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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
geweltig bis gewenken (Bd. 6, Sp. 5465 bis 5476)
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gewelz, s. DWB gewälz, gewälds.
 
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gewen, s. DWB geuen, DWB geuwen sp. 4634.
 
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gewende, n. , in dieser form treffen verschiedenartige bildungen zusammen. nur vorübergehendweil durch die schreibung der neueren sprache abgesprengtfügt sich in diesen zusammenhang das collectiv zu wand, paries ein, s. DWB gewände sp. 5284; unlöslich dagegen haben sich die formen, die aus umlautserscheinungen an gewand zu erklären sind, mit anderen verbunden, die auf ein selbständiges fem. wende hinweisen, das in engerer beziehung zum verbum wenden steht. schon bei gewand, gewann (vgl. sp. 5319) wurde auf die umgelauteten formen aufmerksam gemacht, die sich aus dem casussystem dieses substantivs abzweigen und die den ausgangspunkt zu neubildungen bieten, vgl. ahd. wenti Graff 1, 761; mhd. wende mhd. wb. 3, 687. wenn schon in diesem fem. der character des verbalsubstantivs viel zäher festgehalten wird, und die beziehung auf das verbum wenden viel anschaulicher gewahrt bleibt als bei wand, gewand, so gilt das in noch höherem grade von der form gewende. ein theil der in ihr überlieferten beispiele bewegt sich allerdings im gleichen verwendungskreise, wie gewand, ein anderer theil aber nimmt die richtung auf die bedeutungsgemeinschaft mit wende, wenden, und ein dritter theil hat sich unabhängig von gewand auf der grundlage eines verbalsubstantivs zu wenden ausgestaltet. da die grenzlinien zwischen der ersten und zweiten gruppe zerflieszen, sollen beide in einem zusammenhange behandelt werden.
1) verwendungen, die im rahmen der bedeutungsentwicklung von gewand entschiedener die richtung auf ein verbalsubstantiv zu wenden (vgl. das fem. wende) aufnehmen.
a) der abstracten bedeutung terminus, finis, die oben an gewand festgestellt wurde, entsprechen in neuerer zeit nur beispiele mit umgelauteter form. das genus läszt sich nur in einem fall feststellen, wo es das neutrum zeigt:

ich bin begin unde ende
nach des libes gewende
bi dem anderen lebene
geb ich al vergebene. evangel. Johannis, s.
Pfeiffers übungsb. 24;

als sie (Romulus und Remus) sich nun einmal zu diesem schertz begeben, da das jargewend war, haben die mörder auff sie gelauret. Livius übers. v. Zach. Müntzer A 3b; die ende und gerichts gewende wo des not ist versteinen und verreinen lassen. urkunde von 1451 bei Haltaus; grenitz ende und gewende der gerichte. ebenda.
b) in der flurbezeichnung lassen sich beispiele sowohl dafür beibringen, dasz die umgelauteten formen (wende, gewende) in das casussystem der nach der i-klasse abgewandelten substantiva wand, gewand weisen, als auch dafür, dasz die formendifferenzierung eine bedeutungsverschiebung begünstigt. unter dem einflusse der formellen annäherung an das verbum wenden vollzieht sich die isolierung des neutrums gewende von gewand in der bedeutungsgemeinschaft mit wende und wenden.
α) die engste bedeutungsgemeinschaft mit gewand haftet an der vorstellung eines ackerstreifens, der in irgend einer art mit der pflugrichtung in beziehung steht. wie oben bemerkt, hatte in der älteren wirthschaftsform jeder gemeindegenosse in jeder bodenlage einen annähernd gleichen antheil, den er in gleicher richtung wie die nachbarn durchpflügte. die vorstellung der begrenzung einerseits, der nachbarschaft andererseits wurde hier verschiedenartig angeregt, am eindringlichsten aber von der stelle aus, an der die bodenlage ihr natürliches oder willkürlich gesetztes ende findet, so dasz der pflug gewendet werden musz. hier an der stelle der pflugwende bleibt ein gewisses stück der pflügung entzogen und entsprechend setzen sich in der querrichtung durch die ganze reihe der nachbarstreifen gleiche stücke fort. so bildet sich ein querstreifen, der recht eigentlich die merkmale der abgrenzung wie des

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zusammenschlusses an sich trägt, wie sie oben bei gewand, gewann festgestelltwurden. ob die dort belegten bedeutungen (grenzgraben, rain, feldweg, ackerbeet zwischen zwei furchen, ein durch gemeinsame grenze abgeschlossenes gebiet, grundstück, gegend) alle von der versura ausgehen, ob nicht auch die furche, die in der längsrichtung zwischen den streifen hinzieht, von einflusz war, läszt sich für gewand, gewann nicht mehr entscheiden, da an ihm mit der änderung der eigenthumsverhältnisse und des landwirthschaftlichen betriebs die ursprüngliche bedeutung immer mehr verblaszte und die verwendungen mehr und mehr dem in gewann zu tage tretenden allgemeineren begriff zueilten. an gewende dagegen hat sich die beziehung auf die pflugwende gerade in späterer zeit immer wieder in das bewusztsein der sprechenden eingeprägt; in den mitteldeutschen und norddeutschen gegenden, auf die sich der gebrauch von gewende hauptsächlich stützt, hatte der betrieb der landwirthschaft inzwischen immer mehr die formen des groszgrundbesitzes angenommen, und hieraus ergaben sich auch für die bedeutung von gewende neuerungen. wo ein stück nach einer seite ganz durchgepflügt wird bezeichnet gewende, vorgewende nach wie vor den querstreifen, der das stück abgrenzt und der für sich in der querrichtung durchgepflügt wird. vielfach sind die stücke jedoch so grosz, dasz sie nicht in der ganzen ausdehnung durchmessen werden, der pflug wird schon in der mitte oder gar nach einem drittel gedreht, so entsteht eine neue art von querstreifen, die nun auch als gewende bezeichnet werden und die ihrerseits wieder neue formen der composition hervorrufen (s, u.). die litterarischen belege lassen diese letztere entwicklung nicht so deutlich werden, wie die feststellungen der wörterbücher.
1)) das einfache gewende.
a)) litterarische belege: wo aber gemach zeun in den veldern ... gemacht werden, welcher das thuet, der soll seinem nachtbarn radweit lassen ... und wo die gewendt in den gemainen veldern an ainander ligen und geen, soll er dem andern einen ausgewandten ligen lassen. wo aber nit gemachzeun verhanden, soll ainer wie der ander auswenden zu rechter weil und zeit seinem nachbarn on schaden. landrecht von Wartenfels (handschr. 16. jahrh.) österr. weisth. 1, 153; das stück feld reicht hinauff bis an die Eckerbergische strasz; unnd darnach bis an den Stoberisch wegk zu Moritz Kramer gelengen zu Stobra wohnhafftig unnd auff die rechte hand dem gewende nach, bis an die Jhenische strasz nach Hermstette. urk. von 1534 des klosters Heunsdorf, s. Thuringia sacra 322; vgl. auch Haltaus 701; wenn die felder zusammen stossen, da ein gewende ist, soll man zu rechter zeit pflügen und bessern. (artickel, wie sich ein jeder nachbar in der universität Leipzig fünf neuen dorfschafften verhalten soll. 1712); Klingner dorf- u. bauernrechte 1, 248; wo die felder zusammen stossen, da ein gewende sein soll, soll man zu rechter zeit pflügen und besäen. 1, 257, ebenso 1, 496.
b)) die wörterbücher tragen der vielseitigkeit unseres substantivs frühzeitig rechnung; für die einschlägige engere verwendung pflanzt sich eine anschauliche definition fort: ghewendte des ackers ... lira, terra versa et aggesta inter duos sulcos: versura Kilian 146b, vgl. gewende ... ook de ophooping van aarde, aardhoop tusschen twee voren. Verwijs-Verdam 2, 1885. das substantiv wird anscheinend als substantiviertes particip aufgefaszt. ebenda wird auch das lateinische porca herangezogen, das in tropischer anwendung den gleichen begriff deckt. vgl. auch: gewendte desz ackers, das bühelin zwischen zweien furchen, porca, terra versa et aggesta inter duos sulcos, versura. Henisch 1597; spätere lexikographen knüpfen unmittelbar an das fem. wende an: wende ... limes, ora, extremitas, fines, unde ein gewende, wo man mit pferden wendet, vertibulum, alias ein anwendel Stieler 2500; gewende, wenn ein acker so lang ist, dasz man die furchen mit dem pfluge nicht auf einmal macht, noch gantz hinausziehet, sondern denselben in zwei oder mehrere theile theilet, so wird solches abgetheiltes stück, bis dahin, wo man die pflugkehre oder pflug-wendung gemacht, ein gewende genennet. daher sagt man auch, nachdem nemlich der acker gelegen und abgetheilet ist,

