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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewere bis gewerkdiener (Bd. 6, Sp. 5622 bis 5642)
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gewerf, eine form, in der der neueren sprache mehrere verbalsubstantive zugeführt werden, ohne festere wurzel zu fassen. meist weisen sie auf das verbum werfen zurück, soweit die bedeutungsentwicklung anhaltspunkte gewährt. denn von der form aus ist die abgrenzung gegen ableitungen von werben nicht durchzuführen, wie schon oben (vgl. sp. 5483 zu den formen gewerf, gewerff, gewerft, gewerb, gewarf) ausgeführt wurde. ebendort waren zwei haupttypen für die zu werfen gehörenden ableitungen aufgestellt worden, die abstractere bedeutung von steuer, abgabe (geschosz) und die sinnlichere eines wurfgeschosses (geschütz). neben diesen gehen einigespäter belegte und vereinzelteverwendungen einher, die entweder die grundbedeutung des verbums mehr oder weniger bloszlegen, oder die function des nomen actionis kräftiger zur geltung bringen. sie stimmen alle mehr mit gewerf = wurfgeschosz überein, insofern das präfix ge auch zu ihnen nicht mit der ursprünglichen bedeutungsenergie (vgl. gewerf = das zusammenwerfen, conjectura), sondern mehr in der function einer bildungssilbe tritt. in einigen dieser verwendungen ist zugleich die wortsippe, von der sie abzweigen, unsicher. das genus ist in allen fällen überwiegend als neutrum anzusprechen, soweit es überhaupt erkenntlich ist; das masc. ist nur in einem falle gesichert (s. unter gewerf III), das fem. in einigen fällen, die den einflusz der wortverbindung und des bedeutungszusammenhangs verrathen.
 
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gewerf I . das verbalsubstantiv zu werfen in der composition mit dem bedeutungskräftigen präfix ge: cawerf, kawerf, giwerf = conjectura, collatio, collecta, symbolon Graff 1, 1039; gewerf, abgabe mhd. wb. 3, 740a; Lexer 1, 987; auch gewerf und gewerft (in Freiburger urkunden des 13. bis 16. jahrh.).
1) der älteste gebrauch ist auf glossen beschränkt und läszt das substantiv nur im bereich von lateinischen (griechischen) parallelen erscheinen. der bedeutungsumfang ist

[Bd. 6, Sp. 5623]


weit gezogen, doch steht auch dieses moment unter fremdsprachlichem einflusz. für die bestimmung des genus am substantiv liegen hier keinerlei anhaltspunkte vor; dagegen knüpfen an die bildungsweise schon bei Notker erklärungsversuche an.
a) der grundbedeutung des verbums entsprechen einige vereinzeltstehende gleichungen: lithostrotos (steingemauertes) stein cawerf, Tegernseer handschr. d. 9. jahrh. Steinmeyer-Sievers 4, 244; simmatibus, graece, conlationibus giwerpf cod. S. Pauli, Steinmeyer-Sievers 1, 554, vgl. auch 1, 555.
b) die meisten belege lehnen sich an termini der christlichen kirche an und sind ebenso gut mit erscheinungen, gegen die das ältere gemeindeleben ankämpfte, verknüpft als mit solchen, die es grosz zog. gewerf verdeutscht die begriffe collecta, collata, collatio, symbolon u. a. auf der einen seite werden heidnische bräuche getroffen, schmausereien auf umlage, andererseits tritt das wort für liebesgaben ein, die die christlichen gemeindegenossen zusammenbrachten. vgl. gelage (zu zusammenlegen); vgl. DWB geschosz (zu beischieszen, zusammenschieszen).
α) symbola, giwerf, Salzburger. Tegernseer, Regensburger und andere glossen des 11. u. 12. jahrh. zu sprüche 23, 21 (noli esse ... in comessationibus eorum, qui carnes ad vescendum conferunt: quia ... dantes symbola consumentur) Steinmeyer-Sievers 1, 537; ex collatis, giwerfun, giwerphun in den glossen (gleicher herkunft) zu den beschlüssen des konzils von Laodikea, das nach dieser seite ein verbot richtete. Steinmeyer-Sievers 2, 113.
β) collecta, giwerf, giwarf, die gleichen handschriften mit glossen zu 3 Mos. 23, 36 (solt ewr opffer dem herrn thun, Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 352; collationem, kewerf vel oblei Reichenauer u. Tegernseer handschr. des 11. jahrh. zu Römer 15, 26 (haben williglich eine gemeine steuer zusamen gelegt. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 757.
c) vereinzelt folgen die glossen auch der weitgehenden übertragung, die die worte symbolon, conjectura entwickelt haben: conjectura, cawerf, kiwerf, kawerf vel interpretatio, Hrabanisch - Keronische glossen. Steinmeyer-Sievers 1, 89. das Graeci chedent symbolum unde latini collationem, daz cheden wir gewerf, wanda iz apostoli gesamenôtôn unde zesamene gewurfen, daz iz zeichen sî christianae fidei, also auch in proelio symbolum heizet daz zeichen, daz an scilten alde an geinôtên worten ist. Notker zum symbol. apost. (denkm. 13 250); vgl. auch diesen salmon heizen wir giwerf, wanda in die heiligen poten gisaminoten unde cesamine giwurfen. ebenda 257. auf die bedeutung der stelle hat schon J. G. Eccard in der vorrede zu Notkers katechismus s. 24 hingewiesen.
2) von allen diesen prägungen der althochdeutschen periode führt nur eine auch in die spätere zeit über, die gleichung von gewerf mit umlage, beisteuer, geschosz, abgabe. sie ist in der urkundensprache reichlich vertreten und an die verschiedensten formen geknüpft (gewerf, gewerpf, gewerff, gewarff, gewerft, gewerb). ebendort wird sie geradezu als eine gangbare deutsche benennung gekennzeichnet, während die eben angeführten glossenbelege vielmehr auf eine anlehnung an fremde vorbilder weisen. es sind zunächst zwei möglichkeiten: entweder stellt das gewerf der mittelalterlichen urkundensprache eine weiterentwicklung der in den althochdeutschen glossen aufgeführten anlehnung an conjectura, collatio dar, oder es ruht mit seinen wurzeln in einer eigenbildung der deutschen rechtssprache und wurde in den glossen erst umgedeutet. für die zweite annahme sprechen beweismomente, die auszerhalb des hochdeutschen sprachgebietes gesammelt sind. Brunner (rechtsgeschichte I2, 176 anm. 6) macht darauf aufmerksam, dasz an stelle des wortes thing in friesischen und sächsischen denkmälern auch warf oder werf gebraucht wurde, vgl. hwarf im Heliand (wurðun êo-sagon alle kumane an hwarf werôs 4469 u. a.), vgl. DWB warf im sachsenspiegel und in niederd. weisth. (nach erkenntniss des gemeinen werfs weisth. 3, 104) und dazu das abgeleitete langobardische gawarfida (omnes iudices et fidelis nostri hic dixerunt, quod cawerfeda antiqua usque nunc sic fuisset. leges Liutprandi cap. 77; vgl. d. glosse d. cod. Cavensis: guarfida id est consuetudo antiqua u. a. Brunner I2 152 anm. 8) er stellt die gleichung auf: gewerf

[Bd. 6, Sp. 5624]


zu warf wie geding zu ding, und damit wäre das substantiv zu werben, gewerbe zu stellen, wo die bedeutung von kaufvertrag (vgl. oben sp. 5496) an einigen belegen für die formen gewerf, gewerft schwierigkeiten dargeboten hatte. mit diesen läszt sich jedoch nur eine einzelnelandschaftlich begrenztegruppe der unten folgenden zeugnisse zusammenstellen, in denen die bedeutung einer abgabe auf eine verhandlung, einen vertrag zurückgeführt werden kann (vgl.α, β). die hauptmasse der belege knüpft ungezwungener doch an die auch den glossen gesicherte bedeutung von umlage an. da die graphische wiedergabe des lautbildes keine anhaltspunkte giebt, ist eine sichere entscheidung nicht möglich, man darf aber vielleicht annehmen, dasz die bedeutungen abgabe und umlage verschiedenen wurzeln entsprangen und erst in dem allgemeinen begriffe von steuer sich zusammenfinden.
mit der mittelalterlichen urkunden- und verwaltungssprache ist der geltungsbereich von gewerf im allgemeinen sinne von umlage, steuer nicht abgeschlossen, es lebt in der geistlichen und weltlichen litteratur des 16. und 17. jahrh. weiter, bei Geiler, Pauli, Wimpheling, im Straszburger bibeldruck, ebenso in Nürnberger vocabularien und bei Mathesius.
a) belege aus der rechts- und verwaltungssprache der urkunden (1166—1520) vgl. Haltaus 712; J. Grimm deutsche rechtsalterthümer 298 (14, 414); Zöpfl alterthümer d. d. reichs 1, 275; Wackernagel bischofs- und dienstmannenrecht von Basel 17; Kehrein samml. ahd. mhd. wörter s. 11. das genus ist an den einschlägigen stellen mehrfach gekennzeichnet, durchweg als neutrum, so in der Musbacher urk. v. 1286 bei Schöpflin, in Freiburger urkunden von 1291 (ztschr. gesch. Oberrh.), von 1293. 1310 (Schreiber), in einer Kolmarer urk, von 1293 Schöpflin und im Züricher richtebrief. vielfach ist das genus gerade gegen das mit gewerf gern verbundene fem. stiure abgegrenzt: dekein gewerf noch dekeine stiure. Kolmar 1293; zuo deme gewerfte oder zuo der stiure. Freiburg 1293; in einem späteren beleg aber färbte in solch enger verbindung das genus von stiure auf gewerf ab: mit der gewerff und stür. Mühlhäuser urkunde Carls IV (1351) Schöpflin.
α) eng an die erstgenannten termini schlieszt sich die älteste urkunde an: domum vero nostram ibidem in Meirle sitam cum curia et ortulo adiacente cum omni utilitate eorum hac determinatione ei assignavimus, quatinus collectas advocatorum, quos ibidem vulgari nomine qwerf vocant, exinde persolvat .., erbpachtbrief des stiftes zu Münster Meinefeld von 1166 bei Beyer urk. gesch. Mittelrheins 1, 705 (zur form vgl. guwere für gewere s. 523). hier handelt es sich anscheinend um eine form des schutzgeldes, das der bevogtete dem vogt entrichtet, eine bedeutung, die sich als verallgemeinerung in den bedeutungszusammenhang von gewerf = συμβολον einfügt, wofür überdiesz die lat. parallele collecta zeugt.
β) aus diesem zusammenhange fallen andere belege, die zeitlich am nächsten hier sich anreihen, heraus. gewerf kennzeichnet hier mehr den rechtsgrund für eine abgabe als diese selbst (das gleiche bei consuetudo), und die leistung erscheint nicht periodisch wiederkehrend, sondern an bestimmte anlässe gebunden: mansum ... recipi debent de manu nostra, seu ab heredum nostrorum; ita quod receptor persolvet nobis ... quatuor solidos denar. Colon. ratione iuris, quod vulgariter gewerve appellatur. urk. v. 1249 bei Guden codex dipl. 2, 949; quomodo G. d. S. mansum ... in feudum contulerit ecclesiae ... post obitum vero uniuscuiusque possessoris vel heredis domus ... heres aut successor instituendus dabit nobis in receptione dictorum bonorum duodecim denarios, pro jure quod gewerf vulgariter appellatur. urkunde des Kölner domkapitels von 1257 bei Lacomblet 2, nr. 446; post mortem vero meam ... melior equus ..- cum duodecim coloniensibus, qui solidus hereditarius appellantur, ecclesia supradicta cedat in curmedam. nihilominus tamen succedens sex solidos predicte monete pro porrectione bonorum, quod theuthonica dicitur gewerf, persolvat ecclesie supradicte. revers von 1269 ibid- nr. 592. ähnlich sind auch folgende belege zu erklären: et tantundem pro jure quod dicitur gewerf, cum persona que dicta bona receperat, decesserit, solvere de bonis prenotatis teneantur. urkunde des erzbischofs v. Köln 1290 Lacomblet nr. 897;

