewicht. Dürer (reisetageb.) nachlasz 174 Lange; das neue französische gewicht unterscheidet sich ganz von diesem (dem medicinischen pfunde). man hat dabei zur basis das gramme, welches nach apothekergewicht 16 gran beträgt, angenommen. K. G. Hagen lehrb. der apothekerkunst 1, 52 anm.; unter dem zentner wird das gewicht von fünfzig kilogrammen französischen gewichtes oder fünfzig pfund niederländischen gewichtes verstanden. die erhebung der Rheinschifffahrtsabgaben soll nach diesem gewichte und seinen unterabtheilungen geschehen. (poids de France ... poids des Pays-Bas) Rheinschiffahrtsordn. v. 1831 (preusz. gesetzs. s. 90).
β)) innerdeutsche gegensätze.
a))
a)) Wienisch pfundt ein zentner haben sollen und nit mehr. man sol auch alle specerei, unnd was sam kauffs, kaufft oder verkaufft wirt, mit Wienischem gewicht weren, was uber ein pfund hat. aber was ein pfundt unnd darunder hat, sol man mit Troyischem gewicht auszwegen. was aber von goldt, berlin, silber, und dem goldt im kauff gleich ist, sol als mit klainem gewicht auszgewegen werden, der fünff lot vier Wienische machen. was aber ausz dem bergkwergk kaufft wirt, sol mit Wienischem gewicht gewerdt werden. sogenannte reformation kaiser Friedrichs (10. artikel) s. Goldast 1, 176; und wir es dannan haben, umb ainen zins jerlich umb xx pfund wachs Costentzer gewicht. Gallus Oheim chron. von Reichenau 142 Barack; auch zwaintzig march silbers Costentzer gewichts geben z ban losung 148, vgl. auch unten sp. 5744;

das tet den storchen ser verdrieszen,
dasz er der speis nicht mocht genieszen.
er gieng hinweg und schemet sich,
gedacht: das wil dir zalen ich
mit Cölnscher gwicht, wo ich bin bider!
Burkhard Waldis Esopus (1, 27) 1, 54 Tittmann, vgl. oben sp. 5727;

es sind auch unsre lantrecht, daz all unser schoswag in baiden gerichten aigenlich gevächt sein nach Haller gewicht. landrecht im Zillerthal (15. jahrh.) österr. weisth. 1, 324; ähnlich (Tauffisch gewicht) 1, 313; (Zulger maisz und gewicht) Satzweiher weisth. 1516 bei Grimm weisth. 2, 692; edict, das Berlinische maasz, scheffel, ellen, und gewichte in der gantzen Marck zu introduciren. 1713, s. Mylius corp. const. March. 5, 535.
b))
b)) dieser fisier oder maszstab, ist auff österreichisch und bayrisch gewicht gemacht, u ist auch eins gemeinē werckschuchs lang. Leonh. Fronsperger kriegsbuch 2 (1573), 111b; von der wag. es sol auch pei der peckwag das Pernisch gewicht geben werden und sol ain wäger vom rat und gemain gewelt und gesetzt werden. der selb sol das teutsche gewicht pei der wag und pei der ellen allen gesten messen. rechte u. gewohnh. von Sterzing s. österr. weisth. 5, 425 (dasselbe 5, 429); dabei aber der Hamburger zentner zu 112 pfund, welcher ungefähr mit 116 pfund preuszischen und Leipziger, oder mit 96⅝ pfund Wiener gewichts gleich ist, allgemein zum grunde gelegt werden. Elbschiffahrtsakte v. 1821, s. preusz. gesetzs. 1822 s. 13; es wird ein diesem verhältnisz entsprechendes gewichtsstück angefertigt werden, welches als urgewicht des preuszischen staates gelten und alsdann für das gewicht des preuszischen pfundes allein maasʒgebend sein soll. gesetz, betr. die einführung eines allgem. landesgewichtes v. 1856 s. preusz. gesetzs. 1856 s. 545.

[Bd. 6, Sp. 5736]



c))
c)) daʒ sullen si an rechten frongewichten wegen. rechtsbuch nach dist. 5, cap. 20 Ortloff; it were dan sache, dat einich canoench off joncfrauwe desselven gestichtz van irre provenden iemant iet verkoichte, den moigen de pistere broit geiven up irre herren gewichte van deme gestichte, mar were sache, dat einich burgere off ingesessen korn geven in pisterien, den mach man broit backen ... up der steide gewichte. Kölner verordn. v. 1407 s. Stein 1, 244; das die metzger Zúrich hinnenhin dz fleisch wegen und mit der statt gewicht, so dar umb gemachet ist, verkouffen sullen nach der ordnung wisung und nicht anders. Züricher stadtbücher (1412) 2, 10; so öffent man euch, dasz mein fraw und ir gotshaus ains und fünfzigk stück harib hat in dem obern ambt und dem nidern, darzu si und ir gotshaus ein besunders gewicht hat, wie man den dienen sull, und auf welche zeit man den dienen sol. öffn. v. Leukenthal österr. weisth. 2, 86; dat nemand tho Bergen im markede ware, de man wegt, köpe und mit egener huszgewichte wege. Matth. v. Normann wendisch-rüg. landesgebrauch tit. 164 Gadebusch; sein jarlich auf Tyrol ... zu antwurten schuldig zwen sämb käs, wie si die im gotshaus machen thuen, am lantgwicht 2 centn. 50 pfunt. Tiroler ordn. (1505) österr. weisth. 5, 14; sol nach dem lantgewicht gewegen und für iedes pfunt 9 kr gerait werden. ordn. der handwerker von Sarntheim (1658) ebenda 5, 278. vgl. auch preusz. gesetz, betr. die einführung eines allgemeinen landgewichtes von 1856.
b)) die unterschiede in art und zweck des zu wägenden materials wirken ihrerseits ebenfalls auf gegensätze in der hebelkraft des gewichtes ein; im besondern machen sich bei dieser gruppe auch unterschiede in der präcision der abmessung geltend. je kostbarer das material ist, um so feiner ist auch der gewichtsmesser gegliedert und abgestuft.
α)) item 2 zentner bulfer zu dem handgeschutz, sind des bulfermaisters gewesen, cost ain zentner 11 guldin, tut 22 guldin und lofft sich alhie nach dem pfeffer-gewicht 2 zentner und 19 pfund. urk. v. Überlingen (16. jahrh.) zschr. f. gesch. d. Oberrheins 17, 323 (vgl. sp. 5738); es ist ouch erkant, wie es des salmen und lahs verkoufens halb mit dem gewiht vormols verordent ist, dobi sol es bliben. Straszburger verordn. v. 1469 bei Brucker s. 220; item das niemand nach kainem andern gewicht dann nach der alten gerichtswaag allhie schmalz oder anders verkauf oder kauf. landrecht v. Wartenfels (hdschr. v. 1673) österr. weisth. 1, 164; dasz im h. röm. reich teutzscher nation die werbenden in stätten, auch ihr abthailung haben sollen, dermassen die mit der elen oder trucknem gewicht verkauffen, sollen von den andern abgesundert sein, die feiste masz u gewicht prauchen. ... die so das drücken gewicht und die elen prauchen, sollen nit anders dann gewandt, güldene und silberne stück mit allem seidenwerck, auch aller leinwat der elen nach verkauffen: und mit dem gewicht sollen sie alle specerei mit jhrem anhangk verkauffen, auch wachs, maluasir. sogenannte reformation kaiser Friedrichs bei Goldast 1, 177 (290); ähnlich bauernartikel v. 1525 Oechsle s. 290; der stein sal haben drisig pfunde swer silber gewichtes, unde der stein sal haben einen rimen, den man or (einer händelsüchtigen höckerin) umbe den hals gorte. rechtsb. nach distinctionen 5, cap. 20 Ortloff; cramergewichte schol glich silbergewichte sin, und welcher daran anders funden wirt, das ist ein valsch. (5, 9) ebenda; vgl. auch Graf u. Dietherr deutsche rechtssprichw.2 253; und wer sein gewicht nit hat in der ordnung alss im gebürt, ein kromer kromergewicht, ein goltsmid silbergewicht und die andern frongewicht, ist die puss xx pfund alt, auff gnad. gewichtsordn. von Nürnberg (1457) bei Baader 185; ähnlich 185; dorczu gebin wir in ouch unde eren nachkomelingen, daz si ir goltgewichte, beide, kleine unde gros, gliche sullen habin, als is unse stat Legnicz hat. urk. von 1348 bei Schirrmacher urk.-buch der stadt Liegnitz 110 (nr. 152); item ein gulden gewicht, gedeilt up 24 craet, mit sijnen grenen dartzo gehoerende. Kölner verordn. v. 1450, s. Stein 2, 363 (vgl. grengewicht Berward 30); im gold gewicht wirdt die marck in vier und zweintzig karat ... getheilt. Mathesius Sarepta (14. pred.) 236b; ein kahratgewicht zum golde ist, da die marck in 288 theil getheilet ist. Berward interpres phras. metall. 30; ein solveren assei gewicht.

[Bd. 6, Sp. 5737]


Kölner verordn. v. 1450 (2, 336) im silbergewicht theilt man bei uns die marck inn sechzehen loth. Mathesius 237a; also am silber und goldgwicht: in marck ... k. k. karat. Sebastian Helber teutsches syllabierbüchlein 36 Roethe; aus der neueren litteratur vgl. noch Chr. u. Fr. Noback taschenbuch der münz-, maasz- u. gewichtsverf. 1 einl. xx (gold-, silber-, münzgewicht; probirgewicht, juwelengewicht; seiden-, mehl-, fleischergewicht u. a.); die Schweiz gebraucht als münz-, gold- und silbergewicht ihr mit dem deutschen münzpfunde übereinstimmendes handelspfund. Prechtl technol. encykl. bd. 23, suppl. 3, s. 333 (vgl. auch juwelengewicht s. 334); vgl. silbergewicht th. 10. 1 sp. 1005; vgl. auch silbergeloete ebenda sp. 1002;

den (adel) gibt die not, die tochter der verschwendung,
drauf in des bürgers hand, des krämers, mäklers,
der allen werth abwägt nach goldgewicht.
Grillparzer (ein bruderzwist 3) 95, 66;

vgl. auch probiergewicht theil 7 sp. 2152; juwelengewicht preusz. gesetzs. 1856 s. 546; kronen-, dukatengewicht u. a. s. unter gewichtsgattung und gewichtmacher.
β)) kramergewicht vgl. theil 5 sp. 2000, kramgewicht sp. 2002; vgl. auch oben unter silbergewicht; vgl. auch den gegensatz von kramergewicht und wagegewicht theil 13 sp. 371;

taugt, ihr rechenmeister,
eure wage nicht,
wägt man auch die geister
mit dem marktgewicht?
Karl Gerok (lasset sie mit frieden) palmblätter;

gewicht, als maasz der schwere von körpern, ist in allen ländern verschieden ... in Deutschland hat grösstentheils das handelsgewicht: 1 centner 110 pfund ... in Frankreich war das alte markgewicht: 1 pfund hatte 2 mark H. F. Rumpf encyclopädie d. ges. kriegskunst 1, 364; vgl. die zu verwiegungen auf brückenwaagen bestimmten gewichtsstücke können ... sowohl im preuszischen handelsgewichte, als für den gesetzlich nach zollgewicht zulässigen verkehr, im zollgewichte getheilt werden. preusz. gesetz v. 1853 (gesetzs. s. 590); vgl. handelsgewicht Prechtl a. a. o. 329; L. Goldschmidt handb. d. handelsrechts § 63; Noback handelswissensch.3 20; vgl. zollgewicht preusz. gesetzs. v. 1839 s. 325; die einführung des zollgewichts als landesgewicht in einer reihe deutscher staaten. Noback münz-, maasz- und gewichtsb. vorw. s. 20; fleischergewichte, nennt man dasjenige maas der schwere, nach welchem die fleischer ihr fleisch auswiegen und verkauffen müssen, und welches deswegen schwerer als das kramer-gewichte ist, weil sie im fleische viel knochen ... mit zu geben genöthigt sind ... der fleischer stein wiegt gegen kramergewichte gerade 20 pfund, oder dieser stein erfordert an kramer-gewichte ein und zwantzig pfund. Chomel 4, 200; seidengewicht Noback taschenbuch; mehlgewicht s. unter gewichtsmenge; fuhrgewicht ist wol nach analogie von fuhrfasz zu deuten (vgl. oben sp. 466): pfundschwer oder fuhrgewicht drei centner stein ist zu Braunschweig 11 ., zu Hamburg und Hanover 10 . C. Besold thes. pract. (1679) herausg. v. Dietherr 319; zaichen und nahmen des gewichts so man in den apoteken brauchet. Heidelberger handschr. des 16. jahrh. (nr. 652), vgl. Wille s. 90: aigenschaft eines berümbten wundt artztes ... er solle vor allem die gewicht und caracter der apoteken verstehen und die wissen zufordern (nr. 660) 91; wie man die appotegischen gewicht versteen soll (nr. 807) 122; vom apotecker gewicht, wie es von den medicis verschrieben wird. Ulmer artznei-taxe von 1664; libra ein pfund, das hat 32. loth, im kramer gewichte, aber im medicinalischem gewicht hats nur 24 loth, oder 12 uncias. Joh. Coler hausb. (1645) 2. theil s. 34b; ähnlich Chomel 1, 575; vgl.apotheker- oder medizinalgewicht. Prechtl a. a. o. 332; medicinal gewicht s. preusz. gesetzs. 1856 s. 546.
c)) diese unterscheidungen verallgemeinern sich in dem gegensatz zwischen groszen und kleinen, schweren und leichten gewichten: den schweren center unnd sekel, hat man im tabernackel gebrauchet, drumb nennet sie Moses des stifftes, oder der kirchen, oder des heiligthumbs gewichte. Mathesius Sarepta (14. pred.) 235a; das ander oder kleine gewicht unnd leichtere müntz, hiesz man das land oder gemein gewicht und gelt. ebenda; wes aber mit dem zentner oder pfunds weis verkaufft an faister war soll

[Bd. 6, Sp. 5738]


mitt vorgenannten ersten als dem grossen gewicht gewagen und gewert werden. bauernart. v. 1525 bei Oechsle 291; item des schweren gewichts hat si (die grosze buchs) gewegen 29 zentner 46 pfund, das macht nach dem lichten gewicht 36 zentner 82 pfund. urk. v. Überlingen 1539 zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 18, 42; wann die arm des wagbalckens proportionirt sindt gegen dem angehenckten gewicht, solcher gestalt, das an den kurtzeren arm das schwer gewicht angehencket werde, so werden dise beide gewicht gleicher schwere gefunden, in dieser position oder anhenckung. Ryff D 4b; ein schwergewicht (für die mehrzahl der waaren, die sogenannten gröberen) und ein leichtgewicht (für die feinen oder kostbaren waaren), ein besonderes seidengewicht u. s. w. Noback taschenbuch 1, einl. xx; vgl. auch leichtgewicht theil 6 sp. 645, schwergewicht (in theil 9 sp. 2565 nur mit der an den eigenschaftsbegriff angeknüpften übertragenen bedeutung gebucht).
d)) dieser gegensatz wird vor allem als gradmesser für die ehrlichkeit des verkäufers gedeutet: item iglich goltsmid sal haben einerlei gewichte, doran er innemet und usgebit. bei welchem man das anders erfindet, sal dorumbe peinlich gestrafft werden. innungsartikel der goldschmiede (c. 1466) bei Ermisch Freiberger stadtrecht 290;

die drit straff man aufrichten thet:
pei welchen kremern man finden thet:
ein leicht gewicht, zu krcze elen
... den thet man vor dem Rmer abhawen
an dem klain finger das erst glied.
H. Sachs (dreierlei strafen in Frankfurt) fab. u. schw. 2, 439;

was gezeichenten gewichts aber unter einem pfunde zu ringe funden wirt. Nürnberger gewichtsordn. v. 1457 bei Baader 185; dasz gepäck besser zu visitieren, inen klein- und geringes gewicht nit zu passieren. verzeichnis der banntaiding zu St. Paul (17. jahrh.) österr. weisth. 6, 538; hohe monarchen schaffen genugsame geldtmittel zur bezahlung der soldatesca, es kommt aber zuweilen der teuffel drüber ... dasz also der gemeine knecht mit dem geringen gewicht musz vorlieb nehmen. Abraham a S. Clara (auff auff ihr christen) Wiener neudr. 1, s. 87).
e)) noch deutlicher wird dieses moment in den verbindungen falsch gewicht, recht, gut gewicht u. a. gekennzeichnet: die rt besorgen, das die selben gewichten und das lot gemachet werden, das sî gelich bestanden und gerecht sien, alles ungevarlich. Züricher stadtbücher (1424) 2, 178; beschlöge he edder iemand den weger mit falscher gewicht, he moth den halsz lösen. Matthäus v. Normann tit. 164 Gadebusch s. 205; woeg einer mit falscher gewicht ebenda; falsche gewichte bruken ebenda;

valsch sindt ietzundt all gewicht,
wann man ernstlich dar uff sicht,
so verwegens sel und lib,
das er nun sin war vertrib,
die si vlschlich füchten kinnen,
das si grosz schwere dran gewinnen.
Thomas Murner narrenbeschwörung (70), neudr. s. 214;

zum dritten, magstu alles sagen was du weist, von einem offenbahren lügner, und von denen die mit falschem gewichte umbgehen. Adam Olearius persianischer baumgarten (7, 18) s. 79b; das hinfür niemandt in diser stat einicherlai ware auss- oder einwegen sol dann mit gewichten, die mit diser statt zeichen bezeichnet und gerecht seind ... andere ungezeichnete gewicht, die nit mit disen statt zeichen bezeichnet oder ungerecht weren ... wolte ein rate darumb straffen. Nürnberger ordnung des 15. jahrh. 173 Baader; desgleichen soll ein jeglicher sein gewichte auffm rathhausse eichen und aufziehen lassen, bei wem darüber unrecht gewicht befunden, der büsset dem rath 2 thlr. polizeiordn. v. Zeitz 1573, deutsche landrechte 1, 274 Schott; gnädige frau! habt ihr nicht altes zerbrochenes silber, von Augspurger und Wiener prob, auch ohne prob? wir haben schon unsere streichnadel und probirstein bei uns, auch das ordentliche gewicht. Abele künstl. unordn. (2, 34) 2, 252;

der sprach von fürstenehre,
und nicht von fürstenpflicht,
der nannte seine heere
und nicht sein recht gewicht.
Max v. Schenkendorf gebet 1815.

