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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
geweihsprosse bis geweine (Bd. 6, Sp. 5439 bis 5455)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweihsprosse, f., antler, snag (nicht verzweigte) dague. Muret deutsch-engl. wb. 875c; antler .. die geweihsprosse, das geweihende. Grieb-Schroer engl.-deutsch. wb. 51c; vgl.antlers, DWB die jungen hörner oder enden am geweih eines jungen hirschen. Ludwig 1, 24; antler, die augen oder weidsprosse (am hirschgeweihe). Hilpert 1, 34b.
 
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geweihstange, f.: der jäger zählt die äste an beiden geweihstangen und nennt sie enden. Thiel 4, 423a; in der zeit vom dezember bis mai ... schwillt das unter dem perlenkranze liegende ringgefäsz an und dringt gröszer werdend und die knochensubstanz aufzehrend in diese ein, bis es die geweihstange vom rosenstock gleichsam abgeschnitten hat. Giebel naturgesch. d. thierreichs 1, 373.
 
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geweihstuhl, m., geweihstuhl, stephanium, heiszt jene stelle am hirschkopf, wo ein geweih aufsitzt. Behlen 417; das gehörn des rehhirsches ist dünn und klein, mit unmerklichem geweihstuhle. 414.
 
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geweiht I , participiales adjectiv, unmittelbar vom substantiv geweih (s. d.) abgeleitet. das wort gehört der engeren jägersprache an und kennzeichnet den gegensatz zu geweihlos (s. d.). geweiht, geweihtragend; geweihter hirsch, royal (stag) fam. Muret deutsch-engl. wb. 2a, 875c;

trara, trara!
die meute ist da!
es kehrt zu holz
der edelhirsch so stolz —
hört ihr von fern sein brunftgeschrei?
geweihte kämpfer sind dabei —
trara, trara!
die meute ist da!
H. Laube jagdbrevier (lied zum auszuge) 150.

im engeren sinne wird mit geweiht eine bestimmte entwicklungsstufe der geweihbildung gekennzeichnet: geweihte hirsche sind solche, die mindestens augensprossen (die ersten zinken am geweih) haben; spieszer, knöpfchen, hirschchen und männliche kälber sind also ausgeschloszen. Guido Hammer wild-, wald- u. weidmannsbilder (gartenlaube 1861) 149; geweihter hirsch ist nach der jägersprache mehr als spieszer, aber weniger als ein acht- oder zehnender, also vierender oder sechsender, über zehn enden ist capitalhirsch. mitteil. aus Blesewitz in Pommern.

[Bd. 6, Sp. 5440]


den gegensatz dazu kennzeichnet die verbindung hochgeweiht: aufs neue jagten sie (die hunde) einen hochgeweihten hirsch hervor, und weit den übrigen voran sprengte der graf ihm nach, ihn mit dem wurfspiesze zu erlegen. E. v. Houwald (die bärenburg) 5, 11; als der förster an mich herankam, versicherte er mich, dasz er auf den starken hirsch, den er als einen capitalen, hochgeweihten burschen beschrieb, vortrefflich abgekommen sei und denselben auch gekennzeichnet habe. Guido Hammer weidmannsbilder (gartenlaube 1863) 328a. dieses adjectiv erscheint auch gern substantiviert: noch einmal liesz die schmerzensvolle angst den hochgeweihten sich emporraffen und aus den düstern fluthen heraussteigen. ebenda 151a, vgl. auch th. 4, 2, sp. 1622.
 
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geweiht II , participiales adjectiv zu weihen, s. d. wie das verbum zuerst in der beschränkung auf die geistliche litteratur und in der gebundenheit an christliche kultformen überliefert ist, so ist auch die adjectivische verwendung des particips in der älteren sprache den gleichen beschränkungen unterworfen. der neuere gebrauch, der das wort lebendig erhielt, zielt auf abstreifung dieser gebundenheit und läszt hierin das synonyme geheiligt weit hinter sich.
1) in den bibelstellen, die den althochdeutschen übersetzern und dichtern (vgl. Graff 1, 726) anlasz zum gebrauch des wortes gaben, hat Ulfilas, soweit seine übersetzung überliefert ist, meist synonyma gebraucht; er verwendet unser particip nur einmal: jah gaveihaids ist aba sa ungalaubjands in qenai. 1 Cor. 7, 14 (denn der unglaubige man ist geheiliget durchs weib. Luther). auch die spätere bibelübersetzung läszt an gleicher stelle synonyma vordringen: neben geheiligt vor allem gesegnet, gesalbt, gebenedeit. dagegen nimmt die mittelhochdeutsche dichtung und die spätere prosa einzelne gebrauchsformen auf, die den ausgangspunkt für die neuere entwicklung bilden. vgl. mhd. wb. 3, 613b. Lexer 3, 881.
a) die verbindung des particips mit hülfsverben (sein, werden) wird von einigen älteren übersetzern zur wiedergabe lateinischer passivconstructionen herangezogen, die von anderen activisch gewendet oder durch synonyma gedeckt werden. das letztere ist namentlich da der fall, wo schon das lateinische particip in bedeutung und function mehr dem adjectiv genähert war. der gebrauch des particips ist in diesem zweiten fall durchaus ein absoluter. beim ersten fall dagegen bahnt sich ein relativer gebrauch an, indem hier die begriffe sacer, sanctus durch zielbestimmungen verengt und entwicklungsfähig gemacht werden.
α) sanctificentur nomen tuum, kawîhit sî namo dîn .. nist .. daʒ der sîn namo in uns kawîhit werda. Freisinger paternoster (veihnai namo þein. Ulfilas Matth. 6, 9; wîhi namun dînan St. Galler paternoster), ebenso Weiszenburger katechismus u. Heliand 1604 (dîn namo werde geheiligôt bei Notker); in dhînemu sâmin werdhant chiwîhidô allô dheodûn, dhaʒs ist in christe. fona imu quhad dher psalmscôf: endi in imu werdhant chiwîhit alliu aerdhchunni, allô dheodûn lobônt inan. Isidor 33, 17 ff. Hench (benedicentur, durch deinen samen sollen alle völcker auff erden gesegenet werden. 1 Mos. 22, 18. Luther, ebenso ps. 72, 17);

ze stete ich in wîhteze sâligime lîbe.
selb ist er geheiligôt;suaʒ er geseginôt daʒ ist gewîhôt. genesis fundgr. 2, 39, 34;

gewîhet ioch gesegenôt
dâ ne furhtent si den tôt. vom rechte.
Karajan sprachdenkm. 15, 23;


β)

heil wîh dohter,
wola ward thih lebentijoh giloubenti!
giwîhit bistu in wîbônjoh untar woroltmagadôn.
Otfrid 1, 6, 7 (benedicta tu in mulieribus Luc. 1, 42;

thu scalt for allun wesan
wîbun giwîhit. Heliand 261

(vgl. Ulfilas þiuþido þu in qinom Luc. 1, 41; gisegenot sîs thû in wîbun Tatian 3, 2; gesegnet Mentel, Eggesteyn, Koburger, Weiszäcker; gebenedeiet Beheim vgl. gebenedeiet bistu unter den weibern. Luther, ebenso Quentel, Arndes, Dietenberger, Emser, Zürich. bibel).
γ)

'gidua mih', quad (Pilatus),'nu sâr io wîs, oba thu iro kuning sîs?
bistu zi thiu gewîhîtsô thih ther liut zîhit,
in themo willen giangis,thaʒ rîchi so bifiangis?'
Otfrid 4, 21, 5;

[Bd. 6, Sp. 5441]



ef sie than thes wirdige sint,
that sie iuwa gôdun werkgerno gilêstien ..
geldad im mid gôduendi sie te gode selbon
wordun gewîhad. Heliand 1938;

als ûf den altâre,
der Stephano ist gewît,
dâ sîn heilictuom nu lît,
blumen wâren ûf geleit. pass. 52, 5 Köpke;

[das gleiche particip wird unbedenklich auch auf heidnischen kult übertragen:

er quam zu deme templo,
daʒ Jovi gewiet was. pass. 302, 79, ebenso 13, 36];

Polimius wart bî diesen tagen
zu bischoue aldâ gewit. pass. (Bartholomäus) 290, 91 Hahn;

idoch so wart er ûʒgelesen
von deme volke in der zît
und zu dem amte gewît. pass. 54, 40 Köpke;

daʒ nieman .. kirchen solden machen
in den steten, ê daʒ man
gewinne urloub dâran
des bischoves, der dâr obe
gewîhet ist in gotes lobe. 70, 48.

Vincencius was gewîhet zu deme êwangelio, und was kapelân eines bischoves der hiʒ Valerius. mystiker (Hermann v. Fritzlar) 70, 4 Pfeiffer; süs wart er (Karolus der grosze) uf denselben tag z keiser gekronet und gewihet von dem bobste Leo, daʒ er nüt darumbe wüste. Closener chron. v. Straszburg, d. städtechron. 8, 33; item der Nenninger ward geweicht zu ainem bischoff zu Lindaw. B. Zink chron. v. Augsburg, d. städtechron. 5, 84.
δ) aus solchen bestimmungen erwächst eine neue bedeutung, die sich schon in der glosse cawîhit, kiwîhit, dedicata Steinmeyer-Sievers 1, 96 (Hrab.-Keron. sippe) ausprägt und die an geheiligt nicht entwickelt wird. unserem particip bleibt sie auch da treu, wo es die näheren bestimmungen abstreift und einen absoluten gebrauch secundär entwickelt:
1)) beziehung auf persönliche subjecte:

der chrisma iôhc daʒ oleum
beceichenent den spm scm
damit er uns den heiligen gaist uerlîhet
dâ werdent auh alle cheisere mit gewîhet. loblied auf d. heil. geist bei
Diemer ged. 345, 15;

dô wâren ouch die künegegewîhet nâch ir ê. Gudrun 1667, 1;

Gunther unde Prünhiltniht langer daʒ verlie,
si giengen zuo dem münster,dâ man die messe sanc ...
dô wurden si gewîhet.dô daʒ was getân,
dô sach man under krôneelliu fieriu schône stân. Nibelungen 595, 3;

der noch nüt ist gewicht
und weder mess helt noch hoert bicht. des teufels netz 11890 Barack;

der kirchtag was alsô besatzt,
und welcher nicht drei stiegen platzt
secht oder zue dem minsten zwô,
der was nicht recht geweicht.
Oswald v. Wolkenstein 116, 84 Schatz.