[Bd. 6, Sp. 5625]


annuam pensionem septem solidorum ... et jura que vulgariter vocant cerinc et dinc, curmedam, gewerf. Kölner urkunde von 1266 ebenda nr. 569; item predicti homines tenentur dare curmedam et gewerf de bonis et feodis suis secundum consuetudinem terre. Kölner urk. des 13. jahrh. bei Ennen und Eckertz 2, 602 ebenso curmedam et gewerf 601; jus quod dicitur kormeda et gewerf 2, 603, dazu vgl. auch: ut abbatissa et conventus ad ipsam vineam tanquam emptionis titulo comparatam recursum habeant, siqua ipsis in posterum questio super premisso jure quod gewerf dicitur, moveretur. urkunde des erzbischofs von Trier 1213 bei Günther codex dipl. Rhenomos. in allen diesen fällen ist eine geldleistung mit dem act der besitzübertragung in beziehung gesetzt, sie wiederholt sich jedesmal, wenn ein neuer besitzwechsel eintritt. eine bedeutungsverwandtschaft dieser belege mit den oben (sp. 5496) beigebrachten zeugnissen für gewerf, gewerft im sinne von kaufvertrag liesze sich wol begründen; die thatsache jedenfalls, dasz eine gruppe auf den Niederrhein, die andere auf bayr.-österr. gebrauch beschränkt erscheint, findet in dem niederdeutschen warf, werf und dem langobardischen gawarfida ihre beleuchtung. auf späterer deutung beruht es wol, wenn dieses gewerf mit werben im sinne von erwerben, gewinnen in verbindung gesetzt wird, vgl. item wanne ein man offt ein vrawe gehorende in den hœff, doitʒ halven sein affgegaen, ... ind dat die ersten erven, offt ein ander, die dat mit rechte mag doin, begert vom herrn off seinem scholtisʒ dat guidt zo hand gewinnen iud werven, dasz sall ime der herr oft scholtisʒ gunnen, und vur dat handgewin sall der man ind vrawe, die op den hœven wonen, geven gelick; -.. so dicke alsʒ desʒ dan gefiele, dat is vier alden guldenschild mit gnaden; die genne, die aver op den kotten wonnen, sollen geven für handgewinn ind gewerff, hie sie man off vrauwe, zwein alde guldenschild mit gnaden, off dat werdt darvoir als vurg. steit und neit mer. hofrechte zu Ekel 19 (1500), s. Grimm weisth. 3, 63. die zusammenstellung von gewerf mit der werpitio, die eine neue anlehnung an werfen ermöglichte, hätte von hier aus allerdings etwas bestechendes; ihr steht aber unter anderen im wege, dasz es sich bei der werpitio immer um eine besitzentäuszerung handelt (vgl. Brunner z. rechtsgesch. d. germ. u. rom. urk. s. 274) und hier von anfang an um den nächstfolgenden act der übertragung.
γ) wie sich auch die eben angeführten verwendungen erklären lassen, die übrigen belege weisen auf ganz andere bedeutungen, sie prägen überhaupt viel weniger einen privatrechtlichen als einen öffentlich-rechtlichen begriff der steuer aus. mag auch in denjenigen belegen, die die steuer einem schirm- und schutzverhältnisz entspringen lassen, die grundlage ebenfalls eine privatrechtliche sein, so macht sich dieses moment jedenfalls in der bedeutungsabstufung nicht geltend. dagegen läszt die überwiegende masse der verwendungen gerade den begriff einer periodischen, vielfach gemeinsam festgesetzten, umlage hervortreten und so mündet auf alle fälle der hauptgebrauch in die gleichung gewerf = conjectus (symbolon) wieder ein. unter den verbindungen, die gewerf eingeht, steht ebenfalls die mit steuer voran.
1)) gewerf allein gebraucht, ohne synonyma: dur daz si deste baz luste ze buwenne un da ze belibenne, daz si uns jergelich niht wand vierzec phunt phenninge geben sulen ze gewerfe. Basler urkunde v. 1274 urkundenbuch d. st. Basel 2, 79: wir Bertholt ... der apt und das capitel zu Murbach ... tun allen kunt ... das wir ... der stat von Gewilr ... und den luten die inwendig der muren sitzent, durch das dieselb stat gerichert würde an lüte und an gute, han ginamet von in vierzig marck gebrantes silbers ze gewerffe, das man geben sol enzwuschent sancte Martini mess und winacht ... och han wir ... uns behalten ze habende one dis gewerff allü die recht, die unsere vordere oder wir hand gehabet unze an disen tag. urk. v. 1286 bei Schöpflin, Alsatia 2, 34; swenne ouch daʒ were, daʒ man ze Basil gewerf gebe, so weren von altem rehte die gewanheit unde daʒ über ein komen, daʒ bischof Heinrich mit keiser Frideriche det umbe daʒ, daʒ ietwedre daz halbe neme ... tuomherren, ambtliute unde tuomherren unde gotshus dienestmannen eigenen liute unde gesinde sint des gewerfes vri unde alles getwinges vri ... bischofs und dienstmannenrecht

[Bd. 6, Sp. 5626]


von Basel § 2 Wackernagel 17. jahrh. (vgl. omnis exactionis quam episcopus fecerit in Basilea duae partes spectant ad jus episcopi, tertia ad jus advocati. urk. bei Ochs 1, 290); und swa ime an den sehs und zwenzig pfunden abe giengi von unseren vorgenanten silberbergen, so han wir unser juden ze Friburg geheissen, das sü ime dü vorgenanten sehs und zwenzig pfunt von unserem gewerfte, das sü uns jergelich gent, ervollent ... Freiburger urk. v. 1310 bei Schreiber 1, 187; darnach so en gat dikein gebot innerthalp des abbetes etheren (etter), darnach so engit dikein siner lute die innerthalp sines etheren gesessen sint gewerff. dinghof zu Ebersheimmünster (Unterelsasz 1320) bei Grimm weisth. 1, 679; swer der burger gewerf nicht git der sol nicht ze rate gan da man das gewerf uf leit ald da man die uf liset die das gewerf uf legen suln. da sol enkein vogt bi sin. swenne das gewerf uf geleit wirt, so sol man die tavillen vor all dien burgern lesen da das gewerf an stat, und sol es danne ein vogt helfen in gewinnen. richtebrief der bürger v. Zürich (Helvetische bibl. 2, 31). vgl. Joh. v. Müller gesch. d. Schweiz 2, 113.
2)) gewerft und steuer.
a)) wir grafe Egene von Friburg kunden allen ... daʒ wir den erberen geistlichen herren, abbet Meinwarten von Thennibach, ... ze burger nemen ze Friburg vnd enpfhahen also, daʒ sú uns, noch unsern erben enkein gewerft noch stre geben sulen. urk. v. 1291 ztschr. gesch. Oberrh. 10, 241; wir wellen ouch, swenne man ze Friburg dehein gewerft, oder stüre uf leit, das man dar zuo neme viere von den vierundzweinzigen, viere von den koufluten, und viere von den antwerklüten. were aber das man zuo deme gewerfte oder zuo der stüre me oder minne wölte nemen, so sol doch dirre drier vorgenanten lüte zal allewege gelich sin, und sülen ouch bi den allewege sin ein schultheisse und ein burgermeister. Freiburger urk. v. 1293 Schreiber 1, 142; swas edeler lüte ze Colmer burger sint, die uns dienent, als edele lüte ze rehte sulnt, die söllent mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stüre geben. Kolmarer stadtrecht v. 1293 bei Schöpflin 2, 58; und ensüln ch wir in den selben nachgenden nehesten sehs jaren, noch nieman von unsern wegen, von den selben Juden enkeine stüre noch gewerfte, noch enkeinen nuz ... niemer gemten noch geuordern dekeine wis. Freiburger urk. von 1333 (ztschr. gesch. d. Oberrh. 13, 107); darumb bitten wir üich ... daʒ ir uns ze diser zit darzu beholfen sint, mit der gewerff und stür, di ir uns und dem riche ditz jahrs schuldig sint ze geben und ze richten, ane diselben gewerfe und stür wir es nie wol zu mügen bringen. botschaft Karls IV. an Mühlhausen bei Schöpflin, Alsatia 2, 201; ouch hand wir inen gelobt ze rattende und ze helfen, wider allermenglichen der sie beschwren wolte; und tun sie alles gewerfes und aller steuren frei, also daʒ wir stre noch gewerfe, diewile so wir geleben, nimmer von inen gevorden sollend wider ihren willen. Basler handfeste von 1399 bei Ochs, gesch. der stadt und landschaft Basel 1, 380; behept och jemand ... einen frömden der einem herrn von eigenschafft, von lehenschafft oder von vogttie wegen zugehört oder in sinen zwingen und bennen gesessen ist unnd im dienet mit sturen und gewerffen, hohen unnd nidern mit andern diensten als gewonlich ist. gerichtsordnung von Basel von 1457, Schnell s. 16a.
b)) decimas, redditus, census, fructus, proventus, sturas seu exactiones vulgo dictas gewerff. urk. v. 1335 bei Schöpflin, Alsatia dipl. 2, 250; ich Johans, herre von Üsenberg ... gibe ze kffende ... Johanse dem Malterer ... Eystat das dorf, mit aller siner zgehrde, lüte und gt, twing und ban, vogtien, gerichte, gros und kleine, dúbe und frevelina, stúren, gewerf und bette ... urk. von 1357 (ztschr. f. gesch. des Oberrh. 13, 449); daʒ nieman der hie zuo Friburg sesshaft ist, er habe zünft oder nüt, an nieman andern sich sol machen mit keinre gelübde oder swerende noch nieman kein sondern dienst sol tuon, mit stüre und gewerfte. Freiburger polizeiordnungen 1338 Schreiber 1, 337; so soll das closter haben vier man, ein meiger, ein keller, ein ohsener, oder wer in dem hofe sitzet, er hab das gut und gülte oder erbeite es nit, und sont

