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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbesitz bis gewerbesteuergesetz (Bd. 6, Sp. 5582 bis 5587)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerbesitz, gewerbespiel, s. gewerbsitz, gewerbsspiel.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsstadt, f. , vgl.gewerbeort, gewerbedorf; vgl. aber auch gewerbehaus.
1) das compositum gehört zum eisernen bestand der wörterbücher, in denen es eine stellung einnimmt, die den litterarischen gebrauch überragt.
a) durchgängig wird das wort in den älteren deutsch-lat. u. ähnl. wb. aufgeführt: gewärbstatt, emporium, forum nundinarium, mercatus. Maaler 178b; gwrbsstatt da man gmaine mssen und jarmerckt halt, da grosse niderleginen von kauffmanns gteren sind, emporium. 200d; gewerbsstatt, emporium ... marché, ville marchande. Emmel 345; gewerbstatt, handelsstatt, ville marchande. Hulsius (1614) 164a; ebenso Henisch (gewerbsstatt) 1597; wasserstat, handelstat, gewerbstat. Schottel 480; gewerbstatt oder handelstatt. Duez (1664) 199a. Pomey 133; gewerb- sive handelsstadt. Stieler 2113; gewerbstatt, emporium. Gürtler 2, 74b. Steinbach 2, 653. Weismann 2, 172b. Matthiae 2, 181a. Rädlein 383a. Kirsch 180a. Veneroni 75a. Hederich 1, 1422. schon bei Frisch ist gewerbstadt ganz durch handelsstadt verdrängt (vgl. a. a. o. 1, 412); es erscheint hier nur noch im register der lat. worte unter emporium. bei Adelung wird es überhaupt nicht mehr aufgeführt, wol aber von Campe neu aufgenommen, vgl. auch Heynatz 2, 55.
b) nicht so consequent, wie in den deutsch-lateinischen wörterbüchern ist das compositum bei den lateinischdeutschen unter emporium aufgeführt.
α) es ist durch synonyma verdrängt; emporium, ein kauff stadt. Marmellius (1517) 1, 24; mercatus, ein marckt statt, ain ort da man marckt helt. Serranus P 5a; emporium, ein marckstat, ein ort da man jarmarckt hellt. h 1a; mercatus, ein marckstatt, ein ort da man mesz oder marck hellt, oder die zeit des jarmarcks. Dasypodius V 5a; emporium ... ein marckstatt, ein ort da man mesz unn jarmrckt hallt. L 1d; emporium, een coopstadt. Eualdus Gallus D 3b; emporium ein handelstadt. Corvinus 479, ebenso König 393b. Weismann 1, 147a; emporium eine vornehme kauf- und handelsstadt, die einen stapel oder niederlage hat. Sperander à la mode-sprach der Teutschen 228a.
β) es behauptet seinen platz: emporium ... ein gewrbstatt, da man gemeine mssen und jarmrckt haltet. Cholinus-Frisius (1541) 317a; emporium, eine handelstad, gewerbstad, niderlag. Faber 276b; ähnlich Golius 59. Nic. Frischlin 203a. Calepin 498b. Hadrianus Junius 188. Bentzius 655. onomast. lat. germ. 37a. Schönsleder V 5a. Reyher 2, 2175. Dentzler 232. Matthiae 1, 471. Frisch register der lat. worte 35 (s. o.).
c) für die bedeutung des ersten compositionstheils ergab sich aus diesen angaben übereinstimmend der mittlere begriff, für den handel und gewerbe als synonyma gelten, vgl. auch: ein gwärbstatt, da man kaufft und verkaufft. Calepin 498b u. a. dagegen ist für den zweiten theil des compositums von späteren lexikographen die frage erhoben worden, ob die grundbedeutung des fremdwortes (emporium) zu gunsten des allgemeineren begriffes stätte gegen stadt entscheide: emporium, eine handels-stadt, eine niederlage. dieses wort, welches ein griechisches ist, ἐμπόριον; das aber die Lateiner in ihre sprache aufgenommen haben, bedeutet keine stadt, sondern einen ort ausser der stadt beim haafen, allwo die waaren ausgeleget werden, und wo sich die kauffleute aufzuhalten pflegen. Daniel Friedrich Janus phil. lex. (1730) 636; vgl. jedoch: emporium ... ort vor einer stadt, an einem hafen u. d. g. wo die waaren ausgeladen werden ... 2) ein markt, ein handelsplatz, wo man jahrmarkt, messe u. d. g. hält ... 4) eine handelsstadt, stadt, wo gute kaufmannschaft getrieben wird. Joh.

