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geweist bis gewelkt (Bd. 6, Sp. 5460 bis 5462)
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[Bd. 6, Sp. 5460]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweist , participiales adjectiv zu weisen, geweisen, s. d. es ist in der neueren zeit, entsprechend der überführung dieser verba in die starke conjugation, durch gewiesen (s. d.) zurückgedrängt, aber nicht ersetzt.
1) auf wîson, vor allem auf dessen umfassende grundbedeutung läszt sich die in bayrischer mundart entwickelte bedeutung 'mit geschenken zu jemand kommen' zurückführen, vgl.: die geweiste oder geschenkte hôchzeit, eine solche, wobei geweist wird. Schmeller 22, 1027, vgl. dazu: item swester Anna Knoglerin jr pruder hat ir 42 dn geweist zu ir profess. (1519). Altenhohenauer wirthschaftsb. codex germ. Monac. 697, s. 45 u. a., ebenda.
2) gröszere verbreitung haben verwendungen, die an wîsjan anknüpfen. sie führen jedoch nur die letzt erwähnten bedeutungen weiter, andere, wie die von vocare, haben sich am isolierten particip nicht entwickelt.
a) ein participiales adjectiv ist schon mittelhochd. aus ungewist zu erschlieszen: (des lebens die ungewîsten Lohengrin 71) vgl. zum waidtwerk hat er ain besondern lust gehabt ... und zwen geweist jäger, der ain Feuerle, der ander Maute gehaizzen, bei sich erhalten. Zimmersche chron. 1, 480 Barack.
b) auszerdem knüpft an die beliebte verbindung auf einen weg weisen, einen weg weisen ein reger gebrauch an:

sît sie mit rehten mæren
ûf den wec gewîset waren. Flore 3218 Sommer;

dâ er die juncvrouwen vant ...
diu wîste in die vil rehten wege.
Hartm. v. Aue Iwein 6875.

lieben hat seinen geweiseten wege. aber es ist kein grösseres laster, als wann man seine zuneigungen halb hieher, halb dahin wendet. Barclay Argenis (2, 2, 4), übers. v. Opitz 2, 116 (ebenda 2, 7, 7: es hat alles seinen gewiesenen weg); bei dieser bewandnüsz nun, gleich wie es mit denen frantzösischen sünden und kranckheiten seine geweisete wege hat und kein mensch solche vertheidigen wird. Chr. Thomasius von nachahmung der Franzosen 5 neudr.; sind sie auch ihrer sache recht gewisz? hat es damit seine geweiszten wege. Reiske an Lessing (werke 131, 447). geweiste wege ist schlecht, man könnte gewisse wege dafür sagen. Heynatz handbuch zu richtiger verfertigung von aufsätzen 283b. vgl. Schmeller 22, 1026.
c) eine andere enger gebundene verwendung knüpft an fälle an wie:

tu ûf die ougen unde sich
waʒ ich dir wîse! diʒ geschach.
vier schône vaʒ er dô sach. pass. 44, 55 Köpke;

wie geweister wein geschenkt werden soll. so hinfüro imandt inn einichen seinen wein, den er zu der tafel einsetzt, durch die geschwornen weinkieser das weisen gegeben wirdet, unnd dann derselb weinschennck dasselb geweist fass aufftut unnd schennckt, so soll derselb weinschennck ... alle die weil derselb wein, darein er das weisen erlanngt hat, vorhannden und unaussgeschenckt ist, keinen anndern wein auffthun oder schencken. Nürnberger polizeiordnung (14. jahrh.) Baader 250.
 
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geweissigt, participiales adjectiv zu weissigen, nebenform zu weissen, vgl. geweisst: ein geweiszget ding oder werk, als ein geweiszgete wand, albarium, tectorium opus. Maaler 179b; geweissigt (mit silber) mit geld wohl versehen. wb. d. gaunersprache bei Avé-Lallemant 4, 544.
 
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geweisst , participiales adjectiv zu weissen (weiss machen), s. d., vgl. ahd. hwîʒjan Graff 4, 1244. vgl. niue dealbabuntur ... danne werdent siê gewîʒet. Notker ps. 67, 15 (werdenn sie schnee weisz werden. Luther neben anderen lesarten); si was ze êrist fusca (swarz) ... aber confitendo ... ward si dealbata (kewîʒʒit) 103, 1.
1) die isolierung des particips geht von einer gebrauchsverengerung des verbums aus, die auf das oberdeutsche sprachgebiet beschränkt scheint: weissen ist hier vorzugsweise auf die weisze farbe des kalks bezogen, mit dem man wände, decken u. a. bewarf: item im jar 1493 do wart die kirchen zu sant Sebolt geweist und verneut inwendig. d, städtechron. 11 (Nürnberg), 505. in dieser verwendung concurriert weissen mit dem allgemeiner gebrauchten lehnwort tünchen, vgl. auch getüncht sp. 4588 ff.
a) dieser gegensatz zwischen dem sprachgebrauch der einzelnen gebiete zeigt sich vor allem in der bibelübersetzung. schon die glossen zu Gregors cura pastoralis geben sepulcra dealbata mit giwiztiu wieder. Steinmeyer-Sievers

