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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
geweihwechsel bis geweisen (Bd. 6, Sp. 5455 bis 5456)
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[Bd. 6, Sp. 5455]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweihwechsel, m.: der geweihwechsel (hängt) mit dem genitalverhältnisse ... zusammen. Behlen 417.
 
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geweilen, verb., verstärktes weilen, s. d.:

... das läger thet man schlagen,
die im schlosz schoszen zu uns heraus,
wünschten uns ein gutten tage.
wir liszen alle ding wol geweilen,
und wolten mit dem geschüz nit eilen,
bisz es uns war gelegen. das Helffensteiner lied bei
Adrian mittheil. aus handschr. 130.


 
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geweil, n., bravium, geweill, gemma gemmarum (1507) Diefenbach 81a; die parallele mit βραβεῖον (kampfpreis, vgl. bravium, zil, lauffers ... lon, wedelopers danck ... lobe krone. ebenda) verbietet, auf wîla, wîle, velum s. u.) zurückzugehen; sie nöthigt vielmehr, an hwîla, wîle, weile, zeitpunkt anzuknüpfen, wobei die grundbedeutung von weile herangezogen werden musz.
 
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geweilt, gewilt, participiales adjectiv zu weilen, wîlen, velare, vgl. Graff 1, 895 (wîlôn); mhd. wb. 3, 671a; Lexer 3, 887. das wort ist in bezug auf die einschleierung der gottesbräute gebraucht und erscheint schon in den Monseeer glossen zum africanischen konzil. velata, giwilotiu; non velata, ungiwilotiu. Steinmeyer-Sievers 2, 122; ein magt solt also blug und also schämig sin das si keinen man mit vollen ougen niemer solt an gesehen und sunderlich ein gewiloti magt diu solt iren wil alwegent vor irem antlüt haben das man si ouch kum möchti angesehen. altdeutsche predigten s. 203 Wackernagel;

dî clôster gar vorbrunnen;
der reinen clôsternunnen,
dî gote wârin kûsch gewîlt.
Jeroschin 26, 538;

es ist och gedinget, alle die wil, daʒ Agnes Frigelin lebet, du och ein gewiltù frowe ist, in dem vorgenanten unserm closter. urk. von 1356 aus dem kloster Lichtenthal, vgl. zsch. gesch. d. Oberrheins 8, 208, ebenso 219. 356. 439; so haben wir alle gemeinlichen gelobet ... daʒ wir durch deheinreleige sach willen, fruntschafft noch gunste, keine pfründe sollen geben in deheine wise, die wil unsere ein und funfczig gewilter frowen sint, mit sölicher bescheidenheit, wenne ein gewilte frowe oder me sterbent, daʒ gotte lange wende, so mogen wir also vil pfründen geben, als denne frouwen abegangen sint, die ouch gewilte frowen werden söllent, also daʒ wir alle zit bliben an der zal einer und funfzig gewilter frouwen. 345. ebenso 219. 353; der erwirdig vatter fünng an den frauen zue erzellen sein fürnemen und die päpstlicher gehorsame, das er nemlich solte abforderen 8 geweilet frauen, der namen in der obedients von dem päpstlichen stul geschriben sein. chron. d. Bickenklosters zu Villingen 24 Glatz; so mag die leischwester mit kochen, schüsslen weschen, fegen und andere werck eben als vil verdienen als die gewilte schwester (die eingekleidete nonne). Geiler christl. bilg. 189a, geweilte closter-frau, sanctimonialis. vocab. von 1482, vgl. Frisch 2, 434c.
 
