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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerksartikel bis gewerkschaftsbewegung (Bd. 6, Sp. 5659 bis 5667)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerksartikel, m., vgl. die entgegengesetzte bedeutung von gewerbsartikel: (der gesell, der meister werden will, soll) erweisen, dasz er seine profeszion in denen bei jeden handwerke gewöhnlichen und in den confirmirten gewerksartikeln gesetzten jahren erlernet ... habe. preusz. handwerksordn. für Westpreuszen 1774 (art. 8) bei Ortloff 79.
 
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gewerksassessor, m., vgl. DWB gewerbeassessor: ferner gelobe ich, dem von einem e. e. rath dem gewerk zugeordneten herrn assessori ... respect zu bezeigen. eidesformel für innungsvorstände bei Rohrscheidt s. 4; doch müssen letztere sowohl, als erstere (die zusammenkünfte) niemals ohne vorwissen und beisein des gewerks-assessoris ... geduldet werden. handwerksordn. f. Westpreuszen von 1774 bei Ortloff 75; in gemässheit der verordnung vom 4. mai 1806 wurde in Königsberg am 28. october desselben jahres in dem hause des ältermanns der zunft, meisters Volkmann, und vor dem gewerks-assessor die auflösung des webergewerks vollzogen. Rohrscheidt vom zunftzwange 214.
 
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gewerksauflösung, f.: aus dieser charakteristischen remonstration ersieht man recht deutlich, zu welcher ungeheuren aufregung die absicht der gewerksauflösung unter den zunftgenossen veranlassung gab. Rohrscheidt vom zunftzwange 211.
 
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gewerksbeisitzer, m., vgl. gewerbebeisitzer: die rechnung ... soll der altmeister ... in gegenwart des gewerksbeisitzers ... justificiren. generalprivil. des gewerks von Brandenburg (1733) bei Ortloff 60; wir gebieten und befehlen ... keine contraventiones dagegen (gegen die handwerksordnung) zu verstatten, als weszhalb auch die fiscäle, nicht minder die gewerksbeisitzer jedes orts vigiliren ... müssen. handwerksordn. für Westpreuszen 1774

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(art. 49) bei Ortloff 104: am 24. januar 1774 erschien in deutschem und polnischem text die handwerksordnung für Westpreussen. jedes gewerk war verpflichtet, davon 3 stück zu kaufen, und zwar 1 für die lade, 1 für den gewerksbeisitzer und 1 für den ältermann. Rohrscheidt vom zunftzwange 174.
 
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gewerksbeschädiger, m.: sollte auch etwa einige von gewerks-beschädigern gemachte arbeit auf der vendette, oder anderswo in der stadt öffentlich zum kauf ausstehen, so mögen die elterleute oder meistere des beschädigten gewerks einen von des rahts amts-dienern ansprechen. neu-revidirte willkür der stadt Danzig (1761) 132.
 