[Bd. 6, Sp. 5627]


die viere lidig sin vor bette, vor gewerf, vor schetzunge, vor ussziehende, vor enger, vor stüre. weisth. von Ingemersheim (Unterelsasz) bei Grimm weisth. 1, 749; so laszt man ... sin eigen gut unbeschwert bliben, leit imm daruff weder steur, bett, gewerff, zinsz noch gult. freiheiten der stadt Straszburg, abschr. v. 1512 Wencker die Uspurg, s. 136.
3)) in den eben belegten verbindungen treten neben steuer auch andere begriffe, so die bede, als synonyma zu gewerf. als weitere zeugnisse vgl.: miner frawen meiger ist auch frei aller bet und gewerf und soll er auch den dritten vörster haben in den gemeinen welden. weisth. v. Wische u. Storbach bei Grimm 5, 414; mann sol auch jerlichen von dem dorffe dem landgraven sechzig viertel habern (geben) ... keme aber iemand frönder dar von frönden landen ... der sol dem landgraven dienen und öch dem banherren eine zit in dem jor von wunne und ven weide ein gewonlich gewerff, und vasenacht hunre geben. urk. v. 1314 bei Schöpflin 2, 109; item welher hie ze Friburg metzgen wil, der sol sunder hus haben, dem hantwerck und der statt tn mit gewerff und aller gehorsam, als ander in iren hantwerck tn ungeverlich. urk. der metzgerzunft zu Freiburg i. Br. von 1462 (ztschr. f. gesch. d. Oberrh. 17, 51); von gewerfe und von dienste. swelch burger in dirre stat ist des vatter ritter war, der sol ze ritter werden e er 30 jar alt werde. tuot er des nicht, so sol er gewerf geben mit dien burgern alle die wile unz er nit ritter worden ist. Züricher richtebrief (vgl. oben sp. 5626); also ob der abgestorben ... schuldner gewerfft, buwgelt, schatzung, freuel, oder oder anders schuldig pliben wer, das sol unser statt ... zugehören. nüwe stattrechten und statuten der statt Friburg im Priszgow (1520) 31; iarzitbücher, selbücher, unser statt zinsbücher, gewerfft, und rechenbücher, so in unserm kouffhusz ligen. s. 36.
4)) zur vervollständigung des gewonnenen bildes seien noch einige formen der composition beigefügt: und geben im (Hesmann Stamler für seine getreuen dienste) von unsern sunderlichen gnaden und keiserlicher macht hundert mark silbers Kolmarisches gewichtes. dofur wir im einseczen zu rechtem pfande, vier fuder weingelts, uff sand Marteins tag, und acht pfunt Basler pfenninge czinzes, die man nennet, hornung gewarff, alle iar in deme dorffe Ammerswiler. urk. Karls IV. v. 1360 bei Glafey, collect. anecdot. 338; und darum so sollen eins iglichen jahrs ... ihme und den vorgenanten seinen erben, so lang sie unsser ... vogt und ambtmann daselbst sein, werden und gefallen sollch nütz, recht und gefell ... ussgenommen die stattsteuer zu Keisersberg und Monstern, und die zwelff fuder gewerffe wine zu Durckheim. urk. v. 1504 bei Schöpflin 2, 443. fraglich ist banngewerf weisth. 1, 682, wo die handschr. an entscheidender stelle lückenhaft ist.
b) noch deutlicher weisen die zeugnisse für den litterarischen gebrauch auf eine allgemeine, umfassende bedeutung von gewerf hin. der vocab. theut. von 1482 führt das subst. unter vier verschiedenen stichworten auf: gewerff, geschosz, stewr, loszung exactio H 5a; gewerff, stewr oder loszung setzen guadiare H 5b; gewerff, stewr, loszung, pet zol, tallia H 6a; gewerff, stewr, landtzinsze, maut, rennte, tributum ebenda. ähnlich führt der Straszburger bibeldruck, der gewerff Luc. 20, 22 u. a. für tributum einsetzt, in den bedeutungszusammenhang mit den substantiven schosz, zins, steur, rent, schatzgelt über, die in den anderen bibeldrucken hier auftreten. vgl. Dauner, die obd. bibelglossen 96. dazu vgl.: aber die newen ratsherren hetten dem volk versprochen freiheit vor zoll, ungelt und losung und anderm gewerb (var. gewerf). S. Meisterlin chron. v. Nürnberg; deutsche städtechron. 3, 147; stür und gewerffe sol man geben und thun inn einer stat so es not ist, und jedermann nach dem und er geschickt ist und gt hat. nun der rat, oder ein herr, der gibt eim geschlecht die friheit, das es nit bedurffe geben, stür und gewerff, so lang und di weil er, oder es sein huld hat, und nit brüchlich an im wurt. Geiler v. Keisersberg predigt der himmelf. Mariae (1512) 11d; item die sich widrēt z bezalen recht auffgesatzte stür, bett, gewerff, oder schatzungen. dreieckecht spiegel C c 4a;

[Bd. 6, Sp. 5628]


roub, unbillich stür, gewerff, fründtliche hilff, ungelt, frontag, herren werck, schirmgelt, schatzung. kastenvogti, pfleger, gewalt, undertruckung, urteil ausz gunst. irrig schaf A 3a; das was der iuden gifft, dz sie müstent zoll geben, schatzung, und gewerff wie andere lüt. postill. (1522) 4, 25a; also die herren nemen das grosz von den underthonen, gewerb, steür, und freuel, so kumen dan die amptlüt. Pauli schimpf und ernst (89) Österley s. 68; nach der sündflut aber, da .. Nimroth der erste gewaltige jeger unnd könig, sein newes reich in Chaldea mit landtszordnung, rüstung, rendten und gewerben anrichtet und befestiget, da het man nach silber unnd goldt getrachtet. Mathesius Sarepta 230a;

dann niemands mer z altar godt,
mend ietz auch geben gwerff und steür.
Wickram (der getreue Eckart 4 v. 410) 5, 83 Bolte.

dann frwor was zu burgerlicher sellikeit gehrt, in den dingen wurt unser statt gesehn grszlich ubertreffend, und für alle andere stett uberfliessen, mit kirchen ... zllen, ungelten, gewerffen. Jacob Wimpfeling Tütschland hrsg. v. Moscherosch E 3a; wehe mir und ewig wehe, weil ich zugegeben, dasz meine amtleute, schösser, rentmeister, der armen leüt güterlein zu sich und in meinen kasten gerissen: den schafft, gewerff (fehlt in der ausg. v. 1644, s. 491) gülte und renten erhöhet: die priester schnödiglichen gehalten. gesichte des Phil. v. Sittewald (1, 7), (1677) 622; von den gewerfen, zu steuren an das reich waren die ritter und ihre söhne, die dienstmannen und amtleute der gotteshäuser, frei; die übrigen bürger gaben dazu was von dem rath nach der schätzung des vermögens jedem angeschrieben wurde. Joh. Müller gesch. d. schweiz. eidgenossensch.2 (1786) 113.
 
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gewerf II , das verbalsubstantiv zu werfen, dem das präfix ge nur noch als bildungssilbe dient, ohne eigentliche bedeutung zum ausdruck zu bringen, vgl. angels. geweorp. Bosworth-Toller 466a.
1) die collectivbildung gewerf in der bedeutung von wurfzeug, geschütz. die belege fallen spät, erst von der mitte des 15. jahrh. ab; sie reichen für den lebendigen gebrauch nicht über das 16. jahrh. hinaus. die mittelhochdeutsche epik hatte sich, wo sie schleudermaschinen erwähnt, auf die spezialbezeichnungen beschränkt (trîbok, blîde, pfeteraere, mange u. a.), von collectivbildungen wurde zwar wohl schon das heutige geschütz (s. d.) verwendet, aber anfänglich mit beziehung auf pfeil und bogen und ähnl. handwaffen. unsere bildung dagegen taucht zuerst in der verbindung mit dem groben geschütz der feuerwaffe auf (neben büchse vgl. tormentum Diefenbach 588b), wird aber gerade in den spätesten belegen, den übersetzungen aus antiken schriftstellern, auf die primitivsten formen des wurfzeuges angewendet. das genus, soweit es gekennzeichnet ist, erweist sich als neutrum. vgl. Basler chron. 4, 193; Serranus dict. lat. germ. (1540); Dasypodius a. a. o.; Ochs gesch. d. stadt Basel 3, 450.
a) isolierte verwendung (das substantiv neben dem verbum): und hatent min herren vor wol 14 tag enteil buchsen und das gewerf do oben ... wan si hatent die brug denen geschosen, und das gehus ... und fast das slos verwuest mit dem gewerf. Hans Brüglinger (1445), s. Basler chron. 4, 193; am 15. tag des obbestimpten monats, in der nacht umb das ein, frtent die von Basel ir gewerff uff 13 wegen gon Rynfelden in die statt, das si das schlosʒ domit bewurffen. Heinrich von Beinheim (1445), s. Basler chron. 5, 375; diese alle fhren in 8 schiffen mit einem gewerff gehn Straszburg, welche tausent z fsʒ unnd hundert pferdt darz gabe, die schlgen sich z den uberigen puntsgenossen ... legerten sich endtlich für Mülberg und Graben, schoszen und wurffen in die vestungen. Christian Wurstisen Baszler chron. (4, 24) 243; und weil ihnen aus dem stein mit schieszen feindlich zugesetzt wurde, liehen ihnen die Basler ihr sogenanntes gewerff, um das schlosʒ mit groszen steinen zu bewerfen. solches wurde den 15. juli ... (1445) hinaufgeführt. Ochs gesch. d. stadt Basel 3 (1819), 450;

das werffen hielten sie auff bald
krefftigklich mit der lincken handt ...
gewerff ein jeder zher bracht
das wir als von den thrnen brachen,
von heusern und von hohen dachen,

[Bd. 6, Sp. 5629]



in solchen unsern letsten nötten,
msten wir uns also retten
mit solchem gewerff, mit solchen pfeilen.
Th. Murner, verdeutschung v. Vergils Aeneis (2, 245 ff.: contra turris ac tota domorum culmina convellunt; his se, quando ultima cernunt ... parant defendere telis) 41b.


b) verbindung mit synonymen.
α) darumb so sich einer mit geschütz oder gewerff iebet, und den furgonden eigen man durch schüsset, sol man dar von underscheidlichen reden. Murner instituten (1519) 113b (jaculis ludit et exercitatur); demnach so namend si den krieg dest ee widerumb für dhand, von wegen des rauhen ungelegnen orts, da si verhofftend den vorteil zehaben, unn von den hohen bergen herab mit irem gewrff und geschütz an die Rmer z fallen. Stumpf schweiz. chron. (11, 20) (1548) 361b, ebenso (1606) 673a.
β) am 17. tag des augsten zugent die von Basel fur Rynfelden das schlosz, mit grossen buchsen, gewerff und anderem kriegzug. Heinrich von Beinheim (1445), s. Basler chron. 5, 377; do belgert der Kmpter abt und der gottʒhusʒ-vogt von Ramschwag und die berg-lt desselben gottz-huszes die burg ze Appenzell, wurffend und schussend darin mit bliden, boleren und anderm gewerff. Tschudi schweiz. chron. 1, 200b Iselin.
c) in wörterbüchern wird diese bedeutung des wortes vom 16. bis zu anfang des 17. jahrh. mehrfach verzeichnet: gewerff, tormentum, balista Dasypodius T t 4b; vgl. auch ebenda: tormentum, ein jetlich gewerff, kriegsrstung, damit man schiesset M m 2d; balista, ein gewerff oder bler, ein kriegsrstung, damit man stein, kaat, schelmen, unnd anders geworffen hat D 3b; tormentum ... item ain jeglich gewerff, kriegzsrüstung, damit man scheust. J. Serranus D 8b (vgl. ballista, ein werffzeug c 3b); ganz ähnl. Faber 875a (balista ... ein geschtz, oder maurbrecher 102b); gewerff, instrumento da tirar piedre Hulsius (1605) 63a; gewerff, kriegsrüstung, damit man etwas würfft, balista, tormentum quo tela aut lapides jaciuntur, quam nunc bombardam appellamus Henisch 1598; die späteren wörterbücher verzeichnen unter den lat. stichworten nur andere bildungen, steinwerffer, werfzeug u. a.
2) mit dem vorherigen berührt sich die ganz vereinzelte verwendung für das aufgeworfene, der erdaufwurf; der labial ist hier als verschluszlaut überliefert: dann sie die mauer sicheln mit stricken abkereten und wenn sie die gefast hetten, zogen sie solche mit reiszarmbrosten hinein, entzogen uns auch die gewerb und schantzen durch heimliche geng deste bas. Ringmann Caesar (de bello Gallico 7, 22) (1565) 242 (aggerum cuniculis subtrahebant).
3) die collectivbildung mit der engeren, auch an werfen, wurf ausgebildeten, bedeutung des gebärens bei thieren, gewerf = partus: im frling ziehen sie (die thynni) mit hauffen usz dem hohen mr, in das mr der insel Ponti, und leichen niergent anderszwo. das jung gewerff heisszt cordilla (cordyla appellatur partus), und folget den alten nach, die uff den herbst wider ins mr streichen. H. Eppendorff übers. von Plinius naturgesch. (9, 11), s. 109.
4) auch die function des nomen actionis, wie sie unser neueres verbalsubstantiv ausprägt (s. unter gewerfe), kommt schon in der älteren kurzen form rein zum ausdruck: das hab ich nechst an einem ort, da man ein ubelthetige person gerichtet hat, ein geschrei, gedmmel, gelauff, gerauff, gewerff mit schneebaln, schnollen, und anderm, gesehen und gehrt. Jacob Ayrer histor. processus juris (2, 5) (1597), s. 524.
 
