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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbeschuld bis gewerbestand (Bd. 6, Sp. 5580 bis 5583)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerbeschuld, f., nur im plural belegt: so die haftung der ehefrau mit ihrem eingebrachten für gemeinsame gewerbeschulden. Gierke genossenschaftstheorie (1887) 404; durch seine einwilligung wird der mann ... in die mithaft für die gewerbeschulden der frau gezogen. entsch. d. reichsger. in civils. (1887) 16, 261.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsschule, f. mit zweierlei richtungen des gebrauches. die eine kennzeichnet eine veranstaltung, die von der speziellen berufsbildung ausgeht und sich nur locker an den schulbetrieb angliedert, die zweite erwächst aus dem rahmen der schulorganisation und ebnet der gewerblichen berufsbildung nur die wege.
1) gewerbeschule, school of industry. eine höhere g., a polytechnical school or institution. Hilpert 1, 464a. gewerbschulen, lehranstalten zur ausbildung von gewerbtreibenden. Thiel 4, 428; gewerbeschule, unterrichtsanstalt, welche der gewerbetreibenden jugend die geeigneten kenntnisse sowie die vorbildung zur ausübung ihres faches bieten soll. Lueger 4, 647. — gewerbeschule besser als erwerbsschule (industriesch.) Rumpf 137: man hat zwar hie und da kunst- und gewerbs- und industrieschulen errichtet. Lotz revision 3, 85; wir haben akademien, kunst- und handwerks-, gewerb- und industrieschulen.

[Bd. 6, Sp. 5581]


Werneburg bildung d. gewerbtreibenden (1827) 22 (vgl. die industrieschule in Diez. Nemnich tageb. einer der .. industrie gewidmet. reise 1 [1809], 192; die göttingisehe industrieschule. 1, 16); desgleichen haben der magistrat (von) Berlin .. im jahre 1824 neben dem köllnischen gymnasium, für diejenigen, welche sich den gewerben widmen, und dazu eine gründliche wissenschaftliche vorbereitung erlangen wollen, eine neue, von dem königl. technischen gewerb-institute zu unterscheidende gewerbschule gestiftet. Werneburg s. 24; übrigens ist der meister oder dienstherr verbunden, über seine gesellen oder gehülfen aufsicht zu führen, sie zum besuche des gottesdienstes und der feiertags- oder gewerbeschulen, so solche bestehen, zu ermahnen, und von unanständigem betragen nach kräften abzuhalten. bayr. verordn. v. 1826. regierungsblatt s. 89; schon mehrere jahre bewundern und benutzen wir die durch herrn Beuth herausgegebenen musterblätter, welche mit so viel einsicht als aufwand zum vortheil der preuszischen gewerbeschulen verbreitet worden. Göthe (besprechung des programms der Berliner gewerbschule 1828) 44, 58; die gelehrtenschulen, kriegsschulen, kunstschulen, gewerbschulen, kurz alle die anstalten, welche sich in gröszeren städten und gemeinden finden, müszten ihre turnmeister haben. E. M. Arndt schriften für und an seine lieben Deutschen 22 (das turnwesen) 3, 271; die alte technologische lehranstalt ... lebte 1830 in der 'schule für die mathematischen wissenschaften' theilweise wieder auf. die übrigen schulen fasste man jetzt schon unter dem freilich noch nicht officiellen namen 'gewerbeschulen' zusammen. der andrang zu denselben war so grosz, dasz ein theil der sich zum unterricht meldenden immer abgewiesen werden muszte. G. Kowalewski gesch. d. Hamburger gesellsch. z. beförd. d. künste u. nützlichen gewerbe s. 87; seit dem jahre 1898 hat sich auch der preussische staat durch die begründung der königlichen gewerbe- und haushaltungsschule in Posen auf diesem gebiete in bemerkenswerther weise bethätigt. Albrecht handb. d. soz. wohlfahrtspflege (1902) 118; vgl. auch kunstgewerbeschule Lueger 4, 647; von einer flinken mutter ermuntert, hatte sie in Kiel die gewerbeschule besucht. Frenssen Hilligenlei 260; vgl. auch gewerbliche schulen.
2) für den unterricht in volksschulen und niederen gewerbsschulen wird kein schulgeld bezahlt. entwurf der grundrechte, s. stenogr. ber. d. Frankf. nationalvers. s. 683a; du willst nichts gelernt haben? ... was haben sie dir nicht alles in deinen kleinen kopf hineingetrieben! da war die klippschule, zwei klassen, und die stadtschule, vier klassen, und die gewerbeschule, zwei klassen: acht klassen hast du gelernt. G. Freytag (soll u. haben 2, 5) 4, 260; der alte gelehrten- und lehrerstand der städte wurde durch einberufene deutsche schulmänner reichlich erweitert und in den meisten cantonen an eine grosze zwillingsschule vertheilt, welche aus einem gymnasium und einer gewerbsschule bestand. Gottfried Keller der grüne Heinrich 1 (1854), 299.
 