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Henr. Drumelius lex. manuale 1, 4027. wie auch die litterarischen belege zeigen, geht der wortgebrauch durchaus von der engeren bedeutung stadt aus.
2) der litterarische gebrauch, der sich in der häufigkeit der belege mit dem lexikalischen nicht messen kann, greift dafür weiter in die neuere sprache herein. wandlungen der bedeutung lassen sich insofern feststellen, als die vorstellung des handelsverkehrs, die in älteren belegen den welthandel betraf, sich nun mehr und mehr in die enge verliert, im anschlusz daran wird die antheilnahme des handwerkes stärker betont.
a) es ist sunst ein andere gewerbstatt am mre, die heiszt Dnde. Münster cosmogr. (2.) 42; Antorff, welches die mechtigste gewerbstatt in der ganzen welt sei. Sleidanus deutsche chronik (1559) 296b; nun zeuget das erste buch der könige neben den landtafeln, das Sarepta zwischen der festen stadt Tyro, und der grossen gewerb- oder handelstadt Sydon gelegen, nit fern vom mittelmehr. Mathesius Sarepta (1578) 1b; in diser mechtigen gewerbstadt (Tyrus) haben die inseln des mittelmeers .. allerlei metall verkaufft. 96b; dafür haben die fürsten zu zeiten etliche gewerbstädt auff etliche jar unnd widerrfen gefreiet, alsz hertzog Ludwig z Landsht die stadt Nürnberg, anno 1456. Wiguleus Hund bayrisch stammenbuch 2, 402; Genff ... welche ist ein statt in Saphoy, ligt in der gegend desz Schweitzerlands, ein schöne und grosse gewerbstatt, hat gute fruchtbare wein-wachsz. volksbuch von dr. Faust, neudr. s. 61; Chum eine gewaltige gewerbstatt. Stumpf schweiz. chronik (1606) 134a; so kann ein junger mann, mit dem besten willen seine kenntnisse zu vermehren, funfzig meilen weit in eine berühmte gewerbsstadt wandern, um in einem winkel derselben, wenn es sein unstern will, elendere arbeit zu verfertigen, als er zu hause in die hände bekommen haben würde. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... bei d. bestehenden zunftverf. (1803) 108.
b) den 1. septemb. hat es z Husi, einer gewerbstatt in Holstein, in underschidlichen orten zum anderen mal blt geregnet. Stumpf schweiz. chronik 134a; immassen die zeit, so er (der wandernde gesell) in näheren orten zubringet, es seie dann eine grose handels- und gewerb-stadt, ihme für die wanderzeit nicht angenommen ... werden solle. badische zunftordnungen (1769) 112; man verlor sich in die alte gewerbstadt, und besonders markttages gern in dem gewühl, das sich um die Bartholomäuskirche herum versammelte. Göthe (dichtung u. wahrheit 1) 24, 22; die mittlere stadt (Tübingen) sieht einer alten zufällig zusammengebauten gewerbstadt ähnlich. (Schweizerreise 1797) 43, 121; wo gewerbsstädte zu dieser unbürgerlichkeit versinken. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 87; ein groszer theil von orten in Deutschland — insbesondere viele gewerbestädte — haben eingaben an uns gemacht, um eine allgemeine gewerbeordnung zu erlangen. ... jeder ort hat nun andere punkte aufgestellt; jeder ort will eine gewerbeordnung, die für seine verhältnisse passt, zur allgemeinen deutschen gewerbeordnung erhoben wissen. F. J. Stahl, s. stenogr. ber. d. Frankf. nationalvers. 775a; solche kleine städte freilich, welche von den bedingungen einer stadt jetzt nichts mehr haben als den historischen namen und deren gewerbeleben in stetem rückgange bereits jetzt begriffen ist .., würden als gewerbestädte durch keine gesetzgebung zu halten sein. Rentzsch gewerbefreiheit (1862) 80; gewerbstadt, neues wort (!), eine stadt, in welcher die gewerbe blühen. Rumpf 137.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsstand, m. , vgl. DWB handelsstand, DWB handwerkerstand u. a. die angabe bei Rumpf (s. 137), dasz das compositum 'auch zuweilen den zustand der gewerbe' kennzeichne, läszt sich aus dem verfügbaren material nicht stützen. die belege fassen den zweiten compositionstheil durchweg persönlich in der bedeutung der gesammtheit der berufsgenossen. wie weit diese gesammtheit hier greift, das ergiebt sich aus der abstufung des begriffes gewerbe.
1) gewerbe mit umfassender bedeutung, vgl. DWB nahrungsstand (theil 7, 316, wo jedoch nur belege für die bedeutung zustand der nahrung gegeben sind); vgl. erwerbsstand.
a) der älteste beleg führt das compositum in verbindung mit der bildung handwerksstand auf, anscheinend aber