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gewerkschaft, f. , im gegensatze zu gewerbschaft (s. d.), das ein nomen actiones ausprägt und nur in ganz vereinzelten ausnahmen der collectivbedeutung sich nähert, ist gewerkschaft in seinen neueren verwendungen durchaus collectivum und in dieser function auf die kennzeichnung von personen beschränkt. in dieser kennzeichnung aber spaltet sich der gebrauch des collectivums nach zwei richtungen. die sondersprache des bergbaus knüpft in dem ersten compositionstheil an das masc. gewerke mit der bedeutung eines unternehmers an, der allgemeinere schriftgebrauch führte die bedeutung eines arbeiters ein, wobei offen bleibt, ob an das nomen agentis gewerke oder an das collectiv gewerk zu denken ist. sprachlich ist die anlehnung an gewerke zunächst nicht so einleuchtend, weil dann auf gewerkenschaft zu schlieszen wäre, immerhin bietet auch eine unmittelbare weiterbildung des apokopierten gewerk nach der analogie von knappschaft keine groszen schwierigkeiten.
die beiden gegensätze, der bergmännische begriff eines unternehmerverbandes und die allgemeine schriftmäszige bedeutung eines arbeiterverbandes dauern in der neuesten sprache fort, nur dasz dort entsprechend der bedeutsamkeit, die die socialpolitik in unseren tagen gewonnen hat, der schwerpunkt des gebrauches vom bergmännischen begriff abgelenkt und durch die gewerkschaftsbewegung auf den allgemeinen begriff gelegt wurde. auf ihn führen auch die meisten composita mit gewerkschaft zurück, während die bergmännischen composita meist an flexionsformen von gewerke haften, s. DWB gewerkendienst,-tag, -versammlung u. a.
1) der sondergebrauch der bergmannssprache, gewerkschaft als unternehmerverband. die ältesten bergmännischen belege reichen nicht über das 16. jahrh. zurück. sie weisen in der ersten zeit auch viel seltener die collectivbedeutung mit bezug auf personen auf als vielmehr eine art von sachbedeutung, die sich jedoch allerdings auch unter dem gesichtspunkt der bedeutungsentwicklung aus der ersteren ableiten läszt. gleich die beiden ältesten belege stehen einander als typen dieses gegensatzes von personification und sachbedeutung gegenüber: deszgleichen sollen si khainer gewerkschafft, oder ihren schichtmaistern, die khain silber im zehendten haben, ob gleich ertzt am stain, oder silber im werk wär, on genugsambe bürgschafft nichts fürleihen. instruction für Budweisz (1562; samml. österr. berggesetze 1, 3) s. 7. u. a. (vgl. unter b); und dem gegenüber: wann der bergkmeister einem ein lehen leihet, so sol er den muther oder auffnehmer ... gebieten, dass er die zech oder lehen nit mehr als in neun theil, der ein jedes thut vier viertheil, das macht zusammen sechs und dreissig viertheil einer gantzen zechen oder gewerckschafft (wie jetzt hie landtbreuchig ist) vergewercken solle. Churtrierische bergordnung von 1564 bei Brassert bergordnungen s. 116 u. a. vgl. unter a, β. ohne damit eine rangordnung feststellen zu wollen, nehmen wir die verwendungen der zweiten gruppe voraus.
a) verwendungen, die der sachbedeutung nahe kommen: die ältesten belege führen das wort vor allem im zusammenhang mit rechtshandlungen ein, die den eintrag in das gewerkenbuch betreffen. bald handelt es sich um den eintrag selbst, der als nomen actionis aufgefaszt werden könnte, bald um die urkunde, die als rechtsobject behandelt wird. in dieser rechtshandlung könnte man den ausgangspunkt der entwicklung für alle verwendungen von gewerkschaft in der bergmannssprache erblicken; dem stände auch die analogie von knappschaft zur seite. jedenfalls schlieszt sich die sachbedeutung eines rechtsobjektes ungezwungen hier an.
α) das nomen actionis.

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1)) sollen die gegenschreiber mit fleisz in acht haben, dasz nicht mehr gewercken, dann sichs gebühret ins gegenbuch eingeschrieben, von solcher und einer jeden gewerckschafft ihme mehr nicht dann ein groschen ... zur gebühr gereicht. churs. bergordnung von 1573, art. 12; ein bisz zwei groschen von 1 gewerckschafft ins gegenbuch einzutragen, oder daraus zur schreiben, nachdem sie weitläuffig. A. v. Schönberg ausführl. berginform. s. 71.
2)) von einer anderen seite nähert sich diesem begriff auch das folgende:

wenn sie merckten ich ward verdrossen
und wolt hend und füsz lassen gehen,
mit meiner gewerckschaft abstehen,
das sie machten ein grosz geschrei,
der gülden anbruch kehm herbei,
und gaben ein gering auszbeut,
und das nur auff ein kleine zeit,
oder sprengten gold in den sand,
und brachten den mit voller hand.
Rollenhagen froschmeuseler 1, 2, 14.


