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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbezurücklegung bis gewerblich (Bd. 6, Sp. 5597 bis 5601)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerbezurücklegung, -zusicherung, -zustand, s. DWB gewerbszurücklegung u. a.
 
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gewerbe-, gewerbszwang, m., gegensatz zu gewerbefreiheit (s. d.): sie (die zünfte) haben endlich dem entschiedensten gewerbszwange, und monopolen, welche selbst die ersten lebensbedürfnisse umfassen, nicht nur duldung, sondern sogar achtung, und beinah untastbare heiligkeit zu verschaffen gewuszt; indessen jede beschränkung der gewerbefreiheit unter dem allgemeinen hasse erliegt, und die regierungen selbst diejenigen monopole, deren ertrag den staatskassen vorbehalten war, dem höheren interesse der allgemeinen wohlfahrt aufzuopfern beginnen. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... bei d. bestehenden zunftverfass. (1803) 2/3; ew. königliche majestät haben bereits ... solche grundsätze für die polizeiliche leitung der gewerbe zu sanctioniren geruht, welche mit der fortdauer des gewerbszwanges, den die zeitige zunftverfassung voraussetzt, unvereinbar sind. Dohna immediatbericht an den könig (1810) bei Rohrscheidt 388; so finden wir die weise mitte, der beschränkten konkurrenz in dem richtigen verhältnisse der gewerbtreibenden meister zu den gesellen, welche beschränkende mitte sich, sowohl von dem gehässigen gewerbszwange, als von der anarchie der gewerbsfreigebung gleich weit entfernt, in dem praktischen leben ausspricht. Reingruber natur d. gewerbe (1815) 23; dass die regierung ernstlich durch eine allgemeine aufhebung des gewerbezwanges dem wohlstande der verwüsteten provinz wieder aufhelfen wolle. s. Rohrscheidt 279; dies war ein zustand, wie ihn der extremste verfechter des gewerbezwanges nur träumen konnte. Kaizl in Schmollers forschungen 2, 1, 53.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbszweig, m. auch hier ist gewerbe ursprünglich im weitesten sinne gebraucht, vgl. auch erwerbszweig: so kann der verfall der kleinen städte ... nur in den hindernissen gesucht werden ... den verlust eines erwerbszweigs durch die beszre kultur der übrigen zu ersetzen. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen .. an d. bestehen d. zunftverf. 128; vgl. erwerbungszweig, theil 3, sp. 1062; vgl. nahrungszweig th. 7, sp. 317; gewerbsamkeitsbranche (s. u.). der neuere gebrauch strebt ausschlieszlich dem engeren begriffe der productiven arbeit zu; hierbei ist auszerdem der plural bevorzugt.
1) weiterer begriff von gewerbe.
a) singulargebrauch: kurz, wie kann eine regierung hoffen, dasz ihr die zollbücher, eine richtige und genaue kentnisz der verbindungen ihrer unterthanen mit den

[Bd. 6, Sp. 5598]


