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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbesbande bis gewerbeschule (Bd. 6, Sp. 5579 bis 5580)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerbesbande, s.gewerbsband.
 
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gewerbeschatz, m., vgl. DWB gewerbegeld, -groschen, -schosz, -steuer u. a.: der damals üblich steuerfusz war der viehschatz ... auszer dem viehschatz wurde auch einige male ein gewerbe- und handthierungsschatz und eine accise erhoben. M. Bär verwaltungsgesch. des regierungsbezirks Osnabrück 56.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsschatzung, f.: zu den consumtionsauflagen gehöret auch die sogenannte gewerbsteuer, oder gewerbschatzung. J. A. Schlettwein die wichtigsten angelegenheiten f. d. ganze publ. (1772) 287; man hat mancherlei consumtionsabgaben, wohin unter andern die accise ... der zoll und die gewerbschatzungen gehören. 259; die recognitionen von gewerben, sofern sie nicht die stelle der gewerbs-schazung vertreten. badisches reg.-blatt 5 (1807), 151; im allgemeinen sind zwei wege der gewerbesschatzung möglich. Fentsch gewerbesteuer im dtsch. staatswb. 4 (1859), 345.
 
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gewerbe-, gewerbschatzungsregulativ, n.: und die bürger zu entdeckung des besondern etats ihrer gewerbe zu zwingen, keinen sichern calcul entwerfen, und also auch kein gewerbschatzungsregulativ machen. J. A. Schlettwein 294.
 
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gewerbe-, gewerbschau, f. , vgl. DWB heerschau, DWB thierschau u. a., bald ist es mehr das moment der festlichen veranstaltung, bald die absicht der prüfung und controle, die die anwendung beherrscht.
1) vor allen zur zierde einer gewerbschau ... waren auch dieszmal wieder damaste in groszer anzahl ... ausgestellt. bericht über die ausstellung sächs. gewerberzeugnisse im jahre 1831 s. 8.
2) das privileg umschliesst den zünftigen organismus, ... das recht des eigenen, von den geschworenen wahrgenommenen gerichts, die gewerbeschau und aufsicht, und vorschriften über den betrieb des handwerks. Eberstadt ursprung d. zunftwesens 88.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsschein, m. : gewerbeschein, der schriftliche erlaubnissschein zum betrieb eines gewerbes. Thiel 4, 426. in dieser engeren fassung dringt das wort auch in den allgemeineren sprachgebrauch über.
1) die geltung in der fachsprache: der gewerbeschein giebt demjenigen, auf dessen namen er ausgestellt ist, die befugniss, ein gewerbe fortzusetzen oder ein neues anzufangen. preusz. edict über die gewerbesteuer von 1810 (gesetz-samml. s. 79); ein jeder, welcher in unsern staaten ... sein bisheriges gewerbe, ... fortsetzen oder ein neues unternehmen will, ist verpflichtet, einen gewerbeschein darüber zu lösen. ebenda; haben wir nur erst die fatale lehrzeit überstanden, ... lösen wir uns einen gewerbeschein und etabliren uns. Damme nachteile der gewerbefreiheit in: gewerbebörse (1847) 13; nach § 18 gesetz vom 3. juli 1876 (betr. d. besteuerung d. gewerbebetriebs im umherziehen) wird derjenige bestraft, welcher ohne einen gewerbeschein eingelöst zu haben, ein der steuer vom gewerbebetrieb im umherziehen unterworfenes gewerbe betreibt. gewerbearchiv f. d. deutsche reich (1902) 1, 679.
2) eben diese verbindung einen gewerbeschein lösen spielt im sprachgebrauch Gutzkows eine rolle, sowol im eigentlichen als im übertragenen sinne: ehemals kam der rathsschreiber zu mir auf das zimmer, jetzt werde ich vor ihn citirt und ersticke in dem qualm eines saales, wo