β) der übergang zur sachbedeutung.
1)) die urkunde als solche wird mit gewerkschaft bezeichnet: gegen-schreiber soll ... die gewerckschafft, so nach dem alphabeth derer gewercken tauffnahmen einzurichten, wie die ihm übergeben werden, uff befehl des bergmeisters gebührlich darein tragen, und acht haben, dasz nicht mehr als 128 kuxe ... zu einer vollen gewerckschafft ins gegenbuch gebracht werden. Abr. v. Schönberg ausführl. berginform. 69; so nawe zechen vorliehen oder bestetigt werden, sol der lehentreger oder auffnemer seine gewergkschafft alsbald nach der bestetigung dem bergkmeister antworten und zustellen, wann aber alte zechen auffgenommen, sol nach abmessung der zupusbrieffe, die nawe gewergkschafft dem bergkmeister gleicher gestalt alsbald übergeben, und ins gegenbuch eingeschrieben werden. chursächsische bergordn. von 1589, bei Brassert bergordn. 372, vgl. auch ebendort s. 235 aus der Henneberg. ordnung von 1570; keine gewehr-zeddul noch gewerckschafft, ohne seine eigenhändige unterschrifft aus dem gegenbuch geben. s. 70; solche gewerckschafften, darin alle gewercken mit ihren namen und theilen eigendlich und deutlich zu melden, auch aus dem gegenbuch zunehmen, sollen alle vorsteher und schichtmeister, zu jederzeit bei ihren rechnungen haben. Span bergurthel s. 173; vier wochen nach der bestättigung musz der lehntrager dem berghauptmann eine gewerckschafft über seine gemuhtete zeche übergeben. welche, nachdem sie von demselben revidirt, und unterschrieben, der bergschreiber ins gegenbuch ordentlich verzeichnet und einträgt. Berward s. 43, dazu vgl.: die namenverzeichnisse der gewerken ... sind aus dem gegenbuche extrahiret, und heissen, wie angenommen, in specie gewerkschaften. A. W. Köhler z. d. rechten u. d. verfassung bei dem bergbaue s. 208.
2)) an gewerkschaft wird das rechtsobjekt betont: unnd mitt disen zilen beschreibt der bergkmeister die gerechtigkeit des herren, oder mittgwerckschafft einer jetlichen grben. G. Agricola vonn bergwerck übers. v. Bechius 4; beweiset sich der gang, oder füret er schöne bergart, oder leit er auff einem fündigen gang, und gutem getriebe, so bestettiget er, und lesset es jm ins bergbuch verschreiben, macht ein gewerckschafft auff 128. kux, davon 4. erbkux, unnd 2. zu kirch und spital gehören, die man etwan die heiligen kux genennet, und antwort sie ins gegenbuch. Mathesius sarepta 58b; gewercken werden genandt die participanten desz bergbaues ... und bestehet eine gewerckschafft in 128 kuxen, darunter 4 erbkuxs, so die gewercken dem ... landes fürsten ... zu bauen und zu verlegen schuldig sind. Berward interpres phras. metall. 1 (wieder aufgenommen bei Minerophilus 258). gewerckschafft, bestehet in 128 kuxen, derer participanten am bergbau, die gewercken genennet werden. (Kirchmaier) instit. metall. 14b; jetzo ... sind es albereit 210 jahre, da anno 1477 ein verständiger mann und kunst-steiger aus Nürnberg, Nicolaus Stand, mit einer gewerckschafft sich hier an gemacht. ebenda (wohlgem. bedenken 103).
3)) hier läszt sich ungezwungen die übertragung auf örtlichkeiten anschlieszen, wie sie im ältesten belege (s. o.) vorliegt: bauet solche entweder als ein eigenlöhner und einspänniger, oder machet eine lehnschafft hinein,