[Bd. 6, Sp. 5739]



2)) weniger einflusz auf die verwendungsformen des substantivs haben sonstige unterschiede in der beschaffenheit des wägemaszes.
a)) die bildungen gewichtstein, gewichtstück deuten auf gegensätze des materials und der herstellungsart. diese gegensätze haben eine besondere entwickelung im münzverkehr genommen (s. sp. 5744). aber auch auszerhalb dieses rahmens spiegeln sich die wandlungen in der technik des wägeverfahrens in verschiedenen attributiven verbindungen: was den centner belangt, den die heilige sprach cicar nennet (darumb das das bleierne centner gewicht, einem laub brot, wie unser plick oder brent silber gleich gesehen). Mathesius Sarepta (14. pred.) 235a. gerade an diese gewichtsgattung (vgl. auch oben sp. 5730 blijen gewichte, vgl. unten sp. 5746) knüpfen übertragungen an, vgl.: der pasz des Triestiners, den er in der tasche trug, drückte ihn wie ein bleiernes gewicht. Paul Heyse (ital. nov. 1) Andrea Delfin s. 167 u. a.; item ein jeglicher lonweber sol in sinem huse haben einen halben vierdling eins zentners isin gewichts mit des rats zeichen bezeichnet und sin wog mit einer isin zungen und isin kloben. Freiburger statut von 1464 zsch. gesch. Oberrheins 9, 179; da wir andurch zu verordnen nöthig und nüzlich befunden, dasz von jedem müller unserer fürstlichen lande ein quantum eisengewicht von 250 pfunt ... in seine mühle ... angeschaft, dargegen das in den mehresten mühlen bis daher befundene steingewicht aus solchen hinweg gethan ... werden solle. badisches rescript v. 1770 bei Gerstlacher 3, 269; vgl.: erstlich zu merken das der stein oder das gewichte, so ein gemein malter korns wegen sol, solle halten 186 pfund. ordn. für die mehlwage zu Durlach 1536 zsch. gesch. Oberrheins 13, 288; das alle meister sollen gegossen und nicht steinerne oder wagken-gewichte führen. Beier handlungslex. 463, vgl. teil 13 sp. 216.
b)) andere gegensätze: mark oder pfund-gewichte Goldschmidt a. a. o., muttermaasse und muttergewichte. C. F. Noback taschenb. einl. 21; vgl. auch Sanders 3, 1594bff.
γ) die unterordnung von gewicht unter andere substantiva ist gerade für die sachbedeutung des wägemaszes durch die zahlreichen formen der composition bezeugt, vgl. gewichtsgattung u. a. auszerhalb der composition ist diese fügung hier nicht mehr so beliebt, am häufigsten beim partitiven genetiv: was gewichts ungezeichent oder nicht mit der stat zeichen gemerckt ist. Nürnberger ordnung v. 1457 Baader s. 184 (vgl. dagegen: da gleich der zungen in der wagen, die sich neiget gegen der schüssel, da allermeist gewicht in ligt. Geiler v. Keisersberg irrig schaf A 2b); daruber bleipt noch gewichts 177 pfund. ordn. für die mehlwage zu Durlach 1536 zsch. gesch. Oberrheins 13, 288; dise auffgab zu erkleren, setzen wir ... ein solchen wagbalcken oder stab ... nemliche der 10 schuch lang sei, und wege 40  schwere, und weiter aber setzen wir ein stuck gewichts von 80 . Ryff E 4a; zur unterordnung der sachbedeutung unter ein substantiv, das den eigenschaftsbegriff ausprägt, vgl.: die glichnisz würt gezogen von schwere eins gewichts. Straszburger übersetzung des Terenz von 1499 (Andria 1.) 16b; es war mir ein vergnügen, den mann mit stolz von der wichtigkeit seiner kunst, worüber er auch eine mit biblischen beweisstellen von der richtigkeit des gewichts versehene kleine abhandlung hatte drucken lassen, sprechen zu hören. Nemnich tagebuch einer ... reise 1 (1809), 153.
δ) der oben angeführten begleiter entledigt sich das substantiv in einigen fällen, in denen es mit verbis engere verbindungen eingeht: wer dann jemant jêrlich gûlt .. schuldig gewesen ist vor dem zît, als wir das egenant nûw pfunt ufgesetzet haben, den andern bezalen mag bi der gewicht, als das von alter her kommen ist. Züricher stadtbücher (1426) 2, 221 (bi der vorgeschriben gewicht [1416]. ebenda 2, 49); item van korallen ind anderem gesteintz, dat men mit dem gewicht verkeufft, sall men ouch den hundersten d. geven. accise v. 1487, s. Stein akten zur gesch. ... der stadt Köln 2, 631; dat man nu vortan alle gesaltze vische ... niet anders dan mit dem gewichte ... verkouffen sall. urk. v. 1482, s. Stein 2, 574; vgl. verköpen van ghewichte. stadtrecht von Wisby Schlyter 8, 101; dat man gewinnet bi ghewichte. 8, 143; es seind aber viel feister pfenwert, die man nit mit der masz, allain nach dem gewicht verkaufft, als wachs, schmär ... und ander feiste wahr ...

[Bd. 6, Sp. 5740]


sol alles mit schwerem zentnergewicht verkaufft werden. sogenannte reformation kaiser Friedrichs, Goldast 1, 176. vgl. auch die belege sp. 5725. andere ähnliche verbindungen, in denen ebenfalls bei formelhafter wiederholung die mittelglieder abgestoszen wurden, s. unter 4.
ε) noch spärlicher flieszen die zeugnisse für das substantiv als wägemasz auszerhalb fester verbindungen: das gewicht in allen landen sol ein zentner schwer haben. sogenannte reformation kaiser Friedrichs, Goldast 1, 167;

was sol ein fechter, der nicht ficht,
was sol ein kremer on gewicht,
was sol ein thr on rigel.
H. Sachs (ein quotlibet) fab. u. schw. 3, 44,

bei gegenständen, die nicht gewogen werden können, soll die feststellung ihres verhältnisses zum gewichte auch fernerhin nach der ... angefertigten gewichtstabelle geschehen. (pour la réduction au poids) Rheinschiffahrtsordn. v. 1831 preusz. gesetzs. s. 90; fleisch- und brodtschäzer sollen auf die gewichter guete obsicht halten. urkunde von St. Andrä (17. jahrh.) s. österr. weisth. 6, 528. der individualisierende gebrauch, der im täglichen leben reich entwickelt ist, stellt litterarisch nur wenig belege: so aber ein malter korns obgemelten malterstein oder gewicht nit halte, wie viel pfund es dan mehr oder minder wegen wurd, so vil pfund melwes mehr oder weniger sollen die mülnere zu wehren auch schuldig sein. Durlacher ordn. v. 1536 zsch. gesch. Oberrheins 13, 289.
b) die sachbedeutung von pensum: gewicht, was gewogen wird.
α) in manchen verwendungen bleibt die begriffsbestimmung unsicher, so in der abgrenzung gegen das nomen actionis, vgl.: wer von uisswendigen einich iiser alher in die waeghe brengt ... der sall zo wiigegelt geven van iederem gewichte nae luide der taeffelen daeselffe hangende 2 haller. Kölner accise v. 1487 s. Stein 2, 629;

nach dem auszschlag des gewichts,
sind die weniger denn nichts.
P. Gerhardt (62. psalm) 3, 437, vgl. auch oben sp. 5724.

zum eigenschaftsbegriff führen über: dasz der mensch nach eingeladenem tranck und speisz, eben das gewicht behalt, so er zuvor nüchtern hatte. Fischart Gargantua (3. cap.) 60;

kessel-schüsseln ... möge man ohne bedenken dem gieszer
lassen zum gusz und was an gewicht noch fehle darauf thun.
Mörike (idylle vom Bodensee) 1, 329.

dagegen hebt sich gerade vom eigenschaftsbegriff die sachbedeutung ab in: das dem gold abgehe wenn mans tregt, ist gewisz. so mag das blei von unreinigkeit schwerer wegen, aber es findet sich das gewicht im fewer nicht. Mathesius Sarepta (3. pred.) (1562) 49a.
β) sicherer führt die abgrenzung gegen das wägemasz. sie läszt sich am deutlichsten in einzelnen verbindungen mit verbis verfolgen.
1)) schon mittelhochdeutsch bezeugt ist die verbindung recht gewicht geben (im gegensatz zu valsch gewicht brauchen):

den lûten sazte er rehtez leben,
wie die kouflûte geben
solten reht gewichte,
die herren reht gerichte. erlösung 3884 Bartsch;

es sol ouch ein ieder tücher und wöber, was wollen sie zu spinnen gebent, eim geben sin reht gewihte, pfunt für pfunt, als reht ist. und wo iemans swerer gewiht gebe und sich das küntlich finde, der soll bessern 5 sl. d., Straszb. verordn. v. 1500 bei Schmoller 107;

die müller und die bäcker gemein
die haben auch gern die besten schwein,
dank haben der bauren säcke,
denn sie geben desto geringe gewicht
an brot, semmel und wecken. lauf der welt bei
Hoffmann gesellschafts-lieder 2, 179. u. a. vgl. auch sp. 5733.


2)) eng damit berühren sich auch andere verbindungen mit verbis: ouch als sich bisher gemacht hat das die salmen- oder lehssnider drien oder vieren ein gantz vierteil oder me von eim salmen oder lahs verkouft und mit einander gewegen hant, und dann dieselben das under sich geteilt, do doch ir keim recht gewicht werden konde, das sol nit me sin. Straszburger verordn. von 1469 bei Brucker s. 221;

[Bd. 6, Sp. 5741]


hilff gott wie manchs sie betriegen
mit kesz, liechtern auszzuwiegen,
den daumen hat er offt gewegen (der Gremp)
nur desto weniger drein zulegen ...
wie grosz unrecht gescheh beiden,
dem nit werden thet sein gewicht.
Frischlin St. Christoffel s. 179 Strausz;

als dann mag er sehen, was täglich an fleisch, korn oder mehl, weizen, brodt etc. (dann jedem sein gewisse gewicht und zahl zu reichen ist) ... auffgehen wolte. W. Kirchhoff milit. discipl. 30; auff das er aber das gewicht widerumb zu hausz brechte, so solt er hirschen essen, so bekäm er schwere hoden darvon ... bracht nicht allein sein gewicht trewlich widerumb zu hawsz, sonder auch etwas drüber. Mich. Lindener katzipori (102) s. 156 Lichtenstein. hierher gehört als vereinzelter neuerer beleg: ich hatte meine freude an einer alten käsefrau, die, mit der brille auf der nase, bei'm stümpfchen licht, ein stück nach dem andern ab- und zu-schnitt, bis die käuferin ihr gewicht hatte. Göthe (die geschwister) 7, 134.
3)) neues leben wird der verbindung mit tragen in der sprache des rennplatzes zugeführt: ein 14 hand hohes pferd hat ein bestimmtes gewicht zu tragen. E. Brichter allgem. gesetze des pferde-wettrennens (Breslau 1834) § 4; für die richtigkeit der von den einzelnen pferden getragenen gewichte ist er (der abwieger) ... verantwortlich. reglement für flachrennen (Berlin 1897) s. 4 u. a.
γ) nur vereinzelt sind verbindungen mit substantiven, die das gewogene material näher kennzeichnen: ein pfunt figen gewichtes umbe ein pfunt erweiszen gewichtes ... daz die erweiszen eins helbelings beszer werent wan die figen. d. städte-chron. 8, 125, vgl. oben sp. 5617; alles auch wol gebackens brots und gewichts auch melbe und kleien gestrichen, gemessen, wie obstet. Rastatter verordn. von 1565 zeitschr. gesch. Oberrheins 13, 287; ein gall, die da geschütt wirdt in ein wasser, machet dasselbige als bitter, so schon tausent mahl mehr ist, dann der gallen. oder gleich wie ein kleines gewicht saffran gilbet unnd ferbet ein grosz gewicht wasser, unnd ist doch nicht alles saffran. Paracelsus (liber quartus archidoxis) 1 (1616), 796.
c) verdrängt wird die sachbedeutung des pensum durch den abstracteren eigenschaftsbegriff, der an dem zur wage gebrachten körper nur die eine seite streift, die für das wägeverfahren bedeutung hat, die hebelkraft.
α) auch hier lassen sich in einigen festen verbindungen die übergänge beobachten, die von der einen bedeutung zur andern weiterführen.
1)) zur abgrenzung gegen die sachbedeutung von pensum vgl.: dat (brot) zo besien ind zo wijgen, off id gut sij ind sijn gewicht have na luide der rollen. Kölner verordn. v. 1456 s. Stein 2, 376; saburra, unreiner sand, damit man die schiff beschwert, dasz sie ir recht gewicht haben. E. Alberus nov. dict. O 2a;

das unwägbare hat für sie gewicht,
und aus dem wasser lockt sie flammenlicht.
Göthe (festgedichte: Stotternheimer saline) 47, 126.


2)) zur abgrenzung gegen die sachbedeutung eines wägemaaszes vgl.:
a)) item sal man haven eine gewisse wage, dae men gut van gewichte up wighe. Kölner verordn. für die messe (nach 1360) s. Stein 2, 30; ebenso (1335) 2, 4; (1370) 2, 37; (1382) 2, 67; dit is die ordinancie van dem gude van gewichte (1400) 2, 114; dat unse burgere of geste einicherlei guit van gewichte, dat in die waige gehörte, id were cruid, iseren of stail, ze Coelne breichten (nach 1370) 2, 57; ebenso (guit van gewichte van spitzereien 1486) 2, 608.
b)) und was dem brot, dz man also wiget, an der vorgeschriben gewicht abgat, dz sûllent si den lûten mit anderm brot erfollen n geverde. Züricher stadtbücher (1416) 2, 50; ebenso (1425) 2, 367; also das dieselben köpff oder clainat mit allen sachen am gewigt über fünff marck ungeverlich nit haben. Nürnberger hochzeitsordn. v. 1485 bei Baader s. 73; den nun der rath zu Augspurg, .. mit silbern geschirren mancherlei manier, am gewicht in 1700 fl. haltend, wie auch vier grossen messingen feldgeschosz ... stattlich verehrt und zimlich widerumb versöhnet hatte. Welser-Werlichius Augsburger chron. 3 (1595), 66; dz gold so aus den kleidern und staube gesamlet und gereinigt, ward geschätzt und hielt am gewichte bei 80 pfund. Prätorius wündschel-ruthen (1667) 12;