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als weiteren neben dem engeren begriff: mit wahrer wehmuth haben wir uns überzeugt gefunden, dasz der handwerks- und gewerbsstand in Oettingen, welcher vor zeiten auf einem gipfel des wohlstands sich befand, ... keine spur seines alten flors mehr blicken läszt. fürstl. öttingische wanderordnung (1785) bei Ortloff corpus iuris opificiarii 419. vgl. auch: die masse der glieder des gemeinbürgerlichen gewerbs- und handwerksstandes. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 95.
b) sicherer führen andere verbindungen: den (wohlfeilen preis der lebensmittel) man ... nicht mit unrecht als die hauptstütze des gewerb- und nahrungsstandes ansieht. Völker (1801) 64 (vgl.: manufacturen und fabriken zu gründen ... dem ganzen nahrungsstande aufzuhelfen. Joh. Fr. v. Pfeiffer manuf. u. fabriken 2. einl.); dasz aber der wahre mittelstand immer nur aus dem äusserlich und innerlich, sittlich und bürgerlich kraftbildenden, wohlhabenden gewerbstand und erwerbenden berufsleben hervorgehen könne, fällt ... in die augen. Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 4, 83) 43, 351 (vgl.: die im erwerbstand sich bildende und von vater auf sohn sich erbende ehrenfestigkeit. ebenda); es entstand bei den kaufleuten eine .. verachtung des übrigen gewerbstandes. Wilda gildenwesen (1831) 300; wenn wir die historie des gewerbestandes verflossener jahrhunderte mit dem bestreben der neuzeit ... vergleichen, ist der ... schritt vom geschützten ... gewerbeverkehr zum freihandel und der gewerbefreiheit. Berlepsch chronik d. gewerke 6, 53.
2) im allgemeinen verengt sich die bedeutung da, wo gewerbestand und handelstand in verbindung treten: unser allgemeiner landessegen musz unumgänglich zu grunde gehn, wenn unser mittlerer gewerbs- und handelsstand sich forthin in den träumen eitler, unpassender anmaszungen dahin verliert, die ehrenfestigkeit und würde des alten, bürgerlichen ... gemeinen erwerbs- und handwerksstands nicht mehr mit bürgerlicher sorgfalt und näherung ins auge zu fassen. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 93; das marktrecht, aus dem in weiterer linie auch der ganze handels- und gewerbestand mit seinen rechten und befugnissen sich entwickelte, wurde der erste inbegriff und ausgangspunkt der städte-organisation und damit der städtischen freiheit. Th. Mundt gesch. der d. stände (2, 2) 287; um ... im welthandel, für Deutschland die achtunggebietende stellung zu erobern, auf die es ... vermöge der tüchtigkeit seines volkes, insbesondere seines handels- und gewerbstandes, einen gerechten anspruch hat. Rönne in der Frankf. nationalvers. (s. stenogr. ber. sp. 195b); der gewerbs- und handelsstand war eine geldmacht geworden. Mone (die Rheinschiffahrt) ztschr. gesch. Oberrh. 9, 4; die gewerbe- und handelskammern sind körperschaften, welche durch wahl oder ernennung aus dem handels- und gewerbestande hervorgehen und als organe der interessenanschauungen der von ihnen repräsentirten handels- und gewerbsstände die zustände und bedürfnisse dieser klassen von sich aus oder auf veranlassung bei den verwaltungsbehörden des staates zur kenntniss und geltung bringen. Schäffle im dtsch. staatswb. 4, 336.
3) auf verengte bedeutung weisen auch die folgenden verwendungen: ferne sei es von mir, dem gewissenlosen betrüger das wort zu reden, deren es im gewerbestande, wie in allen immer giebt. J. A. Weisz über das zunftwesen 62; dasz aber auch der staat ernstlich darauf bedacht sein müsse, dem gewerbestande in dieser weise zu hülfe zu kommen. entwurf zur errichtung einer industrie- u. handwerkerbank s. 31; der gedanke, dasz rath und that des gewerbestandes ... um so mehr von nutzen sein dürften, als unsers wissens nur wenige angehörige dieses standes in der Paulskirche gezählt werden, führte abgeordnete des handwerker- und gewerbestandes aus den nahen und entferntesten gauen Deutschlands nach Frankfurt. entwurf einer allg. handwerker- u. gewerbeordn. 1848; der zunftzwang hingegen soll dazu dienen, von dem ganzen groszen gewerbestande elend und anarchie abzuhalten. Bismarck (rede in der 2. kammer 1849) 1, 143 Kohl; die meisten derselben (der auswandernden Deutschen) waren und sind aus dem gewerbsstande. E. M. Arndt schr. für u. an meine lieb. Deutschen 4, 116;

