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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerker bis gewerk- (Bd. 6, Sp. 5657 bis 5658)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerker, m., jüngere bildung nach analogie von handwerker, ist naturgemäsz auf die allgemeine bedeutung von gewerke (vgl. sp. 5642 ff.) beschränkt. der älteste beleg, der das wort neben dem als collectiv gebrauchten neutrum gewerk einführt, läszt deutlich das bedürfnis erkennen, die function des nomen agentis kräftiger zum ausdruck zu bringen: gleichwie wir nun nicht zweifeln, es werde dadurch der intendirte zweck völlig erreichet, und weil die connexion der gewerken untereinander numehro getrennet, auch die miszbräuche scharf verboten worden, friede und ruhe unter denselben conserviret, mithin das aufkommen und nahrung der gewerker selbst nicht wenig dadurch befördert werden. general-privil. und gülde-brief des gewerks in Brandenburg 1733 bei Ortloff 52; bei allen todfallsverhandlungen eines innerbergischen gewerkers sollen seine hinterlassenen einlagskapitalien sowohl, als seine bei dem hauptgewerkschaftlichen körper noch zu suchen habenden erträgnisse ... frei gelassen werden. Wiener verordnung von 1771 in sammlung aller k. k. verordnungen v. 1740 ff. 6, 382; gewerker v. gewerksmann. Hilpert 1, 464a; gewerker ... der an oder in einem gewerke arbeitet (fabrikant, manufacturist); auch groszgewerker ... dann überhaupt der handwerker. Campe 2, 362b; denn wenn an der einen seite diejenigen stehen, die sich mit den einfachen und rohen erzeugnissen beschäftigen, an der andern solche, die schon etwas verarbeitetes genieszen wollen, so vermittelt der gewerker durch sinn und hand, dasz jene beiden etwas von einander empfangen und jeder nach seiner art seiner wünsche theilhaft werden kann. Göthe (dichtung u. wahrheit 1, 4) 24, 239;

wie? nein wir sind nicht gewerker,
nicht zur handarbeit gewöhnet,
lüstet's euch, als tagelöhner
euch zu müh'n, will ich's nicht hindern.
L. Tieck glocke von Arogon (novellen 9, 403).


 
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gewerk-, gewerkshaus, n.: das gewerkhaus oder gewerkshaus ... ein haus, in welchem ein gewerk oder mehrere gewerke befindlich sind (manufactur, fabrique). Campe 2, 362b; gewerkhaus, manufactory. Hilpert 1, 464a; gewerkhaus, manufacture, fabrique, manufactory, workhouse. Beil, technol. wb. 243; der stadtsäckel (von Alt-Berlin u. Alt-Cöln) war immer gar ansehnlich gefüllt durch die einnahme aus den zinsen der kämmereidörfer ... und dem ertrag des stadtforstes, des zolls, der niederlage, der stätte- und platzgelder, der gewerkhäuser, buden- und marktzinses und der schankgerechtigkeit. Hesekiel Nürnberger tand 72; die zusammenkünfte fanden in eigenen gewerkshäusern, wo solche vorhanden waren, oder in handwerksherbergen, bezw. in der wohnung des altmeisters statt. Rohrscheidt vom zunftzwange 6.
 
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gewerk-, gewerksherr, m.
1) bergmännischer ausdruck: nicht allein aber soll er disz thun, sond' auch zun zeiten ettliche arbeit an die hand nmen, nicht das er in disen dingen erlige, sonder das er mitt seinem fleisz die arbeiter erwecke, und sie auch sein kunst lehre, dann es wirt wohl umb dz bergkwerck stehn, so nicht allein der steiger, sonder auch der gwerckherr, lehret was in dem zu thun seie. Agricola, vom bergkwerck, dtsch. v. Bechius 22.
2) allgemeinere verwendung: gewerkherr, master, or owner of a manufactory. Hilpert 1, 464a; der gewerksherr, ... der herr, der vorsteher eines gewerkes. Campe 2, 362b.
 
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gewerkholz, n., mit der gleichen bedeutung von gewerk, die auch am participialen adjectiv gewerkt (s. d.)

[Bd. 6, Sp. 5658]


zur geltung kommt: schirrholtz, geschirr- ingleichen nutzholz ... woraus allerhand geräthschafft und hausrath von wagnern, müllern ... verfertiget wird ... so man auch sonst gewerck-holtz nennet. allgem. ökon. lex. 2178, vgl. auch Chomel 4, 1048, ähnlich Adelung 2, 661; das gewerkholz, nutzholz, le bois de charpente. Schwan (1783) 1, 745a; gewerkholz timber. Hilpert 1, 464a, vgl. Behlen 3, 418; Thiel 4, 427.
 
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gewerkin, f., bildung zur movierung der engeren bedeutung von gewerke: eine bauerfrau, die gewerkin bei der grube 'himmelisch heer' war. Annaberger volkserzählung, s. Leipziger tageblatt 1890 nr. 349, 3. beil.
 
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gewerklich, adj. und adv., wie bei gewerkelt und gewerkt (s. d.) wird auch hier die allgemeinere vorstellung kunstmäszigen arbeitens durch den engeren hinweis auf die werkstatt bestimmt und belebt: gewerklich, zum gewerk gehörig, im gewerke ... gemacht, nach der art wie im gewerke gearbeitet wird (fabrikmäszig), auch groszgewerklich, gewerkmässig ... eine gewerkliche arbeit, Campe 2, 362b, dazu:
 
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gewerklichkeit, f.: friedlich durch sein geschäft, am thier erziehend, stets an die beobachtung der grossen ordnungen der natur gewiesen, jeder jahreszeit das ihre abgewinnend, knüpft er (der ackerbauer) an seine unbeschäftigten tageszeiten schon einen anfang von gewerklichkeit. Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 132.
 
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gewerk-, gewerksmässig, adj. u. adv.: gewerksmässig, in the manner of the manufactors. Hilpert 1, 464a, vgl. den gegensatz zu gewerbsmässig, vgl. auch gewerklich.
 
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gewerkmässigkeit, f., s. Campe a. a. o.
 
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gewerk-, gewerksmann, m., vgl.: gewerbsmann, fabricant, im allgemeinen, ein gewerkmann oder gewerkmeister. Campe verdeutschungswb. 307; gewerksmann-, meister, manufacturer. Hilpert 1, 464a.
 
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gewerk-, gewerksmeister, m., vgl. gewerbemeister: denen sämtlichen soldaten aber ... soll nur erlaubet sein, als gesellen bei denen gewerks-meistern zu arbeiten. generalprivil. des gewerks v. Brandenburg 1733 bei Ortloff 57; die gewerkmeister, die geschworenen, les experts, prud'hommes. Schwan 1, 745a (vgl. gewerbeverständig); fabricant ... gewerkmeister, kürzer werkmeister. Campe verdeutsch.-wb. 307, vgl. auch Hilpert unter gewerkmann; (der schneider) sagte: hier sind die fünf mützen, die dieser mensch (Sancho) von mir gefordert hat, und bei gott und meinem gewissen! mir ist von dem tuche nichts übrig geblieben, und ich bin erbötig, die arbeit von den gewerkmeistern besichtigen zu lassen. Tieck übersetzung des Don Quixote 2, 332; er wählt sich einen unpartheiischen gewerksmeister zur mitbeaufsichtigung. Blesson, über gewerksordn. 57.

 

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