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geweine, gewein, n., verbalsubstantiv zu weinen (s. d.). am frühesten belegt ist eine bildung, die sich in der form an die collectiva anschlieszt, vgl. gethierz u. a., vgl. gesteinze, gebeinze (vgl. Grimm gramm. 2, 214):

herr Dietherr von Isenburg bischof zu Meinz,
in der drîer hern land ist grôsz geweinz
von kindern, frauwen und auch von mannen. lied auf die schlacht bei Seckenheim bei
Liliencron 114, 6 (1, s. 529);

die heutige form, die mit der anderer verbalsubstantiva übereinstimmt, ist zuerst bei den Schlesiern belegt, und hat sich von da aus in der litteratur und in den wörterbüchern viel früher und nachhaltiger festgesetzt als andere ähnliche bildungen:

diss soll der trau-ring sein
diss klägliche gewein.
Gryphius (verliebtes gespenst 4) 315 Palm;

lasst uns den tag begehen
mit seuffzendem gewein. (Stuart 3, 490) 419;

die dunkel einsamkeit,
vorhin durch ihr gewein bethränet und beschreit,
soll nunmehr zeuge sein (ich hass, ich flieh Celinden)
dasz sie, Olympe, nur, nur mächtig mich zu binden. (Cardenio 4, 120) 314;

weinung, die, das weinen, it. das geweine, ploratus, fletus, lacrimatio. Stieler 2480; gewein, n. les pleurs, deploratio. Pomey 133; geweine (das), das stetige weinen, a

[Bd. 6, Sp. 5456]


long whining, weeping, crying, howling. teutsch-engl. wb. 2, 771; geweine, geween Kramer 2, 97a; das gewein oder das geweine Adelung 2, 659; geweine, continual weeping or crying. Hilpert 1, 463c;

so gebildet, so war, glaubt's dem begeisterten dichter,
einst als säugling Alcid, als durch sein erstes gewein'
Juno's schlangen geschreckt von seiner wiege zurückflohn.
Wieland (übers. v. Villoisons ged. auf d. geburt des erbprinzen von Sachsen-Weimar) 6, 50 Hempel;

dacht' ich's doch, dasz ihr's nicht wiszt (was sich heut nacht zugetragen). was ein geweine die stiege hinauf und hinunter, hört' mahl; hört ihr's jetzt? maler Müller (Golo u. Genovefa 3, 6) 3, 182.
 
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geweinen, verb. , verstärktes weinen, s. d.; die zusammengesetzte form ist wesentlich auf die mittelhochd. periode beschränkt, vgl. mhd. wb. 3, 558b. Lexer 1, 981, nachtr. 208.
1) absoluter gebrauch:

ez gât mir vonme herzen
daʒ ich geweine.
ich und mîn geselle
müezen uns scheiden. minnesangs frühling 9, 14 (
Kürenberg),

ebenso Hartmann v. Aue Gregor 2224 Lachmann; Konrad v. Würzburg Partenop. 6244. Wolfdietrich A 430. 436 u. a.;

Prünhilt diu schœne mit übermüete saʒ.
swaʒ geweinde Kriemhilt, unmære was ir daʒ. Nibelungenlied 1040, 2 Lachmann;

wan swie vil si gebetten unde geklageten unde geruoften unde geweinten diu fünf tûsent jâr unde zwei hundert jâr und ein jâr, daʒ half alleʒ niht, unʒ ein mensche wart geborn. Berthold v. Regensburg 1, 290 Pfeiffer.
2) relativer gebrauch:

so si vile geweinint und gesrient
zu unsirme h'rin. Hamburger jüngstes gericht,
Piper geistl. dichtung 1, 64;

welt ir mir wenden mîn heil,
sô lâʒ ich iuch vil lîhte ein teil
ê nâch mir geweinen (var. weinen),
ich enwelle mir erscheinen
wes ich mir selber schuldic bin.
Hartmann v. Aue armer Heinr. 833 Haupt;

ebenso Konrad v. Würzburg Partenop. 6348; alsô mugen wir arm suntære tuon; sô wir wol geweinen unser missetât, sô wirt uns ringe und als senfte, daʒ wir wol inne werden, daʒ unser sêle ist gevreut mit dem heiligen geiste. St. Pauler predigten 110 Jeitteles.
 
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geweinen, ndd., nebenform zu gewenen, gewöhnen, s. d.
 