[Bd. 6, Sp. 5742]


zu mir her, wer hat hungers not!
ich hab guet weis- und ruecken-prot,
aus koren, waicz und keren pachen,
gesalczen recht mit allen sachen
am recht gewicht und das wol schmeck;
H. Sachs (eigentl. beschreib. aller stände auf erden) 23, 82 Keller-Goetze;

und alwegen korn und melwe uber den abzug vorgemelt am gewicht gleich sein. ordn. über die mehlwage zu Dürlach 1536 zeitschr. gesch. d. Oberrheins; soll ein jeder becker von einem jeden malter melbs ... machen und geben zm wenigsten hundert leibe recht und wohlgebachens brots, der jeder zwei pfunt an gewicht haben. ebenda 287; derowegen ist auch das mehl das auff der wasser-mühlen gemahlen worden, nicht allein feiner und besser, als dasz man auff den wind-mühlen läszt mahlen, sondern dasselbige gibt auch 10. pro cento am gewicht mehr aus, als dasz von den wind-mühlen auff welchen viel verstäubet. Joh. Joach. Becher närr. weisheit 20; derwegen die gebrannten kalckstein in jrem ersten gewicht, als man sie in ofen thut, und mans wider herausz nimpt, nicht mehr so schwer halten oder befunden werden, ob solcher stein wol sein vorige gleiche und grösse hat, behelt er doch den drittheil weniger am gewicht. Leonhart Fronsperger bauordn. (2, 4) 61b; dann wir ein holtz gesehen ... also satt und dicht, das man es für ein stein achten möcht, aber am gewicht also leicht, als ein ror. Ryff BB 2a; protgewicht. item, wenn ein stär waizen geet umb ain pfunt Perner, so sol ain vierer haben 8 unz an dem gewicht. stat. v. Kaltern österr. weisth. 5, 317; die haushälterin, eine herzlich gute frau, welche ongefehr dreihundert pfund an gewicht hatte, wegen ihrer fleischmasse etwas bequem war. J. C. Brandes meine lebensgeschichte 1, 152; ein glücklich auf ein gewicht von vierhundert pfund herangemästetes schwein, an welchem sich am folgenden morgen sein letztes schicksal erfüllen sollte. W. Raabe d. schüdderump5 83.
c))

saffran den kuft man nach dem gewicht,
gait in nit nach der pause.
H. Sachs fab. u. schw. 4, 393;

nicht fern davon ein drflein leigt
Mülheim, da man die kinder weigt
wann eim ein kindt ist worden kranck,
trug ers gen Mlheim auf die wag,
(es ist frwar so, wie ich sag)
die hatt der pfaff da angericht,
und nach des krancken kindts gewicht
must man dem Baals pfaffen geben
ein hauffen korns, der lag daneben.
Erasmus Alberus fabeln (37: von einem löwen u. fuchs u. andern thieren) 159 neudr.;

aufs gewicht verkaufen. Martin u. Lienhart wb. der elsäss. mundarten 2, 787b (im gegensatz zu den formeln auf sp. 5725); soll dieselbe (die ladung) überall nach dem gewichte berechnet und erlegt ... werden. Elbschiffahrtsakte v. 1821 (preusz. gesetzs. 1822 s. 13).
d)) fraglich ist, ob hieher auch das folgende gehört (vgl. oben zum nomen actionis sp. 5715): dasz nemlich die schwere sachen, so im gewicht bestehen, sich nit geben nach dem punct der erden ... vielmehr, dasz durch eine sonderliche krafft, so sie in sich selbst haben, sie etwas an sich ziehet. Grimmelshausen wieder erstand. Simplicissimus (3, 7 der fliegende wandersmann nach dem mond) 3, 533. sicherer ist der eigenschaftsbegriff ausgeprägt in: sonsten haben das metall (eisen) zehe zu machen, und im wenigen gewicht stücke daraus zu giessen, in perfection gewust, ein Teutscher zu Venedig namens Flicker. J. J. Becher närrische weish. 34; er hat auch lufftgranaten gemacht, unter andern ein köstliches kugelspiel, da die kugeln von augstein waren, sehr geringen gewichts. s. 32; stricke gaben auch von sich selbst nach, also dasz mein fliegendes geräth, und ich, unbeweglich stunden, als wenn es ohne gewicht wäre. Grimmelshausen wieder erstand. Simplicissimus (3, 7) 3, 533.
β) am deutlichsten grenzt sich der eigenschaftsbegriff ab in verbindungen von gewicht mit solchen substantiven, die den körper näher kennzeichnen, dessen hebelkraft gemessen wird.
1)) die burgermeistere soilen ouch sunderlingen mit sweren, der becker rolle ind ordinancie van dem broede, van den boessen ind gewijchte des broetz vaste ind stede zo halden. Kölner bürgermeistereid, s. Stein 1, 336; nit ...

[Bd. 6, Sp. 5743]


das der leib Christi selbs rund, weisz, schmackhaft, geruchhaft unn wichtig ist wie brot: oder dʒ diser geschmack, dises gewicht, dise ründe und dise farbe im lufft on auffenthalt pleibe hangen. Fischart bienenkorb (2, 5) L 7b.
2)) als so man das recht natürlich gewicht eins menschen, mit einem andren thier vergleichen wollt. Ryff BB 4a;

sie zieht den hals hervor.sie helt in allen tritten
gewisse maasz und zahl.die schultern, das gesicht,
das hintertheil, der bauch, hat alles sein gewicht.
Joach. Rachel satyr. ged. (1. das poet. frauenzimmer 312) 26 Drescher;

man wird aufhören, die seele in der zirbeldrüse, den verstand im spezifischen gewicht des gehirns zu suchen. Herder (ideen z. philosophie der gesch. der menschheit 3, 2) 13, 83; wenn man also gehirn und nervengebäude gegen einander wöge; so gäbe es schon ein feineres und dennoch kein reines verhältnisz: denn das gewicht beider zeigt doch nie, weder die feinheit der nerven, noch die absicht ihrer wege. ebenda (4, 1) 121.
3)) dann so der medicus eigentlichen weisz, das gewicht des athem schöpffens, eins gesunden menschen. Ryff BB 3b; aber zu mancherlei verendrung des gewitters, auch andrer vilfeltiger ursach halb, das gewicht des luffts zu erfaren, mag füglicher mit blaszbelg zu wegen bracht werden, doch auch mit gewicht. CC 1b; diesen unterschiedt haben wir nit allein im gewicht des wassers, sonder in allen anderen dingen, dann gar selten in ungleichen dingen, ein gleichlich gewicht gefunden wird. BB 3b;

gott wägt das meer bisz auf ein pfund,
alls offen ist sein angesicht,
der zeit hat er gsetzt jahr und stund,
alles erschaffne nach dem gwicht,
kein tröpfflein sein waag überschlägt,
kein lufft sein gwicht entfallet,
sein nam allein alls überwägt,
so schwär es dir einfallet.
Fr. Caccia lebensthat ... des hl. ... Antonii v. Padua (2) 13;

die erd' hat er auf ihr gewicht gegründet,
sie wanket nun und nimmermehr.
Herder (vom geist der ebräischen poesie 1, 3) 11, 270 Suphan, vgl. psalm 101, 5;

fiat, es werde die erde, welche kugel in ihrem gewicht, und widergewicht solle frei hangen. Abr. a S. Clara hui und pfui! der welt (1707) 199. u. a. vgl. sp. 5721. 5732;

auch nicht schwebte die erd' in rings umgossenen lüften,
wägend sich selbst durch eignes gewicht.
Voss Ovid verwandl. (die schöpfung 9) 1 (1798), 2 (1, 12/3: nec circumfuso pendebat in aere tellus ponderibus librata suis);

das gewicht einer gegebenen menge eines flüssigen wesens und also dieses ... eigene schwere zu erfahren. Kästner anfangsgründe der mechanik 2, 86; auf jener erdhöhe nämlich, auf der noch jetzt jeder körper sein wahres gewicht verliert, ob ihm gleich nichts von seinen theilen entgehet, auf jener erdhöhe, auf der der pendul sich langsamer schwingt und das gold weniger wieget; auf ihr war nothwendig auch der organische bau der lebendigen leichter, elastischer, gröszer. Herder (ideen z. philosophie der gesch. der menschheit 10, 7) 13, 479; einer besonderen erwähnung verdienen noch diejenigen instrumente, die zur erforschung des eigenthümlichen gewichts, besonders bei mehreren flüssigkeiten, dem apotheker unentbehrlich sind. man versteht durch eigenthümliches oder specifisches gewicht, fälschlich eigenschwere genannt, die vergleichung des gewöhnlichen gewichts zweier materien von gleichem umfange gegen einander. C. G. Hagen lehrb. der apothekerkunst 1, 43.
γ) der eigenschaftsbegriff nimmt lebhaft an der composition theil, doch führen von den eben belegten verbindungen nur wenige bis zu dieser form weiter, vgl. z. b. körpergewicht. die meisten composita treffen adjectiva oder adverbiale formen, die sich auf die berechnung des gewichts beziehen: unter specifischem gewicht oder eigengewicht der körper wird das verhältnis ihrer schwere zu derjenigen des reinen wassers verstanden. F. Noback handelswissensch. 20; der zoll wird nach dem bruttogewicht, die verbrauchssteuern nach dem nettogewicht berechnet und erhoben. preusz. zollordnung v. 1818, gesetzs. s. 49; vgl. auch taragewicht preusz. gesetzsamml. v. 1861 s. 554; gutgewicht ebenda s. 555; s. auch vürgewicht, passiergewicht in d).

[Bd. 6, Sp. 5744]



d) die bisher nachgewiesenen drei bedeutungen des wägemaszes, der gewogenen masze und des eigenschaftsbegriffes der schwere lösen sich in eigenartiger weise ab bei der beziehung von gewicht auf edle metalle, mit der das substantiv zugleich das gebundensein an das wägeverfahren abstreift und dem münzverkehr zustrebt.
α) vielfach ist auch hier die grenzlinie strittig. so zwischen dem nomen actionis und eigenschaftsbegriff in der formel zwaihundert guldin gter an dem gold und swrer an der gewiht oben sp. 5727; zwischen dem eigenschaftsbegriff und der sachbedeutung des wägemaszes: dat gould mit dem gewichte zo ontfangen, langeren schaden in dem gemeinen gude zo vurkomen ... so ... gebieden ... dat man dese nageschreven stucken mit dem gewichte inneimen sul. Kölner münzordnung von 1476, s. Stein 2, 547; zwischen dem eigenschaftsbegriff und der sachbedeutung von pensum: item wo XX oder XXI muntzschmiten im gantzen reich verordent wurden, were gnugig; die musten bei geschwornem aid und dem brand ain korn und gewicht an silber und golt durch das gantz reich muntzen darmit der gemain man in der muntz unbetrogen bliebe. bauernart. v. 1525 bei Oechsle 290; zwischen den sachbedeutungen von pondus und pensum: und als sich das noch etliche tag verzog, darinn die bezalung beschehen solt, und die sich des gewichts nit vereinigen kondten. Livius deutsch (Straszburg 1562) 53b.
β) gesicherte bedeutungen.
1)) für das wägemasz kommen auch hier zunächst die oben (sp. 5734ff.) belegten verbindungen in betracht, bis sie durch besondere münznamen abgelöst werden: vgl. hundert mark silbers Kolmarisches gewichtes. sp. 5627; dc ich von den erbern lúten .. dem rât und den burgern von Zúrich gewert bin, und enpfangen han von in drúhundert mark gtes silbers Zúrich gewicht. Züricher urk. v. 1313. archiv f. österr. geschichte 6, 198; wir Friederich und Lupolt ... herczogen zu Oisterich ... dune kunt ... das wir unverscheidelich schuldig sin dem edeln manne, graven Johan von Spanheim ... dusent marcke sielbers luters und lodiges des gewechtis von Straiszburgk. urk. v. 1314 bei Winkelmann acta imperii inedita 2, 780, ebenso (Straszburger gewichtes) urkunden v. 1345. 1347. 1348. 1359 bei Winkelmann 2, 397. 434. 440. 543; so hat er uns gewrt und bezalt zu Sand Veyt in Krnnden neunhundert guldein und funffundsechtzigk guldein der gewicht von Florentz, von den juden daselbs zu Krnnden. urk. Eberhards v. Reichenau u. Rudolfs v. Österreich 1360, s. zeitschr. f. d. gesch. des Oberrheins 25, 313; die si ouch abkoffen mügent mit VIc und L march silbers Costentzer gewichtz. klagepunkte abt Ulrichs gegen die Appenzeller (1464) bei Zellweger 2, 1, 161.
2)) die sachbedeutung von pensum liegt eigentlich den geprägten münzsorten zu grunde, vgl.: siclus dat is ein ghewichte sulvers unde ist so gut van gheverde alse twei hollensche schillinghe unde de maket twintich hellinge. Loccumer bibl. erz., vgl. oben sp. 5617; hat ein richter biszweilen von ein- oder andern teile was zu hoffen, so zieht er zwar unter dem scheine einer groszen billigkeit die sache zur verhör, beurtelt aber solche nach seinem gefallen, und nach dem göldnen gewichte, welches er von der einen partei zu gewarten hat. die ungerechte gerechtigkeit (1672) C 5b; nim ... margaritarū ein halbs quinteī pisemē ein haller gewicht stosz es kleī und t ein vierteil eins pfundes zuckers darz er sterckt alle gelid. Ortolff v. Beyrlandt arzneibuch 32b; denn mit disem wort (sekel), nennet man das gewicht und die müntz, die ir ordenlich und gebürlich gewicht hat. Mathesius Sarepta (14. pred., 1562) 235b; vgl. auch 235a.
3)) zum eigenschaftsbegriff vgl. schon die entsprechende verwendung von lat. pondus: in summa tredecim solidarum et quatuor denariorum Coloniensium ... custodiendum, ut ad illorum denariorum paritatem et pondus tocius percussure numisma semper valeat examinari. Kölner urkunde v. 1251 bei Stein 2, 310; dazu vgl.: wispenninge, halve wispenninge .. die vill zo licht ind zo snoede sijnt an gehalde ind an gewichte. Kölner münzordn. v. 1473, s. Stein 2, 504; und also ist diser kouff geschehen und gegeben umb sechs tusend gulden Rinischer guter geber an gold und an gewicht, dero mich die genanten von

[Bd. 6, Sp. 5745]


Appenzell uszrichten und bezalen söllend. kaufbrief des Rheinthals (1460) bei Zellweger 2, 1, 95; dagegen im h. reich ander müntzschmitten ain und tzwentzig fürgenommen zu halten, die alle ... an korn und gewicht an goldt und silber durch das gantz reich müntzen. an welch end im reich ainer hingeordnet wirt, ... sol ... doch korn und gewicht in desz gemein reiche wechssel halten, damit die müntz nit verführt werde. sogenannte reformation kaiser Friedrichs bei Goldast 1, 175; man wirt auch kreutzer, groschlein, schillinger zu sehs pfenningen, und batzen müntzen: alle mit eim newen korn und gewicht. ebenda; zum zehenden sollen alle montz von golt und silber gebrochen und in ain korn und gewicht bracht werden. bauernart. v. 1525 bei Oechsle 289; ebenso schon in der sogenannten reformation 1, 167; herr Camitzo, ihr thut mit ewern guten freunden, gleich wie die kauffleut mit irem gelt und etwan einem schnöden ducaten thun, der am korn oder gewicht den andern guten nicht gleich gültig geachtet. Kirchhof wendunmuth (3, 87) 2, 351 Oesterley; u. a. vgl. auch DWB korn und gewicht theil 5 sp. 1819; wenn, wo, und warausz die erste u eltiste müntz geschlagen, u was ir korn oder haldt, schrot, gewicht, gepreg oder schlag ... gewesen. Mathesius Sarepta (14. predigt) 229a; aber die aschen von den basilisken hat eine andere tugent, und wann du das silber damit reibest, so wird es an farb, halt und gewicht so feines schönes gold. Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. (3, 9: reisebeschr. nach d. obern neuen mondswelt) 3, 614;

die gülden nemmen nach dem klang,
und junge meidtlein nach dem gsang,
mangelt hernach offt am gewicht,
auch gleicht alles der stimm nicht.
Kirchhof wendunmuth (1, 340) 1, 381 Oesterley;

da windt und druckt man die warheit ... da werden die händel nicht nach der gerechtigkeit und vernunfft, sondern nach dem gewicht des gelds und gaben erwogen und ausgesprochen. Fr. Caccia lebensthat ... des hl. ... Antonii v. Padua (2) 112.
γ) für die composition ergeben sich vom eigenschaftsbegriff aus einige neue formen: an jeder markh 3/16 nachlasz oder vürgewicht passiret wirdet. steirisches münzverz. v. 1578, s. Unger-Khull 260a; um die wirkung der gedachten verringerung des rathes in grenzen zu halten, hat man in den einzelnen staaten ein minimalgewicht der goldmünzen gesetzlich festgestellt, bei dessen überschreitung die annahme der bezüglichen stücke verweigert werden darf, das sogenannte passirgewicht. F. Noback handelswissenschaft 3, 83. zur composition aus der sachbedeutung vgl. probiergewicht theil 7 sp. 2152.
3) die sinnlichen verwendungen auszerhalb des wägeverfahrens gliedern sich in mehrfacher richtung. am engsten an die sachbedeutung eines wägemaszes knüpft der allgemeinere begriff eines hebels an, wie er an triebwerken jeder art erfaszt werden kann. viel weiter entfernen sich die entwicklungsformen, die vom eigenschaftsbegriff der schwere und von der sachbedeutung pensum ausgehen. mit der lösung der engeren beziehung zur wage gewinnen sie eine beweglichkeit, die sie in die mannigfachsten bedeutungsgruppen übergreifen läszt.
a) die allgemeine bedeutung hebel erwächst dem entwickelten und verfeinerten handwerke und entstammt dem zeitalter der erfindungen. sie ist von der mitte des 15. jahrh. ab belegt, am frühesten für das senkblei an der meszschnur, das ja vielfach ein räderwerk in bewegung setzt. einen breitern raum nimmt die bedeutung eines hebels für triebwerke anderer art ein, und hier ist es vor andern das uhrwerk, das die verwendungen von gewicht in beschlag nimmt, so dasz gewicht als hebel im engern sinne überhaupt nur auf die uhr bezogen wird.
α) gewicht, das senkblei an der meszschnur: eodem anno (steckt beim meienstecken) Henn Knobloch ein hant, greif oben aus einem gränzchen und lies ein gewicht in einen bronnen und sprach: 'falscher grunt ist meim herz onkunt'. B. Rorbach liber gestorum (quellen zur Frankfurter gesch. 1, 210); auch gibt es (das richtscheit) das mittel ... wo es uberzwerch auff das rohr gebraucht wirdt, und das schnürlein, daran das gewicht hanget, herab gesenckt ... so kanst du nicht fehlen. Leonh. Fronsperger kriegsbuch 2 (1573), 141a, ebenso 140a, vgl. auch

