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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerbelocal bis gewerben (Bd. 6, Sp. 5565 bis 5569)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerbelocal, s.gewerbslocal.
 
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gewerbe-, gewerblos, adjectiv, mit verschiedenartiger bedeutung des ersten compositionstheils, je nachdem das wort öffentliche oder private geltung gewinnt.
1) auf landschaften und völker bezogen führt das adjectiv den mittleren begriff von gewerbe ein: da auch Spaniens zum theil äusserst gewerblose staaten, im jahre 1768 ... mit vielen hundert deutschen fabrikanten ... bevölkert wurden. Joh. Adam Weisz über das zunftwesen 88; dieses dünnbewohnte, gewerblose land (Ruszland)

[Bd. 6, Sp. 5566]


wird uns nur einen schwachen widerstand leisten. Pertz aus Steins leben 1, 298, vgl. gewerbearm.
2) auf einzelne bezogen führt es die bedeutung erwerb ein, vgl. DWB erwerblos th. 3, sp. 1061: und weder das publicum, noch einzelne personen werden mehr ungemach erfahren, wenn gewisse klassen von manufacturisten gewerblos, als wenn soldaten verabschiedet werden. Garve verdeutsch. des Adam Smith (4, 2) 3, 71; zum volk gehört mehr als müszige zehrer, hungerer und lungerer und gewerblose brückner und eckner. Jahn 2, 2, 485; wenn das unternehmen jener bank auch gelungen wäre: so würde sie doch, ohne das landeskapital im mindesten zu vergröszern, nur einen beträchtlichen theil davon klugen und nützlichen unternehmungen entzogen, und ausschweifenden und gewerblosen zugewandt haben. Garve a. a. o. (2, 2) 2, 77.
 
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gewerbelosigkeit, f. zu der ersterwähnten verwendung des adjectivs gehörend: es darf nicht übersehen werden, dass die verdorbenheit der fabrik-bevölkerungen oft nicht sowohl den verhältnissen der gewerbs-industrie zur last fällt, als vielmehr noch der zeit der gewerbelosigkeit, welche vor der errichtung der fabriken in einem ackerbauenden staate stattfand. Mohl württ. gewerbs-industrie 1, 59.
 
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gewerbelustig, s. gewerbslustig.
 
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gewerbe-, gewerbmann, m., s. DWB gewerbsmann.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsmäszig, adjectiv. jüngere bildung, die vom anfang des 19. jahrh. ab, erst in spärlicher verwendung, dann in wachsender ausdehnung, den sprachgebrauch beeinfluszt. schwierigkeiten verursacht die bedeutungsabgrenzung, da der allgemeine sprachgebrauch andere wege einschlägt, als die rechtssprache, die das wort neuerdings ganz besonders begünstigt. diese sondersprache läszt sich nebenbei auch vom allgemeinen sprachgebrauch beeinflussen, ebenso von dem bedeutungswerth der beiden im compositum vereinigten worte. am sichersten geht die juristische definition da, wo sie den begriff der gewerbsmäszigkeit aus der wortverbindung ein gewerbe aus etwas machen (vgl. sp. 5525) gewinnt und das entscheidende moment darin sieht, dasz die absicht auf fortgesetzten erwerb ... gerichtet ist. (entscheidungen des reichsgerichts in strafs. [1886] 14, 30). denn in der that der juristische begriff gewerbsmäszig faszt gewerbe einerseits als erwerb auf, und zwar in der engsten anlehnung an den begriff quaestus, der sonst unter den compositis und ableitungen so wenig gepflegt wird. an diesem begriff von quaestus ist andererseits die vorstellung einer wiederholung, einer fortsetzung der thätigkeit, also das oben (sp. 5499) besprochene moment der dauer stark herausgearbeitet. und eben dieses moment der dauer ist für den allgemeinen sprachgebrauch an gewerbsmäszig ausschlaggebend. hier ist gewerbe in der umfassenden bedeutung von erwerbsthätigkeit, profession, beruf (vgl. sp. 5519) übernommen und von hier aus entwickelt es den begriff der gewohnheitsmäszigen ausübung von handlungen, die durch den lebensberuf gegeben sind. gewinnsüchtig, gewohnheitsmäszig, das sind bis jetzt die äuszersten pole der entwicklung von gewerbsmäszig innerhalb der rechtssprache einerseits, in dem allgemeineren sprachgebrauch andererseits. im mittelpunkt steht die vorstellung der fortgesetzten thätigkeit, die sich auf der einen seite in der richtung auf gewerbe, quaestus verflüchtigt, auf der andern in der annäherung von gewerbe an profession, beruf kräftigt und ausbildet. zur form ist hervorzuheben, dasz gewerbsmäszig, namentlich neuerdings, durchaus überwiegt, dasz aber die älteren belege auch gewerbemäszig aufweisen.
1) der allgemeinere sprachgebrauch: so bildete sich dort eine gewerbmäszige räuberei, die wegen der unterdrückung des landvolks durch einzelne burgherrn stets zuwachs erhielt. Jahn (merke z. d. volksthum) 2, 2, 671 Euler; aber der gewerbmäszige betrieb der liebe hatte sich noch nie so unmittelbar und ausgemacht mit dem beruf der schauspielerin selbst verbunden, als es heutzutage im napoleonischen kaiserreiche der fall ist, wo von allen an den theatern engagirten actricen mehr als drei viertel ... die geschäfte der käuflichen Venus in einer vollständigen organisation ... betreiben. fast alle schauspielerinnen theilen jetzt ihre zeit und ihren beruf

