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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewettert bis gewicht (Bd. 6, Sp. 5707 bis 5709)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewettert, particip zu wettern (s. d.), mit eigenen gebrauchsformen: von einem schön gewetterten rothen sandstein. Hesekiel, vgl. Sanders 2, 1592; vom sturm der zeiten altersgrau und müde gewettert, die kleine todtenkapelle. W. Siegfried Fermont3 100.
 
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gewettgericht, selten gewettsgericht,n.: die schreiberei, so in alten lateinischen schriften grapheum genannt wird, die sind nicht allein geräumige zimmer zur gerichthaltung zweener untergerichte, welche das gewettgericht, und ohne beisatz das gericht genannt werden, sondern auch um und über diese zimmerbehältnisse und gefängnisse für arrestanten und verbrecher von verschiedenen gattungen. Niehenck gemeinn. aufs. z. den Rostocker nachrichten (1776) s. 8; das gewett oder gewette bezeichnet auch in Niedersachsen eine geldstrafe, wie brüche oder brüchte. das zur bestimmung der geldstrafe geordnete gericht, heiszt daher das gewettgericht oder wettgericht. doch nennen sich einige stadtgerichte in Niedersachsen (wie es scheint, mehrerer ehre halber) allezeit gewettgericht. Heynatz 2, 55; in späterer zeit hielten nur das gericht und das gewettsgericht ihre sitzungen in diesem gebäude (bei der Marienkirche nr. 24 zu Rostock), das auszerdem auch als gefängnisz diente. Koppmann beiträge z. gesch. d. stadt Rostock II, 3, 105; da ferner die gemeinde versammlungen nicht blosz zur verhandlung über städtische angelegenheiten, sondern zugleich zur erledigung von gerichtssachen in gebotenen und ungebotenen dingen dienten, so ist für die ungleiche stellung der gemeindeangehörigen ferner der umstand von bedeutung, dasz die handwerker ihren gerichtsstand nicht vor dem stadtgerichte (dem richtevoigte), sondern vor dem gewettgerichte hatten (den weddemeistern). Mann entwickl. d. Rostocker stadtverfassung in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1890) I, 1, 13; die am 20. juni 1906 ausgelosten schuldverschreibungen der 3 ^%igen Rostocker stadtanleihe ... sind vom 12. 1. 07 ab bei der stadtkasse ... in Rostock einzulösen. gegeben im gewettgerichte. Rostock 27. 12. 06. B ... gewettssekretär.
 
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gewettlauf, m. (vgl. DWB gewett 2): gewettlauff, bravium. oberd. vocab. des 15. jahrhs. Diefenbach - Wülcker 619.
 
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gewettsbuch, n.: da das verfahren, wonach sich ankläger und beklagter gleich zu anfang in die haft begeben, unseren juristen wohl nicht sehr bekannt sein wird, so hat vielleicht für jemanden die folgende eintragung aus einem Warnemünder gewettsbuche (von 1501 u. 1584) interesse. Brümmer verstrickung d. klägers u. d. angeklagten in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1898) II, 3, 106; gewettsbuch betr. das fischer und fischselleramt s. Koppmann ebenda I, 4, 87.
 
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gewettsherr, m.: aus dem alljährlich von dem gewettsherrn zu Warnemünde verkündigten mandat geht

[Bd. 6, Sp. 5708]


hervor, dasz der termin der schonzeit ... den Warnemündern gegenüber bereits 1606 ... geltend gemacht wurde. Koppmann a. a. o. II, 1, 49.
 
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gewettsstube, f.: ein inventar von 1794 macht auf der schreiberei die gewettsstube, die gerichtsstube und die alte gerichtsstube namhaft. Koppmann a. a. o. II, 3, 105.
 
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gewetze, n., verbalsubstantiv zu wetzen s. d.: wetzung ... das gewetze, executio, it. ostentatio, pompa, festus Stieler 2519.
 