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gewerf III . bildungen, bei denen fraglich bleibt, ob sie zu werfen oder werben zu stellen sind, vgl. sp. 5624.
1) das lateinische vorago in der sage von Marcus Curtius wird einmal durch gewerf übersetzt: eʒ geschach z Rom, enmitten in der stat, daʒ sich ein fraisleich gruft auf tet ... do antwurtten sie (die götter) also der fraislich gewerf wirt nicht z getan, den eʒ laʒʒ sich ettwer willichleich hinein. gesta Romanorum, Keller, s. 34 (non claudetur haec vorago, nisi aliquis voluntarie se immergat); man könnte hier an wirbel, strudel (vorago) denken und so auf werben zurückgehen. ein anderer versuch (vgl. mhd. wb. 3, 727) will die erklärung aus der bedeutung schlund gewinnen und lehnt unsere verwendung

[Bd. 6, Sp. 5630]


an den jägerausdruck gewerf (vgl. unter 2) an; damit kämen wir auf gewerf = gelenk (s. o. sp. 5489 ff.) als ausgangspunkt. näher liegt es, hier die glosse uzwerf, jactus (terrae) heranzuziehen, die Graff 1, 1040 aus den Hraban-Keronglossen anführt, ohne dasz sie bei Steinmeyer-Sievers 1, 194 in dieser form zu belegen ist; auszerdem vgl. zerwurft = zwiespalt Schmeller 22, 998; vgl. auch zerwürfnisz und s. DWB gewerf II, 2.
2) gewerf als jägerausdruck, vgl.: gewäff, gewerf, gewerft, gewehr, waffen, dann schneid, nennt man die untern langen zähne einer sau Heppe 148 u. a., s. oben sp. 4742. das wort ist zuerst aus Wickram belegt, bald nach ihm taucht es auch in den buchungen der jägersprache auf, von denen aus es dann in die allgemeinen wörterbücher überdringt. litterarisch ist es auszer bei Wickram nur ganz selten belegt. die erklärung bereitet grosze schwierigkeiten, weil sich mehrere möglichkeiten darbieten, ohne sich durch entscheidende gründe stützen zu lassen. die zusammenstellung mit gewerf = vorago (in den gest. Romanorum) könnte auf gewerbe = gelenk zurückführen. Adelung knüpft an werfen an: die hau oder fangzähne der wilden schweine, weil sie damit gleichsam um sich werfen. 2, 660. wer die erklärung auf dem wege der bedeutungsentwicklung zu gewinnen sucht, wird die synonyma, mit denen dieses gewerf sich verbindet, beachten müssen, und da führen die collectivbildungen gewehr, gewäff, waffen, die alle kampfwerkzeuge kennzeichnen, auf das oben unter gewerf II, 1 angeführte collectiv. vielleicht musz sich die erklärung jedoch auf das lautliche gebiet beschränken und der formellen berührung mit gewehr und gewäff das hauptaugenmerk schenken.
a) litterarische belege:

die frucht, so uff den baumen stundt,
weder œlber noch die lorber,
vor disem schwein mocht bleiben mehr.
inn summa, welcher baum frucht trug,
es mit seim gewerff darnider schlug.
Wickram (Albrechts Ovid 8 cap. 6 v. 574) 7, 365 Bolte (von Bartsch in seiner ausgabe Albrechts übernommen: mit sînem gewerfe);

dem lewen mocht sein sterck und grimm
inn keinen weg gehelffen nimm,
das wildschwein sein gewerff nichts bat,
den hirschen auch sein schnelli hat
nichts gholffen inn der grossen flt. (1. cap. 12 v. 579) 7, 26;

sein gwerff und zeen er (der eber) fürher warff
gewetzet wie ein messer scharff,
die warn schier einer elen lanck. (8. cap. 6 v. 547) 7, 364, ebenso 7, 372: mit scharpffem gewerff. (8 cap. 8 v.) 807;

da kam ein schwein, sein gwerff was scharff. (irr. bilger 18b) 4, 158 Bolte;

das schwein hat starcke waaffen unn gewerff. Sebiz vom feldbau 569; das gleiche Meurer jagd u. forstrecht 64b; jägerkunst Ba;

allein das gröszte schwein, voll bosheit und voll list,
thät brauchen sein gewerf und schlug um sich gar freche. Breitenfeldische schweinhatz (1631) bei
Opel u.
Cohn 279, 91.


b) belege der wörterbücher: gewerf, ist ein weidw., heisset die scharffe waffen des hauenden schweines. Schottel 634b; gewehr. in der jägersprache die zähne der wilden schweine, welche man waffen und gewerff nennet. (jagdw.) Jablonski allg. lex. d. künste u. wissensch. (1721) 247a (vgl. auch ausgabe von 1767, s. 534b); gewehr, gewerff, oder waffen ... die vier grösten zähne der wilden hauenden schweine ... mit welchen sie leute und hunde darnieder zu schlagen vermögend sind. allg. ökonom. lex. (1731) 827; genau so Chomel 4, 1045; Eggers kriegslex. 1, 1055; ähnl. Zinck ökonom. lex. 947; Stahl forst-, fisch- u. jagdlex. 1, 1040 (vgl. unten theil 13, 285); Adelung 2, 660; Schwan (1783) 1, 745a; Nemnich deutsches wb. d. naturg, 192 (gewähr, gewärft); Hilpert 1, 464a; gewerf, waffen der raubthiere. Fulda versuch einer allg. teutschen idiot. samml. 583; gewerf (auch gewerff, gewehr, fänge, hauer, haderer und waffen genannt) heiszen die eckzähne der wilden schweine. Behlen 3, 418; vgl. auch Heinsius 2, 435a; H. Laube jagdbrevier 258; Thiel 4, 428b; Train5 s. 351.
 
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gewerfe, n., das verbalsubstantiv zu werfen mit der function des nomen actionis, vgl. DWB gewerf II, 4: das gewerfe, das werfen, l'action de jeter Schwan (1783) 1, 745a;

[Bd. 6, Sp. 5631]


gewerfe Campe 2, 362; Heinsius 2, 435a; geräuschlos, ohne thürgewerfe, vgl. Sanders erg.-wb. 630a.
 
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gewerfen I, verb. , verstärktes werfen. während schon aus Ulfilas mehrfach formen von gawairpan belegt sind, (vgl. auch angels. geweorpan Bosworth - Toller 466a), ist das präfix ge hier für die althochd. periode ganz auf das part. prät. beschränkt, vgl. Graff 1, 1028, der den ersten anderweitigen beleg aus Notker beibringt. die mittelhochd. dichtung begünstigt das präfix in anderen formen des prät. und bevorzugt fälle, in denen das verbum mit präpositionaladverbien verbunden ist, vgl. mhd. wb. 3, 740a; Lexer 1, 987 und nachtr., s. 208; vgl. auch Schiller-Lübben 2, 103. aber auch die prosa nimmt die verstärkte form auf und läszt sienamentlich im infinitivverhältnismäszig nahe an die neuere sprache reichen. noch 1772 wird sie im forst-, fisch- und jagdlex. (1, 1043) wenigstens als stichwort aufgeführt. auf die bedeutung übt das präfix nirgends einflusz; überwiegend ist die grundbedeutung des verbums ausgeprägt, übertragene verwendungen sind selten.
1) gewerfen mit der grundbedeutung.
a) das präfix in formen des präsens: jah gawairpands ina sa unhulþa in midjaim urrann af imma. Ulfilas Luc. 4, 35 (und der teufel warff in mitten unter sie. Luther); ähnlich Marc. 9, 18; dazu vgl.:

gar dicke in so gewirfet er in
fur und in die waszer hin. evangelienwerk v. S. Paul 59c Schönbach (Marc. 9. 21 misit., wirft cod. Tepl., het geworfen
Beheim. Luther);

swer uf im swere burde hat,
der suchet manigen engen rat,
wie er gewerfe sie hinabe. passional (11) 107, 3 Köpke, vgl. 2, a.


b) in formen des präteritums:

nie gewarf dehein schûr
sînen hagel alsô dicke,
alsô der flammen blicke
von ir swerten ûf sprungen.
H. v. d.
Türlin krone 11900 Scholl, (nach der Wiener handschr. 14. jahrh.; gewan Heidelberger handschr. 15. jahrh.;

mîn zorn was gewetzet
gên ir zorne, der was scharf.
vil sæleclîche ich gewarf
mit dem stecken ich sî traf. v. d. übeln weibe 604 Haupt;

als er uʒgewarf sin garn
und wolde gerne vischen. passional (44) 363, 74 Köpke;

hie vor in miner jungen zitt,
do ich ain torocht spiler was
und kumm vor luodri genasʒ,
bis das ich um den wurff gewarff,
wie wol die spiler waren scharpff,
mich frowt kain spil, es gult dann bar.
Hermann von Sachsenheim die mörin 5887 Martin;

und uz dem wingarten da hin
gar verre sie gewurfen in. evangelienwerk v. S. Paul 67a Schönbach (Marc. 12, 8 ejecerunt; wurfen in den anderen bibelübers.); vgl.: daz sie hin abe gewurfen in 77d (praecipitarant Luc. 4, 29 gestîezen
Beheim; hin ab stürtzeten
Luther).


c) beim infinitiv: goþ þus ist galeiþan in libain haltamma, þan twans fotuns habandin gawairpan in gaiainnan. Ulfilas Marc. 9, 45 (βληθῆναι, und werdest in die helle geworffen. Luther); warumme mochte wir en (den teufel) nicht ûz gewerfin? Beheim Matth. 17, 18 (ejicere; ausgewerfen cod. Tepl., ebenso noch Mentel; auswerfen Augsburger bibel v. 1477 u. a.); wie mac Sathanas Sathanam ûz gewerfin? Beheim Marc. 3, 23 (auswerfen cod. Tepl. u. a.; austreiben Luther); und uffe dirre ersten staffeln stot dirre selbe anevohende mensche rehte geliche eime rore daʒ der wirt hin und her gewerfen mag. Rulman Merswin buch v. d. zwei mannen, Lauchert, s. 56; ob er irigin kein stein vnde da mit er den armen man mochte gewerfin. altdeutsche predigten 1, 104 Schönbach; so er mit dem ainen fues an dem hoffʒaun stet, und als weit er mit ainer parten gewerfen mag, so verr hat er zaunholʒ mit den von Rum. register von Rum (handschr. v. 1540) österr. weisth. 2, 220; die alt fraw sprach, ir müssen an dem sontag frü, als bald man das thor uff tt, hinuzʒ für die stat gon in den hanffacker, da der baum in stot,

[Bd. 6, Sp. 5632]


und als weit als ir gewerffen mögen, darvon ston. Pauli schimpf u. ernst (135) Österley, s. 99.
2) gewerfen mit ansätzen zu übertragener verwendung: dîe iro ubeli aba dero manheite gewirfet, quos improbitas deiecit ab humana conditione. Notker Boeth. 178a.

sît daʒ sîn herze nie gewarf
ûʒ vil hôher stæte sich,
sô gedenket er daʒ ich
mit triuwen sîn geselle was.
Konrad von Würzburg Engelhard 5654 Haupt;

so was ir antlitze
schone und uzerwelt so ho,
daʒ si den keiser machte vro,
der den blic an sie gewarf. passional 671, 65 Köpke;

als er die rede in vorgewarf,
do wart ir herze also scharf. 39, 81;

mit minen vreuden ich da ranc,
unz ich sie under mich gewarf. passional 285, 73 Köpke;

und bitten vil innechlîchen, daʒ der geist siner minne unser herz erfulle ... und als er erstuont von dem grabe, daʒ wir alsô zerucke gewerfen alle unser missetât, die uns an lige lîbes und sêle. St. Pauler predigten 86 Jeitteles; dese ghedachten en kunde he nicht van em ghewerpen. leben d. h. Franz 48b. Schiller-Lübben 2, 103.
 