2)) beziehung auf sächliche objecte:

ther douf uns allên thîhit, thaʒ waʒar theist giwîhit.
Otfrid 1, 26, 1;

hâstu daʒ alle suntage
in Francrîche gewîhet wirt? (brot).
Wolfram Willehalm 65, 50, vgl. auch
Seifrid Helbling 8, 301;

sît der tempil ist gewît. pass. 287, 59 Hahn.


b) die adjectivische entwicklung und die substantivierung knupft in ihren für die spätere entwicklung maszgebenden typen an diese zweite art der verwendung an; nur in der ältesten zeit finden wirnamentlich mit beziehung auf personenandere formen, die jedoch bald wieder absterben:
α)

thaʒ si uns beran scolti,ther unsih giheilti,
giwîhtan in êwôn.
Otfrid 1, 3, 39;

venite benedicti patris mei, chomint kewiêhte mînes fater. Notker ps. 44, 10 u. a. (vgl. ir gisegenoton mînes fater. Tatian 152, 3 zu Matth. 25, 34, ebenso Mentel, Eggesteyn, Koburger, Luther, Weiszäcker; gebenedîeten Beheim, Quentel, Dietenberger, Emser, Züricher bibel u. a.); nolite tangere christos meos, ne rûorent mîne gewîehten Notker ps. 104, 15 (gesalbeten Luther u. a.); gesamenoton sih wider truhtene unde wider sînemo gewiêhten. Notker ps. 2, 2 (adversus dominum et adversus christum ejus, wider den herrn und seinen gesalbeten. Luther u. a.), ebenso 27, 8. 23, 10. 131, 17; ketoûfet in namen unsiris

[Bd. 6, Sp. 5442]


hêrrin des kewiêhten haltaris, in nomine domini nostri Jesu Christi. Notker ps. 73, 19;

do der geweichte gotes sun
den roup dem an gewan. anegenge 39, 64 Hahn;

lop sî dir, hôch gewîhtiu meit.
Reinmar v. Zweter 232, 1 Roethe;

ir bernden himel, neiget iuch har,
unt nemet des sueʒen lobes war,
daʒ ich enbar
von dem gewîhten bilde,
diu sich uns vor gebildet hât
mit reiner scham, mit kiuscher tât. lobgesang auf d. heil. jungfrau (z. f. d. a. 4, 513 ff.), 12, 4;

waʒ ir da tot wart geslagen,
die crone der sigenunf die tragen
mit den martereren geliche,
gewihte chunige in himelriche,
in ir selben blute. Ludwigs kreuzfahrt 7281 v. d. Hagen.


β) sacrata sedis, kiwihit sethal, kiwihit stat Hraban-Keron. gloss. Steinmeyer-Sievers 1, 244, vgl. ir sült sie niemer bestaten an deheiner stat diu gewîhet sî. Berthold v. Regensburg 1, 394;

eʒ het uns alle in nôt brâcht
hete got der weise
in dem paradeise
der geweichten erde genomen
der mensch wær uʒ ím selben chomen. anegenge 14, 51 Hahn;

swâ aber daʒ gotes wort unt diu gewîhte hant
ob dem gotes tische wurchent ensant,
dâ wirt der gotes lîchnamen in der misse. erinnerung (
Heinrich v. Melk) 181 Heinzel;

ouch grîfet siu (des pfaffen) gewîhtiu hant
an daʒ hœheste pfant
daʒ ie für schult gesetzet wart.
Wolfram Parzival 502, 17;

dar an gedenkent, ritter: eʒ ist iuwer dinc.
ir tragent die liehten helme und manegen herten rinc,
dar ʒuo die vesten schilte und diu gewîhten swert.
Walther 125, 3;

swer gotes minne wil bejagen,
der muoʒ ein jagendeʒ herze tragen
... ringen, strîten, diu beide,
diu muoʒ er haben naht unde tac
nâch der gewîhten minne. lobgesang auf d. heil. jungfrau 1, 10 (z. f. d. a. 4, 514);

wanne wissent daʒ es sörglich ist gewihete kirchen oder kappellen gerwe lossen undergon, es were denne daʒ man die wihete wolte an eine andere stat ziehen, do sü bas und ordenlicher lege. Nicolaus v. Basel an den comthur des Johanniterhauses 1377. Karl Schmidt 304.
c) im übergang zur neuhochdeutschen periode zeigen sich an der participialform auszer der diphtongierung auch veränderungen, die bei den übrigen verbalformen nicht so sichtbar werden. die syncope des unbetonten vocals, die schon mittelhochdeutsch zu belegen ist, läszt guttural und dental zusammenstoszen und sichert dem ersteren so die spirantische geltung, während er zwischen zwei vocalen zum hauchlaut sich verflüchtigt. die schreibung schmiegt sich diesen gegensätzen um so rückhaltloser an, je deutlicher das particip in verwendung und bedeutung vom übrigen verbalstamm isoliert ist. allmählich wirkt aber der zusammenhang mit dem letzteren wieder ausgleichend ein.
α) geweicht neben geweiht: ain ort ... sol geweicht werdenn oder für geweihet gehalten werden. Eberlin v. Günzburg 2, 7 Enders u. a.; da auff ein zeit viel geweichte ... zu eim besessenen ... kamen. Mathesius (Luther) 3, 352; des widerchristen legaten und geweihten. 3, 197; trei geweichten sachen. Fischart glückh. schiff neudruck s. 36; jhr ungeweihete reuterkerles ... versuchet euwer heil, zu schützen des geweiheten theil. Gargantua 328 neudruck.
β) geweicht, gewicht vgl.: gewicht Basler chronik Eberlin v. Günzburg (in den bundesgenossen), N. Manuel u. a.; Eulenspiegel (cap. 68 neudruck s. 108 neben geweicht), geweicht anegenge (hdschr. des 14. jahrh.), Nürnberger chron. H. Deichsler; Gregors dialoge (1473), dekameron (Ulm 15. jahrh.), Murner, Emser, H. Sachs, Erasmus Alberus, Mathesius, Maaler, Bamberger halsgerichtsordnung, Karolina, österr. weisth., bergreihen, Fischart, Wickram, Eulenspiegel, Alpinus; für die heutige mundart vgl. Schöpf a. a. o.
γ) gewihet, gewit, geweihet, geweiht, vgl.: gewydt, gewyhet Kilian; gewihet Chytreus; geweihet Luther (zu

[Bd. 6, Sp. 5443]


Eberlin, Mathesius, Fischart s. unter α). Hulsius, Henisch, Duez (geweihet oder geweiht); Gürtler, Rädlein, Aler, Bayer, Kirsch a. a. o., geweiht Simpl. u. a.
2) gebrauchserweiterung in der neuhochdeutschen periode. schon die mittelhochdeutschen belege zeigten, wie das particip innerhalb der christlichen kultusformen die bedeutung entwickelte, die der neuere gebrauch voraussetzt. die bedeutungen, die geweiht mit geheiligt theilt, wurden zurückgedrängt durch die entwicklung, die an der parallele geweiht, gesalbt ansetzte und die über den relativen gebrauch hinüber führte. personen, gegenstände wurden gott geweiht und gewidmet; je mehr freilich die unmittelbare und lebendige beziehung auf gott durch äuszerlichkeiten und formelwesen abgelenkt wurde, um so farbloser und allgemeiner wurde später die vorstellung, die sich mit dem adjectivierten particip verband. den günstigsten boden für solche erweiterungen und verschiebungen boten die bräuche der katholischen kirche, die von den trägern der reformationsbewegung als miszbräuche empfunden und unter die hauptpunkte des ärgernisses gezählt wurden, das die kirche am eingang des 16. jahrh. darbietet. vgl.: Paulus sagt, bist du ain christen, so bist du rain ... bist du rain, so bist du geweihet und gebenedeit, also, was du angreiffest z deinem oder frembdem nutz, trost unnd nott, ist alles rain, geweihet. Eberlin v. Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes) 2, 10 Enders; einem frummen christen seinnd gleich geweihet seine teller, schüssel, kantenn, becher, als der kelch, den der priester braucht, sein tischtch als hoch geweihet als das corporal, sein tisch als der altar, sein jup oder hosen als die albe und casul, das unslit, so er z seiner arbait gebraucht, als das wachsz, das mann weihet auff liechtmesz tag, sein wasser, damit er sein hand wäscht als das tauffwasser oder weichwasser, sein stub und kamer als der tempel, sein saltz, das er täglich iszt, als das man am sontag weihet, das kraut in seinem garten ... als das man auff unser frawen tag weihet, sein öl, damit er den finger salbt, wann er sich geschnitten hat, als das genant heilig öl im tempel. ebenda.
im sprachgebrauch entwickelte sich aus solcher ausdehnung des verwendungskreises eine reihe fester verbindungen des attributiven adjectivs und bestimmter formen der substantivierung, die ihrerseits wieder den ausgangspunkt zu übertragungen über den kreis der kirche hinaus boten. hieran ist namentlich die neuere litteratur seit dem 18. jahrh. betheiligt.
in allen diesen richtungen hat der absolute gebrauch das übergewicht. wie sich dieser aus dem relativen secundär entwickelt hat, ist oben versucht worden darzustellen, ohne dasz freilich für jeden einzelnen fall die gewähr übernommen werden sollte. auf relativen gebrauch führen auch manche der älteren wörterbücher die bedeutungen zurück, die sie feststellen: geweicht, gott zgeeignet, sacratus, dedicatus. Maaler 179b; geweicht, heilig, geistlich, voller maiestat, augustus, sanctus. ebenda; ghewydt, ghewyhet, augustus, consecratus, sanctus, lustratus, sacratus, deodicatus. Kilian 146b; geweihet oder geweiht, bénit, sacré consacré, benedictus, sacratus, consecratus, Duez 198b; gewichet, iniciatus, inauguratus, consecratus, sacer, sanctus. Aler 2162a; geweihet, auguratus, auspicatus, augustus, devotus, sacratus, lustratus. Kirsch 2, 151b. diese und andere angaben der wörterbücher, die von dem particip als isolierter form kenntnis nehmen, sind an die erwähnung einzelner fester verbindungen oder formelhafter substantivierungen geknüpft. seltener wird das particip für sich allein aufgeführt, doch vgl. geweihet, sacer, sanctus, consecratus. Gürtler 2, 74b; geweihet, sacratus, consecratus. Bayer 290a.
a) die prädicative verbindung des particips mit dem verbum substantivum tritt wenig aus dem rahmen der verbalrection heraus (s. unter weihen); doch vgl.: wo man doch die unschuldigen kinder sölle begraben, so doch der gantz kirchhoff gewicht sige ... der wichbischoff spricht (zu der begräbniszstätte der ungetauften kinder) 'bisz du nit gewicht!' Wickram (rollwagenbüchlein 76) 3, 100. für diesen wie für andere übergangspunkte zur isolierung des adjectivs mögen die hauptsächlichsten typen durch belege aus der neueren sprache gekennzeichnet werden: das ists auch, das du jnen thun solt, das sie mir zu priester geweihet