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gewetzt , participiales adjectiv zu wetzen.
1) in den wörterbüchern, die das particip mit seltener übereinstimmung buchen, ist die grundbedeutung starr festgehalten. acutus, gewetzt ... scharff, spitzig Cholinus-Frisius 21a; genau so Cellarius 2; Dentzler 10; gewetzt, aguzzato Hulsius (1605) 63a; gewetzt, aguisé, acutus, executus Duez 199a; gewetzt, acutus Steinbach 2, 987; ähnl. Rädlein 1, 383a; Hederich 1, 1422. gewetzt, acutus, tribulatus Kirsch 2, 151b; ebenso Matthiae nov. locupl. manuale 181a.
2) auch der litterarische gebrauch, der schon in der zweiten hälfte des 17. jahrh. bezeugt ist, entfernt sich nicht weit von der belegten begriffsbestimmung. charakteristisch ist hier die enge verbindung mit scharf: die meisten belege fallen auf das compositum scharfgewetzt:

ach! diese sinds, die, wenn der frost wird schwinden,
... auch sich an dieser saate fruht
nach der betrübten tage flucht
mit scharffgewetzten sicheln machen.
Andreas Gryphius (oden 1, 3) lyr. ged. 207 Palm;

ein fauler wind kan keinen halsz zerbrechen;
ir seid ein junger printz, kans ja nicht anders sein,
ein scharf gewetztes stahl helt alle zungen ein.
Rachel (7: freundt 448) sat. ged. 98 neudr.;

nein! lieber lenk' du selber dein geschirr
ihn soll schon mein gewetzter speer empfahen. Ilias, übers. von
Bürger 5, 290 (schr. 3, 77; in der hexameterübers. v. 238 mit dem scharfen speere; bei
Voss: mit spitziger lanze);

es rasseln noch viel scharfgewetzte pfeile in unserm köcher. jeden, der uns was zuwider spricht, wollen wir nicht in ephemärischen rezensionen, sondern in Dunciaden, in gassenhauern, zum ewigen dauernden skandal prostituiren. Bürger (an Boie 19. 12. 1776) briefe 1, 381; anders: seeluft gewetzter appetit nationalzeitung 77, 377 s. Sanders ergänzungswb.
 
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gewic, gewich, s. gewicht II.
 
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gewichst , participiales adjectiv zu wichsen (s. d.). von der ursprünglichen bedeutung des verbums wichsen ausgehend (vgl. wihsen, wächsen, cerare. vocab. von 1483; vgl. Lexer 3, 883) nimmt unsere form im gegensatz zu gewächst (s. sp. 4740) auch die sonderbedeutungen auf, die sich in wichse und wichsen herausgebildet haben; aus ihnen endlich entwickelt sich übertragener gebrauch.
1) das particip in den verwendungen von gewächst; vgl. inceratus ... gewichszt Dasypodius F. 2b; gewichszt, inceratus Maaler 179c; gewichszt, gewächszt, ceratus Henisch 1599; ähnlich G. M. König 560a; Denzler 132a; Aler 936a; Kirsch 2, 151b; gewichst v. gewächst Rondeau 2, Uu 3b.
a) so richtend mir z ainen sarch der wol gebicht und gewichset sie, dar in sie nit versinken müg: villicht wird sie bewaret vor den merfischen und komet ze land und wird nach künglichen eren bestatet. Appolonius v. Tiria 110 Schröder; gewichset, ceratus (... in tabellis ceratis ...) C. Seidel port. lat. ling. s. 75;

man schälete die linden
und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden
mit grosser müh' und kost.
Fleming 125 Lappenberg;

wie er die damen ansichtig wird, fällt ihm der hut, und indem der gerettet werden soll, der stock; auf einem gewixsten fuszboden, wäre er wohl selbst hinten drein gefallen, mangel an gleichgewicht war hinlänglich da. Lichtenberg (vorschlag zu einem orbis pictus ...) verm. schr. 4, 155; gewichste flügel, federn, alae, pennae ceratae Aler 936a.
b) (die juden) toten om (dem müller) funf kinder bermelichin und vingen ir blut inn gewichste secke und ander gefesze. Joh, Rothe düringische chron. (471) Liliencron s. 388; und das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleip unversert in dem füre. Königshofen Straszb. chron.