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das ober-gewende, das unter-gewende, das mittel-gewende. allgemein. öconom. lex. (1731) 825; unter gewende wird das wort pflug verstanden, das pfluggewende ... gewende im acker; wann der acker zu lang ist, auf einmal hinaus zu fahren, da giebt es mittel-gewende, obergewende, untere gewende, versura superior, media, inferior. Frisch 2, 439c; ähnlich Chomel 4, 1047. das gleiche bei Klingner, der fortfährt: ein wohlerfahrener hauswirth hat mir solches gewende beschrieben, als gewisse striche, und besonders abgetheilte felder, so weit die aecker nach der länge und breite an einander liegen, geackert, ausgemessen und versteinet, oder doch mit gräben zum ablauffen des wassers versehen sein, wodurch eines jeden eigenthum in richtigkeit gesetzet wird. dorfrechte 2, 838, anm.; in Schlesien kommt nur der ausdruck 'gewende' und zwar durchaus landbräuchlich, aber in einem sehr abweichenden, vielleicht allein richtigen sinne vor. hier ist, wie Zedlitz XXI genügend beweist, ein gewende der etwa 50 ruthen lange abschnitt eines ackerstückes, welchen man mit dem pfluge nicht zu überschreiten pflegt, sondern wendet und zurückfährt; erst nach beendigung des ersten gewendes wird das zweite, dann das dritte u. s. f. in arbeit genommen. Meitzen anm. zum cod. dipl. Siles. 4, 31; dazu vgl.: der ort, wo andere äcker der breite nach an andere anstoszen und sich wenden, wird in manchen gegenden gleichfalls ein gewende, und wenn sich daselbst viele äcker enden, ein hauptgewende genannt. Adelung 2, 654; gewende ... 3) ein stück feld, welches in gerader linie geackert wird und sich zwischen zwei umwendungen mit dem ackerpfluge befindet? Thiel 4, 423; gewende gweng, ackerland mit gleicher umwendung beim pflügen, also aecker, die an ein und derselben anewant liegen. Bauer Waldecker mundart 40a; gewenge, gewende, die stelle, wo man den pflug wendet und die deshalb besonders gepflügt werden musz. Jecht Mansfelder mundart 42a (verweist auf die bildung wendling, die in älteren zeugnissen der mundart die gleiche bedeutung zeigt). ähnlich Saul, beitr. z. hess. idiot. 16. Fischer plattd. mundart im preusz. Samlande 52.
2)) zusammensetzungen. als solche haben sich schon aus den obigen definitionen ergeben: angewende, vorder-, mittel-, untergewende, hauptgewende, ihnen reihen sich noch einige weitere an.
a)) schon unter anwand belegt J. Grimm (th. 1, sp. 513) umgelautete formen: die anwend hin bis an die frauen Heuschen, die anwend herab bis auf Michels Hermanns garten. weisth. 1, 603, dazu vgl. DWB anwende th. 1, sp. 518 und anwendel ebenda. für einen unterschied zwischen anwand, anwende und gewand, gewende, läszt sich hieraus nichts gewinnen; ebensowenig wie aus dem folgenden beleg für angewende: uber de weg offeme hauwe neben der frawen zum Burne stabe amme holtz marche ... an der angewende offin hobestede. hess. urkundenb. (1319) 1, 373; auch bei L. Schmidt westerwäld. idiot. (128 ff.) werden für anwende die gleichen bedeutungen angegeben, die wir eben für gewende kennen lernten, und von oberer, unterer onwed gesprochen, vgl. auch DWB vorgewende, DWB gewende, DWB angewende, das stück land, welches beim ackern, um mit den zugthieren darauf wenden zu können, bis zuletzt liegen bleibt. Thiel 7, 618; dagegen wird in den stellen der weisth. zwischen anwand und radwende unterschieden: wo och ackeren anenandern ligend, da sol och je ainer dem anderen anwand und radwende .. geben. weisth. 1, 207. wenn es sich hier anscheinend um einen gegensatz zwischen engerem und weiterem begriff handelt, so wird andererseits in der definition, die Klingner (2, 838 anm.) von angewende giebt, gerade der querstreifen, der durch die pflugwende aufgeworfen wird, getroffen: hingegen heisset man angewende dasjenige stücke feld, so mit der länge am querüberliegenden anstosset. hier scheint sich die bedeutung von angewende gewandelt zu haben unter dem einflusz der bedeutungsänderung von gewende, das nicht mehr den grenzstreifen des ackers nach auszen, sondern viel häufiger die theillinie innerhalb des ackers bezeichnet (mittel-, vordergewende).
b)) deutlicher festgelegt sind die folgenden zusammensetzungen:
α)) vorgewende hat nur die eine bedeutung, die bei gewende, anwende als eine unter mehreren aufgeführt wird,