[Bd. 6, Sp. 5444]


werden. 2 Mos. 29, 1 Luther (geheiliget Eggesteyn, Koburger, gehillicht Quentel, ghesaluet Arndes, geweichet Zürich, Dietenberger; um sie zu weihen, damit sie mir priesterdienst thun. Kautzsch); derhalb sol und musz ein getauffter seinen sündigen bruder straffen, er sei geweicht oder nit. H. Sachs (disput zwischen chorherrn u. schumacher) 22, 8 Götze; item es sint ouch etlich, ein wenig gelert und doch nit gewihet sint, und sprechent, sie sient priester. Basler betrügnisse der Gyler bei Kluge rotwälsch 1, 14; und (Moses) salbet den altar, mit alle seinem gerete, das handfas mit seinem fus, das es geweihet würde. und gos des salböles auff Aarons heubt, und salbt jn das er geweihet würde. 3 Mos. 8, 11/2 Luther (ebenso Züricher bibel, Dietenberger; geheiliget Eggsteyn, Koburger, Quentel u. a.); das ist die einweihung des altars, da er geweihet ward. 4 Mos. 7, 88 Luther (gesalbet Eggesteyn, Koburger, Quentel u. a.). ebenso 7, 84. vgl. auch 1 Mos. 29, 1. 29, 36 u. a.; alle (die altäre) sein geweicht und geheiliget von dem obristen papst. chron. v. Villingen 45 Glatz; wie Salomo geopffert hatte, da die kirche geweihet und der tempel fertig ward. 2 Macc. 2, 9 Luther (opffert daz opffer der kirchwichung. Eggesteyn, Koburger; ähnlich auch die anderen übersetzer);

als die kirch wart geweiht, hettens kain glocken.
H. Sachs (die tollen bauern zu Dettelbach 19) fabeln u. schwänke 5, 92;

die groszen deines reichs sind alle dir geweiht,
was fehlt dir für ein haupt zu deiner sicherheit?
Chr. F. Weisze Richard der dritte (1, 1) 13 Sauer;

er (Siegfried) sprang vom rosz, und hätt' ich nicht gewehrt,
er hätte mich geküszt, mein schlechter mund
war ihm durch euren namen wie geweiht.
Hebbel (Genoveva 1, 3) 1, 104.


b) die attributiven verbindungen.
α) mit persönlichen substantiven verbindet sich das adjectiv zunächst in formeln, die auf den geistlichen stand zielen. später, in der neu aufblühenden litteratursprache, erweitert sich diese verbindung jedoch durch übertragungen aller art.
1)) beziehung auf den geistlichen stand. vgl.: wann man die pfaffen weihung der personen halb achtete als ain herrlichait, so man pflegt z gebrauchen in ainer erwölung gmainer diener, oder amptleut, möcht man es erleiden. Eberlin v. Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes); die hailig und geweicht gemain versamlung zu Costenz. J. Knebel chron. v. Kaisheim 207 (lit. ver.); dann, ecclesiastici sint die geistlichen, die der kirchen heupter, glider und diner sint ... als papst, bischoff, priester und alle geweichten personen der kirchen. Emser (gegen Luthers buch an d. adel) neudr. 83, 21;

'wer sol das wort uns thone'?
sprachens, 'es müs sein in latein
weil sein kürfürstlich gnad allein (d. bischof v. Mainz)
ist ein geweichte persone,
die es wol kan verstone'.
H. Sachs (d. tolle stadtschreiber 13) fab. u. schw. 5, 154;

der pfaff ist ein geweicht person. (der bauer mit dem plerr) fastnachtspiele nr. 54;

alle, alle müssen in die todten-bruderschafft, auch die geistliche und gott geweihete persohnen. Abraham a Santa Clara grosze todten-bruderschafft 14, ebenso 15;

... der pfaff sprach:
'juncker, zeigt an, was ist die sach?'
er sagt: 'mich dunckt, jr herren all,
wie ir da sitzen all zmal,
seiend priester und gweichte leit'.
Wickram (irr reit. bilger) 4, 213 Bolte;

wiewol doctor Eck eben starck auff seiner meinung stunde, Christus het allein den geweichten priestern und nicht den leien beider gestalt verordnet. Mathesius (Luther) 3, 201 Lösche; der bauer sagt frwar her wan ir nit ein gewichter priester weren so meint ich das ir lügen. Eulenspiegel cap. 68, neudr. 108; geweihete priester, per omnes ordinum gradus ad apicem sacerdotis evecti. Aler 2162; geweihete diaconi, diaconatu inaugurati. ebenda;

dir wär aber wäger an seel und lib,
du werdist ein gwichts klosterwib.
N. Manuel (Barbali) Bächtold s. 164;

und schlaff auch alle nacht pei mir;
ich pin ain nn, kain weibe,
und ein geweichte ebtesin.
H. Sachs (der peckenknecht im frauenkloster 35) fab. u. schw. 5, 109, ebenso 354;

[Bd. 6, Sp. 5445]


wie denn nur wenige unter ihnen sich dem eigentlichen priesterstande gewidmet hatten und nur soviel geweihte geistliche unter ihnen gefunden wurden als nöthig beichte zu sitzen und das meszopfer zu verrichten. Göthe (zweiter aufenthalt in Rom. Philipp Neri) 29, 194.
2)) erweiterung des kreises: Gynecia erklärte jm ... was dieses köstliche wasser für würkungen hette, item, was für grosze gefahr drauff stünde, wanns an ihrer mayt. geweihten person solte probirt werden Sidney's Arkadia (3) deutsch v. Opitz 865; so gut und verständig als der freund ist, eben so, hoffe ich, wird sich in ihm auch die empfindung eines reinen verhältnisses zu mir entwickeln; er wird in mir eine geweihte person erblicken, die nur dadurch ein ungeheures übel für sich und andere vielleicht aufzuwiegen vermag, wenn sie sich dem heiligen widmet, das uns unsichtbar umgebend allein gegen die ungeheuren zudringenden mächte beschirmen kann. Göthe (wahlverwandtschaften 2, 15) 17, 370; denn er (Shakespeare) hat deren fast ebenso viele (gesichter) wie die wahrheit selbst, die keinen schleier trägt, sondern maske über maske und die nur von ihren geweihtesten priestern ganz entkleidet wird. Hebbel (über Ludwig Eckardts dramaturg. studien) 11, 217 Kuh; die geweihten jünger der schauspielerkunst empfangen die gabe — mit feurigen zungen zu reden — von oben herab, die verräther an Thalia und Melpomene von unten herauf. L. Koller aphorismen für schauspieler (1804) s. 123;

ein feuereifer tobt im heere,
das grab des Heilands zu befrein ...
auch kinder kommen noch gelaufen
und mehren den geweihten haufen.
Novalis (H. v. Ofterdingen) 1, 53 Heilborn;

mag heuchelei mit hochmuth sich verbünden,
bosheit mit dummheit —
wir aber wollen eine geisterles'ne
geweihte schaar sein!
Bodenstedt Mirza-Schaffy 105.