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gewerbe-, gewerbsschüler, m.: ob sich nicht ihretwegen, wenn auch nicht offiziere duelliren, doch wenigstens ein paar gewerbschüler mit den linealen über die köpfe hauen. C. Erdensohn Fritz und Fritzchen, ein kleinstaatlicher parlamentroman (1867) 1, s. 71.
 
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gewerbeschulrat, m.: die gewerbeschultechnischen räthe werden von mir ... ernannt und führen den titel regierungs- und gewerbeschulrath. preusz. erlasz v. 1899 (gesetzs. s. 77).
 
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gewerbe-, gewerbsschutz, m., vgl. Thiel 4, 426: die frage, ob gewerbefreiheit oder gewerbeschutz? ist bisher anders von dem staatsmanne, anders von dem fachmanne beantwortet worden. entwurf einer allgem. d. handwerker- u. gewerbeordn. 1848.
 
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gewerbeschutzbefugnis, f.: der stadthauptmannschaft wurde aber dieses recht, schutzbefugnisse zu ertheilen ... übertragen, so dass der Wiener magistrat mit seiner vorstellung in betreff ... verleihung der gewerbsschutzbefugnisse abgewiesen wurde. Barth-Barthenheim 3, 48.
 
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gewerbe-, gewerbsstaat, m., vereinzelte bildung in anlehnung an gewerbeort, gewerbestadt u. a.: in kleinen gewerbsstaaten ist der übergang des segenszustands ihrer

[Bd. 6, Sp. 5582]


begründung in den segenslosen ihres versinkens weit sichtbarer und weit drückender. Pestalozzi (ansichten über industrie, erziehung u. politik) 9, 76.
 
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gewerbe-, gewerbsinn, m., vgl. DWB gewerbe = erwerb: den von seinem vater ihm (Joseph) angestammten gewerbsinn übt er im groszen: es sind nicht mehr heerden, die man einem schwiegervater, die man für sich selbst gewinnt, es sind völker mit allen ihren besitzungen, die man für einen könig einzuhandeln versteht. Göthe (aus meinem leben 4) 24, 222. vgl. auch gewerbegeist.
 
