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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewelf bis geweltig (Bd. 6, Sp. 5461 bis 5465)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewelf, nebenform zu welf (s. d.), wohl veranlaszt durch die doppelte beziehung sowohl auf welf, wolf, als auch auf den stamm der Welfen (Guelfi):

er hat uns recht in der suppen lassen stan,
ich dien jm nicht mehr, solt ich umb brot gahn.
es mag jm der teuffel helffen,
zu Wolffenbüttel zeuget er schwerlich mehr junge Gwelffen (var. gewelffen, welffen). ein lustig gesprech der teuffel ... von der flucht ... Heinrichs von Braunschweig (1542) a 4a.


 
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gewelinge, pluraletantum; unter dieser form setzt Bobrik naut. wb. 315a ein substantiv ein mit der bedeutung

[Bd. 6, Sp. 5462]


von bulk-heads, schwed. gäflingar, dän. gevelinger, holl. gevelingen (schotten oder bretter .. das übergehen oder nach einer seite hinrollen der ladung zu verhüten). Stenzel deutsches seemännisches wb. 146 führt als plattdeutsch die formen geveling, gevelung, gebeling (längsschotten) auf, die besser zu den anderen germanischen formen stimmen. zu der adverbialbildung gweling vgl. DWB gewelle, DWB gewel.
 
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gewelkt, participiales adjectiv zu welken (s. d.), vereinzelt neben verwelkt gebraucht:

also kommt, wenn ein sturmwind braust, mit gewelkten und frischen
blüthen, auch eine der schon gebildeten früchte geflogen.
Klopstock Messias 16, 407;

wenn ... ich dann einige gedörrte pflaumen entweder ihrer güte oder meiner list zu danken hatte ... ich besah kästen, säcke, schachteln ... griff endlich zu den vielgeliebten gewelkten pflaumen. Göthe (Wilh. Meisters lehrjahre 1, 5) 18, 22.
 
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gewelle, gewell, gewel, n. wie oben zu gewäll (sp. 4910) bemerkt, sind in allen diesen formen zwei durchaus verschiedene worte überliefert: ein substantiv, das auf wellen, willen, wollen, wullen (nauseare) zurückweist, vgl. Lexer 3, 892 und ein anderes, das man sowohl als collectivbildung zu welle, wie auch als verbalsubstantiv zu wellen (wälzen, rollen, Lexer 3, 754) ansprechen kann.
1) bei dem ersten der beiden substantiva hat die neuere sprache gerundeten vocal durchgeführt, s. DWB gewöll.
a) während das zugehörige verbum auch althochdeutsch häufiger belegt ist (vgl, auch das subst. wilido, willod, nausea Graff 1, 838), erscheint das subst. gewel, gewell erst spät, in den thierarzneibüchern der mittelhochdeutschen zeit, wo es nicht für vomitus, sondern für vomitorium gebraucht wird: darnach des andern tages soll er ain halbtail ains diechs von ainem hn nemen und drui gewël, die man underweilen macht von vedern und underweilen von pamöle, legen in ain kalt wasser und dar inn lassen ligen; des morgens an dem dritten tage so soll er im dann geben das halbtail des diechs und die drui gewël ..., und zu vesperzeit sol er in aber ätzen mit den gewëlen. Mynsinger von den falken 20 Hassler; und ist zu merken, das ettlich die gewël der falcken anders machen, dann vor geschriben ist, wann si nemen flaisch, das in starkem essich gelegen ist, und stoszent das in gepulverten pfeffern und gepulverten mastix und in gepulvert pitter öl ... und gebent das dem falcken; aber das selb gewël sol man kainem vederspil geben, es hab dann vil kalter schleimiger flüsse an im. 21; ebenso 39; und mag damit der habich nit essen, so sol man im geben ain gewël von jungen meüszen und von jungen sparn, so würft er es wider und wirt gesunt. ebenda 53. vgl. auch gewelle in der Münchner handschr. aus 1442 (von spur und suchen gewildes) bei Schmeller 22, 887; und gib jm (dem falken) nit mer dan ein halbs kölblin von einer hennen in frisch wasser, darinn mach drei reinigung, so man z teütsch guel nennt, die werdend von fäderen, und am besten von baumwullen gemacht ... etliche aber machend jre guel anders, und stossend in gepülverten pfäffer mastix und butter vermischt, und gebends dem falcken. Geszner vogelbuch 148b; den dritten tag sol er dir widerum zur handt stehen, und wann er die federn und sein gewell von sich geworffen und aussgeschmeisset hat, sollestu ihn mit frischem gutem warmem fleisch locken. adeliche weydwerck, anderer theil 32b; man gibt ihm (dem habicht) auch zu zeiten gegen der nacht ein gwell wie dem falcken, da wirfft er morgens wider. Heupold wörter v. weidwerk (Basel 1620); man locket, ätzet sie (falken und habichte) auf dem luder, das luder giebt man aus, man giebet ihnen, zu ihrer zeit gegen den abend zu werffen, das ist auf grob teutsch, ein gewöll. Becher haus - vater s. 718. ghewelle, purunda accipitrum Kilian 146a; vgl.ghewelle Oudemans 2, 659, gewölle bei H. Laube jagdbrevier 258.
b) die bedeutung vomitus findet sich später und in der allgemeinen litteratur:

wie wir zrichten vil der trachten
do mit den glust, und magen reitzen
mit kochen, sieden, broten, schweitzen,
mit rösten, bachen pfeffer bri
voll zucker, wartz, und spetzeri