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und bauet eine schicht, oder eine gewerckschafft, läst sich die kuxe weggewähren, und verkrentzeln, und schlägt zubusze an. (Kirchmaier) inst. met. notwend. erinn. 48; ganz uneigentlich hat man früher einzelne berg oder hüttenwerke mit der benennung gewerkschaft bezeichnet. Scheuchenstuel 102.
b) für die collectivbedeutung mit der beziehung auf personen breiten sich sichere zeugnisse etwas später aus, als die ältesten belege für die ersterwähnte gruppe fallen. diese lücke läszt sich allerdings mit einem mangelnden bedürfnis der übermittelten litteratur begründen. überdies wäre auch das unter 2, a, α beigebrachte zeugnis aus Mathesius hier heranzuziehen, das als verallgemeinerung und übertragung des bergmännischen begriffes gewerkschaft für frühe entwicklung desselben zeugt.
α) die sichersten anhaltspunkte bietet die zusammenstellung mit den begriffen gesellschaft, compagnie, sei es nun, dasz gewerkschaft gegen diese abgegrenzt oder mit ihnen identificiert wird.
1)) erstlich wird eine grube oder stollen in zwei ... oder es wird in vier theile getheilet, dergestalt dass vier gewercken sein, und ein jeder den vierdten theil oder eine ganze schicht habe. es wird auch wol in acht theile getheilet, also, dass ein jeder eine halbe schicht habe, welche obgemeldte theilung man für eine gesellschaft rechnet, wann aber mehr denn acht gewercken sein, so ists eine gewerckschafft. G. E. Löhneyss bericht vom bergwerck (1617) 28; die gleiche abgrenzung wird von dem belesenen Frisch wieder aufgenommen 2, 442c; ähnlich bei Adelung 2, 660. Campe 2, 362b.
2)) so were, so lang herr B. in der gewerckschaft, als ein verlegter gewerck zu befinden ... herrn B. ... rechnung zu thun, euch eure quotam auszuantworten ... schuldig. Joachimsthaler entscheidung von 1612 bei Span 184; dar durch (das patent) auszländische in diesem fürstenthumb bergwercke zu bauen, und sich in gewerckschafften einzulassen. erlasz von Baireuth von 1678 bei Kirchmaier (wohlg. bedenken) 110; im land ob der Ennsz zu Steyer, machen viel mit der gewerckschafft von der eysencompagnie ihre gewisse accord und bedingen einen preisz, in welchem bemeldte eysen-gesellschafft das korn jährlich annimmt. Hohberg georgika curiosa 2, 73; vivat unordnung! ... durch Matthiam Abele ... beeder rechten doctoren ... und einer löblichen Innerpergerischen haubtgewerckschafft der stahel und eisenhandlung in Oesterreich und land Steyr ober secretarium ... 1669. (büchertitel); wo nämlich der bergbau entweder gar von einzelnen personen, oder wenigstens von einzelnen gewerkschaften gemuthet zu werden pflegt. Faumont merkw. schr. v. d. freih. d. handels 39.
β) dieses persönliche collectivum wird vor allem in den wörterbüchern betont: wercken, gewerckschafft, sind die personen, die eine zeche bauen, und ihre gewisse theile daran haben, auf dieselben zubusze geben, auch nach gelegenheit hinwieder ausbeute haben. Schönberg berg. information, anhang: redensarten; das gleiche übernommen von Herttwig s. 183; gewerke, gewerkschafft, im bergbau diejenige, welche eine zeche bauen und zur ausbeute und zubusse nach dem gewissen theil so ein jeder an der zeche hat, zusammen gehören. zu einer vollen gewerckschafft gehören 128 kuxe. Jablonski allgem. lex. 247a; ähnl. Chomel 4, 1048 (zu Frisch, Adelung u. a. vgl. oben unter α); gewerkschaft, collegium fodinae cultorum. Hederich 1, 1422; gewerkschaft, les corps et métiers exploitants. Schwan (1783) 1, 745a; gewerkschaft, the coproprietors of a mine, a mining company. Hilpert 1, 464a; gewerkschaft, die gesellschaft mehrerer gewerken, welche ein gemeinschaftliches bergwerkseigenthum besitzen, das jedoch unter der firma der gesellschaft als ungetheiltes ganzes im bergbuche eingetragen ist, wovon die antheile (kuxe) als bewegliches eigenthum nur bei der bergbehörde im gewerkenbuche in evidenz gehalten werden. Scheuchenstuel 102; gewerkschaft, société exploitante, mining company. Beil technol. wb. 243, ähnl. Thiel 4, 428.
γ) mit der gleichen bestimmtheit ist diese bedeutungsrichtung in der sprache Göthes ausgeprägt: durchlaucht übersende hierbei unterthänigst zehen gewährscheine