[Bd. 6, Sp. 5567]


zwischen der kunst und dem liebesgewerbe. Th. Mundt Paris u. Louis Napoleon 2, 89 (die liebe blosz als industriezweig und ohne alle sinne zu treiben. 99); wo die allenfalls eingeführte einkommensteuer das erträgniss der gewerbsmässig betriebenen arbeit ausser berechnung lässt ... da entspricht die gesonderte auflage einer schatzung auf den gewerbeverdienst vollkommen dem principe der gleichen ... steuerpflichtigkeit. Fentsch im d. staatswörterbuch 4, 341; auch in der groszen stadt Berlin hatte der umsichtige finanzmann wenig von der vorsicht angenommen, welche den gewerbsmäszigen bettler abzuweisen befiehlt. G. Freytag (Karl Mathy) 22, 381; als sohn eines braunschweigischen ministers (v. Schleinitz) und als gewerbsmäsziger diplomat an das hofleben ... gewöhnt. Bismarck ged. und erinner. 1, 123; vor erbauung der eisenbahnen hat es zeiten gegeben, in denen nach überschreitung der grenze ein österreichischer beamter zu dem preuszischen courier in den wagen stieg, und unter assistenz des letztern die depeschen mit gewerbsmäszigem geschicke geöffnet, geschlossen oder excerpirt wurden, bevor sie an die gesandtschaft in Wien gelangten. 1, 229; auf dem ganzen Schwarzwald und wohl auch in andern katholischen gegenden gibt es leute, die gewerbsmässig für andere wallfahrten. Hansjakob bauernblut 171.
2) der gebrauch in der rechtssprache.
a) bedeutungsfeststellungen: schwanken zwischen den begriffen gewohnheitsmäszig und gewinnsüchtig, anlehnung an gegensätze im bedeutungsinhalt von gewerbe: mit dem 'gewerbsmässig' hat nur ein betrieb als dauernde einnahmequelle, als ein regelmässiger im gegensatz zu einem bloss gelegentlichen betriebe bezeichnet werden sollen. entscheidungen d. reichsoberhandelsgerichts (1875) 14, 118; der gegenstand einer erfindung wird 'gewerbsmässig' gebraucht, wenn er in einem gewerbebetriebe gebraucht wird. entscheid. d. reichsger. in civils. (1897) 39, 38; gewerbsmässig = gewerblich bedeutet also nicht bloss gegenstand eines gewerbes, sondern auch beihülfe bei und in dem gewerbe. Kohler patentrecht 434; der begriff des gewerbes und der gewerbsmässigkeit ist in der gewerbesteuergesetzgebung derselbe wie in der gewerbeordnung, im handelsgesetzbuch und strafgesetzbuch: er erfordert eine fortgesetzte öftere thätigkeit, die erkennbar das ergebniss eines entschlusses bildet, derartige handlungen öfter zum zwecke des erwerbs zu wiederholen. entscheid. d. preusz. kammergerichts v. 13. februar 1902, s. gewerbearchiv f. d. dtsch. reich 1, 679.
b) von einflusz auf diese verschiedenheit der begriffsbestimmung sind einzelne verbindungen des adjectivs, die sich im rahmen der rechtsanwendung immer wiederholen: eine reihe von begehungen erhält erst dadurch den charakter der strafbarkeit, .. dass sie in einer bestimmten art und weise begangen werden .. es gehören hierher: gewerbsmässiges glücksspiel, gewerbsmässige unzucht ohne polizeiliche kontrolle, gewerbs- oder gewohnheitsmässige hehlerei, gewerbsmässiges unberechtigtes jagen, gewerbs- oder gewohnheitsmässiger wucher. J. Kayser gewerbsmäszigkeit im glücksspiel 8.
α) die gewerbsmäszigkeit bedingt die strafbarkeit von handlungen.
1)) wer aus dem glücksspiele ein gewerbe macht, wird mit gefängnisz bis zu zwei jahren bestraft. reichsstrafgesetzb. § 284; für die annahme, dasz der kommissionsbericht der zweiten kammer mit den worten: 'alle hazardspiele', nur den gegensatz zu den 'gewerbemäszig betriebenen' habe ausdrücken, das erfordernisz der gewinnsucht aber habe beibehalten wollen, fehle es an jedem anhaltspunkte. entscheid. d. preusz. obertribunals 67, 56 (1872; abt. kriminalsachen); handelt es sich um ein gewerbsmässiges roulettespiel, so ist dann nur diese dritte person der eigentliche bankhalter und der aus dem spiele ein gewerbe machende. entsch. d. reichsger. in strafs. (1886) 14, 30; vgl. auch 14, 31; an der spitze dieser leute standen die grossen gewerbsmässigen bankhalter, wie sie der 'Hannoversche spielerprozess' der öffentlichkeit vorgeführt hat. Kayser gewerbsmäszigkeit im glücksspiel 42; die angeklagten sagen selbst, sie seien keine gewerbsspieler, sondern nur einem hohen grad von leichtsinn