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man pässe ausstellt, lebens- und sterbegebühren bezahlt und gewerbscheine lösen musz. Gutzkow (säkularbilder 1) 9, 268; der gute prinz soll ein tischler sein ... ich möchte nur wissen, ob er sich bei uns einen gewerbeschein lösen wird. ritter v. geist 1, 272; aus wie wundersamen dingen nimmt jetzt diese baukunst (der luftschlösser), welche man, wie die biber, nicht einmal zu lernen braucht, für welche man kein patent und keinen gewerbeschein löst und in welcher der ungeschickteste immer der gröszte meister ist, ihr material her? (Nero 6) 1, 181. dazu vgl. auch: 'se sinn bi mi west und hebben mi kleen tuusch und kramgeschäft utfunnen ...' ... 'nun gut. aber du nimmst ja den kaufleuten das brot. hast du denn einen gewerbeschein?' Fontane (vor dem sturm 34) 1, s. 326.
3) in einer mannigfaltigen reihe von zusammensetzungen bildet gewerbeschein den zweiten compositionstheil: bäcker-, barbier-, böttcher-, gerber-, hauszimmermanns-, schmiede-, schneider-, schuhmacher-, weber-, wundarzt-, zeugbereitergewerbschein. preusz. gesetzs. 1811, 270; andererseits s. DWB wandergewerbeschein, m.; vgl.: zu diesem betriebe (gewerbebetrieb im umherziehen) bedarf es eines wandergewerbescheines, der nur unter bestimmten ... voraussetzungen versagt werden darf ... mit dem wandergewerbescheine wird die entrichtung der landesgewerbesteuer verbunden. Hue de Grais handb. d. verfassung u. verwaltung (1901) 5.
4) auszerdem vgl.: gewerbescheinfrei, -scheinpflichtig: personen aber, welche mit einer besonders erlernten kunst oder handwerk ... für tagelohn dienen, sind nur in so fern davon befreit, als sie für gehülfen in einer gewerbscheinpflichtigen fabrik, oder bei einer gewerbscheinfreien wirthschaft zu achten sind. preusz. edikt 1810, s. gesetzs. 80; ebenso kann ausländern ... für reisen im auslande, weil sie zugleich gewerbescheinpflichtige geschäfte treiben, .. gestattet werden, eigene kinder ... bei sich zu behalten. Zeller gewerbepolizei (polizeiwissenschaft 12, 1) 151 (1834); die errichtung der wandergewerbesteuer erfolgt durch lösung eines gewerbescheines, da sie anderweit nicht genügend gesichert sein würde. die gewerbescheinpflicht fällt in der regel mit der im polizeilichen interesse für diesen gewerbebetrieb vorgeschriebenen wandergewerbescheinpflicht zusammen. der gewerbeschein ist deshalb in der regel mit dem wandergewerbeschein zusammen. Hue de Grais handb. d. verfass. u. verwalt. (1901) 208.
 
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gewerbeschiedsgericht, n.: als gewerbegerichte im sinne des reichsgesetzes gelten auch die früher durch ortsstatut errichteten gewerbeschiedsgerichte. Droop rechtsweg in Preuszen (1899) 89.
 
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gewerbe-, gewerbschiff, n.: gewerb-, kauffartei-, kaufmanns-, handelsschiff, mercatoria. Stieler 1791.
 
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gewerbeschosz, m., vgl. oben unter gewerbegeld: gewerbeschoss Hilpert 1, 463c; die abgaben sind mancherlei, als steuern ..., weide-gelt, heiligen-gelt, ..., nachschoss, bürgerschilling, gewerbeschoss, heuerschilling, bürgergelt, auch geschoss von den häusern, und pläzen. Estor bürg. rechtsgelehrsamkeit d. Teutschen 3, 285.
 
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gewerbeschuld, f., nur im plural belegt: so die haftung der ehefrau mit ihrem eingebrachten für gemeinsame gewerbeschulden. Gierke genossenschaftstheorie (1887) 404; durch seine einwilligung wird der mann ... in die mithaft für die gewerbeschulden der frau gezogen. entsch. d. reichsger. in civils. (1887) 16, 261.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsschule, f. mit zweierlei richtungen des gebrauches. die eine kennzeichnet eine veranstaltung, die von der speziellen berufsbildung ausgeht und sich nur locker an den schulbetrieb angliedert, die zweite erwächst aus dem rahmen der schulorganisation und ebnet der gewerblichen berufsbildung nur die wege.
1) gewerbeschule, school of industry. eine höhere g., a polytechnical school or institution. Hilpert 1, 464a. gewerbschulen, lehranstalten zur ausbildung von gewerbtreibenden. Thiel 4, 428; gewerbeschule, unterrichtsanstalt, welche der gewerbetreibenden jugend die geeigneten kenntnisse sowie die vorbildung zur ausübung ihres faches bieten soll. Lueger 4, 647. — gewerbeschule besser als erwerbsschule (industriesch.) Rumpf 137: man hat zwar hie und da kunst- und gewerbs- und industrieschulen errichtet. Lotz revision 3, 85; wir haben akademien, kunst- und handwerks-, gewerb- und industrieschulen.