[Bd. 6, Sp. 5746]


unter gewichtsschnürlein (s. d.); wo einer ein vorhabenden bauw in die höhe vor im auff z füren hette, und ... durch eines andern ... uberhangenden bauw gehindert würd, so sol der ... mit seinem krummen geneigten bauw auff sich und sein eigenthumb dem bleigewicht und schnur nach abbrechen, damit hinein gegen im rücken, auff das ... solcher ... an seinem bauw dem gewicht oder schnur nach bleirecht auffahren mag. derselbe, bauordnung (1, 35) 51a; dardurch zeuch einen starken faden und häng unten ein bleigewicht daran. Dürer (unterweisung der messung, 4. buch) nachlasz 198 Lange. auch für den hebel an der uhr ist das bleigewicht mehrfach belegt (s. u.); vgl. auch die beispiele für das wägemasz sp. 5739. die heutige sprache gebraucht dieses compositum vor allem in übertragener verwendung: ich will nicht, während ich mich in das ideale versenke, in das stark und rein geistige, immer mit bleigewicht an der erde niedergehalten sein. Georg v. Ompteda Cäcilie v. Sarryn (cap. 22) 15, 151.
β) die allgemeine bedeutung eines hebels am räderwerk einer maschine: aber solche und dergleichen mancherlei künstlicher werck, werden fürnemlichen unterscheiden, also dʒ unter dem ersten theil alle die begriffen werden, so von gewicht und lufft, iren trib und bewegung haben, dardurch sie ire wirckung volbringen. Ryff B 2b; die gewichter (der gewichtmühlen), können durch hülff zweier männer mit einer haspel-walze h. welche ein sperr-feder haben solle, auffgezogen werden, und sollen die gewichter langsam herunter gehen. Georg Andr. Böckler theatrum machinarum (1673) 8a, vgl. auch Schottel 531a; das wasser wird auch getriebē durch irrdische gewalt, als da seind räder, pumpen, gewichter, menschen und vieh. Becher närrische weish. 184 (anhang: von wasserwercken u. wasserkünsten); aber die Engelländer haben die wettergläser heutiges tages zum allergenausten excolirt mit quecksilber, und mit gewichtern einen zeiger darzu gemacht, welcher sehr accurat die gradus oder veränderung des wetters von wärm und kält weiset. 85; die ursache aber, warum der wind auch aus einem eintzigen balge, mit einerlei gewicht beleget, mit einer eintzigen falte versehen ... doch nicht gleich oder ebenträchtig sein kan, ist ... Chomel 7, 264 (unter orgel); ein vortheil dabei ist, dasz man den balg an seinem breiten ende niedriger leget, als am schmalen, auch denselben mit einem gegen-gewicht versiehet. ebenda 7, 265; oder man drückt bei abgezogenen registern das gantze clavier mit kleinen bretern und einem darauf gesetzten gewichte nieder. ebenda; die thür wie auch die fenster machten sich durch gewichte selber auff. Barclay's Argenis übers. v. Opitz (2, 2, 5) 2, 120 (s. unten gewichtfenster); aber hat der herr auch von meiner invention gehöret, die ich vor wenig zeit erfunden, vermittelst, welcher ich auf eine gantze sondere manier 12. personen kan über das theatrum fliegen lassen, auf einmal. und dieses ohne einige machine, weder durch einen zug mit stricken, oder drat, noch durch einiges gewichte, wie sonst vor diesem der gebrauch gewesen. Stranitzky ollapatrida Fuchsmundi cap. 62 (neudr. s. 369) u. a. (vgl. s. 370); je simpler eine maschine ist, je weniger federn und räder und gewichte sie hat, desto vollkommener ist sie. Lessing (Hamburg. dramaturgie 2, 82) 103, 135; aber unglücklicher weise kamt ihr hinaus, fandet wie die natur mit viel gewichtern ihre maschinen treibt. Göthe (gesch. Gottfriedens v. Berlichingen 2) 42, 93. vgl. dazu: dann die erde oder gewichter ziehen die bewegungen, das wasser treibet ingleichem dieselbige, der wind auch also, und durch das feuer können unterschiedliche bewegungen verrichtet werden. J. J. Becher närrische weisheit 182;

hier wird auf strenger glut geschiedner zieger dicke,
und dort gerinnt die milch und wird ein stehend oel;
hier presst ein stark gewicht den schweren satz der molke,
dort trennt ein gährend saur das wasser und das fett.
Haller (die alpen 245) 31 Hirzel.


γ) die bedeutungsverengerung in der beziehung des hebels auf das räderwerk der uhr: darnach ist ausz spitzfindigkait aines göttlichen verstands, die ur erfunden worden, wölliche man stätigs sihet von mettallen, von gezennten redern, unnd gewichten, so ains tails die stunden, mit dem mittern eisen zaigent, ains thails an die glocken schlagen. Tat. Alpinus übersetz. des Polyd. Vergil. v. erfindung

[Bd. 6, Sp. 5747]


der dinge (2, 5) 36a; wenn das gewicht vom seiger abgenommen ist, so stehen unnd halten alle reder, sampt der hand, zeiger, unruhe unnd hammer stille. Mathesius Sarepta (3. pred., 1562) 54a;

beineben nun zur rechten hand
hat es ein kasten an der wand,
darinn gehn all gewicht verborgen,
drauff steht ein han ihn zu versorgen,
der helt die wacht und eh es schlecht
kräht er, und schwingt die flügel recht.
Fischart beschreib. des kunstreichen uhrwerkes im Straszb. Münster, vgl. unter gewichtkasten;

die ain uhr ward einer halben ellen hoch, mit pfundigen blei gewicht beschwerdt. Hans Ulrich Krafft reisen 195 Haszler; ich begertte mein hail (weil ich mein lebtag nie kein uhr ufgezogen noch gericht hab) mit der ersten zuuersuchen, sötzt mich dariber, besachs inne und auszwendig wol, zoch die gewichtt schnieren darein, henckhs an dj wand, dj gewichtt an die schnieren. da ist das zaig werkh fein lustig gangen, wan aber dj stund hatt sollen schlagen, ist das blei gewichtt strackhs durch abgeloffen und hatt dj glockhe nie berüert. 195; die uhren und das mühlwerck haben einerlei instrumenta, was dort das wasser thut, thut hie das gewicht. Joh. Hassangs kurtzweil. weiszh. deutsch. cap. 25; dann eine uhr gibt, wegen der stets-gehenden räder, werffel, und anderer theil, sonderlich der stets hin und her gehenden unruhe, ein stetes getös und klempern, so lang sie im gang ist: aber wann die stund ausgeloffen, wird das gantze werck gleichsam losz, kommen alle klein und grosse räder, werffel, federn und gewichter, der hammer selbst in lauff, und wird in der uhr ein solcher tumult ... Abr. a S. Clara etwas für alle (der trompeter) 2, 673; aber wer hat jemals ein gewicht oder eine unruh, eine feder oder ein rad zur probe von einer uhr gegeben. Lessing (eine duplik 2) 133, 24;

ich kenne die geschichte
und nehme die gewichte,
die räder und die glocken,
aus meiner uhr bedacht,
sonst schlägt sie in der nacht,
und ich fahr auf erschrocken.
Achim v. Arnim (kronenwächter 1, 3, 1) 3, 364 W. Grimm;

ich weisz eine zeit, wo man den tag in seine sekunden zerstükte, wo sehnsucht nach mir sich an die gewichte der zögernden wanduhr hieng. Schiller (kab. u. liebe 5, 2) 3, 481 Gödeke; graf Joseph, der eben an einer alten, neuvergoldeten rococo-wanduhr die zufällig schnurrenden gewichte aufzog. Karl Gutzkow der zauberer von Rom 5, 96 (5. buch, 4. cap.). vor allem zahlreich sind die gleichnisse und übertragenen verwendungen, die hier anknüpfen, vgl. sp. 5754ff.
b) der eigenschaftsbegriff gewinnt, sofern er die enge bindung an das wägeverfahren löst, eine besondere mannigfaltigkeit der bedeutungsfärbungen. der begriff der schwere streift die bestimmungsmomente des mesz- und wägbaren ab und ziehlt mehr auf die allgemeinen wirkungen, die die schwere ausübt, auf empfindungen, die sie hervorruft. diesem zug zur verallgemeinerung tritt aber wieder eine neue spaltung und eine verengerung entgegen, wenn diese wirkungen und empfindungen einseitig herausgearbeitet werden: gewicht als druck, hemmung und schwung.
α) die verallgemeinerung des begriffs der schwere:

in allen adern der schöpfung flockte das feuer,
und die erde sank, von ihrem gewichte belastet,
in die tiefe.
Schubart (ein blick ins all) ged. 330 Hauff;

da traff jn auff der stras
ein solcher regen uber d' mas,
das jm sein kutt ward nasz und schwer,
das sie troff wie ein mülrad her;
sein bettelsack nam zu an gewicht,
das er jn schier möcht ketschen nicht.
Fischart (von D. Dominici ... artl. leben ...) 1, 180 Kurz;

der hengst, mit dem gewicht des helden hochgeehret.
G. R. Weckherlin (klag- trawr- u. grabschrifften 78) 2, 289 Fischer;

und ob dir schon entpfelt der plunder,
was soll es sein? das ist kein wunder,
dann es war dir am gwicht zu schwer,
und wann schon einer grösser wer,
so het ers dannocht kaum getragen.
Scheidt Dedekinds Grobianus (cap. 3) neudr. 26;

[Bd. 6, Sp. 5748]


das gewicht des körpers musz während der bewegung ganz auf den vordern arm gebracht werden. F. L. Jahn werke 2, 1 s. 44;

und das oben macht den weisen,
dass er in dem sonnenlicht
kann die mitternacht beweisen,
in dem leichten das gewicht.
Cl. Brentano romanzen vom rosenkranz (13, 61) 232 Morris;

jetzt zog er ihn zu sich herüber auf die leiter ... diese, vom doppelten gewicht überlastet, bog sich. ebenda 132. K. Gutzkow der zauberer von Rom (5. buch, 17. cap.) 6, 131.
β) die sonderent wicklung einzelner züge.
1)) der druck.
a))

die röhren so beschlossen liegen,
die kriegen durch gewichtes krafft,
tieff in der erden einen hafft,
und müssen sich zusammen fügen;
da endet vieler flüsse art
die alte bahn, die alte fahrt.
Hoffmannswaldau deutsche übers. u. gedichte (der sterbende Socrates);

er (der regen) wuchs schnell, gleichsam rauschend und jagend, und wurde endlich dergestalt, dasz man meinte, ganze zusammenhängende wassermengen fielen auf das haus hernieder, das haus dröhne unter dem gewichte, und man empfinde das dröhnen und ächzen herein. Stifter werke: bunte steine5 (kalkstein) 69 Aprent; die kleinen käfer und insekten um sie her konnte sie noch verfolgen, wie sie sprangen und sich kugelten und auf halme kletterten, die am gewichte derselben zusammenknickten. K. Gutzkow der zauberer von Rom 1, 72;

erst hub er (der lenz) an im blüthenmaien
mit hagelkörnern drein zu schneien;
die blüthen sanken vom gewicht
der körner, doch die käfer nicht,
an deren schild ein schusz sich bricht,
sie leben und gedeihen.
Fr. Rückert (haus u. jahr, 4. reihe, mailieder 124) 2, 377;

sein nest an die stange flicht
ein vogel dort alljährlich;
ward ihr des baues gewicht,
das picken der jungen gefährlich.
A. Grün (der vogel an den federn) ged. 271.


b)) er muszte mehr als einmal ruhen, stützte den knotigen stab unter den korb, um das drückende gewicht desselben zu mindern. Musäus volksmärchen (Rübezahl, 4. legende) 2, 137; ja die hiesigen felsen waren nicht einmal hart genug, sondern von sandichtem luckern gestein, so weder das gewicht eines schweren stämpfels aushalten, noch das korn, ohne es mit sand zu vermischen, zerknirschen würde. Robinson Crusoe, deutsch 15 (1720), 172;

ritter Paris fliegt zum kampfe,
eilte nie zum reihn so sehr,
wirft den gegner stracks zur erde,
blickt als sieger stolz umher,
naht sich hülfreich dem geworfnen,
nimmt ihm ab des helms gewicht;
sieh! da wallen reiche locken
um ein zartes angesicht.
Uhland ritter Paris.


c))

die weise zung' ist stumm; der unerschöpffte sinn
ist in die luft zerstrewt; das ansehn von gesichte
sieht jetzund weiter nicht; der starcken hand gewichte
wird leichter staub und sand.
Opitz (poet. wälder 3: auff das absterben herrn Heinrichen v. Stang) weltl. poem. 2, 108.


2)) die widerstandskraft ist herausgearbeitet: der jüngling (auf einer gemme) stemmt sich mit aller anstrengung gegen den stein, auch ist er einer solchen last gewachsen, denn man sieht das gewicht schon überwunden und den stein bereits zu dem punkt gehoben, um sehr bald zur seite geworfen zu werden. Göthe (zu Eckermann) gespräche 5, 27 Biedermann;

einer nur ist mir erschienen,
aber ich ertrug ihn nicht,
und der abglanz seiner mienen
ward statt flügel mir gewicht.
Grillparzer tristia ex Ponto 4.


3)) die schwungkraft; vgl. das verbalsubstantiv wucht; vgl. zu diesem Danneil a. a. o.
a))

du breitest aus die mitternacht
und zählst die stern als eine heerde.
dem winde giebst du sein gewicht,
dem wasser maasz, den sonnen licht,
und hängst an nichts die last der erde.
Friedr. v. Hagedorn (schriftgem. betr. über einige eigensch. gottes) 14 (1771), 5; vgl. sp. 5743;

[Bd. 6, Sp. 5749]


unnd die klare bächlein, was haben die vor? hatt es nicht das ansehen, als ob sie jhr wasser wider sein natrliches gewicht und fall auffhielten, bezeugend darneben durch ein trawriges gemürmel und rauschen, wie sauer es sie ankomme, die holdselige und mit solcher vollkommenheit gezierte felder zuverlassen? Sidneys Arkadia (1) übers. v. Opitz 97; dies alles besorgt nur die naturkraft der schwere, denn die bahn ist vom fusz des Harzes herabgeneigt, und das gewicht der einmal in bewegung gesetzten masse treibt sie vorwärts, so dasz sie nur durch hemmung der räder zum stehen gebracht wird. Moltke (an seine braut 1841) 6, 28.
b))

die streiche fallen hageldicht
auf köpf' und schultern ein mit stürzendem gewicht.
Wieland Oberon (9, 60) 23, 158;

ich will nicht mit dir, wie neulich, wieder zum faustgemenge kommen, in welchem ich das gewicht deiner fäuste empfunden habe. Tieck don Quichote 2, 585; hurrah! rief der brave kerl, welcher nur an seine übelgenährten pferde und nicht an den dienst des herzogs dachte, und reichte dem wirthe eine ohrfeige von schwerem gewichte. Immermann (epigonen 1, 7) 5, 32 Hempel;

sie hat der töchter mehr — es feiert nie mein schwerd,
und kennet sein gewicht, so bald man sich empört.
Chr. F. Weisze Richard III. (3, 6) s. 54 Jacoby u. Sauer;

siehe, dein sinn ist scharf, gleich einem schneidenden beile,
welches, geführt von künstlers hand, die balken zum schiffbau
spaltet, und durch's gewicht die kraft des mannes verstärkt.
F. L. Stolberg Ilias 3, 64;

nehmt eine keule doppelten gewichts,
und schlagt ihn tot!
H. v. Kleist (Hermannsschlacht 5, 13) 2, 432 Erich Schmidt;

(die leiter) die an sechszig stufen zählte und hin- und herschwankte vor der macht ihres gewichts. K. Gutzkow der zauberer von Rom 6, 121; eine hand von innen bog an der untern losgegangnen seite das bewegliche brett nach auszen ... zwei weiche hände faszten die seinen und zogen ihn daran eilends in den hof hinein. das brett folgte seinem gewicht und schlosz die öffnung wieder. Otto Ludwig (aus dem regen in die traufe) 2, 315.
c) in engeren grenzen bleibt die entwicklung der sachbedeutung von pensum, wenn sie die beziehungen auf die wage abstreift, gewicht hält sich hier durchaus in der parallele mit last.
α)

(Leicester.) ich lebe noch! ich trag es, noch zu leben!
stürzt dieses dach nicht sein gewicht auf mich!
Schiller (Maria Stuart 5, 10) 12, 571 Goedeke;

der rostige schlüssel in seiner hand zog ihn fast zur erde nieder; es war kein gewicht der welt dem seinigen zu vergleichen. W. Raabe hungerpastor 3, cap. 3.
β)

vom heissen thau ein schwehr gewicht (a weight of sulty dew)
hängt, tödtlich fast, an unsern gliedern, zerspaltet gleichsam unsre sehnen,
dasz sich die weichen nerven dehnen,
und an das bange herze legt der schrecken seine schwehre hand.
Brockes Thomsons jahreszeiten (sommer) 177;

und ich sah dich im priestergewand, du schmücktest das opfer,
blumiger aeste gewind zierte das wallende haar:
Kypria schienst du zu sein, mit groszem, schmachtendem auge,
aber der thräne gewicht hing an der wimper bereits.
Platen (choröbus der Kassandra) 1, 443 Redlich

(vgl. dazu den eigenschaftsbegriff im folgenden: das gewicht dieser tränen must du noch fühlen. Schiller [kab. u. liebe 2, 3] 3, 404 Goedeke),

von der Venus tau bereifet,
schwillt der früchte süss gewicht.
Cl. Brentano romanzen vom rosenkranz (13, 20) 227 Morris;

die granate senkt gereifet
ihrer kerne goldgewicht. (13, 46) 230.


