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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewetten bis gewic (Bd. 6, Sp. 5706 bis 5708)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewetten, gewedden II, verb. ableitung zu wette, gewette s. o.; vgl. nieman sol dekeine wette werden,

[Bd. 6, Sp. 5707]


wan dem auch gewettet ist (nulli solvenda est compositio, nisi cui facta est compositio) altes Straszburger stadtrecht bei Gaupp s. 56: sve herberget oder spiset wetenlike enen vervesten man, he mut dar umme gewedden. ne weit he's aver nicht, he untredet dat gewedde mit siner unscult. sachsenspiegel landrecht 3, 23 Homeyer3 318; ähnl. 2, 12, § 8; 2, 42, § 4; u. a. sve so ungerichte klaget up enen, die dar nicht so jegenwarde n'is, kumt he sedervore, unde ne klaget jene up ine nicht, he mut deme richtere gewedden unde jeneme gebüten. 2, 8, § 1 ebenda 234; ähnl. 2, 11, § 1; 2, 12, § 5; scilt en man en ordel na der vulbort unde ne vulkumt he's nicht mit rechte, he mut dar umme gebüten deme die't ordel vant unde allen den die's gevolget hebben, he ne hebbe gesprekes gebeden vor der vulbort. die herre ne gewint aver nicht den en gewedde dar an, wende't n'is nicht recht, dat man enen manne umme ene sake tvies oder dries gewedde (var. leszet wetten; to wedde dreve; beʒʒere; berede; beclage). sachsensp. lehnr. § 69, 11 Homeyer 1, 282; von der scheppen missehandelunge. ab ein scheppe in gehegetem dinge uf der bank mit unbillichin worten von eime andirn manne missehandilt wurde. volkummet des der scheppe mit andirn sinen bankgenossen das si is gehort haben. iener mus den scheppen vorbussen und deme richter gewetten. altes Kulm. recht (2, 2) Leman s. 22 (var. sin gewette); vgl. DWB gewedden Verwijs u. Verdam 2, 1871.
 
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gewetter, s. gewitter.
 
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gewettert, particip zu wettern (s. d.), mit eigenen gebrauchsformen: von einem schön gewetterten rothen sandstein. Hesekiel, vgl. Sanders 2, 1592; vom sturm der zeiten altersgrau und müde gewettert, die kleine todtenkapelle. W. Siegfried Fermont3 100.
 
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gewettgericht, selten gewettsgericht,n.: die schreiberei, so in alten lateinischen schriften grapheum genannt wird, die sind nicht allein geräumige zimmer zur gerichthaltung zweener untergerichte, welche das gewettgericht, und ohne beisatz das gericht genannt werden, sondern auch um und über diese zimmerbehältnisse und gefängnisse für arrestanten und verbrecher von verschiedenen gattungen. Niehenck gemeinn. aufs. z. den Rostocker nachrichten (1776) s. 8; das gewett oder gewette bezeichnet auch in Niedersachsen eine geldstrafe, wie brüche oder brüchte. das zur bestimmung der geldstrafe geordnete gericht, heiszt daher das gewettgericht oder wettgericht. doch nennen sich einige stadtgerichte in Niedersachsen (wie es scheint, mehrerer ehre halber) allezeit gewettgericht. Heynatz 2, 55; in späterer zeit hielten nur das gericht und das gewettsgericht ihre sitzungen in diesem gebäude (bei der Marienkirche nr. 24 zu Rostock), das auszerdem auch als gefängnisz diente. Koppmann beiträge z. gesch. d. stadt Rostock II, 3, 105; da ferner die gemeinde versammlungen nicht blosz zur verhandlung über städtische angelegenheiten, sondern zugleich zur erledigung von gerichtssachen in gebotenen und ungebotenen dingen dienten, so ist für die ungleiche stellung der gemeindeangehörigen ferner der umstand von bedeutung, dasz die handwerker ihren gerichtsstand nicht vor dem stadtgerichte (dem richtevoigte), sondern vor dem gewettgerichte hatten (den weddemeistern). Mann entwickl. d. Rostocker stadtverfassung in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1890) I, 1, 13; die am 20. juni 1906 ausgelosten schuldverschreibungen der 3 ^%igen Rostocker stadtanleihe ... sind vom 12. 1. 07 ab bei der stadtkasse ... in Rostock einzulösen. gegeben im gewettgerichte. Rostock 27. 12. 06. B ... gewettssekretär.
 