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vgl. vorgewende, ackergewende, wendestück, wendling. Thiel 4, 423; es ist der eigentliche terminus der heutigen landwirthschaftlichen sprache für diesen theil des ackers. als ältesten beleg vgl.: verkauffer verkaufft seinen garten ... neben 3 morgen oder ackerstück eln, nemblich ... mehr aufm sandstücke am kirchsteige aufm vördergewende 8 bethe. schöppenb. v. Krampitz (1625) bei Meitzen urkunden schles. dörfer 235.
β)) ober-, mittel-, untergewende, vgl. oben: Rentzens feldes obergewende, dessen beethe, wie die küh gasse selbst, hinunterwerts gehe, sei den 7. april 1735 mit sommer-korne besäet, auch dieses eingeeget, und wo dis gewende ausgehet, sein feld die queere hinter geackert gewesen. zeugenverhör in einem prozesz zu Reimsdorf (1736) bei Klingner 2, 699; anerwogen ... das sogenannte birckicht, dessen ober-gewende nach Breitingen zugehet, 9 acker von 66. beeten, dessen untergewende 8. acker von 65. beeten, deszgleichen die hufe ... im mitteln gewende 10 acker von 76 ... beeten enthält. 1, 213 (anm. 591).
γ)) hauptgewende vgl. th. 4, 2, 614.
δ)) in haakgewende endlich dürfte die beziehung auf die hackruore, ruhrhacke (weisth. 1, 698) zu tage treten, gewende bezeichnet hier einfach einen abschnitt (s. u.): auf einem sogenannte haak-gewende dürfen nicht mehr als höchstens 4, 5 bis 6 bauern zugleich zum ruhren genommen werden. urkunde von 1790 bei Meitzen 333.
β) wie bei gewand, so streifen sich auch an gewende die besonderen züge ab, die an der grundbedeutung haften, das wort strebt allgemeineren begriffen zu, gewinnt die bedeutung ackerstücke, feld überhaupt. im gegensatz zu gewand, gewann wird jedoch auch hier der zusammenhang mit wenden, wende leichter durchgefühlt und immer wieder aufgefrischt. auch nach anderer richtung entwickelt sich ein gegensatz zu gewann: gewende prägt den begriff eines flächenmaaszes aus (zu gewende als längenmaasz s. u. γ); als solches gewinnt es bei den einen feststehenden wert, bei den anderen erscheint es als relative grösze.
1)) gewende in der allgemeineren bedeutung 'ackerstück, feld, flur'. die vorstellung eines flächenmaaszes ist nicht herausgearbeitet.
a)) engere berührung mit gewand: auff solchen fall sohl auch käuffer ... schuldig sein dem landtsbrauch nach auf den vorwergksäckern, wo er angewiesen werden möchte, zu arbeitten von jeder hube acht beete durch ein gewende, wie die herrschaft und pauerschaft halten und dieselben liegen. urk. v. 1644 bei Meitzen 101; den 2. octobris gab mir gott die gnade, dasz ich mehr äcker kaufte, gab herrn Heinrich dem caplan vor 17 beete durch 3 gewende 275 thl. Schweinichen 3, 236; immer aber war der hufenbesitzer eigenthümer eines antheils am ackerland, entweder eines ideellen oder bestimmter gewende. G. Freytag bilder aus der d. vergangenheit 1, 73.
b)) stärkere anlehnung an wenden und wende: ein stück acker von einer solchen grösse, wie man es auf einmal zu bestellen pflegt, heisst 'gewende'. vom wenden des pfluges am ende und anfange des stückes hat dasselbe seinen namen. Urban landwirthschaftl. volksausdrücke (Neustadt-Oberschles. 1897); gewend, stück acker, wendacker Berghaus 566b. als zeugnis für die versuche, die erklärung des feststehenden begriffes immer wieder aus wenden abzuleiten, vgl.: ein gewende feldes ist fünff saile lang und helt 210 ellen oder 630 spannen. ein pflugrädlein soll dergleichen mäszig sein, also damit sichs in einem gewende 60 mahl umbwenden möge. Hagecius böhmische chronica (1596) 1, 331 (zum flächen- und längenmasz s. u.) ebenso Fritsch appendix zu Dietherr orbis nov. litter. 790; das gleiche bei Frisch a. a. o.; vgl. gewende ... een akker, akkerbed, een breed akkerbed (van twaalf fot 16 plœgsneden). in dezen zin nog heden in gebruik in het W. Vlaamsche gewend. (De Bo 372). Verwijs-Verdam 2, 1885.
c)) allgemeinste bedeutung:

so wollen wir beim brunnen allein
zusammen kommen und reden fein ...
bei nachbar Kuntzen hoffgewend.
A. Gryphius Peter Squenz, neudr. 23;

'wo disteln itzt auffgehn,
wird ein oliven-berg in kurtzen tagen stehn'.
'ach armer! fieng ich an, eh hier ein obst wird reiffen,
eh wirst du mit der faust die hohen stern ergreiffen.

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bedencke doch! das jahr laufft nunmehr fast zu end,
auch wil die feist oliv ein fruchtbarer gewend'.
(traumgesichte auf ein hochadliches beilager 30) lyr. ged. 529 Palm;

vgl. auch die dürren feldgewende oben th. 3, sp. 1483.
2)) in der geltung eines flächenmaszes wird das substantiv je nach landesbrauch verschieden bestimmt: dieses wort, gewende, wird in mancherlei verstande bei denen land-güthern angenommen und gebrauchet: an manchen orten heist es so viel, als ein acker-rücken, oder morgen, auch in einigen gegenden, wie um Liebenwerda, ein hufen- oder halb-hufen-stücke, welches insgemein 5 ruthen breit und 2 bis 3 acker der länge nach enthält, das man mit einem in einem tage bearbeiten kann. an einigen orten haben die gewende ihre gesetzte zahl an quadrat-ruthen, wie ein acker oder morgen dergleichen ausgemachte zahl in sich begreifet. Klingner 2, 838 ff. anm., vgl. auch Frisch 2, 439b ff.
a)) ghewendte, ghe-wende, vetus sax. j. morghe landts, fundus sexaginta decempedum. spec. sax. Kilian 146a, vgl. auch Verwijs - Verdam 2, 1885; gewendte, gewende, morgelands, fundus sexaginta decempedum, sax. Henisch 1597; gewend oder gewende lands, ein juchart oder morgen lands, un journeau de terre. Duez dict. germ. gall. 198b; ein gewende feldes ist 5 seile lang, hält 630 spannen, 210 böhmische ellen, und ist ein morgen. Frisch a. a. o.; und das sech mit dem pflugschar ... schneidet die furchen, bisz ein gewend oder tagwerk fertig ist, donec absolvatur jugerum. Amos Comenius Janua aurea 112; gewende ist ein morgen akkers. Zobel (z. Sachsenspiegel 3, art. 66) bei Schottel 635; wegen erkauffung 41 gewende aeckers. Carpzow schauplatz v. Zittau 308 (randbemerkung zu einer lat. urkunde von 1315 [quadraginta unum lancos]); Rom hatte bei seinem unvermögen keinen mangel, da gleich ihre feldherrn nicht so viel verliessen, dasz sie konten begraben werden, sondern der gemeine kasten in die lücke treten muste; da tugent aus thönernen geschirren speisete, und drei gewende ackers eines edlen bürgers auskommentliches vermögen war. Lohenstein Arminius 1, 180a, gewende (sles.) im Brandenburg. = stück. in Slesien sagt man: ein gewende flachs, ein gewende korn, soviel als ein morgen ackers. Berndt sles. idiot. 44 vgl. auch gewende bei Haltaus 701. Scherz 544b.
b)) es soll eine meile 60 gewende, und ein gewende 60 ruthen, ist in sächsischem weichbild gebräuchlich, unsern ebenen landen zu viel, derowegen ordnen wir, dasz 60 ruthen auf einen morgen und 16 schuh auf eine ruthe gerechnet. constitutio March. bei Scheplitz s. Frisch a. a. o. (vgl. auch unter γ). gewende, altes flächenmasz in Preussen, gleich ein zehntel morgen = 30 fusz. Baczko Preuszen 2, 134; gewende, meist 10—15 m breite feld-abtheilungen, welche beim ebenpflügen in angriff genommen werden. Guido Kraft illustr. landwirthschaftslex. 2, 375a; gewende ... in der Lausitz hält es 180 schritte oder 240 Leipziger ellen in der länge, und 65 sechsfurchige beete, jedes von 2¾ ellen, also 180 ellen in der breite, so dasz 17⅕ gewende eine hufe machen. Adelung 2, 654.
c)) tagewerk muss ein bauer ... ohne unterschied der länge der gewende arbeiten. urbar. von Zedlitz (aus 1790) bei Meitzen 333; und da sich die bauerschaft über die allzu grosse länge der gewende beschweret ... dass z. b. aus einem felde, welches ehedem 3 gewende gewesen, 2 gewende gemacht worden. 334; auch etliche derer Hermsdorfer gewenden jedes 4 acker und 5 schmale gewende am dorfwege hinaus nur 8 acker zusammen betragen. Klingner 1, 214 (anm. 591); ingleichen dürffen die anspänner und Lorenz Geringwald ... auf den haferstoppeln bis alt Martini ein gewende, oder stücke, wie sichs etwa schicket, meistens zwei scheffel gras vor ihre frohn-pferde heegen. Boccaer trifft-register ebenda 2, 571; ein gewende roggen, circa 5 morgen grosz, bin ich willens auf dem halme zu verkaufen. Bunzlauer intelligenzblatt juli 1872.
γ) als maszbestimmung streift gewende in der gröszeren zahl der belege die beziehung auf die fläche ab, das interesse haftet, wie wir schon in den obigen beispielen sahen, vorwiegend auf der längenausdehnung, gewende ist