ausländern geben werde? wie kann sie also wissen, ob die anordnung, die sie macht, nicht einem ihr unbewuszten wichtigen gewerbezweige tödlich sein wird? Mauvillon (11) 130; da aber ihre (der kaufleute und fabrikunternehmer) gedanken gewöhnlicher weise nur mit dem interesse ihres besondern gewerbszweiges, nicht mit dem allgemeinen besten der gesellschaft beschäftigt sind. Garve verdeutschung des Adam Smith (1, 11 the interest of their own particular branch of business) 1, 465; ein gutsbesitzer, ein pachter, ein handwerksmeister, ein kaufmann, sind gemeiniglich im stande, ein oder zwei jahre von ihrem gesammelten kapital zu leben, wenn sie auch nicht einen einzigen arbeiter in ihrem gewerbszweige beschäftigen (1, 8) 1, 121; aber schon schwerer entschlieszt er (der fondsbesitzer) sich, seine fonds dem betriebe des ziemlich mühsamen ackerbaues zu widmen. er wird für diesen gewerbszweig schwerlich etwas hergeben, wenn er nicht voraussieht, der ertrag seiner betriebsamkeit werde ihm nicht blosz einen ausreichenden arbeitslohn verschaffen. Lotz revis. 3, 231; ähnlich 1, 302.
b) der pluralgebrauch: zuweilen kann selbst in einem lande, dessen reichthümer schnell wachsen, durch das hinzutreten eines neuen gebieths oder durch neu entdeckte gewerbszweige, der gewinnst, welchen kapitalien bringen, und mit ihm der zinsfusz von dahrlehnen, plötzlich steigen. Garve verdeutschung des Adam Smith (1, 19 branches of trade) 1, 170; ebenso (4, 7 distant employments) 3, 39; unter die wichtigsten vortheile, welche die theilung der arbeit erzeugt, gehört auch noch der, dasz sie überall wohlstand verbreitet, und dasz sich durch sie die masse des gesammten einkommens einer nation unter ihre einzelnen glieder weit leichter richtig und gleichmäszig vertheilen läszt, als wenn alle gewerbszweige von allen zugleich betrieben werden. Lotz revision 1, 260; wo mehrere oder alle gewerbszweige in einander griffen, wie bei dem verkehr mit Amerika, wurde die berathung ganz collegialisch, die stimmenmehrheit entschied streitige punkte. Immermann (epigonen 7, 2) 7, 12 Hempel; und als ich nun kam nach Holwan — ... fand ich daselbst den Abu Seid von Serug, der sich allerlei stammbäume machte — und sich vielerlei gewerbzweige erdachte, — bald sich gab für einen spröszling von Saszan, — bald für einen schöszling der königswurzel von Ghassan. Rückert (1. makame) 11, 230.
2) die jüngere betonung der productiven arbeit.
a) singulargebrauch: die gewöhnlichsten mittel, wodurch die besondere beförderung eines gewerbszweiges von seiten des staates zu bewirken gesucht wird, sind folgende: es wird die einfuhr derjenigen waare, deren inländische erzeugung befördert werden soll, erschwert, oder gar gänzlich verboten u. a. Kröncke abhandl. über staatswirthsch. gegenstände 1, 6; von deutschen ... gerichten (ist) ... mehrfach ausgesprochen worden, dass es nicht wider das prinzip der gewerbefreiheit ... verstosse, wenn sich gewerbsgenossen ... verbinden', einen gewerbszweig ... lebensfähig zu erhalten. entsch. d. reichsger. in civils. (1897) 38, 158, vgl. auch s. 157.
b) der pluralgebrauch: in eben dem verhältnisse sind während dieses zeitraums die arbeitspreise gestiegen, und die gewinnste, die sich aus den verschiedenen gewerbs- und handlungszweigen ziehen lieszen, verkleinert worden. Garve verdeutschung des Adam Smith (1, 9 different branches of trade and manufactures) 1, 163; das gleiche 4, 298 (5, 2 particular branches of trade); das handwerk wird nun ... zur verarbeitung nicht mehr so viel werkzeuge und andere hülfsmittel gebrauchen, welches, in so fern diese dinge erzeugnisse innländischer gewerbzweige sind, für diese eine verminderung ihres absatzes und verdienstes zur folge haben wird. Völker 21; die thätigkeit der handwerker-bank soll ... mit möglichster berücksichtigung aller gewerbszweige gleichfalls sofort beginnen. entwurf zur errichtung einer industrie- u. handwerkerbank s. 16; die wahl der vertreter geschieht nach gewerbszweigen. Proudhon die volksbank deutsch v. Bamberger 27; auch sind es nicht die alten innungen, die zuerst zur selbstständigkeit gelangten, sondern die innungen neu aufblühender gewerbszweige, die nie einem hofrecht unterworfen waren. Arnold aufkommen d. handwerkerstandes

[Bd. 6, Sp. 5599]


27; die verordnung vom 9. februar 1849 begründet nicht nur die einrichtung der gewerberäte, sondern macht auch in den meisten gewerbezweigen den selbständigen gewerbebetrieb von dem beitritt zu einer innung nach vorangegangenem befähigungsnachweise oder von einer prüfung abhängig. Bornhak preusz. staats- u. rechtsgeschichte (1903) 479.
 
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gewerbhaftig, adjectiv, in wörterbüchern viel belegt, mit anlehnung an die bedeutung erwerb: gewärbhafftiger mensch, der vil gewinnt und eine gte begangenschafft hat, quaestuosus homo. Maaler 178b; quaestuosus, gewerbhafftig, voll gewinn. König 966b; quaestuosus ... gewinnreich, gewerbhafftig. Cellarius 171; ähnlich Dentzler 640. Matthiae 1, 1105. Hederich 1, 1422; viel weiter greift Heynatz aus, der zugleich die grundform gewerbhaft bucht, doch lassen sich dessen angaben nicht durch belege stützen: gewerbhaft oder gewerbhaftig findet man theils für gewerbtreibend, theils für gewinnbringend in älteren büchern. Heynatz 2, 55.
 