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geweint, participiales adjectiv zu weinen (s. d.). ungewöhnlich ist die attributive function (vgl. verweint):

— ich aber wanderte und wanderte —
es blieb die sonne hinter mir zurück,
und nur ein paarmal merkt' ich, dasz sie trübe,
fast wie ein roth geweintes mutterauge,
mir durch die nebel nachsah.
Grabbe (don Juan u. Faust 1, 2) 2, 19 Grisebach.


 
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geweis, adj., vereinzelte nebenform zu gewisz, s. d.
 
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geweisch, n., mundartliches substantiv, in Schwaben und Mittelfranken (Eichstätt) belegt, s. auch weisch bei Schmeller 22, 1041; weisch, g'weisch, weischfeld, stoppeln, stoppelfeld. Schmid schwäb. wb. 524; im geweisch ackern oder geweischen, im herbst ein stoppelfeld umpflügen. Schmeller a. a. o.; weischrueben, geweisch-batzln, weisse rüben, auf ein feld gebaut, wo dasselbe jahr getraide gestanden ... stoppel-rüben. ebenda; um die zeit, da die felder geleert wurden, pflegten die gänse zu schränken ... dann trieb man auf das geweisch, wo sie von den abgefallenen aehren und körnern rasch schwer wurden. Michel Buck lebensbeschreibung in 'Bagenga', oberschwäb. ged. s. 44;

sobald der wind dur d'stupfla gôht ...
und's gweisch von spinnawebba glitzt. ebenda s. 94.


 
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geweisen , verstärktes weisen (s. d.).
1) die ältere sprache hatte zwei verba, verschieden in bildung, gebrauch und bedeutung, die hier beachtung beanspruchen: ahd. gawîsjan Graff 1, 1066 und gawîsôn ebenda 1068. schon in der mittelhochdeutschen zeit treffen beide verba in einer form zusammen, vgl. gewîsen mhd. wb. 3, 761a. 763a. Lexer 1, 993, nachtr. 209. da zudem in der gleichen zeit die sonderformen des gebrauchs, die mit gawîsôn

[Bd. 6, Sp. 5457]


verknüpft waren, zurücktreten, so verschieben sich die gebietsgrenzen; gawîsôn scheint ganz auszusterben, ist aber in einigen restverwendungen doch bis auf den heutigen tag vorhanden. vgl. unter geweist (1).
a) gawîsôn hat mediale actionsart, entwickelt jedoch aus der grundbedeutung 'sich umsehen' in der verbindung mit persönlichem object eine verwendung im sinne von besuchen, visitare.
α) in dieser bedeutung ist schon bei Ulfilas gaveisan belegt, während die zeugnisse für das simplex erst der althochdeutschen zeit angehören.
1)) das persönliche object ist im genetiv angeknüpft: siuks jah in karkarai janni gaveisodeduþ meina. Matth. 25, 43 (ir habt mich nicht besucht. Luther, ir haimsuht mich nit cod. Tepl.); ebenso Luc. 1, 78. 7, 16; ähnlich Luc. 1, 68.
2)) bei der umwandlung in die passivconstruction wird das im genetiv angeknüpfte object nunmehr subject: jah gaveisodai vaurþun dauravardos Neh. 7, 1 (und wurden bestellet die thorhüter. Luther). auch die bedeutung nimmt eine andere richtung, sie läszt sich aber ungezwungen aus der grundbedeutung 'sich umsehen' erklären, die auch für die althochdeutschen belege an stelle der zu eng gefaszten gleichung gawîsôn, visitare anzusetzen ist.
β) die althochdeutsche periode bevorzugt für visitare vor allem das einfache verbum, die zusammengesetzte form ist erst im übergang zur mittelhochdeutschen zeit häufiger belegt, wo die flexionsformen nicht überall mehr sicher führen. die folgende gliederung musz sich daher oft auf erwägungen stützen, die der beobachtung des allgemeinen sprachgebrauches einzelner übersetzer entnommen sind.
1)) mit genetivobject.
a)) mit genetiv der person: sô du menniscon gewîsest in humana carne. Williram hohes lied 127, 2 Seemüller;