[Bd. 6, Sp. 5470]


namentlich im gegensatz zu gewand — in erster linie ein längenmasz.
1)) gewende, stadium, voc. Wrat. von 1422, s. mhd. wb. 3, 686b; gewende oder rosslauf, stadium, vocab. theut. (Nürnberg 1482) vgl. Lexer 1, 982; ein gewende, stadium, est centum passus. vocab. bei Schiller-Lübben 2, 101; vgl. auch Diefenbach-Wülcker 619; gewende ... als lengtmaat in den zin van honderd pas. Verwijs u. Verdam 2, 1885; für στάδιον im griech. texte des neuen testamentes, das Luther mit feldweg wiedergiebt, führt Emser gewend des feldes ein, vgl. Lindmeyer wortschatz Luthers, Emsers etc. 16; ein gewende feldes ist fünff saile lang und helt 210 ellen oder 630 spannen. Hagecius böhmische chronica 1, 331, ebenso Fritsch appendix ad Dietherr 790; eine meil weges soll 60 gewende feldes lang sein und soll 300 saile halten. Hagecius 1, 331, ebenso Fritsch a. a. o., vgl. auch unter 2)); do schickten sie us der stat hinausz 1000, das man es weren sulde ... do si usz der stat quomen sechs gewende, do brach der halt. urkundl. beiträge zur gesch. Böhmens (Lausitz) nr. 460 in fontes rer. Austr. 2, 20; am vierdten tag kommet er zu den zweien schwestern gen Bethanien, welchs fünfftzehen gewendt wegs, der acht ein welsche meil machen, von Jerusalem ligt. Mathesius trostpredigten F 3b; gewendt wegs, roszlauff, wette lauff, ackerlenge, stadium, ἱππόδρομον. Henisch 1597; hinden an dem saal was ain unvergengklich lustiger garten vier gewende wegs lang. Schaidenreisser Odyssee 27a; mer hab ich gsehen Titium auff der erden ligen und mit seinem überschwencklichen groszen leib neün gewend wegs einnemen und bedecken. 50a (hufen bei Voss 11, 577); ähnlich 10b (randbemerkung); item bei dem Weidenstein, etliche sagen bei dem weidenstrauch, 2. gewende drüber, da in einem grunde ist gut reichlich weich gold. Prätorius wündschel-ruthen 223; bei dem Hahneberg 4. gewende, neben dem Rothschlosz, allda ist eine grube darinnen ist gold. 222; wenn es (das pferd) ein gewende lang fortgeflogen. Ch. Lehmann histor. schauplatz d. natürl. merkwürdigkeiten in dem ... Erzgebirge 407. vgl. E. Göpfert zeitschr. f. hochd. mundarten 1, 50; wenn es aber vor tage war, wuste das volk nicht anders, es brennte, liefn zu, konnten aber den wagen sobald nicht fassen, lauft also eines gewendes lang, trift zum groszen glück an eine thüre, laufet durch bis an die räder, geschahe sonst kein schaden. Schweinichen 1, 311; nach Bartholomäi bis Michaelis dürfe er (der gerichtsherr) bis auf 2 gewende, vom dorfe und nach Michael über und über treiben. zeugenaussagen in einem prozesz der gemeinde Memmendorf (1705) bei Klingner 2, 83.
2)) drei fuesz machen einen schritt, 16 schritt einen rueten, 16 rueten ein gewend, 16 gewend ein meil. (handschriftlich aus 1469) bei Schmeller 22, 943; 60 ruthen oder 6 seile machen ein gewende, 30 gewende eine meile (nach der landesordnung von 1307 [?]) bei F. S. Bock versuch einer wirtschaftlichen naturgesch. von dem königreich Ost- und Westpreuszen 1, 688, das gleiche bei Frischbier preusz. wb. 1, 232; ein rechte daicze mail kuniges masse die schol vir ecker lenge haben, und iede ecker lenge sol haben czweliff gewende, das sint acht und vierzig gewende, und iedes gewende sol haben dreissig messruten, so schol iede ruten behalten funffczehen waldelen ader rechte holczelen, das ist ein rechte daicze maile kuniges masse. stadtrechte von Brünn Röszler nr. 479, s. 223; ein meil weges soll von rechtswegen haben sechtzig gewende, und ein jedes gewende sechtzig rutten, und ein ruth achthalb ellen. Zobel zum Sachsenspiegel 441 col. 1; die am 20. augusti e. a. publicierte leuterungssententz hat die erklärung angehänget: dasz die ausmessung der meile, durch einen verpflichteten feldmesser, von dem stadtthore anzufangen ... die meile auf 60 gewende, und iedes gewende auf 60 ruthen, die ruthe aber auf 7 und eine halbe elle zu rechnen. urteil des amtes Delitzsch (1714), Klingner 4, 709; eine meile musz de jure 60 gewende haben, jedes gewende 60 ruthen, jede ruthe 7 ellen. Berndt sles. idiot. 44.
2) verwendungen, die sich unabhängig von gewand aus dem verbalsubstantiv zu wenden entwickelt haben, gewende in den bedeutungen von wende.
a) unmittelbar an die nächstliegende bedeutung von

[Bd. 6, Sp. 5471]


wende knüpfen einige belege an, die, obwohl vereinzelt stehend, doch allgemeineren gebrauch erschlieszen lassen.
α) die fluhrgrentze, so grade über den Hahnhügel hin ohne eintzige grümme oder gewende gehet (aus Eisenach 1701). Diefenbach-Wülcker 619.
β) wann das kind kommt in einem bösen gewend und lager, das ist, wann es auf eine andere weis als mit dem kopf zuerst herkommet. Fr. Mauriceau von d. zufällen u. krankh. d. schwangeren weiber (ins deutsche übers.) Nürnberg 1687, s. 253.
b) in der jägersprache unterliegt dieses verbalsubstantiv einerseits der bedeutungsverengerung (beziehung auf den hirsch), andererseits einer ähnlichen bedeutungsverschiebung, wie sie an gewand zu beobachten war: gewende bezeichnet zunächst die wendung, die der hirsch auf der flucht vollzieht; noch häufiger aber die spuren, die die wendung im gebüsch zurückläszt:

so der jäger fast rennet,
da lauft der edle hirsch abher,
und macht ein gewend
ich wolt, ich hätt mein schönen bulen bei der hand. bei
Fritsch corpus juris forest. 1, 526; das gleiche bei
Sebitz, vom feldbau 567.

