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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerkvereinler bis gewerre (Bd. 6, Sp. 5675)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerkvereinler, m.: es ist wiederholt im verbandsorgan aufgefordert worden, dasz die mitglieder ... möglichst gewerkvereinler wählen sollen. ebenda s. 247.
 
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gewerkvereinsbehörden, -bestrebungen, -gelder und andere composita siehe in den verhandlungen der verbandstage deutscher gewerkvereine. im folgenden sind nur einige characteristische typen ausgehoben.
 
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gewerkvereinsbewegung, f., vgl. DWB gewerkschaftsbewegung: Kempel die christliche und die neutrale gewerkvereinsbewegung Mainz 1901.
 
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gewerkvereinsleitfaden, m. prägung aus dem engeren kreise der Hirsch-Dunckerschen gewerkvereine.
 
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gewerkvereinsleitung, f.: J. Timm aus dem entwicklungsgang der deutschen gewerkschaftsbewegung 42. O. Müller 156.
 
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gewerkvereinspresse, f., vgl. oben gewerkschaftspresse.
 
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gewerkvereins-sache, f.: dasz er ... dieselbe begeisterung für die gewerkvereinssache habe wie früher. verhandlungen des verbandstages der deutschen gewerkvereine s. 98.
 
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gewerkvereins-statut, n.: beratung eines gewerkvereinsstatuts O. Müller christl. gewerkschaftsbeweg. 43; ebenso Timm 42.
 
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gewermuthwein, m., mit eigenartiger function des präfixes in der composition von wermuth und wein: (die kranke) drank nit vil anders dan gewermut wein und was arzenei sunst darzu dienet. buch Weinsberg 2, 254 Höhlbaum.
 
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gewern, verb., mundartliche erweiterung des unter geuen, geuwen (vgl. sp. 4634) besprochenen verbums: gewern, schwatzen. Hertel Thüring. sprachschatz 105; vgl. DWB geuwern, DWB mit dem munde schnappen. Schmeller 12, 862.
 
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gewerre, n. verbalsubstantiv zu werren, wirren (s. d.), vgl. auch gewirr, wirrsal, wirrung.
1) das neutrum reicht weit in die ältere sprache zurück und ist dort anfangs vor einfacheren bildungen bevorzugt, wie dem fem. werra, werre (s. Graff 1, 945; mhd. wb. 3, 746a), dem das ital. guerra, franz. guerre entsprungen sind, und vor dem masc. werre (mhd. wb. 3, 746b). ob die formen mit präfix, soweit sie für das genus keinen anhaltspunkt gewähren (vgl. die häufigen pluralformen), alle dem neutrum zugezählt werden dürfen, ist fraglich, da nachweislich auch das fem. und das masc. je einmal mit dem präfix belegt sind, ohne in der bedeutung abzuweichen: paupertas generat humilitatem, humilitas generat pacem, pax divitias, divitiae superbiam, superbia gewerram, gewerra paupertatem. Windberger codex 221, s. Schmeller a. a. o.;

hinnân ich appelliere
und ziuhez für die Minne,
diu ist ein rihterinne
billich in disen sachen,
sî sol ein ende machen
und disen gewerren scheiden:
jâ würde er von uns beiden
ze rehte nimmer ûʒ getragen.
Heinzelin vol Konstanz (v. d. ritter u. v. d. pfaffen 357) Pfeiffer s. 112.

vgl. auch: wirt aber kain werre unter in, daʒ man niht enweiz, aus welcher grueb er den ganck enphangen hab. bergrecht von Iglau s. 14 Tomaschek u. a. die verwendungen unseres verbalsubstantivs lassen sich auf die grundbedeutung wirrsal, wirrung zurückführen (vgl. auch gewerren, verwirrung pfälzer glossen d. 14. jahrh. in Mones anzeiger 8, 500), diese erscheint in den ältesten belegen in politischer, staatsrechtlicher richtung verengt als seditio. in gleicher richtung, aber etwas weiter gefaszt, ist die bedeutung krieg bei Otfrid und Jeroschin vertreten, sonst überwiegt in der mittelhochdeutschen zeit die mehr auf privatrechtliche verhältnisse gerichtete bedeutung zwiespalt, zwietracht. auf diese weisen vor allem formelhafte verbindungen hin wie gewerre unde nît, gezänck und gewerre und das vielverwendete