[Bd. 6, Sp. 5568]


verfallen ... deshalb liegt nachweisbar gewerbsmässiges glücksspiel bei ihnen nicht vor ... sie hatten doch mittel, um das spiel einmal beginnen zu können ... würde mittellosigkeit vorgelegen haben, so würde § 284 sich leichter haben anwenden lassen. strafkammer-urteil im Berliner 'harmlosenprozesz' nach zeitungsber. (1899); dasz der rektor S., wenn auch nicht geradezu gewerbsmässig, so doch zu wiederholten malen in offener wirthschaft am hasardspiele sich beteiligt habe. M. Bücking rektor Siebrand s. 194.
2)) mit der im § 274 (diejenigen, welche aus der kuppelei ein gewerbe machen, sind mit zuchthausstrafe .. zu belegen) bestimmten strafe der gewerbsmässigen kuppelei ist auch derjenige zu belegen, welcher ohne ausdrückliche erlaubniss der polizeibehörde eine hurenwirthschaft anlegt. entwurf d. strafgesetzbuches f. d. preusz. staaten (1830) § 277; weibspersonen, welche den polizeilichen anordnungen zur verhütung der gewerbmäszigen oder öffentlichen unzucht zuwiderhandeln, sind von der polizeibehörde, ohne zulassung eines gerichtlichen verfahrens, mit gefängnisz bis zu sechs wochen zu bestrafen. staatsraths-entwurf e. preusz. strafges. von 1844 § 401 bei Kamptz zusammenstell. d. drei entwürfe d. preusz. strafges. (1844) 89; mit haft wird bestraft: 6) eine weibsperson, welche wegen gewerbsmässiger unzucht einer polizeilichen aufsicht unterstellt ist, wenn sie den .. polizeilichen vorschriften zuwiderhandelt, oder welche, ohne einer solchen aufsicht unterstellt zu sein, gewerbsmässig unzucht treibt. reichsstrafgesetzbuch § 361 abt. 6; (es) wird die unzucht gewerbsmässig betrieben, wenn eine weibsperson aus dem fortgesetzten unzüchtigen verkehr mit (einer mehrheit von) männern eine erwerbsquelle macht. Oppenhoff strafgesetzbuch 946.
3)) das landgericht zu Magdeburg hat den angeklagten ... wegen gewerbsmässigen unbefugten jagens ... verurteilt. entsch. d. reichsger. in strafs. (1883) 7, 33. vgl. auch reichsstrafgesetzbuch § 294.
β) handlungen, die durch gewerbsmäszige wiederholung nicht strafbar werden: er betreibe aber gewerbsmässig bankiergeschäfte. entsch. d. reichsger. in civils. (1897) 38, 19; nicht einfach ist häufig die feststellung, ob speculationen gewerbsmässig betrieben werden. Friedberg verwaltungsarchiv (1903) 11, 571; wer gewerbsmässig druckschriften ... verkaufen ... will, bedarf dazu einer erlaubniss der ortspolizeibehörde. gewerbeordnung für d. deutsche reich von 1883 § 43, abs. 1. vgl. auch abs. 5; in zwei jahren verjähren die ansprüche: 4. der gastwirthe und derjenigen, welche speisen oder getränke gewerbsmässig verabreichen, für ... den gästen ... gewährte leistungen; 6. derjenigen, welche bewegliche sachen gewerbsmässig vermiethen, wegen des miethzinses. dtsch. bürg. gesetzbuch § 196 im reichsgesetzblatt (1896) 220; ein gastwirth, der gewerbsmässig fremde zur beherbergung aufnimmt, hat einem im betriebe dieses gewerbes aufgenommenen gaste den schaden zu ersetzen, den der gast durch den verlust oder die beschädigung eingebrachter sachen erleidet. § 701, s. 314; gastwirtschaft ist die gewerbsmässige beherberung von fremden; ... schankwirtschaft ist das gewerbsmässige feilhalten von getränken aller art zum genuss auf der stelle. Hue de Grais handbuch d. verfassung u. verwaltung (1901) 537; es stände nichts im wege, diese abgestufte art der berechnung der strassen- und kanalkosten auch auf die gewerbsmässige bauthätigkeit anzuwenden, wie es in Belgien üblich ist. Brandts gewerbsmäsziger wohnungsbau u. gemeinnütziger wohnungsbau, s. techn. gemeindeblatt 3, 226; sodann hat sich der herr vorredner darüber beschwert, dasz an einzelnen stellen eine gewerbsmäszige bautätigkeit von baugewerkschullehrern ausgeübt würde. stenograph. berichte des preusz. abgeordnetenhauses (1905) s. 9717.
 