wann der hirsch in das holtz gehet, und das laub mit den hörnern rüret, das zeichen heiszt das gewende oder widerlasz. Meurer jagd- u. forstrecht 69a, genau so Sebitz vom feldbau 572. Agricola fürsichtiger weydmann cc 1a; kan der jäger das gantz jahr uber, den hirsch an seinem gehirn erkennen durch das gewendt. Jac. v. Fouilloux neu jägerbuch 29b; gewende, oder das wenden, ingleichen die himmelsspure oder das himmelszeichen, wird von den jägern dasjenige zeichen genennet, welches der hirsch in der fährte vor einem thiere thüt, da nemlich der hirsch mit seinem gehörne in einem dickigt oder knack die dürren äste antrifft, dasz er die selben, wenn er sich wenden und fortgehen will, zerbricht und knicket, dasz sie herabhängen, woran man die höhe und breite des gehörns mercken kan, oder wenn der ... hirsch mit dem gehörne das laub umwendet, und es gleichsam vorkehrt streiffet. allgem. ökonom. lex. (1731) 828. also auch hier ein versuch, die überlieferte bedeutung aus derjenigen des verbums zu deuten (zu himmelsspur vgl. th. 4, 2, sp. 1363), wobei dem verbum, das im grunde als reflexiv erfaszt war, nunmehr ein object unterlegt wird. die gleichen angaben bei Chomel 4, 1047 und im onomat. for.-pisc. venat. 1, 1042; andere wörterbücher beschränken sich auf die bedeutung, die sich am nächsten an das verbum wenden anlehnt, manche lassen den etymologischen zusammenhang ganz unangedeutet. bei Döbel werden einfach die hauptpunkte unvermittelt neben einander gestellt (gewende, das wenden oder himmelszeichen. jägerpractica 13, 9b); dagegen vgl. DWB gewende ... die von dem hirsche im fliehen mit dem geweihe umgewandten blätter oder abgebrochenen äste in den dickichten heiszen bei den jägern ein gewende [was gewendet wird]. Adelung 2, 654, ebenso Thiel 4, 423. gewende ... se dit du cerf et signifie l'endroit le plus haut où le bois du cerf a porté et atteint en passant dans un taillis, donit il a fait plier les branches. Schwan 1, 744; gewende oder himmelszeichen, auch wende ... besteht darin, dasz hirsche das neu aufgesetzte geweih am stangenholze fegen, und der bast endweder daran hängen bleibt oder auch auf die erde fällt. Behlen 3, 417.
c) eigenartige verwendungen sind aus der fischersprache zu buchen, die die anknüpfung an einen andern etymologischen ausgangspunkt nahe legen. sie lassen sich jedoch aus dem bedeutungsgehalt unseres verbums ableiten. jedenfalls handelt es sich im einen falle um den raum, die fläche, die die verbalhandlung umspannt; im anderen falle um das werkzeug, das ihr dient.
α) übertragung auf eine wasserfläche: und sol nieman keime helfen wenden denne ein knecht der sin reht het oder sin jorkneht oder sin sun; gewunne er aber darüber deheinen kneht über sin gewende der sins rehten nüt enhet, der bessert. 7 βδ. Straszburger fischer- u. voglerordnungen 14. jahrh. bei Brucker 173; item wer wendet, der sol ein gewende, wenne er dovon gefert und es gewendet, ufbrechen das dirteil des besten fereweges das er wendet; doch sol ime keine specke schaden; wer das

[Bd. 6, Sp. 5472]


brichet, der bessert 16 δ also dicke er es breche. ebenda; wer ein fach machet niden für ein gewende, der bessert 7 βδ und sol einre ni den eine lachen ufbrechen, also ein gewende das das dirteil des wassers us und in mag gon, bi 16 δ. ebenda. die zusammenstellung von fach und gewende in diesem beispiel beleuchtet sowohl das verhältnis dieser beiden begriffe zu einander als auch im besondern die bedeutung von gewende. fach (vgl. oben th. 3, sp. 1218) ist der engere begriff, es kennzeichnet wehren, dämme und andere einrichtungen, mittelst deren die wasserstrecke für den fischfang getheilt und gegliedert wurde. gewende ist der allgemeinere begriff, der nur das moment der theilung ausprägt. dazu vgl.: wer für ein gewende fert, der sol es bevohen mit schiff und geschirre, also des antwercks gewonheit ist, und sol des gewendes warten, und sol für kein ander gewende varen oder körbe darfür hencken, er habe denne dis vor gewendet und zü geslagen, das er zü dem ersten bevangen het, es si lache oder gewende, und mag darnoch aber wenden je eins besunder noch dem andern, und mag wol von dem gewende varen brot zü holende oder anders das er bedarf, also das er dozwünschent nüt anders lüge oder tribe das zü dem antwerck gehöret. Straszburger fischerordnung bei Brucker a. a. o.; varent ouch sesse oder ehtewe für ein gros gewende, die süllent ouch glicher wise für kein anders faren oder kein anders bevohen, sü habent denne dis vor gewendet und zügeslagen dofür sü zum ersten gefaren sint, es si lache oder gewende. ebenda; und sol man bi naht für gewende faren, und sol faren wie fruge man wil vor tage für ein gewende in der wuchen; und sollent es halten glicher wise die garner. ebenda 172; min frau het auch drei vischgewende, der heiszet eins das Utowe, das ander zu dem Kalgkoven, das dritte heiszet das Reingewende in der Wiche. weisth. von Wische und Storbach (1525) bei Grimm weisth. 5, 414.
β) die übertragung auf das werkzeug, das der verbalhandlung dient, ist aus der Straszburger fischersprache und ebenso aus Tirol belegt: zu dem ersten, so sol dehein vischer noch niemand anders von unser frowen clibeltag, in der vasten, untz zu sant Johanstag zu sungihten mit deheiner brutwatten, steinwatten, enge louckengarn, affen, affenbernen, gewenden oder körben varen, vischen noch dehein ander gezoge bruchen domit der roge oder der iunge visch verderbet werden mag. ordnung der fisch u. vögel halben (1449) bei Brucker 225 (die gleiche stelle bei Scherz 547, vgl. Ch. Schmidt wb. d. Elsässer mundart 144). dazu vgl. DWB gewende, DWB fischnetz Schöpf Tirol. idiot. 804.
d) in anderer weise führt ein gebrauch auf das verbalsubstantiv zurück, der nur in wörterbüchern aus dem ende des 18. jahrhs. angemerkt ist. Adelung (2, 654) belegt: ein gewende pferde, ein gespann; voraus geht: gewende ... so viel dinge einer art, als zur umwechselung nöthig sind, dergleichen man in vielen fällen mit einem französischen worte, eine garniture zu nennen pflegt. ein gewende kleider, tapeten, schnallen u. s. f. dazu vgl.: gewende (rather provinzial ..) a set. Hilpert 1, 463c; das gewende steht nicht sowohl für garnitür allein, als vielmehr für den vollständigen apparat von einer sache, welche in der wirthschaft oder haushaltung gebraucht wird. man sagt daher zwar ein gewende schnallen, ein gewende tapeten; aber auch ein gewende kleider für einen vollständigen, zusammengehörigen anzug, ein gewende pferde für ein gespann, eine luftpumpe mit allem gewende (mit allem apparat). Heynatz 2, 54. der letztere schlägt (in der anm.) gegenüber der von Adelung gegebenen erklärung aus wenden, drehen, vertauschen eine andere vor, die in der vorstellung der zusammengehörigkeit wurzelt; er möchte gewende aus angewende ableiten (alles was man zu einer sache anwenden musz), diese vorstellung läszt sich schon aus der intensiven bedeutung des präfixes ge erklären; vgl. aber auch gewende korn u. a. sp. 5469.
 