β) die verbindung mit sächlichen substantiven erschlieszt einen weiten mannigfaltigen verwendungskreis. schon innerhalb der kultformen stehen sich die beziehung auf örtlichkeiten und diejenige auf gebrauchsgegenstände gegenüber; bei der übertragung und erweiterung treten neben die concreta noch überdiesz abstracta.
1)) die beziehung auf die kultformen: dem rainen ists alles rain, spricht Paulus ... mercke, geweihet und rain deutten gleich, widerumb auch ungeweihet und unrain, ain rain ding ist, das gehailiget ist, das von got z menschlichem gebrauch verordnet ist ... alle leren, wölche fürgeben, ain ort, zeit, speiszs, getranck, kleid, oder ander ding, sol geweicht werdenn oder für geweihet gehalten werden für andere ... werden von Paulo genant hie jüdisch fabeln, thandmer. Eberlin v. Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes) 2, 7 Enders; item stelen vonn geweichten dingen oder stetten jst schwerer, dann anndere diepstall unnd geschicht jnn dreierlei weiss: zum ersten, wann einer ettwas heilligs oder geweichts stillt ann geweichten stetten; zum andern, wann einer etwas geweichts ann ungeweichtenn stettenn stillt; zum drittenn, wan einer ungeweichte ding an geweichten stetten stillt! Carolina § 171 Kohler u. Scheel, ähnl. schon Bambergische halsgerichtsordnung § 197.
a)) die beziehung auf örtlichkeiten:

was mögend's wir, dass man uns hat
in d'kilchen gstellt an gwichte stat
und uns anbetet, glich als ob
sölch eer und dienst wär gottes lob?
N. Manuel klaglied der armen götzen. Bächtold s. 240;

'im ghrt kain gweichte state'
sprach der pfarrer: 'nas auf das felt
sol man den kezer graben'.
H. Sachs (die pfaffen frassen den doten pauren) fab. u. schw. 5, 127;

die pfaffen sagenn, ann geweichten stetten soll man betten. Eberlin v. Günzburg 2, 8 Enders; zum dritten, kain gotts hausz, kirchen oder geweihet stätt aufbrechen, zu brennen noch .. zu verwüsten. militäreid im landbuch des kantons Appenzell-Ausseroden (§ 189); des priesters blutgetränktes kleid wurde ... an geweihter stäte bewahrt. Matthisson erinnerungen 1, 237; dagegen pilgern andere sich das heil abzuholen, sie ziehen zu ganzen schaaren nach geweihter wunderthätiger stelle, dort zu suchen und

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zu empfangen, was ihrem innern zu hause nicht verliehen ward. Göthe (Wilh. Meisters wanderjahre 3, 9) 23, 124; ghewydde oft ghewyhede plaetse, templum augustum, consecratum Kilian 146b; geweicht ort, gott zgeeignet, divinus locus Maaler 179b; geweihet ort, luogo sacro Hulsius (1605) 63a; dasz ich deinen leib ... an kein geweiht ort zu andern frommen abgestorbenen christen begraben ... lasse. Grimmelshausen Simpl. 325 neudr.; geweihete kirchen, örter, effata templa, loca sacra et religiosa. Aler 2162a; geweichte kirchen, Bambergische halsgerichtsordnung § 198; geweihete kirch, templum augustum, consecratum. Henisch 1596; ähnl. Hulsius (1616) 138a. Duez (1664) 198b. Rädlein 1, 382b. Pomey 132. Kirsch 2, 151a; Bayer 290a; es ist auch nit not, das man vergebens täglich in die kirchen lauffe, gleich als wär das gebet zwischen den geweichten mauren gott angenämer. Eberlin v. Günzburg (ein schöner spiegel des christl. lebens) 3, 101 Enders; in solcher mainung kirchoff weihen ist nitt gt, dein acker, hoff, bomgart, ist gleich geweihet als der kirchoff. ebenda 2, 18; geweihet pfaltz, kirchhof Henisch 1595; geweiheter kirchhoff Hulsius 138a. Duez 198b. Rädlin 382b. Pomey 132. Kirsch 2, 151a;

man solt hinas an galgen
auf hencken seinen dotten palck!
das wer der rechte kirchoff sein.
man solt in in das geweicht ertrich nit graben.
H. Sachs (der gestorbene narr) fab. u. schw. 4, 54; ebenso 5, 127;

weil er sich selbst an einem strick erhangen und ums leben gebracht, dasz sich dannenhero nicht gebühre, dasz er als ein verzweiffelter, in ein geweihtes erdreich solte begraben werden. Grimmelshausen Simpl. 325 neudr.; (Eulenspiegel gab von seinem gute) ... ein teil dem kirchherren da selbst (zu Mollen), doch mit dem bescheid, wan gott der her uber in gebüt, und von todts wegen abstünd, so sol man seinen leichnam begraben uff das gweicht erdtreich. Eulenspiegel 93 neudr. s. 143;

seht an die wunden, die sein körper hat,
sie gleichen gräbern auf geweihtem boden.
Shakespeare übers. v.
Schlegel (Coriolan 3, 3);

oft äuszerte sie den stillen wunsch, auf geweihtem boden zu ruhen, und wir haben, nach den gebräuchen der kirche, dieses marmorne behältnisz und die wenige erde geweihet, die in ihrem kopfkissen verborgen ist. Göthe (Wilh. Meisters lehrjahre 8, 8) 20, 256; der edelmuth der katholischen geistlichkeit, die ... unserm, in verschiedenem glauben gebornen freunde nicht nur das ehrenvollste begräbnisz ... sondern auch auf ihrer ebenso durch die natur, als durch die kirche geweihten erde eine freundliche ruhestätte gewährte. C. A. H. Clodius fortsetzung zu Seume, mein leben;

in geweihter, kühler erde
wird der edle leib begraben.
Uhland (kastellan v. Couci 29) 1, 206 E. Schmidt;

ihr leute, der pfarr will se nich einsegnen. a will er de geweihte erde verweigern. G. Hauptmann Hanneles himmelfahrt 77;

damals habt ihr, vom bösen geist gespornt,
selbst nicht geweihtes eigenthum verschont,
der heil'ge Gallus und das fromme stift
von Reichenau erseufzten eurem drang.
Uhland (Ernst, herzog v. Schwaben I, 2) 2, 22 Fischer;

und in derselben nacht noch ging des herrn
geweihtes haus in düstern flammen auf.
Hebbel (Genoveva 2, 4) 1, 104;

bald war der geweihte raum fast ganz verlassen, nur hie und da sasz noch ein altes mütterchen, das die perlen seines rosenkranzes bedächtig herabfallen liesz. H. Schmid (das schwalberl) 42, 127.
b)) die beziehung auf gebrauchsgegenstände. vgl.: es soll niemants kain geweichts guet, pluetigs gwand, ungewuntens traid, noch ainigerlai verargwonten hausrath kaufen. banntaiding zu Wasserneuburg (16. jahrh.). österr. weisth. 6, 429; das gewicht salz, öl, ostertouf, gesegnet fürkerzen und palmen. N. Manuel testament der messe, Bächtold 236;

die andren münich horten das,
ein iglicher zu lauffen was
mit gweichten kerzen und weichprünen.
H. Sachs (der mönch u. d. dintenglas) fab. 4, 365.


α)) objecte, die zur gottesdienstlichen handlung gehören: also sage ich auch von allem, das im tempel gebrauchet

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wurdt, das bedarff kainer weihung, es sei kelch, corporal, altar, glocken, meszgewandt. Eberlin v. Günzburg 2, 8 Enders; einen geweiheten kelch thar kein christ anrüren, unangesehen, das er getaufft und durch Christus blut erworben, geweihet und geheiliget ist, nein, Christus blut ist nichts, gegen einem geweiheten kelch. Luther (v. d. schlüsseln) 5, 234a Jena; geweichte kelch. Bambergische halsgerichtsordnung § 198;

als ich den bund des kelches sah,
und das geweihte brod,
so war mein geist auf Golgatha,
und feirte Jesu tod.
Schubart (nach dem genusz des heil. abendmahls) 302 Hauff;

geweihets kleid, vestement sacré, vestimento sacro Hulsius (1616) 138a. Rädlein 382b; geweihetes kleid, sacra vestis Bayer 290; ebenso Pomey 132. Kirsch 2, 151a. Duez 198b.

und seh' erstaunt, wie jede puppe
der andacht in ihr nichts versinkt;
wie nicht mehr die geweihte schnuppe
der ew'gen lampe sie umstinkt.
Thümmel (reise ... 3) 3, 191;

selbst bischof und priester mit den geweihten kirchengeräthen, warfen sich nieder und blieben mit der stirn an der erde, bis der sultan vorüber war. Moltke briefe über zustände ... in der Türkei s. 129;

und der Franzl, der dick',
musz d'posauna versegh'n,
der hätt' wohl von kloa auf
a pfarrer wer'n mög'n ...
no d'posauna is aa no'
a g'weichts instrument.
K. Stieler a hochzeit in die berg'.


β)) objecte, deren theilnahme an der gottesdientlichen handlung um der heilbringenden wirkungen willen erstrebt wird. hier hat der volksaberglaube ein reiches spiel, und hiergegen richteten sich vor allem die angriffe der reformationsbewegung. vgl.: gesegnets, schwäbische bezeichnung für kirchlich gesegnete brote, wein, fleisch. Birlinger Augsb. wb. 193a; vgl. DWB gesegnet, geweihet, consecratus Aler 920b. den übergang vermitteln das weihwasser und die geweihte kerze. von dem geweiheten wasser und saltz, titel einer schrift von Andreas Bodenstein (Carlstadt); vor etlicher zeit hat ein grawer Franciscaner münch .. sich ... herfür gethan wider etliche lerer der gottes gnaden, im evangelio bezaigt .. do wider mit geweichtem wasser und saltz sich lassen beduncken, damit wöllen allem unfg ain hütlein auffsetzen. Eberlin v. Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes) 3 Enders; (ich) hab geredt widdr bäpstliche heiligkeit, o wie ist mirs so leit, ich hab widdr sprochen dem geweichten wasser, saltz, schmaltz, mes und vigilien hab ich veracht, und ihr an besten nie gedacht. Erasmus Alberus wider Jörg Witzeln mammeluken M 5a vgl. auch Wetzer-Welte kirchenlex. 102, 1471 ff.; wann man saltz und brodt zu erst in ein hausz bringet, dasz man beziehet, so hat man drin keinen lebens mangel. fürnemlich wann jahr aus jahr ein brod und saltz drin, wird man nicht hungers sterben antwortete Jan Tambour, ist so ein stückchen aus dem pabstthum, da das geweihete brod und saltz für die gespänster gut sein musz. Leyermatzs lust. correspondentzgeist (1668) 176 (nr. 245); da gab im der erwirdig Fortunatus geweichtes wasser. Gregor dialoge (Augsburg 1473) 1, cap. 21; geweihet wasser, rouch etc. hilfft den seelen auch gar nichts. Eberlin v. Günzburg 2, 18 Enders (weihe wasser ... segenn wasser 2, 17); geweichter heiliger brunn, fons sanctus et augustus. Maaler 179b; diese tröpflein sind lauter und sehnlicher lieb wasser, vil besser als alle geweichte wasser, damit unsers hertzen schmertzen gelindert und etlicher massen gestilt werden. Mathesius (leichenreden) 1, 98 Lösche; als aber die straff (die pestilentz) umb Mosis und Aaronis fürbit auffgehaben, fahen Mosis schuler unnd amptverwandten ein newen unlust an beim haderwasser, und machen sich abermals unnütz, das die auffrhürischen Leviten und jr gesellschafft auffgereumpt sein, und sehnen sich wider nach römischen granatepffeln unnd münchsfeigen, unnd nach dem geweichten wasser, da fraget Moses umb rath beim sone gottes, unnd thut ein fehlstreich ... da er sich aber ermundert, schlecht er getrost noch ein mal, da springt frisch trinckwasser ausz