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inzwischen haben sich auch in Hannover im gewerbestande die ansichten ... geläutert. Mascher dtsch. gewerbewesen (1866) 648.
4) nur vereinzelt zielt das wort auf unterabtheilungen innerhalb dieses engeren begriffes: im gewerbswesen gibt es keine idee von einer einheit, kein gewerbstand wird seine interessen für die deutsche einheit aufopfern. Stahl, s. stenogr. berichte d. Frankf. nat.-vers. 775b.
 
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gewerbestatistik, f.: gewerbestatistik ... soll ... die aufgabe lösen, genaue auskunft über den stand aller gewerbe in einem lande zu geben. Thiel 4, 426; umfassende gewerbestatistiken fehlen ganz. Kleinschrod beiträge z. einer deutschen gewerbeordn. 1; die gewerbestatistik, welche die thatsächliche vertheilung der gewerblichen thätigkeit auf die einzelnen gebiete festzustellen hat, bleibt deshalb auf allgemeine unterscheidungen beschränkt. Hue de Grais handbuch der verfassung u. verwaltung (1901) 530.
 
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gewerbestatistisch, adj.: ebensowenig ferner sind durch § 14 (d. gewerbeordnung) die landesrechtlichen bestimmungen berührt, welche die sammlung und verarbeitung des gewerbestatistischen materials ... betreffen. Landmann gewerbeordnung 1 (1903), 107.
 
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gewerbestätte, f.: der ordentliche ausfertigungssportelsatz tritt namentlich ein ... bei anlegung neuer apotheken, neuer mühlen, und überhaupt neuer fabrikations- und gewerbestätten, sofern solche ausdrücklicher genehmigung bedürfen. preusz. sportel-taxordng. v. 1825 (gesetzs. 131); die gewerbestätten hätten zwar um 36 000 ... zugenommen, aber noch mehr die armenlast. Kaizl Schmollers forsch. 2, 1, s. 102. vgl.gewerbeanlage u. a.
 
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gewerbestelle, f.: es handelt sich dabei (bei der amtsbrüderschaft) um eine im interesse des betreffenden gewerbes getroffene massregel, deren correctur dem gewerbeherrn, dessen befugnisse nicht allein aus der grundherrschaft fliessen, zusteht, indem er das recht hat, die gewerbestellen zu vermehren. Uhlirz mitth. d. inst. f. österr. geschichtsforsch. 19, 186.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbssteuer, f. , vgl.gewerbe-geld, -groschen, -schatzung, -schosz. zur form vgl. gewerbesteuer ... nicht gewerbsteuer. Rumpf 137.
1) das compositum ist schon in der mitte des 17. jahrhunderts belegt und zwar mit der allgemeineren bedeutung; solche alsz mitburger aufzunemben und ein solchen alles burgerliche gewerb ... zu treiben erlauben, doch gegen jährlichen darreichung ainer billichen gewohnlichen gewerbsteuer. banntaiding zu Weiz (17. jahrh.) österr. weisth. 6, 192; diese hält sich bis in das 19. jahrh., wo sie in einzelnen verwendungen sich verengert, in anderen wieder sich erweitert.
a) nil dicam hic de aliis oneribus et contributionibus quibus prœter ordinaria annua tributa populus in Misnia et Thuringia passim prœgravatur, qualia sunt 1) landstewer ... 2) tranckstewer ... 3) acciszstewer ... 5) gewerbstewr von allen handlungen, handwercken und taglöhnern. Caspar Klock de aerario 2, 78 (1651) 482a; vgl. Schottel 482; zu den consumtionsauflagen gehöret auch die sogenannte gewerbsteuer oder gewerbschatzung. man hat bei dieser auflage die absicht, die handwerker, fabrikanten, kaufleute und alle übrigen personen, die sich in ein gewerbe, oder in ein besonderes commercium einlassen, zu den öffentlichen lasten beizuziehen, und von dem profit ihrer nahrungsgeschäfte und gewerbe einen proportionirten beitrag zu den einkünften des staates zu erheben. Schlettwein (1772) 287; es würde nämlich durch die ganz freie und ungehinderte konkurrenz der arbeitslohn, der gewisz in gar vielen gewerben durch das gildenwesen zu hoch gehalten wird, im preise fallen; und das würde bei aller befreiung von kopf-, gewerbe- und konsumtionssteuern um ein merkliches geschehen können, ohne dasz der genusz der arbeiter sich eben einzuschränken brauchte. Mauvillon physiokratische briefe (16) 244; da finden wir nun, dasz hin und wieder ein sogenanntes nahrungsgeld, wie auch handlungs-, handwerks- und gesindesteuern eingefhret sind. dieses sind in der that nicht anders, als gewerbesteuern. v. Justi staatswirthschaft 2, 392; wenn der landmann weiter nichts als die gewöhnlichen öffentlichen abgaben auf seinen grundstücken

