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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbepolitik bis gewerbeprodukt (Bd. 6, Sp. 5574 bis 5576)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  gewerbe-, gewerbspolitik, f.: seitdem Kolbert der französischen gewerbs- und handelspolitik die verkehrte tendenz gegeben hatte, dasz sie mehr auf beförderung der manufakturen und fabriken .. hinarbeitete. Lotz revis. 1, 460; Farnam, französische gewerbepolitik (1878 in Schmollers forschungen 1, 4). dazu gewerbepolitisch, adj.: aber immerhin, total andere und bessere zustände als früher hat Montgelas auch auf gewerbepolitischem gebiete in Bayern geschaffen. Kaizl in Schmollers forsch. 2, 1, s. 50.
 
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gewerbe-, gewerbspolizei, f. , entsprechend den verwendungen von polizei ist hier zwischen theorie und praxis zu entscheiden; bei der letzteren kommt überdiesz die übertragung auf personen zur geltung. der begriff gewerbe ist bei allen drei gruppen gleich enge gefaszt.
1) das system, die lehre: gewerbepolizei als gegenstand wissenschaftlicher betrachtung: über das wandern der handwerksgesellen, eine abhandlung aus der gewerbspolizei und dem handwerksrechte. (Nürnberg 1800. titel); dieser zweig der gewerbspolizei beziehet sich auf die aufsicht über die lehrjungen. Barth - Barthenheim 2, 34; unter gewerbepolicei versteht man die zusammenfassung derjenigen bestimmungen, durch welche die privatrechtliche gewerbefreiheit ... beschränkt wird. Thiel 4, 424.
2) die praxis: ausübung und bethätigung der aufgestellten grundsätze und rechte.
a) so lange sie (die zünfte) allein die gewerbepolizei in den städten handhabten, war es sehr billig, dasz kein bürger, der gleiche arbeiten verfertigte, sich ihrer aufsicht entzog. (J. G. Hoffmann) das interesse des menschen .. bei d. bestehenden zunftverf. (1803) 35; da der preis hauptsächlich von der güte der waare abhängt, so muszte die weberzunft, mehr wie jede andre, ihre eigne gewerbspolizei handhaben. Mone (d. weberei .. in Baden) ztsch. gesch. Oberrh. 9, 133; nicht unerwähnt dürfen wir lassen, wie sich in vielen städten die nothwendigkeit herausstellte, leute von fach und kunstverständige bei der nothwendig werdenden organisirung und bei der handhabung der gewerbepolizei herbeizuziehen. Berlepsch chronik der gewerke 1, 69/70; daran schloss sich der erwerb der gewerbepolizei. sie bestand hauptsächlich in der befugnis, den innungen die gildebriefe zu erteilen und die innungen zu beaufsichtigen. Bornhak preusz. staats- u. rechtsgesch. (1903) 12.

[Bd. 6, Sp. 5575]



b) dieses sind die grundzüge, nach denen die regierungen bei verwaltung der gewerbe- und handelspolizei zu verfahren haben. geschäftsinstr. f. d. regierungen (preusz. gesetzs. 1808) 496; namentlich gehören dahin (in die abtheilung für den handel und die gewerbe): die ganze landwirthschaftliche polizei ... alle anstalten zur beförderung der landwirthschaft ... das landgestütwesen, letzteres jedoch nur in hinsicht der gewerbepolizei. verordn. über die veränderte verf. aller obersten staatsbeh. (s. preusz. gesetzs. 1810, 12).
c) namentlich die von ihm (Lüden) empfohlene erschwerung der getraideeinfuhr ... und die strenge gewerbspolizei, vermöge deren die regierung das ganze gewerbs- und fabrikenwesen so unter ihrer leitung haben soll, dasz ohne ihre einwilligung keine veränderungen darin vorgehen. Lotz staatswirtschaftslehre 1, 145; auch in den süddeutschen kammern fand damals eine verhandlung über gewerbepolizei aufmerksamere hörer als eine klage über censur oder politische processe. Sybel begr. d. d. reiches 1, 73.
3) personification: die polizeibehörde. zum übergang vgl.: das departement des innern theilt sich in folgende sektionen: 1) die sektion für die allgemeine polizei, 2) die sektion für gewerbepolizei. publ. betr. d. veränderte verf. d. oberst. staatsbehörden (preusz. gesetzs. 1808, 363). dagegen: indessen giebt es einige fälle, wo es der gewerbspolizei vorbehalten werden musz, ihre vormundschaftlichen rechte geltend zu machen. (J. G. Hoffmann) zunftverf. (1803) 119; gewerbepolicei, welcher die ausführung und controle der in der gewerbegesetzgebung enthaltenen bestimmungen obliegt. Thiel 4, 426. dazu
 
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gewerbepolizeibehörde, f.: sie meldeten auch ihre absicht, die kehlleistenfabrikation zu betreiben, vor eröffnung des betriebes bei der gewerbepolizeibehörde an. entsch. d. reichsger. in civils. (1902) 55, 4.
 