[Bd. 6, Sp. 5448]


einem gelligen felssen. (Luther 6) 3, 111 Lösche; geweihet wasser, aqua lustralis Henisch 1595; ebenso Duez 198b;

der glaub wil untergan.
des geweichten wassers kraffte
wil niemand achten mehr,
dazu der priesterschaffte
thut man kein zucht noch eher. bergreihen (16. jahrh.) 56 neudr.;

so man glocken leut und weichwasser sprengt unnd geweicht palmen und kertzen anprent. Eberlin v. Günzburg 2, 9 Enders; wie sonst magische zeichen, geweihte kerzen, alraune und todtenköpfe, geister und schätze an sich zu ziehen pflegen. Göthe (triumph der empfindsamkeit) 14, 60;

beim klosterthurme schlummert ihr gebein,
wo scheu des uhus träger fittig streift,
und graunvoll, statt geweihter kerzen schein,
am hohen schilf des irrlichts flamme schweift.
Matthisson (das kloster) schr. 1, 170;

hast du dem greis auch die geweihte kerze
gebracht, die zum geschenk ich ihm gesendet,
sie anzuzünden seinem heiligen?
Schiller (braut von Messina 4, 2) 14, 98;

aber da ihr odem schwächer wurde und er sah, dasz ihre seele fliehen wollte, ging er zu einem lädlein, darin geweihte kerzen lagen, noch von dem groszen sterben her. Th. Storm (ein fest auf Haderslevhuus) 6, 313; auszer dem werden in Wien eine unsägliche menge einzelner gebeten auf blättern gedruckt, und vor den kirchenthüren (nebst anderm pfaffentand: von geweihten lichtern, rauchwerk, ablaszpfennigen ...) verkauft. Nicolai reise 5, 115; geweihte agnus dei, geweihte palmkätzchen ... geweihtes opferwachs. ebenda; es ist auch ain subtiler teuffel, der da leeret, man soll creützlein von geweichtem wachsz machen an die wiegen der kinder unnd an die stall thüren. Eberlin v. Günzburg 2, 17 Enders; geweihtes wachs, cera benedicta Bayer 290a; das geweihet öl in ain wunden. Eberlin v. Günzburg 2, 17 Enders; darbei verstehet unser heilige mutter, das so jemands schwach ist, das kein hofnung desz lebens mehr vorhanden, so sollen die pfaffen kommen, unnd jhn mit geweihetem œl schmieren. Fischart bienenkorb 182b; ein dutzend alter weiber, welches auf dem vorhof des doms seine krambuden aufgeschlagen hatte, stürmte kreischend mit geweihten rosenkränzen von glasperlen ... heran. Gaudy (schneidergesell) 2, 41;

genszmilch und ir grüner treck,
und drei finger breit mit speck,
hamels zotten, affenschmalz,
ein becher mit geweichtem salz.
Murner luth. narr 3072 Kurz;

das geweichet saltz in die suppen (mag ich gebrauchen), oder den schaffen und allem vich, doch sol ich kain glücksäligkait darinn verhoffen. Eberlin v. Günzburg 2, 17 Enders; geweihet saltz, sal lustralis Henisch 1595;

da seczt man auf den disch darnach
den gweichten fladen sambt den aiern,
wie der prawch ist im lant zu Paiern.
H. Sachs (der mönch mit dem kapaun) fabeln u. schwänke 2, 50;

ich hab ein kunst und experiencz vorhanden mit geweichtem käs unnd brot, do bei man zehand sicht wer soliche diebstal gethan hate. dekameron 8, 6 Keller 491 (al esperienza del pane e del formaggio); geweiht brodt, du pain benit, panis consecratus Duez 198b; dar umb, herr doctor, eilet schnel mit eur kunst! auch so hab ich hie allerlei confect, römische gewürz und geweihete kreuter, die ir wol wiszet mit bracht weltweiser klugheit zu temperieren nach aristotelischer weise und sophistischer art. klegl. botsch. an den bapst die selmess betreffend, s. Schade sat. u. pasqu. 2, 256; einer unter ihnen, hat viel geweiheter kräuter, wachs und dergleichen gauckelwerk bei sich getragen. Prätorius Blocksberg (1668) 7; verbena, cincinnalis, allerlei gewihet krut, dar man de altar und kerckern bestrouwet. Chyträus nomenclat. lat. sax2. 480 (vgl. verbena, eisenkraut, opferkraut, altarblume. Diefenbach 612a; vgl. cincinnalis ... welsch eisenkraut 119c; vgl. die magische und heilwirkung, die dem eisenkraut zugeschrieben wurde); geweihet kraut s. eisenkraut Chomel 4, 1047; geweihtkraut, herb. verbenae. Holfert volksthüml. arzneimittellehre;

[Bd. 6, Sp. 5449]


solch weih kain bischof dir verleihet?
und ist vil schärpfer, als die weih
die du zu gibst dem haisen prei
da du schreibst, das man jn thät machen
aus hirs, kat, milch, trei gweichten sachen
pfei aus der schand, du erzunflat
solst du haisen geweicht den kat?
Fischart glückh. schiff, neudr. s. 47, ebenso s. 36;

geweihete sachen ... heissen diejenigen so zum gottesdienste sonderlich geordnet, geweihet und geheiliget werden. Chomel 4, 104.
2)) die erweiterungen und übertragungen gehen von der anwendung auf auszerchristliche kulte aus, für die schon mittelhochdeutsche belege vorlagen (vgl. oben): er murmelte tausenterlei schmähworte zwischen seinen zähnen, und schwur bei der Pallas pantoffeln, und andern unzehlichen geweihten dingen, daran jhn seine bäwrische grobheit gemahnen kondte. Sidney's Arkadia (1) deutsch v. Opitz 144; wann ... er so glückselig sein könte, jhn an gastes statt auffzunemmen, so wolte er sein weniges hausz und wohnung weniger [!] schätzen als alle geweihte tempel der götter. ebenda 78;

ja in der Artemis geweihtem tempel (sah ich)
die ketten noch, die rosenblütenen,
von ihren gliedern reiszen.
H. v. Kleist (Penthesilea 5) 2, 51 E. Schmidt;

der eingang zeigt sogleich in einer schilderei,
dasz diesz des caffeegotts geweihter tempel sei.
Zachariä (renommist 3) 1, 51;

(Argenis) hielt in jhrer hand einen zweig mit bändern umbwunden, welchen man in das geweihete wasser getaucht, und etwas mit dem blut der opffer besprengt hatte. Barclay's Argenis (1, 20), übers. v. Opitz 1, 165;

und dem gott allhier
zu opfern die geweihte hekatomb',
auf dasz der grimm der fernhintreffenden
versöhnet werde.
Bürger (Ilias 1, 443; später sühnhekatombe, ebenso
Voss; ἱερὴν ἑκατόμβην). 1, 147;

opferten wir ... auf geweihten altären
volle hekatomben den göttern. (2, 306, ebenso
Voss; ἱεροὺς βωμούς);

wenn sie .. vom geweihten Ilion
weg Tydeus sohn .. fernt. (6, 277 von der heiligen Ilios
Voss; ἱρῆς), 1, 172 u. a.;

hat nicht die göttin, die mich rettete,
allein das recht auf mein geweihtes leben.
Göthe (Iphigenie 1, 3), 9, 211;

über diesen kreis greift die neuere entwicklung weit hinaus. die beziehung auf religiöse kultformen überhaupt wird dadurch unterbunden, dasz immer mehr vorstellungen und verhältnisse nach deren analogie aufgefaszt werden. so bereitet sich eine verallgemeinerung der bedeutung vor, in der das adjectiv nur mehr eine absonderung vom alltäglichen und gewöhnlichen kennzeichnet.
a)) bei der anknüpfung an concreta bilden vielfach die gleichen substantiva, die den religiösen begriff getragen hatten, übergangspunkte zur erweiterung.
α))

löwen, sie schleichen stummfreundlich um uns herum,
ehren geweihten ort,
heiligen liebeshort.
Göthe (Faust 2, 5) 41, 333;

dasz hier auf unserer rothen erde der geweihte boden der freigerichte, welche man nur sehr uneigentlich vehmgerichte genannt hat, war, wissen sie, sagte er. Immermann (Münchhausen 2, 13) 8, 445; der storch aber gewann ... eine vorliebe für die schildwache und für die herren officiere, welche an ... der hauptwache auf- und abschritten ... und er gewöhnte sich an ... auch seinerseits an der geweihten stätte ernsthaft hin und her zu gehen. G. Freytag (ahnen 6, 2) 13, 21; übrigens sitze ich hier ... auf des primus geweihtem platze! Th. Mann Buddenbrooks 2, 467;

schling um mich her deine arme,
dasz der hölle nachtgespenster,
scheu vor dem geweihten kreise
nicht in meine nähe treten.
Grillparzer (ahnfrau 2) 45, 45;

daz Oza nur die geweihte archen, ausz guter meinung angerührt, müste er alsbald auff das strengste gestrafft werden, da er doch dieselbe nur wolte halten, damit sie nicht falle, und der todt wirfft so viel geweihte archen zu boden, und gehet ihm alles hin? Abraham a Santa Clara grosse todten-brüderschafft 14;