[Bd. 6, Sp. 5676]


ein gewerre machen. in dieser verwendung dringt gewerre auch in die neuere sprache über, wo es sich auf mitteldeutschem boden (bei Luther) und in niederdeutsch beeinfluszten denkmälern hält. hier setzte sich auch der volle auslaut fest, während die älteren dem oberdeutschen gebiet angehörenden zeugnisse die bekannten neigungen zur apocope und zur kürzung der liquida zeigen, soweit nicht innerhalb des verses andere einflüsse wirken. diese neigung zur apocope ist auch auf die neuere schriftsprache von einflusz gewesen; noch ausschlieszlicher giebt letzere in der färbung des stammvocales den oberdeutschen neigungen nach, die schon früh für die erhöhung des e-lautes vor dem i der suffixsilbe zeugen (gewier Teufels netz; gewirr, gewerr Welser und Werlichius, verwirrung bei Dasypodius, wirren bei Maaler), vgl.spähne und gewirre schon bei Schütze Preuszen (1599) 220b. das weitere siehe unter gewirr.
2) überblick über die gebrauchsformen des verbalsubstantivs gewerre.
a) entwicklung des begriffes zwiespalt, wirrniss in der richtung auf das öffentliche leben, gewerre = seditio, aufruhr, krieg.
α) seditiones, giwer, ungazumft Tegernseer und Regensburger glossen des 9—12. jahrh. zu den Canones Steinmeyer-Sievers 2, 98 und 108.

quadun, er ni wolti, thaʒ man zins gulti,
thie liuti furdir mera in thes keiseres era;
joh er thie liuti alle spunni zi giwerre,
zi groʒemo urheize,
Otfrid 4, 20, 23 Erdmann;

künigin, gern het ich das landt.
nu hand sich mein rt ertrant:
ainer rät hin, der ander her.
ich sorg vil grosser gewer',
wann ich mit heres kraft
an dem land hart würd sighafft:
es sind darinn stoltz tegen,
gen hertten streitten gewegen. Friedrich v. Schwaben 5530 Jellinek;

vgl.:

der herr schickt nach dem vogt schier.
sagan, wie machstu mir ain gewier?
die buren tuond all zuo mir lauffen,
du wollest in hutt und har abstrouffen. des teufels netz 7956 Barack.


β) das oppher ist nicht genäm Christo dem herrn wo das herz ist vol krieg und gwern. handschr. von San Nicola 232, s. 47b bei Schmeller 22, 979; vgl. auch gewerra sp. 5675; tempore gewerre Aldersbacher handschr. (14. jahrh.) s. Schmeller a. a. o.

der herzoge ûʒgezogin was
durch sache ein teil verre.
dô hûb sich abir ein gewerre:
der Prûzin quam ein michil schar
und hertin her und dar
zu Polen in dem lande
mit raube und mit brande.
Nicolaus v. Jeroschin 1891 Strehlke;

instrumentum nouum domini H. comitis Goricie ... super dampnis et accionibus que habuit ad ecclesiam occasione gewerre inter dominum episcopum Em. et Raeotenbergeri(um) in Marchia dudum mote. notizbuch Konrads iii. von Freising (1318) in fontes rer. Austr. ii, 36 s. 138, ebenda auch tempore gewerre.
b) die entwicklung des begriffes verwirrung, wirrnis, zwiespalt in der richtung auf das privatleben.
α)

si wurden ouch des niht behuot,
in wüechse grôʒ gewerre,
daʒ manic rîcher herre
wart von ungerihten arn. kaiserchron. anhang 2, 13
Schröder;

daʒ dise hêrrin lâgín tôt,
der pabst, der patriarke,
ein legât unde der starke
kunic von Naverre.
diʒ schûf sulch gewerre,
daʒ der hêrrin iclîch schît
kegn lande hin mit sînre dît.
Nicolaus v. Jeroschin 15776 Strehlke.


β)

sol aber zwischen Angelburg unnd úch, her',
gefgt werden nid oder gwer',
desʒ wll wir enberen
unnd da von keren. Friedrich von Schwaben 5414 Jellinek;

eʒ was getempert in ein vaʒ
beide zorn unde haʒ,
dar zuo gewerre unde nît,
beide haʒʒen unde strît. von dem übelen weibe 41 Haupt s. 9;