[Bd. 6, Sp. 5463]



geben wir eim ein oxymell
der bi der stägen leidt gewell
oder msz das von jm purgieren
mit siropen, und mit klistieren.
S. Brant narrenschiff 81 Zarncke, vgl. 82, 34 (gewäll);

doch werden die jr lügen wieder in sich, wie der hund sein gewell fressen müssen. L. Thurneisser von probierung der harnen 47; je mehr mich eines dings ein gewel und unwill ankompt. Agricola spr. 157a.
2) das zweite substantiv ist früher belegt, erscheint aber auch in der neueren sprache immer wieder an der oberfläche. möglich ist freilich, dasz mehrmals neuschöpfungen unmittelbar aus dem substantiv welle erwuchsen. so knüpft der mittelhochdeutsche gebrauch viel unmittelbarer als der althochd. an die grundbedeutung des substantivs an, und das gleiche läszt sich beim neuhochdeutschen gebrauch beobachten.
a) in der althochdeutschen periode (vgl.kawel, kewel, DWB gewel Graff 1, 794) beschränken sich die belege auf die glossenlitteratur. neben der ursprünglichen sinnlichen bedeutung entwickelt sich auf der grundlage der collectivvorstellung der abstractere begriff masse.
α) procellas, gewel, Reichenauer glossen zu Gregors cura past. (3, 27) Steinmeyer-Sievers 2, 236; cumulos (undarum) giwel Freisinger glossen zu demselben (3, 32), ebenda 2, 175; der geist der gewelle (procellarum) Windberger interlinearversion der psalmen (10, 7) 35 Graff; in crepidine (in untiuphi) santgewelle Windberger glossen zur bibel (2 Mose 2, 5) Steinmeyer-Sievers 1, 326, vgl.santgewelle Graff 1, 257, sandwelle th. 8, sp. 1774.
β) massam (picis) Tegernseer glossen zu Vergil (Georg. 1, 275) Steinmeyer-Sievers 2, 628; massa caricarum, kawel ficephileo Junische u. Reichenauer glossen (1 Sam. 25, 18) 1, 284.
b) die mittelhochdeutschen belege (vgl. gewille mhd. wb. 3, 674b) lassen dem gegenüber nur die sinnliche vorstellung der welle zur geltung kommen, auf ihr beruht auch der übertragene gebrauch, den die ältere geistliche litteratur davon macht; an diese sind auch einige schriftsteller aus der übergangszeit zur neuhochdeutschen periode noch anzuschlieszen, vor allem Geiler, der das collectiv sogar in der pluralform gebraucht.
α)

daʒ triben si vil mangen tag
untz ains mals deʒ meres pflag
ain wint mit starkem gewil. Hero u. Leander 109 bei
Laszberg 1, 338;

der junckher wart unfro
und tacht wie eʒ jm solt ergan
das gewil traib jn hin und dan. 342, ebenda 1, 344, vgl. auch gewill 336.


β)

da was miner vordern hein
zim tiuschin huse ein bruoder
den gotes minne ruoder
ab dem tobenden sewe schielt
der nie rehter ruowe wielt
noch dekeiner senfter stille
wan daʒ süntlich gewille
wirfet uns nu her nu hin
in so mengen frömden sin.
Hugo v. Langenstein Martina 292, 44 Keller 735;

das es (das schiff) nit undergang von den gwellen und widerwertigen wind. Geiler v. Keisersberg schiff der penitenz 28a; etlich gwellen und wassertropfen die da kommen in das schiff so wir die löcher nit verstopfen. nimm zum ersten die gwellen der todsünden. ebenda 17b, ebenso 29b, vgl. Ch. Schmidt 144. 161; wenn dʒ schiff dins hertzens wil undergon, so der wint an din hertz stoszt, und das understot zbrechen, und die gwellen des ungestimen meres, die tüfelischen anfechtungen dir din hertz umbgeben und bedecken, so schri mit sant Petro den herren an und sprich. christl. bilger 30a.
c) in der neuhochdeutschen periode führt der ältere gebrauch zunächst die grundbedeutung weiter, später erweitert sich die verwendung durch übergang auf andere wellenförmige erscheinungen.
α)

gar bald ein ungewitter kam
gewaltigklich den segel nam,
das meer gewell in höch auffzoch
die rder in dem schiff zerbrach.
Virgil übers. von
Murner (Äneis 1. buch) 6a;

da kam ein schwartzer wolcken her
der uns den tag entzucket gar

[Bd. 6, Sp. 5464]



und ward gantz finster da geschwind
und das meer brausen von dem wind,
das grosz gewell uns gar zerstrewt. (3. buch) 59b;