ôch er (Aaron) offenoteallir der diete
zeichen uil schônedie er uon got urône
habete gewunnenʒe der gewissunge.
die Juden daʒ uernâmenhei wie urô si wâren
daʒ ir got gedâhteunde ir gewîsote
mit so grôʒʒen dingen. genesis u. exodus 1, 131, 27 Diemer;

brenge mich dareda du mich spîses.
da du mich drenkes.unde mîn gewîses.
dat du mich laues.inde mich cleides. hannöversche Marienlieder, s. z. f. d. a. 10, 50, 22 W. Grimm.


b)) übertragen: do gewîsota er mînes herzen mit tactu miserationis. Williram hohes lied 79, 45 Seemüller; er gewîsot unserro herzon, dannan beginnen wir wola tuôn. Notker ps. 84, 13.
2)) die überführung des objects in den accusativ wird begünstigt durch passivconstructionen (daʒ siê fone dir invocato ... werden mugin visitata, gewîsot. Notker ps. 74, 2); man sol den lîbe kestige, ... den nacketin bewête, din sîchen gewîse, den tôten begraben. Hohenfurter benedictinerregel 4, 9 Scherer (z. f. d. a. 16, 232); angeli ciues uisitant hic suos et corpus sumitur ihesv. die heiligin gotes engele gewîsont hiute hie ir husgenôʒe. den sie hie beuore erbolgin wârin. altdeutsche predigten (sermo in dedicatione ecclesiae). s. 26. Wackernagel.
b) gawîsjan ist erst aus der althochdeutschen periode belegt, es ist von haus aus transitiv (factitiv) und hat neben den verbindungen mit einem persönlichen objectsaccusativ auch solche mit einem object der sache entwickelt.
α) der persönliche objectsaccusativ findet sich unter anderem auch in solchen verwendungen von gawîsjan, die der bedeutung nach auf gawîsôn, 'sich umsehen', zurückgeführt werden könnten (kawisan, vocare), die sich aber doch aus wîs machen erklären lassen.
1)) den ursprünglichen verhältnissen am nächsten stehen verwendungen wie in sînemo evangelio ... hât er mih gewîset, daz ih in selben minne ex toto corde. Williram hohes lied 30, 4 Seemüller;

drû thûsint manigêri,
di giwîst er alli mid sînir lêri. lob Salomonis 8, 10 Müllenhoff u. Scherer 13, 129;

danach stand f und gib daʒ almsen also dich got gevvîse. meszgesang (12. jahrh.) Piper 2, 124, 31; gib daʒ almusen so dich got gewîse. cod. lat. Monac. 4616., 53, vgl. Schmeller 22, 1026;

[Bd. 6, Sp. 5458]


dar es alre meiste nôt was,
dâ skoep der hêre Ênêas
die alre besten hoede.
he hadde helede goede,
die konde er wale gewîsen.
met wâpen end met spîsen
wârn sî wale berâden.
Heinrich v. Veldeke Eneide 5585 Behaghel;

do sprach der fuhs meines vol
'ich kan uns gewîsen wol;
sît wir sîn bilgerîne,
sô duldet scharpfe pîne;
bîhtet einander, uf ein ort,
beidewîse werc unde wort,
so ist guot unser betevart'. Reinhart fuchs (diu betevart 6).
J. Grimm s. 391.


2)) eine änderung der bedeutungsrichtung wird durch locale bestimmungen hervorgerufen: ih sageta in dannan ... daʒ ih sie dara gewîsti. Notker sp. 121, 9;

andere lude si gewîsent dere,
die gevangen sint, in deme kerkere. hannöversche Marienlieder z. f. d. a. 10, 50, 1 W. Grimm;

den jüngelinc bedûhte
schier an des alten bîhte
daʒ er in möhte lîhte
gewîsen von der heidenschaft.
Konrad v. Würzburg Pantaleon 443 Haupt,