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gewerfen II, verb., unmittelbare ableitung von gewerf I: sollen in aller mass als andere ligende güetter, so die innwoner des gotzhuses buwen und besitzen, gesturt gewerfft und angeschlagen werden. urk. v. 1480 bei Schöpflin Alsatia dipl. 2, 413; gewerfen, steuren oder lossungen, guarandare, vocab. v. 1482, vgl. Lexer 1, 987.
 
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gewerfnis, f., ableitung von gewerf I: wir Friderich ... haben ... geordnet und gesetzt, dasʒ nu fürbasʒ hin der gemelt abbt und sein nachkommen des gemelten gotzhusses Murbach uff all und iclich güetter ligende, ... stür gewerffniss und ander mittliden zu einer jeden zitt, so das ir und des gotshuss nottdurfft ervordert, schlahen legen nemen und gebruchen. urk. v. 1480 bei Schöpflin 2, 413.
 
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gewerk, n. , eine form, deren neuerer gebrauch auf andere voraussetzungen weist, als die gleichlautenden formen der älteren sprache erschlieszen lassen. althochdeutsch und mittelhochdeutsch gewerk gehören nach bildung und bedeutung in die gleiche sippe, die in der heutigen sprache durch das neutrum gewirk (s. d.) vertreten ist. die hauptlinien unseres heutigen gebrauchs von gewerk dagegen zweigen von dem entwicklungsgang ab, den das masculinum gewerke (s. d.) genommen hat. denn das gewerk der neuhochdeutschen sprache ist in erster linie ein collectivum, das dem plural von gewerke entspricht, ebenso wie auch das fem. gewerkschaft (s. d.) neuerdings in den gleichen bedeutungszusammenhang einmündet. in dieser collectivbedeutung, die zunächst auf personen eingeschränkt ist, füllt gewerk eine lücke aus, die der bedeutungsumfang von gewerbe offen liesz. auf diesem gegensatz beruhen vor allem die bedeutungsunterschiede von compositis wie gewerksabgaben gegen gewerbeabgaben, gewerksamt gegen gewerbeamt, gewerksartikel gegen gewerbeartikel, gewerksassessor gegen gewerbeassessor, gewerkslade gegen gewerbeladen, gewerksmässig gegen gewerbemässig, gewerkschaft gegen gewerbschaft, gewerkverein gegen gewerbeverein.
dasz in solcher ergänzungsstellung von gewerk neben gewerbe auch übergangspunkte zur bedeutungsannäherung liegen, ist selbstverständlich; in mehr als einem zusammenhang tritt das persönliche moment an der collectivbedeutung von gewerk zurück, und der gegensatz gegen gewerbe verwischt sich. überdiesz ist wohl auch mit nachwirkungen mancher älterer gebrauchsformen von gewerk zu rechnen, die sich namentlich landschaftlich geltend machen, denn die meisten berührungen von gewerk und gewerbe gehören nordost-deutschen zeugnissendem colonisationsgebietan. für diese berührungen sind namentlich composita typisch, vgl. DWB gewerksanlage (neben gewerbeanlage), gewerksfach, -geheimniss, -schule, -stadt, -tisch, -waare, -welt. vor allem gehören hierher gewerksam und gewerksleute.
1) gewerk und gewirk.
a) formen und bedeutungszusammenhang mit dem substantiv werk und den schwachen verbis wirkjan, wurkjan (wirken) und werkôn.

[Bd. 6, Sp. 5633]



α) das gotische zeigt dreierlei substantivableitungen aus dieser sippe: gawaurki neben gawaurkjan; waurstw zu waurkjan und die participialform, die in zusammensetzungen wie uswaurhts (gerechtigkeit), frawaurhts (sünde) eine weitgehende verflüchtigung der bedeutung des verbums erkennen läszt. auch in gawaurki ist die bedeutung weit von ihrem ausgangspunkt abgelenkt; sie hat sich in der gleichen richtung verengert, die gewerbe in der parallele mit negotium, quaestus einschlug: ni ainshun drauhtinonds dugawindiþ sik gawaurkjam þizos aldais. Ulfilas 2 Timoth. 2, 4 (kainer, der da ritterschaftet got, unterwindt sich weltlichcz gescheft. cod. Tepl.); jah gasviltan gawaurki. Phil. 1, 21 (sterben ist mir ein gewin, cod. Tepl.; ebenso Luther u. a.). ebenso Phil. 3, 7; 1 Timoth. 6, 6; ei Christau du gawaurkja habau, Phil. 3, 8 (daz ich gewunne Christum, cod. Tepl. ähnl. Luther). ursprünglicher und umfassender ist die bedeutung dagegen im gotischen waurstw erhalten, sie wird dort auch in den beiden richtungen zum ausdruck gebracht, die die deutschen beispiele bestimmen, in der function eines nomen actionis und in der zuspitzung auf das ergebnisz der thätigkeit.
1)) du þammei arbaidja usdaudjands bi waurstwa þatei inna waurkeiþ in mis in mahtai. Ulfilas Koloss. 1, 29 (in dem auch ich arbait ze streiten nach seiner wirkung, di er wirkt in mir in der kraft, cod. Tepl.); ebenso Phil. 3, 21; Ephes. 1, 9; 4, 16; ähnl. Koloss. 2, 12.
2)) got waurstw waurhta bi mir, Ulfilas Marc. 14, 6 (ain gut werk hat si gewirkt an mir, cod. Tepl.); genau so Joh. 6, 29; ähnl. Joh. 10, 33.
β) an die eben erwähnten gotischen bildungen knüpfen ähnliche gebrauchsformen auch auf deutschem boden an.
1)) eng vor allem schlieszt sich an uswaurhts, frawaurhts das fem. kawurht, alts. giwurhti an, s. Graff 1, 975; vgl. angels. gewyrht Bosworth-Toller 473a, mhd. gewurht, mhd. wb. 3, 595a; Lexer 1, 998. das fem. bringt durchweg die function des nomen actionis zum ausdruck und unterstellt die handlungen der sittlich-religiösen beurteilung: cawurht, merito; pi kiwurihtim, merito. Keronische glossen bei Graff a. a. o.;

thanen eft kuman
an himil-wolknun herodendi allumu helidô kunnie
mid is wordun adêlian,al sô irô gewurhtî sind. Heliand 5099; ebenso 2147;

ni was it thôh be is giwurhtiun gidôan. 5110;

si sprâch von weleher gewrhte chumet mir
daʒ du chome zu mir
mter mines herren
min chint wil dih eren,
daʒ mendet sich ine mir. leben Jesu bei Diemer dtsch. ged. 231, 12, ähnl. 246, 21; vgl. auch (bücher mosis) 9, 14;

da sint die herren iouh die armen alle gliche
da teilit unsere ieclichem sine gebe got der riche
also er die mazze an unseren guirhten weiʒ. das himmelreich 245 (z. f. d. a. 8, 152);

deiz uns nah unsern guirhten nihne werde vergolten. 334.

dagegen weist auf die breitere grundlage, von der sich diese engere bedeutung abgezweigt hat, der folgende beleg zurück: diu maget genas von gotes gewirhte des gotes sunes. spec. eccles. 26.
2)) der bildung nach schlieszt sich hieran das neutrum gewürchte, das die sachbedeutung vertritt. die belege reichen nicht über die mittelhochdeutsche dichtung zurück (das angels. neutr. geweorcht unterscheidet sich in der bedeutung nicht vom fem. gewyrcht, vgl. Bosworth-Toller 466a), greifen aber in die neuhochdeutsche prosa über, vgl. mhd. wb. 3, 595; Lexer 1, 998. vgl. auch unten, s. vor allem gewirk. in der bedeutung lassen sich zwei hauptgruppen scheiden, die allgemeinere eines bauwerks und die engere eines flechtwerks:

dem bethuse nahen bi
worhten stein metzen dri
ein gewelbe so getan (grab für Hektor)
... an dem gewelbe was sulch pris
... daʒ geworchte was so riche.
Herbort von Fritzlar troj. krieg 10785 Frommann,

ebenso 1817 ff. 1828. vgl. auch gewurchte Gothaer und Heidelberger handschr. zur Eneide 9401;

roc unde mantel haete er an
von einem pfelle, des was rîch
unde an gewürhte wunderlîch.
Gotfrid Tristan 2534,

[Bd. 6, Sp. 5634]


ebenso Ulrich von Zatzikhoven, Lanzelet 4760, 9212; Schaidenreisser Odyssee 42b; 6a.
3)) in beiden bedeutungen kreuzt sich mit dieser bildung eine unmittelbare ableitung vom verbalstamm, die dem gotischen gawaurki am nächsten entspricht. sie tritt allerdings erst spätalthochdeutsch auf, und es ist hier wie bei den belegen der mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen zeit möglich, dasz es sich um neubildungen handelt, die erst später vom verbum abzweigen, vgl. gewurchi Graff 1, 975; gewürke, gewirke mhd. wb. 3, 595a, Lexer 1, 999, vgl. auch gewirk und gewirke. der bedeutungsumfang dieser bildung ist der umfassendste, er bringt neben den beiden hauptformen der sachbedeutung auch das nomen actionis auf breiter grundlage zur geltung.
a)) nomen actionis: sîn selbes operatio (kewurche) unde sin selbes fortitudo (chraft) Notker psalm 97, 1 Hattemer 2, 349; alle leut, mit allem irem gewurke sind vol eitelkeit worden. ackermann aus Böhmen 39, 15; got und ich wir seind ein in disem gewürcke, er würcket, und ich gewürde. Tauler predigten (1521) 305b; des nutzes unde des gewürkes David v. Augsburg s. z. d. a. 9, 50.
b)) sachbedeutung, vgl. auch DWB des fîants gewirk Malagis, s. Lexer a. a. o.
α)) daz kewurche dero werlte, textum mundi Notker, übersetz. des Mart. Capella, s. Graff a. a. o.;

dar ûf man dô worhte
mit simeze und bereite
ein geworke, daʒ sich breite
al umbe in allen sîten
enlenge unde enwîten
ze iegelîchem steine
gûter spannen eine.
H. v. Veldeke Eneide 253, 4 Ettmüller (var. gewurke, werc),

ebenso 251, 37 (Gothaer handschr.: geworchte; Heidelberger handschr.: gewirke); nieman sol legen dekeinen mist für sin hus, er enwelle in denne zehande emwec füren an die stat, die man hie uz nimet, sunderliche als bi den fleischbenken, bi sant Stephane, bi dem brunnen an dem rossemerkte, und an der stat, der man sprichet gewirke, deutsche übers. (des 13. jahrh.) des Straszburg. stadtrechts bei Gaupp stadtrechte d. mittelalters 1, 69 (locum qui dicitur gewirke lat. fassung des 11. jahrh.). ob gewirke hier dungstätte bedeutet, und ob das tertium comparationis das kunstmäszige aufschichten des düngers bildet?
β)) item adi 27 novembris kauft ich durch die Lochnerin allerlai polster, küsz und gewurk als hernach stet. Tucher haushaltbuch 104 Loose, ebenso 105. das gleiche bei Schaidenreisser Odyssee 81a. vgl. auch gewirk.
γ) wie schon die lesarten einzelner belege zu gewurcht und gewurche gezeigt haben, ist in allen diesen verwendungen auch die form gewerk zu beobachten, die ihrer bildung nach wie in ihrem bedeutungsgehalt als eine verstärkte form zu werk (s. d.) anzusprechen ist, vgl. cawerch Graff 1, 965; nebenformen zeigen auch die bildungsweise der collectiva mit dem i-suffix (vgl. kiwirkhi ebenda 967), ohne dasz eine collectivbedeutung recht hervortritt. schon in der mittelhochdeutschen periode ist die erhöhung des stammvocals vor dem i-suffix wieder beseitigt; über den auslaut liegen sichere anhaltspunkte kaum vor, wenn auch als normalform in den textausgaben durchweg gewerke angegeben wird, vgl. mhd. wb. 3, 590b. Lexer 1, 987; die neuhochdeutsche periode zeigt von anfang an die kurze form gewerk in übereinstimmung mit dem simplex werk. die form gewirk (s. d.) darf nicht für das fortleben des älteren kiwirkhi in anspruch genommen werden, sie ist rein lautlich aus gewürk, gewürke entwickelt.
b) die verwendungen von gewerk führen in der althochdeutschen periode nicht von der linie ab, die durch den gebrauch des einfachen substantivs gezogen ist (vgl. DWB werk bei Graff 1, 962); dort haben sich verwendungen ergeben, die die function eines nomen actionis ausprägen (werk = operatio, fabricatio, opera) und solche, die der sachbedeutung zustreben, vgl. ther sulch werk wirkit Otfrid 3, 20, 150 u. a.
α) die function des nomen actionis (im angels. geweorc kaum mehr zur geltung gebracht, vgl. Bosworth-Toller 465b).
1))

forlâtan fîundes giwerk
diuules gidâdi, endi sôkean irô drohtines rîki. Heliand 1365;

[Bd. 6, Sp. 5635]



thu skalt hir kraft sehan,
waldandes giwerk; thi skal hir willeo gestandan. 2196, ebenso 160;

that ni wâri gôdlîkora
alah oar erðuthurh erlô hand,
thurh mannes giwerkmid megin—kraft
rakud arihtid. 4279.