ein ander wind kam grausamlich,
drei andre schiff zuckt er mit jm,
und warffs in sandtgwel schedlich hin
umbgabs mit sand, und stiesz sie an. (1. buch) 6a;

gewill des meeres. ps. 68, 23 Züricher bibel (aus der tieffe des meers. Luther); dargegen habend etwan die meer und stillstonden wasser, von dem gantzen erdtrich mit jrem ungestümen gwell durch lenge der zeit, grosse stuck abgerissen, und inszlen gemachet, die vormals dem erdtrich angehefft warend ... und hat sich offt ein see oder meer durch einflüsz ausgefüllt, und an einem andern ort durch das ungestüm gwell widerum auszfrässen, den boden an sich zogen und sich geweitert. Stumpf schweiz. chron. (5. buch) 2 (1548), 50a, ebenso (1606) 390a. von hier abgeleitet gweling: ward der wind so heftig, daz die anker nit huolten und muosten gweling farn mit sturmwind. tagebuch des Lucas Rem (jahresber. hist. ver. v. Schwaben 26, 10).
β)

erschäumt das gewelle hoch drüber her!
Usteri (das fräulen von Österreich) 1, 152;

nun mochte kriegslärm nimmer ruhn,
schlachtreihn durchritt der kriegstribun,
nachts über wellen tönte
die tuba fremd und grell,
und laut herein schlug durch's gewell
das roszgestampf, davon die erde dröhnte.
Lingg (das fest in Lindau) ged. (1866) 277;

dort einst an der mauerwarte
stund ein junger kriegsgesell,
neben ihm die feldstandarte,
sah er durch die mauerscharte
düster in das seegewell. (seebilder 1) ged. 3 (1870), 189.


γ) Ezzelin .. wühlte .. mit den gespreizten fingern der rechten in dem gewelle seines bartes. C. F. Meyer (hochzeit des mönchs) nov. 2, 32; vgl. auch E. Wülfing z. f. d. u. 14, 308 ff.
 
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gewellfisch, s. gwellfisch.
 
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gewellig, adj. und adv., mundartliche nebenform zu gewaltig (s. d., vgl. auch gewalig). vgl. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 163.
 
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gewellt ,
1) participiales adjectiv zu wellen (wallen machen), vgl. mhd. wb. 3, 471a. Lexer 3, 754: so sie das mit gewelter geiszmilch einnehmen. L. Thurneisser beschreib. influent. wirkungen aller erdgewächse 64; gewellte milch, lac passum. Kirsch corn. 2, 151a. Aler 935, vgl. die form gewallen (gewallen wîn) sp. 4910.
2) der neueren sprache gehört eine verwendung an, die unmittelbar aus dem substantiv welle erwächst: gewellt, wellenförmig, wellig.
a) sie standen auf einem jener gewellten hügelzüge, die sich so oft in den marken mitten aus dem flachen bruchland erheben. W. Alexis Isegrimm 7; wir verloren uns in den dolmenreihen des sanftgewellten plateaus. Hassert reise durch Montenegro 57; es gab andere tage, an denen der westwind die see zurücktrieb, dasz der zierlich gewellte grund weit hinaus freilag und überall nackte sandbänke sichtbar waren. Th. Mann Buddenbrooks 2, 356.
b) dazu ein rötlich schimmerndes, üppiges haar, von dessen seide jeder einzelne faden hundertfach gewellt war. Gottfried Keller (Züricher novellen: landvogt v. Greifensee) 621, 190; das weich gewellte hellbraune haar in die flache hand gestützt, musterte Hanno das manuskript. Th. Mann Buddenbrooks 2, 192.
c) gewellte feuerbuchse, feuerbuchse mit wellenförmiger oberfläche, durch welche bei erwärmung ein ausgleich der ausdehnung bewirkt ... wird. Stenzel deutsches seemännisches wb. 118.
d) unbehindert von knorrigen falten erschien die sichere zeichnung des wohlgeschaffenen männlichen bewegungsorgans in ihrer kraft und schönheit. ... 'ja! ja .... ich hab' keine so gewellten tanzbeine .....' Friedr. Theodor Vischer auch einer 113.
 
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gewelm, gwelm, s. DWB gewölbe.
 
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gewelsch, gewelsche, n., verbalsubstantive zu welschen (s. d.): da war ein seltzam gewelsch (der zigeuner) zu hören und ein geschwinder aufbruch zu sehen. Grimmelshausen (Simpl. 2, 1, 5: Springinsfeld) 3, 37 Keller; der innewohnende bildungstrieb entwickelt selbständig ein reines urtum, was zur lebenerhaltung jede fremdheit

[Bd. 6, Sp. 5465]


von sich weiset und gemisch und gewelsch als den tod der einheit zu fliehen hat. F. L. Jahn 2, 2, 767.
 
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gewelscht, participiales adjectiv zu welschen, vgl. verwelscht: vors dritte, die gewelschte Teutschen dardurch zu uberzeugen, wie undanckbarlich sie sich an der muttersprach nit allein, sondern auch an sich selbst vergreifen. Opitz teutsche poemata (vorr.) neudr. 1.
 
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geweltig, s. gewaltig.

 

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