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als auf soviel kuxe höchstdieselben unterzeichnet und empfehle das neue werk zusammt der gewerkschaft zu gnaden. Göthe (an den herzog v. Gotha) briefe 6, 254; es ist zu wünschen dasz die gewerckschaft zu einem haupt entschlusze muth haben möge. (an Knebel 1791) briefe 9, 255; indem die hauptgewerken, ausländische reiche kaufleute ... es dahin brachten, dasz die theilnehmer der 36 zerstörten gruben sich in eine gewerkschaft vereinigten. (ausflug nach Zinnwalde) 51, 116.
δ) auch die sprache der neueren berggesetzgebung hält an dem gebrauche unseres wortes in der nunmehr eng begrenzten bedeutung fest: ist nun eine gewerkschaft in der nothwendigkeit, ohne ihr verschulden das gebäude auflässig werden zu lassen, so musz, um allen betrug zu vermeiden, der schichtmeister solches beim bergamte melden. A. W. Köhler z. d. rechten u. d. verfassung bei dem bergbaue (1786) s. 151; die erste folge des eigenthums legt den einzelnen mitgliedern einer gewerkschaft auf, das gemeinschaftliche interesse zu befördern und also auch ... geldbeiträge zu geben. s. 201; die schichtmeister sind die factoren und rechnungsführer der gewerkschaften, sie besorgen ... den haushalt der ihrer administration anvertrauten grubengebäude. s. 79; wenn einer oder mehrere eine zeche bauen, gewisse antheile davon haben, auf diese theile zubusze geben und ... ausbeute ziehen, so werden sie gewerken, und eine gesellschaft derselben gewerkschaft genannt. C. H. G. Hake commentar über d. bergrecht s. 166; jedes berggebäude kann von einer einzelnen person (alleinbesitzer) oder von mehreren (gewerkschaft § 13, gesellenschaft § 30) besessen werden. sächs. bergg. v. 1851 § 10; wenn die besitzer eines berggebäudes die zahl acht übersteigen, so müssen sie eine gewerkschaft bilden und sind von dem bergamte dazu anzuhalten. § 13; die gewerkschaft ist ein verein zum bergbau-betriebe, in welchem jeder theilhaber sowohl für die beiträge zu dem betriebe des geschäftes (die zubusze) als für alle im namen des vereines gegen dritte personen übernommene verbindlichkeiten nur mit seinem antheile an dem gemeinschaftlichen vermögen haftet. österr. bergges. v. 1854 § 138; soll das miteigenthum von bergwerken in kleinere antheile als zu  des ganzen theilbar sein, so kann ... dies nur durch errichtung einer gewerkschaft geschehen. § 137; die gewerkschaft des steinkohlenbergwerks Wohlverwahrt machte als solche das vorzugsrecht auf ein ... gemuthetes steinkohlenflötz ... geltend, wurde aber in zweiter instanz durch erkenntnisz des apellat.-ger. zu Hamm 18. 12. 1862 aus dem grunde abgewiesen, weil nicht die klagende gewerkschaft, sondern nur die einzelnen gewerken rechte ... geltend machen können. zeitschr. f. bergrecht 5, 98: die gewerkschaft ist ... befugt, durch einen gewerkenbeschlusz das neue werk mit ihrem bisherigen zu einem werke zu vereinigen. ebenda s. 100 (aufhebung d. vorhergehenden urtheils); zwei oder mehrere mitbetheiligte eines bergwerks bilden eine gewerkschaft. die gewerkschaft kann ihre besondere verfassung durch ein notariell oder gerichtlich zu errichtendes statut regeln, welches der zustimmung von wenigstens drei viertheilen aller antheile und der bestätigung des oberbergamts bedarf. preusz. bergges. v. 1865 § 94: die wichtigste unternehmer-verbandsform, mit der sich die älteren und neueren bergordnungen fast ausschliesslich beschäftigen, ist die der gewerkschaft. Schomburg zeitschr. f. bergrecht 2, 327; eine nachfolgende betrachtung desselben in einem vorgeschrittenen stadium, in welchem uns namentlich das preussische bergrecht die gewerkschaft fast bis zu den letzten grenzen der entwicklungsfähigkeit dieses instituts ... fortgebildet zeigt, wird leicht erkennen lassen, bis zu welchem grade jene ... annäherung an den begriff und das wesen einer juristischen person stattgefunden ... inwieweit das bestreben, die grundgedanken der gewerkschaft vom standpunkte fortgeschrittener rechtsanschauung festzustellen ... gelungen. 2, 363; gewerkschaft des steinkohlenbergwerks 'fröhliche morgensonne' in Westenfeld. jahrbuch f. den oberbergamtsbezirk Dortmund (1905) s. 208; die gewerkschaft ('Oberroda' in Hildesheim) hat einen zweiten sitz, an welchem die verwaltung geführt wird, in Hildesheim. der offizielle sitz der gewerkschaft ist Thal. finanz- u. handelsblatt der Voss. zeitung 14. 8. 1906.