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gewerbig (bei Schweizer schriftstellern gewirbig), abgeleitetes adjectiv, das der neueren sprache nur noch im schweizerischen schriftgebrauch angehört. die älteren belege weisen zwei richtungen der entwicklung auf: mit dem verbum werben, gewerben hat das adjectiv das festhalten an der sinnlichen grundbedeutung der bewegung gemein, doch verengt sich die hierauf beruhende bedeutung rührig, thätig, gern in der richtung auf gewinn, erwerb. diesz ist namentlich der gang der schweizerischen entwicklung. von anfang an jedoch steht neben dieser kennzeichnung einer eigenschaft die mehr appellativische verwendung, die sich eng an gewerbe = commercium anlehnt, gewerbig ist hier = gewerbtreibend. dieser zweig der entwicklung ist ganz abgestorben.
1) die auf der sinnlichen grundvorstellung beruhenden bedeutungen beweglich, rüstig, anstellig, thätig. fleiszig: si tet als die gewirbigen binlein, die das süsz honig aus den manigfeltigen blumen eintragend. Johannes Meier vorr. zu Elsbet Stagels leben d. schwestern zu Tösz. Vetter s. 4;

sag, was hat die stat vür ein handel?
er sprach: 'es ist ein groser wandel,
ein namhaft und ein genge stras
der Tewtschen, so an unterlas
da webern mit gewerbiger hant
durch das gepürg in das Welschlant
und in andre lant hin und wider.
H. Sachs (lobspruch d. stadt Salzburg) 22, 484 Götze;

so habe ich doch allein allhie für den gemeinen soldaten, auch gemeine handtgewärbige, jedoch auszerlesen unnd wol erfahrne künstlein anzeigen unnd lehren wöllen. Raimund Minderer medicina militaris (1620) 144 (handgewerbige in späteren ausgaben); wenn sie ganz klein sind, so kräzt sie die mutter nimmt sie der vater, so wie sie aber ab deren armen kommen, so entfremden sie sich auch mehr oder weniger den herzen, es sei dann ein b'sungerbar hübsches und g'wirbiges kind, das sich fest zu ketten weisz an dem einen oder dem andern herzen. Gotthelf geld und geist oder die versöhnung (1852) 401; er ist gewerbig, wenn man ihm mit holzschlägel auf den grind gibt. Schweizer sprichwort bei Wander 1, 1652; e gwerbige mensch (sich viel umthuend). Schmeller 22, 982.
2) bedeutungsverengerung in der richtung auf gewinn, erwerb.
a) nur aus älteren wörterbüchern belegt ist die auch unter gewerbhaftig (s. d.) verzeichnete passive bedeutung: res quaestuosa, fast nuzlich und gwünsam, gewärbig. Cholinus-Frisius 722b; ebenso Maaler 178b.
b) dagegen reiht sich ungezwungen hier an: und kam her gen Augspurg ... zu einem kramer, genant Ulrich Schön, was auf dasselbe mal ain reicher gewerbiger kramer. B. Zink (d. städtechron. 5) 126; dann daselbst allweg und noch verstendig, gwerbig, kunstreich volck, guter sitten gewonet, die kein grobheit gebrauchen. Trithemius chronica d. Franken 66b;

nein, fragst du nach verdienst, so sieh den Porcius,
er ists, bei dem man sich zum manne modeln musz;
steif, ehrbar, ordentlich, in seinem thun bedächtlich,
gewirbig, zum gewinn war nie ein weg verächtlich,
er ist aus versicht (!) keusch, bricht sich und andern ab,
und lässet ohne sich ja keine leich ins grab.
Haller (der mann nach der welt) schweiz. ged. 125 (vgl. dazu
Schönaich neolog. wb. 258, 30 Köster);

[Bd. 6, Sp. 5600]