der gebûre sagte mære,
daʒ ein ber beheftet wære
âne jegers meisterschaft:
'daʒ hât getân diu gotis kraft.
vil wol i'u dar gewîsen kan'. Reinhart fuchs 1581.
J. Grimm 80;

ich solt auch ernstlich abgemanet haben die guten kind zu Seflingen von ir narrischen regul, und si gewisen auff die regul Christi. Eberlin v. Günzburg schriften 3, 7 neudruck.
3)) hieraus ist die bedeutung vocare zu erklären: widarert kawistem, revocatis, Reichenauer gloss. Graff 1, 1067; arcessito, gawistemu. Oxforder gloss. Steinmeyer-Sievers 1, 315 (zu genesis 26, 9); mensa abbatis sit cum peregrinis et hospitibus ... quos vult de fratribus vocare in ipsius sit potestate, kawîsan. benedictinerregel 56 (Hattemer 1, 109b); ebenso framkiwîsen, provocare 27; vgl.manege sint kewiset, unmanege irwelit. Notker ps. 39, 6 (vil sint der geladen, wan luczel der erwelten. Matth. 22, 14 codex Teplensis; viel sind beruffen, aber wenig sind aus erwelet. Luther).
4)) auf einer engeren bedeutung von gewîs (= certus) beruht eine verwendung, die namentlich in der frühneuhochdeutschen zeit noch fortlebt:

daʒ ir sprechent daʒ iu swære sî benomen?
des kan ich iuch wol gewîsen, nemt ir mich ze râte.
'verdenke ich mich, als ich doch sol, sô volge ich iu des râtes spâte'.
Ulrich v. Singenberg, s. Bartsch schweiz. minnes. 19.

von hier aus erklärt sich eine wendung der rechtssprache, für die zugleich an den parallelen entwicklungsgang der ableitungen von wahr = certus erinnert werden musz, vgl. DWB gewahren, DWB gewähren: wo aber zu disen personen sicher zugang nit sein mag, so soll es angon von den ersten tag, so dasz interdict verkundt wurd, und nicht desz weniger wellen wir ain igclichen sichern und gewisen, er erschein in disem termin oder nit, so wurd nichs desz munder wider in gehandelt. J. Knebel chronik v. Keisheim 206 Hüttner.
β) anderen ursprungs ist der persönliche accusativ neben einem dativ der person, der früh belegt ist:

siu quad, that siu umbi iro hêrron ni wissi
te wâren, hwarod hie werdan scoldi'ef thu ina mi giwîsan mohtis,
... wîsi ina mi mid wordon thînon'. Heliand 5924, ähnl. 4844;

als man sagit, einer wart z ime brocht, der konde die swarzen buchere lese, den vregete her, ab her ime konde den tufil gewise, als her gestalt were. sächs. weltchron., thür. fortsetzung (mon. 2, 315); (Mitridates) z Nathan schönem palast bekame den er alleine in schlechtem kleid nicht verre von dem palast spacziren gen fand, aber sein nicht erkennet noch weszt daz er Nathan was, doch in fraget ob er im Nathan geweisen und zeerkennen geben möcht. dekameron (10, 3) Keller 597, 9. hier ist das adjectiv oder particip (wîs), von dem das verbum abgeleitet ist, in der passiven actionsart erfaszt, während

[Bd. 6, Sp. 5459]


es (das particip, nicht aber das verbum) in den bisherigen belegen medialen charakter zeigte.
γ) auf dieser zweiten bedeutungsrichtung beruhen nun aber auch die verbindungen mit sächlichem object, ob sie einen dativ der person noch zu sich nehmen oder nicht.
1))

so wirdid al farloran edilero sprâka,
ârundi godes,sô hwat sô man thema ubilon manne
wordun gewîsid. Heliand 2457 u. a.;

thô fôrun eft thie man thanan,
erlos ôstronie, als sô im the engil godes
wordun giwîsde: nâmun im weg ôdran. 695, ebenso 3215;

so gedân es die minne,
dat et rechte nieman
den andern gewîsen kan (var. bewisen, weisen, gisagen).
Heinrich v. Veldeke Eneide 9824 Behaghel.