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2) die allgemeinere bedeutung von gewerkschaft und ihre entwicklung zu dem heutigen socialpolitischen terminus eines arbeiterverbandes. hier ist von anfang an die collectivbedeutung in der einschränkung auf personen gesichert. unter den ältesten belegen stehen sich verwendungen gegenüber, die den eben gewonnenen begriff von gewerkschaft einfach verallgemeinern, und andere, die sich an den umfassenden begriff von gewerke anlehnen; neuere belege dagegen verengern den begriff in der richtung auf die arbeitnehmer mit ausschlusz der arbeitgeber.
a) der ältere allgemeinere gebrauch.
α) auf verallgemeinerung und übertragung des bergmännischen begriffes von gewerkschaft beruht: denn Thomas Müntzer ... stürmet und blündert die klöster, hengt leut an sich, macht ein auffrhührische gewerckschafft, setzt den alten rath abe. Mathesius (Luther) 3, 99 Loesch.
β) dagegen lehnt sich an den umfassenden begriff von gewerke an: mit diesem pomp erhob er (Aristion) sich in den tempel des Bacchus, wo die gewerkschaft dieses gottes dem könig Mithridates, als dem neuen Bacchus ... zu ehren, ein groszes fest angestellt hatten (anm.: περὶ Διόνυσον τεχνῖται ... unter dieser allgem. benennung wurden zu Athen komödianten, mimen ... begriffen, welche unter dem besonderen schutz dieses gottes stunden ... vermuthlich machten sie eine eigene bruderschaft aus). Wieland (Athenion) suppl. 6, 32; 'ja, eben die beim drechsler Metzger', sagte der ... verdrieszlich ... nun war ich durch das ganze krumme souterrain meines labyrinths hindurch ... denn wenn ich am montag den boten unter seiner ganzen gewerkschaft herumfragen liesz, war mir da nicht die kleine bescheert? Jean Paul fata und werke 2, 33; die bäcker und schlächterzünfte bleiben (in Westpreuszen u. Litthauen) zwar als gewerkschaften bestehen und behalten ihr grundeigenthum zur ungestörten benutzung, es hängt jedoch von der freien willkür eines jeden gewerksgenossen ab, ob er mitglied des gewerks bleiben, oder sein gewerbe ohne verbindung mit demselben ... betreiben will. preusz. verordnung von 1808 bei Rohrscheidt 303.
b) einengung des begriffes: gewerkschaft als arbeiterverband mit ausschlusz der arbeitgeber; gegensatz zwischen gewerkschaft und gewerkverein.
α) der ausgangspunkt liegt in der arbeiterbewegung des jahres 1868, im besondern in den gegenströmungen, mit denen Max Hirsch zu kämpfen hatte, als er die arbeiter vom boden der fortschrittspartei aus in der organisation der gewerkvereine (vgl. unten: gewerkverein) nach englischem muster zu gewinnen suchte. die aufkommende socialdemokratie rief, zunächst unter J. Schweitzers führung, gegenorganisationen ins leben, die zuerst den namen gewerkschaft in die bewegung hereintrugen: eine umfassende, fest begründete organisation der gesamten arbeiterschaft Deutschlands durch und in sich selbst zum zwecke gemeinsamen vorschreitens vermittelst der arbeitseinstellungen thut dringend not. die vorbedingung dazu ist: dasz ähnlich wie in England die arbeiter der ähnlichen geschäftszweige sich in allgemeinen gewerkschaften vereinigen. schon haben sie einen allgemeinen gewerksverein der buchdruckergehülfen, der cigarrenarbeiter, der schneider, ganz neuestens der bäcker. auf diesem wege musz fortgefahren werden. aufruf von Fritsche und Schweitzer, s. volkszeitung 1868 no. 203. in diesem aufruf wird an und für sich zwischen gewerkschaft und gewerkverein kein principieller gegensatz entwickelt, höchstens läszt sich aus dem zusammenhang erschlieszen, dasz der ersteren eine allgemeinere, umfassendere wirkung zugedacht ist, als dem zweiten. der thatsächliche bedeutungsunterschied wurde von auszen hereingetragen, insofern die verhandlungen des hiezu einberufenen arbeiter-congresses zu einer spaltung führten. die unterlegene minorität unter führung von Max Hirsch gründete die gewerkvereine, die majorität unter Schweitzer die gewerkschaften im engeren sinne: die versammlung billigt die einberufung des arbeiterkongresses zur gründung von gewerkschaften und zur organisation der arbeitseinstellungen über ganz Deutschland. bericht der volkszeitung (1868 no. 216) über die Berliner arbeiterversamml. vom 12. septr.; vergebens suchte dr. Hirsch aus England zurückgekehrt, auf den am 26. 10. 1868 von