bald aber fanden sie im weben feiner leinwand gröszern gewin; bald ward diesz und handel mit köstlichem linnen die vornehmste ihrer gewerbigen thätigkeit. Zschokke klass. stellen der Schweiz 149; unter diesen umständen wird eine jede oberkeit ihren grössten gewinn und vortheil von der beschützung der freiheiten finden, durch welche das hausglück stiller, gewerbiger und arbeitsamer einwohner gesichert und geäuffnet wird. Pestalozzi schriften 12, 157; ja, du hast eine gewerbige gescheite frau, da gescheiteste von meinen kindern. schade, dasz die nicht ein mann geworden ist, die hat einen unternehmenden geist. Auerbach edelweisz 249.
3) der appellativische gebrauch; die anlehnung an gewerbe = commercium.
a) attributive verbindungen.
α) unser vater ist genant Burkhart Zingg und was auf dasselb mal ain gewerbig man und arbeit auf der Steirmark und het er und guet und was beseszen zu Memingen. B. Zink (deutsche städtechron. 5) 122; item welcher in Mals sein haus hat und päurliche rechte thuet ... dem ist vergunt, dasz er zwei rinder ... halten ... doch ob einer ein gwerbiger mann wäre, der ein rosz hätte, der soll ein rind weniger halten. weisth. v. Mals (österr. weisth. 4, 29); vor dem lewenthor (bei Ulm) war auch ein herrlich vorstatt, die reichet bisz zum spital für Götzingerthor hinausz, da sassen vil gewerbig burger und kaufleute innen, auch die besten handwercker und herbergen. S. Franck Germania 396b.
β) der rmisch knig Sigmund liesz angentz alle sine reisigen in der statt gassen verhten, die burger von Costentz in gweer und harnisch gerst, usz bevelch des knigs, damit wechslern, koufflten und anderm gewirbigem volck, dero usz aller christenheit vil da warend, kein schad geschehe. Tschudi Schweiz. chron. (z. jahre 1415) 2, 7b Iselin; welcher aber in stetten, flecken ... und fürnemlichen an gewerbigen orten, als an gassen oder plätzen, ein wohn oder behausung bawt, dem sol kein dachgefell oder träff auff die gemeind ohne kendel und rinnen z gelassen noch gestattet werden. Fronsperger bauordn. 31a; eine andere wohlthat welche die grafschaft Mark ihm verdankte, war die verwandlung der accise oder verbrauchsteuer in eine für ein offenes gewerbiges land passendere abgabe mittelst fixation. Pertz aus Steins leben 1, 45; ich spreche von Yverdon, oder Iferten, nächst Lausanne und Vevey, das gewerbigste und ansehnlichste städtchen des Waatlandes. Zschokke klass. stellen der Schweiz 278; die alten gewerbigen reichsstädte .. schwangen sich nie ganz wieder zu dem vorigen wohlstande empor. Becker weltgeschichte (1830) 9, 162.
b) die substantivierung: allen und iglichen geistlichs und weltlichs stands, ... darz kauflten, schiffluten, verechtern, gewerbigen, flossern ... gnad und alles gt. patent des pfalzgrafen Philipp von 1493, ztschr. gesch. Oberrh. 9, 427; wir haben usz furstlichem gemt uns, unsern landlten und unsern, auch gemeinem gewerbhandel z gde und erlichterng vil beswernis den selbigen gewerbigen und súnderlich, die wine keúfen und verkefen uff den Rine, unsern kramern zu Winheim ... ernwert. ebenda.
 
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gewerbigkeit, f., ableitung zum vorhergehenden, die anfangs weiter verbreitet, neuerdings nur noch Schweizer schriftstellern angehört. dem entspricht auch die bedeutung, die die eigenschaft des fleiszes, der betriebsamkeit, in der richtung auf den erwerb zuspitzt: schon zu anfang dieses 14. jahrhunderts hatte sich die hiesige bürgerschaft durch allerlei handwerker ungemein vermehret; natürlicher weise waren darunter verständige männer, welche durch fleisz und gewerbigkeit vermögen errangen. P. v. Stetten 1, 6; indessen bleibt immer gewiss wahr, dass die auflagen des landes auf eine art eingerichtet sein sollten, welche die hausordnung und gewerbigkeit und den fleiss der einwohner nicht stören, sondern äuffnen und befördern würden. Pestalozzi schriften (1824) 12, 180; so erstarkte die thätige gemeinde durch kluge benutzung der zeiten, durch gewerbigkeit, kunstfleisz und haushälterische sparsamkeit der bürger. Zschokke klass. stellen der Schweiz 149; eigentlich sollte man London und Konstantinopel nicht mehr zum europäischen system zählen. England mit seiner gesetzgebung, verfassung und freien

[Bd. 6, Sp. 5601]


gewerbigkeit gehört schon zu Nordamerika, Konstantinopel zu Asien. (d. irrfahrt d. Philhellenen) novellen 8, 331.
 
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gewerbisch, adjectiv, vereinzelt in wörterbüchern aufgeführt und dort auf die parallele mit negotium beschränkt: gewerbischer ... negociosus. vocab. von 1482; negotialis, institorius, gwerbisch. W. Schönsleder prompt. germ. lat. V 5a; negotialis, gewerbisch, zu einem geschäfft gehörig. Dentzler 494.
 