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gewerbe-, gewerb-,gewerbsmäszigkeit, f. , substantivbildung zum vorigen.
1) zum bedürfnisse der substantivierung vgl.: zwar das ist anerkannt, dass hier der begriff der gewerbsmässigkeit kein anderer ist, als der im einkommensteuergesetze wie im gewerbesteuergesetz überhaupt festgehaltene. Friedberg verwaltungsarchiv 11, 571; es bedarf jedoch hierüber keiner entscheidung, da es ... an dem zweiten

[Bd. 6, Sp. 5569]


zur gewerbsmässigkeit gehörigen momente ... fehle. entscheid. d. reichger. in civils. (1897) 38, 21.
2) zur bedeutung sind die verwendungen von interesse, die den einen oder den andern der beiden oben festgestellten begriffe herausheben.
α) beide begriffe sind gleichmäszig berücksichtigt: zur gewerbsmässigkeit eines betriebes ist der wille des handelnden erforderlich, eine fortgesetzte, auf erwerb gerichtete tätigkeit auszuüben. (zeitschr. f. rechtspflege, bd. 25, s. 180; entsch. d. reichsger. in strafs. bd. 12, s. 388).
β) der begriff der gewinnsucht ist hervorgehoben: so wenig es möglich sei, dasz erfordernisz der gewerbemäszigkeit des spieles aus dem § 266 in den § 267 (des preusz. strafgesetzbuches von 1851) hineinzutragen, ebensowenig könne ein theil der voraussetzungen der gewerbemäszigkeit, nämlich die auf erzielung eines gewinnes gerichtete absicht des § 266 in § 267 hinübergenommen werden. entscheid. d. preusz. obertribunals 67, 53 (1872 abt. kriminalsachen); wenn auch dieser ... bei der oft erheblichen anzahl der kranken einen geschäftsbetrieb mit nach kaufmännischer art geführten büchern erfordere, so fehle ihm doch das merkmal der gewerbemässigkeit, da ... das anlagekapital verzinst, nicht aber ein gewinn erzielt werden solle. jahrbuch f. entscheid. des kammergerichts (1901) 21 A. 248; dass ihr wille aber von vornherein darauf gerichtet war, sich die mittel zu diesem aufwand durch spiel zu erwerben, hat sich nicht nachweisen lassen ... es liegt sonach kein sicherer schluss für die gewerbemässigkeit des spiels vor. urtheil im 'harmlosenprozesz', vgl. oben.
γ) der begriff der wiederholung und gewohnheitsmäszigkeit: das gericht ist berechtigt .., auch solche .. handlungen, welche den charakter der gewohnheits- oder gewerbsmässigkeit an sich tragen, zum gegenstand der verhandlung ... zu machen. entscheid. d. reichsger. in strafs. (1883) 7, 34; anlangend die gewerbs- oder gewohnheitsmässigkeit, welche bei gewissen straffällen .. ein thatbestandsmerkmal ... bildet, so umfasst dieselbe das gesamte thun, also alle successiven handlungen der fraglichen art. Oppenhoff strafgesetzbuch 228.
 