2)) scenophigia, constructio templi, kiwirkhi. Keronische glossen Steinmeyer-Sievers 1, 253;

Mathêus endi Markusso wârun thia man hêtana,
Lûkas endi Jôhannes;sia wârun gode lioa,
wirðiga ti them giwirkie. Heliand 20 (nur im Cott.), vgl. auch 3429.


β) die sachbedeutung, die vor allem im angels. geweorc ausgeprägt ist (vgl.hord reafian, eald enta geweorc Beowulf 2775 u. a.; vgl.geweorc, arx, figmentum, machina Bosworth-Toller 465 ff.), findet auch althochdeutsche und altsächsische parallelen; editio cawerch Ambraser handschr. der Hrabanischen glossen Steinmeyer-Sievers 1, 117 (in den handschr. der Keronischen sippe cascaf, kiscaf); figmentum, cawerch ebenda 1, 157;

than mêr te thiu burg ni mag,thiu an berge stâd,
hôh holm—klîbu,biholan werðan,
wrisilîk giwerk. Heliand 1397.


c) für die mittelhochdeutsche dichtung liegen nur wenige belege vor; diese aus der ältesten zeit, beim pfaffen Lamprecht und Heinrich von Veldeke. vertreten ist dabei das nomen actionisals gegenstand sittlich - religiöser beurtheilungund die sachbedeutung in den beiden richtungen des bauwerks und des flechtwerks.
α) nomen actionis, vgl. gewerc Verwijs-Verdam 2, 1898:

si dienden Sinte Servaes al dae
mit groten œtmœde,
mit âlrehande gœde,
mit menghen gœden ghewerke
mede te zieren sine kerke,
met waken ende meede gebede.
Heinr. v. Veldeke Servatius 2, 289 Bormans. ebenso 1, 1742.


β) sachbedeutung, vgl. Verwijs-Verdam 2, 1899.
1))

diʒ sult ir rehte merken:
dô hîʒ er starc gewerke (handschr. gewerken)
machen ûffe schîben
und zô der stat trîben
und hîʒ di mûren howen
mit stehelînen gezowen.
Lamprecht Alexander (Straszb. handschr.) 1206 Kinzel;

dô leitte mich di kuningîn
di dritte kemenâten în ...
von edelen holze aspindei
was daz gewerke. (Straszb. handschr.) 6095;

der besten spiegel einen,
dannen abe ich ie gehôrde,
der stunt an einem orde
oben an dem gewerke
mit solhem gemerke,
swenne lieht was der tach,
daʒ man den spiegel gesach.
Heinr. v. Veldeke Eneide 256, 1 Ettmüller (gewrche Berl. handschr., gewerche Münch., werke Gotha, Heidelb.).

dazu vgl. DWB gewerke in der ausgabe von Behaghel 9448, 9401. 9565, wo die lesarten die oben belegten nebenformen aufweisen oder das einfache werk zeigen.
2))

ein brûn zobil zu mâzen rûch ...
des selbin gewerkis
was ein roc ir gesnitin
nâch den franzoyschin sitin
wedir zu lanc noch zu kurt. Athis u. Prophilias D 158 W. Grimm.


d) vereinzelte neuhochdeutsche belege sind nicht immer sicher von den unter dem einflusz der entwicklung von gewerke entstandenen verwendungen zu trennen, einige aber gehören bestimmt hierher.
α) an die obigen belege für das nomen actionis knüpft an: unde vorchte sich ein iclich mensche und si gebotschaften die gewerg gotis und di tat sin vernomin si Trebnitzer psalmen 63, 10 (opera dei et facta ejus; gotes werk Notker, ähnlich Luther. dazu vgl. gewerck, DWB tagarbeit, opus, operatio, labor, industria operantis, s. werck Henisch 1598. dagegen steht das folgende nomen actionis unter dem einflusz der später (β, 2)) besprochenen verwendung:

sieh! wie besorgt um dein neu werdend leben,
geschäftig rings sich regen werkgesellen!
die bien' häuft linden seim dir in die zellen,
... und zwischen das gewerk tönt das geklinge
der nachtigall, als mahnende frohnglocke.
Rückert (liebesfrühling) 1, 358.

[Bd. 6, Sp. 5636]



β) die sachbedeutung wird innerhalb der oben festgelegten gruppen verschiedenartig eingeengt und abgelenkt. beim bauwerk wird unter anlehnung an bergwerk u. a. die beziehung auf den bergbau entwickelt, beim flecht- und netzwerk die von gewirk so häufig gestreifte thätigkeit der biene; andere entwicklungsformen beruhen auf späterer entlehnung aus dem bedeutungsgehalte von werk, so die kennzeichnung des räderwerks einer maschine oder die allgemeinere bedeutung eines erzeugnisses des kunstfleiszes.
1)) beziehung auf den bergbau.
a)) item du salt wissen wu freie tsechen und lehenschafft is do hot recht ein tribgewerk fier lochter und ein lehenhewer sall weichen dem tribgewerk zwen lochter. nachtrag zum Schemnitzer bergrecht Wenzel (s. Wiener jahrb. d. litt. 104, anzeigebl. 20), vgl. auch erbgewerk ebenda;

die meister, knappen, steiger,
schmelzer, probirer, scheider,
unnd was hilfft in gewercken,
sei fleissig und getrew,
hab gut gewissn darbei.
Mart. Rinckhart eisleb. christl. ritter (3. 10), s. 68 neudr.


b))

ich hatt im frieden ja den dienst beim, salzgewerk zu Hall.
Immermann (Andreas Hofer 1) 16, 498 Hempel.


2)) gewerk = gewebe, das flechtwerk der spinnen, der zellenbau der bienen: o wie fein reimt sich Esaie spruch: si brüten basiliscen eier, und wircken spinnewepp: aber das gewirck und gewerck taugt nichts zur decke: dan ir werck ist muh. Fischart bienenkorb 57b (1581; fehlt 1579); sie bauen sechseckichte zellen und füllen dieselben mit seim, und machen honigkuchen, aus welchen das honig fliesset. die gewerke am feuer geschmelzet, werden zu wachs. Comenius orbis pictus (1662) 99; crates, das gewerke. ebenda; zum dritten die fliegen, unter welchen die seidenwürme die seide machen, die sumsenden bienen honighäuszlein oder das gewercke (so die hummeln auszzehren), und lassen jährlich einen schwarm, als ein newes volck, auszfliegen. janua aurea (1644) 62 (favos mellis. les rayons de miel).
3)) neuere verwendung von gewerk im sinne von werk.
a))

(Hekuba) stieg empor
in's duftende gemach, wo, allerlei
an kunst, gewänder lagen, das gewerk
der mädchen Sidon's. Ilias, übers. v. Bürger (6. 379) 3, 137 (werke Sidonischer frauen
Voss);

dann mag's ein anderer, oder nie einer besser machen: mir gleich viel! über meine bereits fertige arbeit aber sprech' ich den schwur des Pandarus aus:

»es schlage mir mein feind das haupt herab,
wenn meine hand dies nichtige gewerk
nicht dann zerreiszt und licherloh verbrennt!«
Bürger (prolog z. 5. rhapsodie der Ilias in jamben, vgl. Ilias 5, 215 wo nicht dieses geschosz in loderndes feuer ich werfe
Voss).


b))

ein hölzern männlein, wunderlich geschmückt,
ist aufgestellt vor all den kühnen recken,
ein männlein, in die stellung hingebückt,
die hinter zäunen heimisch ist und hecken;
durch innere gewerke vorgedruckt
entfallen münzen in ein klingend becken.
Uhland (Fortunat 1, 221), 1, 350 Erich Schmidt.

vgl. die älteren ähnlichen belege: gewerk signifie aussi le frein, pour arrêter un moulin à vent Schwan (1783) 1, 745a. vgl. machinae = gewerkzeug Comenius orbis pictus (1662) 134.
c)) er nahm den ambosz, als sei er eine feder, auf und trug ihn nebst hammer und zange unter einen kleinen schoppen zwischen wohnhaus und scheure, in welchem hobelbank, säge, stemmeisen und was sonst zu zimmer- und schreinergewerk gehört, bei holz und brettern mancher art stand, lag oder hing. Immermann (Münchhausen 2. 1) 1, 124 Hempel;

du muszt ja schaffen, muszt erraffen,
in steter gier nach gut und geld;
sie gönnen dir kein handgewerke,
sie gönnen dir kein ackerfeld.
Karl Bech lieder vom armen mann (der trödeljude) (1846) 57.


d)) wie bei werk wird auch die stätte, die anstalt, in der die arbeit verrichtet wird, in den bedeutungsumfang von gewerk hereingezogen. Campe ist der erste, der im gegensatz zu Adelung auf diese richtung der entwicklung aufmerksam macht: gewerk ... auch eine werkstatt oder