[Bd. 6, Sp. 5709]


(d. städtechron. 8, 414); gewichstes tuch, tela cera illata teutsch. lat. wörterbüchlein (1713) 101; sonsten hatte sich der könig in Franckreich gegen diesen ambassadeur sehr hart hierüber beschweret. dasz die Engl. etliche todte cörper in eine gewichsete leinwad zusammen gerollet. Prätorius zodiakus mercurialis (1667) 98; gewichste leinwand s. wachsleinwand Chomel 4, 1048; ich versetzte, er solle mir nur die erlaubnisz geben, so getraute ich mich bis hinaus auf die wiesen zu fliegen, wenn ich mir ein paar flügel von feiner gewichs'ter leinwand machen wollte. Göthe (Benvenuto Cellini 2, 11) 34, 327.
2) das particip in den engeren verwendungen, die sich an wichse, wichsen entwickelt haben.
a) gewichset oder gewächset oder geschmieret lederne schuhe, waxed leather-shoes teutsch-engl. wb. 2, 772 (da neben faden, leinwand ebendort nur die form gewächst angesetzt ist, ergiebt sich für gewichst aus dieser verbindung bereits ein bedeutungsunterschied gegen gewächst); und den anzug nach unten vollendeten ein paar schuhe von gewichstem kalbleder. Joh. Gottw. Müller Siegfried von Lindenberg 106; bei uns zu lande giebt's keinen noch so schäbigen lumpen, der nicht ... dasselbe lied von seinen adeligen vorfahren zu singen wisse, und noch mit seinem angebornen wappen das conto für gewichste stiefeln siegelte. Gaudy (aus dem tagebuche eines wandernden schneidergesellen) 1, 191 Müller; das knarren seiner wohlgewichsten stiefel sagte einstweilen, ehe es die ballgäste thaten: ei, da ist er ja! da ist er ja! Otto Ludwig (zwischen himmel u. erde) 1, 180; von einem derselben (der corridore) blickte ich in ein kleines gärtchen, wo ich Napoleon en migniature aufgestellt sah, mit gewichsten stiefeln und hütchen. Fr. Hebbel tagebücher (11. 5. 1844) 2, 398 Werner.
b) an beiden ohren die schneidigen lockensechser hübsch glatt gewichst. Rosegger idyllen (zur weihnachtszeit); (der) durch ein krampfhaftes drehen des wohlgewichsten schnurrbarts ... innere bewegung verriet. Friedr. Halm (die marzipanliese) 4, 12 Schlossar.
3) der übertragene gebrauch vgl. een gewikste vent Schuermans 155a; gewickst, knap, schrander, uitgeslapen J. Winkler fries. wb. 1, 455a; gewixt, er ist ein gewixter, quem usus erudivit; scitus; fallaciarum artifex; doctus. G. Th. Serz teutsche idiotismen 55a; gewickst, gewandt, 'n gewickster mensch C. Chr. L. Schmidt Westerwäld. idiot. s. 328 (erinnert an ofwickse, sich prächtig herausputzen, jemand aufs ohr hauen); gewixt und gewürfelt bedeuten beide fast einerlei: gewandt, versatilis, versutus W. F. H. Reinwald Henneberg. idiot. 2, 51 (stellt gewixt etymologisch zu fix und witz); er war, was man in Deutschland einen gewichsten jungen mann zu nennen pflegt, ein stutzer; er hatte blonde in die höhe strebende haare ... niedere stirne ... über dem mund hing ein stutzbärtchen, dessen enden hinaufgewirbelt waren ... seine kleidung wie seine sitten schien er von verschiedenen nationen entlehnt zu haben. W. Hauff memoiren des Satan 1. teil 18. cap.; geschniegelt und gewichst, vom wollenen zopfband und den gepuderten ohrlocken bis zur breiten kamaschenzunge auf den stumpfschuhen, hielten sich alle puppenartig steif, im damaligen stil der reichsarmee. Heinrich Koenig die clubisten in Mainz 1, 105; da hatten wir vor nicht langer zeit einen freiwilligen, der hiesz Laufer; er hatte was gelernt und hätte es vielleicht zum offizier bringen können, denn es war ein gewichster kerl, der einem was weis machen konnte; doch trieb er gar zu viel unsinn. Hackländer das soldatenleben im frieden, nach Kurz, gesch. d. litt. 43, 753a; von dem früheren gewichsten, frischen und muntern wesen war wenig mehr bei ihm zu finden. J. Gotthelf Hans Ioggeli (volksschr. Zürich 1893); aus diesen belegen ergeben sich zweierlei richtungen des übertragenen gebrauchs: die eine zielt wie gerieben, gewürfelt u. a. auf das glatte, abgeschliffene, vgl. gewixt für fein, pfiffig Castelli 159; die andere zielt in anlehnung an geschniegelt und gebügelt auf das blanke, saubere, vgl. das studentische subst. wichs. beide richtungen lassen sich ungezwungen auf wichsen (mit wachs, wichse blank reiben) zurückführen.
 