2)) giwist, retexis seriem poenae. glossen zu Prudentius Steinmeyer-Sievers 2, 441;

thâr nist miotono wihtouh wehsales niawiht,
thaʒ iaman thes giwîse,mit wihtu sih irlôse.
Otfrid 5, 19, 58;

thea liudi forstôdun,
that he thar habdagegnungogodcundes hwat
forsehen selbo,thoh he is ni mahti giseggean wiht,
giwîsean te wâron. Heliand 190, ebenso 36;

daʒ brûn îsen
daʒ solde wol gewîsen,
wâ der helt mêre
in der nôt wêre.
Lamprecht Alexanderlied 4301 Kinzel;

dî wider zu den cristen
quâmen und in gewîsten
sulche botschaft mit eidin,
daʒ daʒ her der heidin
gar âne wâpin were.
N. v. Jeroschin 3950;

süllen wir nicht glauben daʒ man ausz der hailigen geschrifft geweisen müge, daʒ die schuld der flaischlichen mit der pein des gestancks gepeiniget werden. Gregors dialoge IV cap. 34 (Augsburg 1473), vgl. (der teufel) habe sie (die alte ketzerei) im geoffenbaret und geweiset. Erasmus Alberus wider die verfluchte lere der Karlstadter P 5a.
3)) diese verbindungen haben sich vor allem in der prägung erhalten, die ihnen die rechtssprache aufgedrückt hat: der antwurter macht nichts gegen dem chlager geweisen. urkunde der benedictinerabtei zu den Schotten in Wien 362 (aus 1394) fontes 2, 18; tät er aber des nicht, so ist er verfallen gen dem gericht umb fünf pfunt perner auf gnad, er gewise dan, dasz in ehafti not gewert hab. weisth. v. Landegg, s. österr. weisth. 3, 287 (var. erweise); item ob ain holzknecht ain nachpaurn übertrib, das der nachpaur geweisen mecht, ob gott dem nachpaurn hülfe, das er die oberhant gewunn und den holzknecht wundet oder ze tot schlug, das wär dem nachpaurn gen dem gericht unschedlich. weisth. v. Pfunds ebenda 313; daz sol beschehen, wann ein urberings wasser kümpt bei der nacht, das ain schefknecht geweisen mag, das er das schef geheft hab. schiffrechte von Laufen, ebenda 1, 87; item es ist auch gerüegt worden, das unserm gnädigen herren von Salczburg etc. zugehört in dem land und in dem gericht Mittersil alle vischwaid, alles reisgejaid ... hindan gesetzt, was ander herren darin rechtlich habent und geweisen mügen durch genuegsame urchund oder nutz und gewer oder mit des landsfursten willen innhabent, das ist in unabgeslagen. öffnungen u. rügungen a. d. heerschauen zu Mittersill, ebenda 1, 285; geweisen, beweisen. Frankfurter urkunde von 1502. Diefenbach-Wülcker 619. vgl. auch geweist 2, c.
δ) in der rechtssprache wird das verbum in dieser bedeutung auch mit persönlichem object verbunden. wen man geweisen möcht mit ainer warhait, der das mass minnret nach dem march, der wër gevallen mit leib und mit guet nach gnaden, ain ungemerkts mas gäb, das zu klain war, als oft er das geit, des man in geweisen mag mit ainer warhait, der ist gevallen umb ain unrecht. landrecht im Zillerthal, s. österr. weisth. 1, 324, ebenso 320.
2) von gewîʒen (vgl. mhd. wb. 3, 782b. Lexer 1, 995) scheinen keine verwendungen mehr in die neuere sprache übergedrungen zu sein, vgl.: wære wir âne vrîen willen, sô möhtestû uns weder danc wiʒʒen des wir guotes getæten, noch gewîʒen swaʒ wir ze übel getæten, als dem vihe daʒ weder guot noch übel kan getuon niwan dâ eʒ sîn nature zuo twinget. David v. Augsburg Pfeiffer myst. 1, 368.

 

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