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gewenden, verb. , verstärktes wenden, s. d. in der älteren sprache und schon vorher bei Ulfilas beliebt und reich entwickelt, ist das zusammengesetzte verbum früh durch lose verbindungen von wenden (oberdeutsch noch häufiger von kehren) mit adverbialen bestimmungen verdrängt worden. nur eine gebrauchsrichtung bleibt längen

[Bd. 6, Sp. 5473]


begünstigt: gewenden in der bedeutung von 'abwenden'. sie steht im gegensatz zu der hauptgruppe der bedeutungen, die dem einflusz des intensiv wirkenden präfixes ge unterliegen, und ist für die ältere zeit nur einmal, im Heliand (als dessen einziges beispiele für das compositum), belegt.
1) gewenden, einem ziele zu wenden. hier läszt sich namentlich aus der geschichte der bibelübersetzung zeigen, wie gewenden im oberdeutschen sprachgebrauch durch zusammensetzungen von kehren, bei Luther durch andere verbindungen von wenden, verdrängt wurde. einige restverwendungen zeugen auch noch für gewenden selbst.
a) der reflexivgebrauch begünstigt die unterdrückung der kennzeichnung des zielpunktes, dieser läszt sich jedoch aus dem zusammenhang meist errathen.
α) der zielpunkt ist nur vorausgesetzt.
1)) für die wendungen des körpers beim gespräch giebt die bibelübersetzung mannigfache gelegenheit, vgl. schon: iþ Jesus gavandjands sik jah gasaihvands þo qaþ. Ulfilas Matth. 9, 22 (da wendet sich Jhesus umb. Luther; Jhesus bekert sich cod. Tepl.); thô giwanta sih ther heilant inti gisah sie. Tatian 16, 2, conversus autem Jhesus. Joh. 1, 38; umkert sich cod. Tepl.; wandte sich umb. Luther); ebenso Tat. 221, 3.
2)) auf die gotische bibel beschränkt bleibt die entwicklung des reflexiven gavandjan zu der bedeutung von 'zurückkehren, auf dem wege umwenden, zurückkommen': jah gavandidedun sik þai hairdjos. Lucas 2, 20 (di boten kerten wider cod. Tepl., die hirten kereten widerumb. Luther), ähnlich auch 1 Cor. 7, 5.
β) der zielpunkt ist gekennzeichnet.
1)) mit den unter α) 1)) angeführten belegen berührt sich aufs engste die wendung gegen eine person: jah gavandjands sik du þizai qinon. Ulfilas Luc. 7, 44 (er umkert sich. cod. Tepl., er wandte sich zu dem weibe. Luther), vgl. Tatian 138, 11: inti giwant ci themo wibe (conversus).
2)) sächlicher zielpunkt: thaʒ sio farento in burgi inti in thorf thiu thar umbi sint sih giwenten. Tatian 80, 1 (ut euntes in castella villasque ... divertant. Luc. 9, 12, saljaina Ulfilas, herberge [finden] Luther; widerkeren in di kastel cod. Tepl.); der nie sein handt mocht zum munde pringen der sich nie auff die andern seiten gewenden mocht. Gregors dialoge IV cap. 13.
3)) übertragung:

ni was, ther nan intfiangi,in gilouba gigiangi;
zi giloubu sih giwanti,thaʒ inan ouh irkanti.
Otfrid 2, 2, 25;

sam snelle du verendestan swaʒ du dich gewendest,
niht dir entwischetswes dich gelustet. genesis u. exodus 1, 113 Diemer;

wand ich enwil vurbaʒ durch dich
nimmer zu den goten mich
gewenden als die heiden,
noch min leben scheiden
von deme gewaldigen gote,
der mit sime gebote
himel und erden geschuf. pass. 341, 31 Köpke.


b) für den intransitiven gebrauch ist das compositum ganz auf die älteste sprache beschränkt. jah gavandiþs du siponjaim seinaim qaþ. Ulfilas Luc. 10, 23; inti giwant zi sinen iungiron quad (conversus ad discipulos). Tatian 67, 9; und er wandte sich zu seinen jüngern. Luther; Jhesus kert sich zu sein iungern. cod. Tepl.;

ni gifâhit iuih thaʒ heil,thaʒ eigit himilrîches deil,
zi themo scônen lanteîo iuer fuaʒ giwente.
Otfrid 2, 18, 8;

der trache vor im flôch,
sancte Silvester im nâch zôch
daʒ loch unʒ an daʒ ende.
der trache nemahte dô niht gewenden
weder hin noch her. kaiserchron. 10585
Schröder (var. wenden).


c) der transitive gebrauch hatte in der älteren sprache die gleiche breite entfaltung und weiterentwicklung erreicht, wie der reflexive; aus der neueren sprache sind hier nur wenig zeugnisse, darunter eins für die ursprünglichste und einfachste stufe, zu belegen.
α) verbindungen mit einem concreten object:
1))

und so ich mich mit dem sper vleiʒ
ûf ein langes puneiʒ,
sô kunde ich wol gewenden
daʒ ors ze beiden henden.
Hartmann v. Aue Gregorius 1443 Lachmann;

[Bd. 6, Sp. 5474]


der adelaer fliuget durh die lufte z der sunnen und wartet wol allen tak in den schin der haiʒen sunnen, daʒ er siniu ougen niemer gewendet. spec. eccl. 33;

da rieff sich Carl der Benteler
reicht mir die grosse büchse her.
dass ich sie kan gewenden. lied auf die eroberung von Hettstädt vers 5 bei
Soltau 2, 16.


2)) wie beim reflexiven so ist auch beim transitiven gebrauch die vorstellung der rückkehr am stärksten in der got. bibel entwickelt, neben gavandjan sik = zurückkommen stellt sich gavandjan = zurückbringen: Judas ... gavandida þans þrins tiguns silubrinaize gudjam. Ulfilas Matth. 27, 3 (er widerbracht di 30 silberin den fursten der pfaffen. cod. Tepl.; bracht erwider Luther).
β) übertragener gebrauch.
1)) der zielpunkt ist gekennzeichnet: jah mahta ... gavandjan hairtona attane du barnam. Ulfilas Luc. 1, 17; thaʒ her giwente herzun fatero in kind inti ungiloubfolle zi wîstuome rehtero (ut convertat). Tatian 2, 7 (daʒ er beker di hertzen cod. Tepl. zu bekeren die hertzen der veter. Luther);

dat ick enen guden man bekande,
dar ick min herte to gewande. hartebok 226 f. 28a bei
Schiller-Lübben 2, 101a;

denn es wil sich nit leiden, die weil gott so vil an uns gewendet. Luther hauszpostil (3 trin.) von ostern bis advent s. 83 (ebenso in d. niederd. übers.);

si wâren guote knehte,
thes keiseres vore vehten.
ire vanen sie gewanten
nie ze theheinen werltlîchen scanten.
Konrad Rolandslied 73 Bartsch;

dannoch gewende ich mînen sin,
... kûm' oder niemer dar an,
dar an sich alse manic man
versuochet unde verprîset hât.
Gottfried v. Straszburg Tristan 4921 Bechstein;

ich bite alte unde iungen,
die da lesent, als hie geschriben steit,
daʒ mih ir aller hovescheit
entschuldigen muge umbe daʒ,
wan ich niet ze diutsche baʒ
mohte gewenden daʒ latîn,
daʒ es behielde diutschen sin. spruchged. v. Salomo u. Morolf einl. bei
Pieper;

hie sichst du wie die welt verblendt
all erberkeit z bsem gwendt,
wie Rom tht liegen mer vnd mer,
vnd heisszt das nennen gttlich ler.
Hutten (Vadiscus) 4, 260
Böcking.


2)) der zielpunkt ist nicht gekennzeichnet:

ich hân den muot alsô gewant,
swie ich daʒ gewende,
daʒ mir ân dich alliu lant
sint ein ellende.
Hartmann v. Aue 1. büchlein 1704 Haupt.