[Bd. 6, Sp. 5450]


keine maus
störe dies geweihte haus!
voran komm' ich mit besenreis,
die flur zu fegen blank und weisz.
Shakespeare sommernachtstraum 5, 1 Schlegel (this hallowed house);

ihr solltet in diesem geweihten raum andacht und sammlung gewinnen für den groszen moment der aufnahme. Sudermann sturmgeselle Sokrates10 58.
β))

ein geweihter myrthenwald,
den geheime schatten schwärzten,
war der göttin aufenthalt,
wo die liebesgötter scherzten.
Uz (die liebesgötter) 64 Sauer;

sie (Horazens muse) schift mit starkem flügel
in ungestümer luft,
wohin sie, vom geweihten hügel
und junger bluhmen duft,
ein taumel der begeistrung ruft. 165 Sauer;

dort wo die sonne abends untergehen, und dann, durch schwarze zweige und wipfel der tannen, ihr brennendes, blendendes roth zu strömen pflegte, dort war die verdeckte höhe des geweihten gebirgs. Zschokke (freihof von Aarau) novellen u. dichtungen 5, 196.
γ))

das ich zu rechter zeit vorhin mit ihrem blut
um etwas angefrischt, wolt auf geweihter gluth
verbrennen gantz zu asch.
Gryphius (Cardenio 2, 140) trauerspiele 295 Palm; (var. gewehrter);

sie habe ich verehrt wie ein geweihtes bild, so lange ich in ihrer nähe lebte. G. Freytag (soll u. haben) 5, 310;

ich sende euch; geht hin, ihr meine zwölfe,
erobert mir die welt;
ich sende euch wie schafe unter wölfe,
wehrlos zieht ihr ins feld;
doch wandelt muthig eure bahnen,
ihr ziehet mit geweihten fahnen.
Gerok palmbl.25 34;

dafür war aber der sinn für die geräthschaften ... desto zarter und tiefer ... oft wurden sie zu dem rang von geweihten pfändern eines besondern segens und schicksals erhoben. Novalis 1, 20 Tieck.
δ))

man eilt das spiel zu schlieszen
und das gerechte (var. geweihte) blut des königs zu vergieszen.
Gryphius (Stuart 5, 34) 450 Palm;

langverdorrte, halbverweste blätter vorger jahre
ausgekämmte, auch geweiht und abgeschnittne haare,
alte wämser, ausgetrettne schuh und schwarzes linnen,
was sie nicht ums leid'ge geld beginnen!
haben sie für baar und gut
neuerdings dem publikum gegeben.
Göthe (der 4. theil meiner schriften 1779 bei
Himburg) br. an frau v. Stein 1, 176 Fielitz;

talisman in carneol
gläubigen bringt er glück und wohl;
steht er gar auf onyx grunde
küss' ihn mit geweihtem munde! (westöstl. divan) 5, 5.


b)) ausdehnung auf abstracta: dieweil der ehestand das allerheiligste unnd geweichteste band ist, so der menschen gesellschafft zusammen hält. Sidney's Arkadia (5) übers. von Opitz 967; neben welchen ... zwei grund-klare wasserströmlein herflossen, deren liebliches geräusch ... der geweieten einsambkeit eines so heiligen orths, nicht wenig zierd und anmuths mittheilete. 6. buch 4; er hat mich einiger fäden des frömmsten geifers gewürdigt und sein geweihtes pfui über mein werckgen ausgespuckt. Lichtenberg aphor. 2, 117 Leitzmann;

und alsobald ersehien des tempels priesterin,
die wilde phantasie, und reicht ihm caffee hin.
er trank; es herrscht um ihn geweihte grause stille.
Zachariä (renommist 3) 54;

der grosse fürst ist todt! der grosse fürst ist todt!
... der grosse fürst ist todt! disz ist das letzte mahl,
disz ist der klagenden geweihte dritte zahl.
Besser (lobgedichte od. d. zunahme Friedrich Wilhelms des groszen) 26;

warum, o sänger, bliebest du so ferne
von deinem herrn, dem hellen morgensterne?
... und wenn ihn dort der Cherubinen lippen,
wenn ihn der kirche psalmen hier erhöh'n,
wenn ihn von bergen, inseln, see'n und klippen,
von meer und fels geweihte stimmen fleh'n,
dann sah'n wir dich mit frost'ger miene schnippen.
Albert Knapp (auf Göthes hingang) d. litteraturdenkm. 129, 84;

geweihte lispel schwimmen
dann durch den tiefen wald,
als wären engelstimmen
in seiner luft verhallt.
Tiedge (Tharand) 2, 59;

[Bd. 6, Sp. 5451]



aber seelengefühl trinkt sein geweihter blick;
ihn entzücken des buchenwalds
säulenhallen, der luft sternenbesäter dom,
und der spiegel des klaren see's.
Salis (ländliches glück) ged. 93;

durch schwur und symbolische handlung, oder durch geweihten gemeinsamen trunck wird sie (die hingabe an einen andern) gefestigt. G. Freytag bilder 1, 79.
c) formen der substantivierung.
α) am conservativsten zeigt sich hier das neutrum.
1)) eine in der älteren sprache viel gebrauchte verwendung entwickelt sich aus verbindungen wie geweihtes erdreich u. a. (s. o.) durch unterdrückung des substantivs:

der (ritter Hans Thalbort) war im schweren bann verdorben.
schuld halb schlug man das gweicht im ab.
H. Sachs (Olivier u. Artus 2) 8, 225 Keller;

bemerkenswert ist hier die verschiedenheit der räumlichen anschauung, die sich im wechsel der präpositionen spiegelt.
a))

fürder dich baldt herwider du
und forder zusammen die nachtbawrn
alhie her in die kirchoff-mawrn,
das wirs auff dem geweichten probirn.
H. Sachs (der gestolen pachen) 14, 227 Keller u. Götze;

mein lieber sn, thu vor deim dot ein peicht,
das man dich pegrabe auf das geweicht. (Eulenspiegel mit der kellnerin) fab. u. schw. 4, 64;

(soldaten) die nicht allezeit auff das geweihte begraben werden können, sondern irgends auff dem felde. Grimmelshausen Simpl. 325 neudr.; da bat er in, er solte das kind an das geweicht vergraben. Pauli schimpf 31.
b)) (die selbstmörderin) ward zu sant Leonhardt vergraben. und regnet fast umb die selb zit; meint man, es wer dorumb, das si im gewichten lg. Heinrich v. Beinheim 1439, s. Basler chron, 5, 429; man pracht laub vom bischof von Bamberg, das man in (den selbstmörder) zu unser lieben frawen pruder in das geweicht leget. Heinr. Deichsler chron. v. Nürnberg (deutsche städtechron. 11, 263); (ein betrunkner bauer, der glaubte tot zu sein) wolte sich auch nit da dannen bewegen laszen, bisz letztlich seiner nachbaurn etliche darzu kamen, mit gewalt in auffhuben unt auff ein wagen legten, da abzuführen, und ihn, wie sie zu ihm sagten, in das geweihete zu vergraben, von deszwegen liesz ers geschehen. Kirchhof wendunmut (2, 146) 1, 196 Österley.
2)) der verbindung mit substantiven wie sache, ding u. a. steht eine substantivierung nahe, die mundartlich noch heute üblich ist: an dem geweiheten sündigen (prov.), quod de sacro detraxerit. Henisch 1595 (vgl. sich versündigt, an dem das dem herrn geweihet ist. Luther 3 Mos. 5, 15, geheiligt Kautzsch); das g'weichte, kirchlich gesegneter gegenstand, z. b. geweihtes fleisch, brod, salz u. dgl. am oster-, weihnachts- und anderen festen. Schöpf 808, vgl. auch gesegnets; item so einer einen stock ... auffbricht ... und der stock stet auff dem geweichten: man sol sölchen dieb auch verprennen. Bambergische halsgerichtsordnung § 199 Kohler u. Scheel.
3)) bei Geiler dient diese substantivierung sogar der abstraction: sie (die leichtfertigen menschen) sind gouckellecht, in worten, ire redenn hond kein tapfferkeit, noch geweicht, aber sie treibendt gt schwenck unnd täding. Geiler v. Keisersberg seelenparadisz 156a.
4)) als gelegenheitsbildung kehrt die substantivierung im neutrum auch in der späteren sprache wieder: weihnisz (wäre) nicht mehr weihung, sondern geweihtes. Radlof teutsch-kundl. forschungen 1, 9; zu den charakteristischsten gebräuchen der Polen gehört vor allen das sogenannte siweone ... oder geweihte, ein mahl, welches am ostersonntage zu mittage gegeben wird, und dem die ganze zu diesem fest versammelte familie stehend beiwohnt. das polnische ostermahl, s. Berliner magazin f. d. litt. d. auslandes 12, 539.
β) weit entwicklungsfähiger ist diejenige form der substantivierung, die aus der beziehung auf personen erwächst; sie betrifft fast ausschlieszlich das masculinum. zunächst auf den geistlichen stand beschränkt, erweitert sieentsprechend den mannigfaltigen bedürfnissen der neueren litteraturspracheihren kreis seit der mitte des 18. jahrhunderts. besonders deutlich treten hier die unterschiede zwischen der erstarrten form und occasionellen neubildungen