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gewettlauf, m. (vgl. DWB gewett 2): gewettlauff, bravium. oberd. vocab. des 15. jahrhs. Diefenbach - Wülcker 619.
 
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gewettsbuch, n.: da das verfahren, wonach sich ankläger und beklagter gleich zu anfang in die haft begeben, unseren juristen wohl nicht sehr bekannt sein wird, so hat vielleicht für jemanden die folgende eintragung aus einem Warnemünder gewettsbuche (von 1501 u. 1584) interesse. Brümmer verstrickung d. klägers u. d. angeklagten in: beiträge z. gesch. d. stadt Rostock (1898) II, 3, 106; gewettsbuch betr. das fischer und fischselleramt s. Koppmann ebenda I, 4, 87.
 
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gewettsherr, m.: aus dem alljährlich von dem gewettsherrn zu Warnemünde verkündigten mandat geht

[Bd. 6, Sp. 5708]


hervor, dasz der termin der schonzeit ... den Warnemündern gegenüber bereits 1606 ... geltend gemacht wurde. Koppmann a. a. o. II, 1, 49.
 
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gewettsstube, f.: ein inventar von 1794 macht auf der schreiberei die gewettsstube, die gerichtsstube und die alte gerichtsstube namhaft. Koppmann a. a. o. II, 3, 105.
 
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gewetze, n., verbalsubstantiv zu wetzen s. d.: wetzung ... das gewetze, executio, it. ostentatio, pompa, festus Stieler 2519.
 
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gewetzt , participiales adjectiv zu wetzen.
1) in den wörterbüchern, die das particip mit seltener übereinstimmung buchen, ist die grundbedeutung starr festgehalten. acutus, gewetzt ... scharff, spitzig Cholinus-Frisius 21a; genau so Cellarius 2; Dentzler 10; gewetzt, aguzzato Hulsius (1605) 63a; gewetzt, aguisé, acutus, executus Duez 199a; gewetzt, acutus Steinbach 2, 987; ähnl. Rädlein 1, 383a; Hederich 1, 1422. gewetzt, acutus, tribulatus Kirsch 2, 151b; ebenso Matthiae nov. locupl. manuale 181a.
2) auch der litterarische gebrauch, der schon in der zweiten hälfte des 17. jahrh. bezeugt ist, entfernt sich nicht weit von der belegten begriffsbestimmung. charakteristisch ist hier die enge verbindung mit scharf: die meisten belege fallen auf das compositum scharfgewetzt:

ach! diese sinds, die, wenn der frost wird schwinden,
... auch sich an dieser saate fruht
nach der betrübten tage flucht
mit scharffgewetzten sicheln machen.
Andreas Gryphius (oden 1, 3) lyr. ged. 207 Palm;

ein fauler wind kan keinen halsz zerbrechen;
ir seid ein junger printz, kans ja nicht anders sein,
ein scharf gewetztes stahl helt alle zungen ein.
Rachel (7: freundt 448) sat. ged. 98 neudr.;

nein! lieber lenk' du selber dein geschirr
ihn soll schon mein gewetzter speer empfahen. Ilias, übers. von
Bürger 5, 290 (schr. 3, 77; in der hexameterübers. v. 238 mit dem scharfen speere; bei
Voss: mit spitziger lanze);

es rasseln noch viel scharfgewetzte pfeile in unserm köcher. jeden, der uns was zuwider spricht, wollen wir nicht in ephemärischen rezensionen, sondern in Dunciaden, in gassenhauern, zum ewigen dauernden skandal prostituiren. Bürger (an Boie 19. 12. 1776) briefe 1, 381; anders: seeluft gewetzter appetit nationalzeitung 77, 377 s. Sanders ergänzungswb.
 
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gewic, gewich, s. gewicht II.

 

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