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gewerbesitz, gewerbespiel, s. gewerbsitz, gewerbsspiel.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsstadt, f. , vgl.gewerbeort, gewerbedorf; vgl. aber auch gewerbehaus.
1) das compositum gehört zum eisernen bestand der wörterbücher, in denen es eine stellung einnimmt, die den litterarischen gebrauch überragt.
a) durchgängig wird das wort in den älteren deutsch-lat. u. ähnl. wb. aufgeführt: gewärbstatt, emporium, forum nundinarium, mercatus. Maaler 178b; gwrbsstatt da man gmaine mssen und jarmerckt halt, da grosse niderleginen von kauffmanns gteren sind, emporium. 200d; gewerbsstatt, emporium ... marché, ville marchande. Emmel 345; gewerbstatt, handelsstatt, ville marchande. Hulsius (1614) 164a; ebenso Henisch (gewerbsstatt) 1597; wasserstat, handelstat, gewerbstat. Schottel 480; gewerbstatt oder handelstatt. Duez (1664) 199a. Pomey 133; gewerb- sive handelsstadt. Stieler 2113; gewerbstatt, emporium. Gürtler 2, 74b. Steinbach 2, 653. Weismann 2, 172b. Matthiae 2, 181a. Rädlein 383a. Kirsch 180a. Veneroni 75a. Hederich 1, 1422. schon bei Frisch ist gewerbstadt ganz durch handelsstadt verdrängt (vgl. a. a. o. 1, 412); es erscheint hier nur noch im register der lat. worte unter emporium. bei Adelung wird es überhaupt nicht mehr aufgeführt, wol aber von Campe neu aufgenommen, vgl. auch Heynatz 2, 55.
b) nicht so consequent, wie in den deutsch-lateinischen wörterbüchern ist das compositum bei den lateinischdeutschen unter emporium aufgeführt.
α) es ist durch synonyma verdrängt; emporium, ein kauff stadt. Marmellius (1517) 1, 24; mercatus, ein marckt statt, ain ort da man marckt helt. Serranus P 5a; emporium, ein marckstat, ein ort da man jarmarckt hellt. h 1a; mercatus, ein marckstatt, ein ort da man mesz oder marck hellt, oder die zeit des jarmarcks. Dasypodius V 5a; emporium ... ein marckstatt, ein ort da man mesz unn jarmrckt hallt. L 1d; emporium, een coopstadt. Eualdus Gallus D 3b; emporium ein handelstadt. Corvinus 479, ebenso König 393b. Weismann 1, 147a; emporium eine vornehme kauf- und handelsstadt, die einen stapel oder niederlage hat. Sperander à la mode-sprach der Teutschen 228a.
β) es behauptet seinen platz: emporium ... ein gewrbstatt, da man gemeine mssen und jarmrckt haltet. Cholinus-Frisius (1541) 317a; emporium, eine handelstad, gewerbstad, niderlag. Faber 276b; ähnlich Golius 59. Nic. Frischlin 203a. Calepin 498b. Hadrianus Junius 188. Bentzius 655. onomast. lat. germ. 37a. Schönsleder V 5a. Reyher 2, 2175. Dentzler 232. Matthiae 1, 471. Frisch register der lat. worte 35 (s. o.).
c) für die bedeutung des ersten compositionstheils ergab sich aus diesen angaben übereinstimmend der mittlere begriff, für den handel und gewerbe als synonyma gelten, vgl. auch: ein gwärbstatt, da man kaufft und verkaufft. Calepin 498b u. a. dagegen ist für den zweiten theil des compositums von späteren lexikographen die frage erhoben worden, ob die grundbedeutung des fremdwortes (emporium) zu gunsten des allgemeineren begriffes stätte gegen stadt entscheide: emporium, eine handels-stadt, eine niederlage. dieses wort, welches ein griechisches ist, ἐμπόριον; das aber die Lateiner in ihre sprache aufgenommen haben, bedeutet keine stadt, sondern einen ort ausser der stadt beim haafen, allwo die waaren ausgeleget werden, und wo sich die kauffleute aufzuhalten pflegen. Daniel Friedrich Janus phil. lex. (1730) 636; vgl. jedoch: emporium ... ort vor einer stadt, an einem hafen u. d. g. wo die waaren ausgeladen werden ... 2) ein markt, ein handelsplatz, wo man jahrmarkt, messe u. d. g. hält ... 4) eine handelsstadt, stadt, wo gute kaufmannschaft getrieben wird. Joh.

[Bd. 6, Sp. 5583]