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Werneburg bildung d. gewerbtreibenden (1827) 22 (vgl. die industrieschule in Diez. Nemnich tageb. einer der .. industrie gewidmet. reise 1 [1809], 192; die göttingisehe industrieschule. 1, 16); desgleichen haben der magistrat (von) Berlin .. im jahre 1824 neben dem köllnischen gymnasium, für diejenigen, welche sich den gewerben widmen, und dazu eine gründliche wissenschaftliche vorbereitung erlangen wollen, eine neue, von dem königl. technischen gewerb-institute zu unterscheidende gewerbschule gestiftet. Werneburg s. 24; übrigens ist der meister oder dienstherr verbunden, über seine gesellen oder gehülfen aufsicht zu führen, sie zum besuche des gottesdienstes und der feiertags- oder gewerbeschulen, so solche bestehen, zu ermahnen, und von unanständigem betragen nach kräften abzuhalten. bayr. verordn. v. 1826. regierungsblatt s. 89; schon mehrere jahre bewundern und benutzen wir die durch herrn Beuth herausgegebenen musterblätter, welche mit so viel einsicht als aufwand zum vortheil der preuszischen gewerbeschulen verbreitet worden. Göthe (besprechung des programms der Berliner gewerbschule 1828) 44, 58; die gelehrtenschulen, kriegsschulen, kunstschulen, gewerbschulen, kurz alle die anstalten, welche sich in gröszeren städten und gemeinden finden, müszten ihre turnmeister haben. E. M. Arndt schriften für und an seine lieben Deutschen 22 (das turnwesen) 3, 271; die alte technologische lehranstalt ... lebte 1830 in der 'schule für die mathematischen wissenschaften' theilweise wieder auf. die übrigen schulen fasste man jetzt schon unter dem freilich noch nicht officiellen namen 'gewerbeschulen' zusammen. der andrang zu denselben war so grosz, dasz ein theil der sich zum unterricht meldenden immer abgewiesen werden muszte. G. Kowalewski gesch. d. Hamburger gesellsch. z. beförd. d. künste u. nützlichen gewerbe s. 87; seit dem jahre 1898 hat sich auch der preussische staat durch die begründung der königlichen gewerbe- und haushaltungsschule in Posen auf diesem gebiete in bemerkenswerther weise bethätigt. Albrecht handb. d. soz. wohlfahrtspflege (1902) 118; vgl. auch kunstgewerbeschule Lueger 4, 647; von einer flinken mutter ermuntert, hatte sie in Kiel die gewerbeschule besucht. Frenssen Hilligenlei 260; vgl. auch gewerbliche schulen.
2) für den unterricht in volksschulen und niederen gewerbsschulen wird kein schulgeld bezahlt. entwurf der grundrechte, s. stenogr. ber. d. Frankf. nationalvers. s. 683a; du willst nichts gelernt haben? ... was haben sie dir nicht alles in deinen kleinen kopf hineingetrieben! da war die klippschule, zwei klassen, und die stadtschule, vier klassen, und die gewerbeschule, zwei klassen: acht klassen hast du gelernt. G. Freytag (soll u. haben 2, 5) 4, 260; der alte gelehrten- und lehrerstand der städte wurde durch einberufene deutsche schulmänner reichlich erweitert und in den meisten cantonen an eine grosze zwillingsschule vertheilt, welche aus einem gymnasium und einer gewerbsschule bestand. Gottfried Keller der grüne Heinrich 1 (1854), 299.

 

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