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2, 196; dazu vgl. ir geliche birut giwiziten grebiron. Tatian 141, 22; den geweisten grebern codex Tepl. Matth. 23, 27, ebenso Mentel, Eggesteyn, Koburger, Arndes, Emser, Züricher bibel; gegen seid wie die übertünchte greber, welch auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller todtenbein. Luther (Beheim: gezîrten), ebenso Dan. 5, 5; desgleichen: got niderslach dich du geweiste wand. codex Tepl. apostelgesch. 23, 3 (du getünchte wand Luther; in nachdrucken geweisst; das gleiche als erklärung des unverständlichen getüncht bei Petri, vgl. sp. 4589); was meinest das Paulus mit der geweisten wand gemeint hab. Karsthans (Hutten 4, 638) Böcking; eine geweissete wand. A. Reyher lex. lat. germ. 1, 242.
b) die neuere sprache hat wie bei getüncht, so auch bei geweisst das particip in der verbindung mit substantiven auch in sprachgebiete vordringen lassen, die gegen die übrigen formen des verbums spröder sind:

lobt nicht der fremde bei uns die ausgebesserten thore,
und den geweissten thurm und die wohlerneuerte kirche?
Göthe (Hermann u. Dorothea) 40, 259;

hier wohnt der frieden auf der schwell'!
in den geweiszten wänden hell
sogleich empfing mich sondre luft,
bücher- und gelahrtenduft.
Mörike (der alte thurmhahn) 1, 197;

keineswegs hab' ich sie zwischen diese geweiszten wände in diese höchst unedle umgebung berufen; ein so schlechter hausrath fordert nicht auf, sich höfisch zu unterhalten. Göthe (Wilh. Meisters wanderjahre 2, 5) 22, 116; es war ein kleines geweisztes zimmer, die möbel mit rother oelfarbe gestrichen, aber sauber gewaschen. G. Freytag (soll u. haben) 5, 25; mit überlegener gewalt drängte der stämmige proletarier den schwachen junker gegen die geweiszte wand eines hauses. G. Taylor Elfriede 70; der saal war kalt, kahl, scheunenartig, mit geweiszter decke, an der die balken hervortraten, mit geweiszten wänden. Th. Mann Buddenbrooks 1, 258.
2) von den wörterbüchern führen nur die älteren das particip für sich an, und diese zeigen es losgelöst von den verbindungen, in denen es in die neuere schriftsprache überdrang: geweisset, dealbatus, von weissen. Henisch 1595; geweisset, blanchi, bianchito, biancato Hulsius (1616) 138a, ähnlich Rädlein 382b; geweisset, geweiszt, blanchi, dealbatus vide weissen Duez 198b. Pomey 133; geweisst, dealbatus, mit kreide geweiszt, cretatus Kirsch 2, 180a.
 
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geweit, adjectiv und adverb, mundartliche verbreiterung zu quitt, quît, queit, vgl. oben th. 7, sp. 2378. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 163 belegt diese form am Rhein und 'hier und da auf dem Westerwald'; dazu vergleiche auch Autenrieth pfälz. idiot. 53.
 
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geweite, n., mundartliche bildung zum fem. weite (s. d.), die in der bergwerkssprache der bedeutungsverengerung unterliegt: geweite ... (Nassau), ausgebauter thonschacht. Veith bergwb. 239.
 
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geweitet, participiales adjectiv, wie geweicht (sp. 5429) eine bildung des neueren stils, der verbrauchte wortformen durch abwerfung der präfixe wieder auffrischt (für ausgeweitet, vgl. erweitert): an beide teile schlosz sich dann jedesmal ein schlussteil, welcher auf grund der neueren forschungen über die alttestamentliche religion sowie unseres durch Babel, d. h. das babylonisch - assyrische altertum geweiteten gesichtskreises die religion Israels ... berührte. Delitzsch Babel u. bibel, ein rückblick u. ausblick 29; mit geweiteter brust ... rannten sie glänzenden augs durch den wald zu thal. R. Herzog das lebenslied 147.
 
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gewel, gewell, s. DWB gewelle und DWB gewöll.
 
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gewelbe, s. DWB gewölbe.
 
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gewelf, nebenform zu welf (s. d.), wohl veranlaszt durch die doppelte beziehung sowohl auf welf, wolf, als auch auf den stamm der Welfen (Guelfi):

er hat uns recht in der suppen lassen stan,
ich dien jm nicht mehr, solt ich umb brot gahn.
es mag jm der teuffel helffen,
zu Wolffenbüttel zeuget er schwerlich mehr junge Gwelffen (var. gewelffen, welffen). ein lustig gesprech der teuffel ... von der flucht ... Heinrichs von Braunschweig (1542) a 4a.


 
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gewelinge, pluraletantum; unter dieser form setzt Bobrik naut. wb. 315a ein substantiv ein mit der bedeutung

[Bd. 6, Sp. 5462]


von bulk-heads, schwed. gäflingar, dän. gevelinger, holl. gevelingen (schotten oder bretter .. das übergehen oder nach einer seite hinrollen der ladung zu verhüten). Stenzel deutsches seemännisches wb. 146 führt als plattdeutsch die formen geveling, gevelung, gebeling (längsschotten) auf, die besser zu den anderen germanischen formen stimmen. zu der adverbialbildung gweling vgl. DWB gewelle, DWB gewel.
 
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gewelkt, participiales adjectiv zu welken (s. d.), vereinzelt neben verwelkt gebraucht:

also kommt, wenn ein sturmwind braust, mit gewelkten und frischen
blüthen, auch eine der schon gebildeten früchte geflogen.
Klopstock Messias 16, 407;

wenn ... ich dann einige gedörrte pflaumen entweder ihrer güte oder meiner list zu danken hatte ... ich besah kästen, säcke, schachteln ... griff endlich zu den vielgeliebten gewelkten pflaumen. Göthe (Wilh. Meisters lehrjahre 1, 5) 18, 22.

 

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