[Bd. 6, Sp. 5637]


anstalt, wo diese arbeit verrichtet wird (fabrique, manufactur), das grossgewerk 2, 362; das grosze und überaus sehenswürdige gewerk für tücher zu Vael. ebenda, u. a.; beide älteren brüder hatten gemeinsam eine gerberei von ihrem vater überkommen, ... als aber nach dem kriege dies gewerk ... zu stocken begann, kamen schwere magere jahre. Gervinus leben 3.
2) die hauptverwendung des heutigen neutrums als ergänzung und seitenstück zu gewerbe weist in den entwicklungsgang des nomen agentis gewerke hinüber, aus dem ein moment deshalb hier vorweg genommen werden musz.
a) der pluralgebrauch dieses masc. gewerke entwickelt eine collectivbedeutung, die ihre eigenen wege geht und einen neuen singular ergänzt. damit ist nicht blosz ein genuswechsel verbunden, sondern auch ein übertritt aus der schwachen flexion in die starke, deren vorbedingungen in der unsicherheit des gebrauches dieser formen hier nachgewiesen werden können. gleich die ältesten belege aus Schützes Preuszen (1599) lassen das erkennen, in denen das substantiv übrigens bald mit bald ohne präfix erscheint. zur schwachen flexion, vgl.: sonderlich als ihnen nicht unbewust war, was die gemeinden und wercken der rechten und alten stadt dem hohmeister allbereit geantwortet hetten 221a; am mittwoch nach palmarum schriebe der hohmeister und der gewesene compter zum Elbing der von Plawen an die gewercken und gemeinde der alten stadt Königsberg und lobet ihr trew und guthertzigkeit, die sie zu dem orden trugen 115b; zur starken form vgl.: unter den siegeln der wercke hosenneher, schneider und becker, welcher siegel wie alle andere wercke und gantze gemeine der rechten und alten stad Dantzigk hier zu gebrauchen für diszmahl 220b u. a. der gleiche gegensatz kehrt auch in andern belegen wieder, vgl.: auff diese waren (folgten im festzuge) die knstler und gewercken, und bald hernach die obrigkeit, ein jeglicher mit dem ehren zeichen seines ampts. Barclays Argenis (3, 3) übers. von Opitz 1, 411 gegenüber von: als haben wir hiemit den handwerckern und der gemeinen burgerschaft auferlegt, das ein jeder vor martini zu seines hauses notthurft sein brotkorn einkaufe, versorge und sollen die gewerke für sich und ihre guldebruder ... sich von ihrem vorrath zeitlich in einem jeden ambte mit brotkorn versehen. Stettiner kornordnung von 1606 bei Naudé, getreidehandelspolitik 120, vgl. auch die gewerke bei Migrälius altes Pommern 2, 40. 2, 59 u. a. den günstigsten boden für solche verschiebungen bot der dativ pluralis, in dem beide flexionen übereinstimmen, und in dem das substantiv besonders häufig belegt ist: uber dieses alles feierete der hohmeister nicht, sondern unterbawete allenthalb bei dem gemeinen manne und bei den wercken zu Dantzig, damit er sie wieder an sich ziehen möchte. Schütze Preuszen 220a; wir haben auch den gemeinen und gewercken in der rehten und alten stadt Dantzig in gleicher weise geschrieben 221a; also haben wir ... die in gedachten unserm königreiche denen gewerken vorhin ertheilte innungsbriefe, oder sogenannte privilegia aufzuheben resolviret. königl. preusz. verfügung von 1751 bei Rohrscheidt, vom zunftzwange 29; die gleiche form auch in der handwerksordn. für Westphalen v. 1774 bei Ortloff 87; preusz. verordn. v. 1808 gesetzs. s. 315; Göthe 11, 303; (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen u. s. w., s. 29. 40. 73. 148; Benda Shakespeareübers. 12, 213; Prutz übers. des Holberg; Rückert 1, 195 u. a. der collectivbegriff, der das gewerk als eine geschlossene corporation erscheinen läszt, ist in den einzelnen belegen verschiedenartig entwickelt; am nachdrücklichsten macht er sich gerade in den älteren beispielen geltend.
α) einzelne verwendungen, in denen der pluralgebrauch nicht bis zum ausgesprochenen collectivbegriff vorschreitet, die aber durch die starke flexion des subst. in diesen zusammenhang weisen: etwas durch die gewerke besichtigen lassen, faire visiter quelque chose par les experts Schwan (1783) 1, 745a; nachdem der redende ... geschlossen hatte, richteten die sämmtlichen anwesenden sich auf, und die gewerke, anstatt abzuziehen, bildeten einen regelmäszigen kreis vor der tafel der anerkannten oberen. Göthe (wanderjahre 3, 12). 23, 162; aus den straszen zu entweichen,

[Bd. 6, Sp. 5638]


wo wagner, schmiede und andre gewerke ir wesen öffentlich unermüdet und geräuschvoll treiben, und sich in das gärtchen im geistlichen thale zu verbergen war höchst behaglich. (kampagne in Frankreich) 30, 149; die edelste schirmvogtei der kaiser und könige wars ohne zweifel, dasz sie der gewalt des raubes städte, und dem joch des leibeigenthums künstler und gewerke entzogen, dasʒ sie den freien fleisz und handel durch gerechtigkeiten, zollfreiheit, den marktfrieden und sichere geleite beschützet und befördert ... haben. Herder ideen zur philos. der gesch. der menschheit (19, 3, 6) 4 (1791), 237; das capital machte der (stadt-) aristokratie schon eine um vieles gröszere concurrenz, als die handarbeit der gewerke es vermochte. Th. Mundt gesch. d. deutsch. stände (2, 3) 322.
β) zeugnisse für den collectivbegriff; der plural führt geschlossene corporationen ein.
1)) sollen die gewerke die werkskosten und verschwendungen abstellen und anstath desselbigen von den newen gildebrüdern, lehrjungen ein genantes angelde nehmen, undt was also ein jedes werk von newen gildebrüdern, lehrjungen und tadelhaften meisterstücken einbekombt, zu einkaufung des vorraths an getreidig brauchen und sonsten vor solche und dergleichen strafen kein bier nehmen. Stettiner kornordnung von 1606 bei Naudé getreidehandelspolitik 121; als die brauer um die erhöhung des vorhin gewöhnlichen bierkauffes ... anhielten, und das quart-bier, zwar mit des landsfürsten vorwissen, aber ohne zuziehung der gewercke und gemeine, auff vier pfenning lübisch mehr als vorhin ... setzeten, der pöbel daher sich sehr auffrührisch bezeigete. Micrälius alt. Pommerland 2, 59. ähnlich 2, 40; wenn ein handwerksgeselle gewandert kommt, soll er in der ordentlichen herberge, oder bei einem meister, in welchen gewerken solches gebräuchlich, einkehren. handwerksordn. f. Westpreuszen (1774) Ortloff 87; nachdem wir allerhöchst-selbst erwogen haben, dasz der den bäcker-, schlächter- und hökergewerken in den städten unserer provinzen Ost- und Westpreuszen ... zustehende zunftzwang ... den ... übrigen einwohnern der städte zum groszen nachtheil gereicht, ... so haben wir beschlossen, die hökerzünfte gänzlich aufzuheben. preusz. verordnung von 1808, gesetzsamml. 1806/10, s. 315; die grenzen zwischen den gewerken der hufschmiede und schlosser scheinen auch einer verbesserung zu bedürfen. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen an d. besteh. zunftverf. 73, ähnlich s. 29; die tägliche erfahrung lehrt indessen, dasz die polizeitaxen bei den geschlosznen gewerken ihren zweck nicht erreichen. 148.
2)) auflage, so nennen die gewerke ihre monatliche ... zusammenkünfte ... wo von einem jeden ein beitrag an gelde zur lade aufgeleget oder entrichtet wird. Jacobsson technolog. wb, 1, 81b; »ich sehe es wohl an deiner neugierde, « sprach Fingerling, »dasz du lust zum handwerke hast und dasz du die spöttischen reden der andern gewerke über uns schneider nicht achtest.« Arnim (kronenwächter) 3, 40; Eugen sasz just unter dem bilde des landesfürsten und der fürstin an dem ecktische, über welchem in laternenähnlichen kästchen die bänderverzierten innungszeichen verschiedener gewerke hingen. Auerbach, neues leben 1, 232; vor dieser guten stadt löblicher bürgerschaft achtbaren gewerken, erscheine ich endesunterschriebener N. N., unwürdiger aeltester des achtbaren hutmachergewerks. Prutz übers. der komödien Holbergs (der polit. kanngieszer 5, 3) 1, 71; war doch am nachmittage von gesammten zimmerleuten aus stadt und amt der neue galgen ... aufgerichtet und ihnen dann frei bier ... verabreicht worden; da haben die anderen gewerke auch nicht trocken sitzen wollen. Th. Storm (zur chron. v. Grieshuus) 6, 95;
3))

fromme litaneien betend
ziehn die mönche still gepaaret,
und die hilfreichen gewerke
folgen betend aus den hallen.
Brentano romanzen vom rosenkranz (8, 125) s. 98 Morris;

die gewerke stellst du
zu den trägern der macht;
so verbrieftest du, scheidend,
das erbe Friederich's.
Immermann (aus den memorabilien) 19, 266 Hempel;

[Bd. 6, Sp. 5639]


von den wällen sprach das geschütz des bürgerthums auf ganz andere weise, wie im freien feld. wie brachen die gewerke vor aus dem Ulrichsthor. W. Raabe unseres herrgotts canzlei 2, 12; die gewerke zogen aus mit musik und fahnenschwenken, und die schulkinder folgten, mädchen und knaben, und begrüszten den mai. Th. Fontane (Grete Minde 6) i, 2, s. 355.
b) der singular läszt sich in diesem bedeutungszusammenhang zunächst nur ganz vereinzelt belegen; aus dem 17. jahrh. ist er einmal bezeugt, und in einer verwendung, für deren deutung sichere anhaltspunkte fehlen: mit wirtschafften, kirchgang, kindertauff, rahts- und zunfftkosten, amt, gewerck und gülten, begräbnissen ... bei reich und armen, viel verschwendt und verthan wird. Wolder türkischer untergang (1664) b2. gedacht ist hier wohl an die zugehörigkeit zu einer geschlossenen arbeitsgenossenschaft und an die kosten, die aus der mitgliedschaft erwachsen. anders grenzt sich im folgendenweit späterenbeispiel die bedeutung von gewerk ab, wo es dem einfachen werk gegenüber gestellt ist. während dieses den rechtsanspruch auf die ausübung einer thätigkeit kennzeichnet, deutet gewerk auf den rahmen, innerhalb dessen die thätigkeit erfolgt. das einfache werk berührt sich hier mit gewerbe in der oben (sp. 5511) festgelegten bedeutung eines arbeitsrechtes und gewerk steht dem als collectivbegriff gegenüber, der die träger dieses rechtes corporativ zusammenschlieszt: so ein handwerksmann sein werk binnen dieser stadt jahr und tag verfähret, und solches ausser landes getrieben, auch dem gewerke nicht gleich gethan hat, der soll das werk von neuem zu gewinnen schuldig sein. neu-revidirte willkür der stadt Danzig (1761) 65. in anderer richtung concurriert mit gewerbe (vgl. oben sp. 5519) der folgende beleg, dem eben so gut ein persönlicher collectivbegriff als auch ein nomen actionis zu grunde gelegt werden kann: wollen sie mich aber durchaus bei meinem versprechen halten, so nehmen sie mit einigen der wichtigsten stellen vorlieb, die sich am leichtesten durch worte ausdrücken lassen. zum glück kann ich mit ihnen kunstmäszig sprechen, denn sie sind mit vom gewerke! M. Mendelssohn (45. litteraturbrief) 4, 1 (1844), s. 546; sein nachfolger in der präfektur, war von geburt ein Araber, und folglich von jugend an ein räuber von gewerk. Riemberg übers. v. Gibbons gesch. d. röm. reichs 1, 315.
α) die ersten belege für den collectivbegriff in der beziehung auf personen fallen beim singular in das 2. drittel des 18. jahrh., sie weisen nach Brandenburg, allgemeiner auf die preuszische kanzleisprache. bald gehören sie sowohl dem litterarischen gebrauch als auch den wörterbüchern an.
1)) wir ... ordnen und wollen demnach: ... dasz derjenige, welcher meister bei dem gewerk ... allhier werden will, sich bei dem aus des magistrats mittel dem gewerke zugeordneten beisitzer ... melden ... solle. privileg des ... gewerks in Brandenburg von 1737 bei Ortloff 53; der gouverneur -.. an einem orte, musz, mit zuziehung des magistrats und der bürgerschaft, gute feueranstalten machen, damit, bei entstehendem falle, ein jedes gewerck wisse, was es dabei zu thun hat. reglement f. d. kgl. preusz. leichte infanterie (1788) 377; nach zurückerhaltener kundschaft musz der geselle seine reise sofort antreten. wird er daran durch zufall verhindert: so musz er die kundschaft bei dem gewerke anderweit niederlegen. preusz. allg. landrecht ii 8, 393. 394; bei der auflage der meister werden auch gemeiniglich die neuen lehrlinge ins gewerk aufgenommen, und ... die ausgelernten ... losgesprochen, und zum gesellen gemacht. Jacobsson, techn. wb. 1, 81b.
2)) das gewerk ... ein collectivum, welches an einigen orten, z. b. in der Mark Brandenburg, gebraucht wird, alle zu einem handwerke gehörigen meister eines ortes zu bezeichnen, für zunft, innung, handwerk Adelung 2, 660 (als seltener gebrauch wird ebendort die engere beziehung auf die gewerke einer bergzeche angemerkt, »wofür doch gewerkschaft üblicher ist«, vgl. dazu gewerke, gewerkschaft); ähnlich Hederich prompt. lat. 1, 1422; gewerk ... die zunft, innung, le corps de métier, les maîtres de l'art Schwan (1783) 1, 745a; gewerk, zusammenkommende meisterschaft der zunft Fulda, versuch einer allg. teutschen idiotikensamml. 582; gewerk, innung, zunft