[Bd. 6, Sp. 5586]


zu tragen habe, dem bürger in der stadt hingegen ausser solchen auch noch besonders gewerbe- und nahrungssteuern, accise-, licens-, pflaster- und laternengelder ... zu tragen obliege. wahrheit ohne schminke. vorber. s. 15; der bürger bezahlt (als steuern in Österreich) der anlage nach seiner sämmtlichen einkünfte; es sei von häusern oder gewerben. aber der anschlag der gewerbe ist so gemacht, dasz wohl ⅕ herauskömmt. die gewerbsteuer, so wie die interessensteuer sind in der that drückend. Nicolai beschr. einer reise 3, beilage 121; wenigstens traue ich mir zu behaupten, dasz jede vermögen- und gewerbesteuer ... in einer grossen monarchie immer vielen misbräuchen unterworfen sein ... werde. 3, beilage 152; es fehlen mir auch die anhaltspunkte über die bemessung der gewerbsteuer und des schutzgeldes. Mone ztschr. gesch. Oberrh. 9, 261.
b) gleichwie aber in diesen gewerbesteuern nicht die materialien der gewerbe, wie bei der accise, sondern die grösze und wichtigkeit des gewerbes selbst zum grunde geleget werden sollen; so sieht man leicht, dasz man zuförderst den wahrscheinlichen gewinnst eines jeden gewerbes ausfündig zu machen bemühet sein musz. v. Justi staatswirthsch. 2, 374; hiervon (vom letzten drittel des jährlichen verdienstes) wird demnach der vierte theil zu der jährlichen gewerbesteuer bestimmet. 379 (jährliche gewerbsteuer 381); unter den mitteln zu diesem zweck hat uns die einführung einer allgemeinen gewerbesteuer für unsere getreuen unterthanen weniger lästig geschienen. preusz. gesetzs. 1810, 79; sehr viel besser hat sich .... die gewerbesteuer ... gestellt ... wegen der in den ... friedenszeiten höher gestiegenen gewerbsamkeit. Hoffmann lehre v. d. steuern (1840) 209.
2) bedeutungsverengerung: jeder zum wirklichen kunstmitgliede der academie aufgenommene künstler hat ... sich ... der befreiung von der gewerbs- und industrialsteuer zu erfreuen. Barth-Barthenheim 2, 390; die inhaber der förmlichen landesfabriken sind frei von entrichtung der gewerbsteuer und den in städten sich ansiedelnden fabrikanten ist die befreiung von der gewerbsteuer zugesichert. ebenda; da dort (im rechtsrheinischen Bayern) die ansässigmachung auf gewerbsbetrieb bedeutend erschwert ist, während in der Pfalz nur die erlegung einer steuer nothwendig ist, um ein gewerbe zu betreiben. stenogr. bericht d. Frankf. nationalvers. s. 758a; das ältere deutsche steuerwesen ... kannte auch keine selbstständige direkte gewerbesteuer im heutigen sinne des wortes. Fentsch gewerbesteuer im dtsch. staatswb. 4, 341; zum gewerbebetriebe sollte künftig in der regel nur die lösung eines gewerbescheins bei der steuerbehörde gegen entrichtung der gewerbsteuer erforderlich und ausreichend sein. Bornhak preusz. staats- u. rechtsgeschichte (1903) 363; ähnl. entscheidungen d. reichsgerichts in civilsachen 49, 72.
3) bedeutungserweiterung.
a) vorübergehend ist der begriff in der wissenschaftlichen terminologie erweitert worden: es können aber die gewerbe auf zweierlei art zum gegenstande der steuern und abgaben genommen werden. man kann nämlich entweder die materialien der gewerbe, womit sich ein jedes beschäfftiget, und die daraus entstehenden waaren und producte mit abgaben belegen; oder man kann auf das gewerbe eines jeden unterthanen überhaupt, nach maszgebung dessen grösze und wichtigkeit, die abgaben bestimmen und einrichten. die erste art ist fast allenthalben in Europa eingeführet; und wird mit dem namen der accise, accissteuern, ... und aufschlägen beleget .. die andere art wird zwar unter dem namen der handels- und handwerks-steuern, des nahrungsgeldes und dergleichen hin und wieder gebrauchet; ... allein sie ist meines wissens noch nirgends als eine allgemeine steuer, die auf die grösze und wichtigkeit eines jeden gewerbes eingerichtet wäre, eingeführet worden. unterdessen wollen wir eine jede von diesen zwo hauptarten der gewerbesteuern besonders abhandeln. v. Justi staatswirthschaft 2, 354; die capitaliensteuern gehören gleichfalls unter die gewerbesteuern; die besoldungssteuern aber können nur uneigentlich dahin gerechnet werden. 396.
b) mit dem umfang der bedeutung von gewerbe erweitert sich auch der des compositums: ein jeder, welcher in unsern