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gewerble, s. gewerblein.
 
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gewerblein, n. , diminutivform zu gewerbe (s. d.). sie erfaszt das wort meist in der bedeutung von gelenk (vgl. sp. 5489 ff.), seltener in der von quaestus (vgl. sp. 5504). bei G. Keller ist die anlehnung an die sachbedeutung von gewerbe (= anwesen, besitz) belegt (vgl. sp. 5481).
1) die bedeutung gelenk.
a) beziehung auf menschen: gewerblin, inguinarium. ein gewerblin der glieder, ibi pestilentia se ostendit. Frankf. vocab. d. 15. jahrh. bei Diefenbach-Wülcker 619 (vgl. auch inguinaria ... drusz bei dem gemecht. Diefenbach 298c); das sag ich bezeichnet ohne alles mittel unwidersprechlich die fabrication und den zusammengefügten ganzen menschlichen cörper mit allen seinen gliedern, gewerblein und teilen. Thurneisser beschreib. d. influent. wirk. aller erdgewächse 2; vertebra colli, hals-gewerblein. Matthiae 2, 264.
b) beziehung auf pflanzen: gwärble, die gleich am kornhalm, genicula. Maaler 200d, ebenso Cholinus-Frisius 390a. Frisius (1556) 600a; (geniculum, der knod oder gleich an eim stengel, oder halm, halm knod. Dasypodius O 2d, ebenso Serranus K 7b. Junius 64; genicula ... die knötichen und gelencklein an halmen und stengeln. Faber 354b; ganz ähnl. Corvinus 352. König 493b. Weismann 1, 215b. Matthiae 1, 609); geniculatus ... voll gleich und gewrblinen. Cholinus-Frisius 390a, ähnl. Frisius 600a (vgl. geniculatus ... knticht. Faber 354b); (knawel) ist ein eintzigs schotticht und drauschelicht stäudlein nit uber spannen hoch, alle ästlein und zincken mit eitel gewerblein, wie das weggras ... so mag es doch wol umb seiner vilfaltigen gewerblin willen ein polygonon sein. Bock kräutterbuch (1551) 148b; die selbige fügen oder gewerblin seind mit gebogenen blettlein .. bekleidet. 92b; der rund stengel (des storkenschnabels) spannen hoch, mit vilen gewerblin, nit dicker dann ein strohalm, die gleich od' gewerb seind braun geferbet, ein wenig haricht, blüet durch den summer. 131a; die blätter sind grassechtig, die stengel dünn, mit gleichlein oder gewerblein unterscheiden, eines fuss oder anderthalbe spannen hoch. Tabernaemontanus neu vollkommen kräuterbuch 565; das andere (hühnerdarmkraut) wird etwann elen-hoch und auch höher, hat sine gewerblein, und auf beiden seiten blätter, wie säubürtzel, zwischen welchen die blümlein, die am ersten stehen, herfürwachsen. Hohberg adel-, land- u. feldleben 3, 449, 14.
2) die bedeutung erwerb, gewinn: gewerblein quaesticulus. Aler 936a; gewerblein, gwinnlein. Bayer 291; gewerblein, quaesticulus. Matthiae 2, 181a. Kirsch 180a; gewerbchen, gewerblein. Hederich 1, 1422.
3) die bedeutung besitz, anwesen: 'überdies' fuhr Hansli fort, 'steht mir das gütlein vor der hand noch fest genug' .. 'wie du willst', sagte Enoch, .. 'aber sorge nun dafür, dasz das gewerblein bestellt wird, denn ich mag mich nicht länger damit plagen!' G. Keller (Züricher novellen) 6, 358.
 
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gewerbler, m., neue erweiterte form des nomen agentis zu gewerbe, an stelle von gewerber, gewerbe (s. d.). die bildung ist in den compositis kleingewerbler, kunstgewerbler belegt, vgl. zeitschr. d. allgem. d. sprachvereins 20 (1905) 237.
 