[Bd. 6, Sp. 5677]


daselbst schlossen die Behmen, nach vielem geznck und gewerre, dasz entweder der Polen knig Casimirus, oder sein ltester son, knig in Behem sein sollte, Joach. Curaeus schles. chron. (1) (1585) 217 Schickfus.
γ) formelhafte verbindungen mit verbis:
1)) ir armen liute, ir sult ouch under einander fride machen, niht einez zuo dem andern gên unde sagen bœsiu dinc unde gereizen unde gewerre machen. Berthold von Regensburg (4) 1, 56 Pfeiffer; alse wi denselben Tilen ut deme rade gelaten hadden, don arbeide he von frunden tu frunden, wie he twidracht und gewer makede, tuschen den radmannen und den gemeinen borgern. berlinisches stadtbuch (4, 2) Fidicin (beitr. 1, 179); darauer schullen wi von dem suluen sinem slote nene krige feide edder gewerre mit nemende anheuen edder maken. urk. v. 1439. cod. dipl. Brandenb. i, 5 s. 404 riedel; das nicht etwa eine bitter wurtzel auffwachse, und unfriede anrichte. (var. und ein gewerre mache). Luther Hebr. 12. 15; ists nicht eine grosse boszheit und betrug des Satans, das er diese gottes ordnung (die ehe), so durch göttlich und natürlich recht ... zusammen verbunden ist, so schendlich betrüben, verwüsten, und ein solch gewerre darein machen sol? Luther tischreden (vom ehestand) (1566) 431b; die hochzeit lang auffzihen, und auffschieben, ist seer fehrlich, weil der Satan gern hindernis, und viel gewerres machet, durch böse zungen, verleumbder, und von beider teilen freunden. 432b;

wo noch solch orenplaser sein,
die machen gen der herschaft grosʒ gewerren,
drch sie wirt manig redlich mon
in den kessel gehawen,
H. Sachs (der unschuldige esel 54) fab. u. schw. 3, 119;

hœrnach den 15. junij (1530), kame key. may ... sampt seinem bruder ... und dem bäpstischen legaten, cardinale Laurentio Campegio (welcher auff diesem reichsztag gleicher weisz wie Davus beim Terentio ein gwirr gwerr gemacht) allhie an. Welser und Werlichius Augsb. chron. 3, 18; nemant van uns schal veide, twidracht effte gewerre jegen welke van buten maken effte bewegen, edder dede heft edder hedde veide edder gewerre. urk. v. 1668 im urk.-buch v. Lübeck 3, 708.
2)) da sie (die Ätolier) aber sahen, dasz sich niergend etwas zu dem kriege bewegen oder regen wolte, gedachten sie, man mszte dannoch einen handel und gewerr anrichten (agitandum aliquid miscendumque rati). Livius (35, 12) deutsch (Rihel 1574) s. 494; in der tit, alse nhu hertoch Philips stiefmoder ein jar jm liff gedinge geseten hedde und tuschen hertoch Philips und ehr dorch de jennen, de bi er weren, vele gewerres angestiftet wurt. Kantzow chron. v. Pommern 206 Böhmer.
3)) daz ich aber solt widderruffen meine lere, da wirt nichts ausz, darffs ihm auch niemant furnehmen, er wolt denn die sachen noch in ein grosser gewirre treiben (var. gewerre). Luther (sendbrief an pabst Leo) 7, 9 Weimar; von sternen behalt die regel, dasz sie sind desz himmels kegel, welche die sternkogler nach vortheil, und wie sie wöllen in gewerr setzen, wann sie eins grössern liechts scheinen, als sie sonst pflegen, bedeuts wind von derselben gegend. Fischart aller practik groszmutter (bei Scheible 8, 559).
c) auf weitere bedeutungsentwicklung weisen mundartliche zeugnisse neuerer zeit: jewärre, gewirr, dann soviel wie eingeweide, auch gebr. v. d. einzelnen teilen einer maschine. Jecht Mannsfelder mda. 42; gewerre (gewirre), krummstroh C. Bruns volksw. d. provinz Sachsen 9b.
3) über die sippe unseres wortes hinaus greifen formen wie die gewerr als verstärkte form zu die werr, die wern, blutgeschwür im augenlied, gerstenkorn Schmeller 22, 980. 1002. fraglicher ist dies für gewerre, werre, die erdgrille, reitwurm gryllus gryllotalpa; hier könnte man aus der thätigkeit des thierchens (vgl. reitwurm, reutwurm) auf die bedeutungsgemeinschaft des namens mit der sippe von werren, wirren schlieszen. vgl. z. b. krûtwerre, vgl. DWB werre bei Campe und bei Lenz nachtrag zum Handschuhsheimer wörterverzeichnis s. 20.

 

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