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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewehrtheil bis geweichen (Bd. 6, Sp. 5425 bis 5426)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewehrtheil, m.: sollen nun aber verrostete gewehrtheile ... förmlich geputzt werden, so ist es am zweckmäszigsten, den rost durch oehl zu lösen und dann die theile zu putzen. Mauritius beschreib. d. neuen preusz. infanteriegewehres 112.
 
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gewehrtrage, f. gewehrtrage s. DWB gewehrkasten. Thiel 4, 422.
 
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gewehrtragenn. die zum compositum erstarrte form der oben (sp. 5406) angeführten verbindung wird von J. Paul übertragen gebraucht: ... in diese winkel ... wird mancher rücken mit quetschwunden vom gewehrtragen des bürgerlichen lebens treten. J. Paul (Hesperus 1) 7, 173; du standest als eine tragende pfänderstatue da, der die pathologie alle ihre insignien und schilde aufpackte und umsteckte — jämmerlich schrittest du herum unter deinem medizinischen gewehrtragen und deiner semiotischen landfracht von herzpolipus, mazerierten lungenflügel, magen-insassen u. s. w. (unsichtbare loge 3) 3, 56.
 
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gewehrverschlag, m.: deswegen ist nothwendig, die weit zu transportirende gewehre mit aller sorgfalt, und dergestalt in ordentliche gewehrverschläge ohne stroh zu packen, dasz jedes seine feste lage erhalte, und sie durch angebrachte querleisten verhindert werden einander zu berühren und sich zu reiben. freiherr v. Unterberger wesentl. kenntnisse d. infanterie ... gewehre ... (Wien 1807) 78.
 
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gewehrzaun, m., vgl. DWB gewährzaun.
 
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geweht, participiales adjectiv zu wehen (s. d.): er sah gar nichts mehr, das einem tritte ähnlich war, sondern nur die feinen schneiden des gewehten sandes. Stifter (Abdias) studien 2, 232.
 
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geweibt , participiales adjectiv zu weiben (s. d.), vgl. wîben mhd. wb. 3, 721a. Lexer 3, 418. während die verbalformen von gewîben, geweiben (Lexer 1, 989) sonst nicht über die mittelhochdeutsche zeit hinausreichen (als spätester beleg gilt: wie die marggraven von Myssen sich geweibeten. Rothe Thür. chron. 691) läszt sich das particip noch in der älteren zeit der neuhochdeutschen periode nachweisen.
1) innerhalb der verbalflexion verallgemeinert und erweitert sich die bedeutung.
a) engere bedeutung:

der kater blîdeclîch dar gie,
er sprach: 'got êre iuch fröuwelîn,
ich wil mit iu gewîbet sîn,
ir sît mit mir gemannet wol.
Herad v. Wildonie (die katze 162) Kummer s. 172;

so hât diu minne ir tôren ouch:
jâ dunkt er mich der sinneunt ouch der minne ein rehter gouch,
swer heime ist wol gewîbetunt ûf ein ander wendet sînen muot!
Reinmar v. Zweter 121, 6 Röthe, ebenso
H. v. Wildonie die katze 172.


b) erweiterung der bedeutung: doch meindent etliche: hettent die herzogen von Peigern des küniges (v. Frankreich) volkes begert, er hette in volkes geng gegeben wider die stette, wann er under sü gewibet was. Jac. Twinger v. Königshofen c. 5 (deutsche städtechron. 9, 844 anm.).
2) auszerhalb der verbalflexion ist es anscheinend nur die engere bedeutung, die sich isoliert: alle tage new anmutung oder keufen, alle wochen fremde aufsetzung oder muffeln, alle monat newen unlustigen unflat oder grawen, alle jare newes cleiden oder teglichs strafen musz ein ge weibter (var. beweipter) man haben, er gewin es, wo er

[Bd. 6, Sp. 5426]


wolle. ackermann aus Böhmen 45 Knieschek; geweibt, der der ein weib hat, coniugatus, vulgo uxoratus. Henisch 1596. ghe-wyft coniugatus, vulgo uxoratus. Kilian 146b.
 
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geweibets, n., mundartliche collectivbildung zum substantiv weib (s. d.): geweibets .. geweibeten sammelausdruck für: weiber, weibervolk (vgl.gemannets) ober und oststeir. Unger-Khull 290b.
 