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gewerblich , adj. u. adverb., beliebte form der neueren sprache, die hierin ausschlieszlich den jüngeren engeren begriff der productiven thätigkeit, der technischen leistung pflegt. ein älterer aber ganz vereinzelter beleg weist auf die allgemeinere parallele mit negotium: gewerbischer oder gewerblichster, negociosus. voc. v. 1482 und ähnlich weit faszt auch eine gelegenheitswendung bei Jahn das compositum: da wird dann das angelegentlichste unterfangen, den funkelnagelneuen nothstaat landlich, leiblich, gewerblich, sittlich und geistig abzumarken, und sodann nach innen und

[Bd. 6, Sp. 5602]


auszen doppelt zu verschlieszen. Jahn merke zum deutschen volksthum (1833) 57. die ganze hauptmasse der belege, unter denen keiner über das 19. jahrh. zurückweist, bezieht sich auf industrie und technik. der schwerpunkt der verwendung beruht auf attributiven verbindungen, die sich meist als vorstufe oder als lockerung und verbreiterung gangbarer composita erweisen (s. oben unter gewerbearbeiter, gewerbeanlage u. a.). andere syntactische dienste leistet das adjectiv nur selten; doch vgl.: die eigenschaft einer thätigkeit als einer gewerblichen wird hierbei dadurch ausgeschlossen, dasz eine uneigennützige verwendung des zu erlangenden gewinnes beabsichtigt wird. Thiel 4, 423. vgl. auch:

wir leben in einer practischen zeit
und alles treibt sich gewerblich,
vermittelst gegenseitigkeit
wird jeder lump unsterblich.
Heinrich Leuthold ged. (auf gegenseitigkeit).


1) verbindung mit persönlichen substantiven.
a) unter 'arbeitern' im sinne des § 120a gew.-o. sind ... die gewerblichen arbeiter, also die gewerbegehilfen (gesellen ...) zu verstehen. entsch. d. reichsger. in civils. (1885) 13, 60; ganz ähnlich entsch. des oberlandgerichts München (1898) im gewerbearchiv 3, 101; was zum schutze der fabrik- und gewerblichen hülfs-arbeiter gegen gesundheitsschädliche einflüsse vorgekehrt wird, darf nicht so weit gehen, dass der ... unternehmer auswärtigen mittbewerbern zuletzt ... unterliegen muss. Brater im d. staatswb. 4, 301; eine zwischenstufe zwischen dem gewerblichen unternehmer und dem unselbständigen lohnarbeiter nehmen die hausgewerbetreibenden ein. Landmann gewerbeordnung 1, 109.
b) gewerbliche bruderschaften. Mone in zsch. z. gesch. Oberrh. 2, 3; die gewerblichen genossenschaften bezwecken den grossbezug, grossbetrieb und grossabsatz und zerfallen in rohstoff-, werk-, magazin- und produktivgenossenschaften. Hue de Grais handbuch d. verfassung u. verw. 563; die errichtung ... fachgewerblicher corporationen. Förster verträge f. gewerbe-vereine 3, 71.
2) verbindung mit sächlichen und abstracten substantiven.
a) kalk- und steinbrüche ... ferner sonstige zur gewinnung von fossilien oder zu gewerblichen anlagen dienende grundstücke können nur mit einwilligung aller betheiligten in die zusammenlegung gezogen werden. R. Nobiling preusz. landeskulturgesetze 238; ebenso s. 605; der § 16 gew.-ordn. gilt übrigens auch für nichtgewerbliche anlagen der dort genannten art, insbesondere also für solche anlagen, deren erzeugnisse nur für den eigenen bedarf des unternehmers bestimmt sind. L. Holtz die fürsorge f. d. reinhaltung der gewässer 21; vgl. auch gewerbearchiv 1, 388 u. a.; der gerichtsstand der gewerblichen niederlassung ist bei dem gerichte desjenigen ortes begründet, wo die niederlassung sich befindet. entsch. d. reichsger. in civils. 30, 328; ist die forderung im gewerbebetriebe des gläubigers entstanden, so tritt, wenn der gläubiger seine gewerbliche niederlassung an einem anderen orte hat, der ort der niederlassung an die stelle des wohnsitzes. dtsch. bürg. gesetzbuch § 270; gerade dies geschäft (ein buchhändlerischer verlag) war ihm nicht ganz fremd .. kein gewerbliches unternehmen stand in so inniger verbindung mit der geistigen cultur der nation. Freytag (Karl Mathy) 22, 214; die frage, welchen betrag ... der inhaber eines gewerblichen geschäfts für die abnutzung der ... dem geschäftsbetriebe dienenden ... gegenstände ... in abzug zu bringen berechtigt ist. Wilmowski im verwaltungsarchiv 3, 366; inhaber von gewerblichen realgerechtigkeiten ... klagten gegen den hamburgischen staat. entscheidung des reichsgerichts in civilsachen (1885) 12, 1; gewerbliche berechtigungen. R. Nobiling preuszische landeskulturgesetze 338; die Pariser konvention zum schutze des gewerblichen eigentums (1889). Liszt völkerrecht 169.
b) gewerbliche produkte. G. Krafft ill. landw. lex. 2, s. 375; nach einer mittheilung des herrn reichskanzlers haben ... erhebungen ergeben, dass ... gesundheitsgefahr für das küchenpersonal ... nicht besteht. immerhin sind aber ... gewerbliche küchen mit ... mängeln angetroffen worden. gewerbearchiv f. d. dtsch. reich 1, 136; von den