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gewicht I, n. , nebenform zu geweih s. sp. 5433 ff.
1) die belege für diese mit dem t-suffix gebildete form setzen später ein als die auf geweih hinleitenden zeugnisse,

[Bd. 6, Sp. 5710]


sie fallen erst in das ende des 16. jahrh. die ältesten zeugnisse weisen an den Rhein und zwar in dessen südliche gebiete: Elsasz, Pfalz und Hessen; ihnen schlieszen sich schlesische und für den anfang des 18. jahrh. auch Augsburger belege an. die bayrisch - österr. mundarten kennen nur die diminutivform gewichtel (s. d.), die sich auf den rehbock beschränkt, während gewicht nur vom hirsch gebraucht ist.
a) im inlaut ist der kurze stammvocal zwar kein hindernisgrund gegen die erklärung des substantivs aus gewîge, aber er läszt doch die ableitung aus gewegen, der oben aus innern gründen der vorzug gegeben wurde, auch formell als näher liegend erscheinen. der guttural ist vereinzelt, ebenso wie bei gewicht II (pondus) mit g wiedergegeben, doch ohne dasz dadurch ein verschluszlaut gekennzeichnet werden soll: gewigte neben hirschgeweih bei Erasmus Francisci lust. schaubühne 2, 128.
b) den auslaut bildet der dental; später macht sich auch hier wie bei gewicht II die analogie der andern neutra mit dem präfix ge geltend: gewigte Erasmus Francisci; gewichte bei Gryphius, Riedinger, ebenso Döbel 1, 17b; Chomel 4, 1059. eingebürgert haben sich diese formen jedoch nicht.
c) der plural ist oberdeutsch in der erweiterung mit r belegt: gewichter, gewichtern; an stelle des neutrums, das durchaus überwiegt, will Heynatz ein masculinum beobachtet haben.
2) die litterarischen belege zeigen die beschränkung auf den hirsch noch in stärkerem grade als sie oben bei geweih festgestellt wurde: da sihet nun Faustus hinüber in der ritter losament, einen schlaffendt unter dem fenster liegen ... doch der geist Mephostophiles ... zauberte jhm also ... ligend, ein hirschgewicht uff den kopff. als er nun erwachte ... kondte er mit seinem hirschgewicht weder hinder sich, noch für sich. volksbuch vom doctor Faust (neudr. 7) s. 76;

du hast ein hirschkopff, und gewicht,
und gantz nicht ein menschlich gesicht.
Isaac Gilhusius grammatica (1597) (3, 8) s. 83

ach hett ich jetzt in meiner gicht,
gleich einem hirsch ein starck gewicht,
mit macht wolt ichs in dein hertz stossn,
dasz du verführst klein und grossn. (3, 2) s. 64.