[Bd. 6, Sp. 5452]


zu tage, die ihrerseits ja auch in lautlicher beziehung verschiedenheit bewirkten, vgl. oben geweiht neben geweicht. andererseits macht sich auch der gegensatz zwischen absolutem und relativem gebrauch geltend, vgl. unter 2)).
1)) die aus dem absoluten gebrauch entwickelten formen.
a)) beschränkung auf den geistlichen stand. die erstarrte form wird hier vorwiegend im plural gebraucht, der singular ist ganz vereinzelt.
α)) plural: do mit will ich nit abgesprochen haben den stifftungen, so jetz besitzen die gewichten, aber täglichs z tragen zfelliger gaben beger ich abgestellt werden. Joh. Eberlin 7. bundesgenosz 1, 77 Enders; er solt aber die geistlichen unnd geweichtten nit darein gemengt han, der eselkopf, die wissen vor wol, was sünd ist. H. Sachs (disputation zwischen chorherrn u. schuhmacher) 22, 8 Götze; wie reden die leien so gar freflich gegen uns geweichten! 22, 30; ebenso (des puelers peicht) fabeln u. schwänke 4, 507; da auff ein zeit viel geweichte in einer herrlichen procession zu eim besessenen ... kamen, den bösen geist auszzutreiben, hab der teufel ausz dem wansinnigen laut gesungen, o popule meus quid feci tibi. Mathesius (Luther) 3, 352; geweiht, qui sont profez et ont fait les voeux. Hulsius (1616) 138a; geweihete, plur. professi, che hanno fatti i voti di religione, ceux qui sont profés et ont fait les voeux. Rädlein 382b; geweihte, sacramento rogati intra peristylia et religione obstricti. Kirsch 2, 151a;

mischt faulheit sich und heuchelei
mit unvernunft in einen brei,
so stöszt die gährung mit gebraus
konvente von geweihten aus,
wie die chemisten tinte ziehn
aus salz, galläpfeln und urin;
aus ähnlicher mixtur entstand
papst Bonifaz und Hildebrand.
Thümmel (reise 3) 3, 41.


β)) der singular:

ich musz da warten auff ein gweichten,
welcher kümbt nachher in der nehen.
H. Sachs (fahrend schüler im paradies) 14, 79 Keller-Götze, ebenso fab. 5, 269 Götze u. Drescher;

geweiheter, un profés, qui a fait voeu, ou un religieux qui a fait profession. Duez 198b; bruder teufel fall nicht so hart aus dem karakter, ich möchte sonst beinahe an dir verzweifeln und dich für einen heiligen halten, zum mindesten für einen geweihten. Bonaventura 2. nachtwache. Michel s. 14; als ihr haufe (der mönche) beisammen und auf seinem fortzuge begriffen war, und nun auch der letzte geweihte heraus trat, der dieses heiligthum verschlieszen muszte, wagte ich es, mich ihm in demüthiger stellung zu nähern. Thümmel (reise in die mittäglichen provinz. von Frankreich 1) 1, 135.
b)) erweiterung: die priester, diesem vorzukommen, wählten natürlich die decke des geheimnisses ... die häupter des volks drängten sich zuerst hinter die decke und wurden geweihte. Herder (ideen z. philos. d. gesch. d. menschh., entwurf 9, 5) 13, 461; priestersazung verstattete den wonnebezirk des Hades nur den frommen, welche die gebräuche des götterdienstes mit fleisz beobachtet; den geweiheten jedoch, und zumal den zur hehren schau vollendeten, war bestimmt der vorsiz am elysischen wonnefest. J. H. Voss antisymbolik (2. stück) 1, 218; sie wissen, dasz von Orpheus und Hesiodus an fast alle begeisterte lehrsprüche und geheimnisse an schüler, geweihte, jünger gestellt wurden; die namen Linus, Musäus, Perses sind bekannt. Herder (briefe d. stud. d. theol. betr. 1, 11) 10, 126; es war um die zeit, als die herzensergieszungen des klosterbruders das volk zu entzünden begannen, nachdem sie viele jahre hindurch nur in einem engen kreise weniger geweihten einflusz bewiesen hatten. Immermann (epigonen 6, 3) 6, 147 Hempel;

es schleuszt den mund ein goldenes schlosz,
der geweihten mund die schauten das licht
hoher weihung!
Chr. Stolberg (Ödipus in Kolonos) 13, 275;

wundersam, durch dunkelheiten,
geht, allheilige natur,
deines zaubertrittes spur,
ahnend folgen die geweihten. (der wahre traum) 1, 183;

... sie sind ein weiser, ein prophet,
sie zählen sich zu den geweihten hier auf erden.
Kotzebue (freimaurer 6) 35, 17;

[Bd. 6, Sp. 5453]



wann die natur will knüpfen und erbauen,
dann liebt in stillen tiefen sie zu walten;
geweihten einzig ist vergönnt zu schauen,
wie ihre hand den frühling mag gestalten.
Uhland (an K. M.) 1, 113 E. Schmidt;

und dieselben menschlein nun, die ihr kaltes dämmerndes dasein an diesen eroberten Prometheus-strahlen erwärmen, diese wollen dann schelten, wenn der geheiligte, unterirdisch geweihte nicht ihren satzungen der alltäglichkeit gehorcht? Tieck (dichterleben 1) 18, 94.
2)) die form der substantivierung, die vom relativen gebrauche ausgeht, bedingt eine verschiebung der casus (verdrängung des dativs durch den genetiv: dem herrn geweiht, der geweihte des herrn). auf diese neue form der verbindung mögen wendungen eingewirkt haben, die unmittelbar aus der substantivfunction hervorgingen (des widerchristen legaten und geweihten. Mathesius [Luther] 3, 197 Lösche; seine geweihten s. u.). schon hierin lag ein anreiz für neubildungen, die niemals das durchgangsstadium des participialen adjectivs durchlaufen haben. die gleiche erscheinung war schon in der althochdeutschen litteratur zu beobachten, wo sie an lateinisches vorbild sich anlehnte; in der neueren deutschen litteratur ist sie wohl aus eigener kraft neu erwachsen; sie wurde überdiesz begünstigt durch die flexionsverhältnisse. wo das particip mit dem singular eines femininums sich verband, blieb es unsicher, ob dativ oder genetiv vorlag, und so war der boden für die casusverschiebung auch hier vorbereitet. für alle diese verwendungen zeigt sich die beziehung auf den geistlichen stand schon gelockert und verblaszt; neu ist die verbindung mit andern als persönlichen genetiven; es erscheinen namentlich abstracta an dieser stelle.
a)) David war ein geweihter des herrn. Hebbel (Judith 3) 1, 41 Werner; der künstliche lockenbau des kastanienbraunen haars, der babilonische thurm des krepps nach damaliger mode ... alles das kündigte eher einen geweiheten der holden dame von Gnidus, als einen priester der ernsten und ehrbaren Themis an. Joh. Gottwerth Müller Siegfried v. Lindenberg 151; daher ist auch bei den rohesten völkern die sprache der religion immer die älteste, dunkelste sprache, oft ihren geweiheten selbst, vielmehr den fremdlingen unverständlich. Herder (ideen zur philos. d. gesch. d. menschheit 9, 5) 13, 389; allenthalben auf der erde zeichnet sich die heilige sprache als eine erhabenere, ältere, feierliche aus, die oft ihre geweihten selbst nicht, vielweniger die ankömmlinge verstanden. 13, 460; meistens sind sie bei jeder nation uralt und die meisten ihrer geweihten wissen vielleicht selbst nicht mehr den ursprung und die eigentliche bedeutung. 458;

Phöbus Apollon, mit silbernem bogen! wir trauen der ahnung,
die dein heiliger mund deinem geweiheten haucht.
F. L. Stolberg (Theseus) 4, 10;

die wissenschaften sind edel und gut, stärken und nähren die seelen ihrer geweiheten, führen ihre lieblinge auf grüne auen. (die insel) 3, 145;

alhier wird die gegenwärtige erd-amm verehret
wenn ein festliches rauschen aus den benachbarten wolken
schimmernd herabkommt und ihren geweihten ihr dasein verkündigt.
Wieland Hermann 2 v. 754 Muncker.


b))

... wenn sich unser vater zur ruh', sich Hagedorn hinlegt:
Ebert, was sind wir alsdann,
wir geweihten des schmerzes, die hier ein trüberes schicksal
länger als alle sie liesz?
Klopstock (an Ebert) 5, 37 Boxberger (var.: wir verlassenen beide);

ewig ist die dauer des schlafs! heiliger schlaf! beglücke zu selten nicht der nacht geweihte in diesem irdischen tagewerk. Novalis (hymnen an die nacht) 2, 3, Tieck u. Schlegel;

bist du nicht gewohnt vor allen,
als der einsamkeit geweihter,
ohne fuszpfad und begleiter
durch den stillen forst zu wallen?
Platen (lieder u. romanzen) 1, 33.


c)) während bei den letzten belegen für feminina der casus offen bleibt, ist bei anderen (für das masc.) der dativ sichergestellt: er selbst (Atreus) stehet am altare, befühlt die dem tode geweihten, legt sie zurechte, und ergreift den stahl. Lessing (theatr. biblioth. 2: Seneca, Thyest. 4) 6, 214, Lachmann-Muncker;

[Bd. 6, Sp. 5454]


dazu vgl.

zum kampf denn, Römer! laszt uns streiten!
es grüszen euch die todgeweihten,
und so wie heut zum letztenmal!
Lingg (Spartacus) ged. 1, 23;

euch, dem Helios geweihten,
heitern tags gebenedeiten,
grusz zur stunde, die bewegt
Luna's hochverehrung regt!
Göthe (Faust 2, 2) 41, 170.