3)) statt des zielpunktes ist der punkt angegeben, von dem die bewegung weggeleitet wird:

sin kan niemer von ir liebe mich gewenden.
Walther 94, 9;

ouch solte mich wol helfen daʒ
daʒ ich ir ie was undertân.
sît ichs began,
so enkunde ich nie den stæten muot
gewenden rehte gar von ir,
wan si daʒ beste gerne tuot.
Fr. v. Hausen minnes. frühl. 43, 8, ebenso
Neidhart 11, 28 Haupt (var.: bewende)
Ulrich v. Lichtenstein 105, 13 Lachmann;

daʒ si mich von der selben stat
nie lieʒen wider wîchen, noch gewenden,
ich enlobt' in ê, ich hülf' ir not vol enden.
Walther v. Mezze bei v. d. Hagen 1, 308a;

so wir unser dinc nu genden,
die nôt von uns gewenden,
diu uns nu sô ze rucke lît,
so gebietet eine hôhgezît
wol hêrlîch unde rîche.
Gottfried v. Straszburg Tristan 1622 Bechstein.


2) in der letzt belegten verbindung führt auch gewenden zu der bedeutung 'abwenden, aus dem wege räumen' über, die am einfachen wenden so häufig belegt ist (vgl. mhd. wb. 3, 689b). am compositum ist sie, in der älteren sprache nur für den Heliand bezeugt, vgl. dazu gewenden ... afkeeren, afwenden Verwijs u. Verdam 2, 1886. häufiger begegnet sie in neuhochdeutschen belegen:
a)

thôh gidôn ik, that it ênig rinkô ni mag
wordun giwendian endi it skal giwerdan sô. Heliand 2760;

[Bd. 6, Sp. 5475]



daʒ büechel sul wir enden,
den wîsen liuten senden,
die künnen wol gewenden
der untugende schenden.
Seifried Helbling 7, 1249. Seemüller 278;

was ich nit kan gewenden,
der sorgen ich nit wil,
ich wil es schlahen von hennden,
und got das lassen enden,
verlorn ist das spil. Hätzlerin 1, 111 (s. 83);

auch raisʒ das eis etlich müllin hin und fürt si uncʒ uf die plaich und tätt auch so groszen schaden an der prugg, das man maint, man möcht den schaden mit 300 pfd. Regenspurger nicht gewenden. Augsb. chron. (1407), s. deutsche städtechron. 4, 113; den selben gebresten wir aber nit wol einig gewenden und fürkomen mügen, on erber hülf und beistandt fürsten und der herren. und aber solich übel nieman bas gewenden mag. dann die bi einander gelegen und z friden geneigt sint. formulare u. tütsch rhetorica (1488) 31b; als rucktent wir mit der paner über die falbrug in, und msten also unser gtten frund gotes genoden losen warten und erslagen werden, das wir doch laider nut gewenden kundent nochte mochtent. Hans Brüglingers chron. (1444) s. Basler chron. 4, 179; nun gewonnen die Behem grosz leid und jammer, aber sie mochten das darmit nicht gewenden. buch der liebe (Melusine 31) 271a;

der ist ein narr der sorgt all tag
das er doch nit gewenden mag.
Brant narrenschiff 24 Zarncke 27a.


b) in dieser bedeutung berührt sich gewenden mit bewenden, seins bewendens haben, vgl. th. 1, sp. 1782. für beeinflussung von dieser seite her spricht: ... so deswegen wasz zue fordern vormeinet, genungsam gehöret unndt cum sufficiente causae cognitione beschieden wordenn, unnd es unsers bedünckens auch nachmalln darbei billich gewenden solte, so hat es doch ... auf fernere resolution auszgesetzt werden müszen. steuerrelation von Wartenberg, in verhandl. u. correspondenzen d. schles. fürsten u. stände. 44 Palm.
 
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gewendet , participiales adjectiv zu wenden (s. d.), unverkürzte form zu dem reicher entwickelten und bevorzugten gewandt, vgl. oben sp. 5304ff.
1) ehe die form gewandt mit den bedeutungen 'zugewandt, verwandt' (später auch 'geschickt, anstellig') vom verbalstamme sich isolierte, läszt sich die unverkürzte form wenig belegen. sie gehört zunächst der ältesten schicht althochdeutscher denkmäler an, und wird in der mittelhochdeutschen dichtung nur gelegentlich durch versmasz oder reim begünstigt.
a) her tho ci in giwentit increbota sie (et conversus increpavit illos). Tatian 136, 3 (er umkert sich. cod. Tepl. Luc. 9, 55; Jhesus aber wandte sich. Luther), ebenso 188, 6; odowan furtreten sie mit iro fuoʒun inti giwentite zibrehhent iwih (et conversi disrumpant vos). Tatian 39, 7 (so si werdent bekert. cod. Tepl. Marc. 7, 6; und sich wenden und euch zerreissen. Luther), ähnlich 160, 4, vgl. auch giweniten, contortum [hastile] glossen zu Vergils Aeneis (11, 561), s. Steinmeyer-Sievers 2, 668.
b)

diu ros nâch stichen truogendiu rîchen küneges kint
beide für ein ander,sam si wæte ein wint.
mit zuomen wart gewendetvil rîterlîchen dan:
mit swerten eʒ versuohtendie zwêne grimme man. Nibelungen 184, 3 Lachmann;

swar ie der kôr nu wære
ûʒ nâch der krümb gewente,
iedoch was der altære,
daʒ der priester reht gên ôriente
dârobe sîn antlütze muoste kêren,
swenne er der kristen sælde
und Christes lop zer messe wolde mêren.
Albrecht v. Scharfenberg jüng. Titurel str. 360 bei
Piper 2, 475;

swer diu (gottes wort) wol vernemen chan
unde si gerne wil erfullen
mit werchen ioch mit willen
zuo dem sint si wol gewendet
da sint si niht geschendet. die hochzeit, s.
Karajan deutsche sprachdenkm. 20, 22;

ich hân den muot und die sinne gewendet
an die reinen, die lieben, die guoten.
daz müez uns beiden wol werden volendet.
Walther 110, 20 Lachmann;


c)

ir schif sigelte hinab
nach gewentem gange,
doch sahen si vil lange
daʒ waʒʒer burnen alsam ein stro. pass. (1) Köpke 14, 43.

[Bd. 6, Sp. 5476]



2) nach der isolierung von gewandt sind es weniger die prädicativen functionen des particips als die attributiven, die die unverkürzte form begünstigen.
a) zeugnisse für die prädicative function: darnach schikten die von Zürich 7 hundert man wol bezugt, daʒ si gan Wesen ... do si heruf kamen gen Richtiswil, do wurden si daselbs gewent und ward inen geseit, die fient hettin ir statt zu Wesen selber angestoszen und verbrennt. chronik d. stadt Zürich 141 (quellen d. Schweizer gesch. bd. 18); dies sind die unterschied gebogen, gekrümmt gewendt, gewunden, gestreckt, gekrüpft und geschoben .. zum dritten würdet 'wenden' in den menschlichen gliedern gebraucht, als wenn einer das haupt umwendt, desgleichen den leib, die arm, schenkel. und den meisten theil der glieder mögen also gewendt werden. Dürer von menschlicher proportion 233 Lange; in die flucht gewendt oder geben, in fugam conversus Maaler 179a;

burger nun mach din testament,
din leben ist zum tod gewendt.
Nikl. Manuel (todtentanz) Bächtold 13;