4) die übertragenen verwendungen, die den gebrauch unseres substantivs fast in stärkerem masze beherrschen als die sinnlichen verwendungen, gehen der hauptsache nach entweder von der sachbedeutung des wägemaszes oder von dem eigenschaftsbegriff der schwere aus. in diese beiden gruppen fallen namentlich die ungewöhnlich reich entwickelten formelhaften verbindungen, die den gebrauch

[Bd. 6, Sp. 5750]


wesentlich steigern. daneben sind noch manche ausgeführte gleichnisse anzumerken, die vom hebel am räderwerk in der uhr oder in maschinen ausgehen; am wenigsten bedeutung kommt der sachbedeutung von pensum zu, deren lateinisches urbild doch gerade in den tropischen verwendungen vorwiegt.
a) übertragungen der sachbedeutung des wägemaszes.
α) in der verbindung von gewicht und wage (wagschalen) gewinnt das bild leicht die abrundung und geschlossenheit eines ausgeführten gleichnisses.
1)) ausgeführte gleichnisse (vgl. sp. 5718 das beispiel aus Luther): der verstand, ein kunst-gründiger wagmeister, hatte auf der snell-wage gewogen, den nuzz und das belusten. der lange wage-balken, war mit den jahren des lebens verzeichnet; und, an stat des kleinen gewichtes hinge der nuzz; welcher, von dem belusten, weit über wogen ware: ... das das gegen-gewichte des belusten, feder-leicht schine. S. v. Butschky sinnreiche reden (58) 37f.; manchmal fängt eine unter denenselben (den leidenschaften) an, willkührlich zu befehlen, und weicht aus ihren schranken. man könnte unter einem andern bilde sagen, sie entferne sich von ihrer angewiesenen stelle an dem hebel, und bringe die seele dadurch aus dem gleichgewichte. laszt uns also auf der andern seite ein gegengewicht anbringen, um die ruhe wieder herzustellen; nicht aber alle gewichte wegnehmen. Thomas Abbt (vom tode fürs vaterland 6) 2, 64; der mensch ist der erste freigelassene der schöpfung; er stehet aufrecht. die waage des guten und bösen, des falschen und wahren hängt in ihm: er kann forschen, er soll wählen. wie die natur ihm zwo freie hände zu werkzeugen gab und ein überblickendes auge, seinen gang zu leiten: so hat er auch in sich die macht, nicht nur die gewichte zu stellen, sondern auch, wenn ich so sagen darf, selbst gewicht zu sein auf der waage. Herder (ideen z. philosophie d. gesch. d. menschh. 4, 4) 13, 146; da trat hervor ein dritter, der hatte in seiner hand eine eherne wage, die hielt er zwischen aufgang und niedergang, und sprach: tretet herzu, ihr kinder von Adam — ich wäge die gedanken in der schale meines zorns! und die werke mit dem gewicht meines grimms (var. gewichte). Schiller (räuber 5, 1) 2, 179 (vgl. auch J. Minor Schiller 2, 572); die sarmatischen fürsten, welche einander unaufhörlich zu befehden gewohnt waren, brachten aus der ferne ihren hader vor seinen richterstuhl. er wog ihn mit untrüglichem maas und gewicht der natürlichen billigkeit auf der waage des rechtes. Musäus volksmärchen (Libussa) 3, 43;

gemessen habt ihr euch (erzherzog Carl u. Napoleon), habt euch gewogen,
wo jetzt die Donau schaut ein friedlich reich;
und dasz die schale schwankte, neu gezogen,
zeigt höchstens an, dasz die gewichte gleich.
Grillparzer (an erzherzog Carl) 14, 106 (in 25, 128 var.: geschichte).


2)) doch eben in diese gegenüberstellung von gewicht und wage mischen sich leicht züge ein, die die bildwirkung wieder aufheben. begünstigt wird diese trübung durch die entwicklung einzelner formelhafter typen der verbindung.
a)) gepriesen sei der, der den schlaf erfunden hat, den mantel, der alle menschlichen sorgen zudeckt ... die wage und das gewicht, welches den schäfer und den könig, den dummen und den verständigen gleich macht. Tieck don Quichote 2, 586; (v. W.) ew. wohlehrwürden bin ich ergebenst für diese hülfsvölker verbunden. — (v. G.) ein viertheil oder halb ergebenst — ganz ergebenst sagst du wohl nur zum praepositus. (v. W.) getroffen! alles sein gewicht und wage! Hippel (lebensläufe 1); wem etwas daran gelegen sein könnte zu wissen, wie der heilige Fiacre die tage seines in der schnellwage des hofs gesunkenen gewichts hingebracht habe, dem könnte ich zur erläuterung wohl noch einige beichten mittheilen. Thümmel (reise 5) 5, 154.
b)) dasz er seine Mignon behalten könne, dasz er den harfner nicht zu verstoszen brauche, war kein kleines gewicht auf der wagschale, und doch schwankte sie noch hin und wieder, als er seine freundin Amelie gewohnterweise zu besuchen ging. Göthe (Wilh. Meisters lehrj. 4, 19) 19, 128; ich wäge die wünsche meines herzens gegen die forderungen meiner vernunft ab; aber die schalen der

[Bd. 6, Sp. 5751]


wage schwanken unter den unbestimmten gewichten. soll ich die rechte studieren? H. v. Kleist (an Wilhelmine) 5, 58 Minde-Pouet; so ist es pflicht zuförderst sich nach solchen männern umzusehen, deren wissenschaftliches gewicht die schaale des neuen instituts begünstigte. Göthe (an Carl August 4. 9. 1803) briefe 16, 289.
c)) alle diese betrachtungen würden kein geringes gewicht auf der wagschale einer kalten unparteiischen überlegung gemacht, und vermuthlich den entgegen stehenden gründen das gleichgewicht gehalten haben. Wieland (Agathon 12, 7) 3, 120; euch, bürger, kommt es nun zu, zu urtheilen, wie viel gewicht diese moralische betrachtung in der wagschale der gerechtigkeit haben soll. (Charlotte Corday 1793) 35, 106 (Göschen 1858); auf jeden fall war das kleine schwedische gewicht, an die deutsche schwere gehängt, so gering, dasz das schwedische wohl fürchten muszte in dem deutschen unterzugehen, nicht das deutsche in dem schwedischen. E. M. Arndt schriften für u. an m. l. Deutschen 3, 466; als damals Jérôme von Wittekind, von Klingsohr's kugel getroffen, zusammenbrach, minderte sich vielleicht in der wagschale des ewigen gerichts eines der schweren gewichte, die gegen diesen mönch, den verräther seines vaters einst zeugen müssen! K. Gutzkow der zauberer von Rom 3, 126.
d))

gleichwohl will ich unter einem blatte,
das, in des herrn entscheidung, klug gebraucht,
als ein gewicht kann in die wage fallen,
das ihm vielleicht, den ausschlag einzuleiten,
sogar willkommen ist, mich nicht verweigern.
H. v. Kleist (prinz v. Homburg 4, 2) 3, 93 Erich Schmidt;

an dir zu zweifeln, hab' ich nicht das recht,
an ihr zu zweifeln, hab' ich nicht den muth.
wie in zwei waageschaalen sehe ich
die höchsten güter, die ich mein genannt,
gleichschwebend kämpfen einen stillen kampf;
nicht weisz ich, wohin werf' ich mein gewicht.
Fr. Hebbel (Genoveva 4, 5) 1, 204 Werner;

nimm nicht als himmel an die wolkenschichte,
erprobe selbst dein jugendlich gefieder,
wirf mutig in die schwanken schalen nieder
des zweifels deine eigenen gewichte!
Georg Herwegh ged. eines lebendigen4 156;

welch ein gewicht hätten die grössten deutschen städte in dem gegenwärtigen moment, wo vielleicht die knute schon für uns geflochten wird, durch ein energisches auftreten zu gleicher zeit in die waagschaale werfen können. Hebbel briefe 1, 428; der gebildete mann sucht recht schwere logische und historische gewichte, objektive gründe, diese legt er in die andere wagschale und stellt sich reflectirend und betrachtend daneben. Auerbach neues leben 2, 215; denken sie sich zwei theile Deutschlands einander in waffen gegenüber, deren machtverschiedenheit nicht in dem grade bedeutend ist, dasz nicht eine parteinahme auf einer seite, auch von einer geringeren macht, als Ruszland und Frankreich, ein entscheidendes gewicht in die waagschale legen könnte. Bismarck (im preusz. landtag 3. 12. 1850) 1, 273 Kohl.
β) losgelöst von der bindung an die wage strebt die sachbedeutung des wägemaszes in übertragener verwendung dem umfassenden begriffe eines maszstabs, eines werthmessers zu. begünstigt wird diese entwicklung durch die formelhafte verbindung masz und gewicht:
1)) so kann es denn das publicum nicht zeitig genug erfahren, wie mancherlei maasz und gewichte Goeze und compagnie in Hamburg haben! es thut mir leid, dasz ich dieses sonst gute haus so blamiren musz. aber warum braucht es auch sein richtiges volles gewicht nicht wenigstens gegen seine alten freunde? warum will es mit seinem richtigen vollen gewichte sich nur erst freunde machen, aber nicht erhalten? Lessing (1. Anti-Goeze) 133, 144f.; das hohe lob ... das die rabbinen diesem zehn (den 10 hl. buchstaben oder zahlen) geben 'der zahlen und worte und maasse und probsteine und gewichte und eigenschaften und strahlen der gottheit, dadurch weltall ward und ist'. Herder (älteste urk. ... 3, 5) 6, 485 Suphan; vgl. auch Schiller 6, 273 (s. o. sp. 5718);

dann bitten wir euch, zu bedenken,
und etwas denken ist dem menschen immer nütze,
dasz mit dem scherz es wie mit wunden ist,
die niemals nach so ganz gemess'nem masz,
und reinlich abgezogenem gewicht geschlagen werden.
Göthe (epilog zu den vögeln) 14, 117.

[Bd. 6, Sp. 5752]



2)) die vornufft fehret zcu und richt disze wergk nach ihrem aigen gewichtt. Luther (pred. über das 1. buch Mose 1523/4) 14, 346 Weimar; unsere gütter werden durch den verlust erst recht erkennet und geschätzet: ja, ie mehr beklaget, ie liber sie einem gewesen; denn man ihren wehrt, mit doppeltem gewichte, allzeit abwiget. S. v. Butschky Pathmos (nr. 240: verlust) 322; Helvetian war hierauf nicht faul, versetzte dem mennisten eines fürs ohr. ... er (der mennist) liesz dem ehrlichen Helvetian nicht allein stracks wieder ein paar hineinlauffen: sondern ... fing an, mit beiden fäusten zu schmieden. .. (der mennist) hat also dem versucher die probier-striche, mit Cöllnischem gewigte, bezahlet, und dieser desz schwärmers gedult sehr schwach; dessen fäuste aber kräfftig empfunden. Erasmus Francisci lustige schaubühne 3, 627 (2. versammlung); (vgl. dagegen den begriff des pensum in: wer in seiner kunst was liefern wil, der bringe gut gewichte: das ist ein rath, der nicht nur die versmacher, sondern alle gelehrten angehet. Christian Weise curiöse ged. v. deutschen versen);

nein, sondern bei gott, gericht für gericht
und gewicht für gewicht,
ein schuh nach dem maasz des fuszes,
ein dank nach der art des gruszes.
Rückert (4. makame) 11, 250;

die dinge selbst können hier also nicht den maaszstab abgeben, sondern man musz nach dem schatten fragen, den sie werfen, und so kann der vater oft lachen, während der sohn höllenqualen erleidet, weil die gewichte, womit beide wiegen, eben grundverschieden sind. Hebbel (aufzeichnungen aus meinem leben 7) 8, 101 Werner; 'der ganze plunder wiegt kein quentlein unseres gewichtes!' 'wie? also alles eitel schein und dunst?' Mörike (der schatz) 6, 57 Krausz.
3))

die tyrannei musz selbst dich zum tyrannen leiden,
das eisen und das eisz schmeltzt für der schönheitsglut.
hält dir die wage nichts, so überwäg ich alles,
denn meine perl ist das gewichte deines balles.
Lohenstein (bewalt- u. liebes-streit der schönheit u. freundlichkeit) blumen (1708) 74;

zu dem hat Zelmana nicht einen einigen gedancken, den sie nicht nach dem gewichte der tugend abwäge. Opitz übers. v. Sidney's Arkadia (2) 274; hierauf kamen die taxatores und dero gegenschreiber. diese seind die heilsame gewichter der gerechtigkeit, welche die briefliche nothdurfften, gegen der gebührlichen und aufgezeichneten tax, ausfolgen lassen. Abele künstl. unordnung (2, 2) 2, 15; wenn in einem trauerspiele schon nicht lauter helden sein müssen; so konnte in der weit gröszern welt von menschen, die Homer in der Iliade schuff, auch ein Thersites sein müssen. wird seine einwirkung mit den übrigen gewichten der Iliade nur zusammen gewogen: erscheint er an orte und stelle: nicht ohne nutzen, mit zwecke: — vortreflich! Herder (zweites wäldchen: über einige Klotzische schriften 4) 3, 224 Suphan;

(Kriemhild.) er ist mein bruder und erhält den stempel,
wie schwer er immer sei, man wiegt ihn nicht.
(Brünhild.) nein, denn er selbst ist das gewicht der welt,
und wie das gold der dinge preis bestimmt,
so er den werth der recken und der helden!
Fr. Hebbel (Nibel. 2: Siegfrieds tod 3, 6) 4, 102 Werner.


γ) die gleichnisse und bildlichen wendungen verblassen und erstarren in formelhafter wiederholung, in der namentlich die verbindungen des substantivs mit verbis das gepräge fester formeln gewinnen. mit der lebendigkeit der anschauung verblaszt auch die zugehörigkeit zu einer bestimmten bedeutungsgruppe. so mischen sich in der verbindung von gewicht mit halten functionen eines nomen actionis (vgl. oben) und die sachbedeutung des wägemaszes; die meisten berührungen aber erfährt diese sachbedeutung mit dem eigenschaftsbegriff, so in der verbindung mit legen u. a.
1)) verbindung mit halten: das gewicht halten gegenüber von sich im gewichte halten (vgl. sp. 5715):

doch führ nicht ins gerichte
mich deinen sündiger. was hält wol das gewichte
für unschuld deinem satz'?
Paul Flemming geistl. u. weltl. poem. (1652) 26

(143. ps. Luther: und gehe nicht ins gericht mit deinem knecht, denn fur dir ist kein lebendiger gerecht) u. a.;

[Bd. 6, Sp. 5753]


welch feuer musz in eurem busen lodern!
ihr habt den muth, euch kühn herauszufodern.
doch eure klugheit hält dem muthe das gewicht:
ihr fodert euch, und stellt euch nicht.
Lessing (sinngedichte: an die herrn X und Y) 13, 6;

man sagt so viel von den fehlern des Shakespear. man nenne mir nur einen, der diesem (des Euripides) das gewicht halte. Lessing (philolog. nachlasz: anmerk. über Euripides) 153, 428; der von aller amts-gerichtsbarkeit befreiete gutsherr ist zugleich ein natürlicher feind des amts, ... im gegentheil hält die gerichtsbarkeit des amts, und die aufmerksamkeit der regierung dem gutsherrn das gewichte. Justus Möser Osnabrückische gesch. 1, 140 (§ 68).
2)) bei der verbindung mit legen könnte man typen wie ein gewicht auf etwas legen (einer sache ein gewicht beilegen) als zeugnisse für die sachbedeutung ansprechen im gegensatze zu den verwitterten formeln gewicht auf etwas legen (einer sache gewicht beilegen). solche unterscheidung würde jedoch der thatsache nicht gerecht, dasz das heutige sprachgefühl das substantiv gewicht in allen fällen als eigenschaftsbegriff im sinne von nachdruck, wucht, bedeutung faszt. den ausgangspunct scheint allerdings die sachbedeutung zu bilden, wie sie in den oben belegten verbindungen mit werfen (das gewicht in die wagschale werfen, legen sp. 5751) deutlich zu tage tritt, vgl. auch: aber dennoch warf es ein letztes gewicht auf die last, die sie schon wochenlang getragen hatte. Paul Heyse ital. nov. 1 (am Tiberufer) s. 73. die ursprüngliche auffassung hat sich aber unter dem einflusz der von synonymen (wucht, bedeutung u. a.) ausgehenden formeln verdunkelt und macht sich später auch da nicht mehr geltend, wo die wendungen wieder mehr fülle gewinnen.
a)) auf sachbedeutung weist noch:

wenn ich mit einem angebinde
von federn meiner abtrag thu.
es ist zwar ein sehr leicht geschenke;
doch was ich mit zugleich gedenke,
legt ihm ein schwer gewichte bei.
das ist der wunsch, dasz last und wachen,
so dich nicht müde können machen,
dir ferner feder leichte sei!
Picander (Chr. Fr. Henrici) ernst-scherzh. u. satyr. ged. 5, 358;

dagegen ist diese auffassung schon verdunkelt in: sie werden ihre herrlichsten argumente in petto behalten und auf diejenigen ein gewicht legen müssen, die von dem politischen zeitbedürfnisz hergenommen sind. Schiller briefe 7, 165.
b)) vordem legte ich das ganze gewicht in die mehrheit des einzelnen, jetzt wird alles auf die totalität berechnet, und ich werde mich bemühen, denselben reichthum im einzelnen mit eben so vielem aufwand von kunst zu verstecken, als ich sonst angewandt, ihn zu zeigen. Schiller briefe 4, 436; eine gewandte, obschon falsche technik war das eigentliche wissen meines meisters, und er legte alles gewicht seines unterrichtes auf diesen punkt. Gottfried Keller (der grüne Heinrich 2, 5) 1, 272; dass unsre vorfahren dem gottes urthel soviel gewicht beilegten, und die wunder proben der unschuld so sehr schätzten, ist ihrer einfalt gewisz zu verzeihen. Lichtenberg aphorismen 2, 91 Leitzmann; weil auch in recension auf die Reinholdischen briefe über Kant besonders viel gewicht musz gelegt werden. Schiller briefe 2, 302; doch dieses argument, so viel man auch gewicht auf dasselbe zu legen pflegt, scheint, mir wenigstens das gerade am allerwenigsten gewichtvolle zu sein. Lotz staatswirthschaftslehre 2, 37; sie verstehen mich, mein freund! ja nicht so, als wenn ich diesen vermuthungs-gründen zusammengenommen ... nicht ein groszes gewicht beilege. Lavater aussichten in die ewigkeit (1770) 12, 71; in betracht dasz wir erst anfangen, legen wir groszes gewicht auf die familienkreise. den hausvätern und hausmüttern denken wir grosze verpflichtungen zuzutheilen. Göthe (Wilhelm Meisters wanderjahre 3, 11) 23, 150; dasz wir ... bald betrachtungen anstellen, auf die wir kein gröszer gewicht legen dürfen, als insofern wir uns auf die natur und ausbildung unsers geistes einigermaszen verlassen möchten. (einleit. in die Propyläen) 38, 5; ich musz dagegen protestiren, dasz mir der vorwurf der unzuverlässigkeit gemacht wird. ... unzuverlässig, das heiszt: man kann auf seine angaben kein gewicht legen. Bismarck (im deutschen reichstag 8. 5. 1879) 8, 45 Kohl.