[Bd. 6, Sp. 5587]


staaten, es sei in den städten, oder auf dem platten lande, sein bisheriges gewerbe, es bestehe in handel, fabriken, handwerken, es gründe sich auf eine wissenschaft oder kunst, fortsetzen oder ein neues unternehmen will, ist verpflichtet, einen gewerbeschein darüber zu lösen und die in dem beigefügten tarif ... angesetzte steuer zu zahlen. preusz. gesetzs. (1810) s. 79; für gewerbesteuer 50 thaler. rechnungsablegung des Königstädt. theaters in Berlin 1826 (u. d. t. sachgemäsze erörterungen über das Königstädt. theater) s. 82; gewerbesteuer landw. (polit.), vorgeschlagen statt der grundsteuer, aber insofern doch völlig verschieden von derselben, als sie den landw. betrieb trifft, nicht aber den boden. die landw. gewerbesteuer würde der pächter, gleichviel, ob des eigenen oder fremden gutes zahlen ... Krafft illustr. landwirthschafts-lexikon (1888) 375a; frau v. Weissenthurn gehört auch zu jenen büchermanufacturisten, die es unbegreiflich machen, warum nicht ein autokratischer finanzminister .. eine literarische gewerbssteuer auf bringt und alle neu geschriebenen bücher mit einer ziemlichen abgabe belegt. Börne dramaturg. blätter nr. 22.
c) auf übertragung beruhen andere erweiterungsformen: a leit a brinkel huch ei dr gewerbstaier (Oberlausitz, wird von jemand gesagt der dem branntweingenusz sehr ergeben ist). Wander 1, 1652.
 
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gewerbesteuerabtheilung, s. gewerbesteuerabtheilung, preusz. gesetzs. 1891, 205, dazu vgl. gewerbesteueranmeldung 219, gewerbesteuerausschusz 205 u. a.
 
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gewerbesteuerfrei, adjectiv: gewerbesteuerfrei sind: handwerker, die ... auf bestellung arbeiten ... weberei und würkerei, sofern ... nur als nebenbeschäftigung ... landwirthe, die mit ihrem wirthschaftsgespanne gelegentlich auch frachtfuhren verrichten. preusz. gesetzs. 1820 s. 149; der verkehr der böhmischen leinweber ... kann nicht als ein wirkliches gewerbe im umherziehen angesehen werden, und es ist daher auch denselben ohne gewerbeschein und gewerbesteuerfrei zu gestatten. Zeller gewerbepolizei (polizeiwissenschaft 12, 1) 145 (1834).
 
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gewerbesteuergesetz, n.: nur in einer ... zeit ... war das gewerbesteuer-gesetz nach einer solchen deutung ausführbar, wornach es alle durch ... privilegien erworbenen berechtigungen zum gewerbbetriebe ... für ungültig erklärte, indem es ... allen gewerbsbetrieb ... von der lösung eines gewerbscheines abhängig machte. Hoffmann lehre v. d. steuern (1840) 192; preusz. gewerbesteuergesetz, s. preusz. gesetzs. 1891, 205.

 

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