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gewerbepolizeigesetz, n.: das (preuszische) gewerbe-polizeigesetz vom 7 ten september 1811 blieb ... unzureichend. Hoffmann lehre v. d. steuern (1840) 193.
 
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gewerbepolizeilich, adj.: darf demjenigen, dem die verwaltungsbehörde eine gewerbepolizeiliche konzession erteilt hat, diese nicht oder nur unter gewissen voraussetzungen wieder entzogen werden. Schultzenstein, s. verwaltungsarchiv (1903) 11, 383; gewerbepolizeiliche gesetze. entsch. d. reichsger. in civils. 55 (1904), 170; gewerbepolizeiliche verhältnisse. Landmann gewerbeordnung (1903) 1, 7; gewerbepolizeiliche zwecke. Rohrscheidt gewerbearchiv 3 (1904), 393.
 
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gewerbepolizeirecht, n.: in Elsass - Lothringen ist die gewerbeordnung erst am 1. januar 1889 eingeführt worden. indes wurde schon vorher in einigen wichtigen punkten eine übereinstimmung des gewerbepolizeirechts herbeigeführt. Landmann gewerbeordnung (1903) 1, 6.
 
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gewerbepolizeisection, f.: später beabsichtigte die gewerbepolizeisection im ministerium des innern (1809) die gänzliche auflösung des zunftwesens in Litauen. Rohrscheidt 176.
 
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gewerbepolizeivergehen, n.: hinsichtlich des ... gewerbepolizeivergehens ... sei die strafverfolgung ... verjährt. entsch. d. reichsger. in strafs. (1882) 6, 372.
 
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gewerbeprincip, n.: es war dies das handels- und gewerbe-princip, das auf der nationalen ständetafel des altgermanischen lebens nicht mit verzeichnet gestanden, und durch welches die entwickelung des städtethums von vornherein eine antifeudale richtung in sich aufnahm. Th. Mundt gesch. d. deutschen stände (2, 1) 274.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsprivilegium, n.
1) vorrechte, die einer gruppe, einer innung zustehen: die gesellen bildeten keine besondere gesellschaft ... durften ... keine eigenen handwerksartikel führen, sondern mussten sich vielmehr nach den gewerbeprivilegien richten. Rohrscheidt 15.
2) vorrechte, die einem einzelnen verliehen werden: jeder, welcher eine neue entdeckung, erfindung oder verbesserung im gebiete der gewerbe selbst gemacht hat, ... erhält, wenn er den nachgesetzten erfordernissen genüge leistet, ein gewerbsprivilegium. bayrische verordn. betr. d. gewerbswesen v. 1826 (s. regier.-blatt s. 140); auf den namen Wichmanns werden uns zwei gewerbeprivilegien aus

[Bd. 6, Sp. 5576]


Magdeburg überliefert. Eberstadt ursprung des zunftwesens 123.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsprodukt, n. vorwiegend im plural gebraucht, vgl. auch gewerbliche produkte. das compositum entspringt der neueren bedeutungsverengung von gewerbe: dasz ... auch dieser umstand keinen kleinen einflusz auf die ausfuhr deutscher gewerbs-produkte und die vergrösserte anzahl der gewerbetreibenden haben musz. Joh. Adam Weisz über das zunftwesen 88; zudem braucht man wirklich heut zu tage nicht so viele gewerbs-produkte, als noch vor hundert jahren. 84; das gleiche einl. s. 29 (gewerbeprodukt); sehr viel nachdruck wurde von seite der gewerbefreiheitlichen agitation auf das billigerwerden der gewerbsproducte in folge der aufhebung der zünfte gelegt. Kaizl kampf um gewerbereform (Schmollers forschungen 2, 1) 27; gewerbemuseum die ... für ständige ausstellungen von gewerbe- und industrie - produkten errichteten gebäude. Lueger 4, 647; da kann er (der staat) sich der einschränkung der meister, auf die der nachfrage nach ihren gewerbprodukten angemessene zahl, als eines wirksamen ... mittels bedienen, das ... verhütet, dasz sich nicht mehrere mit dem handwerksbetriebe beschäftigen, als es ... heilsam ist. Völker (1801) 55; dass manche sich gesellen fremder oder verwandter gewerbe halten, um durch diese ihren gewerbs-producten eine nicht auf rechtliche weise erzielte veredelung zu geben. entwurf einer allgem. handwerker- u. gewerbeordnung f. Deutschland (1848) s. 13. dazu gewerbeproduktion, f.: alle oben angegebenen betriebe als fabrikmässige betriebe angenommen, bilden die in der kapitalistischen gewerbeproduktion beschäftigten arbeiter 0,73 ^% der gesamtbevölkerung des landes (Georgien). zeitschr. f. d. gesammte staatswissensch. erg.-heft 1, 119 (1901).

 

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