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v. Schweitzer zur begründung allgemeiner deutscher gewerkschaften berufenen arbeiterkongresz einflusz zu gewinnen. es deckten sich seine ansichten von dem wesen und der tätigkeit eines gewerkvereins mit den anschauungen der in der mehrheit sozialdemokratischen zuhörer zu wenig. O. Müller die christl. gewerkschaftsbewegung Deutschlands, s. 3; die Schweitzerschen organisationen nannten sich 'gewerkschaften' ... organisationen ... die 'ein gemeinsames fortschreiten mittelst arbeitseinstellungen sich zum ziele setzen'. innerhalb der gewerkvereine' des dr. Hirsch ..- konnte ... der interessengegensatz zwischen arbeitern und arbeitgebern nicht in diesem masze platz greifen. s. 4; schon rein äuszerlich genommen haben die freien gewerkschaften die Hirsch-Dunkerschen gewerkvereine bedeutend überholt. J. Timm aus dem entwicklungsgang d. deutsch. gewerkschaftsbewegung s. 21. andere belege s. unter DWB gewerkschafter, DWB gewerkschaftler, gewerkschaftspresse u. a.
β) auszerhalb dieses historisch gebundenen gegensatzes der Schweitzerschen gewerkschaften und der Hirsch-Dunkerschen gewerkvereine ist die abgrenzung von gewerkschaft und gewerkverein schwankend.
1)) in einzelnen verwendungen erscheint gewerkschaft grundsätzlich verschieden. zur gewerkschaft gehören die gewerksgenossen in ihrer gesammtheit, gleichsam durch ihren beruf hierzu bestimmt; zum gewerkverein werden sie durch freien entschlusz und subjectives belieben geführt. es macht sich also ein gegensatz geltend wie er zwischen arbeiterschaft und arbeiterverein besteht, vgl.; am 8. november erklärte es der deutsche sattlerverein für seine pflicht, im verein mit andern verwandten berufsarten die verwirklichung einer deutschen lederarbeitergesellschaft zu erstreben (volkszeitung 1868, nr. 257) ... am 14. november erklärte er, die begründung einer deutschen sattlergewerkschaft unter zulassung aller verwandten berufsarten ist die beste verwirklichung unserer vereinsbestrebungen ... der verein beschliesst demzufolge unverzüglich sich als ersten ortsverein der deutschen sattlergewerkschaft umzugestalten. A. Blaustein die entstehung der gewerkschaftl. arbeiterbewegung im deutschen sattlergewerbe s. 16. einer entwicklung in dieser richtung stand die oben besprochene bedeutungsverengerung von gewerkschaft entgegen, es wurde daher zeitweilig nach einer neuen prägung für den allgemeineren begriff umschau gehalten, vgl.: die sozialdemokratische arbeiterpartei betrachtet es als eine pflicht eines jeden parteigenossen, auf eine einigung der gewerkschaften mit allen mitteln hinzuwirken, hält aber als bedingung fest, dasz die gewerkschaften sich von dem arbeiterschaftspräsidium des herrn von Schweitzer lossagen. zugleich empfiehlt der kongresz die weitere bildung von gewerksgenossenschaften auf internationaler grundlage. sozialdemokrat. congresz von 1869, s. Schmöle 28. entwicklung der Marxistischen gewerksgenossenschaften s. 28.
2)) vereinzelt werden gewerkschaft und gewerkverein einander auch als ober- und unter-begriff gegenüber gestellt: es wird ... in der debatte fortgefahren und zwar über den von Schweitzer aufgestellten vorschlag einer eintheilung der gewerkschaften, nach welcher sie sich in die gewerkvereine gruppieren sollen; es sind dies 32 gruppen. bericht der volkszeitung 1868 (nr. 229) über den Berliner arbeitercongresz.
γ) die hauptverwendung von gewerkschaft geht jedoch andere wege, sie streift die enge bindung an den gegensatz zu den Hirsch-Dunkerschen gewerkvereinen ab und nimmt von diesen den begriff der organisation auf, dem sie nur auf den kreis der arbeitnehmer einflusz verstattet. gewerkschaft ist nicht die gesamtheit der zu einer berufsgruppe gehörenden, sondern sie umfaszt die zugehörigen arbeiter, soweit sich diese der organisation angeschlossen haben. der schwerpunkt der bedeutung beruht überhaupt mehr auf dem begriff der organisation als auf der function eines collectivums. in dieser bestimmten bedeutung ist das wort gewerkschaft schon von den gründern der gewerkvereine übernommen worden: wir aber werden in praktischer und wahrhaft demokratischer weise die grosze sache der gewerkschaften in die hand nehmen. protestaufruf der minorität beim Berliner arbeitercongresz, s. volkszeitung

[Bd. 6, Sp. 5666]


1868 nr. 227; gewerkschaft ist hier in dem engeren für die folge beibehaltenen sinne einer organisierten gewerkschaft d. h. der berufsvereinigung gebraucht. Schmöle die socialdemokratischen gewerkschaften in Deutschland s. 5 anm.; pionier, organ der sozialdemokratischen gewerkschaften 1874, s. Schmöle s. 17; vgl. auch unter gewerkschaftscongress. über die schwankungen in der entwicklung der socialdemokratischen schöpfung vgl. die oben genannte darstellung, in der unterschiedslos die vereine der verschiedensten benennung (arbeiterverein, tabakarbeiterverein, gewerkverein u. a.) als gewerkschaften angesprochen werden. vgl. auch Max Schippel die gewerkschaften, Berlin 1890; gewerkschaften und koalitionsrecht der arbeiter. ebenda; auch der bevorstehende parteitag in Mannheim kann gut werden. die in Jena mühsam verkleisterte feindschaft zwischen partei und gewerkschaften musz auflodern wie eine verzehrende flamme. deutsche zeitung 1906 nr. 190. erst von dem boden dieses allgemeinen begriffes aus werden auch ausländische organisationen als gewerkschaften bezeichnet: v. Waltershausen die nordamerikanischen gewerkschaften, Berlin 1886. und ebenso wurde die gegenorganisation gegen die socialdemokratie, die christliche arbeitergenossenschaft als gewerkschaft eingeführt, wie die einzelnen vereine sich auch heiszen mögen: gesamtverband der christlichen gewerkschaften Deutschlands u. a. vgl. darüber O. Müller die christliche gewerkschaftsbewegung (vgl. dort: gründungen christlicher gewerkvereine im südl. Deutschland s. 25).
3) die komposition steht fast ganz unter dem einflusz dieser zuletzt gekennzeichneten entwicklung des wortes, vgl. auszer den unten behandelten zusammensetzungen auch die vereinzelt gebrauchten wie gewerkschaftsbeamter, gewerkschafts-bestrebung, -frage, -idee, -kampf, -leiter, -mitglied, -organ, -programm, -truppe, (zukunft 53, 185) -zeitung u. a. einzelne prägungen stammen auch schon aus dem streite mit den gewerkvereinen. wenig composita hat die bergwerkssprache entwickelt.
 