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gewerbe-, gewerbsmeister, m., vgl. oben gewerbebesitzer, gewerbeherr, gewerbeinhaber: und pfuscher und schlechte arbeiter finden sich auch unter unseren zünftigen gewerbsmeistern. Lotz staatswirthschaftslehre 2, 111; jeder inländische fabrikant, gewerbsmeister und sonstige veredler eines produktes ist vermöge seiner concession befugt, mit seinen eigenen fabrikaten, gewerbserzeugnissen ... überall im lande ... zu handeln. bayr. verordnung von 1826 (reg.-bl. s. 105); nehmen wir an, unbedingte gewerbefreiheit habe jede schranke beseitigt, so werden sich der jungen gewerbemeister bald soviele melden, dass es geradezu unmöglich ist, dass sie alle ihr fortkommen finden können. gewerbefreiheit in Bayern (1861) 6; ein jeder muss auch für jenen schaden haften, welcher von personen verübt wird, für welche er gut stehen soll ... lehrer und gewerbsmeister für das benehmen ihrer zöglinge. justizgesetze f. Baden (1879) 1, 319; jeder, der in der stadt als gewerbsmeister sich niederlassen und sein gewerbe betreiben wollte, war verpflichtet, sich dem in den zünften gegebenen organismus einzuverleiben. Kaizl kampf um die gewerbereform in Schmollers forschungen 2, 1, 5.
 
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gewerbemitglied, gewerbemittel, gewerbemonopol, s. gewerbsmitglied u. a.
 
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gewerbemuseum, n.: gewerbemuseum die ... für ständige ausstellungen von gewerbe- und industrieprodukten errichteten gebäude. Lueger 4, 647; landesgewerbemuseum zu Stuttgart. ebenda; gewerbemuseum, s. DWB kunstgewerbe. Thiel 4, 426; zwei Berliner herren vom gewerbemuseum waren über die mühlen in streit geraten, speziell über ihren ursprungsort. Fontane (der Stechlin 1, 10), s. 372.
 
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gewerben, verb. , verstärktes werben, s. d. vgl. Graff 4, 1231 (kehweraban), 1234 (gahwarbjan); mhd. wb. 3, 726a (gewerben) Lexer 1, 985; nachtr. 208. die althochdeutsche periode läszt zwischen starkem und schwachem verbum unterscheiden, wobei dem ersteren intransitiver, dem zweiten transitiver gebrauch zukommt. schon für die mittelhochdeutsche

[Bd. 6, Sp. 5570]


zeit geben die formen der überlieferten belege keinen anhalt mehr für diese unterscheidung, und auch der bezeugte transitive gebrauch läszt sich als secundäre weiterbildung vom intransitiven ableiten.
1) die grundbedeutung kommt am reinsten in einem späten (mitteldeutschen) belege zum ausdruck:

den vlegel hoeb er van der erden;
er doucht im ze lîchte, do liess er im gewarben;
onder de haiden warf er in dar,
2 Turke blîben dort derobe. fragment bei
Roth denkm. 87, 3.