Henr. Drumelius lex. manuale 1, 4027. wie auch die litterarischen belege zeigen, geht der wortgebrauch durchaus von der engeren bedeutung stadt aus.
2) der litterarische gebrauch, der sich in der häufigkeit der belege mit dem lexikalischen nicht messen kann, greift dafür weiter in die neuere sprache herein. wandlungen der bedeutung lassen sich insofern feststellen, als die vorstellung des handelsverkehrs, die in älteren belegen den welthandel betraf, sich nun mehr und mehr in die enge verliert, im anschlusz daran wird die antheilnahme des handwerkes stärker betont.
a) es ist sunst ein andere gewerbstatt am mre, die heiszt Dnde. Münster cosmogr. (2.) 42; Antorff, welches die mechtigste gewerbstatt in der ganzen welt sei. Sleidanus deutsche chronik (1559) 296b; nun zeuget das erste buch der könige neben den landtafeln, das Sarepta zwischen der festen stadt Tyro, und der grossen gewerb- oder handelstadt Sydon gelegen, nit fern vom mittelmehr. Mathesius Sarepta (1578) 1b; in diser mechtigen gewerbstadt (Tyrus) haben die inseln des mittelmeers .. allerlei metall verkaufft. 96b; dafür haben die fürsten zu zeiten etliche gewerbstädt auff etliche jar unnd widerrfen gefreiet, alsz hertzog Ludwig z Landsht die stadt Nürnberg, anno 1456. Wiguleus Hund bayrisch stammenbuch 2, 402; Genff ... welche ist ein statt in Saphoy, ligt in der gegend desz Schweitzerlands, ein schöne und grosse gewerbstatt, hat gute fruchtbare wein-wachsz. volksbuch von dr. Faust, neudr. s. 61; Chum eine gewaltige gewerbstatt. Stumpf schweiz. chronik (1606) 134a; so kann ein junger mann, mit dem besten willen seine kenntnisse zu vermehren, funfzig meilen weit in eine berühmte gewerbsstadt wandern, um in einem winkel derselben, wenn es sein unstern will, elendere arbeit zu verfertigen, als er zu hause in die hände bekommen haben würde. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen ... bei d. bestehenden zunftverf. (1803) 108.
b) den 1. septemb. hat es z Husi, einer gewerbstatt in Holstein, in underschidlichen orten zum anderen mal blt geregnet. Stumpf schweiz. chronik 134a; immassen die zeit, so er (der wandernde gesell) in näheren orten zubringet, es seie dann eine grose handels- und gewerb-stadt, ihme für die wanderzeit nicht angenommen ... werden solle. badische zunftordnungen (1769) 112; man verlor sich in die alte gewerbstadt, und besonders markttages gern in dem gewühl, das sich um die Bartholomäuskirche herum versammelte. Göthe (dichtung u. wahrheit 1) 24, 22; die mittlere stadt (Tübingen) sieht einer alten zufällig zusammengebauten gewerbstadt ähnlich. (Schweizerreise 1797) 43, 121; wo gewerbsstädte zu dieser unbürgerlichkeit versinken. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 87; ein groszer theil von orten in Deutschland — insbesondere viele gewerbestädte — haben eingaben an uns gemacht, um eine allgemeine gewerbeordnung zu erlangen. ... jeder ort hat nun andere punkte aufgestellt; jeder ort will eine gewerbeordnung, die für seine verhältnisse passt, zur allgemeinen deutschen gewerbeordnung erhoben wissen. F. J. Stahl, s. stenogr. ber. d. Frankf. nationalvers. 775a; solche kleine städte freilich, welche von den bedingungen einer stadt jetzt nichts mehr haben als den historischen namen und deren gewerbeleben in stetem rückgange bereits jetzt begriffen ist .., würden als gewerbestädte durch keine gesetzgebung zu halten sein. Rentzsch gewerbefreiheit (1862) 80; gewerbstadt, neues wort (!), eine stadt, in welcher die gewerbe blühen. Rumpf 137.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsstand, m. , vgl. DWB handelsstand, DWB handwerkerstand u. a. die angabe bei Rumpf (s. 137), dasz das compositum 'auch zuweilen den zustand der gewerbe' kennzeichne, läszt sich aus dem verfügbaren material nicht stützen. die belege fassen den zweiten compositionstheil durchweg persönlich in der bedeutung der gesammtheit der berufsgenossen. wie weit diese gesammtheit hier greift, das ergiebt sich aus der abstufung des begriffes gewerbe.
1) gewerbe mit umfassender bedeutung, vgl. DWB nahrungsstand (theil 7, 316, wo jedoch nur belege für die bedeutung zustand der nahrung gegeben sind); vgl. erwerbsstand.
a) der älteste beleg führt das compositum in verbindung mit der bildung handwerksstand auf, anscheinend aber