d) der relative gebrauch des adjectivs. wie sehr gerade der relative gebrauch zur verblassung der ursprünglichen bedeutung und zur erweiterung des umfanges führt, zeigt sich schon in verbindungen des particips mit dem verbum substantivum. auch hierin bleibt geheiligt weit zurück:

wolt auch geistliche ampt verbringen,
halff den geissen ir complet singen
und bin doch nicht darzu geweicht,
kam nie in kein kirchen villeicht.
H. Sachs (fabel vom stolzen wolf) 17, 463;

wer aber frembde dienst wil dreiben,
darzu er doch gar niht geweihet ist,
die er nicht kan, noch hat gelert,
verdient undanck all frist. (der esel mit seinem herrn) fab. u. schw. 3, 379;

nicht geweiht sein zu etwas, nicht dazu befugt sein. Schmeller 22, 882. aus diesen und anderen verwendungen (dasz die kinder frühem tode geweiht seien, denen die eltern selber pathe gestanden Gervinus selbstbiogr. 10), werden einzelne verbindungen auch in die function der apposition und des attributes übernommen:
α)

das sie heulend schallt,
und nur geweiht zu friedensklängen
die losung anstimmt zur gewalt.
Schiller (glocke 367) 11, 317;

wer sänge das!ein jüng'rer könnt' es kaum,
von ros'ger schönheit,zum gesang geweiht.
Geibel juniuslieder ('am meere');

um manche stille kirchhofmauer
mag schweben euer schattenflug,
beflügelt von der sehnsucht leisem zug,
zu hügeln, wo geweiht der trauer,
ein kranz noch welkt beim aschenkrug.
Lingg (die verschollenen) ged. 2, 355;

uns, zur liebe geweiht, ach! zu der innigsten
seelenliebe geweiht: warum bestrahlt der mond
still die wolken durchwandelnd,
uns durch hügel und thal getrennt?
Voss (an Selma) oden u. elegien 191 Sauer;

lausche, jungfrau, aus der höhe
einem liede, dir geweiht!
Uhland (entsagung) 1, 139 E. Schmidt.


β)

entsagst du muthig in der weihe stunde
den götzen, die als höchster zweck dir galten,
und reiszest blutig sie aus herzensgrunde;
wirst über sie als mittel du noch schalten,
dann dienen kunst und ird'sche liebe dir,
und fröhnen deinem gottgeweihten walten.
Chamisso (malerzeichen) 44, 156;

und jeder zephyr, der durch blumen schwirrte,
soll deinen spuren folgen ohne säumen,
zu dieses thales dir geweihten räumen,
wo seine hirtin heut' umfängt ihr hirte.
Rückert (liebesfrühling) poet. werke 1, 303;

am 27. märz 1883 endete der tod ihr reich gesegnetes, selbstloser liebe geweihtes leben. v. Leszcynski in den ges. schriften Moltkes 5, 30 (über Moltkes schwester Auguste); 'ich sehe sie, würdige verwandte der ewigkeit', entwickelte sich seine rührende anrede, 'durch die irdische freude des wiedersehens zu empfindungen hingerissen, die mit diesem der stillen andacht geweihten orte unverträglich sein würden, hätte sie nicht der letzte wille einer frommen gattin und mutter herbeigerufen, entsündigt und zu höhern endzwecken geheiligt'. Thümmel (reise 5) 5, 174; das der nummismatik geweihte zimmer entspricht seinem rufe völlig. Matthisson erinnerungen 1, 233.
e) composita erwachsen theils den eben besprochenen verbindungen, vgl. DWB gottgeweiht; todgeweiht, schmerzgeweiht u. a. auf eine andere form der verbindung weist liedergeweiht, vgl.: ire nachkommen, so mit schlechter heiligkait sind gweicht gewesen. Alpinus Polydor. Vergilius 9a; hochgeweiht (s. th. 4, 2, sp. 1622) beruht auf adverbialer verstärkung, und das schon mittelhochd. (Lexer 3, 1887) belegte ungeweiht legt von dem übergang des particips in die kategorie der adjectiva zeugnis ab.
 
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geweihtragend, participiales adjectiv, umschreibung für geweiht I (s. d.). antlered, geweihtragend, mit einem geweih geschmückt. Grieb-Schröer engl.-deutsch. wb. 51c; ähnl. Muret deutsch-engl. wb. 2a, 875.

[Bd. 6, Sp. 5455]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweihwechsel, m.: der geweihwechsel (hängt) mit dem genitalverhältnisse ... zusammen. Behlen 417.
 
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geweilen, verb., verstärktes weilen, s. d.:

... das läger thet man schlagen,
die im schlosz schoszen zu uns heraus,
wünschten uns ein gutten tage.
wir liszen alle ding wol geweilen,
und wolten mit dem geschüz nit eilen,
bisz es uns war gelegen. das Helffensteiner lied bei
Adrian mittheil. aus handschr. 130.


 
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geweil, n., bravium, geweill, gemma gemmarum (1507) Diefenbach 81a; die parallele mit βραβεῖον (kampfpreis, vgl. bravium, zil, lauffers ... lon, wedelopers danck ... lobe krone. ebenda) verbietet, auf wîla, wîle, velum s. u.) zurückzugehen; sie nöthigt vielmehr, an hwîla, wîle, weile, zeitpunkt anzuknüpfen, wobei die grundbedeutung von weile herangezogen werden musz.
 
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geweilt, gewilt, participiales adjectiv zu weilen, wîlen, velare, vgl. Graff 1, 895 (wîlôn); mhd. wb. 3, 671a; Lexer 3, 887. das wort ist in bezug auf die einschleierung der gottesbräute gebraucht und erscheint schon in den Monseeer glossen zum africanischen konzil. velata, giwilotiu; non velata, ungiwilotiu. Steinmeyer-Sievers 2, 122; ein magt solt also blug und also schämig sin das si keinen man mit vollen ougen niemer solt an gesehen und sunderlich ein gewiloti magt diu solt iren wil alwegent vor irem antlüt haben das man si ouch kum möchti angesehen. altdeutsche predigten s. 203 Wackernagel;

dî clôster gar vorbrunnen;
der reinen clôsternunnen,
dî gote wârin kûsch gewîlt.
Jeroschin 26, 538;

es ist och gedinget, alle die wil, daʒ Agnes Frigelin lebet, du och ein gewiltù frowe ist, in dem vorgenanten unserm closter. urk. von 1356 aus dem kloster Lichtenthal, vgl. zsch. gesch. d. Oberrheins 8, 208, ebenso 219. 356. 439; so haben wir alle gemeinlichen gelobet ... daʒ wir durch deheinreleige sach willen, fruntschafft noch gunste, keine pfründe sollen geben in deheine wise, die wil unsere ein und funfczig gewilter frowen sint, mit sölicher bescheidenheit, wenne ein gewilte frowe oder me sterbent, daʒ gotte lange wende, so mogen wir also vil pfründen geben, als denne frouwen abegangen sint, die ouch gewilte frowen werden söllent, also daʒ wir alle zit bliben an der zal einer und funfzig gewilter frouwen. 345. ebenso 219. 353; der erwirdig vatter fünng an den frauen zue erzellen sein fürnemen und die päpstlicher gehorsame, das er nemlich solte abforderen 8 geweilet frauen, der namen in der obedients von dem päpstlichen stul geschriben sein. chron. d. Bickenklosters zu Villingen 24 Glatz; so mag die leischwester mit kochen, schüsslen weschen, fegen und andere werck eben als vil verdienen als die gewilte schwester (die eingekleidete nonne). Geiler christl. bilg. 189a, geweilte closter-frau, sanctimonialis. vocab. von 1482, vgl. Frisch 2, 434c.
 
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geweine, gewein, n., verbalsubstantiv zu weinen (s. d.). am frühesten belegt ist eine bildung, die sich in der form an die collectiva anschlieszt, vgl. gethierz u. a., vgl. gesteinze, gebeinze (vgl. Grimm gramm. 2, 214):

herr Dietherr von Isenburg bischof zu Meinz,
in der drîer hern land ist grôsz geweinz
von kindern, frauwen und auch von mannen. lied auf die schlacht bei Seckenheim bei
Liliencron 114, 6 (1, s. 529);

die heutige form, die mit der anderer verbalsubstantiva übereinstimmt, ist zuerst bei den Schlesiern belegt, und hat sich von da aus in der litteratur und in den wörterbüchern viel früher und nachhaltiger festgesetzt als andere ähnliche bildungen:

diss soll der trau-ring sein
diss klägliche gewein.
Gryphius (verliebtes gespenst 4) 315 Palm;

lasst uns den tag begehen
mit seuffzendem gewein. (Stuart 3, 490) 419;

die dunkel einsamkeit,
vorhin durch ihr gewein bethränet und beschreit,
soll nunmehr zeuge sein (ich hass, ich flieh Celinden)
dasz sie, Olympe, nur, nur mächtig mich zu binden. (Cardenio 4, 120) 314;

weinung, die, das weinen, it. das geweine, ploratus, fletus, lacrimatio. Stieler 2480; gewein, n. les pleurs, deploratio. Pomey 133; geweine (das), das stetige weinen, a

[Bd. 6, Sp. 5456]


long whining, weeping, crying, howling. teutsch-engl. wb. 2, 771; geweine, geween Kramer 2, 97a; das gewein oder das geweine Adelung 2, 659; geweine, continual weeping or crying. Hilpert 1, 463c;

so gebildet, so war, glaubt's dem begeisterten dichter,
einst als säugling Alcid, als durch sein erstes gewein'
Juno's schlangen geschreckt von seiner wiege zurückflohn.
Wieland (übers. v. Villoisons ged. auf d. geburt des erbprinzen von Sachsen-Weimar) 6, 50 Hempel;

dacht' ich's doch, dasz ihr's nicht wiszt (was sich heut nacht zugetragen). was ein geweine die stiege hinauf und hinunter, hört' mahl; hört ihr's jetzt? maler Müller (Golo u. Genovefa 3, 6) 3, 182.

 

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