[Bd. 6, Sp. 5754]



c)) endlich — und hierauf lege ich besonders gewicht —: es ist unsere aufgabe, zu constituiren. G. Beseler in der Frankfurter nationalvers. berichte (1.) 701b; ich glaube deshalb, dasz die von dem herrn vorredner geäuszerte besorgnisz von ihm kann fallen gelassen werden, und ich lege gewicht darauf, sie hier von amtlicher stelle aus zu berichtigen. Bismarck (im reichstag des norddeutschen bundes 2. 4. 1868) 4, 8 Kohl; gewicht auf etwas legen. eigentlich etwas beschweren, schwer machen ... ebenso: nachdruck auf etwas legen. Borchardt sprichwörtl. redensarten 176 Wustmann.
d)) er war, obgleich knecht, ausnahmsweise noch corporal, und darauf hielt er viel, und Käthi noch mehr. wir sind weit davon entfernt, Johannes und Käthi auszulachen, weil sie gewicht auf einen ehrenposten setzten, wir sind überzeugt, solche stufen-erhöhungen in der gesellschaft sind durchaus nothwendig. Jeremias Gotthelf Käthi, die groszmutter cap. 3.
b) die übertragungen gehen vom hebel an uhren und maschinen aus:
α) die anschaulichsten bilder werden der uhr entlehnt; mit ihrem gang und schlag wird gern der lauf der zeit, der gang der weltgeschichte in beziehung gesetzt; ihr feingegliedertes räderwerk dient zum gleichnis auch für den menschen.
1)) und nun die armseligen rettungen (der sieben tagewerke) aus der physik. ... ein kleines zifferblatt für menschen; wie anders mag die grosse uhr sein mit all' ihren rädern und gewichten, die jenes treibt — welcher narr kann von jenem auf diese schlieszen? Herder (älteste urk. ... 1, 6) 6, 294 Suphan; ich will nichts weniger, als die ewigen völkerzüge und verwüstungen, vasallenkriege und befehdungen ... vertheidigen; nur erklären möchte ich sie. ... und wenn ich so kühn reden darf, das schicksal zog, (allerdings mit grossem getöse, und ohne dasz die gewichte da ruhig hangen konnten) die grosze abgelaufne uhr auf! da rasselten also die räder! (auch eine philos. d. gesch.) 5, 526; aber himmel! welche schweren eingreifenden minuten, die oft das geh- und schlaggewicht ganzer jahrhunderte aufziehen oder abschneiden, haben nicht die gröszten königreiche z. b. an einem schlachttage auszuhalten? J. Paul (leben Fibel's 15) 54, 96;

doch unaufhaltsam rucken die gewichte,
von selbst die glocken von den türmen schlagen,
der alte zeiger, ohne euch zu fragen,
weist flammend auf die stunde der gerichte.
Eichendorff (mahnung) 13, 174;

wie im turm der uhr gewichte
rücket fort die weltgeschichte,
und der zeiger schweigend kreist,
keiner rät, wohin er weist. (weltlauf) 13, 176.


2))

im uhrwerck unsers thuns musz die vernunft's gewichte,
das auge weiser sein.
Lohenstein Sophonisbe (IV, 413) 70;

der mensch ist wie eine uhr, die uhr ohne schwehren gewicht die geht nicht, also der mensch, wann ihm gott nicht etwas schwehres zuschickt, so geht er nicht nach denen minuten des göttlichen willen, Abr. a S. Clara Abrahamische lauber-hütt 1 (1721), 468 (nöthen lernen beten);

ein thor eilt stets auf neue wirbel los:
ein weiser ist, auch in der stille, grosz.
ein thor bedarf der ämter und geschäffte:
der wanduhr gleich, giebt das gewicht ihm kräfte.
Friedr. v. Hagedorn (Horaz) 14, 71;

wie sie daher kam, glich sie einer rückwärts wandelnden schwarzwälder-uhr, an der das haubenfleckchen das zifferblatt, die lang von der zuckerhutförmigen schwarzen haube in den rücken hinabfallenden bandschleifen die gewichte, und die lange, schmale person der schmiedin selbst das gehäuse darstellten. Otto Ludwig (Heiteretheil) 2, 45.
3)) sie errichtete die cameral-schule, legte eine fabrike an, die sehr blüht, und vielen hundert menschen brod giebt, und von diesem allen war der herr rath Eisenhart das erste und letzte triebrad, das eigentliche gewicht an der uhr. Jung-Stilling häusliches leben (1789) 153; er hat also in seiner predigt so viel dogmatik als uhrgewicht anzuhängen, dasz der zeiger die pflicht zeige? — nein! die predigt, die solche pflichtuhr giebt ist gut; bei ihr müszen und mögen also auch die gewichte auf die pflicht

[Bd. 6, Sp. 5755]


würken; aber sie ist nicht die einige! ist nicht der stempel aller! ist nicht ganzes amt! Herder (an prediger, funfzehn provinzialblätter) 7, 249; das geschöpf mit leichterm, glücklicherm blicke, soll fremdem willen gehorchen. die gebohrne herrscherin dienet. aber auch diese gewichte, so schwer sie ziehn und drücken zur erde, befördern ein höheres gute, sie treiben das lebende uhrwerk der welt. (älteste urk. ... 4) 7, 101 Suphan.
β) auszerhalb dieser engeren beziehung auf das uhrwerk ist die vorstellung eines hebels in der übertragenen verwendung wenig zu beobachten, um so häufiger dagegen wird die hemmende, niederziehende kraft zum ausgangspunkt bildlicher wendungen.
1)) o die ablaufenden gewichte meiner maschine fallen langsam und sanft auf das grab hinauf — dieses erdenleben kleidet sich in meiner seele immer schöner an, und schmückt sich zum abschiede. J. Paul (Hesperus 2, 19) 8, 114; die menschliche seele, an sich und in ihrer erscheinung auf dieser erde, ihre sinnlichen werkzeuge und gewichte und hoffnung[en] und vergnügen, und charaktere und pflichten, und alles, was menschen hier glücklich machen kann, sei meine erste aussicht. Herder (reisejournal 1769) 4, 364, ähnlich 13, 126; dies hohe, weite erkenntnisz auszer uns, das nur mit einem punkt' an uns zu hangen scheint, fühlt doch die ganze schwere der welt an diesem punkte; er ist aber, und soll das gewicht sein, das jene innere, unabhängige, elastische springkraft so höher treibe. ist ohne schwere ein triebwerk möglich? (vom erkennen und menschlichen empfinden) 8, 295; ich meines orts gestehe, dasz ich mir keinen entsetzlichern gemüthszustand zu denken weisz, als denjenigen, worin ein mensch wie Rousseau zwischen zwei solchen wieder einander drückenden gewichten sein muszte! Wieland (aus Rousseaus leben) 33, 29.
2)) seine lebhafte, kühne phantasie, sonst immer gewöhnt sich mit den schwingen des adlers in den höchsten regionen zu wiegen, wie stark war diese von der traurigen gegenwart niedergehalten! mit welchen schweren bleiernen gewichten zu dem gemeinen, niedrigen des lebens herab gezogen! Streicher Schillers flucht 33 Hofmann; eine erfahrung lehrt es, die so alt ist als die welt, dasz im gewebe menschlicher dinge oft die grösten gewichte an den kleinsten und zärtesten fäden hangen. Schiller (was wirkt die bühne?) 3, 517; ich habe zwei jungen ... und ein mädchen ... freilich ist dieses kleine volk auch ein gewicht, das sich an unser dasein hängt. briefe 6, 282;

noch mehr — es hängt gewicht sich an gewicht
und ihre masse zieht mich schwer hinab. (Wallensteins tod 3, 23) 12, 323;

an alle thaten hängen sich gewichte;
entschlüsse schrumpfen ein, die weit und grosz,
und selbst des freien muthes rascher schritt
sinkt unter in dem sumpfe der bedenken.
Immermann (das thal v. Ronceval 2, 6) 16, 55;

die freischaar war geboren, Blücher's auge zu sein. aber ein eigensinniges kriegsgeschick ... bindet ... den raschen führer und sein rasches häuflein an die gemessenen schritte eines zaudernden, dessen rückhalten ... andern ... ein bitter drückendes gewicht anhängt. (memorabilien: fest der freiwilligen zu Köln) 19, 171; er ist in der that verlobt, sagte die herzogin. dann mag er sich nur gewichte an hände und füsze hängen; denn er sieht noch nicht darnach aus, als ob er willens sei, stich zu halten, fuhr ihr gemahl in seinen scherzen fort. (epigonen 4, 6) 6, 34; schämt euch, dasz ihr einem armen kinde ... solch ein gewicht ans herz hängt. Paul Heyse ital. nov. 1 (Annina) s. 275;

ewig heil drum jedem, der einheimische fluren befreit
aus doppeltschwer drückender not: pfaff samt tyrann
ankerketten sind's an gewicht.
Platen festgesänge: die herzogin v. Leuchtenberg

ja, ich solls (die werbung) anbringen? sagte die Sannel. an ihrer immer muntern bereitwilligkeit hing ein schwer gewicht. sie streifte es ab, und das klang wie ein tiefer seufzer. Otto Ludwig (aus dem regen in die traufe) 2, 321; so tranken sie trotz der bitterkeit immer wieder von dem getränke, sobald die wirkung nachzulassen begann, und steigerten ihre unschuldigen nerven zu einem fieber, das

[Bd. 6, Sp. 5756]


im stande war, den zum schlummer ziehenden gewichten entgegen zu wirken. Stifter bunte steine5 (bergkristall) 216 Aprent.
c) diesem vorstellungskreise stehen einige formen der übertragung nahe, die sich auf die sachbedeutung von pensum zurückführen lassen.
α) innerhalb der bildlichen verwendung ist freilich das gebiet der beiden sachbedeutungen (pondus, pensum) nicht immer sicher abzugrenzen, vgl.: das sind nur kleinigkeiten, aber kleinigkeiten tragen oft die schwersten gewichte im verlauf unsers lebens. Schiller briefe 1, 239;

muszt' ich denn so spät erfahren, prüfen manches labyrinth,
dasz sich nur an deinem busen das gewicht des lebens trägt.
Platen (gaselen) 1, 642 Redlich;

oder wars nicht so gefährlich für den Holder-Fritz ausgefallen, als sie gefürchtet hat? sollte sie nicht sterben oder ein ganzes leben hindurch das erdrückende gewicht der unthat auf ihrer seele tragen müssen. Otto Ludwig (Heiterethei) 2 (1891), 142;

indem er noch diesz angstgewicht
auf seiner seele trug,
fiel ihm ein pflüger in's gesicht,
der hart sein röszlein schlug.
Langbein (der advokat u. der rothmantel) 1, 331.

dazu vgl. den weiteren kreis ähnlicher verbindungen: während dieser zeit habe ich die last erwogen, .. welche das regieren mit sich führt ... dasz das kein gewicht ist für meinen rücken, kein pfeil für meinen köcher. Tieck übersetz. des don Quichote 2, 480;

so liehen unsre leute, schwer gedrückt
von dem verluste Heiszsporns, dem gewicht
durch ihre furcht solch eine leichtigkeit,
dasz pfeile nie zum ziele schneller flogen,
als unsre krieger, zielend auf ihr heil,
vom felde flohn. (lend to this weight such lightness with their fear.) Shakespeare (Heinr. IV. theil 2, 1, 1) übers. v.
Schlegel 2, 9 Brandl;

doch weiszt du wohl, was meine schultern tragen.
drum wähle mir aus dieses lebens plagen
ein leicht gewicht,
damit ich nicht
mög' unrer meiner heiszen last verzagen.
Schubart ged. 284 Hauff;

wie ich dir sagte, Piso, das gewicht
der herrschaft liegt zu schwer auf meiner seele.
Friedrich Halm (der fechter v. Ravenna 2) 3, 100 Schlossar;

trotz des schweren gewichtes, welches die brust Ludwigs belastete, muszte dieser doch lächeln. W. Raabe leute aus dem walde5 s. 190.
β) mehrdeutig sind auch die verbindungen mit fallen. eine gruppe gehört unzweifelhaft der sachbedeutung an, bei der zweiten ist schon oben (sp. 5716) ein zweifel ausgesprochen worden, ob die formel, für die immer wieder anschlusz an die sinnliche bedeutung gesucht wird, wirklich aus dem kreise der sinnlichen verwendungen hervorging.
1)) aber vieles vereinigte sich, die gewalt dieses königs zu brechen und die fortschritte des jungen staats zu begünstigen. wäre das ganze gewicht seiner macht auf die vereinigten provinzen gefallen, so war keine rettung für ihre religion, ihre freiheit. Schiller (abfall der Niederlande 1 einleitung) 7, 13; wo es aber schon bild, substanzielles kunstbild zu sein aufhöret; wo es schon eine grosse gruppe der skulptur wird, in der auf kein bild einzeln das gewicht der kunst fällt, sondern nur auf die in die zusammensetzung gelegte handlung. Herder (die 'plastik' von 1770) 8, 136 Suphan;

es ist genug, mein kurfürst! ich bin sicher,
mein wort fiel, ein gewicht, in deine brust!
H. v. Kleist (prinz v. Homburg 5, 5) 3, 118 Erich Schmidt;

ich sah dich freundlich mir gewogen,
doch glaubt' ich noch die liebe weit,
und als ich sah, wie nah sie stünde,
fiel schwer auf's herz mir ihr gewicht.
Fr. Rückert (liebesfrühling 6, 29) 1, 607.


2)) (Gianettino.) dasz der arme graf nicht lang leide. (mohr.) um vergebung — wie schwer möchte ohngefähr sein kopf ins gewicht fallen? (G.) hundert zechinen schwer. (m.) puh! federleicht. Schiller (Fiesko 1, 2) 3, 13 Goedeke; grosz, dasz man drei hochzeiter höherer stände damit hätte ausstatten können, gerieth dieser strausz; denn bei den bauern musz alles in das gewicht fallen.