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geweiche, n., vereinzelte substantivbildung zu weichen (s. d.): mokánca, das genässe, geweiche. Pfuhl laus. wend. wb. 577b.
 
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geweichen, verb., verstärkte form zu zwei verschiedenartigen verbis, die aber auf eine gemeinsame wurzel zurückführen, vgl. DWB weichen, cedere (ahd. wîchan, s. Graff 1, 709) und weichen, weich machen (ahd. weichjan, 1, 712, vgl. auch weichên, weich werden, 1, 714). der ausgangspunkt für weichen, cedere, liegt in der bedeutung 'den halt verlieren, nachgeben', eine bedeutung, die auch unserem weich zu grunde liegt. die neuhochdeutsche sprache führt das zweite weichen nur noch als transitivum und meist nur in zusammensetzungen (er-, auf-, einweichen) weiter, dagegen hat sie das erstere noch in vollem lebendigen gebrauch. von ihm sind auch formen mit ge aus frühneuhochdeutschen quellen noch belegt. die darstellung wird sich daher in erster linie auf geweichen I richten.
 
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geweichen I . das verbum ist in der althochdeutschen periode fast nur aus glossen belegt (s. gawîchan Graff 1, 709), entfaltet jedoch schon in diesen eine mannigfaltigkeit des gebrauchs, namentlich nach der übertragenen seite, wo es sich geradezu mit geweichen II berührt. den höhepunkt erreicht die verwendung in der mittelhochdeutschen periode (vgl. gewîchen mhd. wb. 3, 616b. Lexer 1, 990), die jedoch das verbum nicht in der eigentlichen blütezeit, sondern nur in den ältesten und den spätesten denkmälern aufkommen läszt. in die neuhochdeutsche periode treten nur die einfachsten formen der sinnlichsten bedeutung über.
1) im bedeutungsgehalt ist das moment der bewegung ausgeprägt, doch nicht in rein sinnlicher anschauung, sondern auf abstracte vorgänge übertragen. erst in den spätesten belegen wird die sinnliche bedeutung rein entwickelt, vgl. b) β).
a) wo die bewegung scheinbar durch ortsbestimmungen veranschaulicht wird, sind diese gerade die träger der abstraction: discesseris, descisseres, kewichis St. Galler glossen des 10. jahrh. zu Boethius de consolat. philos. (vgl.daʒ ouh tû etewaʒ kerucchet sîst aba dînero ebenmuoti). Steinmeyer-Sievers 2, 57b; ebenso Einsiedelner glossen zum gleichen, ebenda 2, 63a. Tegernseer glossen 11. jahrh. ebenda 2, 72b:

to unrechte en konde sin herte nicht gewiken,
an rechten werken bewisede he wol rechten loven.
Eberhards reimchron. v. Gandersheim 1522 (Weiland).


b) sinnlichere bedeutung erwächst den belegen, in denen der factor gekennzeichnet ist, unter dessen druck die bewegung anhebt: personen, lebewesen, concreta, denen der schwächere nachgiebt, weicht.
α) cessimus gewichun Werdener glossen (11. jahrh.) zu Galat. 2, 5 (vgl. DWB da etliche falsche brüder sich mit eingedrungen, wichen wir denselbigen nicht eine stunde. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 768b;

dem tier ich nit geweichen mag.
Oswald v. Wolkenstein 92, 9 Schatz.


β) in verbindung mit concreten objecten wird das metaphorische moment ganz abgestreift (vgl. auch unter 3): es was zu aller zeit kottig überall in der stat und wasen umb und umb hültzin stapfen über die gassen und grosz fürschlacht vor den heusern und tief kottig weg in der strauss, dass kam ain wagen dem andern geweichen mocht in ainer weiten gassen. chronik des Burkard Zink deutsche städtechron. 5, 147; auch öffnen wür, das ain gäszl geet zwischen der miter egarten und des milangers aus in die au. das soll als weit sein, das ain wagen dem andern wol darin geweichen mag. dorföffnung v. Kematen (österr. weisth. 2, 259).
2) wo die vorstellung einer fortbewegung nicht herausgearbeitet erscheint, mag sie durch den übertragenen gebrauch verdunkelt worden sein, hieher gehören gerade die ältesten beispiele, die für das zusammengesetzte verbum beigebracht werden.