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gewerkschafter, m. nomen agentis zu gewerkschaft, vgl. auch gewerkschaftler: redner führt einige beispiele des oftmals unerhörten terrorismus an, welchen die gewerkschafter ... auch auf unsere mitglieder ausüben. verhandlungen d. 14. ordentl. verbandstags d. deutschen gewerkvereine (1901) s. 94; die veröffentlichung des gewerkschafters und genossen Silberschmidt. deutsche zeitung 1906 nr. 190 u. a.
 
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gewerkschaftler, m., s. das vorhergehende: Watson ist aber gar kein sozialdemokrat, sondern sozialreformer und gewerkschaftler. verhandl. des deutschen reichstags vom 2. 3. 05. dazu: Wieber weiche auch in den politischen zielen einer organisation von der mehrheit der übrigen gewerkschaftler ab. s. Müller christl. gewerkschaftsbewegung s. 146; dazu vgl. die gewerkschaftlerei.
 
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gewerkschaftlich, adj. eine der wenigen bildungen, die schon der bergwerkssprache angehören.
1) der bergmännische gebrauch: hierbei (haben wir) aber die zu ersagten gewerkschaftlichen cassen ehedem geordnete jährliche abgabe ... keineswegs aufgehoben. sächs. verordnung von 1765 cod. Aug. erste forts. 1, 1474; (die) bisher abgereichten und in ausgabe der gewerkschaftlichen register gebrachten stuffengelder. ebenda; der zwanzigste theil aller in gewerkschaftliche einnahme zu bringenden kupfer-bezahlung. ebenda 1473. das letztere auch bei A. W. Köhler z. d. rechten u. d. verfassung bei dem bergbau s. 122; da die schichtmeister nicht mehr als 10 thaler gewerkschaftliche gelder von jeder zeche in händen haben dürfen. Köhler s. 84; die cassen der einzelnen gewerkschaftlichen gebäude. s. 85; das gewerkschaftliche verhältnisz werde lediglich durch das gemeinschaftliche eigenthum des der gewerkschaft zugehörigen bergwerks bedingt. erkenntnis des apellationsger. zu Hamm 1862 s. zeitschr. f. bergrecht 5, 99, vgl. auch Veith s. 242.
2) der socialpolitische terminus: aber schon in den nächsten jahren sollte eine dritte bewegung unter der deutschen arbeiterwelt gestaltend auf die gewerkschaftliche entwicklung einwirken. O. Müller die christliche gewerkschaftsbewegung s. 4 u. a.; in einer seiner agitationsschriften sprach Lasalle sich sogar ausdrücklich gegen den gewerkschaftlichen kampf aus. J. Timm

[Bd. 6, Sp. 5667]


aus dem entwicklungsgang d. deutschen gewerkschaftsbewegung s. 5.
 
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gewerkschaftsausschusz, m. benennung, mit der nach einem satzungsentwurf der name 'generalkommission der gewerkschaften Deutschlands' (s. gewerkschaftscommission) verdrängt werden sollte. s. verhandlungen des 2. deutschen gewerkschaftscongresses.
 
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gewerkschaftsbewegung, f., vgl. Poersch woran krankt die deutsche gewerkschaftsbewegung 1897; als wieder eine etwas günstigere periode für die gewerkschaftsbewegung anbrach. J. Timm s. 18; an und für sich war auch die sozialdemokratie in ihrer neuen gestalt der gewerkschaftsbewegung nicht besonders zugetan ... konnten die gewerkschaften von der partei nicht verdrängt werden, so wurde nunmehr versucht, sie in den dienst der letzteren zu stellen. Müller die christl. gewerkschaftsbewegung s. 5.

 

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