[Bd. 6, Sp. 5757]


Immermann (Münchhausen 5, 3) 3, 25 Hempel; so viel halte ich schon jetzt für ausgemacht, dasz die beiden briefe des schleswigischen grafen Moltke hier nicht stark in's gewicht gefallen sind. Hebbel (an E. Lensing, 1842) briefe 2, 136 Werner; wenn man das, was 'zu spät' sei, der individuellen beurtheilung des vorgeladenen überlassen will, so wird bei beurtheilung der zeit, deren er zu bedürfen glaubt, die politische ansicht desselben ins gewicht fallen. Bismarck (im preusz. landtag 1851) 1, 286 Kohl; am meisten aussichten schienen indesz Schnörkel und bruder Weiland zu haben. ... Schnörkel aber ging mit seinem schwiegervater, dem kirchbauer, von haus zu haus, und die neun kinder des bruder Weiland fielen schwer in's gewicht für Schnörkel, der dann so oft er seinem mitbewerber begegnete, gar herablassend gegen ihn war. Berthold Auerbach neues leben 3, 351; es war noch ganz die frage, ob die dirne ihn genommen hätte; da sind noch andere, die sie hinter sich herzieht und die schwerer ins gewicht fallen. Th. Storm (drauszen im haidedorf) 3, 89; auch die frage, was der andere ritter zu der sache sagen werde, fiel ins gewicht. W. Raabe (schüdderump 196) als könnte die frage, ob ein kleinstaat von zwei millionen einwohnern einem oder zwei souveränen diene, für den frieden des welttheils in das gewicht fallen. Sybel die begründung des deutschen reiches 32, 29.
d) die hauptmasse der übertragenen verwendungen entwickelt der eigenschaftsbegriff.
α) in neue beleuchtung treten hier die abstufungen des bedeutungsumfanges. auf der einen seite der umfassende begriff der schwere, der als maszstab für die bewerthung einer erscheinung vor andern bevorzugt wird, bald mit ausgeführtem bilde, bald mehr in andeutungen. dem gegenüber die einseitige hervorhebung einer einzelnen wirkung, wobei sich die vorstellungen des druckes und der schwungkraft gegenübertreten, von denen die letzte in dem verblaszten begriff der bedeutung, des gehaltes mit dem verallgemeinerten begriff der schwere sich wieder berührt.
1)) der umfassende begriff der schwere: der berühmte Italiäner Boccalini meldet uns aus seinem parnasso, was gestalt alle potentaten in Europa ein sonderlich wag amt hetten, also beliebt und angestellet, dasz sie alle fünfzehn jahr zu Phocis zusammen kommen wolten, daselbst auf einer sehr grossen wage eines jederen macht, land und leute genau abzuwegen und wann sich alsdan befünde, dasz der eine an gewalt so viel zugenommen, ... demselben alsdan sein gebührend gegengewicht und mortification gegeben werden solte. ... des reichen königreichs Spanien gewicht ist nur auf zwantzig millionen gekommen, und ungeachtet die Spanier, damit ihre land wage denen Frantzosen gleich kehme, bald das königreich Neapolis, bald Meiland und andere länder noch hinzu in die wagschale gesetzt, so habe dennoch das spannische gewicht immermehr zurükkgeslagen. J. G. Schottel friedens sieg (widmung) neudr. s. 4; Frankreich hatte mit seinem vortrefflichen Heinrich seine ganze grösze und sein ganzes gewicht auf der politischen wage Europens verloren. Schiller (30jähr. krieg 2) 8, 100; denn mann gegen mann, — nicht sache gegen sache — zu schätzen: so war dieser ungenannte des gewichts, dasz in aller art von gelehrsamkeit, sieben Goeze nicht ein siebentheil von ihm aufzuwägen vermögend sind. Lessing (absagungsschreiben) 133, 103; als don Leon verstellt er (Garrick) sich ebenfalls wieder zum bedienten ... der ... das moralische gewicht seines bortenhuts balancirt als wäre es physisch, und überhaupt die pracht desselben bis in die schultern herunter zu fühlen scheint. Lichtenberg (vorschl. zu einem orbis pictus) verm. schr. 4, 153; die gestalt Percys sieht sich durch die gestalt erzbischof Scroops nahezu balanciert, und was an gewicht noch allenfalls fehlen mag, wird mehr als ausgeglichen durch die grosze schluszszene des vierten akts, das hinscheiden könig Heinrichs. Th. Fontane kauserien über theater s. 12; das specifische gewicht des geistes und der talente eines menschen ist dessen absoluter werth, multiplicirt mit der mittlern wahrscheinlichkeit seiner lebensdauer. Lichtenberg 2, 178; aber sie fand ein herz das ... gleich einem edeln erz von seinen schlacken gereinigt ... da lag ... was es aber an unnützem gewichte verlor, hat es an werth gewonnen — denn die schmeltzkosten

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sind überwunden, und sein wahrer gehalt ist durch das feuer bestätigt. Thümmel (reise 4) 4, 157; man sieht ... an diesen stücken (Platens) die einwirkung Calderons. sie sind durchaus geistreich und in gewisser hinsicht vollendet, allein es fehlt ihnen ein specifisches gewicht, eine gewisse schwere des gehalts. Göthe (zu Eckermann 1824) 5, 59 Biedermann;

ach! bring mich nicht für dein gericht,
betracht, herr, deiner trew, nicht meiner schuld gewicht,
und vergisz meiner pflichten: ...
G. R. Weckherlin (psalm 6, 4) 1, 316 Fischer;

lasz du deinem liebling niemals fühlen,
dasz der ring, der izt so viel verspricht,
und so leicht ist, um damit zu spielen,
jeden tag vermehret sein gewicht.
Göckingk ged. 3 (1782), 102.


2)) die hervorhebung einzelner wirkungen:
a)) die Egyptier bestellten für jedes glied einen eigenen arzt, und der kranke gieng unter dem gewicht seiner ärzte zu grunde. Schiller (über das gegenwärtige teutsche theater 1782) 2, 340 Goedeke; das freie erdreich mit bäumen und wasser, welches die seele sonst von jedem drucke zu erlösen pflegt, lastete auf der seinigen mit stumpfem gewichte. Immermann (epigonen 7, 2) 7, 11 Hempel; der friede zerreiszt das land; der feind bleibt im lande; lasten von untragbarem gewicht sollen jede hoffnung dereinstigen auferstehens daniederhalten. Immermann (memorabilien: das fest der freiwilligen zu Köln) 19, 164 Hempel; was geschehen war, geschehen vor manchem jahr, war ihm seit einer stunde wieder mit vollem gewicht auf die seele gelegt worden. Th. Fontane (quitt 23) I, 6 s. 189; beugst du einmal den stab der gerechtigkeit, so geschehe es nicht vom gewicht der geschenke, sondern von dem der barmherzigkeit. Tieck übersetzung des don Quixote 2, 366;

ich, der sonst vor beiden welten
trug das stolze haupt gerade,
beuge nun den will'gen nacken
dem gewichte deiner gnade.
Platen nachbildungen aus dem divan des Hafis 42.


b)) und dadurch das gewicht meiner leiden verdoppelt gefühlt. Bürger an Ösfeld (14. 3. 1794); himmel! izt erst fühl' ich das ganze gewicht ihres verbrechens. Tieck (der abschied 2, 3) 2, 316; als Hanney bei der nächsten probe wieder vor sie trat, liesz sie ihm das gewicht seines unrechts in der verdoppelten gleichgiltigkeit fühlen, mit der sie seine versuche, sich wieder zu nähern oder sich zu entschuldigen, aufnahm. H. Schmid (Mohrenfranzel 2) 32, 40; vgl. auch die fügungen sp. 5760 unten;

stärker und stärker
baute sie, blutverkittet, zum kerker
die ganze welt.
nur dasz das meer
fühlte noch nicht
des kerkers gewicht,
das kränkte den kerkermeister so sehr.
Fr. Rückert (kriegerische spott- u. ehrenlieder: festlied) 1, 224.


c))

nein, seinem vater flucht er nicht;
nein, seines ganzen zorns gewicht
fällt auf die ungetreue.
Gotter (Antiochus u. Stratonice) ged. 1, 353, vgl. sp. 5756;

'nachdem dein schwert sich, an dem junker, rache, die grimmigste, genommen, die sich erdenken läszt: was treibt dich, auf ein erkenntnis gegen ihn zu bestehen, dessen schärfe, wenn es zuletzt fällt, ihn mit einem gewicht von so geringer erheblichkeit nur trifft?' H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 3, 184 Erich Schmidt; aber gehorsam verlange er (der kaiser), oder das gewicht seines zornes werde den widerspenstigen diener zermalmen. Schiller (30jähr. krieg 3) 8, 260;

wenn unter drückenden gewichten
des kummers und der bürgerpflichten
der müde gatte niederfiel,
wirst du mit einem holden lächeln
erfrischung ihm entgegenfächeln. (hochzeitged., 1783) 3, 166, ebenso (prolog) 3, 175;

die gesetzgebung war so poetisch, dasz sie das volk nicht zu ertragen vermochte und in den gesetzen selbst, ist bei der gröszten einfalt und möglichsten bestimmtheit des ausdrucks, zumal in der letzten wiederholung eine stärke, eine rührende wahrheit, ein gewicht von fluch und segen,

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das auf den blödesten würket. Herder (üb. d. würkung der dichtkunst) 8, 347.
d))

gram springt, wo er fällt, zurück,
durch sein gewicht, nicht durch die hohle leerheit.
Schlegel übers. von Shakespeares Richard II. (1, 2: not with the empty hollowness, but weight. der schmerz wird nie fertig.
Wieland.);

das strafjahr war überstanden, seine leidenschaft durch die entfernung gewachsen, und sein troz unter dem gewicht des unglüks gestiegen. Schiller (verbrecher aus verlorner ehre) 4, 66 Goedeke.
e)) Schiller hat deszwegen eine sehr guten gedanken gehabt, dasz er ein kleines stück die Wallensteiner als exposition vorausschickt, wo die masse der armee, gleichsam wie das chor der alten, sich mit gewalt und gewicht darstellt, weil am ende des hauptstücks doch alles darauf ankommt: dasz die masse nicht mehr bei ihm bleibt, sobald er die formel des diensts verändert. Göthe (Schweizerreise 6. juni 1797) 43, 10;

du siehst vier fürsten da! wir haben erst erörtert,
was den bestand zunächst von haus und hof befördert.
nun aber, was das reich in seinem ganzen hegt,
sei, mit gewicht und kraft, der fünfzahl auferlegt. (Faust II, 4: des gegenkaisers zelt) 41, 291;

schlichtet anders kein geschäft
als mit nachdruck und gewicht.
Rückert (35. makame) 11, 484;

man hat aus den stellen von der bergwerkskunde, die in diesem buch vorkommen, zweifel gegen sein alter machen wollen; völlig ohne gewicht. Herder (vom geist der ebräischen poesie 1, 8) 11, 403 Suphan;

wer lärmt? ... geh ... öffne nur das thor!
der lärm thut's an gewicht dem anlasz wohl zuvor.
Grillparzer (Libussa) 74, 116.


3)) unter dem bilde von wucht und kraft wird die einwirkung von persönlichkeiten auf andere gekennzeichnet:
a))

selbst der liebe gott verlieret sehr bei mir an dem gewichte,
weil nach ihrem ebenbilde schnitzen ihn viel tausent wichte.
Immermann (ged. 6. buch: orbis pictus) 11, 333 Hempel;

einst mächtig, grosz und geehrt ... sank das Deutsche reich ... in zerrissenheit und ohnmacht. des gewichtes im rathe Europas, des einflusses auf die eigenen geschicke beraubt, ward Deutschland zur wahlstatt der kämpfe fremder mächte. Bismarck (thronrede im reichstag des norddeutschen bundes 1867) 3, 154 Kohl; im interesse des gewichtes und des schutzes von Deutschland. (1870) 4, 315; vgl. die belege auf sp. 5757: ich trage deshalb kein bedenken, jeder tendenz entschieden entgegenzutreten, die darauf hinausgeht, das gewicht dieser versammlung und ihren einflusz auf die executive und die entschlüsse der krone zu verstärken. (1851) 1, 304 Kohl; die entscheidung dieser frage hängt von dem verhältnisz ab, welches der besiegte theil zum ganzen hat, seinem physischen und moralischen gewichte nach. Clausewitz (strateg. kritik des feldzugs v. 1814 in Frankreich) 7, 408; nachdem also die anstalt der literaturzeitung in ihrem ganzen gewichte gesichert war, hatte man sich nach männern umzusehen, die erledigten lehrfächer wieder zu besetzen. Göthe (annalen 1803) 31, 156; wenn ihr euch nur auf die gewalt der zahl, auf das gewicht der menge stützt, dann wird eure sprache die verneinung des rechtes selber. Th. Mundt Paris und Louis Napoleon 2, 150.
b))

zwar künnen ihr gerüchte
durch eigenes gewichte
verewigen die tichter.
Friedr. v. Logau sinnged. (III, 613) 532 Eitner;

treibt das gewicht von seinen jahren
noch nicht ein trauring in die höh,
wie trozt der jüngling den gefahren
der reisen, schlachten und der see!
Göckingk (epistel an Benzler) 1, 141;

fleisz und zierlichkeit besitzt Polyklet vor allen. ihm wird von vielen der preis zuerkannt; doch damit ihm etwas abgehe, meint man, ihm fehle das gewicht. denn wie er die menschliche form zierlicher gemacht, als die natur sie zeigt, so scheint er die würde der götter nicht völlig auszufüllen, ja er soll sogar das ernstere alter vermieden, und sich über glatte wangen nicht hinausgewagt haben. Göthe (Winckelmann) 37, 42; Andreas Doria ... spuren von feuer. ein hauptzug: gewicht und strenge befehlende kürze. Schiller (personenverz. zu Fiesko) 3, 7;

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(Verrina.) seht nicht so betroffen aus männer. (langsam mit gewicht.) wer Genua unterjocht, kann doch wohl ein mädchen bezwingen? (Fiesko 1, 11) 3, 36; sein vater war in den besten familien ein geschätzter mann und stand in freundlichem verkehr mit ihnen; der sohn hatte oft nicht ohne gewicht zu mir davon gesprochen. Th. Storm (es waren zwei königskinder) 5, 249; hat doch Klopstock mit all seinem gewicht und ansehen nicht vermocht durch seinen publicirten orthographischen codex einen einzigen buchstaben von der stelle zu rücken. Musäus volksmärchen der Deutschen bd. 1 (1782, vorbericht b); jetzt kommandierte A. E. mit lautem und straffem stosz der stimme: 'links um! vorwärts marsch!' es fuhr ihnen wie ein blitz in die beine und sie gehorchten. ich sah recht, was die persönlichkeit allein, auch ohne machtmittel, durch das gewicht des einfachen imponierens erreichen kann. Fr. Th. Vischer auch einer (1904) 56. dazu vgl. hochgewicht th. 4, 2, sp. 1622.
4)) bei diesen und ähnlichen wendungen läszt sich das verhältnis zu den antiken formeln nicht sicher bestimmen, die das substantiv in engere beziehung zu äuszerungen des verstandes oder der phantasie setzen (vgl. oben sp. 5726). gerade dieses gebiet ist in der neueren litteratur besonders angebaut.
a)) sein gemain rede was nit lär von gewicht der crefte, wann ausz des mund gieng kain wort eitelich. Gregors dialoge (Augsburg 1473) II, 23; worinn aber das gewichte bestehe .., solches habe ich im bilde nicht abmahlen können, doch im gantzen buche wird darauff gezielet. man bedarff realia, welche den lieblichen worten die krafft geben. Chr. Weise curiöse gedanken .., vgl. oben sp. 5718; dasz keiner in ungebundener rede, weder den rechten numerum, noch eine zierliche verbindungs-art noch das rechte gewicht und den nachdruck den worten geben kan, wofern er solches nicht aus der poesie vorher erlernet. Besser vorbericht der ersten ausg. der ged. v. 1711;

sein sohn, der jüngere Gryph, ist ihm, dem vater, gleich,
und mehr an andachtsglut, als dichterfeuer reich;
weisz zwar gewicht und zahl dem sylbenmasz zu geben;
allein, es fehlt darbei an nachdruck, geist und leben. (
G. E. Müller) versuch einer critik über die deutschen dichter, v. 283 (literaturdenkmale 12, s. 56);

ihrer sprache (der französischen) aber fehlt es an schrot und korn. was ihr an gewicht und gehalt abgeht, vertuscht sie durch gleisze. Jahn (denknisse eines Deutschen: der geleiter 17) 1, 496 Euler;

grössre wunder könnt ich zeigen —
eines wortes leicht gewicht,
eines nicht'gen blickes steigen
führt oft her ein schwer gericht.
Cl. Brentano (romanzen vom rosenkranz (13, 84) 235 Morris;

allein nach wenig tagen
befiel ihm miszbehagen;
denn alte liebe rostet nicht,
und er empfand des spruchs gewicht.
Langbein (die hölzerne braut) sämtl. ged. 2, 93;

(Parthenia zu Ingomar:)
wirst du nie denn lernen
nach ihrer art die menschen nehmen; eh' du sprichst,
der worte masz und ir gewicht erwägen?
Friedr. Halm (der sohn der wildnis 5) 2, 206 Schlossar;

zum schreiben endlich er sich setzet,
ein blättlein nimmt, die feder netzet ...
seh' wie er, mit blicken steif ins licht,
sinnt, prüfet jedes wortes gewicht.
E. Mörike der alte turmhahn;

dasz ein groszer theil von dem gewicht, welches das wort arbitrage bei uns ausübt, von der bedeutung, die wir ihm beilegen, das gewicht, wie man zu sagen pflegt, des groszen unbekannten ist. ... es wird von den eingeweihten, von den eigentlichen priestern der börsengeheimnisse, ein weihrauch um die sache verbreitet, der ihre bedeutung und ihr schwergewicht einiger maszen verdunkelt. Bismarck (im reichstag, über die börsensteuer 1885) 11, 169 Kohl.
b)) ich fühle das ganze gewicht dieser frage. Lenz vertheidigung des herrn Wieland ... litteraturdenkm. 121, 9; der reitz der unabhängigkeit ... muszte die regenten zu einer religionsveränderung lüstern machen, und das gewicht der innern überzeugung nicht wenig bei ihnen verstärken. Schiller (30jähr. krieg 1. buch) 8, 5; wenn uns

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aber nichts treibt, uns zu entschliessen, und wir lieber diese ganze sache dahingestellt sein liessen, bis wir durch das volle gewicht der beweisgründe zum beifalle gezwungen würden. Kant kritik der reinen vernunft 3, 402 Hartenstein; wenn sie meine nachrichten, mit den nachrichten des sendschreibens vergleichen sollten; vergleichen das gewicht meiner beweise gegen das gewicht der ihrigen. Lavater (schreiben an meine freunde) schr. 3 (1785), 289; ich kann also in diesem grund kein gewicht entdecken. stenogr. ber. d. Frankf. nationalversammlung (III) 2222c; so stehe ich jetzt, wie Herkules, am fünffachen scheidewege und sinne, welchen weg ich wählen soll. das gewicht des zweckes, den ich beabsichtige, macht mich schüchtern bei der wahl. Heinr. v. Kleist (an Wilhelmine 1800) 5, 59 Minde-Pouet.
c)) alle wehmüthige klage über den ... miszbrauch dieser sache, hat am ende doch nur ihr bestimmtes gewicht: denn wer billig sein will, läszt sich durch kein deklamiren über den schaden allein, einnehmen. Lavater physiogn. fragmente 1, 164; noch einmal, das gewicht meiner anklage zu verdoppeln, stopf' ich dir mit dem schändlichen namen eines verräthers den rachen. Wieland übers. Shakespeares 5, 10 (Richard II. 1, 2 um die schmach mehr einzuprägen. Schlegel, the more to aggrevate the note);

von jedem etwas und vom ganzen nichts,
galt sonst als tadel voll gewichts;
heut gilt in unsrer zeit des lichts:
vom ganzen etwas und von jedem nichts.
Grillparzer (der polyhistor) 35, 178.