[Bd. 6, Sp. 5603]


anstalten, welche vorzugsweise dem kleingewerbe dienen, sind in erster linie die grossen anstalten in Berlin, u. s. w. zu nennen, die als 'handwerkerschulen', 'gewerbliche schulen' und unter ähnlichen bezeichnungen bekannt sind. Albrecht hdbch. d. soz. wohlfahrtspflege 146; den prüfungen der in § 129, abs. 4 und § 131, abs. 2 der gewerbeordnung erwähnten lehrwerkstätten, gewerblichen unterrichtsanstalten und prüfungsbehörden ... kann meinerseits die wirkung der gesellenprüfung beigelegt werden. Hoffmann organisation d. handwerks 298; das gewerbliche bildungswesen. preusz. gewerbegesetz von 1849, s. 25.
c) das gewerbliche einkommen besteht aus den zinsen des anlage- und betriebscapitals und aus dem eigentlichen handwerksgewinne. Fentsch im deutschen staatswb. 4, 342; aufhebung der gewerblichen abgaben in Posen. preusz. gesetzsamml. 1883, s. 55, ebenso entscheidungen d. reichsger. in civils. (1882) 6, 94; für die entscheidung von gewerblichen streitigkeiten zwischen arbeitern .. und .. arbeitgebern ... können gewerbegerichte errichtet werden. 55, 194; damit es nicht zweifelhaft bleibt, dasz auch literarische productionen und gewerbliche erfindungen unter dem schutze des staates ... stehen. stenogr. berichte der Frankf. nat.-vers. 691a; Herm. Maertens, aesthetik der baukunst und der gewerblichen künste. Bonn 1887; das anbieten von solchen gewerblichen leistungen, hinsichtlich deren dieses landesgebrauch ist, kann von einer vorgängigen erlaubnis nicht abhängig gemacht werden. Landmann gewerbeordn. 1, 364; vgl. auch die preussische staatsmedaille für gewerbl. leistungen; zumal nicht einmal ersichtlich gemacht ... ist, dass die klägerin das gebäude noch zu andern gewerblichen verrichtungen benutzen darf. entsch. d. reichsger. in civils. 19, 360; die macht der gewohnheit .. hatte .. einen zustand erzeugt, welcher .. einen .. fortschritt der gewerblichen thätigkeit nicht hervorbringen konnte. Hoffmann lehre v. d. steuern 194; (es ist mit der gewerbeordnung) ein werk zustande gebracht, welches der freien bewegung gewerblicher thätigkeit neue ... bahnen öffnet. thronrede im nordd. reichstag, s. Bismarck reden 4, 260; erlaubnis zur ... ausübung der gewerblichen tätigkeit. entscheid. d. reichsger. in civils. 46, 105; vgl. auch Hue de Grais handb. der verfassung u. verwaltung 530, ebenso 562 u. a.; gewerbefreiheit ist arbeitsfreiheit auf dem gebiete der gewerblichen bethätigung. Schäffle im dtsch. staatswb. 4, 320.
d) ihr (der mutter Schillers) vater .. war holz-inspektor zu Marbach. eine fürchterliche überschwemmung beraubte ihn dort seines ganzen vermögens. aus noth griff er nun, um seine familie nicht darben zu lassen, zu gewerblichen mitteln (er wurde bäcker und wirth). Streicher Schillers flucht 4 Hofmann; er (der reisegefährte) beanspruchte eine gemeinschaftlichkeit der exkursionen, wobei er aber landwirthschaftliche und gewerbliche zwecke im auge hatte, was sich mit meinem künstlerischen heiszhunger nicht vereinbaren liesz. Grillparzer (selbstbiogr.) 12, 72 Necker; der rest des vermögens wird, ... der gemeinde, in welcher die innung ihren sitz hatte, zur benutzung für gewerbliche zwecke überwiesen. gewerbeordnungsnovelle von 1897 § 90a; § 1 des statuts bezeichnet als aufgabe des vereins ... förderung der gemeinsamen gewerblichen interessen. entscheid. d. reichsger. in civils. 55, 30; hiermit ist ausgesprochen, dasz ... die regelung der gewerblichen verhältnisse fortan nicht mehr sache der einzelnen staaten, sondern ausschlieszlich sache des reichs ist. stenograph. ber. d. Frankf. nat.-vers. 693a; dies bewog die regierung .. die gewerblichen verhältnisse zu verbessern. Mascher deutsches gewerbewesen 648; auszer diesen rein gewerblichen verhältnissen sind für die geschichte des gewerbswesens auch die religiösen vereine der zünfte zu beachten. Mone zeitsch. gesch. Oberrheins 2, 3; wir haben sehr verschiedene gewerbliche zustände in Deutschland, zustände, die sich geradezu widersprechen. stenogr. ber. d. Frankf. nat.-vers. 756b; es streben die Skandinaven seit dem letztverflossenen menschenalter und schon länger, nicht nur ihre häuslichen und gewerblichen zustände, sondern auch die bürgerlichen und staatlichen ordnungen und verfassungen ihrer lande den anforderungen und bedürfnissen der zeit gemäsz zu ordnen und zu bessern. E. M. Arndt schriften für u. an s. l. Deutschen (Skandinavien ..) 4, 326;