beide in sich selbst gewendet, deutlich in ihrem wollen, fest in ihren vorsätzen. Göthe (die wunderlichen nachbarskinder) 17, 323; war auch dieses gute ... hertz beständig zu seinem gott gewendet. (Meisters lehrjahre) 20, 256.
b) attributive verbindungen: wa ich eben auch dasselbig schribe, würde ich augenscheinlich der alten auff solche schrifften gewendete arbeit hiemit unkräfftig machen. Ryff übersetz. von Artemidori traumbuch 74a; da der umfang des betriebes eines handwerks mit dem in dasselbe gewendeten capital ... im verhältnisz steht. Völker einschränkung der meister eines handwerks (1801) 19.
α) ghewendt brod, panis ovis maceratus, panis dulciarius. Kilian 146a, ebenso Henisch 1597.
β) gewendter rock, persica. vocab. theut. (Nürnberg 1482) M 5; käuffer hat bewilliget ... den 2 töchtern jeder ein gewenden rock, ein damaschken halskoller, ein gebet bette, wann sie sich verheuraten, ... auf einen tisch auszurichten. schöppenbuch von Tschechnitz (1597) bei Meitzen 178 (ob zu gewende gehörig? vgl. sp. 5472). andere bedeutung zeigt die gleiche verbindung in: ein gewendtes kleid, resarcita vestis Steinbach 2, 928; der erbprinz sollte eine reise nach dem orient antreten. seine hoheit der herzog verkaufte seine pferde, um zu sparen. Maria Carolina ging mit gewendeten kleidern. Hermann Bang ihre hoheit (deutsch) 43; ist es nicht rührend, den herrn der könige (Napoleon) zuletzt soweit reducirt zu sehen, dasz er eine gewendete uniform tragen musz? Göthes gespr. (mit Eckermann) 7, 204 Biedermann.
γ) obversa, gewendt schiff Frischlin nomencl. triling. 271a.
δ) ein kekhen gewenten pueben vgl. oben sp. 5309.
3) fraglich ist, ob in diesem zusammenhang auch gewendtes widt (geklobenes brennholz) gehört. Schmeller 22, 945 stellt es zu hwenjan, vibrare, quatere (vgl. Graff 4, 1228). nach allem scheint aber der schwerpunkt der bedeutung in dem aufschichten, nicht im spalten des brennholzes zu liegen, und diese bedeutung läszt sich auch aus wenden erklären.
 
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gewendig, adj. und adverb, vgl. DWB wendig. Schmeller 22, 945. ringen um ihren leib stark und gewendig zu machen. Kästner nach Adelung 2, 654; gewendig ... was gewendet, und in engerer bedeutung was leicht gewendet werden kann, gelenk. ebenda; gewendig, leicht beweglich. Fulda vers. e. t. idiotik. 580; gewendig, supple, pliant, active, nimble. Hilpert 463c.
 
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gewendigkeit, f., substantivierung des vorigen, vgl. Adelung 2, 654. Hilpert 463c: er ist ein schlauer, durchtriebener, verschmitzter gast, der sich mit einer wunderbarlich und unglaublich groszen hurtig- und gewendigkeit in alle dinge schicken und in allen sätteln reiten kan. Reiske Demosthenis u. Äschinis reden 1, 8.
 
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gewenen, verb., s. DWB gewöhnen.
 
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geweng, gewenge, n.
1) s. DWB gewänge sp. 5318.
2) nebenform zu gewende, gewann s. d.
 
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gewenken, verb. , verstärktes wenken (vgl. Graff 1, 694. mhd. wb. 3, 707 ff.). während das grundwort mit wanken (s. d.) zusammenfiel, ist das compositum in der

[Bd. 6, Sp. 5477]


neueren sprache ganz geschwunden. nur bis zum 16. jahrh. werden einige belege aus der frühneuhochdeutschen prosa durch den druck festgehalten.
1) schon in der älteren sprache beruht der gebrauch fast ganz auf übertragenen verwendungen, vgl. Graff 1, 696. mhd. wb. 3, 708. Lexer 1, 983. belege für die sinnliche grundbedeutung sind selten und verhältnismäszig spät:

sie hôrten sagen und singen,
vile maneger slahte seitspiele;
aller wunnen was thâ vile;
thie kuonen vrônekempen
vor ein ander gewenken:
sie hiuwen mit den sverten
ûf then vlins herten,
thaʒ thaʒ viur thâ ûʒ vlouh.
Konrad Rolandslied 654 Bartsch.


a) der ältere gebrauch ist auch durchaus intransitiv. persönliche, sächliche oder abstracte bestimmungen treten nur in losere beziehung zum verbum.
α)

ni sî thir in githankethaʒ ih thir io giwenke,
druhtin mîn liobo;thes duan ih thih giloubo.
Otfrid 4, 13, 27, ebenso 13, 51;

ich diende eim der heiʒet got,
ê daʒ sô lasterlîchen spot
sîn gunst übr mich erhancte:
mîn sin im nie gewancte,
von dem mir helfe was gesagt:
nu ist sîn helfe an mir verzagt.
Wolfram Parzival 447, 28 u. a., vgl. mhd. wb. 3, 708b,

ich muoʒ dur sî unstæte lân.
ich getar von ir gewenken niht.
der von Gliers bei
Bartsch schweiz. minnes. 192.


β)

er sîna hant tho thenitathen sînan kneht thar nerita,
rafsta nan thô wortothero ungilouba harto;
ziu er scolti io thes githenkenjoh muates io giwenken
ouh forahten todes suâriunʒ er mit imo wâri.
Otfrid 3, 8, 45 (vgl. Matth. 14, 31), ebenso 4, 13, 18;

von hiute über hundert jâr
gewancte ichs nimmer umbe ein hâr,
ir wille ensî mîn besteʒ heil.
Hartmann Erec 9521 Lachmann;

wil du mich bedencken
ich newil von dînem dieneste niemer gewenken. kaiserchronik 11969 Schröder;

kint, unt welle dich geluke mîden,
daʒ dir got armuot gebe an lîbe und ouch an guote,
daʒ solt gedulteklich lîden,
und ensolt dar umbe han kein trûren in dem muote;
du solt im es genâde sagen mit herzen unt mit gednken,
nie mêr solt du dar an gewnken:
sich, so heiʒet er dir dort die werden fride schenken. lobgesang auf Maria (nach der groszen Heidelberger liederhandschr.
Pfaff s. 1208).


b) der transitive gebrauch hat sich erst secundär entwickelt. den übergang vermittelt das verbalsubstantiv des gleichen stammes (wanc) als object:

ich muoʒ ir stæten herzen liebe alsus erwerben,
daʒ ich gewenke nimmer wanc
von in.
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 425, 5.

fraglich ist das folgende beispiel, weil aus dem relativpronomen eben so gut das subject als das object ergänzt werden kann:

dâ got selbe ist der sunne,
ist der tac, ist diu wunne,
die nehein trûbe chrenket
unde niemer gewenchet.
Wernher Marienleben 2592,
Piper geistl. dichtung 1, 256;

sicher gestellt ist dagegen der transitive gebrauch in:

die rîchen burgêre
sâʒen z'einen stunden,
die vremden mit den kunden,
z'einem wîne der was gût,
der dicke trûrigen mût
ze vreuden kan gewenken gar. Wiener meerfahrt 89 Lambel;

gewenken tritt hier in bedeutungsgemeinschaft zu gewenden (s. o.) über.
2) bei Tauler ist es der transitive gebrauch, der am verbum weiterlebt: aber sein schifflin wirt wol von aussen gewenckt und bewegt aber doch bleibt es inwendig in gtem warem frid. predigten (druck von 1521) 88c. hierher ist wohl auch unter annahme einer ellipse des objectes zu stellen: wer dein schiff, dein gemt hart geanckert an den herten stein, von dem sant Paulus spricht, so möcht dir weder tod noch leben, noch fürstengel, noch gewaltengel, da von gewencken. ebenda 88b.

 

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