zu der vorstellung der bewegung verallgemeinert liegt die sinnliche bedeutung wenigstens dem gebrauch der althochdeutschen übersetzer zu grunde, die gewerben für converti, reverti einsetzen. auf derselben grundlage beruht auch die mittelhochdeutsche verwendung, die das streben nach einem ziel kennzeichnet. in all diesen fällen ist der gebrauch intransitiv.
a) althochdeutsches gewerben = converti, reverti: dedit legem per Moysen ut uel per ipsam reuerteretur ad amorem dei et operationem iustitie. gab dhuo got moysi euua dhazs ir dhoh in dheru chihuurfi zi gotes minniu endi zi rehtnissa uuerchun. Isidor 29, 15 Hench s. 30; quia pius est deus expectat nos cottidiœ conuerti in melius. peitoot vnsih tagalihhin kehuueraban in pezzira. Keros bened.-regel 7 Hattemer 1, 52b, ähnlich auch 1, 38.
b) die weiterentwicklung in der mittelhochd. dichtung.
α)

nâch dir gewarb ich offenbæres nie:
diu zuht was ie in mîner huote. meister
Heinrich Teschler, Bartsch 92, 14.


β)

der nie gewarp nâch schanden
ein wîl zuo sînen handen
sol nu dise âventiure hân
der werde erkande Gâwân.
Wolfram v. Eschenbach Parzival 338, 1;

daʒ ich so lasterlichen hie
verderben mʒ, und ich doch nie
gewarb nâch keinem laster.
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 5359 (var. neben warb);

do riefent si (die gropierer) vil sêre
'ay êre uber êre,
wie dirre tugende rîcher man
gewerben wol nâch êren kan!'
Rudolf v. Ems Willehalm 7460 Junk,

ebenso K. v. Würzburg Partonop. 9824 u. a.
2) die hauptverwendung der mittelhochdeutschen dichtung beruht auf einer gebrauchsform, in der die vorstellung der bewegung zum begriffe der thätigkeit verblaszt.
a) dazu leiten solche wendungen über, die das ziel der bewegung oder die eigenart der thätigkeit in einem besonderen satz oder in adverbialen formen zum ausdruck bringen. dadurch wird dem verbum selbst der vorstellungsgehalt entzogen.
α)

der kunich Hêlius Adrîânus,
dô gewarf (gewarp) er alsus:
er begunde di stat ze lieben,
harte wol zieren. kaiserchron. 7221 Schröder, ebenso 6009;

dô gewerf er leider ubele. 6839. 5386;

dô gâhte vaste ûʒem bade
der herzoge Orilus.
Jeschûte und er gewurben sus.
diu senfte süeʒe wol getân
gieng ouch ûʒ ir bade sân
an sîn bette: dâ wart trûrens rât.
Wolfram v. Eschenbach Parz. 273, 14, ähnl. Partonop. 6009;

und klagende sprach er (Kurvenal) wider sich:
'got hêrre, wie gewirbe ich?
i' ne wart alsus besorget nie'.
Gottfried v. Straszburg Tristan 2358 Bechstein, ebenso 11965. 2480;

swie sie gewurben in der vrist,
swaʒ man gesprach oder getreib,
Lucia von in stete bleib. pass. 29, 68 Köpke, ebenso Freidank 176, 2.


β)

als ich iu von in beiden
wærlîche mac bescheiden,
wie er gefuor und sî gewarp (vgl. die variante gevert
für gewerbe oben sp. 5492).
Gottfried v. Straszburg Tristan 1815;

(Heintz Slecht) ... het ein eid ze den heilgen gesworn, dz er hinnanhin wider den burgermeister, die rät, wider die burger noch wider gemein statt Zúrich noch wider nieman der z inen gehört, niemer getn noch gewerben sol mit geistlichen noch mit weltlichen gerichten noch

[Bd. 6, Sp. 5571]


ane gericht noch mit deheinen andern sachen. Züricher stadtbücher 1, 312.
γ)

dô Friderich ûʒ Ôsterrîch alsô gewarp,
dêr an der sêle genas und im der lîp erstarp,
dô fuort er mîner krenechen trit in derde.
Walther 19, 29;

der junge degen zier
alsô ritterlich gewarb
daʒ dâ von sinen handen starb
under in der frst.
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 4777 Regel;

mîn vorhte ist grôʒ in manege wîs
wie ich alsô gewerbe
daʒ niht an uns verderbe
mîn lîp und iuwer êre.
Konrad v. Würzburg Engelhard 3345 Haupt, ebenso Partonop. 14594. 14367;

diu vil hêre wil mich lân
nâch ir gruoʒe sterben ...
in kan niht gewerben
daʒ ir wol stênden ougen klâr
iht wellen ruochen mîn.
Gottfried v. Neifen 4, 21 Haupt.