β) die formeln, die sich bei häufiger wiederholung von den eben belegten wendungen ablösen, zeigen hier einen neuen typus: auszer den üblichen verbindungen mit verbis ist auch eine formelhafte präpositionalverbindung zu belegen.
1)) auch diese, die verbindung von gewicht, führt allerdings ebenfalls auf ein breiteres gefüge zurück, vgl. von gewicht sein, eine verbindung, der schon die ältere formel eines gewichts sein vorhergeht: dasz ein guldene cron und ein schmeerkappen, ein scepter und ein holtzhacken, ein purpur und ein joppen bei dem todt eines gewichts unnd eines gesichts sein. Abraram a S. Clara mercks Wienn (1680) 20.
a)) die geschichte des tags auf unserer flotte sagt eben, dasz der russischen excellenz ein pferd krank geworden ist. wie viele von den leuten seekrank sind, das ist eine erbärmliche kleinigkeit: aber bedenke nur, der leibgaul des russischen gesandten, der ist ein kerl von gewicht. Seume spaziergang nach Syrakus 331;

mein kind, mein wahrer ruhm! o tochter, glaube nicht,
als sei mir dein verlust von weniger gewicht.
Chr. F. Weisze Richard III. (2, 11) s. 25 Jacoby u. Sauer;

'fürchte unter der aufsicht des Icilius nichts. die gegenwart eines ehegatten ist immer von grossem gewichte.' Lessing (theatral. bibl. 1: auszug aus dem trauersp. Virginia) 63, 81; sie ist bei der geburth der Virginia gegenwärtig gewesen, allein ihr zeugnisz kann hier von keinem gewichte sein. ebenda s. 100; von gröszerm, den völligen ausschlag gebendem gewicht ist also dieses. (wie die alten den tod gebildet) 113, 16; diese allgemeinen gründe, welche bei jedem spanischen monarchen von gleichem gewichte sein muszten, wurden bei jedem insbesondre noch durch besondre gründe unterstützt. Schiller (30 jähr. krieg 1) 8, 8; und der verlust aller hoffnungen, Psychen jemals wieder zu finden ... schien ihm gegen diesen vorwurf von groszem gewicht zu sein. Wieland (Agathon 6, 4) 4, 235; kommt her zu mir, ertönt die liebliche stimme und in ihr wird jedes wort von gewicht und folgen. Herder (briefe das studium der theologie betreffend 4. theil, 43. brief) 11, 47; ob sie auch die männer sein, die über diese und jene schrift zu urtheilen befugt sind ... und von welchem gewicht diesmal ihre stimme sein müsse. Lenz vertheidigung des herrn Wieland ... litteraturdenkm. 121, 15; er redete nicht viel, was er aber sagte, das war von gewicht und nachdruck, weilen es gemeiniglich jemand der gegenwärtig war, beleidigte. Jung - Stilling jünglingsjahre (1778) 54; der begrif des erbaulichen darf schlechterdings bei der beurtheilung eines kunstwerkes von keinem gewichte sein. G. Forster ansichten vom Niederrhein 2, 343; und er

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wandte sich daher an den einzigen verbündeten, dessen beistand von gewicht sein und dessen wohlthäter er werden konnte. Platen (gesch. des königreichs Neapel 1, 4) 3, 22 Redlich; was auch nunmehr bei diesem wahlact vorgehen möge, es wird von wenigem gewicht auf das ganze sein. J. Grimm (meine entlassung) kl. schr. 1, 41.
b)) es ist also hohe zeit nicht länger zu säumen und müszig zu sitzen, sondern alle taue anzuziehen, und alles anzuwenden was ich vermag um männer von diesem gewichte zu meinen freunden zu machen. Wieland übers. des Lucian (d. Scythe; φίλοι τοιοῦτοι) 4, 320; ein mann von ansehen und gewicht, der auch mit dem schatten seiner ankunft schon ordnung, ruhe, gleichmüthigkeit ohn' ansehen der person einflöszen könnte, vir pietate gravis. Herder (briefe zweener brüder Jesu in unserm kanon) 7, 492; 'da aber ihr hr. bruder ein mann von musikalischem gewicht sein soll, so kann er ja eben so gut im überflusse schwimmen als im weltmeer.' J. Paul (flegeljahre 1, 13) 26, 101; wenigstens erzählte unser gefangenwärter, der uns rund führte, es seien in der frühen und späten zeit oft damen von gewicht gekommen, den schönen seemann (Sidney Smith) zu sehen und einige von diesen seien auch die ursache seiner entweichung gewesen. E. M. Arndt reisen 4, 217;

nun sind wir sieger, und er (Mars) lächelt uns.
was fehlen uns für städte von gewicht?
wir liegen hier zur lust bei Orleans.
(what towns of any moment but we have?)
Schlegel übers. d. Shakespeare (Heinr. VI. th. 1. 1, 2) 2, 253 Brandl;

(Regan.) bei so ungewohnter zeit, und in der finstersten nacht; — — umstände, edler Gloster, von einigem gewicht, worinn wir euers raths bedürfen, veranlassen uns. Wieland übers. d. Skakespeare (Lear 2, 4) 1, 193 (Schlegel: der anlasz ... hat gewicht; occasions of some poise); gedanken von grossem gewicht 4, 16 (Julius Cäsar 1, 3; thoughts of great value, entwürfe von grossem werte Schlegel); höchstdieselbe haben mir auf das strengste verboten litterarische schriften herauszugeben, noch weniger mich mit ausländern einzulassen. ich habe gehofft, eurer herzoglichen durchlaucht gründe von gewicht unterthänigst dagegen vorstellen zu können. Schiller (an herzog Carl) briefe 1, 68;

doch ich weisz gründe von gewicht und kraft.
(but I have reasons strong and forcible.)
Schlegel übers. d. Shakespeare (Heinr. VI. th. 3. 1, 2) 3, 16;

ebenso dinge von gewicht (Heinr. V. 1, 2) 2, 127 u. a.;

seht euch am spieltag vor, dasz ihr
noch einen platz ereilt!
doch — eine bitte von gewicht:
verlieret eure pudel nicht.
Langbein (der landjunker u. sein pudel) sämtl. ged. 2, 116;

der südliche Niederländer dumpf düster leidenschaftlich und einem groszen bestandtheile nach der fanatischste und sinnlichste aller katholiken, anderer mannigfaltiger gegenstrebungen von geringerem gewichte gar nicht einmal zu gedenken. E. M. Arndt schriften für u. an meine lieben Deutschen 3, 84
2)) formelhafte verbindungen mit verbis:
a)) gewicht haben:
α)) noch gelten solche werck und leiden alle nichts, denn sie haben das gewicht nicht, das ist: gottes wort und gefallen. Luther (pred. über 1 Mose 20) 24, 361 Weimar: 's ist zum krepiren, was 'n fideler kerl da gehudelt wird. habe mich zu hause nicht fuppen lassen, das weis er, und die kalfaden von kerls wolten mich scheren? ja die hätten's gewichte! 's giebt ja mehr schulen in der welt, 's musz ja eben da nicht sein. Karl Gutman in Halle. kein roman; sondern wahrheit im modekleide (1786) 152 (vgl. zeitschr. f. d. wortforsch. 1, 43); die schmach, die ... auf die familie des junkers fiel, war so grosz, dasz bei dem staatsbürgerlichen gewicht, das (im druck den) sie, als eine der ersten und edelsten, im lande hatte, nichts billiger und zweckmäsziger schien, als eine vergütigung der pferde in geld einzuleiten. H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 3, 204 Erich Schmidt.
β)) (Cassius.) eure stimme soll in der bevorstehenden austheilung der ehrenstellen so viel gewicht haben als

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irgend eines andern seine. Wieland Shakespeareübers. (3, 1) 5, 151 (be as strong as any man's, soll so viel ... gelten Schlegel); seine (des chores) stimme hatte ein doppeltes gewicht, wenn sie von einem andern platze, gleichsam als der unmittelbare ausspruch des schicksals und der gottheit selbst ertönte. W. v. Humboldt (über das antike theater in Sagunt) aufs. 89 Leitzmann; denen entgegen, welche Amerika noch immer für das land der zukunft halten, haben diese thatsachen ein ziemlich schlagendes gewicht. Th. Mundt Paris und Louis Napoleon 2 (1858), 44; die rechte des allerhöchsten reichs-oberhaupts haben ein grosses gewicht gegen diejenigen welche sich als reichsvasallen erkennen. Justus Möser Osnabrückische gesch. 1 (1768), 118; ein andrer, dessen zeugnisz ungleich mehr gewicht hat. Wieland (der goldne spiegel theil 1, 5) 6, 125;

'Bakis ist wieder auferstanden!'
ja! wie mir scheint in allen landen.
überall hat er mehr gewicht,
als hier im kleinen reimgedicht.
Göthe (zahme xenien 2) 3, 261;

Wolfs angriff ist mir unbegreiflich, je weniger gewicht der aufsatz seiner behauptung nach hatte, desto geringer war die gefahr. Wilh. v. Humboldt an Schiller (9. 11. 1795) Leitzmann s. 197; denn was Tacitus davon sagt ... ist zweitens offenbar gar zu lehrhaft ... auf die verweichlichten Römer gemünzt, als dasz es viel gewicht haben sollte. Grillparzer (studien z. deutsch. litt.) 185, 11; obgleich eine solche poetische sentimentalität im grunde das hauptmotiv aller derer ist, welche von uns die herstellung eines freien Polens verlangen, so sehen sie doch selbst ein, dasz ein solcher grund nicht viel gewicht hat. Wilhelm Jordan, s. stenogr. ber. d. Frankf. nationalvers. (2) 1144b; diese bedenken werden vielleicht in Hessen wenig gewicht haben, in Hannover und Sachsen groszes. Freytag an Treitschke 7. 7. 1866, briefwechsel s. 105;

eurer priester summende gesänge
und ihr segen haben kein gewicht.
Göthe (die braut v. Corinth) 1, 248.


γ))

dem pöbel blendet jedes falsche licht;
der freiheit name hat gewicht
für ihn; die freiheit selbst, für weise.
Göckingk ged. 3, 156;

es ist gewisz, dasz eine meinung sehr viel gewinnt, sobald ich weisz, dasz irgend jemand davon überzeugt ist, sie wahrhaft annimmt. freilich musz es auf eine art sein, deren ursache nicht gleich in die augen fällt. die autorität hat gewicht, denn sie macht eine meinung mystisch, reizend. Novalis (fragmente) 3, 125 Meiszner.
b)) gewicht bekommen, erlangen: ich glaube, meine vermuthung wird noch ein ausserordentliches gewichte mehr bekommen, wenn ich zeige, dasz ein Römer selbst .. einen gleichen fehler begangen habe. Lessing (ein vade mecum ...) 53, 248; aber diese ausschweifende forderung bekam ein furchtbares gewicht durch die heeresmacht, von der sie begleitet wurde. Schiller (30 jähr. krieg 2) 8, 180; (deshalb wird die gestalt) der Ophelia skizzirt gehalten, wogegen das, was die betrachtung über den unglücksfall sagen kann, ausführlichkeit und gewicht bekommt. Immermann (über den rasenden Ajax des Sophokles) 17, 437; nun aber sündiget der mensch jederzeit, wenn er sich wider etwas setzt, was herkommens ist bei seinesgleichen; dadurch kriegt die gleichgiltigkeit ein gewicht und hat folgen, wie pestilenz darnach kam, als David sein volk zählen liesz, weil das nicht herkommens bei den Juden war. (Münchhausen 2, 8) 1, 176; dann redete er von dem kohlenflötze im Fuchsberge. es bringe jetzt der gegend wenig nutzen, da dieselbe noch überflusz an der rothtanne habe; allein für die folge und für die ferne werde der Fuchsberg ein unermeszliches gewicht erlangen. Stifter (nachkommenschaften) erzähl. 1, 182 Aprent.
c)) bei gewicht geben im gegensatz zu verbindungen wie gut gewicht geben u. a. (vgl. sp. 5740) läszt sich der übergang von der sachbedeutung (pensum) zum eigenschaftsbegriff wirksam beleuchten.
α)) um seiner parthei ein gewichte zu geben, bedient sich Asouf des harlequins, eines einfältigen schäfers, welchen er den rebellen unter dem namen des prinzen Boulakis ... vorstellet. Lessing (theatral. bibl. 4) 63, 338; die kunst sich durch ein von allmosensuchender demüthigung

[Bd. 6, Sp. 5764]


weit entferntes dünne thun ein gewicht zu geben. Lichtenberg aphorismen 2, 170 Leitzmann; Kabels testament gab dem poeten noch mehr gewicht — — kurz Vult konnte kaum den künftigen tag erwarten, um nach Elterlein zu laufen. J. Paul (flegeljahre 1, 6) 26, 52;

wenn einer sich zu mir kehret:
geh, ruf ich, für und für!
du bist ein narr so gräulich! —
da macht er ein flämisch gesicht:
'du hausherr! wie abscheulich!
was gibst dir für ein gewicht'!
Göthe (parabolisch: valet) 3, 202;

darf ich dir wohl vertrauen: dasz, um der ersten sendung meiner neuen ausgabe ein volles gewicht zu geben, ich die vorarbeiten eines bedeutenden werkes, nicht in der ausdehnung, sondern in der eindichtung, wieder vorgenommen habe. Göthe (an Zelter 3. 6. 1826) 4, 171 Riemer; ubrigens hat er gewisz einen durchdringenden verstand, und weisz alle sachen wohl zu beurtheilen, worinne ihn denn seine wohlgesetzte wissenschaft ein ziemliches gewichte giebt. der Göttinger student auf der Plesse 1, 109; das meiste ist ... den individuellen umständen des jungen Stanhope angemessen, und da wo er dessen natur widerspenstig findet, sucht er manchen seiner regeln ein gewicht zu geben, das sie in einem allgemeinen system nicht haben dürften. Lichtenberg aphorismen 2, 191 Leitzmann; was dieser muthmassung noch das meiste gewicht geben muszte, wäre der hasz, den er beständig gegen die syncretisten geäussert hat. Lessing (rettung des inepti religiosi) 53, 351; meine ungeduld ... gab den vorstellungen so viel gewicht, dasz ... Wieland (Per. Proteus 1, 2) 27, 1; um desto unentbehrlicher waren die langen reden des Maximinus und Cinna in dem auftritte, wo August mit ihnen über den wichtigen punkt seiner abdankung zu rathe geht. hier muszten sie beider seite ihrer meinung mit allen wirklichen, mit allen scheingründen das gewicht geben. J. v. Sonnenfels briefe (Wiener neudrucke 7, s. 280); so muste auch hier das gutbefinden anderer in diesem zweifel den ausschlag, und meinem noch ungewissen entschlusse das gewicht geben. Hagedorn (versuch einiger gedichte; vorrede) Sauer s. 9.
β)) der königlichen societät der wissenschaften zu Berlin aber, sonderbare gütigkeit gegen dem verfasser, hat das gröszte gewicht, und den kräfftigsten trieb gegeben (zur verfassung des wbs.). Frisch vorbericht zu seinem wb. 1, 1b; auf der andern seite aber gab ihm (dem besitzer der allode) ein grosses gefolge der edelsten jünglinge gewicht und ansehen. Justus Möser Osnabrückische gesch. 1, 62; das verbot eines vortrages an dies publicum ist gerade das mittel, selbst einem unnützen wort ansehen, gewicht und aufmerksamkeit zu geben. Herder (humanitätsbriefe 5) 17, 306 Suphan.
γ)) Nicolaus von Diesbach, dem reichthum, gluth der jugend und demagogische künste gewicht gaben, verdrängte den friedliebenden mann. Stolberg (reise in die Schweiz) 6, 151;

mein leichtes wesen hätte ich längst wie spreu zerstreut,
doch schmerz um deine liebe verleiht mir noch gewicht.
Platen (gaselen 34) 1, 134 Redlich.

ein verirrtes volk,
berauscht von trübem feuereifer, gibt
gewicht den falschen wunden, breitet
parteigeist aus und reget innern sturm.
Göthe (Voltaires Mahomet 1, 1) 7, 150;

was ich gedacht ich eil' es zu vollbringen;
des herren wort es gibt allein gewicht.
vom lager auf, ihr knechte!
Göthe (Faust II, 5) 41, 318;

den besten köpfen sei das stück empfohlen,
der deutsche sitzt verständig zu gericht,
und möchten's gerne wiederholen,
allein der beifall gibt allein gewicht.
Göthe (zu Faust II. epilog um 1800: abkündigung) 15, 1 s. 344 Weimar;

Deutschlands lage foderte einen kaiser, der durch eigne hülfsmittel seinen entscheidungen gewicht geben konnte. Schiller (30 jähr. krieg 1. buch) 8, 27.

 

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