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als weiteren neben dem engeren begriff: mit wahrer wehmuth haben wir uns überzeugt gefunden, dasz der handwerks- und gewerbsstand in Oettingen, welcher vor zeiten auf einem gipfel des wohlstands sich befand, ... keine spur seines alten flors mehr blicken läszt. fürstl. öttingische wanderordnung (1785) bei Ortloff corpus iuris opificiarii 419. vgl. auch: die masse der glieder des gemeinbürgerlichen gewerbs- und handwerksstandes. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 95.
b) sicherer führen andere verbindungen: den (wohlfeilen preis der lebensmittel) man ... nicht mit unrecht als die hauptstütze des gewerb- und nahrungsstandes ansieht. Völker (1801) 64 (vgl.: manufacturen und fabriken zu gründen ... dem ganzen nahrungsstande aufzuhelfen. Joh. Fr. v. Pfeiffer manuf. u. fabriken 2. einl.); dasz aber der wahre mittelstand immer nur aus dem äusserlich und innerlich, sittlich und bürgerlich kraftbildenden, wohlhabenden gewerbstand und erwerbenden berufsleben hervorgehen könne, fällt ... in die augen. Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 4, 83) 43, 351 (vgl.: die im erwerbstand sich bildende und von vater auf sohn sich erbende ehrenfestigkeit. ebenda); es entstand bei den kaufleuten eine .. verachtung des übrigen gewerbstandes. Wilda gildenwesen (1831) 300; wenn wir die historie des gewerbestandes verflossener jahrhunderte mit dem bestreben der neuzeit ... vergleichen, ist der ... schritt vom geschützten ... gewerbeverkehr zum freihandel und der gewerbefreiheit. Berlepsch chronik d. gewerke 6, 53.
2) im allgemeinen verengt sich die bedeutung da, wo gewerbestand und handelstand in verbindung treten: unser allgemeiner landessegen musz unumgänglich zu grunde gehn, wenn unser mittlerer gewerbs- und handelsstand sich forthin in den träumen eitler, unpassender anmaszungen dahin verliert, die ehrenfestigkeit und würde des alten, bürgerlichen ... gemeinen erwerbs- und handwerksstands nicht mehr mit bürgerlicher sorgfalt und näherung ins auge zu fassen. Pestalozzi (ansichten über industrie) 9, 93; das marktrecht, aus dem in weiterer linie auch der ganze handels- und gewerbestand mit seinen rechten und befugnissen sich entwickelte, wurde der erste inbegriff und ausgangspunkt der städte-organisation und damit der städtischen freiheit. Th. Mundt gesch. der d. stände (2, 2) 287; um ... im welthandel, für Deutschland die achtunggebietende stellung zu erobern, auf die es ... vermöge der tüchtigkeit seines volkes, insbesondere seines handels- und gewerbstandes, einen gerechten anspruch hat. Rönne in der Frankf. nationalvers. (s. stenogr. ber. sp. 195b); der gewerbs- und handelsstand war eine geldmacht geworden. Mone (die Rheinschiffahrt) ztschr. gesch. Oberrh. 9, 4; die gewerbe- und handelskammern sind körperschaften, welche durch wahl oder ernennung aus dem handels- und gewerbestande hervorgehen und als organe der interessenanschauungen der von ihnen repräsentirten handels- und gewerbsstände die zustände und bedürfnisse dieser klassen von sich aus oder auf veranlassung bei den verwaltungsbehörden des staates zur kenntniss und geltung bringen. Schäffle im dtsch. staatswb. 4, 336.
3) auf verengte bedeutung weisen auch die folgenden verwendungen: ferne sei es von mir, dem gewissenlosen betrüger das wort zu reden, deren es im gewerbestande, wie in allen immer giebt. J. A. Weisz über das zunftwesen 62; dasz aber auch der staat ernstlich darauf bedacht sein müsse, dem gewerbestande in dieser weise zu hülfe zu kommen. entwurf zur errichtung einer industrie- u. handwerkerbank s. 31; der gedanke, dasz rath und that des gewerbestandes ... um so mehr von nutzen sein dürften, als unsers wissens nur wenige angehörige dieses standes in der Paulskirche gezählt werden, führte abgeordnete des handwerker- und gewerbestandes aus den nahen und entferntesten gauen Deutschlands nach Frankfurt. entwurf einer allg. handwerker- u. gewerbeordn. 1848; der zunftzwang hingegen soll dazu dienen, von dem ganzen groszen gewerbestande elend und anarchie abzuhalten. Bismarck (rede in der 2. kammer 1849) 1, 143 Kohl; die meisten derselben (der auswandernden Deutschen) waren und sind aus dem gewerbsstande. E. M. Arndt schr. für u. an meine lieb. Deutschen 4, 116;

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inzwischen haben sich auch in Hannover im gewerbestande die ansichten ... geläutert. Mascher dtsch. gewerbewesen (1866) 648.
4) nur vereinzelt zielt das wort auf unterabtheilungen innerhalb dieses engeren begriffes: im gewerbswesen gibt es keine idee von einer einheit, kein gewerbstand wird seine interessen für die deutsche einheit aufopfern. Stahl, s. stenogr. berichte d. Frankf. nat.-vers. 775b.

 

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