mit wolffbären und hirschhäuten, daran theils noch die gewichter oder gehörn waren, gezieret, welches förchterlicher war anzusehen. Moscherosch Philander v. Sittewald (2, 1) 620; voll hirsch - gewicht und anderer thiere gehörns an den wänden (2, 1) s. 604; denn sie hatten jhn (den hut) zum schauspiel in den saal an ein hirschgewicht hencken lassen (2, 1) s. 627; hirschgewicht auch bei Tabernaemontanus kräuterbuch 1197; (page) ... dasz er das jägerhorn von seinem halse riesz, und mit demselben nach dem hirschen warff. (Camilla:) damit wird er ihm zweiffels ohn das gewichte in stücken zerschmissen haben. Gryphius horribilicribrifax (2. aufz.) s. 25 neudr.; weil er lange mit den läppischen sitten zu kämpffen hat, dann diese kan man nicht so leichtlich ablegen, wie die schlangen ihre häute, die krebs ihre schalen, die hirsche ihre gewichter. Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. (3, 9 reisebeschreib. nach d. oberen neuen mondswelt) 3 (1713), 623; wiewol derselbige nam, andern theils, auch von dem hohen gewigte ihres kopffs herrhrete, welches die gestalt etlicher zweige von den eichenbumen htte: unter solchen hrnern, wren zwei, welche grszer denn das dritte, und eben an dem ort steckten, da das hirsch-geweih zu sitzen pflegt. Erasmus Francisci lust. schaubühne 2, 128; da erblickte er unversehens einen jäger, welcher einem hirschen nachsetzt, der mit rücklingsgeworffenem gewigte vor ihm, und seinem birsch-rohr, flohe. höll. Proteus 548; ein flüchtiger hirsch mit seinen gewichtern homo simplex (Augsburg 1701) nach Birlinger schwäb. Augsb. wb. 195a; anno 1712 haben ihro churf. durchl. zu Trier Franc. Ludovicus disen hirsch, dessen gewichte in der höhe 3 schuh und 32 ende gehabt ... selbst gepürschet. inschrift unter einer radierung Riedingers;

auch einen schlanken sah ich, der auf dem haupt zum schmuck
gewichte trug, die einmal er ab nur legt' im jahr.
Rückert (37 makame) 11, 505 (anm.: der hirsch; gewichte, geweihe).

[Bd. 6, Sp. 5711]



3) in den wörterbüchern taucht die nebenform spät auf, zuerst in einer gegend, der sie landschaftlich zusteht. bald wird sie aber auch dort gegen die hauptform abgewogen und später als veraltet abgelehnt. für das thatsächliche fortleben darf die zähigkeit, mit der die wörterbücher der jägersprache unsere form hegen und pflegen, kaum als zeugnis gelten; eher noch die buchung in den mundartlichen wörterverzeichnissen, die sich aber anscheinend auch mehr auf alte überlieferung stützen. bei Lenz vgl. wb. des Handschuhsheimer dialects 28a ist nur die form kewei als lebendig festgestellt.
a) charakteristisch ist die darstellung bei Duez, der als erster von unserer form notiz nimmt. in seiner nova nomenclatura (1652) gebraucht er die form gewicht als normalform: la teste de dix cors, ein gewicht von zehen enden s. 189; la teste, le bois, la rameure, das gewicht ebenda; teste fourchée, gablicht gehörn oder gewicht. dagegen wird im wörterbuch von 1664 gewei vorangestellt und unter gewicht eines hirsches (s. 199a) einfach auf das erste verwiesen. dazu vgl. gewicht der hirsch, cornua cervorum Aler 936a; geweih sagt man auch vom gehörne des hirschen, welches noch einige als gewicht aussprechen, wovon es scheint den namen zu haben Frisch 2, 445c. der gewicht für das geweih ist veraltet. Heynatz 2, 55; vgl. auch Hilpert 2, 1, 464b.
b) geweihe, geweyhe, oder gehörne, ingl. gewichte, nennet man nach der jäger - sprache die hörner des hirsches. Chomel 4, 1046; gehörn, gewicht, geweihe, gestänge; auf diese verschiedene art werden des hirsches hörner henennet. Heppe wohlredender jäger s. 149; der hirsch hat auf dem kopfe ein gehörn, heiszt auch ein geweihe, oder auch ein gewichte. Döbel neueröffn. jägerpractica 1 (1783), 17b; gewicht sagt man auch für geweih. H. Laube jagdbrevier 258.
c) gewicht, n., hirschgeweih, (in der mehrzahl) gewichter Stalder 2, 446; gewicht, n., die ältere, auch in Hessen üblich gewesene, theilweise (am Knüll) noch immer übliche form des neuen wortes geweih. Vilmar idiot. von Kurhessen 452. das gewicht = geweih Himmelstoss aus dem bayr. wald (Bayerns mundarten 1) 255.

 

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