[Bd. 6, Sp. 5427]



a) aus solcher entwicklung erklärt sich der absolute gebrauch:
α) in der althochdeutschen zeit berührt sich dieser eng mit verwendungen von geweichen II: ut nemo moveatur (in tribulationibus istis) ni kiwihe Weiszenburger glossen des 9. jahrh. zu Thessal. 1, 3, 3 (daʒ kainer wirt bewegt. cod. Tepl., das nicht jemand weich würde. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 744; infirmati sunt, do gewichen sie nôte, wanda der ne was der in hulfe. Notker psalm 106, 12 (das sie da lagen. Luther psalm 107, 12). ähnlich:

daʒ ist daʒ himilrîche.
de ist uns allen gemeinlîche.
ûf gestechet ze eineme zile.
dar loufet swer dir wile.
ist dîn grunt veste in gote erhaben,
so wil ich u werlîche sagen,
daʒ ber zimber en mach nicht gewîchin,
uns nâhet daʒ gotes rîche. Rolandslied 33, 21 Grimm.


β) einzelne formen des späteren mittelhochdeutschen gebrauches lassen noch die näheren bestimmungen erkennen, die abgestreift wurden:

dô wart zi stunt mit dem êristin man
suslîch gidingi gitân,
daʒ er ein einwîg rungi
mid demo giboti vur mankunni,
obi er den sigi irwurbi,
daʒ der mennischi nimmir irsturbi, ...
wanti der unsir chempho dô giweich,
leidir er unsich alli bisuêch. summa theologiae 11, 9
Müllenhoff u.
Scherer denkm.3 1, 117.


b) wo diese verwendung einen persönlichen dativ aufnimmt, handelt es sich nicht mehr um den factor, dem raum gegeben wird, sondern allgemein um die person, die an dem vorgang interessiert ist: einem entweichen.
α) deficias, giwihhes Monseer glossen des 10. jahrh., Tegernseer glossen des 11. jahrh. u. a. zu den sprüchen Salomos 3, 11 (verwirff die zucht des herrn nicht. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 529;

gnedic herre heilige crist,
allir dîner holden,
di dir dienen wolden,
der bistu zouersiht.
den gewîches du nicht. vom glauben 3125 Maszmann;

daʒ dir got gewîche. Tristan als mönch 674 Paul,

ebenso 1130. 1576. Bech zeitschr. d. phil. 29, 340;

ir nimmermer geweich
in meines herzen teich
als ich ir das loblichen hoch versprach.
Oswald v. Wolkenstein 19, 12 Schatz.


β)

als uns ir lêre hât geseit,
den nie geweich diu wârheit,
den got mit werken zaller stunt
ervulte, swaʒ gesprach ir munt.
Rudolf v. Ems Barlaam u. Josaph. 85, 8 Pfeiffer.


3) wie hier die betheiligte person, so ist in anderen ähnlichen verwendungen ein ziel gekennzeichnet:

ir ougen sâhen swenken
dâ rückeshalp den wilden sê,
vor dem enkunden si niht mê
gewîchen hinder sich noch komen.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 25401 Keller.

diese und andere belege berühren sich anscheinend eng mit den unter 1) a) besprochenen beispielen; vor allem arbeiten sie das moment der bewegung kräftig heraus; aber die art der bewegung ist eine andere, sie ist von der bedeutung beeinfluszt, die sich in der unter 2) zusammengefaszten gruppe entwickelt hat:

Petrus von verren nach gesleich
und in den furhof hin geweich. evangelienwerk von St. Paul 68b Schönbach (Marcus 14, 54);

und sollent niht da hin gewichen. (non intrent in eum Lucas 21, 21) 104b;

auch ist gemelt worden, ob zu ungewondlicher zeit ain snee oder grosz ungewiter chöm, also das die, so dann daselbs enhalben auf der höch des gepirgs albm habent und zu den güttern in Mittersiler gericht gehörn, nicht her haimbertz geweichen möchten über die gepirg mit irm vich. öffnungen und rügungen ... zu Mittersill (österr. weisth. 1, 284).

 

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