[Bd. 6, Sp. 5640]


Eberhardt 2, 285; gewerk ... collectively (zunft, innung, handwerk) corporation, guild, company Hilpert 1, 464a; ähnlich Lueger lex. d. ges. techn. 4, 647; Thiel 4, 428 u. a. zur mundartlichen verbreitung dieser bildung vgl. auszer Adelungs hinweis auf die Mark auch Hertel Thüring. sprachschatz 257.
β) gebrauchsformen.
1)) absoluter gebrauch: das (meister-)stück wird dem gewerke vorgelegt und beurtheilt. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... bei d. besteh. zunftverf. 112; dahingegen aber wird den zünftigen meistern nicht verwehrt, auch solche waaren und arbeiten zu verfertigen, welche dem gewerk, wozu sie gehören, zwar nicht ausdrücklich, doch aber auch nicht andern gewerken beigelegt sind. Saalfeldische allgem. innungsgesetze von 1803 bei Ortloff 631; und dann schauet ins bürgerleben! da hat jedes gewerk, oft das leichteste seine jahrelange lehrzeit, seine fest und tief gewurzelte gewohnheit nöthig. Guts-Muths, turnbuch, einl. s. 17;

marktschreiern gleich erwerb' ich ihre liebe.
abschmeicheln will ich mir ein jedes herz,
und mit der gunst von jeglichem gewerk'
in Rom nach hause kommen.
benda übers. des Shakespeare (Coriolan 3, 2) 12, 138 (of all the trades in Rome; von jeder zunft geliebt
Schlegel-Tieck);

ich dächte, man sollte die bürgermeister abwechselnd jetzt aus dem einen gewerk nehmen und jetzt aus dem andern ... und keiner sollte länger bürgermeister sein, als einen monat, damit nicht ein gewerk mehr in flor käme als das andere. Prutz übers. d. Holberg (der politische kanngieszer 2, 3) 1, 35.
2)) unter den verbindungen, die das substantiv eingeht, gewähren die attributiven bestimmungen manchen einblick in das denken und fühlen des volkes. die substantivischen begleiter dienen vorzugsweise der gliederung und erwecken socialpolitisches interesse.
a)) gäbe es ein besonderes gewerk, dessen erste bestimmung und ganzer ehrgeiz es wäre, tüchtige fenster und thüren zu verfertigen: so wäre diesem fühlbaren mangel gewisz längst abgeholfen. eben dies gewerk könnte dem zimmermann manche arbeit abnehmen. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... bei d. besteh. zunftverf. 71; in der gesellschaft erscheint der Deutsche selten als mensch, d. h. als gesellschafter, sondern als guter beamter, professor, soldat ... daher gibt es keinen köstlicheren gesellschafter als einen professor, nämlich für professoren; und so ist ein jurist einer der besten unterhalter für — juristen — und so jeder vor der offenen lade seines gewerks. Jean Paul (nachdämmerungen f. Deutschland 1) 34, 75; ehe ich jemals der Anna den consens gebe zur ehe mit einem solchen armseligen häfner, und sie in ein solch bettelhaft, schäbig gewerk ziehen lasse, eher will ich des waibels stock mit dem weiszen bettelstabe vertauschen. meines bruders kind soll in ein nobles gloriöses handwerk heirathen. ich aber erkenne kein anderes als den edlen soldatenstand. Eichendorf (jugendliebe) 6, 33 Müller;

von der landwehr sollt ihr hören,
auch von mir dem landwehrmann;
schuster steht in hohen ehren
welcher näh'n und fechten kann.
immer bleib' ich am gewerke,
wo Hans Sachs die lieder singt,
Hans von Sagan's heldenstärke
hoch die kreuzesfahne schwingt.
M. v. Schenkendorf Königsberg'sche wehrlieder: Hans von Sagan);

subhastationen konnte er voraus berechnen wie die kalendermacher das wetter; seine eigentliche spezialität aber waren die der feuerlegung verdächtigen windmüller. die liste, die er darüber führte, umfaszte so ziemlich das ganze gewerk. Th. Fontane (vor dem sturm 7) i, 1, s. 63.
b)) in der regel wird in den groszen städten beszre waare geliefert, wo das gewerk der kleinschmiede in schlosser, groszuhrmacher, zeug-, bohr-, messer und zirkelschmiede zerfällt. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... an d. besteh. zunftverf. 29; das gewerk der rasch- und zeugmacher, s. 65; zinngieszergewerk 64; das gewerk der sattler Hilpert 1, 464a; maurer, zimmergewerk Lueger lex. d. ges. technik 4, 647; unweit dieses kandelabers ... sitzt eine arbeiter-familie, die aus ihrem

[Bd. 6, Sp. 5641]


väterlichen haupt, einem schon etwas ergrauten und, wie seine stiefel besagen, dem maurergewerk angehörigen manne ... besteht. Th. Mundt Paris und Louis Napoleon 1, 29; ich führe hier nur als beispiel das gewerk der klempner in Berlin an, welches aus etwa 300 besteht, von denen nur etwa 260 der innung beigetreten sind, welches den beschlusz gefaszt hat, dasz niemand mehr lehrlinge halten darf, als er gesellen hält. Bismarck (rede in der 2. kammer 1849) 1, 139 Kohl.
c) die beziehung auf personen, die diesem collectiv im plural- wie im singulargebrauche anhaftet, wird im jeweiligen zusammenhang natürlich nicht immer mit gleichem nachdruck festgehalten. wie leicht sich dieses moment in einzelnen bedeutungsgruppen verflüchtigt, zeigt die parallele bei Schwan: einen aus dem gewerke stossen, ihm das handwerk legen, exclure quelcun 1, 745a. ebenso macht sich beim gebrauch zahlreicher composita von gewerk die corporative seite des gewerks vielfach weit weniger geltend, als die berufsthätigkeit, die die gewerksmitglieder ausüben, vgl. gewerksangelegenheiten, -ehre, -genosse, -lied, -missbrauch, -privilegium, -recht, -sache, -strafe, -streitigkeit, -vortheil, -zwang, -zweig u. α. so bereitet sich eine bedeutungsgemeinschaft mit gewerbe vor; und wenn diese auch im allgemeingebrauch noch keine groszen fortschritte gemacht hat, so sind doch immerhin einige feste verbindungen von gewerbe, vor allem eine reihe von compositis, auch für gewerk erschlossen.
α) die beziehung auf personen wird durch den zusammenhang verdunkelt.
1)) was handel, gewerke und gewerbe zusammen schaffen müssen, bis ein gastmahl gegeben werden kann. Göthe (W. Meisters lehrj. 5, 10) 19, 194; im schatten eines friedlichen stadtregiments gingen sie (die zünfte und gilden) durch zucht und ordnung hervor; die sinnreichsten künste entstanden aus handarbeiten, aus gewerken, deren gewand sie, zumal disseit der Alpen, nicht zu ihrem schaden, lange zeit an sich getragen haben. Herder (ideen z. phil. d. gesch. d. menschh. 20, 5) 4, 331; in gegenden, die Rom nicht besessen hatte, wurden sie (die städte) vormauern gegen den andrang neuer barbaren, freistäten der menschen, des handels, der künste und gewerke. 329; und da arbeitet denn der baumeister allen übrigen künsten und gewerken vor. Göthe (paralipomena z. d. schriften zur kunst) 49, 2, s. 270 Weimar; wie wimmelnd und lebendig regte sich das volk! wie vervielfältigten und bevölkerten sich die städte! wie wuchsen die künste und gewerke! wie zogen handel und reichtümer weit durch das land und die meere, Arndt geist der zeit (1813) 1, 231.
2)) so entstand im unfriedsamen staate aus eignen kräften der nation ein friedsamer nützlicher staat, durch gewerbe, bündnisse, gilden verbunden; so hoben gewerke sich aus dem drückenden joch der leibeigenschaft empor, und gingen durch deutschen fleisz und treue, zum theil in künste über, mit denen man andre nationen beschenkte. Herder ideen (18, 5) 4, 185;

leis verhallt der lärm des tages,
die gewerke schlummern ein ...
Leuthold ged., s. 70, vgl. die belege für gewerbe sp. 5531.


β) das persönliche moment wird ganz abgestreift, gewerk tritt in die bedeutungsgemeinschaft von gewerbe über.
1)) die dramatiker werden verzeihe mirs gott! noch toll. es ist ein wahres elend, dasz solches gesindel so jämmerlichen kerlen als Wittenberg, Reinhart u. s. w. anlasz geben musz, das gewerk der meister zugleich mit zu verschreien. Bürger (an Boie 1776) briefe 1, 381; allein sie sieht so wie ich ein, dasz das gedicht selbst die arbeit eines lehrjungen in dem löblichen gewerke der versemacherei sei. G. v. Uslar (an Bürger 1777), s. Bürgers briefe 2, 187.
2)) bekannt ists nehmlich, dasz die Britten bei ihren gewerken die kunst theilen, dasz jener uhrfedern macht, dieser uhrgehäuse u. s. w. ... Herder (philosophei und schwärmerei ... 1776) 9, 501 Suphan; Paulsen besass mannigfache kenntnisse und war dabei nicht nur von anerkannter tüchtigkeit in seinem eigenen handwerk, sondern er hatte auch eine einsicht in die künftige entwicklung der gewerke überhaupt. Storm (Pole Poggenspäler) 4, 37.

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γ) gewerk dringt in die festen verbindungen von gewerbe ein: in ländern, wo die freien leute, sie mochten krieger, seefahrer, kaufleute oder müsziggänger sein, es unter ihrer würde hielten, sich mit der viehzucht, dem ackerbau und den gewerken abzugeben. H. H. Cludius v. d. bei d. ndd. freien bauern mögl. u. nützl. bildung (1805) 1; endlich sind zünftige meister auch berechtiget, neben ihrer profession von unzünftigen gewerben solche, die ex jure reali betrieben werden können, ackerbau und viehzucht und andere unbedeutende gewerbe ... als nebengewerke zu betreiben. Saalfeldische allgem. innungsgesetze von 1803 bei Ortloff 642; so dasz also weder meister anderer zünfte, noch auch andere, als soldaten, gesellen u. s. w. diese gewerke auf eigene rechnung betreiben dürfen. ebenda 633; mehrere handwerke oder technische gewerke soll niemand zu gleicher zeit betreiben. entwurf einer allgem. d. handwerker und gewerbeordn. v. 1848; und zwar sitzen zuvörderst im linken centrum die Schweiz mit den constitutionellen staaten des alten reichs, die treuherzig, gutmütig, mitten in ihren groszen nöthen, gelassen die freiheit treiben, wie ein ehrsames gewerke. Görres heil. allianz, s. 11; da doch schlechte musikanten ihr gewerk als eine art anständiger bettler treiben müssen, und da mancher gute maler schier verhungert ist. Brentano (der philister vor, in und nach der geschichte) 3, 72 Morris.
 
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gewerkdiener, m., s. gewerkendiener.

 

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