δ)

waz ist hie dîn gewerben
bî deme der nû wil sterben? das alte passional 332, 49 Hahn; der gleiche reim in Pfeiffers marienlegenden 71.


b) hieran knüpft ungezwungen secundär entwickelter transitiver gebrauch an:
α)

dat ich im baʒ entseggen kan
denne er es umbe mich gewerben kunde.
H. v. Veldeke (nach B. C.), vgl. minnes. frühl. 257;

herre, warumm hât ir mich
besant? ... mget ir
mit mir ihts gewerben,
daʒ lâʒ ich niht verderben.
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8937;

mer kunden si't noch gewerven,
dat si uch mochten entsetzen ind enterven,
si soulden 't node laissen. die weberschlacht 501, s. deutsche städtechron. 12 (Köln) 257.


β)

nu bitet Sîfridenfüern die botschaft:
der kan si wol gewerbenmit ellenhafter kraft. Nibelungen 498, 2 Lachmann;

sô einer eine botschaft hovelîchen gewerben kan oder eine schüʒʒel tragen kan ... sô sprechent etelîche liute: 'wech! welch ein wolgezogen kneht daʒ ist'. Berthold v. Regensburg (7 von den engeln) 1, 96 Pfeiffer;

nu ist der reise zît mir schîn
sô kurz daʒ ich halben tac
niht für dis stunt gebeiten mac:
dâ von sô hân ich sorgen pfliht,
wan ich mac gewerben niht
sô kurzlîch ein reise. Reinfrid v. Braunschweig 7868 Bartsch;

ouch sol ir enkeiner bi sinem eide alle die wile, so si in bsse von unser stat Zúrich sint, enkein ding niemer gewerben weder an herren noch an stetten noch an nieman anders, da von dise bsse muge ab gan dekeines weges. Züricher stadtbücher (verbannung v. 12 ratsmitgliedern 1336) 1, 104; swer der danne ist der der sache werber gewesen ist, der si einer oder me, wann er si selbe niht gewerben mohte. Augsburger stadtrecht 11. art. 1 Meyer.
3) der neuhochdeutsche gebrauch geht andere bahnen. ein niederdeutscher beleg knüpft allein an die eben besprochene verwendung an. die übrigen belege nehmen die engere richtung auf erwerben und scheinen von der parallele gewerbe = negotium, commercium beeinfluszt.
a) dat he en selven mit sinen ghebede nicht helpen en kan unde he sick mit sinen ghebede teghen gode nicht geschicken noch ghewerven en kan. Veghe 214 Jostes.
b) bei der engeren richtung auf den erwerb sind es namentlich auch participialformen, die diesen bedeutungswandel stützen, vgl. werbender man, werbendeʒ gût mhd. wb. 3, 724b. Lexer 1, 770. auch in anderen verbalformen ist der gebrauch intransitiv (doch vgl. das beispiel aus Auerbach).
α) participialformen: die gewerbenden un handwerchlüt. Freiburger statuten (1520) s. 92, vgl. oben sp. 5512; damit der gmain gewerbent und durchraissend mann desto statlicher handlen und wandlen, auch reiten, faren und zu fuess geen kann, ist ... fürgenommen ... das iemant ... in die lantstrassen oder dorfgassen ... mist oder tunget darin machen ... sol. weisthum v. Silz (österr. weisth. 3, 41); so sind schon itzt wieder, und zwar von allen politischen parteien wenn schon in

[Bd. 6, Sp. 5572]


abweichendem maasse, neue plane zu weiterer ausdehnung des einflusses der gewerbenden klassen im gange. Mohl staatsrecht (1860) 1, 37; es könne ... unmöglich eine trefflichere einrichtung geben, als diejenige, welche die bauern und die kleineren auf dem lande wohnenden und gewerbenden menschen unter eine solche ... schirmherrschaft und obhut stellte. Arndt erinn. aus d. äuszeren leben 294.
β) sonstige verbalformen: im handell und gewerben mit blossem gelt. Luther gr. sermon v. d. wucher (6, 54 Weimar); wen ich hundert gulden hab, und damit gewerben soll, mag mir hundertherlei far begegen, das ich nichts gewinne. s. 53; sie fühlte ihre beste kraft brach liegen ... in dem kleinen hausstand ... sie wollte etwas gewerben. Auerbach edelweisz 234; er g'wirbet und g'wärbet (Solothurn). Schild 97, 440. vgl. gewerbig.

 

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