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was bisher geschah, war nicht lebenskräftig genug, um alle schichten des gewerblichen lebens zu durchdringen. entwurf zur erricht. einer industrie- u. handwerkerbank 5; es war das urbild der altgermanischen nationalen freiheit, das durch die gilden wieder angestrebt ward und von ihnen aus der mitte des gesellschaftlichen und gewerblichen lebens wiedergeboren werden sollte. Th. Mundt gesch. d. deutsch. stände (2, 3) 310; der staat unterstützt ferner das gewerbliche vereinswesen. Hue de Grais handb. d. verfass. 563; nachdem das bewegliche capitel längst in gewerblicher hinsicht dem grundvermögen gleichgestellt war, muste zuletzt auch die politische gleichstellung erfolgen. Arnold aufkommen d. handwerkerstandes (1861) 40.
e) nicht minder erheblich waren aber die gegen-vortheile, welche diesen (den ritterlichen pfahlbürgern) von seiten der stadt gewährleistet wurden, wozu nicht nur treuer kriegsbeistand in den fehden des adels mit den fürsten, sondern auch der freie gewerbliche verkehr mit der bürgerschaft gehörte. so konnte ein ritterlicher grundherr heut als führer der städtischen kriegsmannschaften an ihrer spitze erscheinen, und morgen seine butter und sein vieh unter begünstigung der zollfreiheit, die ihm als pfahlbürger zustand, in die stadt schicken. Th. Mundt gesch. d. deutsch. stände (2, 4) 334; drauszen auf der gasse war wie immer das gewerbliche getöse, aber hier in der kleinen kammer war es furchtbar still. Th. Storm (ein doppelgänger) 5, 195. gewerbliche entwicklung. Lueger 4, 647; die messe wurde in ihrer symbolischen und praktischen bedeutung der höhepunkt dieser groszen volksthümlichen combination, in der die kirche den welthandel auf ihre bahnen zog, indem sie in ihren feierlichen momenten demüthig und kühn genug war, sich mit der gewerblichen volkskraft und dem frischen gewinnlustigen handelsgetümmel zu vermählen. Th. Mundt gesch. der deutschen stände (2, 2) 288; in jeder stadt z. b. wird sich nur eine gewisse durch die übung leicht zu bestimmende zahl von schuhmachern, schneidern ... in gewerblicher würde erhalten können. Kleinschrod 11; eine ... vereinigung von gewerbtreibenden zur herbeiführung angemessener preise für ihre gewerbserzeugnisse ... würde, auch wenn sie die bedeutung eines gewerblichen kartells hätte, .. nicht als gesetzlich unstatthaft .. zu betrachten sein. entscheid. d. reichsger. in civils. 56, 275; ganz anders .., ist die bewegung für gewerbliche freiheit im königreich Baiern zu einem ... abschlusse gelangt. Mascher deutsches gewerbewesen 649; dass nicht jede beschränkung der gewerblichen freiheit unzulässig sei. ist .. anerkannt worden. entscheid. d. reichsger. in civils. 1, 23; es handelt sich ... um eine erkrankung, welche nach ihrem zusammenhange mit dem vom kläger betriebenen gewerbe als gewerbliche krankheit zu betrachten ist. 21, 78, ebenso 44, 260.

 

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